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Samstag, 12. September 2026

Antiken und das doppelte Gesicht von ICE

In der Region Tampa im US-Bundesstaat Florida wurde ein illegales Schmuggel-Depot mit mehr als 22.000 antiken Objekten ausgehoben.  
 

Die Rolle von ICE 

Die offizielle Bekanntgabe der Beschlagnahmung erfolgte Ende August 2026. durch ICE (Immigration and Customs Enforcement), jener US-Bundestruppe, die in den letzten Monaten auf Weisung von POTUS Don. Trump mit Terrormethoden gegen Immigranten vorgeht und nun schon mehrere Tote zu verantworten hat, von denen Renée Nicole Good nur diejenige ist, die am meisten Aufmerksamkeit gefunden hat, weil ihre Ermordung im Video dokumentiert ist. Aktuell gibt es in den USA Ankündigungen, dass ICE in den Wahllokalen der Midtermwahlen im November Festnahmen durchführen würde (dazu hier) - ein angekündigter Rechtsbruch, der aber genug Angst verbreiten könnte, um die Wahlen zu beeinflussen. ICE entwickelt sich zu einer hochgerüsteten paramilitärischen Truppe, wie sie für faschistische Systeme charakteristisch ist (dazu schon Arendt 1955) und die vor allem der Einschüchterung der eigenen Bevölkerung dient (dazu hier; Samaras 2026). Ihre unkontrollierte Gewalt gegen Zivilisten schwebt auch hierzulande einigen Rechtspopulisten der AfD vor Augen. Wenn hier die Rüstungsindustrie als relevant für Remigration angesehen wird, so muss man sich auf geplante Gewalt einrichten (dazu hier und hier)

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ist neben dem Migrationsrecht auch für die Bekämpfung von grenzüberschreitender Kriminalität wie Schmuggel, Menschenhandel und Geldwäsche zuständig. Über ihre spezialisierte Ermittlungseinheit Homeland Security Investigations (HSI) ist sie für Antiken zuständig, da der illegale Handel mit geraubten Kulturgütern über internationale Grenzen hinweg gegen US-Zollgesetze verstößt und da kriminelle und terroristische Netzwerke den Schmuggel von Antiken häufig zur Geldwäsche oder Finanzierung nutzen.
[5]
ICE sieht sich in den USA inzwischen mit einem zivilgesellschaftlichen Ungehorsam konfrontiert, der Nachbarn zu schützen sucht. In seiner PR-Arbeit versucht ICE sein Image aufzubessern und seine Legitimität unter Beweis zu stellen.
Leider kommt hier nun der prinzipiell zu begrüßende Kampf gegen die internationale Antikenhehlerei ins Spiel. Medienwirksam inszenierte Rückgabe-Zeremonien mit Botschaftern, Kuratoren und antiken Schätzen bringen ICE positive Schlagzeilen.  Das Narrativ einer "Retterin der Weltkultur", lenkt von Internierungslagern, Familientrennungen und Gewalt ab. Das ist dasselbe Propagandamuster, das wir in vielen Situationen etwa in Syrien kennen gelernt haben, wo sich Russland in Palmyra als Kulturretter inszeniert hat (Archaeologik 1.10.2015).
ICE verfügt mit der spezialisierten Ermittlungsabteilung HSI (Homeland Security Investigations) über das Programm für Kulturgüter, Kunst und Antiquitäten (Cultural Property, Art and Antiquities, CPAA), die im Kampf gegen die weltweite Antikenhehlerei in letzter Zeit einige Erfolge aufweisen kann.

Das Antikenlager in Florida 

Der aktuelle Fund in Florida stellt zwar einen der größten Schläge von ICE/ HSI dar, ist aber bei weitem nicht der einzige Fall. In Tampa, Florida wurden nach Medienberichten über 22.000 antike Artefakte sichergestellt, die aus Europa, Afrika und dem Mittelmeerraum stammen. Unter den Stücken befanden sich nach Medienangaben antike griechische und römische Münzen, byzantinisches Glas, Schmuck, Keilschrifttäfelchen und -zylinder, Terrakottafiguren, Gefäße, Statuen und Mosaike. Laut ICE stammen die Funde aus illegalen Grabungen und Museumsdiebstählen in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Aktuell arbeiten Archäologen der University of South Florida und der University of Pennsylvania unter Hochdruck daran, jedes einzelne Stück zu zertifizieren.
Glas- und Keramikfunde aus der Sicherstellung in Tampa
(Foto: ICE, PD, via ICE)

 
Die veröffentlichten Bilder lassen in der Tat ein großes Spektrum unterschiedlichster Fundobjekte erkennen, darunter auch solche, die nach meiner Einschätzung aus Syrien oder der Ukraine stammen könnten. Das stützt die These, dass Raubgrabungsfunde verzögert auf den Markt kommen und zunächst, entweder nahe ihrer Herkunftsgebiete oder aber schon in Händen der Hehler und Schmuggler über Jahren eingelagert werden, bevor Gras über die Konflikte gewachsen ist - oder die Politik ältere Funde mal wieder durch Anpassung der gesetzlichen Fristen legalisiert. 

Rückgaben

Sobald die strafrechtlichen Ermittlungen und Eigentumsprüfungen abgeschlossen sind, übergibt die US-Regierung die Raubkunst im Rahmen formeller Zeremonien an die Herkunftsländer. Zu den bedeutendsten Rückgaben der letzten Jahre gehören:
In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium gab HSI im Mai 2026 26 antike Artefakte an die Republik Griechenland zurück. Das Prunkstück der Rückgabe war ein rund 250 Kilo schwerer Marmortorso von Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst. Zudem wurden 25 seltene antike Münzen übergeben, die bis in die griechische, römische und byzantinische Epoche zurückreichen. 
 
Asklepios-Statue
(Foto: ICE, PD via WikimediaCommons)


Ebenfalls im Mai übergab die HSI-Dienststelle in El Paso in einer feierlichen Restitution eine Vielzahl präkolumbianischer Artefakte und Kolonialgüter an die mexikanische Regierung. 
In Washington wurden im Januar 2026 sieben wertvolle Artefakte an die ägyptische Botschaft restituiert. Darunter befanden sich zwei mumifizierte Fische sowie ein Falkenkopf aus der Ptolemäerzeit (304–30 v. Chr.) sowie ein Amulett des Gottes Set und ein Herzskarabäus aus Basalt. 
HSI New York gab im Februar 2025 gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Manhattan 133 antike Kunstschätze an Pakistan zurück. Die Stücke stammten größtenteils aus Beschlagnahmungen rund um illegale Kunsthändlerringe. 

Rückgaben gab es bereits vor Trumps zweiter Präsidentschaft, unter anderem an Indien, den Jemen, Zypern, Italien und Frankreich. Insgesamt hat das HSI-Kulturgüterschutzprogramm seit seiner Gründung im Jahr 2007 weit über 20.000 Objekte in mehr als 40 Länder weltweit zurückgebracht. 

Es ist schade, dass die notwendige Verfolgung der Antikenhehler nun einen Beigeschmack bekommt und diese Arbeit auch dazu dient, die dunkle Seite von ICE zu relativieren.


