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Mittwoch, 20. Januar 2021

Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie - Antrittsvorlesung publiziert

Neu erschienen:  

  • R. Schreg, Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie. In W. Brassat (Hrsg.), Komplexität und Diversität des kulturellen Erbes. Forschungen des Instituts für Archäologische Wissenschaften, Denkmal­wissenschaften und Kunstgeschichte (Bamberg 2020) 11-34. - Der vollständige Band steht open Access auf den Seiten von University of Bamberg Press unter https://doi.org/10.20378/irb-48742.  Auf HumanitiesCommons gibt es meinen Artikel auch separat: https://hcommons.org/deposits/item/hc:33793/

Mein Beitrag zu dem Sammelband, der aktuelle Forschungen aus dem Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte der Uni Bamberg vereint, basiert auf der Antrittsvorlesung, die ich am 27.6.2019 in Bamberg gehalten habe. Mit dem Titel "Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie" habe ich zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen geführt, die mir für ein zeitgemäßes Verständnis der archäologischen Wissenschaften wichtig erscheinen. Einerseits geht es um die Erforschung früherer Landnutzung anhand von Altfluren und deren Einordnung in die Umweltgeschichte bzw. Umweltarchäologie. Andererseits geht es aber auch um die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Archäologie generell. Der Öffentlichkeit (und manchen Kollegen) ist es oft schwer begreiflich, weshalb man sich für Altflurreste interessieren sollte - gibt es doch da in der Regel keine Funde - erst recht keine spektakulären.  


 

Segbachtal, "Im Winkel": oberflächlich freigelegter Steinriegel
(Foto: R. Schreg/ RGZM 2.7.2010)


 

Die konkrete Auseinandersetzung mit Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie möchte ich als Plädoyer verstehen, darüber nachzudenken, was wir als Archäolog*innen konkret für unsere Gegenwart aus der Vergangenheit mitnehmen können und wie wir das zuverlässig erreichen. Nicht jede Auseinandersetzung mit der Vergangenheit muss dabei in eine applied archaeology mit Patentanmeldungen münden, das Bereitstellen von Orientierungswissen, das uns die Komplexität unserer sozialen und umweltlichen Lebensbedingungen vor Augen führt und der Gesellschaft vermittelt, reicht völlig aus, ist aber auch so schon eine große Herausforderung, intellektuell wie auch ganz praktisch.




Dienstag, 12. Januar 2021

Die Wächterin der ältesten Stadt Amerikas wird bedroht

Prof. Ruth Shady Solis, eine berühmte peruanische Archäologin erhält Morddrohungen, weil sie sich gegen die Besetzung des Weltkulturerbes von Caral rund 200 km südlich von Peru durch lokale Bauern wehrt.

Die exakten Hintergründe dieser Auseinandersetzung lassen sich den vorliegenden Berichten nicht entnehmen. Teile der als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesenen archäologischen Zone wurden 2020 von drei Familien besetzt, die sie in Ackerland umbrachen.  "Überleben sei wichtiger als Kultur und Geschichte." zitiert sie ein Zeitungsartikel.  Allzu oft wurden archäologische Fundstellen den vorherigen Eignern entzogen.  BBC merkt an, dass das Land bei einer Agrarreform in den 1970er Jahren von Großgrundbesitzern an zugewanderte Tagelöhner verteilt wurde, die sich mit den archäologischen Fundstellen der Gegend nicht identifizieren konnten. Zwar sind die ersten Fundstellen schon Anfang des 20. Jahrhunderts von dem deutschen Archäologen Max Uhle entdeckt worden, aber der heutige Kenntnisstand ist den Entdeckungen durch Ruth Shady Solis in den 1990er Jahren zu verdanken.

Die Auseinandersetzung ist jedenfalls soweit eskaliert, dass Prof. Ruth Shady Solis Todesdrohungen erhält, ebenso ihr Anwalt. Ihr Hund wurde bereits vergiftet. Die Situation ist so ernst, dass ihre Kollegen der Universidad Nacional Mayor de San Marcos im Dezember 2020  eine Petition gestartet haben, um Unterstützung und Aufmerksamkeit zu gewinnen:



Pyramide in Caral
(Foto:  AlisonRuthHughes [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

Entlang des Tals des Rio Supe, das einer tektonischen Verwerfung folgt, konnten Ruth Shady Solis und ihr Team 18 Siedlungen feststellen. Die größte ist Caral, eine komplexe, sorgfältig geplante Stadtanlage mit pyramidenförmigen Bauten, großen Plätzen und Wohnquartieren mit insgesamt 65 Hektar und geschätzt ehedem 1000 Einwohnern. Das Wirtschaftsland verfügte über ein Bewässerungssystem und Terrassenanlagen an den Talhängen. Die Siedlungen waren eng mit der etwa 25 km entfernten Küste verbunden. Die Siedlungen von Caral gehören einer präkeramischen Kultur an, die um 2600 v.Chr. datiert wird. Caral gilt älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und wurde 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

  


Literatur

  • Kurella 2008
    D. Kurella, Kulturen und Bauwerke des alten Peru. Geschichte im Rucksack 505 (Stuttgart 2008).
  • Ruth Shady Solis u. a. 2001
    Ruth Shady Solis/Jonathan Haas/Winifred Creamer, Dating Caral, a Preceramic Site in the Supe Valley on the Central Coast of Peru. Science 292, 5517, 2001, 723–726.

Donnerstag, 20. September 2018

Archäonik - hä, was ist denn das?

