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Donnerstag, 1. Juni 2023

Digitale Dokumentation der Raubgrabungen des IS/ Daesh

Im Krieg gegen IS/Daesh in Syrien und Irak wurden zahlreiche Kulturdenkmäler zerstört. Die Öffentlichkeit hat das längst wieder vergessen, gab es inzwischen doch schon einige weitere Krisen, die uns auch viel näher gekommen sind Für die Archäologie werden die Zerstörungen noch lange Thema sein, da Raubgrabungsgüter erst nach und nach auf dem Markt erscheinen werden und weil die Dokumentation und sichernde Notgrabungen viel Zeit beanspruchen. Ein Artikel in der taz bringt diesen Aspekt an die Medien:  

Ein älterer Bericht:

Nach den Zerstörungen des Daesh/IS wurde das 3D-Scannen zur Sicherung der archäologischen Denkmäler propagiert. Der Scannereinsatz bei Notgrabungen im Bereich eines assyrischen Palasts unter der vom IS zerstörten Jonasmoschee in Mosul unter Beteiligung der Universität Heidelberg stellt unter sehr ungewöhnlichen Bedingungen letztlich nur eine zeitgemäße Befunddokumentation dar. Der Fall macht aber deutlich, dass eine 3D-Dokumentatiin nur das gerade Sichtbare erschließt. Eine Sicherung des Monuments als historische Quelle ist damit nicht möglich.
Nur als Erinnerung und Symbol kann es so erhalten werden - und das erklärt das politische Interesse, das meist nicht in Erkenntnis sondern in Geschichtspolitik liegt.

Ruinen der Jonas-Moschee nach Zerstörung durch den IS 2017
(Foto: Voice of America, gemeinfrei, via WikimediaCommons)

 

interne Links

Mittwoch, 2. November 2016

Kulturgut in Syrien und Irak, Oktober 2016

Die Offensive gegen Daesh hat inzwischen schon zur Einnahme von Dabiq geführt (vergl. Archaeologik 2.1.2016). Mossul ist heftig umkämpft. Die Lage ist unübersichtlicher denn je.


    Raubgrabungen

    Nach Informationen von APSA sind dieselben Plünderer, die vor und während der Besetzung Palmyras durch Daesh aktiv waren, immer noch vor Ort präsent und arrangieren sich mittels Schmiergeldern mit den jeweiligen Machthabern, um ungestört ihrem Geschäft nachgehen zu können. Die archäologische Zone sei derzeit von einem russischen Militärcamp belegt und auch für  syrische Anwohner und Militärs gesperrt.

    Die Rebellengruppe Ahrar al-Scham meldet via twitter, bei Idlib sei ein Depot mit geplünderten Funden entdeckt worden:
    Die Bilder zeigen Fundkisten und eingetüteten und (wohl französisch) beschrifteten Funden, die offenbar aus regulären Grabungen stammen. Auf einer Kiste steht "Andron I SG 97".  Eine der Tüten enthält Tierknochen. Auf den Fundzetteln ist mehrfach US wahrscheinlich für 'unité stratigraphique' zu lesen.
    Die betreffende Rebellentruppe hat in den vergangenen Tagen einige Gebiete bei Faylun, Kurin, and Musaybeen von der Al Aqsa erobert.

    Schadensmeldungen

    APSA - Association for the Protection of Syrian Archaeology hat seit nun über einem Jahr keinen ihrer Reports veröffentlicht. Website und facebook-Seite bringen nur noch sporadisch eigene Meldungen, was kaum mit einem Rückgang der Zerstörungen zusammen hängen dürfte, sondern eher damit, dass das Informantennetzwerk zusammen gebrochen sein dürfte. 
    Im August hat APSA einige allgemeine Pressemeldungen geteilt:
    APSA via facebook
    Die Gruppe The Day After ist eine Vereinigung gemäßigter syrischer Oppositioneller, die Pläne schmiedet für eine demokratische Zukunft Syriens nach dem Bürgerkrieg. Dies umfasst eine Verfassungsreform, ein Wahlrecht, eine Übergangsjustiz, eine Reform der Sicherheitskräfte sowie den sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes. Die Gruppe besteht seit 2012. Seit kurzem existiert die The Day After / Heritage Protection Initiative - http://hpi.tda-sy.org. Die Website der Heritage Protection Initiative scheint im Juli 2016 aufgesetzt worden zu sein. Sie liefert "site monitor reports", "damage reports" und (künftig) "special reports", die bislang alle in den Juli 2016 datieren:
    Berichtet wird hier beispielsweise über einen russischen Luftangriff vom 12. November 2015, der der archäologischen Fundstelle von Ebla gegolten hat. Raketen haben die Ostseite der Akropolis getroffen und dort einen Krater im Hang hinterlassen.