Quellen

  • Offizielle Pressemitteilungen ICE/HSI

Literatur

  • H. Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft (Frankfurt 1955). 
  • G. Samaras, ICE as domestic state terror: operation Metro Surge and the production of fear in Minneapolis. Critical Studies on Terrorism 19/3, 2026, 811–828. - doi: https://doi.org/10.1080/17539153.2026.2686525

Sonntag, 6. September 2026

Wissenschaft schließt - Parawissenschaft kassiert (und verdummt)

Ja, ich weiß, Archäolog*innen beschäftigen sich normalerweise nicht mit Dinosauriern. Trotzdem lohnt es sich, zu registrieren, was aktuell in Philadelphia mit jenem Museum passiert, das 1868 erstmals wissenschaftlich ein Dinosaurierskelett der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Im Museum der Academy of Natural Sciences in Philadelphia (USA) wurde 1868 das Skelett des Hadrosaurus foulkii enthüllt. Dieses Fossil ist 10 Jahre zuvor in New Jersey gefunden worden. Der Paläontologe Joseph Leidy und ‚Paläokünstler’ Waterhouse Hawkins montierten das Skelett erstmals in aufrechter Haltung. Diese Ausstellung löste den ersten kolossalen, weltweiten Massenansturm („Dinomanie“) in einem Museum aus.

Ende September 2026 schließt in den USA das älteste Naturkundemuseum in den Amerikas (gegr. 1812, für Publikum geöffnet 1828) seine Pforten.

Die Schließung des Publikumsbetriebs des Museums der Philadelphia Academy of Natural Sciences  ist primär auf lokale wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen – insbesondere auf das hohe strukturelle Defizit der Trägeruniversität, gestiegene Betriebskosten und den anhaltenden Rückgang der Besucherzahlen seit der Pandemie. Die Sammlung soll erhalten bleiben, wird aber nicht mehr öffentlich zugänglich sein. 


 Saurierskelett im bald ehemaligen Museum in Philadelphia
(Foto: Daderot - Public Domain, via WikimediaCommons)


Förderung antiwissenschaftlicher Institutionen

Die Schließung in Philadelphia ist keine direkte politische Zensurmaßnahme der Republikaner. Unter den weißen evangelikalen Christen, die die Basis der Trump'schen MAGA-Bewegung bilden, sind kreationistische Ansichten zwar weit verbreitet, aber entgegen einem populären Klischee leugnen die meisten modernen Kreationisten die Existenz von Dinosauriern aber nicht. Stattdessen argumentieren sie, dass Dinosaurier zeitgleich mit den Menschen erschaffen wurden und während der Sintflut ausstarben. Die Erde sei insgesamt  nur erst etwa 6.000 bis 10.000 Jahre alt. Institutionen wie das bekannte Creation Museum in Kentucky stellen diese Koexistenz explizit dar. Ein Diorama dort zeigt neben Dinosauriern spielende Menschenkinder (Link zu Abb.). Die Evolution  des Menschen von gemeinsamen Vorfahren mit anderen Primaten wird strikt abgelehnt, da sie dem Glauben an eine göttliche Schöpfung nach Gottes Ebenbild widerspräche. 

Das 2007 eröffnete Creation Museum in Petersburg, Kentucky, steht im Gegensatz zur Academy finanziell auf einer sehr stabilen Basis. Betreiber ist die Non-Profit-Organisation Answers in Genesis. Sie ist Teil eines schuldenfrei expandierenden religiösen Unternehmens mit einer bundesweit mobilisierbaren, spendenstarken Anhängerschaft. Die finanzielle Basis speist sich aus zwei Quellen: einem anhaltend starken Ticket- und Merchandise-Verkauf sowie einem enormen Aufkommen an privaten Großspenden. Die Mutterorganisation generiert jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge.[AiG].

Der eigentliche Unterschied zu Philadelphia liegt weniger in der Gemeinnützigkeit – wie die Academy ist auch das Creation Museum von der Bundes-Einkommensteuer befreit, das ist für Museen in den USA normal – sondern im Zwillingsprojekt Ark Encounter in Williamstown, Kentucky. Der Themenpark mit der überdimensionalen Arche Noah wird über eine gewinnorientierte LLC (so was ähnliches wie eine GmbH) betrieben. Kentucky hatte ihm die ursprünglich zugesagte Tourismusförderung zunächst entzogen, mit der Begründung, staatliche Anreize dürften nicht zur Finanzierung religiöser Indoktrination dienen. Dagegen klagte AiG und bekam Recht. Vertreten wurde die Organisation damals pro bono von Mike Johnson, heute Sprecher des US-Repräsentantenhauses und enger Verbündeter von POTUS Don. Trump.

Als anerkannte Tourismusattraktion wurde der Ark Encounter für bis zu 18,25 Mio. Dollar an Förderung zugelassen – nicht als direkter Zuschuss, sondern als leistungsabhängige Rückerstattung der von Besuchern vor Ort gezahlten Umsatzsteuer auf Eintritt, Gastronomie, Souvenirs und Übernachtung. Das MAGA-Lager, die religiöse Rechte und die konservativen Republikaner in Kentucky, haben diese Förderung politisch stets massiv verteidigt, indem sie die Parks nicht als religiöse Indoktrination, sondern als reine „wirtschaftliche Jobmotoren“ für den lokalen Tourismus deklarierten. Kentucky hat aktuell zwar mit Andy Beshear einen demokratischen Gouverneur, aber eine überwältigende republikanische Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, die dieses Modell stützt.

 

Antiwissenschaftsklima und Kulturförderung 

Obwohl die Museumsschließung in Philadelphia nicht unter direktem politischem Druck geschieht, ist sie Ausdruck der zunehmend prekären wirtschaftlichen Lage von Bildungseinrichtungen in einem politischen Klima, in dem die öffentliche Finanzierung von Wissenschaft und Kultur unter dem Druck der ideologischen und budgetären Polarisation der USA steht. Im März 2025 hat das Bildungsministerium unter Trump der Drexel University (zusammen mit der Temple University) offiziell damit gedroht, Bundesmittel zu streichen. Grund dafür waren vornehmlich Untersuchungen im Nachgang der pro-palästinensischen Proteste und Campus-Camps, die die Trump-Administration vielerorts instrumentalisiert hat, um die Universitäten auf ihre DEI-Linie zu zwingen.

Themen, die MAGA nicht passen, geraten in den USA vermehrt in den Fokus politischer Budgetdebatten. Das gilt insbesondere auch für öffentlich geförderte Universitäten und mit ihnen verknüpfte wissenschaftliche und kulturelle Institutionen. 

Konservative Plattformen und Politiker argumentieren häufig, dass sich Institutionen durch Ticketverkäufe oder private Spenden selbst tragen müsdten, sich andernfalls neu ausrichten, sich verkleinern oder schließen müssten. Aus Kreisen der MAGA-Bewegung wird die staatliche Subventionierung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen oft kritisch hinterfragt, da diese als Teil eines „liberalen akademischen Establishments“ wahrgenommen werden. Im Zuge der Schließung in Philadelphia warnten Kritiker und Wissenschaftsaktivisten in lokalen Foren, dass der Rückzug aus der öffentlichen Wissenschaftskommunikation genau in eine Zeit passe, in der Bundesmittel für Forschung und öffentliche Gesundheit zur Disposition stehen. 
Das ist keine ganz neue Entwicklung unter Don. Trump, wie etwa die Vorgänge um das Illinois State Museum 2015 oder republikanische Einmischung in Förderungen der NSF 2014 zeigen.

