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Freitag, 21. Februar 2025

Der Teil der Geschichte, der verschwiegen oder verborgen werden sollte

Mitschnitt eines Vortrags an der FU Berlin, der einen wichtigen Aspekt der Archäologie der Moderne aufzeigt.

Mittwoch, 19. Februar 2025

Ein soziologisch-zeithistorischer Blick auf Migration

entlarvt die aktuelle Debatte über harte Maßnahmen gegen Migration als Populismus und obendrein kontraproduktiv:

Sonntag, 27. Januar 2019

"Unsere Erinnerungskultur bröckelt" - #HolocaustRemembrance

Zum Holocaust-Gedenktag am 27.1.2019 hat Bundesaußenminister Heiko Maas für die Welt am Sonntag einen Gastbeitrag verfasst. Er warnt vor einem Brökeln der Erinnerungskultur unter dem Druck der Rechtsextremen und beklagt das "Unwissen gerade der jungen Deutschen". 

Bald werden keine Zeitzeugen mehr von der Pogromnacht berichten können, bald wird es keine Holocaust-Überlebenden mehr geben. "Wir müssen die Geschichten der Menschen bewahren, die aus eigenem Erleben von dem Unfassbaren berichten können." Maas weisst aber auch auf die wachsende zeitliche Distanz hin, die dazu führt, dass für den, der heute geboren ist, für den (...) etwa die Pogromnacht zeitlich genauso weit entfernt" sei, wie bei seiner Geburt ein Reichskanzler Bismarck.

Die Konsequenz daraus ist, dass  die Gedenkkultur daran angepasst werden muss. Natürliche lassen sich mit dem Medium der Schrift, der Ton- und Filmdokumente Unterrichtsmaterialien schaffen, aber eine Betroffenheit lässt sich damit nicht erreichen. "Was wir jetzt brauchen, sind neue Ansätze, um historische Erfahrungen für die Gegenwart zu nutzen. Unsere Geschichte muss von einem Erinnerungs- noch stärker zu einem Erkenntnisprojekt werden."

Einfahrt ins KZ Auschwitz
(Bundesarchiv, Bild 175-04413
[CC-BY-SA] via WikimediaCommons)

"Die Archäologie der Zeitgeschichte hebt verdrängte oder schlicht vergessene Vorgänge verschärft ins Bewußstein. Der Spaten holt Geschichte in die Gegenwart zurück." schrieb schon 1988 der Münchner Zeithistoriker Ulrich Linse mit Blick auf die NS-Zeit. "Geschichte meint eben nicht nur Tod und Ende, sondern auch die Pflege der Erinnerung, das Fortleben im Gedächtnis. Aufdecken und Rekonstruieren, Bewahren und Schützen sind hier Mittel, die das stete Verlebendigen und Vergegenwärtigen der Vergangenheit bewirken möchten." Das war damals schon ein Plädoyer für eine Archäologie der Zeitgeschichte, die inzwischen an Bedeutung gewonnen hat. Archäologie der Zeitgeschichte wurde hier in Zusammenhänge der Erinnerungsarbeit und der Geschichtsdidaktik gerückt, ein Thema, das in vielen neueren Publikationen zu Tatorten oder der Archäologie des Terrors ausgesprochen blass bleibt.

Die Auseinandersetzung mit derVergangenheit - egal ob 6000 Jahre zurück oder 75 - hat immer eine gesellschaftspolitische Dimension, denn sie vermittelt immer auch Menschenbilder. Insofern ist Archäologie ein wichtiger Teil der Umweltbildung, wie auch der politischen Bildung. In der Archäologie der Zeitgeschichte ist dies eine immer wichtigere gesellschaftliche Aufgabe.

