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Montag, 20. Juli 2026

Archäologie in Deutschland: Vom Umgang mit der Öffentlichkeit und den Social Media

Der folgende Post ist die Übersetzung eines englischen Beitrags, der schon vor 13 Jahren am 4. Juli 2013 unter Archaeology, the Public, and Social Media: Some New Insights from Germany. Journal of Community Archaeology and Heritage Blog 4.7.2013. - http://journalcah.blogspot.de/2013/07/archaeology-public-and-social-media.html publiziert wurde. Damals bin ich für den Blog des damals neuen Journal of Community Archaeology and Heritage um einen Beitrag zur Rolle der Social Media in der Fachpolitik gebeten worden. Der damalige Blogpost hat damals aktuelle Vorkommnisse als Ausgangspunk genommen, die ich auf Archaeologik thematisiert und als Basis für einige kritische Überlegungen genommen habe.
Die folgende deutsche Variante ist inhaltlich nur geringfügig überarbeitet, obwohl sich inzwischen eine Reihe neuer Beobachtungen machen lässt - etwa was die durchaus nicht unproblematische Rolle von Petitionen für Archäologie und Denkmalerhalt angeht.
Die aktuellen Bestrebungen zu fatalen Änderungen der Denkmalschutzgesetze in vielen Ländern zeigen, wie aktiell auch nach 13 Jahren das Thema noch immer ist. Die Änderungen in Bayern und Hessen haben kaum öffentliche Aufmerksamkeit gefunden. Hier benötigt es deutlich mehr Bewusstsein und politisches Agieren - m.E. nicht nur über einzelne Verbände, die dann als einzelne Stimme wahrgenommen werden, sondern im Konzert vieloer Stimmen.



Aktuelle Fälle

Die Finanzkrise ab 2007 hat für die Archäologie und Kulturdenkmäler einige bedenkliche Bedrohungen geschaffen. Dies sind keineswegs Probleme, die nur die Länder betreffen, die unmittelbar von einer Staatsinsolvenz bedroht sind. Auch in Deutschland sind in den vergangenen Jahren einige Vorkommnisse zu vermerken, die zeigen, dass die Krise auch in jenen Ländern die historischen Kulturgüter bedroht, die wirtschaftlich noch vergleichsweise gut dastehen. Diese Krise der Denkmalpflege rührt nicht allein aus den allgegenwärtigen Etatkürzungen, sondern ebenso aus Umorganisationen der Denkmalpflege (egal ob durch Änderungen der Denkmalschutzgesetze oder durch interne Umstrukturierungen). Die Folge sind Beschädigungen des gesellschaftlichen Stellenwerts der Denkmalpflege, der Verkauf von Kulturgütern oder die politisch bestimmte Beschneidung der geschützten Denkmalobjekte.

Eine zweite Bedrohung kommt von den derzeitigen rechtspopulistischen/nationalistischen Bewegungen in verschiedenen Staaten, sei es in Ungarn, Polen, USA oder auch Dänemark, die wenig von Wissenschaft an sich halten und Geschichte gerne nach ihrem Weltbild manipulieren.

Einige dieser Entwicklungen waren auch Thema auf Archaeologik:
Es gibt gute Gründe, zu vermuten, dass solche Aktionen den öffentlichen Verwaltungen nicht helfen werden, die aktuelle Finanzkrise zu überwinden: Die Summen, die eingespart werden, sind vergleichsweise gering und werden die regionale Wirtschaft gewiss nicht stärken, eher im Gegenteil. Alle diese Vorgänge haben jedoch das Potential, schwere und irreparable Schäden am überregional bedeutenden Kulturerbe anzurichten.