Gerade jetzt, wo es gilt Bildungsangebote zu fördern, um gegen antiwissenschaftlichen Unsinn anzugehen, kommt solch eine Schließung zur Unzeit und so wird sie in der US-Öffentlichkeit und in akademischen Kreisen zurecht politisiert. 


Neue Perspektiven für die Saurier?

Philadelphias Bürger, Wissenschaftler und lokale Politiker reagierten schockiert über den Verlust dieses über 200 Jahre alten Kulturguts. Kritiker warfen Drexel Missmanagement vor und warnten davor, das öffentliche Gut einfach „aufzugeben“. 
Um eine Eskalation abzuwenden, schalteten sich der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, und Philadelphias Bürgermeisterin, Cherelle Parker, ein. Sie setzten einen unabhängigen Vermittler (den Diplomaten David L. Cohen) ein, um eine neue Vereinbarung zwischen Drexel und dem Museumsvorstand zu verhandeln. Dadurch wurde kurz vor der Schließung dahingehend ein Kompromiss vorgeschlagen, dass das öffentliche Gebäude am Parkway zwar wie geplant Ende September 2026 geräumt wird, aber der Museumsvorstand das vertragliche Recht erhält, sich komplett von Drexel zu lösen, falls er neue Partner oder Geldgeber findet, um die Sammlung in Zukunft an einem anderen (kleineren) Ort wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Paradox!

Die Schließung ist keine kulturpolitische Hinrichtung durch MAGA, sondern ein schleichender Tod aus Unterfinanzierung, Besucherschwund und Universitätskrise. Gerade deshalb ist sie politisch. Während eine 213 Jahre alte Institution, die das erste freistehende Dinosaurierskelett der Welt zeigte und damit Wissenschaft sinnlich machte, ihre Pforten nicht mehr offen halten kann, expandiert wenige Bundesstaaten weiter ein religiöses Freizeitunternehmen schuldenfrei – getragen von Großspenden, Merch und gezielt erkämpften Steuervorteilen.

Was in Philadelphia verloren geht, ist nicht nur ein Haus mit Dinosauriern, sondern das Prinzip des authentischen Objekts – das Jefferson-Fossil, das Lewis-und-Clark-Herbarium, das Hadrosaurus-Original, an dem man Fragen lernen konnte. Archäologie und Paläontologie teilen dieses Pfund: Wir erklären die Welt nicht mit Dioramen von spielenden Kindern neben Triceratops, sondern mit Befunden, die wirklich da waren, die wir kontextualisieren und mit denen wir rekonstruieren. Wenn die öffentliche Hand diese Orte nicht mehr finanziert, überlässt sie das Deutungsmonopol jenen, die es sich leisten können und deren Interesse primär nicht der Bildung und dem Wohlergehen Aller ist. Kommerzialisierung von Museen und Bildungseinrichtungen  macht Bildung zur Ware, deren Preis andere festsetzen. Freies Phantasieren ist auch kostengünstiger als faktenorientierte wissenschaftliche Forschung. 

Alter Ruhm schützt nicht. Öffentliche Relevanz muss immer wieder erkämpft werden – und gerade dafür sind Museen wichtig. Das Problem ist, dass das Geld der Milliardäre und Populisten eher in lukrative Geschäfte wie kommerzielle Freízeitangebote anstatt in Bildung fließt, die ja auch kritisches Nachfragen provozieren könnte. Das Creation Museum verfügt über ganz andere finanzielle Ressourcen um eine Ausstellung zu inszenieren - und hat auch weniger Skrupel, konkrete Bilder zu präsentieren, als das seriöse Wissenschaftler*innen haben, die stets abwägen, welches Bild auch belegbar oder zumindest plausibel ist. 

Es ist paradox: Das Museum, das schon 1868 zum Pionier moderner Wissenschaft wurde und nebenbei die Dinomanie erfand, muss schließen, weil zu wenige kommen. Das 'Museum', das Wissenschaft mit Füßen tritt und Dinos als Gefährten des Menschen zeigt, boomt bei den Besuchern. 

Das ist ein Fall aus der USA, aber auch in Deutschland sind die Wissenschaftsverweigerer im Kommen.  Stabil bleiben und zumindest mit seriöser, transparenter Forschung gegenhalten!


Quellen

Academy of Natural Sciences in Philadelphia 

Kreationismus-Museum Kentucky

 Wissenschaftsklima in den USA

 Interne Links


Samstag, 29. August 2026

Hitler entsorgen - Dachboden- und Kellerfunde und das Erinnern

Noch ein Jahr lang ist im vorarlberg museum in Bregenz unter dem Titel „Baustelle Erinnerung | Hitler entsorgen“ eine vom Haus der Geschichte Österreichs hdgö übernommene Ausstellung zum Umgang mit NS-Objekten zu sehen. Sie lädt den Besucher ein, sich mit Familienerbstücken bewusst auseinanderzusetzen - ausgehend von der Frage „aufbewahren, verkaufen, zerstören?“

Die Ausstellung „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“ wurde schon ab 2018 konzipiert und zunächst 2021-2023 im Hdgö in Wien, dann in Innsbruck und Klagenfurt sowie zuletzt auf der Franzensfeste präsentiert. In der Festung Franzensfeste im italienischen Südtirol wurde die Ausstellung um eine regionale Perspektive „Mussolini entsorgen“ erweitert, die Südtirols Geschichte im Kontext von Faschismus und Nationalsozialismus beleuchtet. 

In Österreich, aber auch in Deutschland hat die Ausstellung einige Aufmerksamkeit und in der Regel positive Resonanz gefunden.


Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen.


  • M. Sommer (Hrsg.), Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum = Disposing of Hitler : out of the cellar, into the museum (Wien 2021). ISBN 9783010000505


Mit einer Alpen-Exkursion der Bamberger AMANZ 2025, die einen Schwerpunkt auf der Neuzeitarchäologie hatte, haben wir die Ausstellung in der Franzens-Feste besucht. Zu Beginn und am Ende wurden die Besucher gebeten, auf Papierkärtchen ihre Meinung festzuhalten. Als wir da waren, hat sich das Meinungsbild zum Ende der Ausstellung sehr eindeutig zum Aufbewahren und kritischem Erinnern verschoben. Neben Computerstationen sind in der Ausstellung vor allem die analog gestalteten Informationen und Interaktionen positiv hervorzuheben. Die Besucherinnen und Besucher werden damit dazu angehalten, nicht nur passiv zu konsumieren, sondern sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Es geht vorrangig um die Frage nach dem Umgang mit Relikten der NS-Zeit in Privatbesitz. Vieles taucht im Nachlass von Eltern und Großeltern auf. Geht es nicht um schriftliche Zeugnisse, sondern um Objekte, fehlt oft ein Kontext. Das gilt insbesondere für die NS-Objekte, die angeblich als historische Zeugnisse im Internet gehandelt werden - vielfach, aber genau diesen Zeugniswert durch eine Entkontextualisierung verloren haben und nun doch eher als gruselige Nazi-Devotionalien erscheinen.