Zugegebenermaßen haben wir den Begriff selbst erfunden...
Ein neu erschienener Artikel erklärt das aber genauer:
Es geht um die konkrete Anwendung archäologischer Erkenntnisse für die Entwicklung von Zukunftsstrategien. Wer schon länger Archaeologik liest, erinnert sich vielleicht an eine Serie von Blogposts:
Schon zuvor hatte ich mit Markus Dotterweich am Beispiel der Terra Preta do Indios überlegt, wie solch ein Lernen aus der Vergangenheit praktisch aussehen könnte und wie man dies in eine Forschungsstrategie umsetzen könnte. Wir konnten das damals nicht angemessen publizieren, aber Tagungsbeiträge und nicht zuletzt die Blogposts hier haben Kollegen auf den Plan gerufen und uns eingeladen - unter anderem zu einem Beitrag für die Zeitschrift Quaternary International. Dort ist der Artikel jetzt nach einem peer review erschienen.
Leider ist die Zeitschrift nicht im OpenAccess und darüber hinaus auch noch beim Verlag Elsevier, der derzeit die Speerspitze der Verlagslobby gegen vernünftig zugängliche Wissenschaftspublikationen darstellt. Viele Bibliotheken, darunter auch die Universität Bamberg boykottieren den Verlag daher mit guten Gründen (HRK-Erklärung). 

Der Artikel ist angelegt als ein "review paper", das das Potential  (geo)archäologischer Daten zu vergangenen Humanökosystemen im Hinblick auf deren Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Land- und Bodennutzungsstrategien untersucht. Die Betrachtung von Landnutzungssystemen der Vergangenheit erweitert unser Verständnis der langfristigen Prozesse und Jahrtausendereignisse, die letztlich darüber entscheiden, ob Systeme nachhaltig und langfristig sind, oder schnell kollabieren - eine Frage auch der Resilienz.  Beispielhaft konzentriert sich der Artikel auf die anthropogenen Schwarzerdeböden (Anthropogenic Dark Earths, ADE). Diese außerordentlich fruchtbaren Böden kennt man aus verschiedenen Weltregionen, vor allem aber aus dem Amazonas-Gebiet. Sie entstanden unbewusst durch Abfallakumulation als Kulturschichten oder wurden bewusst geschaffen. 
Wir plädieren dafür, Landnutzungen der Vergangenheit in einem inter- bzw. transdisziplinären Forschungsdesign zu untersuchen und problemorientiert zu untersuchen, welche Möglichkeiten diese heute bieten. Der Ansatz der Archäonik basiert auf einer Ökosystem-Perspektive. Da die (geo)archäologischen Daten  zu vergangenen Landnutzungssystemen immer lückenhaft sind, spielen Analogien, Modellierungen und Experimente eine wichtige Rolle für die Beurteilung der Nachhaltigkeit. Für qualitätvolle Ergebnisse müssen wir möglichst nahe an die vergangene Realität kommen und diese verstehen, sie ist aber letztlich nicht Ziel der Forschungen. Diese liegen in Gegenwart und Zukunft.

Montag, 27. Februar 2017

Archäologie ist überflüssig? Wissenschaft in den USA - politische Bevormundung, Schikane, Finanzstreichung und Abwicklung

Die neue US-Regierung hat schon in ihren ersten Woche die Wissenschaften ins Visier genommen  und als erste Maßnahme den staatsbediensteten Wissenschaftlern einen Maulkorb verpasst. Andere Einrichtungen sollen geschlossen oder finanziell auf ein Minimum gekürzt werden.

Kulturwissenschaften auf der Streichliste

Der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses, der republikanische Kongressabgeordnete Lamar Smith, der Klimawandel leugnet und kein Verständnis für die kulturelle Dimension und die Arbeitsweisen im Wissenschaftsbetrieb hat, hält eine öffentliche Finanzierung der Geisteswissenschaften und speziell der Archäologie für unangebracht.
When NSF is only able to fund one out of every five proposals submitted by scientists, why did it award $225,000 to study animal photos in National Geographic or $920,000 to study textile-making in Iceland during the Viking era? Why did studying tourism in northern Norway warrant $275,000 of limited federal funds?
These grants and hundreds like them might be worthwhile projects, but how are they in the national interest and how can they justify taxpayer dollars? The federal government should not fund this type of research at the expense of other potentially ground-breaking science.

(Kongressabgeordneter Lamar Smith [Texas], chairman des Science, Space, and Technology Committee)
Smith war schon früher mit Äußerungen aufgefallen, die archäologischer Forschung ihre Berechtigung abgesprochen haben. (vergl. Archaeologik 9.10.2011). Dabei hat er auch versucht, sich in wissenschaftliche Entscheidungsprozesse einzumischen und die Wissenschaftsfreiheit zu untergraben. Mit den aktuellen Machtverhältnissen in den USA steht zu erwarten, dass er künftig mit mehr Nachdruck und mehr Flurschaden agieren wird.
Deutlich wird aber auch, dass die Kultur- und Geisteswissenschaften bzw. in den USA die Anthropology bisher zu wenig ihre gesellschaftliche Rolle definiert haben.


Bahn frei für Umwelt- und Kulturzerstörung

In erster Linie geht es hier darum, Umweltschutzinteressen zurück zu drängen und den Profit aus Umweltzerstörung zu maximieren.

Trump-Anhänger überbieten sich mit aberwitzigen Gesetzesvorstößen, die jede Umweltethik vergessen und Profit an oberste Stelle setzen:

Standing Rock

Die Auseinandersetzung um die North Dakota Pipeline hat sich im Februar zugespitzt, nachdem Trump - der angeblich selbst Aktien der beteiligten Unternehmen hält - den Weiterbau angeordnet hat. Das Protestcamp wurde von Polizeitruppen geräumt. Den Ausgangspunkt hatte der Protest, der sich vor allem gegen das Risiko einer Verschmutzung des Trinkwassers für das Indianerreservat richtet, in der Zerstörung indianischer heiliger Stätten.

Sonntag, 18. September 2016

Pipeline durch sacred land löst Indianeraufstand aus

Ein Pipeline-Projekt im US-Bundesstaat Nord-Dakota hat zu einem Zusammenschluss von 60 Indianerstämmen geführt, die gemeinsam gegen eine Pipeline kämpfen.
Auslöser ist unter anderem die Zerstörung einer archäologischen Fundstelle, die den Indianern als sacred land gilt.