    Die Kulturgutschutzinitiative wird unterstützt durch die Antiquities Coalition und kooperiert mit ASOR.

    Die laufenden Heritage for Peace Damage Newsletters für Syrien:

    gezielte Zerstörungen

    Daesh hat zuletzt wohl zu wenig Aufmerksamkeit und zu viele negative Schlagzeilen von wegen Rückzug und Finanzproblemen erhalten und meldet sich jetzt mit dem bewährten Mittel der Kulturgutzerstörung zurück.
    Daesh hat am Sonntag, 2.10. bei Hawija, 55 km südwestlich von Kirkuk rund  100 Gräber zerstört - mit Sprengstoff und Bulldozern. Daesh-Gruppen sollen außerdem mehrere archäologische Fundstellen bei Tel al-Mahwis und al-Riyadh, 45 km südwestlich von Kirkuk geplündert haben.
    Die Nachricht kommt über irakische Medien, gerade als in der Region eine irakische Offensive gegen Daesh erwartet wird und ein lokaler Führer von Daesh kurz zuvor bei einem Luftangriff getötet wurde.

    Im Falle der assyrischen Reliefs von Nohadra im Norden des Irak sind wohl eher Kurden für Kulturgutzerstörung verantwortlich zu machen - nicht mit Presslufthämmern, aber mit Spraydosen. Italienische Restauratoren haben die Schäden so gut es geht beseitigt:
    Sollte Mosul fallen, steht neben allen Unwägbarkeiten neuer Konflikte doch zu erwarten, dass die Schäden, die Daesh - und ihre lizenzierten Raubgräber - angerichtet haben, etwas besser einzuschätzen sind.

    Kriegsschäden

      Aleppo:
      Vorher - Nachher:
      Umgebung von Mosul
      Bei ihrem Vormarsch auf Mosul stoßen irakische Truppen in Schützengräben auf assyrische Siedlungsreste:

            Antikenhehlerei

            Auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaule wurde bereits im März ein Marmorrelief des 14. bis 16. Jahrhunderts sichergestellt, das aus dem Libanon kommend und als "Gartendekoration" deklariert für einen Zielort in Asien bestimmt war. Der Wert des Reliefs wurde auf 250.000€ geschätzt.
            Kulturdenkmäler stehen in punkto Identitätsstiftung zunächst neutral da, sie können eine offene humane Gesellschaft ebenso begründen wie einen rassistisch, national-egoistischen Staat. Der Denkmalbestand in einer Region ist nicht desto trotz (neben anderen Elementen) eine Chance, eine Gemeinschaft aufzubauen, die sich mehr über eine gemeinsame Region als über gemeinsames Volkstum/Blut/Gene (oder was immer heute als Substitut verwendet wird [Kultur, Identität]). Das bedeutet aber auch, dass ein "Schutz" durch Verfrachtung in Museen in anderen Regionen nicht funktioniert.

            In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden in einem Hotel in Abu Dhabi Antikenschmuggler verhaftet. Es handele sich um Araber, die versucht hätten "antique daggers", alte Münzen und einen weiteren Gegenstand zu verkaufen. Woher die Funde stammen, sagt der Artikel nicht, verweist aber auf Daesh. 

            Das Problem der Zollfreihäfen

            Der französische Wirtschaftsminister Sapin fordert vor den G20-Wirtschaftsministern, die Zollfreihäfen für Kunstwerke zu schließen:
            Zur Rolle der Freihäfen äußert sich auch die UNESCO:

            dazu: 

            Refugium

            Frankreich setzt sich für die Idee eines Refugiums für Kulturgüter ein.