Hier setzt die Ausstellung an. „Was tun mit Überbleibseln des Nationalsozialismus? Bewahren, entsorgen oder verkaufen? Die vom Haus der Geschichte Österreich (hdgö) konzipierte Ausstellung beleuchtet den Umgang mit NS-Relikten und fragt nach der gesellschaftlichen Verantwortung im Umgang mit diesen Objekten.“

Die Ausstellung zeigt exemplarisch Objekte der NS-Zeit, von denen die meisten beim hdgö in Wien abgegeben wurden. Dabei präsentiert die Ausstellung auch genau diese Abgabe, indem die Verpackungen, in denen die Objekte eingeliefert wurden, ebenso präsentiert werden wie die Begleitschreiben. Sie verraten viel über den unsicheren Umgang mit diesem Erbe. Eine dieser Verpackungen ist zum Symbolbild der Ausstellung geworden: das Filmschächtelchen beschriftet mit „Nazi Dreck“

An zahlreichen Objekten wurden Leitfragen entwickelt und beantwortet.Stets wird deutlich, dass die Objekte im Kontext zu sehen sind (was bei vielen archäologischen Ausstellungen bis heute nicht passiert). Zu jedem einzelnen Objekt wird gefragt:

  • Was ist dieses Objekt?
  • Wofür steht dieses Objekt?
  • Wer verwendete dieses Objekt auf welche Art und Weise?
  • Was wird über dieses Objekt erzählt?
  • Wie kann dieses Objekt im Museum verwendet werden?

Die gezeigten Objekte sind mehr als historische Relikte - sie regen zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Ideologie, Politik und persönlichen Erinnerungen an.

In Österreich hat die Thematik noch mal eine besondere Brisanz, da seit 2023 verschärfte Bestimmungen im Verbotsgesetz zu Verharmlosung des Holocaust gelten. Sie sehen vor, dass NS-Devotionalien - Originale oder moderne Schöpfungen - eingezogen und vernichtet werden können. Sammler und Konservative beklagen diese Regelungen als Enteignung oder Geschichtsvernichtung. Sie kolportieren, der Besitz von NS-Objekten sei generell verboten und Opas Fotoalbum müsse abgegeben und vernichtet werden.

Tatsächlich reagiert die gesetzliche Regelungen “vor allem auf Fälle, in denen Personen "ganze Keller voll" an NS-Devotionalien gehortet hätten, ohne dass ihnen diese bislang entzogen werden konnte.” Es geht lediglich um solche Fälle, bei denen nicht gewährleistet ist, dass “der Verfügungsberechtigte (…) Gewähr dafür (bietet), dass die Gegenstände nicht zur Begehung strafbarer Handlungen verwendet werden.” Strafbare Handlungen sind in diesem Kontext irgendwie geartete Betätigungen “für die NSDAP oder ihre Ziele”. Das Gesetz richtet sich gegen Alt- und Neonazis, wobei eine Einziehung der Objekte auch dann möglich ist, wenn es diesbezüglich nicht zu einer Verurteilung kommt. Gerichtlich kann dann auch bei einem Freispruch eine Einziehung bestimmt werden. Sammler, die in den Verdacht geraten, rechte Positionen zu vertreten (oder die der Faszination des Bösen verfallen sind und keine Distanzierung erkennen lassen) laufen Gefahr, dass ihre Sammlung eingezogen werden könnte. 

In Deutschland geht solches derzeit nicht, wie der Fall des AfD-Landtagsabgeordneten Daniel Halemba zeigt. Die Staatsanwaltschaft hat Klage wegen Volksverhetzung, Geldwäsche, Sachbeschädigung, Nötigung und versuchter Nötigung erhoben. Eine Anklage wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen wurde vom Gericht aber nicht zugelassen. In seinem Zimmer in einer Würzburger Studentenverbindung soll er einen von Heinrich Himmler aus dem Jahr 1939 stammenden SS-Befehl zur Schau gestellt haben. Da er den SS-Befehl nicht öffentlich gezeigt habe, ist keine Strafbarkeit gegeben. Mit der österreichischen Regelung wäre hier nun - trotz Unschuldsvermutung, ausbleibender Anklage und ggf. auch Freispruch in den Anklagepunkten - gerichtlich eine Einziehung des SS-Befehls möglich. Eine automatische Vernichtung scheint nicht vorgesehen, denn richtig kontextualisiert kann Nazi-Dreck eben auch wichtige Quelle oder Erinnerungsmal sein.

Die Ausstellung thematisierte jedenfalls auf der Franzensfeste diese eher juristischen Aspekte nur am Rande, beschäftigt aber die Sammler, die wir bei der Exkursion kennen gelernt haben, sehr. Sie sehen eine tatsächlich eingetretene Verunsicherung im Umgang mit historischen Dokumenten der NS-Zeit in Familienbesitz, sehen das Risiko des Verlustes, aber auch die Bildung eines Schwarzmarktes mit erhöhten Preisen,

Familienalbum aus NS-Zeit, Reichsparteitag Septt. 1935
(Privatbesitz)

 

In Bregenz ist die Ausstellung nun in eine größere Landesausstellung „Baustelle Erinnerung“ eingebettet. Sie präsentiert die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus als eine Baustelle und gemeinsame Verantwortung. Drei weitere Ausstellungsteile betreffen das Trachtenwesen, den NS-Kunst- und Ausstellungsbetrieb sowie die Südtiroler Siedlungen im Zuge des Hitler-Mussolini-Abkommens.

Mit der im Jahr 1939 gegründeten „Mittelstelle Deutsche Tracht“ in Innsbruck wurde die sogenannte Trachtenerneuerung systematisch organisiert. Tracht wurde im Nationalsozialismus zur Definition verwendet, wer dazugehören durfte - und wer nicht: Bereits ab Mitte 1938 galt ein Trachtenverbot für Juden in Vorarlberg und Tirol.

Das Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit, die mit ihren Millionen Toten das normale Vorstellungsmaß so dermaßen sprengen, gestaltet sich extrem schwierig, kaum da die Zeitzeugen weitgehend weg gestorben sind. Angesichts der aktuellen Wahlergebnisse (oder bisher Prognosen) wird auch deutlich, dass man mit bisherigen Konzepten nicht zufrieden sein kann. Ohne Zeitzeugen wird das noch schwieriger und es wird nötig sein, die Objekte dazu besser heranzuziehen. Dabei gilt es, Anknüpfungspunkte zu schaffen - durch die Familiengeschichte und die Dachbodenfunde, aber auh durch archäologische Ausgrabungen, wo es eine Herausforderung für die Denkmalpflege geben wird, zu begreifen, dass die Ausgrabung hier selbst die entscheidende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sein kann. Schützen für die Zukunft ist hier nicht sehr plausibel, wenn es jetzt heißen mus: Nie wieder!

