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Dienstag, 12. Mai 2026

Zur Plünderung freigegeben - die Katastrophe wiederholt sich jeden Tag

Sehr grundlegend und mal nicht beschönigend oder paragraphenwedelnd...

Wolfgang Bauer schildert die Resignation und Ratlosigkeit von Archäolog*innen und Denkmalpfleger*innen ob einer Lobby von Sondlern, Händlern und Detektoranbietern bei gleichzeitiger Ignoranz von Polizei und Justiz. Seit Corona hat sich das Hobby des Sondelns weiter verbreitet und führt dazu, dass archäologische Fundstellen in größtem Ausmaß vernichtet werden. 

Bauer berichtet von der Option eines Verbots leistungsstarker Metalldetektoren bzw. der Pflicht zu einem Detektorschein. Da die Suche auf Bodendenkmälern längst verboten ist, scheint das die einzige Chance, wenn auch die Möglichkeit dies bundesweit durchzusetzen ob der Kulturhoheit der Länder und der Lobbyarbeit der Sondler nicht einfach sein wird.

Der ZEIT-Artikel hebt sich wohltuend von all den Berichten ab,  die wieder mal einen Sondlerfund feiern, bestenfalls auf die Gesetzeslage hinweisen, aber nicht registrieren, dass solche Funde meist aus dem Kontext gerissen sind.

Was also tun? Ein kleiner Schritt, für den einige Kollegen plädieren, wäre es, so viele Anzeigen auf den Weg zu bringen, dass die Polizeistatistik die Ausmaße des Problems deutlich macht und die nötige Aufmerksamkeit schafft. Man muss sich das aber trauen. Bauer berichtet von zunehmenden „körperlichen Auseinandersetzungen“.

Gleichwohl: Die Archäologie muss den wirklich Geschichtsinteressierten Angebote machen, mitzuforschen. Citizen Science - wo es Sinn macht auch mit Sonde - ist kein Luxus, sondern gehört eigentlich zur disziplinären Matrix der Archäologie. Sie hat sich erst aus bürgerschaftlichem Engagement über die adligen Schatzkammern hinaus zur Wissenschaft weiter entwickelt. Es sind Steuerzahler*innen und demokratische Gesetze, die unsere moderne archäologische Praxis ermöglichen. 

Falsch wären Modelle jedoch wie das britische PAS oder eine Fundprämie, da das nur Anreize zur weiteren Zerstörung von Bodendenkmälern bietet. Sondler (man verzeihe die Pauschalisierung) sind stolz auf ihre Funde, werfen der Archäologie vor, zu versagen, weil sie ihre Funde nicht anerkenne, aber selber unfähig sei, zu finden. Es ist ein grundlegendes Misverständnis, dass Funde per se ein Gewinn sind.  Ja, die Archäologie ist auf Neufunde angewiesen - aber nur auf gut dokumentierte, der Rest ist ineffektiv, Zeit und Personalverschwendung. "Funde" sollten so lange als möglich im Boden verbleiben (wobei man wohl mehr als bisher über Notgrabungen im Ackergelände nachdenken muss). Dass man auch im Fach immer wieder von Funden redet, ist da kontraproduktiv. Es sind zunächst Quellen der Vergangenheit, die adäquat erschlossen werden müssen - dazu gehört zunächst deren Lokalisierung. Eine anständige Geomagnetik bringt dabei viel mehr als eine noch so gut ausgestattete Sonde. Vor allem müssen Kontexte dokumentiert werden - wenn das am Ende die Bergung von Objekten beinhaltet, ist das auch okay. Funde haben auch Folgekosten in den Bereichen Dokumentation, Restaurierung, Lagerung und auch wissenschaftlicher Bearbeitung. Anstatt einer Fundprämie wäre theoretisch eine Fundgebühr volkswirtschaftlich sehr viel konsequenter - aber natürlich auch nicht im Interesse der Wissenschaft.

 

Sondler auf einer Wüstung (Foto R. Schreg, 2026)

Man muss hier mit ernsthaft archäologisch Interessierten zu Kooperationen kommen - die, wenn man gut miteinander kommuniziert, auch außerordentlich fruchtbar sein können - unter den Schlagwort "public archaeology" oder "citizen science" gibt es eine wachsende Zahl guter Beispiele. Gute Geländekenntnis, oft gute Materialkenntnis, flexiblere und kontinuierlichere Feldarbeit und bisweilen gute örtliche Vernetzung können wertvolle Beiträge sein, die Amateurforscher einbringen und die mit wissenschaftlicher Expertise und Dokumentation (was man ggf. auch lernen kann) ein neues Bild der Vergangenheit ergeben können. Sondelfunde bedeuten bestenfalls eingeschränkte Erkenntnis, immer begleitet vom Schmerz des Informationsverlustes.
Das muss erklärt werden - der durchaus richtige Verweis auf die Gesetzeslage ist dabei wenig hilfreich.


Donnerstag, 22. Mai 2025

Medienberichte zur Arche Noah: mangelnde Medienkompetenz und fehlendes Wissenschaftsverständnis

Mit zu den Klassikern der Pseudo- und Parawissenschaften gehört die Arche Noah.  Für Kreationisten gilt der Fund der Arche Noah als Beweis der Richtigkeit einer wörtlichen Auslegung der Bibel.
 
Auch derzeit wabern solche Berichte durch die internationalen Medien. Ausgangspunkt ist eine zunächst wohl in Social Media verbreitete Nachricht, ein amerikanisches Forschungsteam Noah'sArk Scans habe mittels Georadar die Arche Noah bestätigt. Der Platz ist indes nicht neu, es geht um eine Felsformation bei Durupınar in der östlichen Türkei, ca. 30 km südlich des Ararats. Nur kurz das fachlich eigentlich Selbstverständliche: Eine Identifikation als Arche Noah setzt eindeutige Befunde voraus. Davon ist hier weit und breit nichts zu sehen. Ein Schiff versteinert nicht, es verrottet, wenn es nicht am Meeresgrund oder in feuchtem Milieu liegt. Eine zufällige Schiffsform einer Felsformation in einer obendrein lehmreichen von Rutschungen geprägten Landschaft und irgendwelche rechtwinkligen Strukturen besagen hinsichtlich der Arche Noah gar nichts. Umgekehrt ist schon die Suche nach einem legendären Objekt, bei dem der ganze Überlieferungskontext einen Glaubenshintergrund hat und gar nicht erst irgendeinen Anspruch hat, eine historische Wahrheit im modernen Sinne zu vermitteln, kein wissenschaftlicher Ansatz.
 
Durupınar
(Foto: Zorka Sojka CC BY SA 4.0
via WikimediaCommons)

 
Anscheinend berichtete zunächst völlig unkritisch die britische Sun und zwar bereits am 19. Oktober 2024:
Inspiriert wurde der Artikel wohl von einem Video, das im Oktober 2024 auf YouTube und dem Blog anchorstone.com erschien und der ein Update der Forschungen seit 2022 präsentiert. Anchorstone ist verknüpft mit dem Bescherzentrum bei der vorgeblichen Arche-Fundstelle.
Am 9. April berichtete dann das norwegische Dagbladet:
Nachdem hier zunächst der Standpunkt von Noah's Ark Scans berichtet wird, steht am Ende immerhin noch eine Einschränkung "Einige Kritiker behaupten, dass bei Projekten wie „Noah’s Ark Scans“ pseudoarchäologische Methoden zum Einsatz kämen, bei denen Schlussfolgerungen gezogen würden, bevor ausreichend Beweise gesammelt worden seien."
 