            Terrorfinanzierung

            Die US Homeland Security Committee hat einen neuen Bericht erstellt, zur Frage der Finanzierung von Daesh aus Raubgrabungen erstellt.   Der Bericht führt den Antikenhandel als einen von 8 Pfeilern der Finanzierung von Daesh auf.
            Heritage for Peace hat Zweifel an der Qualität des Berichts, da er überwiegend Pressemeldungen zitiert.
            und kritisch äußert sich auch

            Im Irak wurde offenbar ein Anhänger von Daesh verhaftet, der im Verdacht steht für die Sprengung des Jonas-Schreins in Mosul mit verantwortlich zu sein:

            Veranstaltungen

            Heidelberg
            Washington/ Florenz
              Fortbildung für Archäologen und Denkmalpfleger in den betroffenene Staaten:
              Am 27.9. hat in Basrah im Irak das Museum wieder eröffnet.

                  Ausstellung in Rom

                  Die Ausstellung wurde durch den italienischen Staatspräsidenten eröffnet. In der Ausstellung befinden sich auch zwei palmyrenische Grabreliefs, denen während der Daesh-Besetzung Palmyras die Gesichter abgeschlagen wurden.  Desweiteren werden dort - im Kolosseum - 3D-Rekonstruktionen einiger syrischer Denkmäler ausgestellt.

                  Ausstellung in Toronto "Syria: A Living History"

                  bis Februar 2017. Eröffnung durch Maamoun Abdulkarim

                  Eine Liste von Veranstaltungen:

                  Wichtig sind auch populärwissenschaftliche Vorträge, mit denen das Thema der Kulturgutvernichtung an eine breitere Öffentlichkeit vermittelt wird. Exemplarisch genannt seien hier

                  Kulturgüterschutz in der universitären Lehre


                    Hilfe vor Ort

                    Tschechisches Kooperationsangebot an Syrien in der Archäologie - bei einem Besuch des tschechischen Außenministes und des Direktors des Nationalmuseums in Prag Michal Lukeš.

                    Russisches Engagement in Syrien


                    Restaurierungsarbeiten

                    in Homs:

                    laufendes ungarisches Projekt in Syrien

                    Krak des Chevaliers in Syrien
                    (Foto: A Travers  [CC BY-NC-ND 2.0] bei flickr)
                    Restaurierungsarbeiten an Kreuzfahererburgen, u.a. am Krak-de-Chevaliers und in Margat. Unter Leitung von Balazs Majo, der 2016 mit dem vom Europaparlament vergebenen Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet wurde, arbeitet ein syrisch-ungarisches Team bei der Restaurierung.Die Maßnahme ist auch dazu gedacht, die syrischen Universitäten, die weiterhin versuchen, ihren betrieb aufrecht zu erhalten, zu unterstützen. Nachdem im März 2014 die Rebellen vom Krak des Chevaliers vertrieben worden seien, sei die Region sicher.

                    Balázs Major

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungary-charity-head-archeologist-awarded-european-citizens-prize/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

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                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

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                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

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                    Balázs Major, expert in Arabic studies and lead archaeologist of the mission. He was also the recipient of the European Parliament’s European Citizens’ Prize this year.

                    Read more at: http://dailynewshungary.com/hungarian-archaeologists-among-last-remaining-team-war-torn-syria/
                    Projektfotos auf facebook:

                    Juristisches


                      3D-Aktivitäten / Datenbanken

                      3D-Plots bei der genannten Ausstellung in Rom:
                      Ein Video  wirbt für die 3D-Rekonstruktionen von Iconem und die Einsendung von Fotos syrischer Monumente:
                      japanische 3D-Rekonstruktion des durch Daesh zerstörten Baal-Tempel in Palmyra:
                      Das Mainzer Cosch-Projekt:
                      Mosaik-Datenbank dokumentiert byzantinische Reliefs auch aus Syrien:

                            Links

                            frühere Meldungen zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                            Mein Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen!