Interne Verhandlungen
Wahrscheinlich gibt es zahlreiche Fälle, in denen es den staatlichen Denkmalpflegern gelungen ist, solche Bedrohungen im Wesentlichen durch interne Verhandlungen auf dem Dienstweg abzuwenden oder doch in ihren Auswirkungen einzudämmen. 2011 forderten mehrere Politiker in Bayern, dass mittelalterarchäologische Fundstellen von der Liste der geschützten Denkmäler gestrichen werden. Sie befürchteten ein Überhandnehmen des Denkmalschutzes und befürchteten wirtschaftliche Nachteile für ihre Region. Das Landesamt für Denkmalpflege reagierte unter anderem mit einer Podiumsdiskussion, zu der Fachleute geladen wurden, um die Bedeutung der Archäologie des Mittelalters öffentlich zu diskutieren. Dies wurde über die üblichen Kanäle der Denkmalpflege publiziert, eine weitergehende Einbindung einer breiteren Öffentlichkeit wurde jedoch nicht angestrebt. Die Strategie der internen Regelung war letztlich erfolgreich: Es wurde ein Kompromiss erzielt, bei dem Denkmäler der Archäologie des Mittelalters weiterhin unter Schutz stehen, auch wenn die Kriterien zur Unterschutzstellung überarbeitet wurden.

Der Gang an die Öffentlichkeit
In den vergangenen Jahren hat es zahlreiche Etatkürzungen und einschneidende Umorganisationen in der Denkmalpflege gegeben. Nur selten hat aber eine breitere Öffentlichkeit davon Notiz genommen, über einen engeren Kreis von Fachleuten hinaus wurde die Problemlage meist nicht kommuniziert. Über Jahre hinweg kam es so zu Mittelkürzungen, ohne dass wirksame öffentliche Kritik laut geworden ist. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise wurde der Etat der Denkmalpflege so ohne größere öffentliche Diskussionen von 35 Mio € im Jahre 1992 auf 10 Mio € 2012 gekürzt. Als die Braunkohleindustrie eine Stiftung für die Bodendenkmalpflege einrichtete, wurde dies mit großem Beifall begrüßt. Für die Braunkohle ist diese Stiftung ein hervorragender Deal, denn tatsächlich handelt es sich um kaum mehr als Symbolpolitik. 95% der Fundstellen werden nach wie vor unbeobachtet dem Braunkohlebagger überlassen (vergl. Archaeologik 14.6.2011).

In Brandenburg hat der Beschluß, das Landesdenkmalamt zu schließen lediglich in der Lokalpresse Erwähnung gefunden. Niemand unternahm einen Versuch, die Bürger dazu zu gewinnen, sich für ihr Kulturerbe und für die dringend benötigte Infrastruktur der Denkmalpflege einzusetzen (Archaeologik 18.3.2013).

Zu oft haben Denkmalpfleger und Beamte versucht, diese Probleme auf ihrem Dienstweg zu regeln, ohne die Öffentlichkeit zu beteiligen. Die Problematik ist schwierig und reicht weit zurück: Denkmalpflege ist eine hohheitliche Aufgabe - seit dem 19. Jahrhundert wurde sie von Staatlichen Denkmalschutzbehörden geregelt. Finanzielle und organisatorische Fragen wurden innerhalb dieser behördlichen Strukturen verhandelt. Eine öffentliche Beteiligung an beschränkt sich weitgehend auf öffentliche Stellungnahmen historischer oder archäologischer Gesellschaften, die aber häufig personell eng mit der Denkmalpflege verknüpft sind und deshalb kaum unabhängig agieren können. Verbeamtete Archäologen geraten hier leicht in einen Zwiespalt zwischen Fachinteressen und eingeforderter Loyalität ihrem Dienstherren gegenüber.


Eine Social Media Kampagne gegen Kürzungen in der Denkmalpflege

In Nordrhein-Westfalen wurden im März 2013 Finanzkürzungen angekündigt, die den derzeitigen Etat von 10 Millionen Euro auf 3,3 Mio 2014 und 0,00 € ab 2015 zusammenstreichen sollten. Wie schon erwähnt, hat der Etat 1992 noch 35,4 Mio Euro vorgesehen. Obwohl diese Streichungen nicht bedeuten, dass die Archäologie in NRW über gar keine Finanzmittel verfügt, da es maßgeblich die Landesverbände sind, in deren Händen die regional gegliederte Denkmalpflege liegt, lässt die Entscheidung der Landesregierung die Alarmglocken läuten. Hier würde ein Präzedenzfall geschaffen, dem andere Bundesländer folgen könnten, Zugleich zeigt es die erschreckende Gleichgültigkeit dem gesamten Kulturgut gegenüber, für das der Staat die Verantwortung wahrnimmt. Die Pläne zur Streichung der Landesgelder fielen just in eine Zeit, in der gerade ein neues Denkmalschutzgesetz vorbereitet wurde.

