Samstag, 28. Februar 2026

Wahlprogramme aus Baden-Württemberg - fast ein Totalausfall für Kulturerbe, Denkmalpflege und Kulturwissenschaften

Am 8. März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg (und am 22.3. in Rheinland-Pfalz). Nach der letzten Wahl in Baden-Württemberg hatte die Archäologie 2021 im grün-schwarzen Koalitionsvertrag auch einen gewissen Stellenwert. Zum Programm gehörten auch öffentlich zugängliche Denkmalinformationen in einem Denkmalportal, um Transparenz zu schaffen und  Interesse zu wecken. Dafür ist Geld geflossen, das zur Denkmalkarte Baden-Württemberg geführt hat. Beim Linden-Museum in Stuttgart zum Beispiel  liegt noch keine verbindliche Planung vor (swr 7.1.2026).
 
Die Wahlprogramme sind erreichbar über: 

Die GRÜNEN - Stabil in bewegten Zeiten

Das Wahlprogramm von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Baden-Württemberg zur Landtagswahl 2026 (hier online) steht unter dem Motto „Stabil in bewegten Zeiten“. Mit Cem Özdemir als Spitzenkandidat setzen die Grünen auf eine Politik der „radikalen Sachlichkeit“, um Baden-Württemberg als lebenswerte Heimat und innovativen Wirtschaftsstandort zu erhalten. Die Schwerpunkte liegen auf den drei Kernbereichen Klimaschutz und Natur, Wirtschaft und Innovation sowie Bildung und Aufstieg.

Das Wahlprogramm behandelt Kultur an verschiedenen Stellen als verbindendes Element. Es erwähnt Kulturföderung, die Rolle von Buchläden (S. 65) oder die Bedeutung des Ehrenamts (S. 66) - aber auch Museen (S. 66) mit einem besonderen Augenmerk jedoch auf der Provenienzforschung. "Baden-Württemberg stellt sich seiner kolonialen Vergangenheit und ist Vorreiter für Provenienzforschung und Restitution. Wir unterstützen den Weg unserer Museen und Einrichtungen, weiterhin konsequent und transparent aufzuarbeiten, woher Objekte in unseren Museen sowie wissenschaftlichen Sammlungen kommen, um unrechtmäßig erworbene Kulturgüter zu identifizieren und zurückzugeben. Dafür stärken wir unsere Gesamtstrategie „Koloniale Verantwortung“, an der Museen, Hochschulen und Archive beteiligt sind. Wir stärken lokale Initiativen, Museen und Bildungsstätten bei regionalen Projekten". Und weiter: "Unsere Landesmuseen sind wichtige Orte der Forschung, der Bildung und der Wissenschaftskommunikation. Wir werden den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche in die Sammlungsausstellungen der Landesmuseen fortsetzen. Es ist unsere Aufgabe, die Landesmuseen zukunftsfest aufzustellen" (S. 67).

Die Grünen in Baden-Württemberg setzen in Kapitel 4.4 auf die Freiheit der Kunst, die Stärkung der Breitenkultur, der Clubszene („POPLÄND“) und des Ehrenamts. Geplant sind eine Sanierungsoffensive für Kulturbauten, ein Nothilfefonds, verbesserte Arbeitsbedingungen für Künstler sowie die Förderung kultureller Teilhabe und regionaler Identität. Die Förderung für Kultur wurde um 60 Prozent gesteigert, um Kulturangebote trotz angespannter Haushaltslage, besonders in Kommunen, zukunftsfähig zu sichern. Das Kapitel  enthält jedoch keine expliziten Ausführungen zum Denkmalschutz, fordert jedoch eine Sanierungsoffensive für Kunst- und Kulturbauten [S. 65]. Bemerkenswerterweise  wird die "Heimatpflege" als Ausdruck von Tradition gewürdigt, ohne konkrete denkmalschutzrechtliche Maßnahmen zu nennen. Von Kulturdenkmälern ist nur in Kap. 1.1. als touristischen Wirttschaftsfaktor die Rede.

In Kapitel 4.5. Kraft des Landes: ländlicher Raum in Bewegung (S. 63) steht  dann aber doch noch eine einschlägige Passage

Zum kulturellen Erbe des Landes gehören auch herausragende landeseigene Schätze wie die über 40.000 Jahre alte Eiszeitkunst. Sie ist die älteste vom Menschen geschaffene Kunst der Welt – gefunden auf der Schwäbischen Alb. Mit der eigenen Eiszeitkunst-Konzeption werden wir das Bewusstsein für die historische Bedeutung dieses großartigen UNESCO-Weltkulturerbes weiter voranbringen. Die Eiszeitkunst ist genauso Bestandteil unserer baden-württembergischen Kulturgüter im starken ländlichen Raum wie die staatlichen Schlösser und Gärten, die jedes Jahr mehrere Millionen Besucher*innen anziehen. 

Ob dies nun eine Perspektive für die Mammut-Blamage (Archaeologik 8.10.2022) bedeutet, bleibt offen.

Der Heimatbegriff nimmt auffallend viel Raum ein. Er wird definiert wie folgt: "Heimat ist mehr als ein Ort auf der Landkarte – Heimat bedeutet Vertrautheit und Lebendigkeit. Heimat entsteht dort, wo Menschen Halt finden, wo sie frei und sicher leben können. Ein Zuhause ist etwas, das wir gemeinsam teilen" (S. 69). 

 

Kapitel 2.3 („Chancen erweitern“) fokussiert sich primär auf die Verbesserung von Studienbedingungen durch den Ausbau von Wohnheimplätzen und die Erhöhung der Kapazitäten in Medizin-, IT- und Lehramtsstudiengängen. "Die Freiheit der Wissenschaft ist in unserer Landesverfassung verankert. Hochschulen sind Räume des Nachdenkens, der Diskussion und der Innovation. Sie müssen geschützt, gestärkt und verlässlich finanziert werden" (S. 20). 

Die Stärkung der Wissenschaft sieht das Programm in der Unterstützung von Campi, Zentren und Verbünden für moderne, angewandte Technologien wie z.B. KI. Gundsätzlich wird darauf verwiesen, dass die bisherige grün-schwarze Landesregierung eine Aufstockung der Grundfinanzierung bereits auf den Weg gebracht hätte. Ein Verweis auf Geistes- und Sozialwissenschaften findet sich an unerwartetem Zusammenhang: "In der Sicherheits- und Verteidigungsforschung wollen wir geistes- und sozialwissenschaftliche Perspektiven einbeziehen und stärken" (S. 18). 

Anders als bei den anderen Parteien wird bezüglich der Universitäten ausdrcklich von Gleichstellung thematisiert (S. 20). 

 

 CDU - Agenda der Zuversicht – Unser Land in guten Händen

Die CDU stellt ihr "Regierungsprogramm" unter das Motto "Agenda der Zuversicht – Unser Land in guten Händen" (hier online).

Eine Suche nach den Begriffen "kuturelles Erbe", Denkmalpflege, Denkmalschutz und Archäologie (bzw. deren Abwandlungen bringt keine Ergebnisse. Auch Geistes- und Kulturwissenschaften werden nicht erwähnt.

Immerhin gibt es eine  Kulturstrategie 2036 (S. 90).

"Wir werden unsere reichhaltige Kunst- und Kulturlandschaft erhalten und Baden-Württemberg als Kulturland weiter stärken. Dazu werden wir eine Kulturstrategie Baden-Württemberg entwickeln, um für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, den Wandel der Kulturlandschaft etwa im Zuge der Digitalisierung unterstützend zu begleiten und den Erhalt und Neubau von Kulturgebäuden langfristig zu sichern. Zugleich setzen wir uns für die nachhaltige Archivierung digitaler Formate ein, um unsere Gegenwartskultur auch für nachfolgende Generationen erlebbar zu machen. Die Bewerbung der Stadt Heidelberg als europäische Kulturhauptstadt werden wir mit Nachdruck unterstützen."

