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Samstag, 20. Juni 2026

Die Archäologie in Berlin vor der Abwicklung

Am 17.06.2026 hat der Fakultätsrat der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin entschieden, dass das Institut für Archäologie im Rahmen von Kürzungsmaßnahmen mittelfristig, d.h. Mitte der 30er Jahre, geschlossen werden soll. 

Das Institut für Archäologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) umfasst das Winckelmann-Institut (Klassische Archäologie) und die Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas. Die klassische Archäologie ist seit 1810, der Eröffnung der Berliner Universität Teil ihres Fachspektrums. Eng verbunden mit der Berliner Antikensammlung und den großen deutschen Ausgrabungen im Mittelmeerraum war das Institut und seine Professoren eine prägende Kraft in der Forschungsgeschichte der deutschen klassischen Archäologie.

Der Vorschlag zur Schließung soll im Herbst 2026 in der Sitzung des Akademischen Senats zur finalen Abstimmung vorgelegt werden. Im Anschluss werde ein Prozess zur „Neuaufstellung der Archäologie“ eingeleitet. Ein Konzept dafür liege zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vor; es bleibe „ein Versprechen auf die Zukunft, für das es bis auf weiteres keine strukturellen Garantien gibt“. 

Die HU erklärt in ihrer Pressemitteilung:

„Daher hat das Präsidium der Humboldt-Universität entschieden, dass ab Herbst 2026 das Konzept für ein neues „Institut für Altertumswissenschaften“ (Arbeitstitel) entwickelt werden soll. Dieses soll ab Mitte der 2030er Jahre geschaffen werden und nach derzeitigem Planungsstand des Präsidiums bis zu zwei Professuren mit einer Denomination aus der Archäologie enthalten. Dazu kommen, je nach inhaltlicher Ausarbeitung des künftigen Konzepts, weitere Professuren zum Beispiel aus der Klassischen Philologie. Die Konkretisierung der Planung für das neue Institut hängt von der Zustimmung der Gremien der Humboldt-Universität zu Berlin ab.“
Die Website des Instituts für Archäologie, das nebeb der klassischen Archäologie auch due Archäologie und Kulturgeschichte, also mehr oder weniger die Ägyptoligie umfasst, listet aktuell 6 Professuren, von denen bestenfalks 2 erhalten bleiben sollen. Heutzutage zur Absicherung plötzlicher Ausfälle ein Fach mit mindestens zwei Professoren vertreten sein sollte, wird deutlich, dass hier die fachliche Breite vollständig aufgegeben wird. Damit gehen unzählige Themen und Forschungkompetenzen verloren und für studierende wird der Ausbildungsstand auch unattraktiv. In der nächsten Sparrunde entstehen dadurch neue Argumente und Potenziale zum weiteren Einstampfen.
Das ist ein wohl bekannter Mechanismus - und oft wohl auch Strategie. Überlegungen, auch alte Institute zu modernisieren und umzustrukturieren und Denominationen von Professoren vielleicht auch anzupassen sind, zunächst einmal nicht von der Hand zu weisen, aber gerade bei einer inhaltlichen Ausdifferenzierung der Wissenschaften ist es absolut kontraproduktiv, dass hier derart enorme Streichungen erfolgen sollen. Die offizielle Reihenfolge, erst Schließung, dann Nachdenken über die Zukunft zeugt von einer erschreckenden Arroganz und Unsachlichkeit.

Die HU hat im übrigen in den letzten Jahren schon einige Archäologien neu aufgestellt. Von der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie oder einer Stiftungsprofessur für ostmitteleuropäische Archäologie ist nichts übrig geblieben. Das Sterben der Archäologie an der HU ist nichts Neues, sondern ein schon lange laufender schleichender Prozess.

Leider ist es der Politik schwer zu vermitteln, dass in einer Stadt/ einem Bundesland oder auch einer Region Fächer doppelt vertreten sind. Universitäten werden gerade in den Geisteswissenschaften nur noch als Schule gesehen, in denen man ein Fach berufsqualifizierend mit festgelegten Modulen lernt. Der Aspekt der Forschung geht dabei völlig unter. 

Die HU selbst veröffentlichte eine Pressemitteilung mit dem Titel „Einsparvorgaben erzwingen Neuaufstellung der Archäologie“. 

Reaktionen des Fachs: Protest und Trauer

Das Winckelmann-Institut / Klassische Archäologie / HU Berlin, Lehrbereich für Klassische Archäologie, bezeichnete den 17.06.2026 als „dunklen Tag in der Geschichte des Instituts für Archäologie“ und als „Beendigung einer über 200-jährigen Tradition“. In Social-Media-Posts dokumentiert das Institut symbolische Protestaktionen: u.a. eine Grabstein-Inszenierung mit dem Datum 17.06.2026 und einen Sarg mit der Aufschrift „ARCHÄOLOGIE R.I.P.“. 