Wenn Heiko Maas eine Anpassung der Gedenkkultur anmahnt, so gehört dazu, dass die jungen Generationen mit unmittelbaren Zeugnissen der NS-Zeit konfrontiert werden müssen, wenn sie keine Überlebenden mehr persönlich treffen können. Da reicht es aber nicht, wenn die Archäologie in gewohnter Weise ihre Notgrabungen durchführt und Fundkataloge publiziert. Hier müssen andere Formate gefunden werden, bei denen Wissenschaftler Schüler und Bürger an Fundorte der NS-Zeit heranführen - die Archäologie kann und muss sich in diese Anpassung der Gedenkkultur einbringen.

Literatur


Mittwoch, 27. Januar 2016

Holocaust-Gedenken: Raubgrabungen in Gräbern des Vernichtungslagers Sobibor

    Archäologische Ausgrabungen im Vernichtungslager Sobibor stoßen auf Spuren von Raubgrabungen. Ein Artikel der DailyMail nimmt das zum Anlaß, nach dem Umgang mit den Relikten des Lagers und jüdischen Lebens und Sterbens in der Region zu fragen. 

    Archäologische Grabungen in Sobibor 2014
    (Foto: Julian Nitzsche [CC-BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons)


    Mit dem Verlust der Zeitzeugen, die uns persönlich erzählen konnten,  gewinnen die materiellen Überrreste über wie unter dem Boden eine neue Bedeutung. Neben ihrer Qualität als wissenschaftliche Quelle sind sie zunehmend erlebbare  Anknüpfungspunkte für das Erinnern und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen von Nationalsozialismus und Krieg.

    Dienstag, 3. Dezember 2013

    Vom Mißbrauch und Gebrauch der Geschichte

    Geschichte als Instrument
    Aus Politik und Zeitgeschichte 42-43, 2013
    herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung



    Der Schwerpunkt des Heftes liegt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, da dieser für die politische Bildung eine größere Bedeutung zugemessen wird als dem Mittelalter oder gar noch weiter zurück liegenden Epochen. Aber natürlich sind auch diese von einer Konstruktion betroffen - ganz offenkundig ist das, wenn man an die 'Interpretationen' der 'germanischen' Geschichte während des Zeitalter des Nationalismus und des Nationalsozialismus denkt. Geschichte ist immer abhängig vom Standpunkt, von den forschungsleitenden Fragen und von dem in der Gegenwart verankerten Forschungsinteresse. Diese Faktoren zu erkennen, ist ein wesentlicher Teil historischer und archäologischer Quellenkritik. Bei der Konstruktion der Zeitgeschichte wird deutlich, wie komplex diese Vorgänge sind. Die enge Verknüpfung mit aktueller Politik, die aktive Rolle historisch Beteiligter und eine wesentlich umfangreichere und diversifiziertere Quellenlage sind entscheidende Unterschiede zu einer Konstruktion älterer (Vor)Geschichte.
    Insofern lohnt es sich immer wieder auch für Archäologen, einen Blick auf die Zeitgeschichte zu werfen. Das Heft 'aus Politik und Zeitgeschichte' gibt kompakt einen Einblick in die Problemlage von Geschichtskonstruktionen und in die Schwierigkeit, Geschichte ausgehend von aktuellen Themen zu betrachten.

    Martin Sabrow, Variationen über ein schwieriges Thema
    Der einleitende Aufsatz von Sabrow analysiert zunächst, worin sich Instrumentalisierung von Geschichte äußert. Als "klares Erkennungsmerkmal historischer Instrumentalisierung" verweist er auf "die Verzerrung der historischen Wahrheit durch Verfälschung ihrer Quellen und Fakten". Das augenfällige Beispiel das er dazu anführt, sind die Stalinschen Manipulationen von Bildern der Oktoberrevolution, in denen politische Gegner in einer Form der damnatio memoriae wegretuschiert worden sind.


    Moskau, 5. Mai 1920: Lenin mit Trotzki und Kamenew
    (Foto: Staatl. Hist. Mus. Moskau [PD],
    via Wikimedia Commons)


    Retuschierte Geschichte: Lenin ohne Trotzki und Kamenew
    (Foto: Staatl. Hist. Mus. Moskau [PD],
    via Wikimedia Commons)