Literatur

  • Franz-Stefan Meissel, Umgang mit einem schwierigen Erbe Österreichs NS-Zeit und das Recht (Wien 2025). - ISBN 978-3-214-26057-6
  • L. Beckershaus/ M. Fösl/ L. Langeder, “Hitler entsorgen” - oder soll das ins Museum? In: D. Döring/ M. Vöhringer (Hrsg.), Friktionen kuratieren. Für eine politische Wissensgeschichte des Ausstellens (Bielefeld 2025) 267-285. - DOI: https://doi.org/10.14361/9783839468838-018
  • Monika Sommer (Hrsg.), Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum. (Wien 2021). -
  • Louise Beckershaus / Stefan Benedik / Markus Fösl / Laura Langeder /Eva Meran / Monika Sommer, Aura versus Dialogue. Displaying Nazi Objects in the Exhibition. Disposing of Hitler: Out of the Cellar, Into the Museum. OeZG 34, 2023, S. 266-277. - DOI: https://doi.org/10.25365/oezg-2023-34-1-13
  • Chloe Paver, “Wartime” Ephemera from the Family Home in German and Austrian History Museums: A Counterexample to the British Case. Genealogy 2024, 8(2), 70 . - Doi: https://doi.org/10.3390/genealogy8020070

Links


Samstag, 1. August 2026

Trump lässt die Maler kommen!

POTUS Don. Trump hat in seiner Genialität eine neue Idee, wie man Denkmäler aufhübscht. Er will das steinsichtige Eisenhower Executive Office Building weiß-silbern streichen. Das ganze soll im Kontext seines Arch de Trump ein neues Farbkonzept für Washington etablieren.

Der Eingriff am Gebäude unterliegt eigentlich der Genehmigung der Denkmalschutzbehörden. Trump will das mit präsidentieller Macht umgehen und seine Malertruppe entsenden. 

Die Anwaltsfirma  Cultural Heritage Partners will eine einstweilige Verfügung erwirken, da hier kein Präzendezfall entstehen darf, wonach der Präsident ohne jede Expertise an Denkmälern rumpfuschen darf.

Letztlich geht es aber um weit mehr als den Denkmalschutz. Es ist ein erneuter Versuch von POTUS Don Trump, seine Machtbefugnisse auszudehnen. Es würde hier ein Präzedenzfall geschaffen, wonach der Präsident nach Belieben Gesetze und Verfahren umgehen könnte. Fast gewinnt man den Eindruck, dass die Denkmalpflege ihm hier als Experimentierfeld dient, bei dem zu erwarten ist, dass es nur geringe Aufmerksamkeit und Resonanz findet - Und seine Präzedenzfälle kaum Beachtung finden.

Die bisherigen Erfahrungen mit Trumps Malern waren ja nicht besonders gut. Vielleicht wird die Farbe diesmal ja rosa und blättert auch nach zwei Tagen ab...

Interne Links zu Donald Trumps Geschichtspolitik

 

 


Dienstag, 21. Juli 2026

Das Fightback der Denkmalanwälte gegen die Trump'sche Aushebelung des Denkmalschutzes in den USA

POTUS Don. Trump hatte zuletzt Ärger mit dem Denkmalschutz (vgl Archaeologik 1.4.2026; . Archaeologik 12.6.2026;  Archaeologik 13.6.2026), der ihm den Megaproloballsaal am Weißen Haus gestoppt  hat und Bedenken gegen  den Trumpbogen vorgebracht hat. 

Jetzt versucht die Trumpregierung den Denkmalschutz zu stutzen und die Konsultationen, die sie illegal umgangen hat, zu streichen.

Überraschend kommt das nicht. 

Die Anwaltskanzlei Cultural Heritage Partners in Richmond hat sich auf Denkmalschutz spezialisiert - und konstatiert  “Cultural Heritage is a Human Right”. Daher ergänzt sich dies mit ihrem zweiten Schwerpunkt, "Tribal Nations Practice". Die Kanzlei ist Partei in den Auseinandersetzungen um das Kennedy-Center, das Trump mit seinem Namen vereinnahmen wollte, sie war - erfolgreich - Klägerin gegen das Entfernen von Denkmälern, die Trump zu woke waren und führt nun ein "Fightback" gegen die Bemühungen der Trump-Administration den Denkmalschutz auszuhebeln.

Verfahrenabläufe sollen verschlankt werden, Definitionen werden verändert. "This Is Worse Than Many of Us Feared. These draft revisions would effectively eliminate the consultative Section 106 process as we know it — the process that has protected historic places for nearly 60 years" (STRATEGY SESSION ACHP's Proposed Rewrite of the Section 106 Regulations. Cultural Heritage Partnershttps://culturalheritagepartners.com/wp-content/uploads/2026/07/20260720_finalppt_106regs.pdf).  

Die Abläufe der Demkmalpflege sind in den USA anders als in Deutschand und sehen in der Regel einen komplexen Konsultationsprozess vor ("Section 106"), insbesondere, wenn der Staat involviert ist. Bisher vorgeschriebene Konsultationen werden in das Belieben der koordinierenden Behörde ADVISORY COUNCIL ON HISTORIC PRESERVATION (ACHP) gestellt, weniger Baumaßnahmen würden begutachtet (staatliche Vorhaben generell ausgenommen) und die Kriterien, was als historisch wertvoll gilt deutlich verengt. Kulturlandschaften (in den USA für die tribal Nations von besonderer Bedeutung) würden wegfallen, denkmäler müssen  “geographically compact” sein, was in der Bedeutung recht unklar ist, aber weit verteilte ländliche Strukturen wie auch große urbane Strukturen ebenso ausschließen dürfte, wie vielleicht auch archäologische Fundstellen. Auf letzteres gehen Cultural Heritage Partners leider nicht ein, obwohl die Kanzlei mehrere Archäologinnen in ihrem Team hat. Ob überhaupt ein Prüfungsprozess begonnen wird, soll unter eine Kostenabwägung gestellt werden.

Bei Infrastrukturprojekten, die auf Bundesland liegen, Bundesmittel nutzen oder Bundesgenehmigungen erfordern, müssen Behörden prüfen, ob historische Stätten oder heilige Orte der indigenen Bevölkerung Schaden nehmen. Die Öffentlichkeit muss zwingend einbezogen werden. Der aktuelle Regelungsvorschlag sieht vor, diese Hürden drastisch zu senken. Bundesbehörden soll es künftig erlaubt sein, Großprojekte (wie Minen, Energieanlagen oder Regierungsbauten) im Eilverfahren durchzuwinken – teils ohne Einholung öffentlicher Stellungnahmen und ohne die Pflicht, Einwände von Bundesstaaten oder Stämmen zu berücksichtigen.

Bislang hat das ACHP die Änderungen empfohlen, die nach einem offiziellen Beschluß und Publikation  der Änderungen durch eine offizielle Anhörung müssen. Auf substantielle Eingaben im Rahmen des "Notice of Proposed Rulemaking" muss vor Inkrafttreten der neuen Regeln eingegangen werden.  Die Kanzlei fordert Bürger und Bürgerinnen auf, für dieses NPRM "mit der Erstellung von Kommentarbriefen zu beginnen, um Ihre Stimme zu hören und Ihren Kommentar zu zählen" .