The Dakota Access Pipeline (under construction)
Baustelle der Dakota Access Pipeline im Juli 2016 in North Dakota
(Foto: Lars Plougmann [CC BY SA 2.0] via flickr)


Der Protest setzt vor allem an zwei Punkten an: Am Risiko der Wasserverschmutzung bei einem Unfall und in der Tatsache, dass die Pipeline sacred land ("geheiligtes Land") durchquert und bei den Bauarbeiten indianische Bestattungsplätze zerstört wurden. 

Risiko für Land und Wasser

Die Pipeline soll Rohöl aus Fracking in der Bakken Region in North Dakota nahe der kanadischen Grenze durch vier Bundesstaaten nach Illinois leiten. Nach ihrer noch für 2016 geplanten Fertigstellung soll sie eine Kapazität von bis zu 570.000 Barrel (mehr als 90 Millionen Liter) Öl pro Tag haben. Die Pipeline quert mehrere Flüsse, unter anderem den Missouri. War zunächst eine Querung nördlich der Stadt Bismarck geplant gewesen, die ihr Wasser aus dem Missouri bezieht, so wurde sie schließlich flußab verlegt. Damit liegt die Querung direkt bei dem Reservat der Standing Rock Sioux und gefährdet deren Grundwasser. Das Risiko wurde damit einfach auf die 'first nation' abgeschoben.
Gerade in den letzten Monaten war es in Nordamerika  mehrfach zu Unfällen gekommen, meist auf Kosten der Indianer. Ganz aktuell sind Nachrichten über ein Pipeline-Leck in Alabama.
 

Zerstörung von Gräberfeldern

Ende August/Anfang September hatten die Bauarbeiten westlich des Lake Oahe, N.D. Dutzende von Gräberfeldern und anderen Fundstellen einplaniert, darunter eine steinerne Stele, die ein Experte des Stammes als den bedeutendsten archäologischen Fund in Nord-Dakota seit vielen Jahren einstufte. In einem Gutachten war Anfang September 2016 auf die Bedeutung der Fundstelle hingewiesen worden. Kurz darauf haben Baueinheiten außer der Reihe, frühmorgens, gezielt und unter Bewachung mit Hundestaffel und Helicoptern die archäologischen Fundstellen gebulldozert. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Zerstörung kein Versehen war. 

Ausgeführt wurden diese Arbeiten durch das U.S. Army Corps of Engineers. Dessen Aufgaben betreffen nicht nur militärische Anlagen, sondern es übernimmt auch die Ausführung staatlicher Bauingenieurprojekte, und ist für Baugenehmigungen zuständig, die Staatsland - wie etwa Wasserstrassen wie den Missouri - betreffen (siehe wikipedia). Das Corps besitzt für kleinere Pipelines eine generelle Genehmigung, die eine nach dem Umwelt- und Denkmalschutzgesetz (National Historic Preservation Act) eigentlich vorgeschriebene Risikoabschätzung umgeht. Die 1930 km lange Pipeline wurde deshalb als eine Kette kleinerer Bauabschnitte 'genehmigt'. Zwar beteuert das texanische Unternehmen Energy Transfer Partners, dass es sämtliche Genehmigungen für den Bau seiner Pipeline habe, doch ergeben sich einige Zweifel, an deren Rechtmäßigkeit, da die eigentlich vorgeschriebenen Risikoabschätzungen und Abstimmungen mit den Belangen des Kulturschutzes nicht ausreichend erfolgt oder ganz misachtet worden sind.
Die Klageschrift der Standing Rock Sioux:
Die Society of American Archaeologists SAA hat sich mit einem offenen Brief an den Kommandeur des U.S. Army Corps of Engineers (USACE) dem Protest angeschlossen. Die SAA konstatiert, dass die Belange des historischen Erbes, nicht genügend berücksichtigt werden. Die Umgehung der Regelungen sei illegal, die Zerstörung der Gräber verstoße gleich gegen mehrere Gesetze.
Auf ihrer gesamten Strecke betrifft die Pipeline 360 bekannte archäologische Fundstellen.

Die Indianer bezeichnen die Zerstörung ihrer Gräberfelder als Genozid.  LaDonna Bravebull Allard ist historic preservation officier der Standing Rock Sioux. Sie erklärt:
"The U.S. government is wiping out our most important cultural and spiritual areas. And as it erases our footprint from the world, it erases us as a people," she continued. "These sites must be protected, or our world will end, it is that simple. Our young people have a right to know who they are. They have a right to language, to culture, to tradition. The way they learn these things is through connection to our lands and our history.
If we allow an oil company to dig through and destroy our histories, our ancestors, our hearts and souls as a people, is that not genocide?"



Nach Luftbildern verläuft die Pipeline auf einer schon länger genutzten Trasse.

Proteste

Der Widerstand der Stämme ist friedlich. Sie legen wert darauf, nicht 'protestors', sondern 'protectors' zu sein. Auf der geplanten Trasse ist ein Camp mit fast 4000 Demonstranten entstanden, doch findet der Kampf vor allem vor Gericht statt. Der Stamm der Standing Rocks Sioux hat hier das Army Corps of Engineers verklagt (Klageschrift).  Nach einer gerichtlichen Niederlage der Stämme hat sich die Bundesregierung eingeschaltet und den Weiterbau vorerst gestoppt.

Aktivisten weisen darauf hin, dass es einen solchen Zusammenschluss zuletzt 1867 gegeben habe, als die Indianer die Schlacht am Little Big Horn gewonnen hätten.Mittlerweile wird auch in anderen Städte, in Washington, Los Angeles und Atlanta gegen das Projekt demonstriert.
Vor Ort kam es zu ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen, nachdem Sicherheitspersonal Pfefferspray und Hunde gegen die Demonstranten eingesetzt hat. Aktivisten vermuten, dass die Baugesellschaft auch mit der Zerstörung der Gräberfelder darauf zielte, Gewalt von Seiten der Demonstranten zu provozieren: "There's only one conclusion, they are attempting to provoke us to violence." folgert ein Protector.