Parzinger betont, Archäologie sei „gerade in Zeiten wirtschaftlicher Not und sozialer Unsicherheit besonders wichtig“. Auch Daniel Zuchtriegl,, solidarisierte sich und sprach von „academic cannibalism“.

Parzingers These lässt sich jedoch weiter spinnen.  Der Erfolg geschichtsvergessener Populisten hat letztendlich auch damit zusammen, dass ein Geschichtsbewusstsein und klassische Bildung zunehmend verloren geht.  Dazu gehört auch, dass nur die historischen Wissenschaften inklusive der Archäologie zeigen können wie soziale Wandlungsprozess gemeistert werden können – und da stecken wir ja mittendrin Und viele sind damit überfordert.


Petition und Forderungen der Studierenden

Der Fachschaftsrat des Winckelmann Instituts hat unter dem Titel „Archäologie bleibt!“ eine Petition auf weact.campact.de gestartet. Die Forderungen lauten: 

1. Aussetzung des eingeleiteten Schließungsprozesses

2. Transparente Offenlegung der Entscheidungsgrundlagen

3. Ernsthafte Prüfung von Alternativen zur vollständigen Aufgabe, insbesondere durch strukturelle Reformen oder Kooperationen

4. Klares politisches Bekenntnis des Berliner Senats zum Erhalt geisteswissenschaftlicher Kernfächer 

Der Fachschaftsrat verweist darauf, dass die Schließung Folge von Sparvorgaben des Berliner Senats sei: 8 Millionen Euro sollen an der Universität eingespart werden. Studierende sollen noch für rund zehn Jahre weiterstudieren können, die Folgen der Schließung seien aber bereits jetzt spürbar. 

Der Fakultätsratsbeschluss ist noch nicht final. Die Abstimmung im Akademischen Senat steht im Herbst 2026 an. Bis dahin mobilisieren Studierende und Fachvertreter weiter. Der FSR ruft auf: „Noch ist nichts verloren!“ 

Die Kampagne der Studierenden ist außerordentlich engagiert, bedient verschiedene Social Media Kanäle und war bisher auch im Medienecho durchaus erfolgreich. Der Link zur Petition könnte aber durchaus besser und unmittelbarer platziert werden. Da das Problem weniger an der Universität liegt - die ja irgendwie auf die Sparzwänge reagieren muss - erscheint mir die Petition zu kurz gegriffen. Parallel muss das Berliner Abgeordnetenhaus sensibilisiert werden. 

Die Versuche zur Rettung des Studiengangs Konservierung / Restaurierung / Grabungstechnik an der HTW Berlin haben mit dem Druck auf die Uni zu nichts weiterem geführt, als das eine Galgenfrist ein geräumt worden wäre. Der Studiengang ist keineswegs gerettet und eine sinnvolle Diskussion einer Zukunftsentwicklung findet nicht statt. Siehe dazu den DGUF-Newsletter Nr. 139 vom 31.05.2026

Der aktuelle Koalitionsvertrag der schwarz-roten Landesregierung in Berlin für die Jahre 2023–2026 trägt den nichtssagenden Titel „Das Beste für Berlin“ . Die wichtigsten Leitlinien und Maßnahmen im Bereich der Hochschul- und Universitätspolitik sind primär im Kapitel „Innovation, Wissenschaft, Hochschule und Forschung“ festgehalten: Die Koalition bekennt sich zur verlässlichen Finanzierung der Hochschulen und will langfristige Planungssicherheit und Inflationsausgleich bieten.

Die Abgeordneten der Berliner Regierungsparteien sollten wohl daran erinnert werden, dass sie Berlin den Status Berlins als führendem internationalen Wissenschaftsstandort sichern möchten. Für eine gute internationale Sichtbarkeit sind die an der HU vertretenden Archäologien unverzichtbar.

Eine kleine Nebenbemerkung (oder ungefragter Ratschlag): für die Sichtbarkeit der Kampagne wäre es hilfreich Information und vor allem auch Bilder unter einer CC Lizenz bereitzustellen. Der Eintrag zum Winkelmann Institut auf Wikipedia ist erbärmlich. unvollständig. Die Politik in Berlin möchte Wissenschaftskommunikation, Open Access und Digitalisierung fördern. Eine gut angelegte Protestkampagne Könnte hier ganz nebenbei zeigen, dass die Archäologie hier Potenziale hat und vorne mit dabei ist. Es steht nämlich zu befürchten, dass die Neurologie auf die Streichliste gekommen ist, weil sie doch als verstaubt und wenig zukunftsfähig angesehen wird. 

Erstaunlich und kontraproduktiv ist auch, dass die Streichungspläne ja genauso die Ägyptologie betreffen werden. Erfolgreich wird man nur sein, wenn die Fächer hier zusammen stehen.