Wenige Tage zuvor, am 28.3. hatte die britische DailyMail  bereits einen Titel zum Thema:
Der Fokus dieses Artikels liegt indes auf der Rolle der CIA, die über die "Fundstelle" tatsächlich eine Akte hatte, da sie um Luftbilder angefragt wurde. Die ersten Bilder der schiffsförmigen Felsfomration stammten tatsächlich von 1957 von der türkischen Luftwaffe, die hier die Ostgrenze der Nato gegen die UdSSR sicherte. Lange war das Militär die einzige Möglichkeit, Luftbilder zu erhalten und dementsprechend wurde die CIA verschiedentlich, auch von Kreationisten, um Bilder angefragt. Daily Mail erwähnt nur nebenbei das Projekt Noah's Ark mit dem angeblichen Nachweis einer Überschwemmungsschicht aus biblischen Zeiten und in einer Bildunterschrift steht zu lesen: "Geologists strongly contest the theory and argue that the Durupinar Formation can be explained by natural physical processes."
 
Es war indes der Bericht im Dagbladet, der in Deutschland zunächst von der BILD aufgegriffen wurde.
Die Bild verweist auf Sun und insbesondere das Dagbladet ohne jedoch dessen kritischen Hinweis aufzugreifen. Später greift der Fokus die Geschuchte auf und greift dazu auf die CIA-Story zurück.
Mitte April laufen die Berichte anscheinend aus, ehe am 14.5.2025 die griechische Newsbomb die Geschichte  auf, auf die sich zwei Tage später dann die Jerusalem Post beruft.
 
Die Bandbreite der Berichte reicht vom dumben Verbreiten des wissenschaftlich-methodischen Blödsinns über vorsichtige Distanzierung bis zur Hintergundrecherche, die den Bericht nutzt, um seriöse Forschung zu thematisieren.

Völlig unkritisch

vorsichtig distanzierend

Die Distanzierung findet bestenfalls am Ende statt, indem wie bei Dagbladet darauf hingewiesen wird, dass es Kritiker gäbe. In der Regel wird der Schwachsinn aber als eine gleichwertige Forschungsmeinung dargestellt. Wissenschaft verliert hier an Profil und lässt die Meinungen als völlig beliebig erscheinen.   


 Seriöser Wissenschaftsjournalismus

Der seriöse Journalismus braucht Zeit, die Beiträge - übrigens aus den Öffentlich-Rechtlichen - sind erst Wochen nach dem Hype erschienen.
 

Mangelnde Medienkompetenz und fehlendes Wissenschaftsverständnis

Bedenklich sind die völlig unkritischen, mehr noch aber vielleicht die vorsichtig distanzierenden Beiträge, da sie zur Erosion der Wissenschaft und damit auch der gesellschaftlichen Stabilität und Zukunftsfähigkeit beitragen.  Hier wird deutlich, dass es den betreffenden Journalist*innen an der Kenntnis oder Motivation fehlt, die betreffenden Meldungen als unwissenschaftlich zu erkennen und einzuordnen. In Bezug auf die Archäologie stellt sich allerdings auch die Frage, woher diese Kompetenz stammen soll, wenn schon in der archäologichen Vermittlungsarbeit die archäologischen Methoden immer wieder nur auf Ausgrabung und neuerdings auch Hightech-Methoden verkürzt werden (hier hat Noah's Ark ja auch bunte Bilder von Geophysik im Angebot)? 
 
Quellenkritik und Interpretationsmethoden der Archäologie müssen zwingend ein Teil der archäologischen Wissenschaftsvermittlung sein, um das Wissenschaftsverständnis in der Gesellschaft  zu fördern. Das ist gar nicht so einfach, wenn hier auch fachunntern ein Defizit besteht. Die Arche Noah-Berichterstattung zeigt auch, dass ein wissenschaftlich-kritischer Blick auch Teil moderner Medienkompetenz ist, denn dieser ist notwendig, um Pseudowissenschaft und tatsächliche FakeNews als solche zu erkennen.
 
Die Archäologischen Wissenschaften müssen hier dringend ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und auch ihre Vermittlungsarbeit überdenken (siehe z.B. Diederich 2023).
 

Links

 

Montag, 11. November 2024

Schäbige Archäologie! Eine Raubgrabung der besonderen Art

Miss Jones aka Geesche Wilts investigativ:

 

Das Schatzhaus von Petra
(Foto: Bernard Gagno,
CC BY SA 3.0

via WikimediaCommons)

Da kommt ein britisch-amerikanisches Team (Richard Bates, St. Andrew University; Josh Gates, Pearce Paul Creasman), nimmt die Schutzplanen von einer vor bald 20 Jahren eingemotteten Grabung und tut so, als seien sie die Entdecker.  Der echte Ausgräber, der Jordanier Suleiman Farajat hat am 19.10.2024 via facebook auf diese besondere Form der Raubgrabung hingewiesen..

Alles schön für die Kamera vom Discovery Channel, kurz vor Ausstrahlung der neuen Folge. 

Ach ja, der Heilige Gral des Indiana Jones wird allen Ernstes auch noch gefunden.

 - Schäbig, kolonialistisch, unverantwortlich und zum Schaden der Wissenschaft und des Anstands.


 

 (ich empfehle die automatische Übersetzung...)

 Links 

In Deutschland sind auf diesen Schmu reingefallen:

Österreich und die Schweiz halten mit:

 

Samstag, 2. November 2024

Von wegen: Genetik bestätigt Saga

Die altnordischen Sagas beleuchten die Entwicklung von Machtdynastien und Staatsbildung im mittelalterlichen Norwegen (ca. 1060–1537 n. Chr.). Obwohl sie Jahrhunderte nach den geschilderten Ereignissen von isländischen Gelehrten verfasst wurden, basieren sie wahrscheinlich auf mündlichen Überlieferungen und verlorenen Manuskripten. Ein Beispiel ist die Sverris Saga, die den Aufstieg von König Sverre Sigurdsson (1151–1202 n. Chr.) beschreibt, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts über Norwegen herrschte. Diese Saga bietet einen Einblick in eine Zeit politischer Instabilität, geprägt von Konflikten und Bürgerkriegen, die weitgehend durch Thronfolgestreitigkeiten verursacht wurden. 

Ein Abschnitt der Sverris Saga schildert einen Überfall der Bagler - kirchlich orientierte Gegner von König Sverre - auf die Festung Steinsborg im Jahr 1197, während der König selbst in Bergen weilte. Die Angreifer drangen durch einen geheimen Eingang ein, plünderten die Burg und warfen die Leiche eines Mannes in den Trinkbrunnen, um diesen unbrauchbar zu machen.