                            Montag, 3. Oktober 2016

                            Die Ausradierung Aleppos (Kulturgut in Syrien und Irak, September 2016)

                            Die Hoffnungen auf einen Waffenstillstand in Syrien haben sich zerschlagen, die Bombardierungen in Aleppo sind intensiver denn je. Es ist anzunehmen, dass die syrische Regierung sich einen Dreck um die bisher überlebenden Bewohner schert - im Gegenteil, sie werden allesamt als Terroristen diffamiert. Alle Krankenhäuser im Rebellengebiet Aleppos sind zerstört.
                            Angesichts dieser Schrecken scheint es auf den ersten Blick zynisch, sich um die Altertümer und Kulturgüter Syriens zu sorgen. Doch ist das auch ein Teil der Hoffnung, die man nicht verlieren darf. Ohne einen Orientierungspunkt in der Vergangenheit, wird es nicht möglich sein, zu einem Frieden und einer Neuformierung der syrischen Gesellschaft zu gelangen.
                            Darum auch diesen Monat der übliche Rückblick auf die Entwicklung der Situation archäologischer Kulturgüter in Syrien und Irak, wie sie sich in Medienberichten spiegelt.

                            Vorweg stelle ich aber ein Video der Syria Campaign ein, um den Alltag und die Menschen in Aleppo ins Bild und ins Bewusstein zu bringen.



                            Eine detaillierte Zusammenstellung der Kriegsereignisse in Syrien mit Quellenangaben bietet die Seite http://syria.liveuamap.com/en

                            Schadensmeldungen

                            Verständlicherweise gilt bei den neuen Bombenangriffen das Interesse der Meldungen, die aus der belagerten Stadt nach außen dringen, erst einmal den Menschen und nicht den Denkmälern. Vieles war auch zuvor bereits zerstört. 
                             
                            BBC zeigt Bilder aus dem zerstörten Bazar in Aleppo
                            Die Zerstörung von Aleppo als "Urbizid"
                            Bilder der Zitadelle von Aleppo, die  derzeit im Stadtgebiet einen Vorposten des syrischen Regime im umliegenden, noch von Rebellen gehaltenen Gebiet darstellt:


                            Heritage for Peace Damage Newsletter für Syien:
                            Berichte der DGAM
                                Bericht über eine Inspektionsreise im Irak

                                 Antikenhandel

                                Verkäufe des Daesh und eine Verschärfung der Gesetze in Israel
                                Der Irak benötigt nach Aussagen seines Außenministers weiterhin internationale Unterstützung im Kampf gegen Raubgrabungen und Antikenhehlerei, da ein effektiver Schutz der zahlreichen archäologischen Fundstellen vor Ort nicht zu bewerkstelligen ist.
                                Ein Bericht in Live Science bringt neue Zahlen zum Umfang des Antikenhandels, erhoben anhand des Imports von Goldmünzen in den Unterlagen des US-Census Bureaus seit 2003. Leider sind die Zahlen nicht besonders übersichtlich präsentiert.
                                Es zeigen sich deutlich steigende Importe von Antiken aus der Türkei und Ägypten in die USA nicht zuletzt seit dem arabischen Frühling 2011. Seit 2003 betrug der Zollwert der aus der Türkei in den USA importierten Antiken 283 Mio $. Das sind wohlgemerkt Importe allein aus der Türkei, die für Antiken aus dem Land eigentlich strenge Ausfuhrbestimmungen hat, hinzu kommen Importe aus anderen Staaten. Auch geht es bei den angegebenen Werten um die Zoll-, nicht um die tatsächlich erzielten Marktwerte.