Die American Anthropological Association unterstützt den Protest, ebenso wie mehrere Hollywood Stars, wie Leonardo di Caprio:

Archäologie, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Bemerkenswert an den Vorkommnissen ist, wie eng in den USA die Themen "environmentalism", Menschenrechte  und Kulturerbeschutz miteinander verwoben sind. Das ist nicht nur im konkreten Konfliktfall so, sondern schon in der Gesetzeslage des National Historic Preservation Act so angelegt.

Medienberichte


Firmenseite

weitere Links

Änderungsvermerk (18.9.2016):  Abschnitt 'Proteste' verändert und erweitert, da ursprüngliche Formulierung den Eindruck erweckt hat, die Gewalt ginge von den Stämmen aus.

Montag, 8. August 2016

Unter die Räder von Geländewagen und Quads gekommen: Der Kandelaber von Paracas

Der Kandelaber von Paracas ist eine vorgeschichtliche Geoglyphe im Nationalpark in den peruanischen Anden. Keramikfunde und 14C-Daten verweisen auf die Zeit um 200 v.Chr. Die Linien der Figur sind rund einen halben Meter eingetieft. Insgesamt ist die Figur ca. 180 m hoch. Sie liegt auf einer Halbinsel an der Pazifikküste und diente möglicherweise als Navigationszeichen für die Küstenschiffahrt.
Ideal also, um einmal die Geländewagen und Quad auszufahren, dachten sich ein paar Jugendliche aus der benachbarten Stadt Paracas (also keine Touristen). Sie wurden von der Polizei festgenommen.
Über ein Motiv der Jugendlichen wird nichts berichtet.


Der Kandelaber von Paracas, Blick vom Meer
(Foto: Unukomo [CC BY 3.0] via Wikimedia Commons)

Erst vor kurzem wurde das Museum von Paracas wieder eröffnet, nachdem es 2007 durch ein Erdbeben zerstöt wurde.
Im Internet findet man zu den Geoglyphen vor allem abseitige Ancient-Aliens-Theorien, mit denen sich badarchaeology schon befasst hat:
Kurz gefasste Informationen zur Fundstelle liefert die Wikipedia:  



Samstag, 29. August 2015

Noch mehr Panama-Publikationen!

Gestern kamen alle auf einmal: Die Publikationen zum Panama-Projekt.
Schon vor ein paar Tagen hatte ich die monographische Publikation zu unserem DFG-Projekt hier vorgestellt:
  • B. Scholkmann/ R. Schreg/ A. Zeischka (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá – German Research on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports. International Series 2742 (Oxford: Archaeopress 2015)
darin zwei Artikel zu meinen eigenen Forschungen, mit den beiden Schwerpunkten Keramik und Umweltforschung:
  • R. Schreg, Panamanian Coarse Handmade Earthenware - Cultural Traditions. In: B. Scholkmann/R. Schreg/A. Zeischka-Kenzler (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá. German Researches on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports, International Series (Oxford 2015) 117–135.
  • R. Schreg, A European Town in a Tropical Environment: Cultural Adaptation and Environmental Change in Colonial Panamá. In: B. Scholkmann/R. Schreg/A. Zeischka-Kenzler (Hrsg.), A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá. German Researches on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports, International Series (Oxford 2015) 179–192.

Zum einen lag gestern nun - nach einigen Tagen RGZM-Büro-Abstinenz - das Belegexemplar auf meinem Schreibtisch. Da lag aber auch schon das Autorenexemplar eines Tagungsbandes, der demnächst dann auch offiziell verfügbar sein wird und der einen weiteren Aufsatz zu Panama enthält:
  • R. Schreg, Römer und Indios. Europäische Töpfertradition in Mittelamerika: Transformation – Imitation – Habitus. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur – Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. 46. Internationales Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. RGZM-Tagungen 21 (Mainz 2015) 401–410.
Und schließlich wurde gestern ein weiterer Artikel in den Journal of Archaeological Science Reports im Open Access online gestellt, der nochmals auf die Feldstrukturen von Chinina eingeht:
Das geballte Erscheinen war so in keiner Weise geplant und eigentlich war Panama in den letzten Jahren für mich auch kein Forschungsschwerpunkt mehr, sind doch die Feldarbeiten schon lange vorbei. Die Felder von Chinina, die im zuletzt genannten Artikel behandelt werden, habe ich zwar endteckt, aber bisher leider gar nicht in echt gesehen: "Sofa archaeology" - Survey im Liegen dank Google Earth (siehe Altfluren in Panama. Archaeologik [10.10.2010]).

Montag, 9. Februar 2015

Publikation zu den Hochbeeten von Chinina

Zu den präcolumbischen 'raised fields' bei Chinina an der Pazifikküste in Panama, von denen hier schon mehrfach berichtet wurde, ist nun eine Publikation in der Project Gallery der Zeitschrift Antiquity erschienen: 
Einen deutschen Bericht gab es bereits hier:
Blick auf die 'raised fields' von Chinina (Foto: Juan G. Martín)




Die Entdeckung geht auf eine gezielte Suche in GoogleMaps zurück, da sich im Kontext der Auswertung des Tübinger Panama-Projektes Fragen nach der Landschaftsveränderung zwischen präcolumbischer und kolonialer Zeit ergaben. In einer ersten groben Sichtung wurden dabei jene Gebiete in Panama bestimmt, die nicht von Regenwald bedeckt sind und damit die Chance bieten, dass solche Strukturen überhaupt entdeckt werden können. Raised fields sind in Südamerika (vergl. Eine fossile Kulturlandschaft in den Anden), aber auch im nördlichen Mesoamerika bekannt - fehlten aber bis dato in Panama.