Interessanterweise geht es hier beim Erhalt nur um digitale Daten, nicht um Bau- und Bodendenkmäler, noch um Kulturlandschaften - denen wird S. 59 ein ganzer Absatz gewidmet:

"Unsere Heimat ist eine gewachsene und über Jahrhunderte vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Diese Kulturlandschaft wollen wir durch Pflege und Nutzung erhalten. Wir setzen auf regionale Lösungen und gezielte Förderung statt starrer neuer Schutzkulissen. Wir respektieren den Schutz des Eigentums und die über Generationen gelebte Verantwortungskultur. Wir führen das Förderprogramm „FAKT“ fort und honorieren öffentliche Leistungen der Landwirtschaft. Auch die Landschaftspflegerichtlinie bleibt zentrales Instrument für Biodiversität und Kulturlandschaft. Wir setzen die Ziele des Biodiversitätsstärkungsgesetzes konsequent um. Die Streuobstkonzeption wird fortgeführt und finanziell gestärkt – Streuobst ist Kulturgut und Lebensraum zugleich" (S. 59).

Im Kontext von Weinbau und Weinbautourismus wird S. 56 außerdem der Erhalt der kulturell und landschaftlich bedeutsamen Steillagen als Anliegen genannt. Mit dem Schlagwort Werteland  verbindet die CDU eine "gemeinsame Geschichte, einer gewachsene Kultur und geteilte Werte".   Denkmalpflege kommt dennoch an keiner Stelle vor.

In der Bildungs- und Uiversitätspolitik setzt sich die CDU für Wissenschaftsfreiheit ein. "Staatliche Eingriffe oder ideologische Vorgaben lehnen wir ab. Das gilt auch für die Schaffung von weltanschaulich motivierten Einrichtungen."  Dazu sollen auch die Zivilklauseln jeder Art werden abgeschafft werden, die den Universitäten bislang dier Entwicklung von Militärtechnik untersagen. "denn Wissenschaftsfreiheit gilt auch für Sicherheits- und Verteidigungsforschung".  Insgesamt soll Wissenschaft viel mehr an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet werden. Das geschieht nicht über Vorgaben, sondern mit dem Instrument, dass Gründungen als gleichwertige Aufgabe neben Forschung und Lehre verankert werden sollen. Das bedeutet eine Lenkung über leistungsorientierte Mittelvergabe, die sich an der Anzahl der Ausgründungen oder Patentanmeldungen orientiert. Kultur- und Geisteswissenschaften werden damit massiv unter Spardruck gesetzt. Im Programm liest sich das (S. 29) so:

› GRÜNDUNGS- UND INNOVATIONSKULTUR AUSBAUEN
Wir wollen alles dafür tun, dass aus klugen Ideen schneller Anwendungen und neue Unternehmen entstehen. Hierfür werden wir die Gründertätigkeit als gleichwertige Kernaufgabe der Hochschulen neben Forschung und Lehre gesetzlich verankern. Mit leistungsorientierter Mittelvergabe, Folgeprogrammen zur Anschlussfinanzierung sowie gezielter Unterstützung für technologieintensive Innovationen fördern wir zukunftsweisende Forschungsprojekte.
Wechsel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sollen in beide Richtungen leichter möglich werden. Für Forscherinnen und Forscher, die Innovationen in die Praxis tragen, schaffen wir faire und attraktive Wege zurück in die Wissenschaft. Gleichzeitig werden wir Gründungen durch Professorinnen und Professoren erleichtern. So wollen wir Unternehmergeist fördern und Talente für die Wissenschaft erhalten. Mittels Genehmigungsfiktionen und großzügiger Übergangsregelungen wollen wir erfolgreiche ausländische Promovierende etwa für Gründungsvorhaben langfristig im Land halten. 

Andere Bundesländer haben solch eine Regelung schon - etwa im Bayerischen Hochschulinnovationsgesetz. 

 

SPD - Weil es um Dich geht.

Im Wahlprogramm der SPD (hier online) heisst es: "Kultur ist zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft und trägt zum Zusammenhalt und zur Demokratieförderung bei" (S.51 ). "Kulturelle Bildung ist entscheidend für die Entwicklung unserer Gesellschaft."  

Damit enthält Kapitel 11.1. "Kultur" zwar prinzipiell ein starkes Statement zur Kultur.  Generell ist von kulturellem Erbe oder Denkmalschutz keine Rede. Angesprochen wird nur "Brauchtumspflege": "Wir setzen uns für eine Stärkung der Brauchtumspflege in Baden-Württemberg ein. Unsere schwäbisch-alemannische Fastnacht als nationales UNESCO-Kulturerbe verdient besonderen Schutz und Förderung" (S. 53).  Das Programm formuliert dendem Vorwurf, die grün-schwarze Landesregierung habe es versäumt, die Kulturfinanzierung zukunftssicher zu gestalten und gefährde so die reiche Kulturlandschaft. Kulturlandschaft ist hier rein metaphorisch gedacht, denn die reelle, auch ökologisch interessante und für den Naturschutz so bedeutende Kulturlandschaft findet im Programm keine Beachtung. 

Relevant für den Umgang mit Kulturerbe und Archäologie sind daher nur zwei Passagen.

Zum einen das Bekenntnis zur Provenenzforschung in Museen (S. 51 ) und zum anderen die Forderung nach freiem Eintritt  zu Dauerausstellungen in den Landesmuseen" (S. 52). Begründet wir dies dadurch, dass allen Bürger:innen der Zugang zu Kunst und Kultur möglich sein müsse.  

"Wissenschaft braucht Freiheit, Forschung braucht Innovation – beides ist unverzichtbar für Baden-Württemberg. Hochschulen sollen eigenständig darüber entscheiden können, ob sie eine Zivilklausel in ihrer Grundordnung verankern. Unser Land ist ein führender Wissenschaftsstandort in Europa, den wir sichern und weiter ausbauen wollen. (S. 47).

 Die SPD strebt nach einer Stärkung der Position der Studierenden, etwa im Rahmen der Studierendenvertretungen oder durch die Idee eines studentischen Prorektors an den Universitäten.  Zu begrüßen ist die Forderung, wonach bei Promotionsstellen sichergestellt werden soll, "dass mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit der wissenschaftlichen Qualifizierung zugute kommen" (S. 48). Dabei wird aber zu bedenken sein, dass gerade in den Geistes- udn Kulturwissenschaften bis heute die Promotionsstellen nicht als Vollzeitstellen aufgefasst werden. Insbesondere bei den Assistenzstellen an den Universitäten sind auf Promovierendenniveau vielfach immer noch Halbzeitstellen angedacht. Möchte man 50% der Arbeitszeit tatsächlich der Promotion vorbehalten, müssen die Lehrdeputate gesenkt werden, die aber für die Aufrechterhaltung der Studiengänge unerlässlich sind. Der früher vorhandene Mittelbau an den Universitäten wurde die vergangenen Jahre aber zugunsten befristeter Qualifikationsstellen abgebaut.

Finanzierungsfragen werden konkret angesprochen. Gelder des Sondervermögens des Bundes sollen in die Bausanierung der Universitäten und Universitätskliiken fließen, das Land müsse sich verpflichten, Förderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu kofinanzieren. Hier wäre es m.E. allerdings wichtiger, den Lehrstühlen mehr Grundmittel zur Verfügung zu stellen, mit denen ohne aufwendige Projektanträge innovative Forschungsansätze gestestet werden können und auch Überbrückungsfinanzierungen möglich sind, um die Risiken drittmittelbasierter Finanzierung abzufedern. Das wäre am ehesten geeignet, Innovationspotentiale zu wecken und diese nicht durch Drittmittelbürokratie gleich wieder zu erwürgen.


