- Bauprojekte in Gefahr! Berliner Uni streicht wichtigen Studiengang. Berliner Zeitung 2.1.2026. -https://www.bz-berlin.de/berlin/uni-htw-grabungstechnik-streichung
Archaeologik ist ein Wissenschaftsblog zu Themen der Archäologie und des Kulturgutschutzes. Er zielt auf eine kritische Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie auseinandersetzt und die alltägliche Forschungspraxis reflektiert.
Archaeologik is a science blog contributing to various aspects of critical archaeology and cultural heritage including methodology, theory and daily archaeological practice.
Samstag, 3. Januar 2026
Zur Streichung der Grabungstechnik in Berlin
Montag, 16. Dezember 2024
Der archäologische AdventsKIlender, Türchen 16
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| Adventskalender 2024 |
Samstag, 23. März 2024
Stakeholders in der Archäologie: Wer bestimmt, was publiziert werden darf?
Im konkreten Fall wurden 2019 Ausgrabungen an einem paläo-indianischen archäologischen Stätte bei Avon notwendig, als die dortige Flußbrücke durch einen Neubau ersetzt wurde. Der kurz zuvor verstorbene Staatsarchäologe Brian D. Jones hatte hier eine paläoindianische Fundstelle lokalisiert, die dann nach ihm benannt wurde.
Die Grabungen wurden nach dem Verursacherprinzip durch Connecticut Department of Transportation (CT DOT) finanziert, die Untersuchungen durch eine private Grabungsfirma durchgeführt. David E. Leslie, einschlägig promoviert an der University of Connecticut übernahm als Director of Research at Heritage Consultants, LLC die Grabungen und Auswertungen - die hier anders als in den Praxis in Deutschland im Verursacherprinzip eingeschlossen sind.
Bald nach den Ausgrabungen erschienen zahlreiche Medienberichte und es wurde in Vorträgen über die Entdeckungen informiert. 2020 erschien in der Fachzeitschrift PaleoAmerica auch ein erster Vorbericht zu den Ausgrabungen (Leslie et al. 2020). Bereits während der Auswertungen war zu erkennen, dass an der Fundstelle mehrere Phasen zu unterscheiden sind, darunter mindestens zwei paläoindianische Komponenten, von denen eine in die frühe paläoindianische Periode datiert wird. Als wichtige Frage wurde formuliert, wie sich diese Mehrfachnutzungen des Brian D. Jones Site in die gesamte paläoindianische Periode im Nordosten einzufügen ist.
In einem Vortrag im Oktober 2021 gab D. Leslie einen Überblick über den Stand der Auswertungen, die viele Erkenntnisse zur Paläotopographie und zur Datierung präsentierte. Anhand der Radiocarbondaten wurden sechs Phasen der palaeoindianischen Nutzung zwischen 12650 und 8000 BP differenziert.
Als im Frühjahr 2023 ein weiterer Artikel in PaleoAmerica publiziert wurde (Leslie / Miller 2023), konnte also bereits auf eine recht solide Arbeit zurückgegriffen werden. Im November 2023 wurde der Artikel auf Druck der Connecticut Department of Transportation zurückgezogen. In einem Statemant dazu heißt es, "The article was not authorized by the relevant authorities responsible for the site and artifacts recovered" (PaleoAmerica). Der Blog Retraction Watch (23.11.2023) hat den Fall aufgegriffen und dazu von Co-Autor Logan Miller zwar die Aussage erhalten, dass beide Autoren weiterhin zu ihren Forschungergebnissen stehen, den Fall aber ansonsten nicht weiter kommentieren wollten.
Das Connecticut Department of Transportation stellte gegenüber Retraction Watch fest: "The results and interpretation of the site were published prematurely. The materials uncovered are still in labs being tested. Since all stakeholders did not have a chance to review and provide comment, and interpretations were not yet completed, CTDOT asked for the retraction. A final report [is] expected to be completed by the end of next year."
Das sind nicht etwa Argumente, dass in einem Vertrag zwischen dem Verursacher und der Grabungsfirma ein Mitspracherecht über die Publikationen vereinbart worden sei, es wird hier mit dem Forschungsprozess argumentiert und auf ominöse "stakeholders" verwiesen. Von einem "scientific board", das da vielleicht eingerichtet wurde, ist hier nicht die Rede.