Interner Link:

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Die Zukunft mag erneuerbar sein - die Vergangenheit ist es nicht!

In Nazca in Peru hat Greenpeace in der geschützten Zone des UNESCO-Weltkulturerbes als Aktion den Slogan "Time for Change! The future is renewable. Greenpace." angebracht. Die Schrift selbst stellt wohl keinen Bodeneingriff dar, doch ist es in dem Bereich das Betreten verboten. Fachleute betreten das Gelände nur mit Spezialschuhen. (Nachtrag 11.12.2014): Durch die Begehungen bei der Aktion ist eine neue Linie entstanden, die das Bild stört. -
Die Linien gelten den Indios zudem immer noch als heilig.

(Änderung 11.12.2014): Die peruanische Regierung hat die Aktivisten ausgewiesen. Greenpeace hat sich inzwischen entschuldigt. Aus den Berichten wurde mir nicht klar, welcher Schaden entstanden ist.
Die peruanische Regierung hat eine Entschuldigung von Grenpeace abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Durch die Begehung von 15 Aktivisten ist eine neue Linie im Kolibribild entstanden. 

Die Zeichnung eines Colibris vor dem Greenpeace-Protest
(Foto: BjarteSorensen, 2003 [CC BY SA 3.0) via Wikimedia Commons)

Links
Nachtrag 11.12.2014
jetzt auch deutsche Medien:
Nachtrag 12.12.2014

Samstag, 4. Januar 2014

Vortrag zu Feldfluren in Panama online

Ein (spanischer) Vortrag von Juan Guillermo Martín über unsere Feld-Forschungen, gehalten auf dem Congreso de Antropología Panameña im September 2013 in Panama steht jetzt - mit gekürzter Bebilderung - online: 

frühe Version der Interpretation
der Luftbildbefunde
(R. Schreg)
Interner Link:

Montag, 3. September 2012

Eine fossile Kulturlandschaft in den Anden

Die Auswertung von Google-Luftbildern spielt für die fossilen Feldsysteme der Anden inzwischen eine wichtige Rolle. Das Potential der Luftbildarchäologie war hier schon lange erkannt worden, aber die leichte Zugänglichkeit der Daten hat die Forschungen enorm vorangetrieben.

Dabei sind sehr unterschiedliche Formen von Feldsystemen und anderen Erdwerken zu erkennen.

Raised Fields
Bei den raised fields handelt es sich um eine Flurform aus Hochbeeten und dazwischen liegenden Kanälen, die insbesondere in Überschwemmungszonen vorkommt. Ihr Vorkommen in heute ariden Zonen des Anden-Hochlandes ist ein Hinweis auf einen regionalen Klimawandel.
Verbreitet sind sie in unterschiedlichen Landschaften, von den Überschwemmungsebenen auf Meereshöhe bis ins Anden-Hochland. Obwohl die Befunde am Titicaca-See in einer Höhe von über 3810 m liegen, weisen sie eine größe Ähnlichkeit zu den Befunden am Rio Chepo in Panama auf, deren Publikation wir gerade vorbereiten (vergl. hier auf Archaeologik).

Bisweilen sind es sehr ausgedehnte Landschaften, die durch solche raised fields geprägt werden, bisweilen sind es nur kleine Areale. In den Anden sind sie in der Regel als Streifen angelegt (im Gegensatz etwa zu den Befunden aus Guyana an der Atlantikküste - s. Altfluren an der Abschußrampe).
Die streifigen raised fields werden in Südamerika als canellones oder waru-waru bezeichnet.

Altflurrelikte Lateinamerika


Größere Kartenansicht


Größere Kartenansicht - unterschiedliche Feldkomplexe scheinen sich hier zu überlagern

Im Rahmen von Projekten der Rehabilitación wurden seit Ende der 1980er Jahre verschiedentlich wieder raised fields angelegt - und teilweise von Entwicklungshilfeorganisationen als traditionelle Landwirtschaft gefördert. Tatsächlich scheinen die Feldsysteme am Ende der Tiahuanaco-Periode, gegen Ende des 12. Jahrhunderts aufgegeben worden zu sein, ohne dass eine Tradition bis heute besteht. Die moderne Bewirtschaftung basiert auf Ergebnissen experimenteller Archäologie.


Größere Kartenansicht



Terrassen und Blockwälle
Berühmt sind die Terrassen in den Anden. Sie sind eine Erscheinung der Hänge und nutzen andere landschaftliche Rahmenbedingungen aus als die auf die Ebene beschränkten raised fields. Sie liegen aber am Titicacasee oft unmittelbar benachbart zueinander.


Größere Kartenansicht - in der Ecke oben rechts am Seeufer raised fields, auf dem Berg unterschiedliche terrassierte Felder

Die ausgedehnten Felder zeugen von einer ehedem dicht besiedelten Landschaft - auch wenn sie nicht gleichzeitig sind. Ihre Aufgabe hat offenbar nichts mit den Einbrüchen der präkolumbischen Bevölkerung zur Zeit der Conquista zu tun, sondern datiert wahrscheinlich bereits wesentlich früher.


Landnutzungsstrategien der Neuen Welt
Terrassen und raised fields sind nur die markantesten Ackerbauformen der Neuen Welt. Anders als die Felder in der Alten Welt waren sie nicht auf den Einsatz von Pflug und eine Beweidung während der Brachezeiten ausgelegt, da es Haustiere von entsprechender Größe nicht gab. Die einzige Ausnahme davon findet sich allerdings gerade in den Anden. Das Lama war hier nicht nur als Lieferant von Wolle hoch geschätzt, sondern auch wegen seines Dungs (siehe Archaeologik).
Gerade in der Versorgung mit Nährstoffen liegt wohl einer der Hauptaspekte der raised fields. Durch die Kanäle wurden Flussedimente in direkter Nachbarschaft der Beete abgelagert, so dass man sie einfach hochschaufeln konnte. Daneben verbesserten die raised fields aber auch das Mikro-Klima und verbesserten die Feuchtigkeitsbedingungen. Welcher Aspekt im Vordergrund stand, hängt unmittelbar vom jeweiligen Standort ab. In den Anden trugen sie zur Verkürzung der Frostperiode bei und verlängerten die Vegetationsphase, anderswo milderten sie die Auswirkungen der Trockenzeit.

