Montag, 3. August 2026

Chersonesos: Weltkulturerbe auf der roten Liste

Die antike Stadt Chersonesos und ihr Umland im Südwesten der Krim wurde im Juli 2026 offiziell auf die Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO gesetzt. Diese Entscheidung fiel während der 48. Sitzung des Welterbekomitees in Busan, Republik Korea.

Gründe für die Eintragung der Stätte in die Liste des gefährdeten Welterbes waren dokumentierte Belege für illegale archäologische Ausgrabungen, die großflächige Bebauung der Stätte und ihrer Pufferzonen, die Zerstörung des archäologischen Kontextes, die Verbringung von Kulturgut außerhalb der Krim sowie weitere Handlungen, die die Erhaltung ihres außergewöhnlichen universellen Wertes bedrohen.

Die Zerstörungen durch Putins Propagandapark habe ich hier auf Archaeologik und für die EAA dokumentiert – verbunden mit dem Aufruf, dass die UNESCO handeln und der Stätte den Welterbestatus aberkennen müsse.


Das Kommitee begründete den Schritt juristisch mit zwei Kriterien der UNESCO-Richtlinien: 
  • Nachgewiesene Gefahr (Ascertained Danger): Der reale, unumkehrbare Verlust der historischen Authentizität durch die modernen Überbauungen. 
  • Potenzielle Gefahr (Potential Danger): Der anhaltende bewaffnete Konflikt, die mangelnde Rechtsstaatlichkeit durch die illegale Annexion sowie der negative Einfluss großflächiger urbaner Regionalprojekte. 
Hinzu kommt der mangelnde Zugang durch die verantwortliche Ukraine. Da sie seit 2014 keinen physischen Zugriff mehr auf das Territorium hat, kann sie ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen zum Schutz und Management der Stätte nicht nachkommen. 

Die Aufnahme in die „Rote Liste“ entzieht einer Stätte nicht den Welterbe-Titel. Sie ist jedoch ein internationaler Alarmmechanismus. Damit werden erweiterte UN-Überwachungsprozesse in Gang gesetzt, Gelder aus globalen Notfallfonds freigegeben und rechtliche Grundlagen für spätere internationale Strafprozesse wegen der Zerstörung von Kulturgütern im Krieg gefestigt. Chersonesos ist damit die erste Welterbestätte auf der von Russland besetzten Krim, die diesen Status erhält. 


Politische Reaktionen

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha und das Ministerium für Kultur begrüßten das Urteil als „wichtige internationale Bestätigung der russischen Zerstörungen“. Die Ukraine fordert nun verstärkte weltweite Kontrollen, um den illegalen Handel mit den geraubten antiken Kulturgütern aus der Krim zu stoppen. Westliche Staaten wie Polen, Tschechien und die Schweiz unterstützten den ukrainischen Antrag während der Sitzung aktiv.

Der russische UNESCO-Vertreter Rinat Aljautdinow erklärte, Russland erkenne die Entscheidung nicht an. Moskau behauptet, die Maßnahmen vor Ort dienten dem „Erhalt“ und der „Restaurierung“ der Denkmäler. Tatsächlich zeigen die vorliegenden Informationen deutkich, dass Russland für seine nationale Propaganda Geschichte umdeutet und die Zerstörung authentischer Quellen dazu zumindest un Kauf nimmt.


Weitere Stätten auf der Krim

Chersonesos ist die einzige offizielle UNESCO-Welterbestätte auf der Krim. Daher  bezieht sich die Rote Liste der UNESCO für die Krim rein auf diese Stätte. Dennoch äußern sich die UNESCO sowie internationale Experten im Zuge der aktuellen Beschlüsse auch zu anderen historisch bedeutenden Kulturdenkmälern der Krim, die unter Denkmalschutz oder far auf der Vorschlagsliste (Tentative List) der Ukraine stehen: 

Der Khanspalast von Bachtschyssaraj gilt als das wichtigste verbliebene Kulturdenkmal der indigenen Krimtataren. Die ukrainische Delegation (darunter Kulturministerin Tetjana Bereschna) hat bei der UNESCO-Sitzung explizit gefordert, auch den Khanpalast unter internationalen Schutz zu stellen. Russland führt dort seit Jahren sogenannte „Restaurierungen“ durch, bei denen laut Denkmalschützern historische Eichenbalken und authentische Ziegel mutwillig durch moderne Materialien ersetzt wurden. Kritiker werfen Moskau vor, die krimtatarische Identität und Geschichte gezielt auszulöschen (vgl. Archaeologik) 30.12.2017).  
 
Khanspalast Bakchissaraj
(Foto: R. Schreg/RGZM)


Auch andere archäologische Stätten der Krim geraten zunehmend ins Visier kommerzieller und militärischer Bauprojekte. Die byzantinische Festung Cembalo bei Balaklava ist durch ein großes Neubauprojekt mit Luxushotels und Yachthafen bedroht. Große Teile des geschützten Areals wurden freigegeben, um Platz für ein Luxushotel-Projekt russischer Oligarchen zu schaffen. Zuvor wurden dort wertvolle Kulturschichten aus dem 14. bis 18. Jahrhundert in einer Notgrabung untersucht.
Archaeologik hat schon früher die Situation auf der Krim thematisiert (Label Krim). 

Das generelle Mandat der UNESCO zur Krim

Da die UNESCO die Annexion der Krim völkerrechtlich nicht anerkennt, fordert das Welterbekomitee in seinen Resolutionen fortlaufend den Schutz aller beweglichen und unbeweglichen Kulturgüter auf der gesamten Halbinsel. Die Organisation ruft die internationale Gemeinschaft auf, den illegalen Handel und Schmuggel mit Antiquitäten zu stoppen, die bei unautorisierten Grabungen auf der Krim entwendet und nach Russland verbracht werden. 

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[5] https://mezha.net
[6] https://theins.press
[7] https://rchr.org.ua
[8] https://pragmatika.media
[9] https://visitukraine.today
[10] https://uk.mfa.gov.ua
[11] https://united24media.com
[12] https://khpg.org
[13] https://de.wikipedia.org
[14] https://x.com

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