Sie empfiehlt in den Briefen sich auf 8 Schlüsselpunkte zu konzentrieren, die das NPRM standardmäßig vorsieht und empfiehlt auf die konkreten Fragen zu antworten, konkrete Fakten, reale Projekte, Daten, Kosten und Verzögerungen anzugeben, die genauen Parafraphen, nicht die Regel im Allgemeinen zu zitieren. Man solle nicht nur Einspruch erheben, sondern alternative Textvorschläge machen. In dem Verfahren haben Eingaben von Tribes, SHPOs (State Historic Preservation Officers, also Denkmalpflegern), CRM-Firmen (Cultural Resource Management, private Dienstleister und Beratungsunternehmen, bei uns wären das wohl u.a. die Grabungsfirmen) und lokale Regierungen jeweils unterschiedliches Gewicht. Die Stellungnahmen sollen kurz und klar sein und müssen dann über ein Online-Portal  regulars.gov innerhalb einer 30-Tagefrist eingereicht werden.

Die Kanzlei kündigt bereits jetzt eine Klage gegen die neuen Regeln an, geht also davon aus, dass die Trumpregierung über Argumente hinweg geht. 

 

Zwar sind die Gesetzgebungsverfahren in Deutschland anders, aber im Hinblick auf Reaktionen gegen die Bestrebungen hierzulande den Denkmalschutz auszuhebeln, schien mir der Blick auf die Strategie der Richmonder Anwälte nicht uninteressant.

 

Interne Links zu den Angriffen auf die deutschen Denkmalschutzgesetze 

 

Interne Links zu Donald Trumps Geschichtspolitik

 

 

Nachtrag 

Es kommen nun Reaktionen und Statements insbesondere in den Social Media.

genannt sei:

Montag, 20. Juli 2026

Archäologie in Deutschland: Vom Umgang mit der Öffentlichkeit und den Social Media

Der folgende Post ist die Übersetzung eines englischen Beitrags, der schon vor 13 Jahren am 4. Juli 2013 unter Archaeology, the Public, and Social Media: Some New Insights from Germany. Journal of Community Archaeology and Heritage Blog 4.7.2013. - http://journalcah.blogspot.de/2013/07/archaeology-public-and-social-media.html publiziert wurde. Damals bin ich für den Blog des damals neuen Journal of Community Archaeology and Heritage um einen Beitrag zur Rolle der Social Media in der Fachpolitik gebeten worden. Der damalige Blogpost hat damals aktuelle Vorkommnisse als Ausgangspunk genommen, die ich auf Archaeologik thematisiert und als Basis für einige kritische Überlegungen genommen habe.
Die folgende deutsche Variante ist inhaltlich nur geringfügig überarbeitet, obwohl sich inzwischen eine Reihe neuer Beobachtungen machen lässt - etwa was die durchaus nicht unproblematische Rolle von Petitionen für Archäologie und Denkmalerhalt angeht.
Die aktuellen Bestrebungen zu fatalen Änderungen der Denkmalschutzgesetze in vielen Ländern zeigen, wie aktiell auch nach 13 Jahren das Thema noch immer ist. Die Änderungen in Bayern und Hessen haben kaum öffentliche Aufmerksamkeit gefunden. Hier benötigt es deutlich mehr Bewusstsein und politisches Agieren - m.E. nicht nur über einzelne Verbände, die dann als einzelne Stimme wahrgenommen werden, sondern im Konzert vieloer Stimmen.



Aktuelle Fälle

Die Finanzkrise ab 2007 hat für die Archäologie und Kulturdenkmäler einige bedenkliche Bedrohungen geschaffen. Dies sind keineswegs Probleme, die nur die Länder betreffen, die unmittelbar von einer Staatsinsolvenz bedroht sind. Auch in Deutschland sind in den vergangenen Jahren einige Vorkommnisse zu vermerken, die zeigen, dass die Krise auch in jenen Ländern die historischen Kulturgüter bedroht, die wirtschaftlich noch vergleichsweise gut dastehen. Diese Krise der Denkmalpflege rührt nicht allein aus den allgegenwärtigen Etatkürzungen, sondern ebenso aus Umorganisationen der Denkmalpflege (egal ob durch Änderungen der Denkmalschutzgesetze oder durch interne Umstrukturierungen). Die Folge sind Beschädigungen des gesellschaftlichen Stellenwerts der Denkmalpflege, der Verkauf von Kulturgütern oder die politisch bestimmte Beschneidung der geschützten Denkmalobjekte.

Eine zweite Bedrohung kommt von den derzeitigen rechtspopulistischen/nationalistischen Bewegungen in verschiedenen Staaten, sei es in Ungarn, Polen, USA oder auch Dänemark, die wenig von Wissenschaft an sich halten und Geschichte gerne nach ihrem Weltbild manipulieren.

Einige dieser Entwicklungen waren auch Thema auf Archaeologik:
Es gibt gute Gründe, zu vermuten, dass solche Aktionen den öffentlichen Verwaltungen nicht helfen werden, die aktuelle Finanzkrise zu überwinden: Die Summen, die eingespart werden, sind vergleichsweise gering und werden die regionale Wirtschaft gewiss nicht stärken, eher im Gegenteil. Alle diese Vorgänge haben jedoch das Potential, schwere und irreparable Schäden am überregional bedeutenden Kulturerbe anzurichten.


Interne Verhandlungen
Wahrscheinlich gibt es zahlreiche Fälle, in denen es den staatlichen Denkmalpflegern gelungen ist, solche Bedrohungen im Wesentlichen durch interne Verhandlungen auf dem Dienstweg abzuwenden oder doch in ihren Auswirkungen einzudämmen. 2011 forderten mehrere Politiker in Bayern, dass mittelalterarchäologische Fundstellen von der Liste der geschützten Denkmäler gestrichen werden. Sie befürchteten ein Überhandnehmen des Denkmalschutzes und befürchteten wirtschaftliche Nachteile für ihre Region. Das Landesamt für Denkmalpflege reagierte unter anderem mit einer Podiumsdiskussion, zu der Fachleute geladen wurden, um die Bedeutung der Archäologie des Mittelalters öffentlich zu diskutieren. Dies wurde über die üblichen Kanäle der Denkmalpflege publiziert, eine weitergehende Einbindung einer breiteren Öffentlichkeit wurde jedoch nicht angestrebt. Die Strategie der internen Regelung war letztlich erfolgreich: Es wurde ein Kompromiss erzielt, bei dem Denkmäler der Archäologie des Mittelalters weiterhin unter Schutz stehen, auch wenn die Kriterien zur Unterschutzstellung überarbeitet wurden.

Der Gang an die Öffentlichkeit
In den vergangenen Jahren hat es zahlreiche Etatkürzungen und einschneidende Umorganisationen in der Denkmalpflege gegeben. Nur selten hat aber eine breitere Öffentlichkeit davon Notiz genommen, über einen engeren Kreis von Fachleuten hinaus wurde die Problemlage meist nicht kommuniziert. Über Jahre hinweg kam es so zu Mittelkürzungen, ohne dass wirksame öffentliche Kritik laut geworden ist. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise wurde der Etat der Denkmalpflege so ohne größere öffentliche Diskussionen von 35 Mio € im Jahre 1992 auf 10 Mio € 2012 gekürzt. Als die Braunkohleindustrie eine Stiftung für die Bodendenkmalpflege einrichtete, wurde dies mit großem Beifall begrüßt. Für die Braunkohle ist diese Stiftung ein hervorragender Deal, denn tatsächlich handelt es sich um kaum mehr als Symbolpolitik. 95% der Fundstellen werden nach wie vor unbeobachtet dem Braunkohlebagger überlassen (vergl. Archaeologik 14.6.2011).