Literaturhinweis

  • W. M. Denevan, Cultivated landscapes of native Amazonia and the Andes. Oxford geographical and environmental studies (Oxford 2001).

interne Links

Sonntag, 5. August 2012

Erste Nachweise von 'raised fields' auf dem Isthmus von Panama


von Juan Guillermo Martín

Juan Guillermo Martín, Archäologe an der Universidad del Norte, Barranquilla, Colombia  gibt einen Überblick über das Forschungsprojekt zu präkolumbischen Altfluren, deren Entdeckung auf eine systematische Durchsicht von Google-Luftbildern, bequem von Deutschland aus, zurückgeht. Anlaß dazu boten die inzwischen abgeschlossenen Tübinger Forschungen in Panama la Vieja, die die Frage nach den ökologischen Veränderungen im Kontext der spanischen Conquista aufwarfen.
Siehe die Beiträge zum Chinina-Projekt
hier auf Archaeologik.  Ein gemeinsames ausführliches Manuskript mit Vorlage der bisherigen Ergebnisse steht vor der Einreichung zum Druck. Eine spanische Fassung findet sich bei Wiki loves Monuments Panama  (R. S.).



Feldstrukturen mit Sondageschnitt (Foto J. Martín-Rincón).

Erste Nachweise von 'raised fields' auf dem Isthmus von Panama
In Überschwemmungsgebieten, wie dem Momposina-Becken in Kolumbien, haben schon die präkolumbischen Gesellschaften die Landschaft massiv verändert. Durch ein komplexes System von Gräben und Hochbeeten wurde die Tallandschaft der Flüsse San Jorge und Sinz auf ca. 5000km² massiv umgestaltet, um es das ganze Jahr hindurch produktiv zu machen. Dies gilt als eine der bedeutendsten Wasserbaumaßnahmen der Welt, die an den Beginn unserer Zeitrechnung zurück reichen.

Im heutigen Panama und generell in Mittelamerika war diese landwirtschaftliche Technik bisher nicht bekannt. Eine Auswertung von Luftbildern im Mündungsgebiet des Rio Bayano (auch: Rio Chepo) hat es erstmals erlaubt, solche Feldsysteme auch hier zu identifizieren. Im Gemeindegebiet von Santa Cruz de Chinina, Distrikt Chepo, wurden auf mindestens 25 ha Gräben und Hochbeete prähispanischer Zeitstellung ausgemacht. Interessant daran ist, dass es moderne Technik möglich gemacht hat, dass der Archäologe Rainer Schreg vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz diese Entdeckung von seinem Schreibtisch aus machen konnte. Er beobachtete die anthropogenen Strukturen im Osten Panamas und gab die Informationen an seine Kollegen in Panama weiter.
Eine Forschergruppe der Abteilung Archäologie, Geschichte und Stadtforschung der kolumbianischen Karibik (Grupo de Arqueología, Historia y Estudios Urbanos del Caribe Colombiano – GRAHUS) der Universidad del Norte en Colombia hat die Felder im Gelände verifiziert. Seit letztem Jahr haben Tomás Mendizábal und Juan Guillermo Martín, Forscher bei GRAHUS, Sondagen begonnen, die es erlaubten, ihr Alter mittels Radiocarbondatierungen genauer zu bestimmen und durch palaeobotanische Untersuchungen Aussagen über die Vegetation und Landwirtschaftsstrategien der Region zu treffen.

Der Sondageschnitt bei Grabungsende.
Die dunklen Ablagerungen zeigen die Gräben des hydraulischen Systems mit einem hohen Anteil organischen Materials (Foto J. Martín-Rincón).

Diese Strategien der Landschaftsveränderungen und Ressourcennutzung sind eng mit der Landwirtschaft verbunden. Die Domestikation von Kulturpflanzen und verbesserte landwirtschaftliche Techniken waren für die Entwicklung komplexer Gesellschaften von zentraler Bedeutung, insbesondere bei der Konzentration und Umverteilung von Ressourcen. Bevölkerungswachstum und die Konsolidierung von Produktionszentren waren entscheidend bei der Ausbildung der intensiven Handelsverbindungen, die den Isthmus von Panama prägten.

Die präkolumbischen Gesellschaften  hatten genaue Kenntnisse der Klima- und Umweltbedingungen, die durch die saisonale Überschwemmungen und zyklische Ereignisse bestimmt werden. Sie bauten ein System von Kanälen, mit denen die Wasserfluten der Flüsse und Bäche des pazifischen Tieflands von Panama während der Regenzeit reguliert wurden. Zugleich garantierte es ausreichende Feuchtigkeit während der trockenen Perioden des Jahres. Die Hochbeete schufen die nötigen, vor Überschwemmungen geschützten  Anbauflächen; die Kanäle wurden wahrscheinlich als eine wichtige Quelle aquatischer Ressourcen genutzt.