AfD - Unser Land verdient ein Comeback

Das Motto des baden-württembergischen AfD-Programms "Unser Land verdient ein Comeback" (hier online) ist so rückwärts gerichtet wie Make America Great Again oder die Germanophilie der Alten Rechten. Angesichts zahlreicher Holocaust-Verharmlosungen und Anlehnungen an NS-Rhetorik insbesondere im Höcke-Umfeld ist diese Partei zwar grundsätzlich nicht wählbar, aber da sie nach Wahlumfragen erschreckend viele Anhänger hat, sei auch das AfD-Wahlprogramm auf Aussagen zu Kultur- und Universitätspolitik durchgesehen. Das Baden-Württemberger Wahlprogramm hält sich im Vergleich zu dem aus Sachsen-Anhalt  mit kritischen Aussagen auffallend zurück. Im dortigen "Regierungsprogramm" nimmt eine "patriotische Kulturpolitik" breiten Raum ein. Das Kulturkonzept der AfD konzentriert sich dort vorrangig auf die „guten Seiten der deutschen Geschichte“. Ziel ist eine positive Geschichtsschreibung, bei der „Selbsthass“ und „Schuldgefühle“ überwunden werden sollen. Im Klartext heißt das, dass wir Millionen Ermordete und Milionen Kriegstote schulterzuckend hinnehmen sollen und erneut offen sein sollen für die Idee der "Remigration", die schon einmal am Anfang der Verfolgung aller Unliebsamen stand. Das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg wird dementsprechend weitgehend ausgeklammert, aber die Pflege und Erhaltung von Kriegerdenkmälern ist der AfD eine explizite Ausnahme wert. In der Kunst unterscheidet die Partei in Sachsen-Anhalt zwischen deutschen und „antideutschen Kunst“-Formen. Eine staatliche Unterstützung ist dabei an die Bedingung geknüpft, dass die Werke maßgeblich zur deutschen „Identitätsfindung“ beitragen.

Das baden-württembergische Programm ist da deutlich zurückhaltender, widerspricht dieser Linie aber auch nicht. Zunächst einmal ist festzustellen, dass in Baden-Württemberg das AfD-Programm das einzige ist, in dem Baudenkmäler überhaupt genannt werden. Hier heißt es S. 59 unter der Überschrift  "Finanzierung der Kirchen auf andere Basis stellen":  "Wir setzen uns für den Erhalt von Kirchengebäuden als Kirchen, als Orte des Glaubens und des kulturellen Lebens und als Baudenkmäler ein."

Ihrem Kulturbegriff verbindet die AfD aber auch in Baden-Württembrg mit Identität und Nationalstolz. "Für die AfD sind Kultur und Kunst von zentraler Bedeutung, um die Identität zu erhalten und den Fortbestand unserer Kultur zu sichern. Vor dem Hintergrund, dass Deutschland zu den großen europäischen Kulturnationen gehört und Baden-Württemberg ein besonders traditionsreicher Teil davon ist, sind der Erhalt der Kultureinrichtungen und die Sicherstellung der Freiheit der Künste der zentrale Auftrag für den Staat und das Land. Wir begrüßen die kulturellen Anregungen aus aller Welt, jedoch wollen wir nicht, dass Baden-Württemberg in einem beliebigen globalistischen Multikulturalismus aufgeht" (S. 56). 

Zur Kulturpolitik nöhlt die AfD an allen möglichen Stellen ihres Programms (öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Filmförderung) von fehlender Staatsferne und politischer Neutralität, wobei zwischen den Zeilen deutlich zu lesen ist, dass es ihr um eine Zensur "politisch einseitiger Inhalte mit extrem links-progressiver Ausrichtung" geht, worunter alles zu fassen ist, das ihrem rückwärtsgewandten, christlich verbrämten Weltbild nicht entspricht.

Das einzge  Kulturgut, das die AfD  aufführt ist der Wald (S. 65: unter dem Punkt "Jagd, Forst- und Fischwirtschaft ":  "Der Erhalt des Kulturgutes Wald bedarf eines  ganzheitlichen Ansatzes, der sowohl waldbaulichen als auch wildtierökologischen Belangen Rechnung trägt. Neben der Jagd spielen demnach auch Wildruhebereiche, eine gute Nahrungsverfügbarkeit und Forstschutzmaßnahmen eine wesentliche Rolle im Waldbau." Die Risiken, die sich für den Wald durch Klimawandel und Emissionen ergeben, übergeht das AfD-Programm und bagatellisiert oder leugnet sie gegen jede Evidenz und Vernunft.

Zur Universitätspolitik wird ebenfalls nichts Sinnvolles ausgesagt. Die Hauptforderungen sind: 

  • Entpolitisierung und Ressourcenumschichtung: Abschaffung von Beauftragten für Klima, Antidiskriminierung und Gleichstellung. Die freiwerdenden Mittel sollen direkt in die akademische Leistung fließen.
  • Wiederherstellung fachlicher Exzellenz: Besetzung von Professuren rein nach Leistung statt nach Quoten. Fakultäten sollen die volle Kontrolle über Studieninhalte zurückerhalten, um eine „Verschulung“ des Studiums zu beenden.
  • Gewährleistung der „Freien Rede“: Verbot von Gender-Zwang und politischer Korrektheit. Hochschulen sollen Orte des freien Diskurses ohne den Ausschluss missliebiger Meinungen oder Redner sein.

In der Praxis würden damit ganz wenige Stellen frei. Fachliche Exzellenz ist nach wie vor das entscheidende Kriterium bei Stellenbesetzungen, aber natürlich muss eine Universität auch darauf achten, dass sich diese Exzellenz auch entfalten kann. dazu gehört eine Diversität des Personals. Einen Gender-Zwang gibt es nicht. Aber es gehört zur Prägnanz gerade einer wissenschaftlichen Sprache möglichst genau auszudrücken, was man meint (also "das Richtige, das Wahre treffend [zu] formulieren") - und da ist eine geschlechtliche Differenzierung heute eben durchaus von Bedeutung. Politisch korrekt formulieren heisst per se, so zu formulieren, dass man falsche Assoziationen vermeidet. Das ist also kein Widerspruch zur Formulierung des Richtigen, sondern geradezu dessen Voraussetzung. Die Ausführungen zur Hochschulpolitik entlarven sich als substanzlosess Gelaber. Nur ein Punkt scheint mir hier interessant und richtig, nämlich der der "Verschulung" des Studiums - ich befürchte nur, dass man hier gemeinhin etwas anderes vertsteht als die AfD mit ihrem Schlagwort, das man angesichts des Mimimi des Programms einfach auch als "Indoktrination" lesen kann.

Wer verständlicherweise Protest wählen möchte, der hat da im Übrigen weit bessere Optionen etwa bei den Freien Wählern, der PARTEI, Klimaliste BW, ÖDP,  VOLT, bündnis C, PdH BW, BSW, Grechtigkeitspartei, PDR, PDF, Tierschutzpartei, WerteUnion oder auch dieBasis oder die Partei für Verjüngungsforschung. Auch da kann man nicht alle ganz ernst nehmen, aber gerade deshalb ist das ggf. der bessere Protest. Für alle, die noch etwas klar denken können ist der Wahl-O-Mat der bessere Ratgeber als Wut oder Haß.

Die kleinen Parteien 

Die FDP (Programm hier) fordert, dass die Kommunen durch eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Gemeinderats Denkmälern ihren Status entziehen und Entscheidungen der Denkmalbehörde überstimmen können. Für Kulturdenkmäler fordert die FDP allgemein ein Mindestalter von 50 Jahren, für Kulturdenkmäler der Verkehrsinfrastruktur ein Mindestalter von 100 Jahren. Die Einstufung zu einem Baudenkmal unterliege häufig dem aktuellen "Zeitgeist".

Die Linke (Programm hier) äußert sich nur zum Umgang mit kolonialen Denkmälern, in die sie die landeszentrale für pPolitische Bildung einbeziehen will. 