Die Petition zum Unterschreiben:

Bitte unterschreiben

„Schließung des Instituts für Archäologie an der HU-Berlin“ weact.campact. - 

https://weact.campact.de/petitions/schliessung-des-instituts-fur-archaologie-an-der-hu-berlin





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Montag, 23. Februar 2026

Sparen in der Archäologie

 Berlin, dieses Mal die klassische Archäologie an der Humboldt-Universität.

 wieder eine Petition:

 

Ein vollkommen richtiger Satz aus der Erklärung sei herausgestellt. 

"Die Begründung, Archäologie werde bereits an einer anderen Universität angeboten, greift zu kurz. Wissenschaft lebt von Vielfalt, unterschiedlichen Profilen und konkurrierenden Ansätzen. Ein Fach an einer Universität zu streichen, weil es anderswo existiert, ist kein sachliches Argument, sondern Ausdruck reiner Sparlogik." 

Sonntag, 23. November 2025

Praktika im Archäologie-Studium

Die DGUF führt aktuell eine anonyme Umfrage zu Praktika im Archäologie-Studium durch. Sie möchte die studentischen Erfahrungen ausloten. Wer sind die typischen Praktikums-Anbieter? Wo liegen die Stärken, wo liegen die Schwächen der bestehenden Angebote? 

Die Umfrage richtet sich an Studierende archäologischer Fächer im BA-, MA-, MSc- oder Diplom-Studium; angesprochen sind auch Absolventìnnen, deren Abschluss erst max. 2 Jahre zurück liegt. 

 

 

Kartenset der DGUF zur Umfrage (Daniela Heller, Comic und Illustration)

Da vom Studium der Archäologie aktuell verschiedentlich eine stärkere Praxisorientierung eingefordert wird, kommt Praktika eine steigende Bedeutung zu, zumal spezialisierte Ausbildungs- und Studiengänge aktuell von Sparmaßnahmen betroffen sind. Da "Archäologe/Archäologin" kein kohärentes Berufsfeld darstellt, sondern Wissenschaftler*innen bezeichnet, die aber in unterschiedlichen Berufsfeldern, wie der Denkmalpflege, der kommerziellen Archäologie, der Museen und Wissenschaftskommunikation und schließlich auch der Forschung tätig sind, können die klassischen Archäologie-Studiengänge die eingeforderte Praxis am ehesten über Praktika ins Studium einbinden. Wurden sie früher zusätzlich zum Studium abgeleistet, so werden sie heute in das ects-Punktesystem eingebunden und nehmen der wissenschaftlichen Ausbildung auch Kapazitäten weg. Diese muss aber das Rückgrat jeder Tätigkeit in der Archäologie sein, denn ansonsten sind gesellschaftliche Ausgaben und ist der ganze Betrieb der Denkmalpflege kaum zu rechtfertigen.

Eine Bestandsaufnahme der Praktika bezüglich der Anbieter, Inhalte und Tätigkeitsfelder , wie sei die DGUF vor hat, ist wichtig, um mit den aktuellen Entwicklungen umgehen zu können und eine fundierte wissenschaftliche und berufspraktische Ausbildung in Zukunft sicher stellen zu können, ist daher wichtig.

Es steht zu wünschen, dass die Umfrage möglichst viele Studierende erreicht und möglichst viele auch mitmachen. Darum folge ich mit diesem Post auch gerne dem Wunsch der DGUF, die Umfrage auf Archaeologik aufzugreifen. 

 

Interner Link

 

Dienstag, 28. Oktober 2025

Protest gegen die Streichung der Studiengänge Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik an der HTW Berlin

An der HTW Berlin sollen ab dem Wintersemester 2026/27 die Bachelor- und Masterprogramme im Bereich Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik gestrichen werden. Mangels Alternativen könnte die Einstellung dieser Studiengänge dramatische Folgen für die Forschungs- und Kulturlandschaft in Deutschland haben.

In einem offenen Brief, der an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege sowie die akademischen Gremien der HTW gerichtet ist, machen die Unterzeichner auf die einzigartige Stellung der HTW Berlin aufmerksam. Seit 1992 bildet die Hochschule mit grundlegenden Spezialisierungen exzellente Restaurator*innen und Grabungstechniker*innen und Restaurator*innen aus, die für die Arbeit in Grabungsfirmen, Denkmalämtern, staatlichen und kommunalen Museen, Archiven und weiteren Institutionen unerlässlich sind. Der Verlust dieser Ausbildungsangebote würde die Fachkompetenz im Bereich des Kulturerbes gefährden und eine Lücke in der praktischen und wissenschaftlichen Arbeit hinterlassen.