Sverresborg: Brunnen vor dem Haupttor
(Foto: Wolfmann CC BY SA 4.0 via WikimediaCommons)

 

Burg Sverresborg, die mit der Steinsborg aus der Saga identifiziert wird, wurde wohl um 1180 westlich von Nidaros/Trondheim erbaut und war mehrfach das Ziel archäologischer Ausgrabungen. 1938 wurde ein Brunnen bis auf etwa sechs Meter Tiefe ausgegraben, was jedoch ungenügend dokumentiert wurde. In 5 m Tiefe wurden dabei unter einem Paket großer Steine die Reste eines Skeletts angetroffen. 2014 und 2016 fanden Nachgrabungen mit dem Ziel statt, zu prüfen, inwiefern noch Teile des Skeletts zu finden und zu bergen seien. Das Skelett wurde tatsächlich lokalisiert, doch konnte aus Sicherheitsgründen zunächst wiederum nur ein Teil geborgen werden. Das Skelett gehört einem erwachsenen Mann, der im Alter von 30 bis 40 Jahren zu Tode kam. Eine Größenangabe liegt nicht vor. Er litt  an chronischen Rückenproblemen und früh einsetzender Arthritis der Hüfte. Der gesondert aufgefundene Schädel wieß am Hinterhaupt schwere Hiebverletzungen wohl von einem Schwert auf. 

Aktuell wurde nun ein Aufsatz publiziert, der in erster Linie das Genom behandelt, der aber die Saga zur Sensationalisierung nutzt und darauf abhebt, dass es erstmals gelungen sei, das Genom einer Person zu erfassen, die in einer altnordischen Saga auftritt.

  • M. Ellegaard und 19 weitere Co-Autoren, Corroborating written history with ancient DNA: The case of the Well-man described in an Old Norse saga. iScience Nr. 111076, 25.10.2024. - DOI: 10.1016/j.isci.2024.111076

Es ist eines der Merkmale der historischen Archäologie, dass aus der Kombination von schriftlichen und archäologischen Quellen ein Wissensmehrwert geschaffen wird, da einem die große Informationsdichte viele neue Einblicke in die Vergangenheit geben kann. Leider geht die Methodendiskussion in der Archäologie immer noch überwiegend um Methoden der Quellenerschließung und der Analytik, wo naturwissenschaftliche Methoden tatsächlich eine Revolution anbahnen. Die Methoden der Interpretation archäologischer Quellen sind hingegen in den letzten Jahren nur wenig vorangekommen. Sie hängen natürlich stark mit den Fragestellungen zusammen, die ihrerseits viel zu wenig reflektiert werden.

Zu diesen Interpretationsmethoden gehört das Feld einer Synthese schriftlicher und materieller Quellen. Der Steinsborger Brunnenmann liefert dazu eine kritische Studie, aus der wir einiges lernen können - auch wenn hier auf eine genaue Analyse von Sverris Saga und der norwegischen Geschichte verzichtet werden muss (nicht mein Fachgebiet). Es lohnt sich aber, den neuen Artikel und die Art und Weise, wie hier vorgeblich solch eine Synthese erreicht wird und was kommuniziert wird,  zu reflektieren.

Welche Botschaft vermittelt die Studie?

Daher beginne ich mit den Medienberichten zu dem Aufsatz, der verschiedentlich aufgegriffen wurde:

  • "Archäologen können nun nach 800 Jahren den mysteriösen "Brunnenmann" identifizieren."
  • "Seit Jahrhunderten erzählen Sagen fantastische Ereignisse der Menschheitsgeschichte. Forscherinnen und Forscher aus Norwegen haben nun bewiesen, dass in der sogenannten "Sverris Saga" doch mehr Realität steckt als gedacht." 
  • That 800-Year-Old Corpse in the Well? Early Biological Warfare. The New York Times 25.10.2024. - https://www.nytimes.com/2024/10/25/science/archaeology-norway-sverresborg.html
    “Findings such as this make it possible to assess the trustworthiness of ‘Sverris Saga’ and similar texts in new ways,” said Tore Skeie, a Norwegian historian and author, “making us better at reading and evaluating the majority of texts that have not and will never be underpinned by archaeological evidence.”
  • DNA-Analyse bestätigt 800 Jahre alte Sage. Science.ORF.at . 28.10.2024. - https://science.orf.at/stories/3227293/
    Anhand von sieben noch erhaltenen Zähnen konnte das Forschungsteam nun prüfen, ob die Knochen tatsächlich zu dem in der „Sverris Saga“ beschriebenen Mann gehörten. „Der Chroniktext ist nicht ganz korrekt, die Realität ist viel komplexer“, sagt Anna Petersén, Archäologin am Norwegischen Institut für Kulturerbeforschung in Oslo.

Für die Umsetzung ihrer Ergebnisse in journalistische Inhalte sind die Autor*innen nur begrenzt verantwortlich, doch geben die Presseerklärungen bzw. Texte des NIKU die Narrative vor, die ja auch in den Publikation angelegt sind.


Was ist also Quellenlage und Problem?

In Sverris Saga, einer der auf Island überlieferten altnordischen Königs-Sagas findet sich ein Passus, in dem es zum Jahr 1197 heißt (Sverris Saga §137):

„Nun ist zu erzählen von den Baglern, die geflohen waren und deren Anführer und Haupttruppen sich im oberen Teil der Uppländer versammelten und so nach Norden bis zu Trondheim und Niðaróss zogen. Als sie zur Stadt Steinbjörg kamen, lagerten sie ihr Heer um die Stadt und taten vor, dass sie dort campieren wollten. In der Stadt waren Thorsteinn, Kúgaðr und Bjálfi Skinnstakk sowie Asgautr. Sie hatten achtzig Männer, und es mangelte ihnen weder an Waffen noch an Vorräten, und sie hatten nicht wenig zu trinken; die Bagler konnten nichts ausrichten. Dann führten sie Gespräche mit den Stadtbewohnern und versammelten sich im Kristskirkjugarð und legten eine Abgabe auf die Stadt. Sie forderten die Bauern zur Teilnahme am Heer des Gebiets auf; entsprechend der Gepflogenheiten der Birkibeiner ließen sie ihre Männer einen Schwur ablegen, dass sie nicht auf der gegnerischen Seite oder der des Königs sein sollten. Danach gingen sie wieder zur Stadt und eröffneten einen langen Schusswechsel. Dann riefen sie sie heraus. Bischof Nikolás sprach zu Thorsteinn: „Es ist unklug, die Stadt zu halten und unter Belagerung zu stehen. Du wirst mehr in einem anderen Ort verlieren; wir werden eine Streitmacht zu deinem Hof Goðreksstaður senden und dort alles rauben, was vorhanden ist, und die Häuser anzünden und den Hafen verbrennen.“ Nachdem dies gesagt war, rief Thorsteinn Bjálfi Skinnstakk zu sich und sagte ihm, dass es unklug sei, die Stadt lange zu halten, wenn sie belagern wollten; so endete ihr Gespräch, und sie einigten sich darauf, die Stadt aufzugeben; die anderen Stadtbewohner wussten nichts von diesem Plan. Eine geheime Tür war an der Stadt; Thorsteinn ging dorthin und konnte dann mit den Baglern sprechen. Guðbrandr der Jüngere ging ihm entgegen, und sie besprachen ihre Pläne: Thorsteinn bat die Bagler, zuerst in die Stadt hinabzugehen und am Abend zurückzukommen, dann, wenn die Stadtbewohner am wenigsten wachsam waren: „Ich weiß, dass diese gleichen Türen dann offen sein werden.“ Hierauf antwortete Guðbrandr, im Auftrag der Bagler gewährte er allen Stadtbewohnern das Leben, Rüstungen und Kleider. Dann gingen die Bagler in die Stadt und am Abend hinauf zur Burg; Thorsteinn ließ die Türe öffnen, und die Bagler traten ein. Es war zu der Zeit, als die Stadtbewohner beim Essen waren; sie bemerkten es nicht, bis die Burg voll von den Baglern war. Die Stadtbewohner behielten ihr Leben und ihre Gewänder, aber nur wenige Waffen und kein Geld. Asgaudr und Bjálfi zogen aus der Region, und Thorsteinn war erschöpft; er wurde den Baglern unterworfen und ging mit ihnen. Asgaud und Bialf verließen die Region, und Thorstein Kugad nahm den Dienst bei den Baglern an und ging mit ihnen. Die Bagler nahmen alle Güter, die sich in der Burg befanden, und brannten dann alle Häuser nieder, die sich dort befanden. Sie nahmen einen toten Mann und warfen ihn in den Brunnen, trugen Steine dorthin und legten sie hin, bis der Brunnen voll war. Bevor sie die Burg verließen, forderten sie die Stadtbewohner auf, alle Steinmauern einzureißen. Und bevor sie aus der Stadt marschierten, verbrannten sie alle Langschiffe des Königs. Dann kehrten sie ins Hochland zurück, sehr zufrieden mit der Beute, die sie auf ihrer Reise gesammelt hatten."
(altnord. Text im InternetArchive, S. 324 und abweichend http://www.heimskringla.no/wiki/Sverres_saga, hier Übersetzung mit KI [vgl. engl. Übersetzung], in fett der Teil, auf den Ellegaard et al. 2024 Bezug nehmen, indem sie ihn in ihrem graphical abstract abbilden)