Der Fall wirft also die Frage auf, wer sich bei Verursacher-finanzierten Projekten in die Forschung einmischen darf. Wer sind diese Stakeholder? Es mischt sich hier ja auch nicht eine Denkmalbehörde ein, sondern eine Bauabteilung. Es geht hier auch nicht mehr um grundlegende vielleicht sicherheits- oder datenschutzrelvante Informationen zur Fundstelle, sondern um paläoindianischen Schmuck, zu dem CTDOT sicher keine weiteren Kompetenzen hat - und um die Rechte Indigener scheint es hier ja auch nicht zu gehen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es nur um Machtspielchen und vielleicht gekränkte Eitelkeiten geht.
In Deutschland gab es hier zuletzt eine Diskussion um die Rolle der Landesämter, die hier vielfach ein Mitspracherecht bei der Publikation oder gar eine Co-Autorenschaft einfordern (Biermann 2021; Zerres 2021). Zu problematisieren sind hier nicht nur die juristischen Rechtsansprüche, sondern auch die Eingriffe in die Wissenschaft. Fachintern sollten hier ja Interessensübereinstimmungen vorliegen; problematisch wird es, wenn außerwissenschaftliche Stakeholder eine Rolle spielen. Dass CTDOT primär an der wissenschaftlichen Qualität des Artikels gelegen hat, ist unglaubhaft, zumal dieser bei PaleoAmerica ein Peer Review durchlaufen hat.
Links
- ‘A bit of a surprise’: Transportation officials pushed to retract archaeology article on work they funded. Retraction watch (23.11.2023). - https://retractionwatch.com/2023/12/11/a-bit-of-a-surprise-transportation-officials-pushed-to-retract-archaeology-article-on-work-they-funded/
- 12,500-Year-Old Paleoindian Site Discovered. Connecticut Explorer Spring 2020. - https://www.ctexplored.org/12500-year-old-paleoindian-site-discovered/
- D. Leslie, Paleoindian Occupations along the Farmington River at the Brian D. Jones-Site :Southern New Englands oldest Archaeological Site. - https://www.youtube.com/watch?v=pXculCpI5lM ab min 38
- Construction workers accidentally uncover ancient site in Connecticut. New York Post (13.12.2019). - https://nypost.com/2019/12/13/construction-workers-accidentally-uncover-ancient-site-in-connecticut/
- https://avonhistoricalsociety.org/paleo-indian-site/
Literatur
- Biermann 2021
E. Biermann, Publikationsverbot und Zwangslöschung von Veröffentlichungen auf Betreiben des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH). Arch. Inf. 44, 2021, 25–45. - https://doi.org/10.11588/AI.2021.1.89121 - Leslie et al. 2020
D. E. Leslie / S. P. Sportman / B. D. Jones, The Brian D. Jones Site (4-10B): A Multi-Component Paleoindian Site in Southern New England. PaleoAmerica 6,2, 2020, 199–203. - https://doi.org/10.1080/20555563.2019.1709147 - Leslie / Miller 2023
D. E. Leslie / G. L. Miller, RETRACTED ARTICLE: Early Paleoindian Personal Adornment: An Example from the Brian D. Jones Site in Avon, Connecticut. PaleoAmerica 9,1, 2023, 48–59. - https://doi.org/10.1080/20555563.2022.2157930 - PaleoAmerica 2023
Statement of Retraction: Early Paleoindian Personal Adornment: An example from the Brian D. Jones Site in Avon, Connecticut. PaleoAmerica 9,3, 2023, 242. - https://doi.org/10.1080/20555563.2023.2279406 - Zerres 2021
J. Zerres, Nutzungs- und Publikationsrechte an Grabungsdokumentationen – eine Übersicht zu den Regelungen der Denkmalpflegeämter in Deutschland. Arch. Inf. 44, 2021, 65–70. - https://doi.org/10.11588/ai.2021.1.89124
Dienstag, 15. November 2022
Fachkräftemangel in der Archäologie
Die privatwirtschaftliche Archäologie ist in Deutschland in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. 2021 ist die Zahl der Mitarbeite*innen in der kommerziellen Archäologie um über 10% gewachsen. Für 2021 planen die Firmen weitere Einstellungen mit einer weiteren Steigerung um 14% (Siegmund7 Scherzler 2022).
Die Entwicklung der Grabungsfirmen im Jahr 2021 war durchaus sehr heterogen, doch gab es insgesamt im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von um 12,5 %. Dabei ist nicht nur die Zahl der Mitarbeiter*innen in den Grabungsfirmen angestiegen, sondern es hat sich auch der Anteil der unbefristeten, sozialversicherten Arbeitsverträge deutlich erhöht, während die weniger stabilen Beschäftigungsmodelle rückläufig waren.