Jahrelang hat die Bodendenkmalpflege in NRW das Verursacherprinzip angewandt und jene für die Durchführung von Notgrabungen zur Kasse gebeten, deren Bauprojekte die archäologischen Quellen zerstören sollten. Ein Gerichtsentscheid stellte jedoch klar, dass dieser Praxis eine gesetzliche Grundlage fehlte. Der Gesetzesentwurf der neuen Landesregierung sah nun eine gesetzliche Regelung vor, die neben dem Verursacherprinzip auch das Schatzregal einführen sollte, wie es in den meisten deutschen Bundesländern inzwischen üblich ist. Gerade die Gesetzesnovellierung in Nordrhein-Westfalen ist wichtig, da das Land eines der größten in der Bundesrepublik ist und es reich and archäologischen Fundstellen ist. Die Regionen westlich des Rheins waren Teil der Römischen Reiches und weisen daher neben zahlreichen bedeutenden vorgeschichtlichen Hunderte von römischen Fundstellen auf.

Im Unterschied zu früheren Haushaltskürzungen, wie etwa in Brandenburg, gelangten diese durch eine online-Petition ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Die Initiative zu dieser Petition ging nicht von den Landesarchäologen aus, sondern von der DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte), die sich als gesamtdeutsche Interessensvertretung des Faches versteht. Sie ist unabhängig von der nordrheinwestfälischen Landesarchäologie. Die Petition wurde am 24. März für die DGUF durch Frank Siegmund eingestellt. Innerhalb der ersten drei Tage kamen 3000 Unterschriften zusammen, am Ende haben mehr als 27.000 Interessierte unterschrieben. Als das Nachrichtenmagazin 'Spiegel' am 28. März über die geplanten Mittelstreichungen  berichtete, schnellten die Unterschriften in die Höhe. In der Folge verbreitete sich die Petition in den Social Media. Sie erregte Aufmerksamkeit bei Gruppen, die man normalerweise nicht mit einem speziellen Interesse an Archäologie und Geschichte verbinden würde: Video Gamer und Rock-Fans sprachen sich ebenso für die Archäologie aus, wie Burgenbesitzer.

Die NRW-Petition ist bezeichnend für die Veränderungen der Öffentlichkeitsarbeit, die sich aus der digitalen Medienrevolution ergeben. Nur 2000 der Unterschriften wurden auf Papier gesammelt - rund 300 davon wurden von Kölner StudentInnen (bei heftigem Regen) auf der Straße gesammelt. Beim Start der Petition gingen die Erwartungen auf einige Hundert Unterschriften, denen eine herkömmliche Pressemitteilung folgen sollte. Stattdessen kam das Internet in die Quere und überraschte die Organisatoren mit dem großen Erfolg. Auch die Politik wurde dadurch überrascht, die offenbar davon ausging, dass Archäologie und Denkmalpflege Einsparungspotential böten, bei denen kaum mit Reaktionen zu rechnen wäre. Angesichts des öffentlichen Aufschreis ruderten sie zurück, indem zunächst beteuert wurde, dass die Streichung des Denkmaletats eher ein Gedankenspiel, denn ein konkreter Lösungsvorschlag gewesen sei.


Übergabe der Unterschriften der DGUF-Petition an die Präsidentin des Landtags von NRW und den verantwortlichen Minister (@DGUF/Sven Evertz, by courtesy of DGUF)

Die Zeichnungsfrist der Petition endete am 23. Juni 2013. Zwei Tage später wurde die Unterschriftenliste von Vertretern der DGUF an Carina Gödecke, Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtags und an Michael Groschek, Landesminister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes überreicht. Die Aussagen der Politiker blieben unverbindlich, aber Gödecke betonte, die Botschaft sei angekommen (Pressemitteilung der DGUF als pdf).