In Brandenburg hat der Beschluß, das Landesdenkmalamt zu schließen lediglich in der Lokalpresse Erwähnung gefunden. Niemand unternahm einen Versuch, die Bürger dazu zu gewinnen, sich für ihr Kulturerbe und für die dringend benötigte Infrastruktur der Denkmalpflege einzusetzen (Archaeologik 18.3.2013).

Zu oft haben Denkmalpfleger und Beamte versucht, diese Probleme auf ihrem Dienstweg zu regeln, ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen. Die Problematik ist schwierig und reicht weit zurück: Denkmalpflege ist eine hohheitliche Aufgabe - seit dem 19. Jahrhundert wurde sie von Staatlichen Denkmalschutzbehörden geregelt. Finanzielle und organisatorische Fragen wurden innerhalb dieser behördlichen Strukturen verhandelt. Eine öffentliche Beteiligung an beschränkt sich weitgehend auf öffentliche Stellungnahmen historischer oder archäologischer Gesellschaften, die aber häufig personell eng mit der Denkmalpflege verknüpft sind und deshalb kaum unabhängig agieren können. Verbeamtete Archäologen geraten hier leicht in einen Zwiespalt zwischen Fachinteressen und eingeforderter Loyalität ihrem Dienstherren gegenüber.


Eine Social Media Kampagne gegen Kürzungen in der Denkmalpflege

In Nordrhein-Westfalen wurden im März 2013 Finanzkürzungen angekündigt, die den derzeitigen Etat von 10 Millionen Euro auf 3,3 Mio 2014 und 0,00 € ab 2015 zusammenstreichen sollten. Wie schon erwähnt, hat der Etat 1992 noch 35,4 Mio Euro vorgesehen. Obwohl diese Streichungen nicht bedeuten, dass die Archäologie in NRW über gar keine Finanzmittel verfügt, da es maßgeblich die Landesverbände sind, in deren Händen die regional gegliederte Denkmalpflege liegt, lässt die Entscheidung der Landesregierung die Alarmglocken läuten. Hier würde ein Präzedenzfall geschaffen, dem andere Bundesländer folgen könnten, Zugleich zeigt es die erschreckende Gleichgültigkeit dem gesamten Kulturgut gegenüber, für das der Staat die Verantwortung wahrnimmt. Die Pläne zur Streichung der Landesgelder fielen just in eine Zeit, in der gerade ein neues Denkmalschutzgesetz vorbereitet wurde.

Jahrelang hat die Bodendenkmalpflege in NRW das Verursacherprinzip angewandt und jene für die Durchführung von Notgrabungen zur Kasse gebeten, deren Bauprojekte die archäologischen Quellen zerstören sollten. Ein Gerichtsentscheid stellte jedoch klar, dass dieser Praxis eine gesetzliche Grundlage fehlte. Der Gesetzesentwurf der neuen Landesregierung sah nun eine gesetzliche Regelung vor, die neben dem Verursacherprinzip auch das Schatzregal einführen sollte, wie es in den meisten deutschen Bundesländern inzwischen üblich ist. Gerade die Gesetzesnovellierung in Nordrhein-Westfalen ist wichtig, da das Land eines der größten in der Bundesrepublik ist und es reich and archäologischen Fundstellen ist. Die Regionen westlich des Rheins waren Teil der Römischen Reiches und weisen daher neben zahlreichen bedeutenden vorgeschichtlichen Hunderte von römischen Fundstellen auf.

Im Unterschied zu früheren Haushaltskürzungen, wie etwa in Brandenburg, gelangten diese durch eine online-Petition ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Initiative zu dieser Petition ging nicht von den Landesarchäologen aus, sondern von der DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte), die sich als gesamtdeutsche Interessensvertretung des Faches versteht. Sie ist unabhängig von der nordrheinwestfälischen Landesarchäologie. Die Petition wurde am 24. März für die DGUF durch Frank Siegmund eingestellt. Innerhalb der ersten drei Tage kamen 3000 Unterschriften zusammen, am Ende haben mehr als 27.000 Interessierte unterschrieben. Als das Nachrichtenmagazin 'Spiegel' am 28. März über die geplanten Mittelstreichungen  berichtete, schnellten die Unterschriften in die Höhe. In der Folge verbreitete sich die Petition in den Social Media. Sie erregte Aufmerksamkeit bei Gruppen, die man normalerweise nicht mit einem speziellen Interesse an Archäologie und Geschichte verbinden würde: Video Gamer und Rock-Fans sprachen sich ebenso für die Archäologie aus, wie Burgenbesitzer.

Die NRW-Petition ist bezeichnend für die Veränderungen der Öffentlichkeitsarbeit, die sich aus der digitalen Medienrevolution ergeben. Nur 2000 der Unterschriften wurden auf Papier gesammelt - rund 300 davon wurden von Kölner StudentInnen (bei heftigem Regen) auf der Straße gesammelt. Beim Start der Petition gingen die Erwartungen auf einige Hundert Unterschriften, denen eine herkömmliche Pressemitteilung folgen sollte. Stattdessen kam das Internet in die Quere und überraschte die Organisatoren mit dem großen Erfolg. Auch die Politik wurde dadurch überrascht, die offenbar davon ausging, dass Archäologie und Denkmalpflege Einsparungspotential böten, bei denen kaum mit Reaktionen zu rechnen wäre. Angesichts des öffentlichen Aufschreis ruderten sie zurück, indem zunächst beteuert wurde, dass die Streichung des Denkmaletats eher ein Gedankenspiel, denn ein konkreter Lösungsvorschlag gewesen sei.


Übergabe der Unterschriften der DGUF-Petition an die Präsidentin des Landtags von NRW und den verantwortlichen Minister (@DGUF/Sven Evertz, by courtesy of DGUF)

Die Zeichnungsfrist der Petition endete am 23. Juni 2013. Zwei Tage später wurde die Unterschriftenliste von Vertretern der DGUF an Carina Gödecke, Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags und an Michael Groschek, Landesminister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes überreicht. Die Aussagen der Politiker blieben unverbindlich, aber Gödecke betonte, die Botschaft sei angekommen (Pressemitteilung der DGUF als pdf).

Die Aufdeckung des Bibliotheksskandals in Stralsund

Ein anderer Fall der jüngeren Zeit zeigt die Möglichkeit, über die Social Media eine Öffentlichkeit für Belange des Kulturgüterschutzes zu gewinnen. In diesem Falle betraf dies nicht die Archäologie, sondern den Versuch, eine historische Gymnasialbibliothek des 16. Jahrhunderts zu verscherbeln. Der Beschluß die Bibliothek zu verkaufen wurde vom Stralsunder Stadtrat in geschlossener Sitzung im Juni 2012 gefasst. Wie bei einem archäologischen Befund macht die Einmaligkeit der Sammlung und ihre exakte Zusammensetzung den eigentlichen historischen Wert aus. Die Sache wurde durch den Historiker und Archivar Klaus Graf bemerkt und auf seinem Weblog Archivalia publik gemacht. Graf begann Fragen zu stellen und unermüdlich darauf aufmerksam zu machen, was in Stralsund gerade vorging. Auch hier wurde eine online-Petition gestartet, die letztlich 3600 Unterschriften erzielte, überwiegend von Mediaevisten, Archivaren und Historikern, aber auch aus der Region. Die Medien griffen den Fall auf und zwangen den Stadtrat letztlich dazu, wenigstens zu versuchen, den Verkauf, der weithin als illegal und unethisch erkannt wurde, rückgängig zu machen.