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% 2021 |
% 2020 |
% 2019 |
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Unbefristet sozialvers. |
80 % |
67 % |
71 % |
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Saisonkräfte |
8 % |
13 % |
15 % |
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Mitarbeiter auf Werkvertragsbasis |
0 % |
4 % |
1 % |
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Freie Mitarbeiter |
2 % |
7 % |
2 % |
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Studentische Helfer |
10 % |
9 % |
11 % |
Diesen Zahlen liegen die Umfrageergebnisse der DGUF-Befragung zugrunde (Siegmund/ Scherzler 2022), die auch erhoben haben, welche Stellen die Grabngsfirmen im laufenden Jahr besetzen wollen. Demnach werden gesucht:
- 4 % Verwaltungskräfte,
- 13 % Hilfskräfte/Grabungshelfer
- 33 % Facharbeiter,
- 22 % (Grabungs-) Techniker/ techn. Mitarbeiter,
- 28 % Grabungsleiter/wiss. Mitarbeiter
- 0 % Projektleiter und -koordinatoren.
Insgesamt geht es um eine grobe Größenordnung von 200 Stellen. Nach den Erhebungen von Siegmeund, ebenfalls in den Archäologischen Informationen haben 2021 demgegenüber 169 Studierende ihr Studium mit einem Bachelor- oder Mastergrad abgeschlossen.
Es zeichnet sich hier ein Fachkräftemangel ab, der sich indes nicht in der Lohnentwicklung wiederspiegelt. Siegmund/ Scherzler 2022 urteilen im Vergleich der Löhne 2019 und 2021:
"Für wesentliche Mitarbeitergruppen stiegen die Löhne im Vergleich zur Gesamtentwicklung in Deutschland zu gering. Wenn es die Branche in einer Phase steten und starken Wachstums nicht schafft, sukzessive auf ein angemessenes Lohnniveau zu klettern, wird es ihr sehr schwerfallen, die offenbar benötigten zusätzlichen Fachkräfte zu gewinnen resp. sich zu erhalten." (Siegmund/ Scherzler 2022, [S. 5 im early view])
Die gegenwärtige Krisensituation mit anthropogenen Umweltveränderungen,
Coronafolgen, populistisch-nationalistischen Strömungen, Krieg,
Energiekrise, Inflation und vielfältigem Fachkräftemangel macht es
generell schwer, Zukunftsprognosen abzugeben. Aktuell scheint die Situation für Absolvent*innen aber günstig, einen Einstieg in die privatwirtschaftliche Archäologie zu finden. Wie hier die weiteren Aufstiegsmöglichkeiten aussehen, ist zunächst eine andere Frage. Bei der Lohnentwicklung haben die höher qualifizierten Stellen (Grabungstechniker und Grabungsleiter) in den Grabungsfirmen eher schlechter abgeschnitten als die Grabungshelfer und Facharbeiter.
Tatsächlich scheint das zu einer Beobachtung zu passen, die in diesem Semester zumindest in der Bamberger Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit zu machen ist. Aus dem Kontakt mit Studierenden weiss ich, dass einige die Gelegenheit nutzen, Grabungserfahrung zu sammeln und dafür die Fortsetzung des Studiums nach dem BA-Abschluss zurückstellen bzw. das Studium nur in Teilzeit betreiben.
Literatur
- Siegmund/ Scherzler 2022: F. Siegmund/ D. Scherzler, Zu geringes Lohnwachstum trotz Arbeitskräftemangels und zweistelliger Wachstumsraten bei Umsatz und Mitarbeitern – DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2021. Archäologische Informationen 45, 2022, Early View, online publiziert 6. Juni 2022. [PDF]
- Siegmund 2022: F. Siegmund, Die Studierenden- und Absolventenzahlen in den Fächern Ur- und Frühgeschichte sowie Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Jahr 2021. Archäologische Informationen 45, 2922, Early View, online publiziert 14. Juni 2022. [PDF]
Samstag, 16. April 2022
Notgrabung als Selbstzweck: Kontroverse um das „roman quarter Eboracum“ in York
Jutta Zerres
Es ist ein legitimes Anliegen einer Stadt ihre Vergangenheit zu präsentieren, nicht nur aus ideellen, sondern auch aus ökonomischen Gründen und in Sachen Historie und Denkmäler hat die nordenglische Stadt York neben der berühmten Kathedrale einiges zu bieten: Der römerzeitliche Vorgänger Yorks mit Namen „Eboracum“ nahm seinen Anfang unter Kaiser Vespasian als Militärbasis am linken Ufer der Ouse; die Zivilsiedlung lag gegenüber. Am Beginn des 3. Jahrhunderts avancierte letztere zur Kolonie und wurde die Hauptstadt der neu geschaffenen Provinz Britannia inferior. Nach der Reichsreform des Diokletian im Jahre 296 behielt die colonia Eboracensium den Rang als Verwaltungszentrum der neugegründeten Provinz Britannia secunda. Römische Kaiser residierten hier zeitweise: Septimius Severus und Constantius Chlorus, der hier im Jahre 306 verstarb. Seine Truppen riefen dessen Sohn Constantin am Ort zum Kaiser aus. Reste des Legionslagers wurden unter dem York Minster freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Teile der spätrömischen Kastellmauern sind zu besichtigen und eine Therme, eine Basilika, eine Brücke sowie Gräberfelder sind ebenfalls bekannt. Das Yorkshire Museum und die Website „History of York“ zeigen einen Überblick.