Die Aufdeckung des Bibliotheksskandals in Stralsund

Ein anderer Fall der jüngeren Zeit zeigt die Möglichkeit, über die Social Media eine Öffentlichkeit für Belange des Kulturgüterschutzes zu gewinnen. In diesem Falle betraf dies nicht die Archäologie, sondern den Versuch, eine historische Gymnasialbibliothek des 16. Jahrhunderts zu verscherbeln. Der Beschluß die Bibliothek zu verkaufen wurde vom Stralsunder Stadtrat in geschlossener Sitzung im Juni 2012 gefasst. Wie bei einem archäologischen Befund macht die Einmaligkeit der Sammlung und ihre exakte Zusammensetzung den eigentlichen historischen Wert aus. Die Sache wurde durch den Historiker und Archivar Klaus Graf bemerkt und auf seinem Weblog Archivalia publik gemacht. Graf begann Fragen zu stellen und unermüdlich darauf aufmerksam zu machen, was in Stralsund gerade vorging. Auch hier wurde eine online-Petition gestartet, die letztlich 3600 Unterschriften erzielte, überwiegend von Mediaevisten, Archivaren und Historikern, aber auch aus der Region. Die Medien griffen den Fall auf und zwangen den Stadtrat letztlich dazu, wenigstens zu versuchen, den Verkauf, der weithin als illegal und unethisch erkannt wurde, rückgängig zu machen.

Schaffung einer Lobby für die Belange der Archäologie

Seit den Anfängen der Archäologie in Deutschland im 19. Jahrhundert, war diese das Interessenfeld der gebildeten Mittelklasse: Lehrer, Pfarrer und Offiziere führten als interessierte Laien - Profis gab es noch nicht - Ausgrabungen durch. Dieser Personenkreis, der sich in den Altertumsvereinen organisiert hatte, war in der deutschen Forschungslandschaft lange von entscheidender Bedeutung, da sie bisweilen gut in die Politik vernetzt waren. Archäologie war das Interesse einer eher kleinen gebildeten Schicht - das hat sich heute grundlegend verändert. Kulturgut und Geschichte ist kein Privileg mehr einer Oberschicht, sondern interessiert weite Kreise der Gesellschaft. Das mag zu einem gewissen Grad durchaus der Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit von Archäolog*innen und Historiker*innen sein, vor allem aber popularisieren Filme oder Videospiele Archäologie. Die Motive "Schatz" und Fundfieber (die häufig von Archäologen selbst bedient werden) schaffen damit ein wenig realistisches Bild der Wissenschaft, das dem Publikum vor allem als Schatzsucherei erscheinen muss. 

Zukunftsperspektive

Heinz Günter Horn, früher im Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr in Düsseldorf zuständig für die Denkmalpflege hat jüngst das Fehlen einer Archäologie-Lobby beklagt. Tatsächlich haben die Facharchäologen nie probiert eine richtige Lobby aufzubauen (Vereine und Verbände können die breite Unterstützung aus der Öffentlichkeit nicht ersetzen, zumal sie in ihrer personellen Verknüpfung mit verbeamteten Archäologen nur bedingt politisch aktiv werden können). Öffentlichkeitsarbeit blieb auf gelegentliche Vorträge und die üblichen 'populären' Jahrbücher beschränkt, die für ein bereits interessiertes Publikum die wichtigsten Grabungen auflisten (da Fachzeitschriften kaum noch Grabungsvorberichte abdrucken, haben sich diese Jahrbücher allerdings trotz ihres populären Anspruchs zu einem wesentlichen Element der internen Wissenschaftskommunikation entwickelt). Was dem Publikum vermittelt wird, sind neue Funde, ohne dies in einen weiteren Kontext einzuordnen. Um aber eine Lobby für Archäologie zu schaffen, muss vor allem deren Quellenwert für das Verständnis der Vergangenheit vermittelt werden. Archäologische Arbeitsweise, Methode und vor allem auch Theorie müssen kommuniziert werden. Die Leistungsschau neu gefundener Schätze oder noch eine Ausstellung über das 'goldene Zeitalter' sind womöglich eher kontraproduktiv.