Der offene Brief fordert nachdrücklich:
  1. Erhalt der Studiengänge: Die Angebote im Bereich Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik sowie Angewandte Landschafts- und Feldarchäologie müssen dauerhaft erhalten bleiben.
  2. Transparente Diskussion: Statt stiller Abwicklung sollte ein demokratischer Diskurs über die Zukunft der Studiengänge stattfinden.
  3. Bundesweite Verantwortung: Die Bedeutung der HTW Berlin als zentrale Ausbildungsstätte muss erhalten werden.
  4. Kulturerhalt als staatliche Aufgabe: Der Schutz und die Pflege des kulturellen Erbes ist ein verfassungsrechtlich verankertes Staatsziel, das ernst genommen werden muss.


Streichung zur Unzeit

Der Wegfall dieser Studiengänge kommt zur Unzeit, ist doch inzwischen auch in der Archäologie ein Fachkräftemangel zu konstatieren. Das betrifft insbesondere die Grabungsfirmen, aber auch die Denkmalämter, die kaum noch befähigte Grabungsleiter*innen finden.

Erst jüngst forderte die Leopoldina die Praxisanteile in den archäologischen Studiengängen auszubauen und verwies dabei auch auf diesen Engpass.

In den bestehenden BA/MA-Studiengängen der Archäologie ist das schlechterdings nicht möglich, da keinesfalls die wissenschaftlichen Grundlagen unter die Räder kommen dürfen und in der heute verkürzten Studienzeit immer mehr Inhalte untergrebracht werden müssen, die kaum priorisiert werden können. Die Studiengänge der archäologischen Wissenschaften bilden nicht für ein spezifisches Berufsfeld Archäologe/Archäologin aus, denn dieses existiert in dieser Einheitlichkeit nicht, sondern  umfasst hoch spezialisierte Tätigkeiten in der Denkmalpflege und in Grabungsgeschäft auch solche in Museen, Kultureinrichtungen und Wissenschaftskommunikation. 

Auch früher war diese berufspezifische Ausbildung nicht Teil des Studiums, sondern wurde studienbegleitend durch Ferienjobs oder nach dem Magisterabschluß erworben. Heute achtet man sehr viel mehr auf die Studiendauer und verlangt von dem zunehmend verschulten System der Universitäten eine berufspraktische Ausbildung.

Tatsächlich sind die Studienabsolventen heute drei bis vier Jahre jünger als früher. Vielfach wurde die Gymnasialzeit verkürzt, vor allem aber wurde der Bachelor-Abschluß zum vermeintlich berufsqualifizierenden Abschluß. Gegenüber dem alten Magsiter mit seiner weniger strengen Studienzeitbegrenzung hat sich die Studienzeit um zwei bis drei Jahre verkürzt. 

Trotz aller Bedeutung der praktischen Ausgrabungsarbeit wird ein Universitätsstudium im Kern wissenschaftliches Stuidum bleiben müssen, denn ohne wissenschaftlichen Anspruch ist die ganze kommerzialisierte Grabungspraxis gesellschaftlich nicht zu rechtfertigen.

Bislang war die Ausbildung zum Grabungstechniker immer zweisträngig. Einerseits war er Ausbildungsberuf, andererseits war er über ein archäologisches Studium mit ergänzenden Berufserfahrungen erreichbar - wie etwa solchen Studiengängen, wie sie berlin nun streichen möchte. 

Anstelle einer Streichung wäre eine bessere Bewerbung und Koordination der Studiengänge in Deutschland notwendig. Da infolge der Kommerzialisierung der Archäologie die meisten Landesämter kaum noch selbst Grabungen durchführen, sind auch dort die Ausbildungsmöglichkeiten für Grabungstechniker*innen weggefallen. Auch für die archäologische Restaurierung ist zu vermerken, dass hier infolge von Umstrukturierungen die Ausbildungsmöglichkeiten am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (jetzt LEIZA) drastisch reduziert worden sind.

Die Berliner Studiengänge haben daher eine zentrale Bedeutung für die bundesdeutsche Archäologie. Um schweren Schaden von der deutschen Archäologie abzuwenden, ist es notwendig, dass die Berliner Entscheidung revidiert wird und stattdessen ein Zukunftskonzept erarbeitet wird - das allerdings auch mit den Ämtern der Denkmalpflege, Grabungsfirmen und anderen Studiengängen abgestimmt werden sollte.

Protest

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF)  sowie der Verband der Restauratoren (VDR). wie weitere Fachverbände, Institutionen und Unternehmen wenden sich mit einem eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit, um gegen die drohende Streichung der  an der HTW Berlin zu protestieren.  Ihre Proteste stehen online:

Der Entwurf des offenen Briefs zum Erhalt der Studiengänge Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik an der HTW Berlin, der von Studierenden und Lehrenden in Berlin formuliert wurde, kursiert leider aktuell nur per e-Mail, anstatt dass er einsehbar und direkt zeichenbar verlinkt wäre. Die Studierenden nehmen jedoch Zeichnungswünsche (mit vollem Namen und ggf. Angabe der Institution oder Firma) per e-mail entgegen.