Schaffung einer Lobby für die Belange der Archäologie

Seit den Anfängen der Archäologie in Deutschland im 19. Jahrhundert, war diese das Interessenfeld der gebildeten Mittelklasse: Lehrer, Pfarrer und Offiziere führten als interessierte Laien - Profis gab es noch nicht - Ausgrabungen durch. Dieser Personenkreis, der sich in den Altertumsvereinen organisiert hatte, war in der deutschen Forschungslandschaft lange von entscheidender Bedeutung, da sie bisweilen gut in die Politik vernetzt waren. Archäologie war das Interesse einer eher kleinen gebildeten Schicht - das hat sich heute grundlegend verändert. Kulturgut und Geschichte ist kein Privileg mehr einer Oberschicht, sondern interessiert weite Kreise der Gesellschaft. Das mag zu einem gewissen Grad durchaus der Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit von Archäolog*innen und Historiker*innen sein, vor allem aber popularisieren Filme oder Videospiele Archäologie. Die Motive "Schatz" und Fundfieber (die häufig von Archäologen selbst bedient werden) schaffen damit ein wenig realistisches Bild der Wissenschaft, das dem Publikum vor allem als Schatzsucherei erscheinen muss. 

Zukunftsperspektive

Heinz Günter Horn, früher im Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr in Düsseldorf zuständig für die Denkmalpflege hat jüngst das Fehlen einer Archäologie-Lobby beklagt. Tatsächlich haben die Facharchäologen nie probiert eine richtige Lobby aufzubauen (Vereine und Verbände können die breite Unterstützung aus der Öffentlichkeit nicht ersetzen, zumal sie in ihrer personellen Verknüpfung mit verbeamteten Archäologen nur bedingt politisch aktiv werden können). Öffentlichkeitsarbeit blieb auf gelegentliche Vorträge und die üblichen 'populären' Jahrbücher beschränkt, die für ein bereits interessiertes Publikum die wichtigsten Grabungen auflisten (da Fachzeitschriften kaum noch Grabungsvorberichte abdrucken, haben sich diese Jahrbücher allerdings trotz ihres populären Anspruchs zu einem wesentlichen Element der internen Wissenschaftskommunikation entwickelt). Was dem Publikum vermittelt wird, sind neue Funde, ohne dies in einen weiteren Kontext einzuordnen. Um aber eine Lobby für Archäologie zu schaffen, muss vor allem deren Quellenwert für das Verständnis der Vergangenheit vermittelt werden. Archäologische Arbeitsweise, Methode und vor allem auch Theorie müssen kommuniziert werden. Die Leistungsschau neu gefundener Schätze oder noch eine Ausstellung über das 'goldene Zeitalter' sind womöglich eher kontraproduktiv.

Eine Lobby für die Archäologie

In den Kommentaren zu den genannten Petitionen wird häufig darauf verwiesen, dass die Archäologie wichtig ist, weil sie Informationen über die Vergangenheit liefert, in der Gegenwart Identität schafft und dies alles für die Zukunft bewahrt. Diese Gedanken finden sich immer wieder, auch in platten Politikerreden bei Tagungs- oder Ausstellungseröffnungen. Aber wie kann die Archäologie diesen Erwartungen auch gerecht werden? Endet unsere Verantwortung mit der Publikation der Grabungsberichte und gelegentlichen Hinweisen auf Sensationsfunde? Reicht es aus, dem breiten Publikum Berichte über aktuelle Neufunde zu berichten?
Die Öffentlichkeit ist an der Vergangenheit durchaus interessiert. Viele wollen daran teilhaben - als Re-enactors, als Ehrenamtliche oder eben auch als Sondengänger. Die Archäologie muss Perspektiven aufzeigen, wie wir aus der Vergangenheit lernen können und wir müssen den verschiedenen Interessen entgegenkommen. Vor allem, muss das öffentliche Interesse ernst genommen werden.

Einer der Kommentare zur Petition in Nordrhein-Westfalen stellte lapidar fest: "Wenigstens beginnt mal jemand zu kämpfen, statt nur im Büro rumzusitzen".
Tatsächlich gibt es reale Chancen, dass öffentliches Engagement Erfolg hat, wie die Fälle Nordrhein-Westfalen und Stralsund zeigen. Neben der Expertenmeinung der Wissenschaftler sind Amateure und die breite Öffentlichkeit zunehmend wichtige Fürsprecher für den andauernden Schutz des kulturellen Erbes. Ihre Unterstützung ist für die Politik ein kaum zu ignorierender Aspekt. 
 
Zu diesem Blogpost von 2013  ist zu ergänzen, dass die Petition in Nordrhein-Westfalen so erfolgreich war, dass sie im Bundestagswahlkampf von Kanzlerin Merkel aufgegriffen wurde (Wahlkampfthema Denkmalschutz. Archaeologik 15.6.2013). In der Folge ging ein Blogpost der Frage nach, welche Rolle Petitionen in der Lobby-Arbeit für die Archäologie spielen können - aber auch, welche Risiken darin liegen (Online-Petitionen in der Archäologi. Archaeologik 21.8.2014).
 


Samstag, 13. Juni 2026

Trump darf Geschichte nicht umschreiben

Kurz vor dem 250. US-Geburtstag hat Bundesrichterin Angel Kelley in Boston die Regierung gestoppt: Sie untersagte die weitere Umsetzung von Trumps Executive Order 14253 „Restoring Truth and Sanity to American History“ – auf Deutsch: „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“ (siehe dazu Archaeologik 31.3.2025) – und der darauf basierenden Anordnung Nr. 3431 des Innenministeriums in den Nationalparks.

Kelley begründete, gerade zum Jubiläum am 4. Juli 2026 dürfe Geschichte nicht geschönt werden. Die Regierung habe mit dem Dekret Schilder zu Sklaverei, Klimawandel und Bürgerrechten abhängen lassen und damit „unbestreitbare Wahrheiten“ zu „Halbwahrheiten“ gemacht – deshalb müsse die gemeinsame Geschichte „ehrlich erzählt und bis zum 250. Jahrestag vollständig wiederhergestellt“ werden.

Geklagt hatten Verbände aus Geschichte, Naturschutz und Wissenschaft – darunter die National Parks Conservation Association, die American Association for State and Local History und die Union of  Concerned Scientists.

Alle seit dem 20. Mai 2025 entfernten oder veränderten Ausstellungstexte müssen binnen 21 Tagen wiederhergestellt werden – also bis zum 3. Juli, knapp vor dem 250. Geburtstag der USA am 4. Juli. 

Wenige Stunden nach der Urteilsverkündung steht eine Reaktion von Don Trump noch aus. Aber ein Sprecher des Innenministeriums hat gegenüber CNN und anderen Agenturen Richterin Angel Kelley als „liberal activist judge“ bezeichnet und angekündigt, die Entscheidung anzufechten...

 

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