Erwähnt sei das Wahlprogramm von VOLT (hier online), da sich hier eine ungewöhnliche Aussage zum kulturellen Erbe findet. Unter dem Schlagwort "Lebenswerte Nachbarschaften" heißt es hier S. 48 (und ich zitiere wegen des Kontextes den ganzen Abschnitt):

"Aktuell stehen Städte und Gemeinden vor mehreren Herausforderungen: Der Leerstand in Wohn- und GewerbeHächen nimmt zu, besonders in Ortskernen auf dem Land und in weniger attraktiven Quartieren in Städten, während gleichzeitig neue Baugebiete entstehen. Historische Gebäude und traditionelle Bauweisen gehen verloren, Neubauten orientieren sich oft nur an Kosten, wodurch regionale Identität und kulturelles Erbe gefährdet sind. Zudem fehlen sogenannte Dritte Orte (öffentliche Treffpunkte und Begegnungsräume), wodurch soziale Kontakte und Nachbarschaftsleben geschwächt werden.
Die soziale Ungleichheit wächst und Isolation fördert gesellschaftliche Spaltung. Lebenswerte Nachbarschaften fördern das Vertrauen untereinander, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhang. Das Umfeld, in dem wir leben, ist ein prägender Faktor.
Wir wollen den Aufbau von Nachbarschaften fördern, in denen eine hohe Lebensqualität herrscht, es ein gutes soziales Miteinander gibt und die Menschen füreinander da sind und so zukunftssicher aufgestellt sind."

S. 49 weisst VOLT darauf hin, dass Umbau statt Abriss Ressourcen schone und kulturelles Erbe erhalte.

Das BSW (Programm hier) widmet dem Kulturerbe einen Abschnitt, in dem es (S. 21) heißt: "Architektur ist der sichtbare Ausdruck unserer Kultur und Geschichte. Sie prägt das Gesicht unserer Städte und stiftet Identität. Wo Menschen auf ästhetische und ansprechende Architektur treffen, steigert sich auch das Wohlbefinden und die Aufenthaltsqualität. Unsere historischen Innenstädte sind dabei ein unschätzbares Erbe und Ausdruck von Handwerkskunst, zu dessen konsequenten Pflege, zum Erhalt und zur behutsamen Rekonstruktion wir uns bekennen. Wir stellen uns gegen die fortschreitende Verödung unserer Städte durch gesichtslose Betonwüsten und monotone Zweckbauten." Als Ziel formuliert BSW daher (S. 22) eine "Landesförderung für historische Ortskerne: Gezielte Unterstützung der Kommunen bei Sanierung, Pflege und Rekonstruktion". By the way: "Museen und Bibliotheken sollen für alle Schüler, Auszubildenden und Studierenden im Land eintrittsfrei zugänglich sein".

 

Ein Ausblick nach Rheinland-Pfalz

Deutlich mehr Stellenwert hat der Denkmalschutz in den Wahlprogrammen in Rheinland-Pfalz. Der immer noch nicht ausgestandene Skanadal in der GDKE (Archaeolohgik 13.10.2024) wird nicht angesprochen, dürfte aber nicht gerade förderllich sein, dass sich die Wahlprogramme mit positiven Aussagen zur Archäologie hervortun. Dementsprechend sind die Vorschläge kaum zum Vorteil der Sache.

Die SPD (Programm hier) formuliert recht ausfühlich:

"Wir sind stolz auf das vielfältige historische Erbe in Rheinland-Pfalz. Die Sichtbarkeit der kleinen und großen Kulturschätze werden wir weiter erhöhen und diese im Alltag der Menschen wahrnehmbar machen. Mit unseren historischen Landesausstellungen in den Landesmuseen erzeugen wir weiterhin eine hohe, überregionale Strahlkraft. Unsere Vielfalt an Kulturdenkmälern im Landesbesitz werden wir erhalten und weiterhin notwendige Bau- und Sanierungsmaßnahmen durchführen. Dazu zählen insbesondere unsere Burgen wie die Festung Ehrenbreitstein, die Burg Sterrenberg, die Burg Nassau, die Burg Trifels oder auch die Burg Nanstein. Um das besondere Engagement von Denkmalschützerinnen und Denkmalschützern zu würdigen, schaffen wir einen Denkmalschutzpreis. Das Denkmalschutzgesetz wollen wir zeitgemäß entbürokratisieren.

Die Restitution von Kulturgütern betreiben wir konsequent. Sie ist uns ein zentrales Anliegen, um unserer historischen Verantwortung gerecht zu werden" (S. 119).

Entbürokratisierung in der Denkmalpflege bedeutet meist nichts Gutes. Aber auch die CDU (Programm hier) nennt den Denkmalschutz vor allem als bürokratisches Hemmnis bei Solaranlagen (S. 51) und möchte ihn auch im Ahrtal zurück stellen. Die FDP (Programm hier) fordert aber gleich die Abschaffung der Denkmalpflege (geschönt als "Denkmalschutz weiterentwickeln"): 

"Der Denkmalschutz ist leider oft mehr ein Hemmnis für Renovierung und Nutzung von entsprechend geschützten Gebäuden. Wir Freie Demokraten wollen uns daher für eine Lockerung des Denkmalschutzes aussprechen, um historische Gebaude aüch weiterhin nutzen und damit auch schützen zu konnen. Letztlich braucht es pragmatische Lösungen, um denkmalgeschützte Gebäude auch in der Moderne nützen und erhalten zu können, soweit der denkmalwürdige Charakter der Immobilie erhalten bleibt. Wir konnen uns denkmalgeschützte Bauruinen, die keiner aufwendig sanieren mochte, nicht mehr leisten.
Wir werden:
• ermöglichen, denkmalgeschützte Gebäude moderat zu modernisieren, damit diese auch weiterhin genützt werden konnen.
• die Möglichkeit schaffen, denkmalgeschützte Bauruinen, für die es kein Interesse mehr gibt, entfernen zu lassen" (S. 137).

Die AfD hat in Rheinland-Pfalz eine längere Programmatik zum Denkmalschutz (Programm hier). Sie betont den Reichtum an Kulturdenkmälern, "darunter römische Bauten, mittelalterliche Burgen und prachtvolle Kirchen. Auch regionaltypische Gebäude und Baustile wie das Eifeler Langhaus, das Hunsrücker Einhaus sowie Drei- und Vierseithöfe in der Pfalz und Rheinhessen." Daher sei die "Förderkulisse zugunsten von Baudenkmalen ...bedarfsgerecht anzupassen."  Im weiteren heißt es: 

"Im Oktober 2019 versuchten bislang unbekannte Kriminelle, den berühmten Trierer Goldmünzenschatz zu rauben. Sie gelangten ins Museum und scheiterten erst an der Vitrine aus Panzerglas. Im Gegensatz dazu gelang es einem arabischstämmigen Clan im November 2019, unersetzliche Schmuckstücke aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden zu rauben. Der Verbleib der mehrerer Beutestücke ist bis heute ungeklärt. Es wird vermutet, dass die Stücke zerstört und in Einzelteilen verkauft wurden" (S. 48).

Ein brauchbare Forderung daraus leitet die AfD nicht ab, etwa mehr Mittel für die Sicherung der Museen. Offensichtlich dient die Passage nur der rassistischen Hetze, denn in Trier ist eine Beteiligung "arabischstämmiger Clans" weder nachgewiesen noch wahrscheinlich. Immerhin gibt es seit 2021 das Geständnis der Tatbeteiligung eines Niederländers (dpa 8.8.2021).

VOLT (Programm hier) nennt den Denkmalschutz als Ausnahmegrund einer vorgesehenen Photovoltaik-Pflicht (S. 65). Die rheinland-pfälzischen Grünen (Programm hier) übergehen das Thema und verweisen nur auf die Überprüfung kolonialer Denkmale. 


 

Interne Links

Beobachtungen zu Koalitionsverträgen auf Archaeologik:

Bund 

Baden-Württemberg 

andere Länder

 Links

Montag, 23. Februar 2026

Sparen in der Archäologie

 Berlin, dieses Mal die klassische Archäologie an der Humboldt-Universität.

 wieder eine Petition:

 

Ein vollkommen richtiger Satz aus der Erklärung sei herausgestellt. 

"Die Begründung, Archäologie werde bereits an einer anderen Universität angeboten, greift zu kurz. Wissenschaft lebt von Vielfalt, unterschiedlichen Profilen und konkurrierenden Ansätzen. Ein Fach an einer Universität zu streichen, weil es anderswo existiert, ist kein sachliches Argument, sondern Ausdruck reiner Sparlogik." 