Wenn Sie wollen, können Sie Ihre Stellungnahmen auch direkt an die Hochschulleitung (Präsidium und Dekanat), den Berliner Senat (Bürgermeister Kai Wenger und Abteilungsleitung V Hochschulen) sowie das Kulturstaatsministerium richten. 

 

weitere Links

Dienstag, 16. April 2024

Zusammenschmeißen und Sparen: diesmal Goethe-Uni in Frankfurt

Wie viele Unis muss auch die Goethe-Universität Frankfurt sparen. Und iwieder trifft es die Geistes- und Kulturwissenschaften. Geplant sind vom Fachbereich Streichungen, Kürzungen und Umstrukturierungsmaßnahmen im Fachbereich 09 Sprach- und Kulturwissenschaften, hauptsächlich die Institute Afrikanistik, Archäologische Wissenschaften, Empirische Sprachwissenschaft, Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Ostasiatische Philologien betreffen.


 

In der Archäologie sollen die Professuren für klassische Archäologie und für die Archäologie der Römischen Professuren künftig in einer Professur zusammengelegt werden. Ebenso sollen die Professuren für Latinistik und Gräzistik verbunden werden. Für die Außenstehenden ist die Archäologie Archäologie und die einzelnen Fächer sind nur Spielarten ein und derselben Wissenschaft. Dass man bereits in den letzten Jahrzehnten unter dem Zwang der Einführung neuer Bachelorstudiengänge dazu gezwingen war, verschiedene Fächer in gemeinsame Studiengänge zusammen zu fassen, begünstig diese Sicht. Für die Absolventinnen* dieser Studiengänge muss das nicht schlecht sein, aber für die disziplinspezifischen Inhalte bleibt weniger Zeit und hier ist bereits ein Verlust an Material-/ Quellenkenntnis und spezifischer Kompetenz zu verzeichnen.

Weiterhin soll die Professur in der Ur- und Frühgeschichte herabgestuft werden, was bedeutet, dass Sie keine Personalverantwortung mehr hat und damit auch die angegliederten Arbeitsstellen   mittelfristig nicht fortgeführt werden sollen.

Wie bei solchen Streichbeschlüssen üblich, beklagen sich auch hier die betroffenen Fächer über eine Intransparenz des Verfahrens. Die betreffenden Gremien der Fachbereiche bzw. Fakultäten sind zwar i.R. aus der Professorenschaft gewählt, vertreten aber nicht die Breite der Fächer. Die aktuell nicht in den Gremien vertretenen Fächer mögen sich hier vielfach schon von vorn herein in einer schwächeren Position befinden. Vor allem aber überblicken die Gremien in der Regel nicht die Fachkulturen der betroffenen Fächer. In den archäologischen Wissenschaften werden hier regelmäßig die höchst unterschiedlichen Forschungstraditionen - die sich auch in den Fragestellungen und Methoden niederschlagen - übersehen.  Die Ausbildung eierlegender Wollmilchsäue lässt vielerorts Klagen aufkommen, dass Abolventinnen wichtige Kenntnisse fehlen und führt dazu, dass spezielles Wissen in den kleinen Fächern verloren geht. Es ergibt sich das Risiko, das manche Fächer gar nicht mehr angeboten werden.

Die Art und Weise, wie an den Universitäten über Einsparungen und Ausbau von Fächern entschieden wird,  folgt mehr den Sparzwängen und Förderprogrammen der Politik als einer langfristigen Strategie der Fächerentwicklung. Dabei kommt es unter anderem zu der skurrilen Situation, dass in Sachsen grundlegende archäologische Disziplinen in Leipzig gestrichen werden, dafür aber in Dresden (wo es sonst keine Archäologie gibt) nun ein Master "Computer and Geoscience in Archaeology" angeboten wird, dessen Studienplan nur Methoden kennt, aber keine Fragestellungen und Quellenkenntnis. Derartige moderne Studiengänge können die grundlegende disziplinäre Ausbildung in Quellen und Fragestellungen nicht ersetzen. Pikanterweise ist daher die Zulassungsvoraussetzung zum neuen Dresdner Masterstudiengang u.a. ein BA-Abschluß in einer archäologischen Fachdisziplin - aufgeführt werden: Ägyptologie, Altamerikanistik, Archäologie des Mittelalters oder Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Christliche Archäologie, Klassische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie, Prähistorische Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie - während ein disziplinenübergreifender BA Archäologische Wissenschaften nach der Studienordnung eine spezielle Anerkennung durch den Prüfungsausschuß bedarf. Man wird mittel- bis langfristig über eine Neustrukturierung der Disziplinengrenzen nachdenken müssen - und da darf beispielsweise auch eine Verschmelzung der Archäologie der römischen Provinzen und der klassischen Archäologie kein generelles Tabu sein, aber das muss langfristig konzipiert sein und aus den Fächern heraus geschehen und kann nicht nach den zufällig im Fachbereich zu verteilenden (oder eben nicht zu verteilenden) Mitteln passieren.