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| Die moderne Statue des Kaisers Constantin vor der Kathedrale erinnert an die historische Bedeutung der römischen Stadt Eboracum. (Foto: Son of Groucho [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons) |
Neue Pläne des Unternehmens „Rougier Street Developments“ sehen vor, den Bestand der sichtbaren römischen Denkmäler für Besucher zu erweitern und museal zu erschließen. Dafür soll das „Northern House“, ein schmuckloses Gebäude aus den 1960er Jahren in der Rougier Street, abgerissen werden. Hier befindet man sich topografisch im Herzen der antiken Zivilsiedlung. Nach den Ausgrabungen ist der Bau eines unterirdischen Besucherzentrums namens „Eboracum“ mit thematischem Fokus auf der römischen Vergangenheit geplant. So weit so gut.
Die Kontroverse entzündet sich daran, dass das Besucherzentrums durch den Ersatz des „Northern House“ finanziert werden soll. Die Pläne sehen über dem Museum ein 10-stöckiges Gebäude mit einem Hotel, 153 Wohnungen und Büroflächen vor. „Rougier Street Developments“ und das kommerzielle Archäologie-Unternehmen York Archaeology Trust (YAT), das nicht nur Grabungen durchführt, sondern auch ein Consulting für Bauherren anbietet und Vermittlungsarbeit betreibt, beziffern den Gewinn, den das Projekt über 30 Jahre hinweg generieren mit 315 Millionen Pfund. Hinzu kämen 625 neue Arbeitsplätze.
Wohlgemerkt: Die Befunde und Funde, die präsentiert werden sollen, liegen noch nicht vor, sondern sollen erst durch die Ausgrabungen erschlossen werden. Unter den Kritikern sind die Denkmalschutz-Organisation „Historic England“ und das „Council for British Archaeology“ (CBA). Dessen Geschäftsführer Neil Redfern resümiert bestürzt, dass man also ein Besucherzentrum etablieren und für eben dieses ein sehr großes Loch graben möchte, um das Material zu finden, das dann an Ort und Stelle präsentiert werden soll. Zur Finanzierung des Ganzen sei der Bau eines extrem großen Gebäudes nötig.
Redfern stellt Fragen: Normalerweise würden Archäologen erst dann hinzugezogen, wenn ein Bauprojekt geplant sei und der Bodeneingriff sei nicht größer als nötig. Lediglich ein Drittel des Geländes würde archäologisch erschlossen, was aber geschehe mit dem Rest? In ca. 6 m Tiefe werde man voraussichtlich auf römische Schichten treffen, zuvor müsse man sich jedoch durch angelsächsische und wikingerzeitliche Schichten graben - die sich anderswo im Stadtzentrum als sehr bedeutend und obendrein sehr fundreich erwiesen haben. Im 9. Jahrhundert wurde York zu einem Zentrum der skandinavischen Besiedlung Nordenglands. Das Jórvík Viking Centre ist ein 1984 gegründetes, vom YAT getragenes, sehr erfolgreiches archäologisches Museum der Stadt, das anhand der Coppergate-Grabungen 1976-81 den Alltag der Wikingerzeit präsentiert. Was also passiert, wenn in der Rougier Street herausragende Befunde nachrömischer Zeit auftreten? Kann die geplante Frist von zwei Jahren unter diesen Umständen eingehalten werden? Was soll aus dem Besucherzentrum werden, wenn die erhofften römischen Befunde ausbleiben?
