Mittwoch, 22. Mai 2024

Rassisten als "besorgte Geschichtsfans"

Hier geht es um ein Computerspiel, das bei Japans Samurai im 16. Jahrhundert angesiedelt ist. Als Hauptfigur wurde Yasuke, "der schwarze Samurai" gewählt, eine historische Persönlichkeit.

Vielen passt es wieder nicht, dass ein Schwarzer die Hauptrolle spielt und reden bei einem Compiterspiel von Geschichtsverfälschung. In den Social Media ist wieder mal eine Schlacht um Hautfarbe und Bedeutung ausgebrochen, die als Quellen meist nur Wikipedia kennt, das nun, insbesondere in der englischen Variante, nach Belieben  geändert wird. Ein Bewußtsein dafür, welcher Text als Quelle gelten kann, was Sekundärtext, was Fach- oder Sachtext und was nur Geschreibsel ist, fehlt - wie übrigens auch bei den meisten Studienanfängern. Eine wichtige Quelle der Bericht von François Solier von 1627 ist auch online verfügbarr, aber natürlich nirgends verlinkt.

Tatsächlich bleibt unklar, warum das Spiel Yasuke als Protagonist wählt. Bei vielen Kommentatoren wird daher der Verdacht der "Wokeness" geäußert. Ganz von der Hand zu weißen ist das nicht, denn natürlich gibt es auch "woke" Interpretationen, die sich als Wissenschaft tarnen, wie etwa die NetFlix-Kleopatra-'Dokumentation' (vgl. Archaeologik 14.6.2023). Vermutet wird aber ein politisches Programm, das nur dazu diene Weiße und Asiaten herab zu setzen. Einen Schwarzen zum Helden zu machen, sei selbst Rassismus, weil man keinem Asiaten die Heldenrolle geben wolle.  Letztlich entlarven sich viele Einwendungen damit selbst als Rassismus und Verschwörungsideologie (vgl. Archaeologik 7.9.2023).

In einem Spiel, Querbeziehungen zwischen historischen Räumen und Migranten zu zeigen, ist prinzipiell nicht falsch. Letztlich ist das die künstlerische Freiheit der Spielemacher. Was sie damit erreichen wollten, ist unklar, möglicherweie einfach werbewirksame Provokation. Aktuell kann man sich darauf verlassen, dass intensive, aber wenig fruchtbare Debatten in den Kommentaren der Social Media entstehen. Mit den Spielen wird ein enormes Publikum erreicht und auch oder gerade weil sie kein authentisches Geschichsbild vermitteln wollen, prägen sie falsche Vorstellungen.

Für die Geschichtswissenschaften und für die ganze Gesellschaft ist das mittelfristig gefährlich. Lernen kann man bestenfalls aus reeller Geschichte, nicht aus Phantasy. Deshalb muß eine seriöse Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur hier gegenhalten - dazu benötigt es moderne Vermittlungsstrategien, eine Transparenz der Wissenschaft und - ganz wichtig angesichts zunehmender Sparmaßnahmen im Bereich Kultur und Wissenschaft - auch die Infratsruktur und die Personalkapaziäten.

 

Links

Literaturhinweis

  • T. Lockley/ G Girard: African Samurai: The True Story of Yasuke, a Legendary Black Warrior in Feudal Japan. (Toronto 2021) -ISBN 978-1-335-04498-3

Montag, 20. Mai 2024

Deutscher Mühlentag

 Heute:  

Am Mühlentag an Pfingstmontag sind in Deutschland 650 historische Anlagen für Besucher geöffnet.


https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Mühlentag


Donnerstag, 2. Mai 2024

Neues zu BaLISminK: mit 500 Einträgen zugänglich

BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik, das derzeit im Probe- und Experimentierbetrieb läuft. Ziel ist es zunächst für Süddeutschland - perspektivisch aber auch darüber hinaus - in kooperativer Arbeit zu den wesentlchen Fundorten, Waren und Formen kurze Charakterisierungen zu geben, die mit bildlichen Darstellungen (Zeichnungen, Fotos, perspektivisch auch 3D-Scans) ergänzt werden können. Vorgesehen sind dazu beispielsweise auch Fundortlisten, die fortschreibbar jeweils aktuelle Verbreitungskarten liefern können.