Eine Lobby für die Archäologie

In den Kommentaren zu den genannten Petitionen wird häufig darauf verwiesen, dass die Archäologie wichtig ist, weil sie Informationen über die Vergangenheit liefert, in der Gegenwart Identität schafft und dies alles für die Zukunft bewahrt. Diese Gedanken finden sich immer wieder, auch in platten Politikerreden bei Tagungs- oder Ausstellungseröffnungen. Aber wie kann die Archäologie diesen Erwartungen auch gerecht werden? Endet unsere Verantwortung mit der Publikation der Grabungsberichte und gelegentlichen Hinweisen auf Sensationsfunde? Reicht es aus, dem breiten Publikum Berichte über aktuelle Neufunde zu berichten?
Die Öffentlichkeit ist an der Vergangenheit durchaus interessiert. Viele wollen daran teilhaben - als Re-enactors, als Ehrenamtliche oder eben auch als Sondengänger. Die Archäologie muss Perspektiven aufzeigen, wie wir aus der Vergangenheit lernen können und wir müssen den verschiedenen Interessen entgegenkommen. Vor allem, muss das öffentliche Interesse ernst genommen werden.

Einer der Kommentare zur Petition in Nordrhein-Westfalen stellte lapidar fest: "Wenigstens beginnt mal jemand zu kämpfen, statt nur im Büro rumzusitzen".
Tatsächlich gibt es reale Chancen, dass öffentliches Engagement Erfolg hat, wie die Fälle Nordrhein-Westfalen und Stralsund zeigen. Neben der Expertenmeinung der Wissenschaftler sind Amateure und die breite Öffentlichkeit zunehmend wichtige Fürsprecher für den andauernden Schutz des kulturellen Erbes. Ihre Unterstützung ist für die Politik ein kaum zu ignorierender Aspekt. 
 
Zu diesem Blogpost von 2013  ist zu ergänzen, dass die Petition in Nordrhein-Westfalen so erfolgreich war, dass sie im Bundestagswahlkampf von Kanzlerin Merkel aufgegriffen wurde (Wahlkampfthema Denkmalschutz. Archaeologik 15.6.2013). In der Folge ging ein Blogpost der Frage nach, welche Rolle Petitionen in der Lobby-Arbeit für die Archäologie spielen können - aber auch, welche Risiken darin liegen (Online-Petitionen in der Archäologi. Archaeologik 21.8.2014).
 


Montag, 19. Juni 2017

Denkmalpflege in den neuen Landesregierungen NRW und S-H

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Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP für Nordrhein-Westfalen 2017-2022 erklärt zum Denkmalschutz:
Denkmalpflege
Wir bekennen uns zu der in der Landesverfassung verankerten Verantwortung für den Erhalt der Denkmäler des Landes. Gemeinsam mit dem vorhandenen ehrenamtlichen Engagement in der Denkmalpflege wollen wir das archäologische und baukulturelle Erbe des Landes für künftige Generationen erhalten. Dazu werden wir unter anderem die Fördermittel für die Baudenkmalpflege wieder auf jährlich rund 12 Millionen Euro anheben.
 und
Erhalt und Pflege unseres kulturellen Erbes
Der Erhalt unseres kulturellen Erbes, seine Restaurierung, Bewahrung und kontinuierliche wissenschaftliche Bearbeitung sind ebenso zu fördern wie die Pflege immaterieller Überlieferungen, von Mundarten wie dem gefährdeten Niederdeutsch, von Brauchtümern und Traditionen. In diesem Sinne werden wir Kultur und Denkmalpflege gleichermaßen fördern und den Ausstieg des Landes aus der Denkmalpflege rückgängig machen. Wir werden die Mittel zum kulturellen Substanzerhalt erhöhen und den Erhalt und die Pflege immaterieller Kulturgüter durch unterschiedliche Institutionen und Verbände unterstützen.
Landesgeschichte und Landesidentität gehören untrennbar zusammen. Aus diesem Grund soll die Idee eines „Hauses der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ in unmittelbarer Nähe zum Landtag aufgegriffen werden. Experten aus Universitäten, Instituten, Museen und Publizistik, Landtag und Landesregierung sollen dazu ein unabhängiges und überparteiliches Konzept entwickeln.