Das Projekt wird von der Foundation for Research on Ancient Panama finanziert. Beteiligt ist weiter das Römisch-Germanische Zentralmuseum, an dem Dr. Rainer Schreg beschäftigt ist. Er ist an der Auswertung der Luftbilder beteiligt und bringt eine umweltarchäologische Perspektve ein.
Die renommierte paläoökologische Forschergruppe des Smithsonian Tropical Research Institute (STRI), die von Dr. Dolores Piperno geleitet wird, führt Pollen- und Phytolithenanalysen durch. Ebenso beteiligt ist Dr. Richard Cooke (STRI) der mit seinen profunden Kenntnissen der präkolumbischen Archäologie Panamas das Projekt begleitet und unterstützt.
Das Labor für Archäologie der Universidad del Norte und seine Spezialisten haben die erste Feldkampagne durchgeführt, bei der Probenmaterial für verschiedene Analysen gesammelt wurde. Dadurch konnte inzwischen eine Altersbestimmung (rund zweitausend Jahre vor heute) gewonnen werden. Surveys identifizierten ein Siedlungsareal, das mit dem Feldsystem verbunden scheint, wie weitere präkolumbische Fundstellen in der Umgebung. Sie geben Einblicke in den komplexen Prozess der vorspanischen Besiedlung dieser Region von Panama, die archäologisch zum Großraum Darien zählt und enge Verbindungen zum nordwestlichen Kolumbien zeigt.
Bei den Feldsystemen handelt es sich offenbar um eine effiziente Strategie der Anpassung an die lokalen Bedingungen. Angesichts der heutigen, niedrigen landwirtschaftlichen Produktion in dieser Region ist dies von besonderem Interesse. Es ist heute eine unwirtliche Landschaft mit schweren jährlichen Überschwemmungen, aber fruchtbaren Böden. Die Menschen der Vergangenheit transformierten die Landschaft, intensivierten die landwirtschaftliche Produktion und sicheten ihre Präsenz in dieser weiten und abwechslungsreichen Region.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ein Zentralort in Panamá: El Caño

El Caño (Foto Hannah Belecki, 2003)
Die Januar-Ausgabe von National Geographic berichten über neue Ausgrabungen in El Caño in der Provinz  Coclé  in Panama. Mit schönen Fotos setzt das Magazin vor allem neue Gold-Funde ins Licht.
Die neuen Grabungen unter der Leitung von Julia Mayo haben reiche goldführende Bestattungen erbracht, die um 900 n.Chr. datiert werden. Sie sind damit älter als die bei früheren Grabungen in den 1980er Jahren in El Caño aufgedeckten Bestattungen, die in die Kontaktperiode um 1500 datieren, darunter auch die Reste eines Pferdes sowie spanische Majolica. Leider sind diese Funde bislang nur in einem Heimatbuch publiziert.

El Caño: Grabhügel (Foto: Rainer Schreg, 2004)
Die Fundstelle liegt nicht weit von einer anderen bedeutenden präcolumbischen Fundstelle, nämlich der von Sitio Conte, die bei Grabungen der University of Pennsylvania durch J.A. Mason 1940 bereits ähnlich reiche Funde erbracht hat.

El Caño: Stelen. Bei dem Bruchstück vorne links
sind noch die Beine zu erkennen
(Foto: Rainer Schreg, 2004)
Bei allem Gold - das ist es nicht, was die Bedeutung der Fundstelle ausmacht. El Caño als "archaeological gold mine" (in der englischen Version des NG-Artikels) zu bezeichnen, impliziert, dass es auf die Gewinnung möglichst großer materieller Werte ankommt. Viel bedeutender ist, dass die Grabungen über die Sozialstruktur einer Bevölkerung Auskunft geben, die zwar keine "Hochkultur" wie in Mexiko oder Peru entwickelt hat, die aber durchaus komplexe, differenzierte Sozialstrukturen ausgebildet hat. Die bemerkenswerten technischen wie künstlerischen Fähigkeiten bei der Bearbeitung von Gold, Stein und Keramik deuten auf eine weitgehende Spezialisierung. Interessant ist auch die Einbindung der Menschen um El Caño in überregionale Netzwerke. Das Gold freilich erweist sich von lokaler Herkunft.

Die Fundstelle zeichnet sich indes dadurch aus, dass sie an ein großes Stelenfeld angrenzt. Hier standen einst zahlreiche anthropomorphe Stelen, deren aufwändiger gearbeiteten Exemplare aber in den 1925 geraubt wurden und sich heute zum Großteil in den USA befinden.

Das Reichtumszentrum um El Caño/ Sitio Conte blieb bis zur Conquista bestehen. Spanische Berichte, wie jener des Pietro Martire d´Anghiera, beschreiben die Auseinandersetzungen mit dem Stamm der Nata  - und die Plünderung goldführender Gräber durch die Conquistadoren.

Literaturhinweise
  • A.R.Williams, Panamas Goldene Krieger, National Geographic Deutschland Januar 2012, 56-71 (engl. online: The Golden Chiefs of Panama. National Geographic (US) 2012/1)
  • C. Fitzgerald Bernal, Informe preliminar sobre excavaciones arqueológicas en El Caño (NA-20), temporada 1988. In: El Caño: Comunidad y Cultura (Panamá 1993) 33–79. 
  • R.G. Cooke/L. A. Sánchez Herrera, Panamá prehispánico. In: A. Castillero Calvo (ed.), Historia General de Panamá (Panamá 2004) 3–46.
  • P. Hearne/ R.J. Sharer (eds.), River of Gold. Precolumbian Treasures from Sitio Conte (Philadelphia 1992).
  • A. Mojica/ J. Mayo/ D. Mayo/ J. Ramón Chantada/ G. Itzel de Gracia/ N. Florsch, Resultados de las prospecciones magnética y eléctrica del yacimiento arqueológico El Caño (NA-20), Gran Coclé, Panamá. Revista Española de Antropología Americana 37, 2007, 111-126.


interne Links



Montag, 7. November 2011

Altfluren an der Abschußrampe

Ein weiteres Google-Bild mit Altfluren - diesmal im französischen Übersee-Département Guyana, nahe des Weltraumbahnhofs Kourou. Zu sehen sind "raised fields" in Form von einzelnen, regelmäßigen Hügeln und kleineren längeren Beeten. Im weiteren Umfeld gibt es Siedlungshügel und causeways.