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| Eingang zum Jórvík Viking Center, 19 Coppergate (Foto: Jeremy Bolwell [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons) |
David Jennings, der Geschäftsführer von YAT, entgegnet, dass die Grabungstechniken heute besser seien als vor Jahrzehnten und dass für Ausgräber das Auftreten unerwarteter Situationen zur Praxis gehöre. Die Einhaltung der zweijährigen Frist sieht er daher nicht gefährdet. Der Grund dafür, dass nur ein Drittel des Geländes ausgegraben werde, läge in dem Umstand begründet, dass das „Northern House“ zum Teil auf dem Areal einer alten Tankstelle errichtet wurde. Durch die ehemals tief in der Erde versenkten Tanks wäre bereits ein großer Teil des archäologischen Materials bereits verloren.
Das Dilemma ist klar: Einerseits belegen die Vorgänge, dass Archäologie entgegen der landläufigen Meinung nicht bloß ein notwendiges Übel und lästiger Kostenfaktor ist, sondern selber einen Umsatzfaktor darstellen kann. Andererseits ist es aus der denkmalpflegerischen Perspektive ein „No-Go“ Ausgrabungen durchzuführen mit dem Ziel etwas Vorzeigbares zu finden und kommerziellen Interessen zu dienen.
Allerdings wäre ein normales Investitionsprojekt möglicherweise gar nicht zu verhindern und Ausgrabungen wären dann ohnehin notwendig, aber mit geringerem Engagement des Investors.
Oder geht es letztlich einfach darum, in sensiblem Gelände eine Baugenehmigung zu erhalten?
Links
- York divided over plan for new ‘Roman quarter’ (hotel and 153 flats included). The Guardian (10.4.2022). - https://www.theguardian.com/science/2022/apr/10/york-divided-over-plan-for-new-roman-quarter-hotel-and-153-flats-included (mit Visualisierung des Projekts)
- Plan for flats, hotel and museum ‘will harm York’s historic environment’ say experts. YorkMix (28.3.2022). - https://yorkmix.com/plan-for-flats-hotel-and-museum-will-harm-yorks-historic-environment-says-experts/
- York Roman Quarter: New plans submitted after rejection. BBC News (27.1.2022). - https://www.bbc.com/news/uk-england-south-yorkshire-60153251
- The Roman Quarter - https://northstarim.com/the-roman-quarter
Seite des Projekts - https://de.wikipedia.org/wiki/Eboracum
Freitag, 14. Januar 2022
Wissenschafts- und Publikationsfreiheit für Ausgräber*innen aus der kommerziellen Archäologie
Montag, 11. September 2017
Die Archäologie hat die Marktkrankheit. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen und werfen die Geschichte weg.
| Ausgrabungen in Schweden 2013 (Foto: Västgöten [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons) |
"Oft, besonders bei kleineren Untersuchungen, lautet die Anweisung der Landesregierung, so wenig Funde wie möglich aufzuheben. Formulierungen wie „Es werden keine Funde aufgehoben“ oder „Die Fundeinsammlung wird äußerst restriktiv sein“ sind eher die Regel in den Direktiven. Auch bei den größeren Untersuchungen wird wesentlich mehr weggeworfen als früher." (Übersetzung: unzensuriert.at)
Wir werfen unsere Geschichte weg! [...] Es ist völlig verrückt, aber diese Branche hat die Marktkrankheit bekommen. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen.
Wasser auf die Mühlen rechter Verschwörungstheoretiker
Links
- Schweden spart beim kulturellen Erbe: Archäologische Funde werden oft weggeworfen. unzensuriert.at (7.9.2017). - https://www.unzensuriert.at/content/0024910-Schweden-spart-beim-kulturellen-Erbe-Archaeologische-Funde-werden-oft-weggeworfen
- Fynd från järnåldern går till metallåtervinningen. Sveska Dagbladet (). - https://www.svd.se/fynd-fran-jarnaldern-gar-till-metallatervinningen (beschränkter Zugang)
- Stellungnahme des Riksantikvarieämbetet :
https://www.raa.se/2017/08/om-gallring-av-arkeologiska-fynd-i-falt/ - http://www.epochtimes.de/politik/europa/artefakte-ins-altmetall-funde-aus-der-wikinger-und-eisenzeit-in-schweden-entsorgt-a2205098.html
- Sweden caught destroying ALL new found Viking archeological artifacts. The European Union Times (25.8.2017). - http://www.eutimes.net/2017/08/sweden-caught-destroying-all-new-found-viking-archeological-artifacts/ mit verschwörungstheoretischem und antisemitischem Schwachsinn!