Nú er at segia frá Boglum, er þeir höfðu flýit, at [höfðíngjar ok meginliðit vendu hit efra um Upplönd, ok svá norðr til þrándheims ok til Niðaróss. Ok er þeir komu til [borgar á Steinbjörg, settu þeir lið sitt umhverfis borgina, [ok létust þar skyldu tjalda. þar var fyrír i borginni þorstéinn, kúgaðr ok Bjálfi skínnstakkr ok Asgautr; þeir höfðu LXXX manna, [skorti þá hvártki váþn né vistir, ok eigi drykk; gátu Baglar ekki at gert. Síðan áttu þeir stefnur við bæjarmenn ok þíng uppi í Kristskirkjugarði, lögðu vistagjald á bæinn, ok kröfðu bændr leiðángrs i héraði; [höfðu nú venju Birkibeina, ok lètu (menn)sverja sèr trunaðareiða, [at þeir skyldu rigi vera í gagnstaðarflokki þeirra eða konúngs þeirra. Eptir þetta fóru þeir upp til borgar, ok gerðu þeim lánga skothríð; ok eptir pat kölluðust þeir á. Nikolás biskup mæhi til þorsteins: úráðligt er þér at halda borgina, ok vera í banni; láta muntu meira í öðrum stað; vér skulum gera lið til [Goðreksstaða, bús þíns, ok láta þar ræna öllu því sem til er, en leggja eld í húsin ok brenna hæinn."
Eptir þetta kallaði þorsteinn til sín Bjálfá Skinnstakk, ok sagði honum at úreðligt var at halda lengi borginni, ef þeir vildi umsitja; lauk svà þeirra tali, at þeir urðu á þat sáttir, at upp skyldi gefa borgina; ekki vissu aðrir borgarmenn [þessa ráðagerð.
Laundyr voru á borginni; gekk þorsteinn þar til, ok mátti hann þá tala við Bagla. Guðbrandr úngi gekk til móts við hann, ok gerðu þeír ráð sín á milli: bað þorsteinn [Bagla fara fyrst ofan í bæinn, en koma upp um kveldit, þá er borgarmenn varði minnst: man ék þá opnar láta þessar sömu dyrr. Hèr ímót hèt Guðbrandr. fyrir hönd Bagla öllum borgarmönnum lífsgriðum ok vápna ok klæða. [Síðan fóru Baglar ofan í bæinn, ok um kveldit til borgar upp; þorsteinn lèt þá opnar laundyrnar, gengu Baglar þar inn; þat var í þann tíma er borgarmenn sátu um mat, funnu peir eigi fyrr en [borgin var full af Böglum; fengu borgarmenn lífsgrið, ok höfðu ígángsklæði sín, en fáir yápn, en ekki fé; snerist [Asgaudr ok Bjálfi út til hèraðs, en þorsteinn kúgaðr; gerðist handgenginn Böglum, ok fór; med þeim. Baglar tóku ált fé, þat er í var borginni, ok síðan brendu þeir hvert hús, þat er þár var; þeir tóku einn mann dáuðan, [er þar var ok steyptu í brunninn, báru síðan [þar á ofan grjót, þar til er fullr var, peir stefndu til bæjármönnum at brjóta alla steinveggina [til járðar, áðr en þeir skilðist við; þéir brendu öll lángskip konángs, áðr þeir fóru íbrot. Eptir þetta snerust Jeiraptp til Upplanda, ok þottust hafa [vel ráðit til ,fiár [í þessi ferð.


Der Artikel von Ellegaard et al. 2024 bezieht sich nur auf einen kleinen Ausschnitt des Texts und konzentriert sich allein auf die Brunnengeschichte. Aus dem Gesamtzusammenhang ergibt sich, dass die Stadtbewohner angesichts einer drohenden Belagerung verraten wurden. Dabei wurde den Bewohner Leben und Kleidung zugesichert und angeblich auch tatsächlich gewährt.

Der archäologische Befund wurde oben bereits kurz beschrieben. Zu ergänzen ist, dass ein 14C-Datum vorliegt, das kalibriert mit zwei Sigma Abweichung ein Datum von 1020 bis 1165 AD ergibt. Dieses Datum ist älter als der aus Sverris Saga postlierte Zeitpunkt von 1197.  Massenspektrometrie zur Bestimmung des stabilen Isotopenverhältnisses von 13C und 15N aus einer Knochenprobe des Skeletts ergab allerdings einen Hinweis auf einen marinen Nahrungsbestandteil von etwa 20 %, was bedeutet, dass die Datierung durch einen marinen Reservoireffekt zu alt ausfällt und entsprechend zu korrigieren ist. Der resultierende kalibrierte/korrigierte Datumsbereich, 1055–1076 (2,5 %), 1153–1277 (92,9 %) kal n. Chr., stimmt gut mit dem erwarteten Datum des Überfalls auf Sverresborg, 1197 n. Chr., überein.

"While we cannot prove that the remains recovered from the well inside the ruins of Sverresborg Castle are those of the individual mentioned in Sverris Saga, the circumstantial evidence is consistent with this conclusion" schreiben die Autor*innen.

Nun passt zwar die Datierung, aber der Artikel sagt wenig über den Befund des Brunnens. Inwiefern ist dieser in einen Baukontext um 1200 eingebettet? Ist das der einzige Brunnen? Lassen sich aber auch Brandspuren einer Zerstörung aus dieser Zeit nachweisen? Dazu gibt es keine Informationen. 