                                US-Importe kg Goldmünzen
                                aus der Türkei
                                pro Jahr
                                1989-2002 1,1 0,08
                                2003-2010 26 3,25
                                2011-Juli 2016 51 9,27

                                Die Zahlen - auf den ersten Blick zu niedrig, um den Krieg des Daesh zu finanzieren - sagen nichts über die These "Antikenhandel finanziert Terror" aus. Erstens handelt es sich um Zollwerte, nicht um Markterlöse, zweitens kann nicht abgeschätzt werden, was am Zoll vorbei geht und geschmuggelt oder anders deklariert wird, drittens ist anzunehmen, dass die Mehrzahl der Objekte erst mal in Zolllager geht. Die sollen in den letzten Jahren in den arabischen Staaten boomen. In dem Fall hätte Daesh sein Geld bereits bekommen, von der Hoffnung der Händler kreditiert, das Zeug Jahre später mit geeigneten Provenienzen (für Deutschland nach dem neuen Kulturgutschutzgesetz z.B. vor 2007 aus Syrien exportiert, seitdem in alter Sammlung) dann auch bei Sammlern im Westen und anderswo absetzen zu können. Schaut man sich die Zeiträume an, die es braucht, bis einmal sichergestellte Objekte nach einer Rückgabe wieder auf dem Markt auftauchen (vergl. Dubioses bei Christies), muss man da durchaus mit 10 Jahren Verzögerung rechnen, in denen die Funde in irgendwelchen Zollagern warten. Insofern widerlegen die Zahlen, die auf Daesh-Dokumenten basierte These "Antikenhandel finanziert Terror" eben auch nicht. Die Zahlen zeigen mit ihrer Steigerung vor allem, dass bisherige Maßnahmen wirkungslos sind.
                                Desweiteren gibt es Hinweise auf direkte Schiffsladungen, wie beispielsweise 2013 aus dem Irak nach Puerto Rico mit einer Fracht von Antiken im Wert von 3,5 Mio$.  

                                Ein Beitrag auf TruthDig wiederholt ältere Schätzungen nach "US National Security officials" über die Gewinne von Daesh, angeblich etwa 150-200 Mio $ pro Jahr. 

                                steigende Zahl von Fälschungen auf dem Markt:
                                 

                                Maßnahmen


                                Schulungsprogramm
                                Evakuierung - hier keine Archäologie, aber auch eine Problematik der Kulturguterhaltung: die Sicherung einer Samenbank aus Aleppo

                                Kulturarbeit in Berlin

                                Führungen für Flüchtlinge aus Syrien und Irak in Berlin:
                                Eine Kulturveranstaltung musste indes nach Drohungen abgesagt werden:

                                         Restaurierungsarbeiten

                                        In dem Regime-kontrollierten Homs haben mit Unterstützung der UN - parallel zu den nach dem gescheiterten Waffenstillstand noch verstärkten Bombardierungen in Aleppo -  Aufräum- und Wiederaufbaumaßnahmen begonnen.
                                        Russisches Engagement bei der Schadenserhebung und Restaurierung:
                                        Eine russische Expedition - entstandt vom russischen Verteidigungsministerium -  wird im Spätjahr 2016 vor allem die Toten Städte im Nordwesten Syriens inspizieren; konkret genannt werden Jebel Seman 1-3. Laut Bericht sind von den 8 als archäologische Parks konziperten Stätten vier unter dern Kontrolle der al-Nusra-Front und deren Verbündeten, drei stehen unter kurdischer Kontrolle und Sankt Simeon Stylites ist zwischen "Rojava Kurds" und Islamisten umkämpft.

                                        Öffentlichkeitsarbeit im Irak: TV-Spot unter Beteiligung der UNESCO

                                        Tagungen 

                                        Berichte
                                        Ankündigungen:

                                        Verfolgung von Kulturgutzerstörung als Kriegsverbrechen:

                                        Reaktionen auf das Den-Haager-Urteil zu den Kulturgutzerstörungen in Mali als Kriegsverbrechen (siehe Der Präzendenzfall: Kulturgutzerstörung ist Kriegsverbrechen. Archaeologik [1.10.2016]):