- http://dailywesterner.com/news/2017-08-16/the-war-on-sweden-sweden-erases-own-history-by-turning-viking-artifacts-into-scrap-metal/
- https://www.pressreader.com/sweden/popul%C3%A4r-arkeologi/20161201/281556585413491
Donnerstag, 23. Juli 2015
Die ungewollte Dienstleistung - Verantwortungen in der kommerziellen Archäologie
"Wenn wir als archäologische Arbeitgeber es nicht schaffen, dieser ebenso unsozialen, wie auf Dauer unwirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken und zu verstehen, dass faire Löhne und Preise und Wertschätzung gegenüber unserer eigenen Arbeit und unseren Mitarbeitern der wesentliche Bestandteil unseres Selbstverständnisses und ökonomischen Überlebens sind, wird die privatwirtschaftliche Archäologie keine Zukunft haben. Der privatwirtschaftlichen Archäologie muss die Wertschätzung entgegengebracht werden, die ihrer gesellschaftlichen Aufgabe entspricht, nämlich zu helfen, unwiederbringlich verlorengehendes, kulturelles, historisches Erbe zu sichern, zu dokumentiern und weiterzugeben."
Dienstag, 18. Dezember 2012
Falsches Signal: Kolumbien gibt Wracks zur Plünderung frei
- El tiempo.com (9.12.2012): Aprueban polémico proyecto de ley de patrimonio sumergido
- abc.es (11.12.2012): Columbia aprueba la ley de patrimonio que mermite vender el oro de los galeones
Zum Archäologenprotest:
Freitag, 10. August 2012
Sponsoring für Captain Morgan
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| Blick auf die Bucht von Portobelo, in der Schiffe der Flotte Henry Morgans liegen links Teile des Befestigung (Foto R. Schreg, 2004) |
Das Projekt läuft in Kooperation mit Panamaischen Behörden und Institutionen - und wird von einer US-Firma 'hochprozentig' finanziert.
Siehe dazu auch die fb-Seite des Unternehmens, das Werbung damit macht - Slogan: "Be careful with that, boys".
Im Unterschied zu manch anderen Bergungsunternehmungen sind hier tatsächlich Fachleute involviert und die Finanzierung ist nicht auf den Erlös der Funde angewiesen. Die Funde verbleiben im Land und werden durch das Patronato Panama Viejo restauriert.
Links
- 3news/ reuters v. 5.8.2011: Henry Morgan's 1671 ship hull and chests rediscovered
- archaeologydaily.com: v. 1.3.2011: More on Henry Morgans cannons found in Panama, archaeologists say
- CNN v. 31.7.2012: Captain Morgan's treasure unearthed in Panama
- The Search for Captain Henry Morgan's Lost Fleet
- TVN-2 (v.19.7.2012): Beitrag der Serie 'Héroes' über Jacinto Almendra, den Restaurator der Kanonen des Henry Morgan im Patronato Panama Viejo (spanisch)
- PanamaAmerica (v. 5.8.2012): Rescatan objetos de un navío cuyo dueño pudo ser Morgan (spanisch)
- Kanonen für Südkorea - zum Diebstahl von Kanonen auf Fort Lorenzo
- 340 Jahre später: Henry Morgans Kanonen erreichen Panamá la Vieja
- Die Odyssee der HMS Victory - ein politisches Wrack (M. Blobel)
- Schatzjäger - Beutezüge am Meeresgrund (Hinweis auf eine WDR-Dokumentation, die beim wdr inzwischen nicht mehr verlinkt ist. Der Direktlink auf den podcast funktioniert aber noch.)
- allg. Beiträge zur Unterwasserarchäologie auf Archaeologik
Montag, 1. August 2011
Kommerzielle Archäologie in der Krise
2007: 1709 Beschäftigte
2009: 248 Beschäftigte
2011: noch weniger
Grabungslizenzen:
2006: 2000
2011: 280
Mittwoch, 15. Juni 2011
Schatzsuche im Meer
siehe Streit um Ausstellung eines geplünderten Schiffswracks
Donnerstag, 19. Mai 2011
»Wissenschaft lebt von Aufträgen. In Aufträgen dokumentiert sich Nachfrage.«
Und doch: Ist Archäologie als Dienstleistung denkbar? Wer beauftragt die Archäologen? - mal vom Verursacher bei der Rettungsgrabung abgesehen, der das selten so ganz frewillig macht? Wie unabhängig sind archäologische Forschungen?