Dass an den Universitäten gespart wird, ist keine ganz neue Entwicklung, viele öffentlichkeitswirksame Großinitiativen überdecken die Probleme eher, als dass sie einen Lösungsansatz bieten. Dabei werden an die Universitäten immer mehr quantitative Leistungsindikatoren angelegt, die Studierendenzahlen und Transfer (in der Praxis = wirtschaftlich nutzbare Entwicklung) in den Mittelpunkt stellen und damit die Geisteswissenschaften unter Druck setzen, die mit einer Vielzahl eher kleiner Fächer und einem geringeren Nutzungspotential hier nur wenig Punkte liefern. Dabei sind gerade dann, wenn Friede und Demokratie unter Druck geraten, und Populisten mit angeblich "gesunden Menschenverstandes" einfache Lösungen versprechen, wichtiger denn je. Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften können Einordnung bieten und manche populistische Parole als das entlarven was sie ist: Lüge, Geschichtsfälschung und Direktverbindung in den Abgrund.


Links

Parallel noch eine Petition speziell bezogen auf die Latinistik:

Interne Links



Freitag, 8. Dezember 2023

Streichungsgefahr für die Archäologie! nicht nur in Sachsen

Die schon lange andauernden Prozesse der zunehmenden sozialen Ungleichheit, der internationalen Erstärkung nationalistischer Ideen in Rußland, dem Vorderen Orient, aber auch in Europa und selbst hier in Deutschland sowie dem demographischen Wandel, der Klimawandel und der Digitalisierung sind in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. 
 
In dieser Konstellation entsteht vielfältiger Druck auf die Universitäten und letztlich auf die kleinen und vermeintlich exotischen oder gesellschaftlich irrelevanten Fächer. Gerade die Archäologien geraten hier leicht in eine Schnittmene und auf Streichlisten - aktuell in Leipzig.
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Hier soll die klassische Archologie gestrichen werden (die schon früher zu einer Juniorprofessur für Archäologie des Mittelmeerraumes abgewertet wurde)  und die Ur- und Frühgeschichte durch eine billigere Juniorprofessur "Professur für Digitale Archäologie Mitteleuropas" ersetzt werden. Auch Mittelbau-Stellen sollen wegfallen. Die bisherigen Studiengänge  „BA Archäologie und Geschichte des Alten Europa“ und MA "Archäologie der Alten Welt" müssen in der Folge eingestellt werden.
In Leipzig zeigt sich schon lange ein systematisches Kaputtsparen der archäologischen Studiengänge, denn das Zusammenlegen vonklassischer Archäologie und Ur- und Frühgeschichte auf Master-Niveau ist für Absolvent*innen höchst unattraktiv, da es an der beruflichen Praxis völlig vorbei geht. Klassische Archäologen sind in ganz anderen Berufsfeldern gefragt als Ur- und Frühgeschichtler.  Das setzt sich nun fort. Eine Professur für Digitale Archäologie Mitteleuropas allein kann kein Studium stemmen, das vernünftige Berufsperspektiven bietet, sie ist nur ein hochschulpolitisches Lätzchen, die das völlige Streichen der Archäologie versteckt. Praktisch wird sich eine solche neue Professur bestenfalls in einen Studiengang im Bereich der Digital Humanities einbinden lassen, um dort einen Touch materielle Kultur und Kulturlandschaft einzubringen. Im ganzen Hype um Digitalisierung und Digital Humanities - solche Studiengänge sprießen allerortens - gerät aber die Frage in den Hintergrud, was Absolventen denn mit einer solchen Ausbildung anfangen sollen. Wissenschaft entsteht durch Fragestellungen, nicht durch Methoden, Eine Ausbildung zu den Möglichkeiten digitaler Methoden ist heute unverzichtbar, aber diese macht nur Sinn, wenn auch die fachlichen Grundlagen gelehrt werden.

Die oben verlinkte Petition der Fachschaft Archäologie Universität Leipzig wendet sich an den Staatsminister für Wissenschaft, Kultur und Tourismus des Freistaates Sachsen, Herrn Sebastian Gemkow (CDU), und die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell und fordert ein Bekenntnis der Universität Leipzig und der SMWK zur Archäologie in Leipzig und eine dauerhafte Absicherung der vollwertigen archäologischen Ausbildung mit den bestehenden Fachrichtungen Ur- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Leipzig!
 