BaLISminK ist bereits aufrufbar und auch über Google zu finden:
Aktuell gilt es aber zu berücksichtigen, dassv viele Einträge noch provisorisch sind.

Technisch gesehen ist BaLISminK ein Wiki, das aktuell wie eine abgespeckte Wikipedia funktioniert. Das bedeutet, dass sich Artikel und Einträge stets weiter entwickeln (können).
Aktuell umfasst BaLISminK bereits 500 Schlagworte, darunter jedoch noch einige "stubs" und "redirects". Bislang sind die Inhalte aus Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland übertragen sowie einige Schlagwortüberarbeitungen aus Lehrveranstaltungen übernommen.
Die Auswertung der Grabungen [[Bamberg, Am Kranen 14]]  im Rahmen von Lehrveranstaltungen nutzt BaLISminK als Protokoll der Beobachtungen an den Keramikfunden.

 
Neben einigen technischen Implementierungen müssen noch einige Verfahrensweisen entwickelt werden, etwa, wie gemeinschaftlich Definitionen formuliert werden. BaLISminK will den Fachkreisen keine Begriffsdefinitionen aufzwingen, sondern will zunächst vorhandene Terminologien dokumentieren, muss sich aber schließlich praktisch für ein Hauptstichwort entscheiden - und letztlich Hinweise und Empfehlungen für eine praktikable, abgestimmte Terminologie geben.

Karniesrand im Gebrauch
(Foto R. Schreg)

Einige Kolleginnen* haben bereits zu einzelnen Stichworten beigetragen, doch ist die Beteiligung leider noch zu gering, um schon Routinen darstellen zu können. Aktive Mitarbeiterinnen* sind eingeladen, nach Möglichkeiten zu BaLISminK beizutragen, um das System weiterzuentwickeln. Zugangsdaten sind über eine eMail an rainer.schreg[a]uni-bamberg.de zu erhalten - allerdings ist auch das Nutzermangement bisher ein Provisorium.

Eine Perspektive, die es zu verfolgen gilt, ist die Verwendung von WikiBase bzw. WikiData. Dadurch wird eine Verknüpfung mit Normdaten möglich (gedacht ist an Orte, aber auch an eine zentrale Bibliographie) wie auch ein mehrsprachiger Thesaurus, der automatische Übersetzungen ermöglicht und es erlaubt, auch grenzüberschreitend zu arbeiten. Langfristig wird zu prüfen sein, inwiefern KI zur Datenaufbereitung Einsatz finden kann. Erste Versuche, KI zur Erstellung einzelner Einträge zu nutzen, sind eher Spielerei, die aber immerhin zeigt,  dass hier künftig Potentiale liegen und aktuell einige Hilfskraftarbeiten wie Tabellenformatierung oder Koordinatenzusammenstellungen für GIS durchaus schon möglich sind.
 
Wie sich BaLISminK entwickelt, hängt von der Bereitschaft der Kolleginnen* ab, Informationen einzubringen - und, ob es gelingt eine Finanzierung aufzubauen, mit der es möglich wäre, archäologische Keramikfunde nicht nur handbuchartig zu erschließen, sondern auch terminologische Probleme zu klären und darüber hinaus Keramik als Quelle zu Alltags- und Sozialgeschichte zu erschließen. Deshalb sollen auch Töpferhandwerkstechniken, experimentelle Archäologie und die Archäometrie, als eigene Kategorien aufscheinen. Bereits jetzt zeigt sich, dass BaLISminK mit seiner überregionalen Perspektive viele neue Zusammenhänge und Forschungsansätze erschließt. Mit der Möglichkeit, hier auch auf verschiendenen Ebenen Citizen Science einzubinden, ergeben sich aus BaLISminK auch interessante Perspektiven für die Digital Humanities. 



*generisches Femininum, da Binnensternchen im Freistaat Bayern zu kompliziert und unverständlich sind