                                        ILLICID

                                        3D-Modelle und Digitalisate

                                        Digitale Kopien gehen natürlich nicht an den Kern des Problems der Kulturgutzerstörung und Raubgräberei und können Originalbefunde auch in keiner Weise ersetzen. Sie eignen sich für Symbolpolitik und Proteste gegen Daesh - und für eine Wissenschaftsdidaktik, aber nur für eine reduzierte Zahl wissenschaftlicher Fragestellungen. 
                                        Mit der Errichtung des Triumphbogens aus Palmyra in New York werden ethische Fragen der 3D-Modelle diskutiert.
                                        Der Artikel von Sara Bond thematisiert daher auch die ethischen Aspekte der 3D-Rekonstruktionen. Sie diskutiert vor allem den Aspekt des “digital colonialism”und verweist hier auch auf die nicht selten restriktiv gehandhabten Urheberrechtsansprüche, die mit solchen 3D-Modellen verknüpft sind. Um eine Aussage zu bieten, benötigen auch 3D-Modelle ergänzende Informationen, was bei der Neuerrichtung des Triumphbogens aus Palmyra in New York offenbar fehlt.
                                        Baaltempel in Palmyra
                                        (Foto: M. Scholz 1993)
                                        Wenn schon eine Diskussion um die ethische Dimension von 3D-Rekonstruktionen geführt wird, so sollte man im Kontext der Situation rund um Daesh viel eher fragen, ob solche Aktionen und Digitalisierungen nicht eher von einer grundegenden Lösung der Zerstörungsproblematik ablenkt: Effektives Handeln gegenüber Raubgräbern und Antikenhändlern einerseits und Gerechtigkeit und gesichete Existenz für die Menschen in den betroffenen Regionen andererseits.
                                          Urlaubsbilder gefährdeter Kulturdenkmale aus Syrien und Lybien gesucht:

                                          Digitalisierung der Museumsbestände von Deir-ez-Zor:

                                          Allgemeine Berichte

                                          H. Eakin: Ancient Syrian Sites: A Different Story of Destruction. The New York Review of Books (Issue 29.9.2016). - http://www.nybooks.com/articles/2016/09/29/ancient-syrian-sites-palmyra-destruction/  bespricht mehrere Publikationen und kritisiert das Narrativ, wonach die Zerstörung Palmyras mit Daesh begonnen habe. Tatsächlich haben viele Medien schon zuvor auf Zerstörungen durch Rebellen und Regierungstruppen hingewiesen - vergl. auf Archaeologik schon in einem der ersten Blogposts zu Syrien: Feuer auf Apameia. Archaeologik (3.6.2012). - http://archaeologik.blogspot.de/2012/06/feuer-auf-apameia.html. Prinzipiell hat  Hugh Eakin aber recht: Die Zerstörungen wurden sehr einseitig wahrgenommen, wenn sie mit Daesh in Verbindung zu bringen waren, während die übrigen Zerstörungen der anderen Kriegsparteien, die weniger von propagandistischem Getöse begleitet wurden, kaum Beachtung gefunden haben - wie z.B. die Raubgrabungen in Apameia, die unterm Strich vielleicht mehr Schaden angereichtet haben als Daesh in Palmyra.
                                          Die Beobachtung, dass bislang kaum Antiken im westlichen Handel aufgetaucht sind (die durch den LiveScience-Artikel nun etwas relativiert wird), kann jedoch nicht als Beleg gewertet werden, dass die Plünderungen nur halb so schlimm seien und der Westen daran nicht beteiligt gewesen sei. Nach den Strukturen des Marktes werden die Objekte erst in den kommenden Jahren aus ihren Lagern heraus auf den Markt sickern, wenn unschuldige Provenienzen konstruiert sind.
                                            • CultureUnderThreat: Recommendations for the US Governmen. #CUT Task Force Report, April 2016
                                            • R. Bevan, The Destruction of Memory. Architecture at War 2(2016)
                                            • P. Veyne, Palmyre. L'irremplaçable trésor (Paris 2015)
                                          Ein Bericht des russischen Sputnik vergleicht die Zerstörungen des Daesh mit den Zerstörungen im Kosovo.
                                          Ungeachtet, der im jugoslawischen Bürgerkrieg tatsächlich angerichteten Zerstörungen, ist hier auf die aktuelle Instrumentalisierung zu verweisen, um eine Integration des Kosovo in internationale Institutionen zu verhindern. - vergl. Serbischer Staatspräsident Nikolić wirft dem Kosovo Vernachlässigung serbisch-byzantinischen Kulturerbes vor. Archaeologik (23.8.2016)

                                          Links

                                          frühere Meldungen zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                                          Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.