Montag, 9. Februar 2026

Archäologie und Geschichte - ein Rätsel

Begleitend zur Vorlesung "Archäologie & Geschichte - Die historische Interpretation archäologischer Funde und Befunde" im grade vergangenen Wintersemester 2025/26 entstand das folgende Rätsel: 

 Für die Studierenden war es ein Teil der Klausur, für die Leser hier ist es hoffentlich zum Vergnügen.

Sonntag, 25. Januar 2026

KI im Museum

Ralf Krauter und Carina Schroeder thematisieren die Auswirkung von KI auf Museen und Erinnerungskultur. Der Deutschlandfunk-Podcast KI verstehen hat am Podcast-Festival "History talks" in Köln teilgenommen und aus diesem Anlass thematisiert, wie KI Museen beeinflusst.Benannt werden drei Einsatzgebiete:
  1. Management von Sammlungen
  2. Besucherangebote  
  3. personalisierte Führung
 KI-Zwillinge und Avatare  historischer Persönlichkeiten eröffnen neue Wege der Vermittlung. Dabei setzen Museen auf KI mit kuratiertem Wissen, so dass sie auch die 2Wahrheit2 sagen und nicht drauf los halluzinieren. Angesichts der in den Social Media zunehmen verbreiteten, KI-aufbereiteten falschen Geschichtsbilder müssen Museen hiergegenhalten. Eine wichtige Rolle der Museen kann es künftig aber auch sein, dazu beizutragen, die Fallstricke im Umgang mit generativer KI aufzeigen und die Frage nach den Quellen aufwerfen.

Der Podcast geht nicht sehr in die Tiefe, liefert aber anschauliche Beispiele zu der recht neuen Thematik, auf die sich auch Archäologie-Museen werden einlassen müssen. Leider kommt keines der genannten Museen aus der Archäologie.

Sonntag, 4. Januar 2026

Notbremse in der saarländischen Landesarchäologie

Die Saarbrücker Zeitung berichtet zu Jahresbeginn über die Archäologie und widmet ihr einen Leitartikel:
Aktuelle Grabungsprojekte im Saarland sollen vorübergehend pausieren, um bestehende Dokumentationslücken und Altlasten zu regeln. Die Probleme sind vielfältig, "mal ist es das Depot, mal die wissenschaftliche Aufbereitung der Dokumentation, mal ist es auch die schiere Menge an Funden".
Funde und Dokumentationen werden dezentral aufbewahrt -  bei den jeweiligen Trägerinstitutionen, bei denen personelle Wechsel anstehen, die teils aber auch gar nicht über eine ausreichende Personaldecke und Infrastruktur verfügen.
 
Das saarländische Landesdenkmalamt - seit Juli 2024 unter der neuen Leitung von Simon Matzerath - hat diese Entscheidung getroffen, um die Qualität und Nachvollziehbarkeit der archäologischen Arbeiten zu verbessern. Hintergrund sind organisatorische Probleme und das Bedürfnis nach einer systematischen Aufarbeitung der bereits durchgeführten Ausgrabungen. Ein wichtiges Anliegen ist es, moderne Grabungsstandards durchzusetzen.
Matzerath hat klargestellt, dass es zu keinem vollständigen Ausgrabungsstopp kommen wird, jedoch die Grabungen bis zur Klärung der Altlasten ruhen sollen. 

Betroffen sind also nicht die Notgrabungen, sondern insbesondere die folgenden längerfristig angelegten Grabungsprojekte: 
  1. Villa Borg 
  2. Wareswald 
  3. Ringwall Otzenhausen 
  4. Kulturpark Bliesbruck-Reinheim 
  5. Burg Kirkel
Sie sind strukturell höchst unterschiedlich - teils, wie in Otzenhausen, handelt es sich um wissenschaftlich hochkarätige Projekte, andernorts um derzeit eher touristisch ausgerichtete Unternehmungen. Die Villa Borg wird durch die Kulturstiftung Merzig-Wadern betreut, die römische Villa von Nennig von der Stiftung saarländischer Kulturbesitz und das Römermuseum Schwarzenacker von der Stadt Homburg mit der Stiftung Römermuseum. Die beiden letzteren haben keine laufenden Grabungen, wohl aber durchaus auch noch Aufarbeitungs- und Publikationsrückstände. In der Villa Borg habe man in den vergangenen Jahren den Fokus auf den touristischen Aspekt gelegt, um durch die Einnahmen ein „zukunftssicheres Konzept“ vorzulegen, das eine geplante Aufarbeitung nun erst möglich mache.

Villa Borg
(Foto: Carole Raddato, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)



Auffallenderweise ist weder vom Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken, noch von der Staatlichen Altertümersammlung die Rede, denen man bei der Archivierung der Funde doch am ehesten eine zentrale Rolle zuweisen würde.  Organisatorisch bestehen mit dem Landesdenkmalamt, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Staatlichen Altertümersammlung drei Institutionen, die zwar eng kooperieren müssen, aber organisatorisch separiert sind. Die Altertümersammlung ist das Depot und Archiv, während das Museum für Vor- und Frühgeschichte der öffentliche Ort der Präsentation der Funde ist. Letzteres gehört wie die Villa Nennig zur Stiftung saarländischer Kulturbesitz und wird als archäologisches Landesmuseum des Saarlandes verstanden.

Nicht thematisiert wird, inwiefern es bei dem Neustart nur um eine vorübergehende Initiative zur Aufarbeitung und Archivierung der bisherigen Grabungen oder um tiefer gehende strukturelle Reformen gehen soll. Das Saarländische Denkmalschutzgesetz trifft über die Oberste Denkmalbehörde im Ministerium für Bildung und Kultur und das Landesdenkmalamt als Fach- und Vollzugsbehörde hinaus keine institutionellen Regelungen.

Weitere Links

Donnerstag, 1. Januar 2026

Archaeologik 2025

Archaeologik ist inzwischen 15 Jahre alt (zum Gründungsdatum 2010/11 siehe Archaeologik 19.5.2020). Im Februar 2025 stand ich dem DFG-Projekt Infra Wiss Blogs als Interview-Partner zur Verfügung. Catharina Ochsner hat mich dabei darauf aufmerksam gemacht, dass Archaeologik mit seinen 15 Jahren inzwischen einer der am längsten laufenden deutschen Wissenschaftsblogs ist. 
 
Deutsche Blogs nach Startjahr und Status
(aus  C. Ochsner et al. , Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544, fig. 4).

 
 
2025 hat viele Wenden gesehen, leider selten zum besseren. Auf Archaeologik gab es keine Wende, wohl aber lassen sich verschiedene Trends feststellen. Zeit also für den üblichen Rückblick. 
 

  

Zahlen

Insgesamt ist die Zahl der Blogposts wegen zunehmender anderer Aufgaben  stark rückläufig. Erheblichen Anteil haben die wachsende Uni-Bürokratie und zahlreiche damit verbundene Begutachtungen. Dennoch ist 2025 für Archaeologik ein Rekordjahr. Mit rund 278.000 Seitenaufrufen im Jahr 2025 wurden die 155.000 Zugriffe des vergangenen Jahres bei Weitem übertroffen. 
2025: 278.100 Seitenaufrufe (Stand 29.12.2025)
2024: 155,195 Seitenaufrufe
2023: 125.211 Seitenaufrufe
2022: 121.723 Seitenaufrufe
2021: 139.726 Seitenaufrufe
2020: 134.220 Seitenaufrufe
2019: 102.204 Seitenaufrufe
2018: 129.260 Seitenaufrufe
2017: 193.417 Seitenaufrufe
2016: 221.789 Seitenaufrufe
  
In der Graphik von Google sieht das so aus:

 

Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger,
(Quelle: Blogger Statistik via GoogleAnalytics)

Betrachtet man die Blogger-Statistik der Zugriffe über die Zeit hinweg, so zeigt sich eine deutliche Zäsur am 13.2.2025. Nachdem seit 2022 die Zugriffszahlen monatlich bei knapp 10.000 lagen und einzelne Ausschläge nach oben mit einzelnen Crawlerzugriffen begründet scheinen, haben sich die Zahlen seither etwa verdoppelt. Ich kann nur Vermutungen anstellen, welcher Effekt dahinter steht.