Die Feldstrukturen sehen etwas anders aus als jene in Panama, sind aber prinzipiell vergleichbar.


Größere Kartenansicht



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Literatur


Sonntag, 17. Juli 2011

Crescent Creek - präkolumbischer Silexabbau in Missouri

Crescent Creek westlich von St. Louis in Missouri (Foto R. Schreg)
Die Abbaustelle von Silex liegt in einem Hang, an dem mehrere Abgrabungen im Bereich der silexführenden Schichten festzustellen sind. Sehr unscheinbar, aber mit zahlreichem Silexschutt, der vielfach aus angeschlagenen Stücken besteht.
Die Abbaustelle ist bislang nicht genauer untersucht, liegt aber nahe des Siedlungszentrums von Cahokia am Mississippi.
Silexprobe (Foto R. Schreg)
Solche Fundstellen sind schwer zu erkennen und schwierig zu graben:
  • schwierig zu durchschauende Ablagerungsbedingungen und komplexe stratigraphische Verhältnisse
  • ggf. tiefe Schächte
  • ggf. lockerer Schutt
  • meist Lage in bewaldeten Arealen
  • tonnenweise unansehnliche [aber keineswegs zu negierende] Silexabschläge.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Erste Sondagen auf raised fields in Panama

Grabungsschnitt durch raised fields, Juni 2011, Foto J. Martín-Rincón
Juan Guillermo Martín-Rincon, von der Universidad del Norte in Kolumbien hat eben eine erste Kampagne auf den erst vor kurzem per GoogleMaps entdeckten raised fields (Hochbeete) an der Pazifikküste von Panama abgeschlossen.
Erste Begehungen, die Juan mit Kollegen im März durchgeführt hatte, bestätigten den Verdacht, dass es sich bei den im Luftbild erkannten Strukturen um raised fields handelt. Erstmals konnte damit zwischen Kolumbien und Guatemala diese spezielle Landnutzungsform nachgewiesen werden, die sich die regelmäßigen Überschwemmungen in Flußniederungen und Seeufern zunutze macht.


Bei den Sondage wurde nun ein langer Schnitt gegraben, der ein Profil durch mehrere Hochbeete freilegte. Erkennbar sind relativ steile Übergänge zwischen den Hochbeeten und den dazwischen liegenden Kanälen, die mit dunklem Sediment verfüllt sind. Im Vergleich zum heutigen Geländerelief waren die Felder einst deutlich stärker profiliert.
Surveys konnten in der Umgebung anhand von Keramik und Mahlsteinen (metates) mehrere Siedlungen nachweisen. Die Schnitte wurden für 14C-Datierungen und für Pollen- wie Phytolithenanalysen beprobt.

Eine wissenschaftliche Publikation ist in Vorbereitung.

(kl. Korr. 3.9.2011)

Mittwoch, 22. Juni 2011

Altflurrelikte

Im Rahmen meiner Arbeiten zur "Dorfökologie" spielen Altflurrelikte eine wichtige Rolle. Sie sind unmittelbare Zeugnisse der Landnutzung, auch wenn sich die dahinter stehenden sozialen Organisationsformen nur selten beurteilen lassen. Hier stelle ich nun immer wieder Luftbilder ein, die mir in diesem Kontext auffallen. Google Maps oder andere Kartendienste liefern häufig wichtige Einblicke in das Umland, die zum Verständnis der Siedlungen beitragen, auch wenn natürlich die Datierung der Altflurrelikte allein von den Luftbildern her offen bleiben muss.

Bedingt aus laufenden Forschungen dürften sich Schwerpunkte im östlichen Mittelmeerraum, in Mitteleuropa sowie in Südamerika ergeben.

Dienstag, 7. Juni 2011

Landnutzungsstrategien: Lamadung

In Antiquity schreibt Alex Chepstow‑Lusty über "Agro-pastoralism and social change in the Cuzco heartland of Peru: a brief history using environmental proxies" - und betont die Bedeutung des Lamas als Dunglieferant für die Landwirtschaft der Inca.



aufgegriffen von
BBC News

Dienstag, 17. Mai 2011

Monumento Nacional Guayabo

Monumento Nacional Guayabo - eine präkolumbische Kulturlandschaft in Costa Rica, die auf ein Bevölkerungszentrum zurückgeht, das sich schon um 1400, vor der Ankunft der Spanier auflöste.
Bericht bei Inside Costa Rica


Guayabo auf einer größeren Karte anzeigen

Dienstag, 19. Oktober 2010

Altfluren in Panama

Ich habe schon wieder Altfluren gefunden. Dieses Mal in Panama.
Raised fields,
possibly of pre-Columbian times
at the Pacific coast east of Panama City
(R. Schreg)
Die Überlegungen zur "Archäonik" hatten mich mit den Altfluren im Amazonasgebiet (Franz. Guyana, Brasilien, Bolivien) und in den Anden konfrontiert und so die Frage aufgeworfen, ob es so etwas nicht auch in Panama gäbe. In der Literatur finden sich keine Hinweise. Nur über einen Bericht im Kontext der schottischen Kolonie Caledonia an der panamaischen Karibikküste bin ich gestolpert. Hier wurde 1699 beschrieben, dass die Einheimischen "plant their Mari, a kind of Corn something like wheat, upon little hillocks, at a little distance one from another." Diese Beschreibung trifft gerade auf die raised fields zu, die in vielen Regionen Amerikas anzutreffen sind - in Yucatan, ebenso wie am Amazonas und in den Anden.
Nun habe ich eben die wenigen hoch auflösenden Bilder aus Panama durchgesehen, die in GoogleMaps verfügbar sind und voilà: raised fields - nicht an der Karibikküste, sondern in einiger Entfernung östlich von Panama City an der Pazifikküste.




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