Bestätigt die DNA die Saga?

Nein, ganz und gar nicht. Die Tatsache, dass der Mann blond war, blaue Augen hatte, 30 bis 40 Jahre alt und vielleicht aus Südnorwegen stammt, trägt zur Frage einer Identifikation des Mannes aus dem Brunnen mit dem 1197 in einen Brunnen gestürzten Leiche überhaupt nichts bei, da die Schriftquelle hierzu gar nichts sagt. Entgegen dem Titel des Artikels bestätigt die DNA hier also auch rein gar nichts. Auch die ergänzenden Informationen zu der Saga sind sehr begrenzt. 

Die Autor*innen haben das Genom des Brunnenmanns mit den modernen Genomen von 6140 Norwegern verglichen, um mehr über seine Abstammung und die Region zu erfahren, aus der er stammte. Sie zeigen sich überrascht, dass sein Genom eher zu einer Gruppe passt, die heute für das südwestliche Norwegen charakteristisch ist. Das würde nun eher für einen Krieger aus dem Süden, aus dem Umfeld der Bagler sprechen. Dahinter steht wohl die Erwartungshaltung, dass die Angreifer nicht einen der Ihren in den Brunnen geworfen hätten. Kann sein, muß aber nicht sein. Daher ist auch die Schlußfolgerung nicht nachzuvollziehen, warum das Genom des Brunnenmanns anzeigen soll, dass es bereits vor 800 Jahren die in modernen Daten zu sehende genetische Drift gegeben haben soll. Die vorliegenden mittelalterlichen Genome stammen mit Ausnahme des Brunnenmanns aus der Wikingerzeit. Den Raum, aus dem der Brunnenmann nun stammen soll, decken sie nur bedingt ab. In der verwendeten Datenserie sind jedenfalls keine alten Genome der postulierten Herkunftsregion vorhanden, so dass implizit eine Kontinuitätsannahme vorliegt.


 

links: Karte von Norwegen mit farbcodierten Regionen;
rechts: Hauptkomponentenanalyse von 6140 heutigen Norweger*innen mit Farbzuweisung zu den Regionen wie in der Karte dargestellt,
sowie 24 alte norwegische Individuen,
deren Fundregionen in der Karte beschriftet sind
Der Bunnenmann in grün.
(Graphik verändert nach Ellegard et al. 2024 CC BY 4.0 via Elsevier)


Die Diskussion der verschiedenen Interpretationen hat letztlich nichts mehr mit dem Brunnenmann zu tun haben, da er hier nur noch als ein Punkt in einer größeren (aber bei weitem nicht großen) Serie von 24 mittelalterlichen Genomen aus Norwegen auftritt. Die Autor*innen merken selbst an, dass für eine genauere Kenntnis der Entwicklung des norwegischen Genpools weitere Untersuchungen, etwa durch die Sequenzierung älterer Norweger aus den südlichen Provinzen notwendig sind. Als wichtigstes Ergebnis der Studie sehen sie den Nachweis, dass ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Genomcharakteristik der Menschen aus den südwestlichen Norwegen bereits vor 800 Jahren vorhanden war. Die deutet darauf hin, dass diese Region lange Zeit isoliert war. Das Genom des "Brunnenmannes" ist damit zwar ein wertvoller Beitrag zu einer statistischen Charakterisierung der mittelalterlichen Population in Skandinavien, aber das Ergebnis, dass der Mann aus dem Brunnen blond und blauäugig war ist vollkommen irrelevant. Es bestätigt populäre Vorstellungen -  so what?

 

Wurde der Brunnenmann identifiziert?

Einige Medienberichte vermelden das so. Aber, obwohl wir sein Genom kennen, seine (wahrscheinliche) Augen- und Haarfarbe kennen, wissen wir eben nicht, wer er war. Eigentlich ist es bedenklich, wenn hier das Bild verbreitet wird, ein Mensch wäre durch sein Äußeres ausreichend identifiziert. 

Nun mag man aus Gründen einer musealen Präsentation die Geschichte aus Sverris Saga gerne etwas ausschmücken wollen. Immerhin wurde die Ruine vor einigen Jahren Teil des Freilichtmuseums Sverresborg Trøndelag Folkemuseum und wohl aus diesem Anlaß neu restauriert. Details machen eine Geschichte erzählerisch lebhafter und interessanter. - Bestätigen aber auch Klischees und Vorurteile



Zeichnerische Rekonstruktion des Mannes aus dem Sverresborger Brunnen
(Graphik Ellegard et al. 2024 CC BY 4.0 via Elsevier)


 

KI Bild des Brunnenmanns
KI-Illustration mit dem Prompt "Mann, Skandinavier, Blond, blauäugig, Arthritis an der Hüfte, 30-40 Jahre alt, Rückenprobleme, unbewaffnet, aber von Schwerthieb am Hinterkopf verletzt, Mittelalter um 1200n.Chr., sehr unsympathischer hinterhältiger Typ"
(Microsoft AI Image Designer)

Die Autoren schreiben, sie wollten näheres über den Brunnenman und die Ereignisse wissen, die in Sverris Saga, beschrieben sind.  Deshalb wären die Genome sequenziert und Untersuchungen zu Geschlecht, Abstammung und sein Aussehen gemacht worden. Die Studie sei eine einzigartige Gelegenheit, ein tieferes Verständnis des historischen Ereignisses zu gewinnen, indem Ergebnisse aus Isotopie, Osteologie, Archäologie und Genetik im Kontext der Informationen eines 800 Jahre alten Texts zusammengeführt würden ("Our study provides an unusual opportunity to gain a deeper understanding of this historical event through the integration of results from isotopic, osteological, archaeological and genetic analyses in the context of information from an 800-year-old text").

Fragestellung und angewandte Methode passen hier in keiner Weise zusammen. Die entscheidenden Fakten für den Abgleich von Befund und Saga - da liegt tatsächlich ein Mann im Brunnen der Burg und die Datierung passt in etwa - wurden 1938 und 2016 mit der Radiocarbondatierung erbracht und kamen völlig ohne Genetik aus. Wenn wir mehr über das Ereignis in den Schriftquellen erfahren wollen, wären eine sorgfältige geophysikalische Prospektion der Burganlage, archäologische Forschungsgrabungen und selbstverständlich eine genauere und vor allem vollständige Textanalyse notwendig. Wurde die Burg tatsächlich komplett geplündert und zerstört? Gehört die Brunnenverfüllung tatsächlich dazu? Wie wurde die Burg nach einem Wiederaufbau mit Wasser versorgt? Betrachten wir überhaupt die richtige Burg?

 

Sverresborg
(Foto: Cato Edvardsen CC BY SA 3.0 via WikimediaCommons)


Statt einer Bestätigung: ein Widerspruch von Saga und Befund!

Ich sehe in dem Fall eine andere Interaktion von Text und archäologischem Befund. Die Saga behauptet in dem Abschnitt, der der Brunnengeschichte voraus geht, die Stadtbewohner hätten bei der Übergabe ihr Leben behalten. Wenn die Identifikation des Toten Mannes aus dem Brunnen mit der Leiche aus der Saga richtig ist, würde das bedeuten, dass die Stadtbewohner sich sehr wohl zur Wehr gesetzt hätten, denn der Schädel aus dem Brunnen wies Schwerthiebe am Hinterkopf auf, die wohl todesursächlich waren. Insgesamt konnten am Skelett mehrere Traumata beobachtet werden, wobei aber unklar blieb, ob sie vor oder nach dem Tod entstanden sind. Die Verletzungen am Schädel hingegen sind aber sicherlich nicht post-mortem.