Andere Blogs haben 2025 im Gegenteil einen plötzlichen Einbruch der Zugriffszahlen beobachtet, was mit der zunehmenden Bedeutung der KI in Webbrowsern und Suchmaschinen erklärt wird. KI-Antworten führen dazu, dass Nutzer*innen nicht mehr direkt auf die Webseiten zugreifen. 

Am 12.2.205 ging der Blogpost POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte online, in dem ich mich zur Geschichtspolitik von POTUS Don. Trump äußerte - über die (ausbleibenden) Reaktionen und mit ein paar wenigen Stichworten, warum Geschichte für Trump gefährlich ist. "Er braucht eine große nationale Geschichte, ohne die sein MAGA-Slogan „make America great again“ keinen Sinn ergibt. Bei einer historischen Betrachtung zeigt sich, das Trumps "restoring" nicht etwa historische Verhältnisse einer guten alten Zeit restauriert." Der ganze Post war keine lange Analyse, sondern ein kurzer Input in eine weitgehend ausgebliebene Diskussion, wie Trump mit Geistes- und Kulturwissenschaften umgeht. Ich habe diesen Link nicht mehr über TwiX, sondern über die neuen Kanäle OpenVibes - Mastodon und BlueSky geteilt, was dazu geführt hat, dass mir seitdem zahlreiche Trump-Skeptiker auf BlueSky folgen. Dieser Post blieb aber mit über 2500 Zugriffen der Spitzenreiter der Trump-Posts, alle anderen haben es nicht einmal in die Top 10 geschafft.

 
Archäologik hatte 2025 nur 62 Blogposts. 2024 waren es noch 85 - berücksichtigt man dabei den 2024er Adventskalender, blieb die Zahl der Posts jedoch etwa konstant. Im langen Trend jedoch hat sich die Zahl der Bloposts halbiert. Weggefallen sind vor allem die ganz kurzen Notizen, mit denen v.a. einzelne Inhalte kommentarlos verlinkt habe. Das wäre vermutlich nach wie vor sinnvoll und hat sich eher aus der Gewohnheit so ergeben..   

Die Zahl der Gastbeiträge lag mit nur 2 erneut sehr niedrig  (2025: 3, 2024 und 2023 je 2, 2021: 5; 2020: 15, 2019: 5). Jutta Zerres hat zwei Ausstellungsrezensionen beigesteuert.
Ich nehme weiterhin gerne Gastbeiträge an - allerdings verstehe ich es nicht als Aufgabe von Archaeologik Werbung für einzelne Veranstaltungen zu machen - oder Jobangebote zu verteilen. Solches nehme ich nur auf, wenn es Bezüge zu eigenem Forschungsengagement hat oder sich darin aktuelle Entwicklungen in den archäologischen Wissenschaften spiegeln. Mit entsprechenden Formulierungen/ kommentierenden Bemerkungen  besteht also durchaus die Chance, dass ich solche Beiträge annehme - als namentlich gekennzeichnete Gastbeiträge.
 
Archaeologik wird nun begleitet durch flankierende Socia-Media: 
  • facebook-Gruppe Archaeologik. Diese Gruppe will (und kann) kein allgemeines Diskussionsforum zur Archäologie sein, sondern soll Archäologie als Wissenschaft vermitteln, indem sie vorwiegend die Beiträge aus Archaeologik kommuniziert. Die Gruppe hat derzeit 2268 Mitglieder (gegenüber 2242 im Jahr 2024 und 2181 im Jahr 2023). Aufgenommen wird, wer anhand der Fragen echtes Interesse an den Inhalte zeigt. Es kann immer etwas dauern, bis ich die Anfrage annehme, da ich nur noch selten auf facebook aktiv bin.
  • Mastodon (@RSchreg.mastodon.social)
  •  bluesky (https://bsky.app/starter-pack/leizafriends.bsky.social/3lay7nrs5mp2o)
Die beiden letzteren Account bediene ich über OpenVibes, was ebenso wie bei facebook derzeit manuell geschehen muss. Hin und wieder geht mir ein Blogpost durch, der dann nicht zuverlässig weiter geteilt wird.

Rund 1360 Zugriffen über facebook (2024:1400, 2023: 2600) stehen allerdings 6700 (2024: 7500, 2023: 15.300) Views in der facebook-Gruppe gegenüber, d.h. nur ein Bruchteil der facebook-Follower klickt sich auch auf den Blog weiter. Hier ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
 
Die wichtigsten einzelnen Websites, von denen immer wieder Zugriffe auf Archaeologik kommen sind unverändert Archivalia, die Seite der DGUF (bzw. deren immer lesenswerter Newsletter) und auch Archäologie-online. In  der Wikipedia ist Archaeologik mehrfach als Quelle genannt, so dass auch von dort Zugriffe zu verzeichnen sind.
 

Themen 2025

Die zehn meist gelesenen Beiträge 20254 (mit Zahlen v. 29.12.2025) waren: 
  1. POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte. - Archaeologik 12.2.2025  - 2540 Seitenaufrufe
  2. R. Karl, Facharchäologische Argumente gegen die Metallsuche durch Laien - Anspruch und Realität. - Archaeologik 12.2.2025  - 1266 Seitenaufrufe
  3. Ein Räuber im Zauberwald - die Vernichtung einer Quelle zur Völkerwanderungszeit. Archaeologik 21.2.2014. - 1137  Seitenaufrufe
  4. Zeichnerische Dokumentation von Keramikfunden. Archaeologik 26.2.2017. - 1008 Seitenaufrufe.  
  5. J. Zerres, „Das nennt sich Fieldwork, ihr Schnarchzapfen“ – Der Rülzheimer „Barbarenschatz“ und die öffentliche Wahrnehmung von Denkmalpflege und Archäologen. Archaeologik 27.2.2014 - 911 Seitenaufrufe
  6. What have the Romans ever done for us? Uns glücklich gemacht! . - Archaeologik 4.3.2025. - 894 Seitenaufrufe
  7. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen. Archaeologik 14.12.2011. - 732 Seitenaufrufe 
  8. Wieder lieferbar: Keramik aus Südwestdeutschland . Archaeologik 10,5,2012. - 562 Seitenaufrufe  
  9. M. Steinborn, "Von der Rolle" - Über Frauendarstellungen und Mannsbilder in der Archäologie. - Archaeologik 23.11.2017 - 425 Seitenaufrufe
  10. Faltblatt Raubgräber. Archaeologik 24.7.2011. - 410 Seitenaufrufe 

 

Thema Kulturgutraub

Diese TopTen lässt erkennen, dass die Sondengängerthematik noch immer sehr nachgefragt wird und hier einige sehr alte Blogposts plötzlich wieder gelesen und offenbar auch verkinkt werden. Neue Beiträge zum Thema blieben 2025 jedoch verhältnismäßg selten - hier setzt eher ein Langeweileeffekt als eine Wende zum besseren ein. Tatsächlich gab es 2025 einige Fälle, die ich aber nicht mehr aufgegriffen habe. Nur als Beispiele:

Jeder einzelne Fall ist einer zu viel. Die vermeintlichen Entdeckungen zerstören meist sehr viel mehr Erkenntnismöglichkeiten, als dass sie Forschungsfortschritt bringen. Vermeintliche Sensationsfunde bleiben meist deshalb mysteriös, weil keine dokimentierten oder wenigstens verlässlich bezeugten Kontextbeobachtungen vorliegen. So lange Objekte auf Internetplattformen auftauchen, braucht sich - leider - kein Sondengänger zu wundern, wenn ihm erstmals Misstrauen entgegen gebracht wird.  