Der Protest hat auch die Medien erreicht.
Der mdr berichtet:

und weiter

 Die Diskussion in Leipzig ist nicht neu. Schon 2014 gab es eine Petition.

und einen Blog zu den damaligen Streichungsvorgängen :

 

Hintergründe der Sparzwänge: beschränkter Wissenschaftsbegriff und politisches Rumlavieren

Der Druck auf die kleinen Fächer und insbesondere die Archäologie ist schon lange zu spüren, nicht nur in Leipzig, sondern aktuell auch in Jena und Halle..In Großbritannien wurde das renommierte und florierende Institut in Sheffield einfach abgewickelt.
 
Im Hintergrund wirken verschiedene Mechanismen, die  überwiegend aus der aktuellen Hochschulpolitik resultieren, die in Bund und Ländern - aber auch anderswo in Europa - meist einen eher geringen Stellenwert hat. Bildung und Forschung geraten regelmäßig und oft wider besseren Wissens unter die Räder eines politischen Aktivismus und Lavierens, egal ob von Regierungsparteien, Oppositionsparteien und vermeintlichen Alternativen, wobei insbesondere aber nicht ausschließlich letztere explizit antiwissenschaftliche und post-aufklärerische Positionen vertritt. 
 
In der Corona-Krise und der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs wurden die Universitäten - und die Studierenden - gerne vergessen oder vielleicht auch bewusst als ein Bereich wahrgenommen, den man zur Reduzierung der finanziellen Belastung auch übergehen kann. So wurden in einigen Ländern die Unis angewiesen, die Mehrausgaben für die hohen Energiepreise im letzten Winter aus ihren finanziellen Reserven zu bestreiten. Im Unterschied zur Wirtschaft oder Schulen gab es hier vielfach keine Finanzspritzen.

Der bereits angesprochene Trend zur Digitalisierung ist für die Politik vor allem eine Demonstration der eigenen Modernität. Hier wird publikumswirksam gefördert, obwohl das vielfach für die Berufsperspektiven der Studierenden nur bedingt sinnvoll scheint. In Bayern beispielsweise ist man stolz auf seine High-Tech-Agenda mit 1000 neuen Professuren, die vor und nach der Landtagswahl kräftig gefeiert wird. Tatsächlich werden hiernur  die Gehälter für die Professoren finanziert, aber nicht die dafür notwendige Infrastruktur an den Universitäten, also kein Mittelaufwachs für die nötigen Räumlichkeiten, Mitarbeiterstellen oder auch die High-Tech, die solche Stellen erst attrkativ machen. Die Universitäten, die solche High-Tech-Stellen übernommen haben, müssen sich diese Kosten nun an anderer Stelle einsparen.

Ein entscheidender Trend ist dabei die Ökonomisierung der Wissenschaft. Im neuen bayerischen Hochschulinnovationsgesetz ist besipielsweise als neuer Aufgabenbereich der Universitäten neben Forschung und Lehre auch der "Transfer" festgeschrieben, nach dem die Fächer auch bewertet werden. Dazu gehören insbesondere Patentanmeldungen und Ausgründungen von Start-Ups. Mit der aktuellen Schuldenkrise und der "Diskussion" der letzten Wochen wurden mehrfach Äußerungen getätigt, die von den Universitäten eine Konzentration auf die Überwindung der Wirtschaftskrise und die Energiewende durch technische Innovation einfordern.
Grundlagende gesellschaftliche Funktionen von Wissenschaft, wie z.B. die Begleitung aktueller gesellschaftlicher Prozesse oder auch einfach grundlegende Grundlagenforschung, die (zumindest aktuell noch) keine wirtschaftliche Anwendung verfolgt, werden einfach nicht bedient. 
Hier zeigt sich ein kaputtes Wissenschaftsverständnis, für das plakativ die Google-News-Rubrik Wissenschaft und Technik steht, die nur über Gaming-Produkte und neue Handies berichtet, aber überhaupt keine Forschung, weder in den Geistes- noch in den Naturwissenschaften liefert. Tatsächlich werden hier aber auch die Ingenieurwissenschaften nicht abgebildet.

Mit einem solchen verquerten und beschränkten Wissenschaftsverständnis kann eigentlich keine Wissenschaftspolitik betrieben werden. Es ist auch gefährlich, weil es die wissenschaftlichen Grundlagen der Moderne untergräbt und postfaktischen Positionen den Weg freiräumt, da jene Fächer, die den nötigen Widerspruch begründen können, keine Patente liefern. 
 

Fachkräftemangel auch in der Archäologie

Übrigens ist Archäologie derzeit noch nicht mal eine brotlose Kunst: Grabungsfirmen suchen händeringend nach Archäologen, die Ausgrabungen  im Rahmen der kommerziellen Archäologie übernehmen können... Digitale Archäologen werden diese Lücke kaum schließen.