Die in den modernen Berichten gerne aufgegriffene Idee, der Leichnam sei gewissermaßen als Biowaffe zur Verseuchung des Brunnens genutzt worden, ergibt sich nicht aus der Schriftquelle. Die genetischen Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf Krankheitserreger, was jedoch methodisch bedingt ist und keine Rückschlüsse zulässt, ob die Leiche vielleicht nicht doch ansteckend gewesen sein könnte.

Es entseht eher ein Widerspruch zwischen Befund und Saga, als eine Bestätigung. Verschiedene Szenarien sind denkbar, wie sich dieser auflösen lässt.

Zunächst könnte das Problem in der Schriftquelle liegen. Die Überlieferung der Saga könnte vor deren Niederschrift die Information der Kämpfe verloren haben, weil sie irgendwann nicht ins Bild passt. Die erhaltene Version der Saga steht eher auf Seiten des Königs und hätte vielleicht die Bagler eher schlecht gemacht - oder wollte man die Niederlage des Königs minimieren? Hier kommt nun doch noch der - allerdings erst zu verifizierende - Befund der Genetik ins Spiel, wonach der Tote aus dem Brunnen aus dem Südwesten Norwegens, dem Gebiet der Bagler stammte, er also wohl einer der Angreifer war. Dann hätten sich die Stadtbewohner doch gewehrt, aber sie wären durchaus mit dem Leben davon gekommen.

Das Problem könnte aber auch im Befund und dessen Identifikation liegen. Dabei ist eventuell schon eine Ebene höher anzusetzen. Die Saga spricht von der Steinsbörg als Ort des Geschehens, nicht von der Sverrisborg. Wie sicher ist denn diese Gleichsetzung? Liegt der Tote im richtigen Brunnen?

Letztlich lässt sich hier viel spekulieren, eine sichere Identifikation ist nicht möglich.

Deutlich wird aber, dass der Artikel die Geschichte vom Brunnenmann nur nutzt, um die Forschungsergebnisse zu hypen. Eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsgehalt der Sagageschichte hätte sich nicht nur mit dem kleinen Ausschnitt des Textes begnügen dürfen, den Befund genauer dargestellt und auf andere geeignetere Methoden als der Genetik gesetzt. 

Das Autorenteam, als dessen Senior-Autor der Genetiker Michael D. Martin aus Trondheim fungiert umfasst 18 Naturwissenschaftler und gerade mal zwei Archäolog*innen. Der Artikel zeigt wieder mal, wie naturwissenschaftliche Ansätze mit vorgeblich sensationellen Erkenntnissen solide historisch/archäologische Forschungen überwuchern können und letztlich eher die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit hintertreiben (vgl. Samida/Eggert 2013).

Literatur

Links



Mittwoch, 22. Mai 2024

Rassisten als "besorgte Geschichtsfans"

Hier geht es um ein Computerspiel, das bei Japans Samurai im 16. Jahrhundert angesiedelt ist. Als Hauptfigur wurde Yasuke, "der schwarze Samurai" gewählt, eine historische Persönlichkeit.

Vielen passt es wieder nicht, dass ein Schwarzer die Hauptrolle spielt und reden bei einem Compiterspiel von Geschichtsverfälschung. In den Social Media ist wieder mal eine Schlacht um Hautfarbe und Bedeutung ausgebrochen, die als Quellen meist nur Wikipedia kennt, das nun, insbesondere in der englischen Variante, nach Belieben  geändert wird. Ein Bewußtsein dafür, welcher Text als Quelle gelten kann, was Sekundärtext, was Fach- oder Sachtext und was nur Geschreibsel ist, fehlt - wie übrigens auch bei den meisten Studienanfängern. Eine wichtige Quelle der Bericht von François Solier von 1627 ist auch online verfügbarr, aber natürlich nirgends verlinkt.

Tatsächlich bleibt unklar, warum das Spiel Yasuke als Protagonist wählt. Bei vielen Kommentatoren wird daher der Verdacht der "Wokeness" geäußert. Ganz von der Hand zu weißen ist das nicht, denn natürlich gibt es auch "woke" Interpretationen, die sich als Wissenschaft tarnen, wie etwa die NetFlix-Kleopatra-'Dokumentation' (vgl. Archaeologik 14.6.2023). Vermutet wird aber ein politisches Programm, das nur dazu diene Weiße und Asiaten herab zu setzen. Einen Schwarzen zum Helden zu machen, sei selbst Rassismus, weil man keinem Asiaten die Heldenrolle geben wolle.  Letztlich entlarven sich viele Einwendungen damit selbst als Rassismus und Verschwörungsideologie (vgl. Archaeologik 7.9.2023).

In einem Spiel, Querbeziehungen zwischen historischen Räumen und Migranten zu zeigen, ist prinzipiell nicht falsch. Letztlich ist das die künstlerische Freiheit der Spielemacher. Was sie damit erreichen wollten, ist unklar, möglicherweie einfach werbewirksame Provokation. Aktuell kann man sich darauf verlassen, dass intensive, aber wenig fruchtbare Debatten in den Kommentaren der Social Media entstehen. Mit den Spielen wird ein enormes Publikum erreicht und auch oder gerade weil sie kein authentisches Geschichsbild vermitteln wollen, prägen sie falsche Vorstellungen.

Für die Geschichtswissenschaften und für die ganze Gesellschaft ist das mittelfristig gefährlich. Lernen kann man bestenfalls aus reeller Geschichte, nicht aus Phantasy. Deshalb muß eine seriöse Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur hier gegenhalten - dazu benötigt es moderne Vermittlungsstrategien, eine Transparenz der Wissenschaft und - ganz wichtig angesichts zunehmender Sparmaßnahmen im Bereich Kultur und Wissenschaft - auch die Infrastruktur und die Personalkapaziäten.

 

Links

Literaturhinweis

  • T. Lockley/ G Girard: African Samurai: The True Story of Yasuke, a Legendary Black Warrior in Feudal Japan. (Toronto 2021) -ISBN 978-1-335-04498-3

Sonntag, 3. März 2024

Tot: "Die Trulla vom Denkmalamt, die sich immer so aufspielt"

ZDF, SOKO Stuttgart, Staffel 15, Folge 22 "Das Keltengrab" 

"Auf dem Hügel eines keltischen Fürstengrabes in Hochdorf wird eine Mitarbeiterin des Denkmalamtes tot aufgefunden. Eine dubiose Gruppe selbst ernannter Druiden war am Tatabend dort unterwegs." So wird in der ZDF-Mediathek die Folge der Krimiserie Soko Stuttgart geteasert. 

Die Folge ist voll von Archäolog*innen-Bildern, wobei man zunächst überrascht ist, dass die üblichen Schätze fehlen, niemand pinselt und nur ein Rennofen gefunden worden sein soll.