Auch die internationale Hehlerei hatte wieder einige Nachrichten. Genannt sei nur:

Zu einigen Nachrichten hatte ich mir vorgenommen, etwas zu posten, hatte dann aber leider keine Zeit. Untergegangen sind die neu aufgetauchten Objekte aus dem 1998 entdeckten mittelalterlichen Schatz aus Erfurt

Eine weitere Rückgabe geklauter Funde ist in Schwerin zu verzeichnen. Hier wurden vorgeschichtiche Kriegsverluste nach rund 80 Jahren zurück gegeben:
Zwei Meldungen haben es aber doch auf Archaeologik geschafft:
Nicht zum Zuge kamen Pläne zur Gesetzesänderung in Mecklenburg-Vorpommern, die auch eine Änderung des Schatzregals vorsehen. Aus einer Ordnungswidrigkeit soll ein Straftatbestand werden.
Auch der Prozess zum Manchinger Museumsraub hätte Thema auf Archaeologik sein sollen. Nach dem Raub des keltischen Münschatzes von Manching aus dem dortigen Museum 2022 sind vier Männer zu Gefängnisstrafen zwischen vier und elf Jahren verurteilt worden. Der Großteil des Schatzes fehlt weiterhin.
2025 gab es weitere Museumsraube, die nicht zum Archaeologikthema wurden. Der aufsehenserregendste war wohl der im Louvre. Dass Museumsraub populär als die Meisterschaft des Raubs betrachtet wird, zeigt ein Spieleset von Playmobil. Es enthält keinen Metalldetektor, dreht sich aber um eine Vervolgungsjagd im Gelände...

Ob hier schon auf den Louvre-Raub reagiert wurde, scheint fraglich. Auch die SOKO Stuttgart-Jubiläumsfolge dreht sich um einen Museumsraub. Im Landesmuseum Württemberg werden hier die württembergischen Kronjuwelen gestohlen. Der Manchinger Raub hat hier sicherlich mit dem Stromausfall Pate gestanden - mit den Kronjuwelen hatte das Drehbuch durch den Louvre-Fall wohl unverhofte Aktualität erhalten.

2025 ist Helmut Thoma verstorben. Leider hat man nichts davon gehört, ob seine geraubten Grabreliefs aus Palmyra schon verscherbelt wurden. Die Erben sollten sich ihrer Verantwortung stellen und den Fund an Syrien zurück geben
Nur noch zwei Blogposts widmeten sich nach dem Ende des Bürgerkriegs dem Kulturerbe in Syrien.

Es gibt einige weitere Themen, denen ich gerne für einen oder auch mehrere Blogpost genauer nachgegangen wäre. So waren der Gaza-Krieg und dessen Ausläufer kein Thema. Die Situation ist hier so komplex - und angesichts der Tausenden Toten und des Elends zurecht sehr emotional -, dass man sich hier keine schnellen Urteile erlauben kann. Deutlich ist aber, wie schon seit Jahrzehnten die israelische Archäologie immer wieder auch für politische Zwecke herhalten muss. Positive Gegenbeispiele können das nicht mehr aufwiegen. Der Umgang mit Wissenschaftler*innen aus Israel hat 2025 die EAA in einen tiefen Konflikt gestürzt.

Viele weitere Krisen mit Auswirkungen auf das kulturelle Erbe waren kein Thema auf Archaeologik. 

 

Politik lässt sich aus der Wissenschaft nicht ausklammern. Jede Aussage, die für sich beansprucht, von Bedeutung zu sein, trifft auch eine Aussage über unsere Gesellschaft - und hier gibt es immer mehr Menschen, die lieber Fakten ignorieren, sich von Populisten lenken lassen und in ihrem Unverständnis erst mal vermeintlich "kritisch" andere Meinungen (im Namen einer misverstandenen Meinungsfreiheit) bekämpfen als selbstkritisch ihr Weltbild zu hinterfragen. Seien es nun Aussagen über Rollenverhältnisse in der Vergangenheit, Forschungen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit, Problemen der in sich problematischen Ethnizität, Feststellungen über eingebildete nationale Traditionen - das alles wird rasch (negativ vereinnahmt)  als"woke" abgestempelt. Vorreiter sind die USA.

Thema Trump 

Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)
Er ist wieder da und man kommt an ihm nicht vorbei. POTUS Trump war schon in seiner ersten Amtszeit vielfach Thema auf Archaeologik - mit erfundener Geschichte, mit seinem Ansinnen gezielt iranisches Kulturgut zu zerstören und seinen Kürzungen im Denkmalschutz. Er hat auf Archaeologik längst sein eigenes Label.
Mit seinen Angriffen auf die Wissenschaft hat seine zweite Amtszeit aber eine neue Qualität. Erkenntnisse, die seinen Deals im Wege stehen werden diskreditiert und Wissenschaftler*innen bedroht. 

Es geht hier um gezielte Attacken, die nicht nur Umwelt- und Klimawissenschaften und die Medizin, sondern auch die Kulzturwissenschaften treffen.

 
via WikimediaCommons

Im zweiten Halbjahr ist es deutlich stiller geworden - ein erschreckender Gewöhnungseffekt. 

Ein Trump-Thema ist noch in Arbeit. Dabei geht es um seine Geschäfte und den Denkmalschutz in Serbien. Das wird aber ein 2026-Blogpost.

Thema Putin

Die Instrumentalisierung der Geschichte verbindet POTUS Trump mit seinem Amtsfreund Putin. Im Sommer 2024 hatte ich auf Archaeologik einen Blogpost zu Putins Propagandageschichtspark in Chesonesos. 2025 kam nur ein Post zu illegalen Grabungen auf der Krim hinzu. 

Das hat jedoch den Anstoß gegeben, dass die EAA einen TEA-Beitrag zur Ukraine angefragt hat. 

 mit dem Label.   

Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon länger Thema in Archaeologik (Label Klimawandel). Europas abgebrannte Fläche hat 2025 ein Rekordhoch erreicht (https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend). Das betrifft natürlich auch Kulturlandschaften mit ihren archäologischen Hinterlassenschaften. Im August waren daher die Waldbrände in Soanien ein Thema, da hier eine römische Bergbaulandschaft massiv betroffen wurde.
Geringe Niederschläge im letzten Winter verursachten im Frühjahr einen extrem niedrigen Wasserstand am Bodensee, was auch für die dortigen Feuchtbodensiedlungen durch Austrocknen und veränderten Wellenschlag ein Risiko bedeutet.

Eine unterm Strich wohl gute Nachricht gab es aus Mittelamerika, wenn auch zu beobachten bleibt, ob hier nicht wieder die kommerziellen Interessen die Oberhand gewinnen.. 

Archäologie der Moderne

Die Archäologie der Moderne hat in den vergangenen Jahren enorm an Fahrt aufgenommen. Auf Archaeologik war die Archäologie der Moderne ebenfalls mehrfach Thema.

Mannheim, Parkhaus N2 und Stadthaus N1
(Foto R. Schreg CC BY SA 4.0)
Für die Bau- und Kunstdenkmalpflege ist der Umgang mit Nachkriegsdenkmälern schon lange ein Thema und auch eine Vermittlungsaufgabe.

Der angeführte Mannheimer Fall mit einer Landtagsanfrage an das Ministerium offenbart eine ungenügende Reflektion und politische Vermittlung des Sinns, solche modernen Denkmäler unter Schutz zu stellen. Die Archäologie der Moderne sollte diese Fehler nicht wiederholen.

Klar müssen Fragestellungen und Ziele benannt  werden.

Inzwischen sind die ersten monographischen Fundpublikationen zu dem neuen Forschungsfeld erschienen, nachdem bisher vor allem Tagungsbände das Feld dominierten.