Vor etwa 4 Jahren war es in NRW unter der rot-grünen Regierung zu massiven Kürzungen in der Denkmalpflege gekommen, die durch öffentlichen Druck und eine Petition zumindest abgemildert werden konnten (vergl. Archaeologik unter dem Label Nordrhein-Westfalen - Finanzkürzungen).  Der Koalitionsvertrag bezieht sich ausdrücklich darauf und versucht die Schäden auszugleichen.


(via WikimediaCommons)
In Schleswig-Holstein hat die Denkmalpflege im Koalitionsvertrag einen deutlich anderen Stellenwert. Hier werden vor allem Einzelprojekte angesprochen, während ein klares Bekenntnis zum Denkmalschutz fehlt. Die Ankündigung einer Novellierung des Denkmalschutzgesetzes thematisiert lediglich eine Stärkung der Eigentümerrechte.
Umsetzung kulturpolitischer Projekte
Die Koalition bekennt sich zur Weiterentwicklung der wichtigen Projekte der Kulturinfrastruktur: (...) die Umsetzung der Modernisierung der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf (einschließlich der Errichtung eines Ausstellungs- und Eingangsgebäudes im Freilichtmuseum in Molfsee und der Umsetzung des Masterplans auf der Museumsinsel Gottorf), die Schaffung von Rahmenbedingungen, um das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in die Leibniz Gemeinschaft zu überführen, (...).
 sowie
Weltkulturerbe Danewerk und Haithabu
Unser Ziel ist die Anerkennung des Danewerks und Haithabu als Weltkulturerbe. Für die dafür notwendige Sicherung der Waldemarsmauer wird das Land Mittel bereitstellen.

Im Kontext des Küstenschutzes wird noch konkret die Stadt Lauenburg angesprochen:
Wir gewährleisten die langfristige und nachhaltige Sicherheit vor Sturmfluten und Küstenabbrüchen an den Küsten von Nord- und Ostsee sowie vor Hochwasser und Starkniederschlägen in den Einzugsgebieten Schleswig-Holsteins. Wir werden das Risikobewusstsein für Gefahren durch Sturmfluten und Binnenhochwasser in den betroffenen Regionen stärken. Dabei werden wir die Wasser- und Bodenverbände in die bevorstehenden Herausforderungen der Zukunft einbinden.
Angesichts erhöhter Hochwasserrisiken werden wir die Kostenübernahme des Landes für die Hochwassergebiete der Stadt Lauenburg aufgrund ihres hohen Denkmalschutzwertes zu 90 Prozent umsetzen.
Generell findet sich zur Denkmalpflege eine Ankündigung der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes, zu der lediglich vermerkt wird:
Denkmalschutz
Wir werden das Denkmalschutzgesetz und dessen Anwendung evaluieren und gegebenenfalls novellieren. Wir werden sorgfältig darauf achten, dass Eigentümerinnen und Eigentümer von Denkmalen bei deren Erhalt unterstützt werden.
Insbesondere werden wir sicherstellen, dass sie schnell über die Eintragung in die Denkmalliste informiert werden und vor Investitionsentscheidungen eine verbindliche Auskunft der Denkmalschutzbehörde verlangen können sowie klare und verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Denkmalschutzbehörden erhalten.

2012 hatten CDU und FDP versucht, das Denkmalschutzgesetz in Schleswig-Holstein zugunsten wirtschaftlicher Interessen auszuhöhlen - woraufhin der Koalitionsvertrag der vorigen Regierung aus SPD, Grünen und SSW eine Novellierung angekündigt hatte (Schleswig-Holstein: Koalitionsvertrag sieht Novellierung des Denkmalschutzgesetzes vor) und Ende 2014 auch eine Novellierung umgesetzt wurde. Das Bekenntnis zum Denkmalschutz im neuen Koalitionsvertrag ist bestenfalls lauwarm.