Aber am Ende gibt es dann doch den verheimlichten Fund, die Archäologen, die eine arme Bäuerin und Mutter durch das Veranlasserprinzip in den Ruin treiben, ein Architektenbüro durch Baustopp in Bedrängnis bringen und den betrügerischen Archäologen, der Funde verheimlicht. Die Denkmalpflegerin, die tot auf dem Grabhügel von Hochdorf gefunden wird, charakterisiert einer der Verdächteigen als "dIe Trulla vom Denkmalamt, die sich immer so aufspielt". Das sind neue Klischees und es ist bedenklich, dass/wie diese entstehen können...

Dann sind da noch die germanischen Vodoo-Druiden, die obendrein mit Funden handeln und rechts sind - leider ist das wohl inzwischen ein viel zu oft zutreffendes Klischee. Diese rechte Unterwanderung der Reenactment-Szene ist im Mainstream angekommen, die ganze Szene abgestempelt.

Immerhin sind Archäologen als Denkmalpfleger und nicht als senil-verwirrte Forscher dargestellt und die Folge beinhaltet nebenbei viele Informationen, wie Archäologie heute funktioniert. Es hätte der Handlung nicht gschadet, wären diese Informationen wenigstens richtig oder präziser.

Ob sich der Drehbuchautor da Rat beim Amt geholt hat, bleibt zweifelhaft. Allerdings: Unter den Info-Broschüren, die das Landesamt für Denkmalpflege auf seiner Homepage anbietet findet sich nichts, das die Organisation der Archäologie im Land wirklich beschreibt und erklärt - am ehesten leistet das noch die Broschüre Denkmalpflege in Baden-Württemberg, die allerdings von 2007 stammt und veraltet ist. 

Sonntag, 3. Dezember 2023

Auf gutem Weg

Das ist doch schon mal ein besserer Bericht., ohne Geheimweg, aber mit Bildern, die zeigen, dass das schon ein toller Befund ist. Eine Sensation ist m.E. jedoch was anderes.

Donnerstag, 30. November 2023

"Geheimweg" und "Sensationsfund" - Grabungskommunikation auf Abwegen

Ein Bohlenweg in dem heute zur Stadt Fürth gehörendem Dorf Burgfarnbach ist ein wichtiger archäologischer Fund, weil er - von lokalgeschichtlichen Aspekten einmal abgesehen - zeigt, wie der Alltag in vorindustrieller Zeit ausgesehen hat, wie früher Transport funktioniert hat. Ein "Sensationsfund" ist das nicht, denn der Befund einer Straße an der Stelle einer Straße ist nicht überraschend. Das wird dem Leser aber nicht kommuniziert.

Das Geschwafel von "Geheimwegen" befeuert das Klischee, Archäologie beschäftige sich mit Mystery. Zudem fokussiert der Artikel so sehr auf Funde, dass es schon gefährlich wird. Gefunden wurden "einige Gegenstände", "mehrere Hufeisen und eine ganze Menge an Metallobjekten", die so "angegriffen und zerfressen" sind, dass sie nicht zu bestimmen sind. Immerhin gibt eine wertlose Silbermünze einen "tollen Hinweis" zur Datierung. Dafür ist die Dorfstraße gesperrt. 

Das ist kein Einzelfall. Vor Jahren wurde ebenfalls aus Franken ein Zeitungsartikel unter der Überschrift "Archäologen finden alten Nachttopf" publiziert, den ich leider weder gepostet noch abgespeichert habe. Hier wurden auch die Kosten der Grabung genannt, die nach dem Artikel einen dreckigen, kaputten Nachttopf zu Tage gebracht haben. Die naheliegende Schlussfolgerung des Lesers angesichts des Topffotos: Im Baumarkt ist der Topf billiger und obendrein noch sauber.

Welche Botschaft nimmt der Leser von solch einer Darstellung von Archäologie mit?
  • Unsinnige Spinnerei oder Spielerei
  • Geldverschwendung
Es sind übrigens nicht die Journalisten allein, die für so ein Kommunikationsdebakel verantwortlich sind. Sie brauchen Infos. Wenn Archäolog*innen selbst nur graben und Funde machen, aber keine rechtfertigende wissenschaftliche Fragestellung haben und diese auch kommunizieren können, dann gewinnen wir zwar jetzt einen interessanten Bohlenweg, schaffen aber ein Klima, das mittelfristig die öffentliche Bereitschaft für denkmalpflegerische Belange gefährdet. 
 
Hier muß dringend die Sinnhaftigkeit solch einer Ausgrabung - oder eben der ungewöhnliche Erhaltungszustand, der weitere Forschungen ermöglicht - kommuniziert werden - und die liegt eben nicht in den Funden, sondern in der Erkenntnis. Sensationalisierung und Medialisierung von Funden ist unter Umständen eher kontraproduktiv.

Da in der Verursacherfinanzierung keine Auswertung vorgesehen ist, bleiben die Funde am Ende vielfach auch ohne wissenschaftliche Inwertsetzung. Der Verursacher zahlt, aber außer einem nüchternen, öffentlich meist gar nicht zugänglichen Bericht kommt nichts dabei heraus, noch nicht einmal die Befriedigung, mit seinem Geld etwas für die Ortsgeschichte oder die Wissenschaft geleistet zu haben.

Prinzipiell müssen die Auswertungskosten im Verursacherprinzip berücksichtigt werden, weil das im Augenblick zwar teurer, langfristig aber nachhaltiger die Finanzierung archäologischer Denkmapflege sichert. Die Auswertung kann man übrigens nicht an die Universitäten abschieben. Dass die zentrale Arbeit der Auswertung dort kostenlos oder bestenfalls mit einem Stipendium erledigt werden soll, ist geradezu unethisch. Zudem sind in diesem System für die anspruchsvollste und entscheidende wissenschaftliche Arbeit logischerweise immer die unerfahrensten Kolleg*innen verantwortlich. Davon abgesehen stehen Tausenden von Maßnahmen nur wenige Absolventen gegenüber, die bereit sind, eine Auswertung zu übernehmen.



Sonntag, 22. Oktober 2023

Archäologie im Kino

aktuell im Kino, offenbar mit nur wenigen Terminen.

 

 Dazu:

Donnerstag, 12. Oktober 2023

Australopithecus sediba & Homo naledi im All - BILD liest Archaeologik

 - umgekehrt gilt das nur bedingt

Zur Sache - dem Raumausflug von homo naledi und Australopithecus sediba - hat BILD nichts Neues hinzuzufügen, obgleich mittlerweile eine Stellungnahme des Initiators und Ausgräbers der Fossilien, Lee Berger vorliegt. Diese liegt aber hinter einer PayWall und so ist sie für die Wahrnehmung des PR-Unternehmens, Fossilien gegen jede Ethik ins All zu schießen, nicht viel wert.. Medial bleibt also die Kritik im Mittelpunkt und die intentionierte Würdigung der Frühmenschen bleibt aus.

 

Interner Link

 


Sonntag, 17. September 2023

Frühmenschen im All

Zu der unsinnigen Aktion, wertvollste Frühmenschenfossilien einfach mal so aus PR-Gründen für Ego und Nation  ins All zu schießen (Australopithecus und homo naledi kommen aus dem Weltall (fast...). Archaeologik 13.9.2023), gibt es noch einige neue Reaktionen:


VSS UNity, 2016
(Foto: Ronrosano CC BY SA 3.0 via WikimediaCommons)
Lee Berger und die Universität Witwatersrand schweigen.
 