Link




Dienstag, 15. November 2022

Fachkräftemangel in der Archäologie

Die privatwirtschaftliche Archäologie ist in Deutschland in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. 2021 ist die Zahl der Mitarbeite*innen in der kommerziellen Archäologie um über 10% gewachsen. Für 2021 planen die Firmen weitere Einstellungen mit einer weiteren Steigerung um 14% (Siegmund7 Scherzler 2022).

Die Entwicklung der Grabungsfirmen im Jahr 2021 war durchaus sehr heterogen, doch gab es insgesamt im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von um 12,5 %. Dabei ist nicht nur die Zahl der Mitarbeiter*innen in den Grabungsfirmen angestiegen, sondern es hat sich auch der Anteil der unbefristeten, sozialversicherten Arbeitsverträge deutlich erhöht, während die weniger stabilen Beschäftigungsmodelle rückläufig waren.

 

% 2021

% 2020

% 2019

Unbefristet sozialvers.
angest. Mitarbeiter

80 %

67 %

71 %

Saisonkräfte

8 %

13 %

15 %

Mitarbeiter auf Werkvertragsbasis

0 %

4 %

1 %

Freie Mitarbeiter

2 %

7 %

2 %

Studentische Helfer

10 %

9 %

11 %

Tab. Anzahl der Beschäftigungsarten 2021 in Grabungsfirmen (nach Siegmund/ Scherzler 2022, Abb. 2)


Diesen Zahlen liegen die Umfrageergebnisse der DGUF-Befragung zugrunde (Siegmund/ Scherzler 2022), die auch erhoben haben, welche Stellen die Grabngsfirmen im laufenden Jahr besetzen wollen. Demnach werden gesucht:

  • 4 % Verwaltungskräfte,
  • 13 % Hilfskräfte/Grabungshelfer
  • 33 % Facharbeiter,
  • 22 % (Grabungs-) Techniker/ techn. Mitarbeiter,
  • 28 % Grabungsleiter/wiss. Mitarbeiter
  • 0 % Projektleiter und -koordinatoren.

Insgesamt geht es um eine grobe Größenordnung von 200 Stellen. Nach den Erhebungen von Siegmeund, ebenfalls in den Archäologischen Informationen haben 2021 demgegenüber 169 Studierende ihr Studium mit einem Bachelor- oder Mastergrad abgeschlossen.

Es zeichnet sich hier ein Fachkräftemangel ab, der sich indes nicht in der Lohnentwicklung wiederspiegelt. Siegmund/ Scherzler 2022 urteilen im Vergleich der Löhne 2019 und 2021: 

"Für wesentliche Mitarbeitergruppen stiegen die Löhne im Vergleich zur Gesamtentwicklung in Deutschland zu gering. Wenn es die Branche in einer Phase steten und starken Wachstums nicht schafft, sukzessive auf ein angemessenes Lohnniveau zu klettern, wird es ihr sehr schwerfallen, die offenbar benötigten zusätzlichen Fachkräfte zu gewinnen resp. sich zu erhalten." (Siegmund/ Scherzler 2022, [S. 5 im early view])

Die gegenwärtige Krisensituation mit anthropogenen Umweltveränderungen, Coronafolgen, populistisch-nationalistischen Strömungen, Krieg, Energiekrise, Inflation und vielfältigem Fachkräftemangel macht es generell schwer, Zukunftsprognosen abzugeben. Aktuell scheint die Situation für Absolvent*innen aber günstig, einen Einstieg in die privatwirtschaftliche Archäologie zu finden. Wie hier die weiteren Aufstiegsmöglichkeiten aussehen, ist zunächst eine andere Frage. Bei der Lohnentwicklung haben die höher qualifizierten Stellen (Grabungstechniker und Grabungsleiter) in den Grabungsfirmen eher schlechter abgeschnitten als die Grabungshelfer und Facharbeiter.

Tatsächlich scheint das zu einer Beobachtung zu passen, die in diesem Semester zumindest in der Bamberger Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit zu machen ist.  Aus dem Kontakt mit Studierenden weiss ich, dass einige die Gelegenheit nutzen, Grabungserfahrung zu sammeln und dafür die Fortsetzung des Studiums nach dem BA-Abschluss zurückstellen bzw. das Studium nur in Teilzeit betreiben.

 

Literatur

  • Siegmund/ Scherzler 2022: F. Siegmund/ D. Scherzler, Zu geringes Lohnwachstum trotz Arbeitskräftemangels und zweistelliger Wachstumsraten bei Umsatz und Mitarbeitern – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2021. Archäologische Informationen 45, 2022, Early View, online publiziert 6. Juni 2022. [PDF]
  • Siegmund 2022: F. Siegmund, Die Studierenden- und Absolventenzahlen in den Fächern Ur- und Frühgeschichte sowie Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Jahr 2021. Archäologische Informationen 45, 2922, Early View, online publiziert 14. Juni 2022. [PDF]