Ich nenne exemplarisch:

  • Attila Dézsi, Archäologie der Republik Freies Wendland. Zu einer kritischen Archäologie der Zeitgeschichte (Leiden 2025). - ISBN: 9789464280845
  • Torsten Dressler, Die Berliner Mauer - DDR-Grenzanlagen und Fluchttunnel im Spiegel archäologischer Dokumentationen und ihr Denkmalwert. Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 62 (Weißenhorn 2025)  - ISBN 978-3-87437-637-2
  • P. I. Schneider/ C. Röhl, Von Zäunen und Pfosten : ein Beitrag zur Archäologie Peenemündes als Sperrgebiet. Bamberger Schriften zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 8 (Bamberg2024). - doi: https://doi.org/10.20378/irb-93496
Es ist zu zeigen, dass die Archäologie in gut erforschten und mit reichen textlichen Quellen gesegneten Periode Erkenntnispotentiale hat. Sie entfaltet hier ein kritisches Potential, da ihre Quellen gängige Interpretationen hinterfragen hilft. Vielfach hat die Materialität der archäologischen Hinterlassenschaften auch einen primär didaktischen Wert. Angesichts des Wegsterbens der Zeitzeugen der NS-Diktatur wird Archäologie der Moderne zu politischer Bildungsarbeit. Egal, woher die Instrumentalisierung kommt, hat sich die Archäologie als Wissenschaft zu wehren.

Rezensionen & Reviews

Die Zahl der Rezensionen war auch schon mal größer. Einige Bücher und halbfertige Rezensionen stapeln sich auch noch. 
Der Vorsatz für 2025, wieder mehr Rezensionen einzustellen war also erfolgreich. Hinzu sind nämlich auch einige Blogposts zu zählen, die keine Bücher, sondern aktuelle Forschungen einem Review oder wenigstens einer Kommentierung unterzogen haben. Die Artikel schließen an einen weiteren an, der bereits Ende 2024 Thema auf Archaeologik war. 
Sie alle zeigen mit ihren - freundlich ausgedrückt - wissenschaftlich schwachen Argumentationen: Wissenschaftliche Redlichkeit, Methodenbewusstsein und -sicherheit sollten nicht nur bei den Fachleuten Thema sein, sondern Teil der Wissenschaftskommunikation. Kenntnis über historisches und archäologisches Arbeiten täte der Gesellschaft nicht nur in Bezug auf die Akzeptanz der Wissenschaften gut, sondern kann auch dazu beitragen, Fake, Meinung und echte Erkenntnisse besser einzuordnen. Archäologische und historische Methoden sind Teil einer modernen Medienkompetenz. Schwierig daran ist, dass auch fachintern eher von Grabungsmethoden und High-Tech anstatt von den geisteswissenschaftlichen Methoden der Interpretation die Rede ist.

 

Archäologische Wissenschaftskommunikation 

Viele der Themen führen immer wieder darauf zurück, dass die Vorstellungen von der Archäologie und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu vage sind - im Selbstverständnis des Fachs wie auch in der Außenkommunikation.

Die politische Instrumentalisierung der Vergangenheit uur Legitimierung von Krieg und ultrakonservativer, exklusiver und elitärer Weltbilder , egal ob von Trump, Putin, Orban oder Ben-Gvir widerspricht seriösen wissenschaftlichen Sussagen. 

Das eingangs genannte DFG-Projekt Infra Wiss Blogs hat inzwischen eine Analyse der deutschen Wissenschaftsblogs publiziert.
  • C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544. - doi: https://doi.org/10.1108/JD-02-2025-0053
  • zugehörige Blogliste:  C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, German Scholarly Blogs and Their Attributes [Data Set], Zenodo 2025. - doi: https://doi.org/10.5281/zenodo.14905628

Die meisten Blogs stammen aus den Kulturwissenschaften, was jedoch mit der Blogging-Plattform hypotheses zu tun hat, die diese Blogs besonders gut erschließt und fördert. Die Studie fokussierte mehr auf die technischen und formalen Aspekte der Blogger, weniger auf deren Rolle im wissenschaftlichen Diskurs und in der Wissenschaftskommunikation.

 

Ausblick

Der Jahresrückblick ist für Archaeologik jeweils eine wichtige Kontrolle, um darüber nachzudenken, ob das Blog seine Rolle noch erfüllt - und wo ggf. Optimierungen möglich sind. Im Großen und Ganzen hat sich das Konzept, das sich aus sich heraus entwickelt hat, bewährt. Über eine lange Zeit relativ hohe, stabile, eher wachsende Leserzahlen scxheinen mir ein gutes Zeichen. Wäre manchmal ein Mehr an Diskussion wünschenswert, so ist doch auch deutlich, dass der Wert vieler Posts nicht im kurzfristigen Hype liegt, sondern darin längerfristig Ideen zu fixieren, aber auch weiter zu entwickeln. In diesem Sinne könnten prinzipiell noch mehr Beobachtungen und Gedanken im Blog niedergelegt werden. Im Lauf der Zeit ergeben sich daraus neue Impulse, Themen zu vertiefen oder wieder aufzugreifen. Sie sind später vielfach wertvolle Vorarbeiten für Projektinitiativen.
Blogposts leben aber von der schnellen Formulierung. Aus laufenden größeren Projekten heraus scheinen sie mir weniger angemessen, denn da kommt es wesentlich mehr auf die Präzision und Stichhaltigkeit an, die besser auch die regulären Publikationswege beschreitet. Oft ist hier  auch ein ganzes Team am Werk, was dann gleich ein zusätzliches Abstimmen und Erarbeiten bedeutet. Viele Projekte machen sich diese Mühe - Ziel ist aber auch eher PR als Wissenschaftskommunikation.
 
Meine Vorsätze fürs kommende Jahr sind also das Abarbeiten älterer Ideen inklusive noch ausstehender Rezensionen, aber auch mehr Forschungsberichte bzw. Notizen aus Projektüberlegungen und Lehrveranstaltungen. Die Themen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit laufen indes primär über das Gemeinschaftsblog des Lehrstuhls, den AMANZnotizblog.

Es mangelte 2025 nicht an Themen, sondern an deren Umsetzung

So scheinen einige Themen, die mich aktuell beschäftigen bisher auf Archaeologik und auch auf dem AMANZnotizblog nicht oder kaum auf.  

Dazu gehören die Forschungen zur fluvialen Anthroposphäre, ein DFG-Projekt das nun bereits bald in die zweite Phase geht und in dem wir uns v.a. mit der agrarischen Auenutzung im Tal der Wiesent - exemplarisch für Mittelgebirgstäler - auseinandersetzen.

Dazu gehören auch die Forschungen zur mittelalterlichen Keramik, die sich einerseits aus BaLISminK ergeben, andererseits aber Keramikforschungen im Raum Bamberg, das neben Auswertungen alter Fundkomplexe auch ein Citizen Science-Projekt umfasst, in dem gemeinsam mit Studierenden und Ehrenamtlichen des BLfD den Tonabbaugruben und Töpfereien im Raum zwischen Forchheim im Süden und der Landesgrenze im Norden nachgegangen wird. Archäologische Arbeitskreise aus Bamberg, Fürth und Kronach aber auch individuelle Bürger-Forscher*innen bringen sich hier ein. 2025 kam es mit Bezug zum Projekt zu ersten Grabungen bei Kronach, die einen wichtigen Keramikkomplex erschlossen haben. 

2026 wird davon auf AMANZnotizblog und auch Archaeologik noch zu berichten sein.

Thema wird sicher auch noch der Heilige Otto von Bamberg werden, der mich 2024/25 fasziniert und beschäftigt hat, da er spannende Forschungen zwischen Geschichtswissenschaft und Archäologie angestoßen hat. Publikationen dazu sind bereits im Druck.  Im AMANZnotizblog scheinen bereits einige studentische Beiträge aus diesem aus einer Pommern-Exkursion erwachsenen Projekt auf.

Und noch ein Thema hat mich 2025 beschäftigt, das sich sicher auch noch  auf Archaeologik niederschlagen wird - sind hier doch auch bereits einige Vorarbeiten zu finden: Nachhaltigkeit in mittelalterlichen Gesellschaften im Spiegel der Umweltarchäologie.

Mit diesen Themen war es 2025 wie mit dem Museum vor der Haustür, das man noch nie besucht hat: Da man das ja immer in greifbarer Nähe hat, muss es gegenüber anderen Dingen immer wieder zurück stehen...