Ob die Menschenreste die Aktion unbeschadet überstanden haben, ist weiterhin unbekannt. 

Mittwoch, 13. September 2023

Australopithecus und homo naledi kommen aus dem Weltall (fast...)

Mit dem Schwachsinn der Ancient Aliens hat das nichts zu tun, wohl aber mit einem merkwürdigen, unethischen Umgang mit Wissenschaft und archäologischen Funden.

Fossilien des Australopithecus sediba  (ca. 2 Mio Jahre alt) und des Homo naledi (ca. 250.00 Jahre alt) wurden von dem Unternehmer Timothy Nash zusammen mit einer Flagge Südafrikas in einer Karbon-Box auf den dritten Touristenflug der privaten Firma Virgin Galactics. Der Flug an Bord der VSS Unity führte am 8. September in den suborbitalen Raum etwa 88,5 Kilometer über der Erdoberfläche.

VSS UNity, 2016
(Foto: Ronrosano CC BY SA 3.0 via WikimediaCommons)

Initiiert hat diese PR Aktion der Anthropologe Lee Burger, der schon früher einige Auseinandersetzungen um sein Wissenschaftsgebaren ausgelöst hat. Dabei ging es zumeist jedoch um die Art der Publikation seiner Forschungsergebnisse, die ohne peer review im open access erscheinen.

 

Lee Berger
Lee Berger und Australopithecus sediba 2011
(Foto Brett Eloff, courtesy of Lee R. Berger and the University of the Witwatersrand,
CC BY SA 3.0 via WikimediaCommons)

 

Von den südafrikanischen Behörden, der South African Heritage Resources Agency (SAHRA) war die Aktion genehmigt worden. Begründet war der Antrag Bergers mit der  Werbung für Wissenschaft und eine globale Anerkennung der Frühmenschenforschung in Südafrika  Dabei wurde das Risiko für die Funde offenbar als gering eingestuft, wobei diese als paläontologische, nicht als menschlche Überreste klassifiziert worden sind. Die Situation analysiert die Archäologin Natsicle auf Twitter / X: 

Der Antrag stand wohl irgendwo zum Kommentieren online, doch gab es da keine Rückmeldungen.

Timothy Nash ist ein südafrikanischer Milliardär, der sich seit langem für die menschliche Evolution interessiert und der den Landstrich mit der Rising Star-Höhle (Dinaledi-Höhle) aufgekauft hat und nun sein Privateigentum nennt. Die Höhlen sind seit 1999 UNESCO-Welterbe.

Motive

Eine Pressemeldung der Universität Wittswaterrand in Johannesburg nennt einige Begründungen für die Mitnahme der Fossilien ins All:

"Die Mitnahme dieser Fossilien soll als symbolische Hommage an das menschliche Streben nach Weltraumerkundung dienen. ("a tribute to the contribution of all human ancestors and ancient human relatives for their part in making the ultimate gesture of human exploration and technological advancement possible – space fligh)"

Es gehe um eine Anerkennung für den Beitrag der Vorfahren der Menschheit ("appreciation of the contribution of all of humanity’s ancestors and our ancient relatives" Lee Berger) ". 

Die Fossilien wurden nicht nur wegen ihrer symbolischen bedeutung, sonder auch weil sie die am besten dokumentierten menschlichen Fossilien sind, die mit Abformungen, Scans und Bildern dank der Open Access-Politik überall auf der Welt verfügbar sind (“The fossils were carefully chosen not only for their symbolic importance, but also because they are among the most documented fossils of hominins in existence, with casts, scans and images available across the world due to our scientific and open access efforts” (Bernhard Zipfel, Curator of Collections at the University of the Wittwatersrand).

Die Expedition sei eine Hommage an Wissenschaft und Entdeckung und bedeutet die Möglichkeiten, unsere Vergangenheit mit unserer Zukunft zu verbinden. (“This expedition is a tribute to science and discovery and signifies the possibilities of connecting our past with our future." (Zeblon Vilakazi, Vice-Chancellor and Principal of the University of the Witwatersrand)).

Festzuhalten ist: Es ging nicht um irgendwelche spacigen Fragestellungen und Experimente, sondern tatsächlich nur um die PR.  Vielmehr ist geplant, dass die Fossilien zusammen mit Erinnerungsstücken aus dem Flug in Museen und anderen Institutionen in Afrika und auf der ganzen Welt nach ihrer Rückkehr nach Südafrika ausgestellt werden. ("It is the intention for the fossils, along with memorabilia from the flight, to be placed on display in museums and other institutions in Africa and around the world after their return to South Africa.)"

Teil der PR-Aktion ist auch National Geographic, die Lee Berger als National Geographic Explorer in Residence führt. Timothy Nash gehört dem Advisory Board von National Geographic an.

Anders als bei den beiden vorherigen kommerziellen Flügen der VSS Unity gab das Unternehmen die Namen der Passagiere erst nach der Landung bekannt und verzichtete auch auf einen Webcast, sondern berichtete nur in den Social Media.

Kritik

Die PR-Aktion löste einige Reaktionen bei Archäolog*innen und Anthropolog*innen aus - soweit zu sehen einhellig ablehnend.

Die Kritik setzt an vielen Punkten an:

  • das Risiko für die Funde
    • durch die Reise selbst
    • durch Weltraumstrahlung 
    • Es handelt sich um einzigartige Funde, sogar um jene, an denen die Arten definiert worden sind.
  • der Umgang mit menschlichen Überresten 
    • die hier offenbar als paläontologisch klassifiziert wurden, da sonst eine Genehmigung hätte verwehrt werden müssen - eine bewusste Entmenschlichung
    • die Individuen hätten ihre Reise in die obere Atmosphäre nicht verstanden
  • die finanziellen Interessen
  • nationale Interessen
     
Möglicherweise, aber das ist hier nur zu vermuten, spielt es auch eine Rolle, dass aktuell verschiedene Nationen wieder mit Weltraumabenteuern ihr nationales Selbstbewusstsein aufzupolieren versuchen und Südafrika hier vorerst nicht mitspielt.

Eine PR-Aktion ist per se nicht unbedingt verwerflich, die Frage, die sich hier stellt, ist die nach dem ethischen Umgang mit Funden von Frühmenschen, die hier nicht als Menschen anerkannt werden, obwohl gerade ihr Beitrag für unsere Kultur herausgestellt werden soll. Fraglich ist auch, ob die Risikoabwägung angemessen war. 
Zwar nennt die Pressemeldung der Universität Witwatersrand zwar einige Motive für die Aktion, aber eine klare Botschaft, die vielleicht das Risiko hätte aufwiegen können, wurde mit der Aktion nicht verbunden. Die Notwendigkeit, sorgsam mit archäologischen Funden umzugehen, wäre durchaus eine wichtige Botschaft - aber so funktioniert das natürlich nicht. Aber vielleicht nur ein gut platziertes Statement gegen Ancient Aliens-Mythen, die offenbar immer mehr um sich greifen? So ist das leider nur angeberische Selbstdarstellung, die Wissenschaft nicht fördert, sondern diskreditiert.