Donnerstag, 26. Mai 2016

Alles bestens? Kein Interesse an Nachbesserungen

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Bei der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes in NRW 2013 wurde die Unterstützung der Besitzer von Baudenkmälern durch direkte, sog. "verlorene" Zuschüsse auf das Angebot (angeblich) günstiger Kredite umgestellt. Damals wurden gegen diese Pläne Bedenken laut, so dass versprochen wurde, nach circa zwei Jahren die Denkmalförderprogramme der NRW.Bank zu evaluieren solle. Zudem sollte ein Denkmalrat eingeführt werden, der im Gesetz schon lange vorgesehen war, sowie die Denkmalliste auf eine offen einsehbare Online-Datenbank umgestellt werden.
 
Die DGUF hat nun nachgefragt - und keine klaren Antworten bekommen.

Literaturhinweis:

  • F. Siegmund/ D. Scherzler, Archäologie und Baudenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 2014 – ein Jahr nach dem Ringen gegen Mittelkürzungen und für eine bessere gesetzliche Grundlage. Archäologische Informationen 37, 2014, 153-180. -  http://dx.doi.org/10.11588/ai.2014.0.18193.

Samstag, 29. November 2014

Gute Ansätze, schlechte Ausführung - das Denkmalschutzgesetz NRW

Nach etwa einem Jahr des neuen Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein-Westfalen hat die DGUF die aktuelle Situation einer kritischen Würdigung unterzogen. Die guten Ansätze im neuen Gesetz werden demnach in der Praxis wieder verspielt - mit enormen Verlusten für die Wissenschaft und den Landeshaushalt, der einmal Anlaß gegeben hatte, über weitgehende Kürzungen nachzudenken.

Mit einer Presseerklärung hat die DGUF ihre Überlegungen nun vorgestellt.
In den Archäologischen Informationen sind zu Nordrhein-Westfalen zwei Artikel erschienen, die die Einschätzung näher erläutern:
  • F. Siegmund/ D. Scherzler, Archäologie und Baudenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 2014 – ein Jahr nach dem Ringen gegen Mittelkürzungen und für eine bessere gesetzliche Grundlage. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 26. Nov. 2014. [PDF]
  • Chr. Fuchs, Warum archäologische Gegenstände keine "Funde" sein dürfen – Die Verwaltungsvorschrift zu § 17 Schatzregal DSchG NRW. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 26. Nov. 2014. [PDF]
Das neue Denkmalschutzgesetz brachte vor allem zwei Neuerungen: Das Verursacherprinzip und das Schatzregal. Deren konkrete Umsetzung wurde in Ausführungsbestimmungen geregelt, die die positiven Ansätze wieder zunichte machen.

Hinsichtlich des Verursacherprinzips urteilen Siegmund und Scherzler:
"Doch die daraus resultierende Stärkung der Archäologie im Land kommt nur begrenzt zum Tragen, da die Mitte 2014 erlassenen Ausführungsbestimmungen zum DSchG dessen Potenzial nicht ausschöpfen. Sie schränken das neu eingeführte Schatzregal sogar erheblich und fachlich untauglich ein. Vor allem überrascht angesichts der Sparwünsche der Landespolitik, dass bei Rettungsgrabungen die Kostenübernahme durch die Verursacher ohne Not und gegen europäische Regelungen stark begrenzt wird."
Als problematisch erweisen sich auch die Ausführungsbestimmungen zum Schatzregal, das Lesefunde im Wesentlichen ausklammert. Das ist fachlich höchst fragwürdig, liefern doch gerade Lesefunde wichtige Informationen, die für eine vorausschauende Denkmalpflege so wichtig sind. Lesefunde sind mit der wichtigste Indikator, dass auf einem Baugrund mit Archäologie zu rechnen ist. Hier wird Rechtssicherheit verschenkt - und natürlich auch schützenswerte historische Quellen negiert.

Die Verwaltungsvorschrift unterscheidet nun zwischen beweglichen Bodendenkmälern, was im Wesentlichen nur noch Funde aus Grabungen sind und Funden. Archäologische Lese- und Detektorfunde hingegen sind grundsätzlich „Funde“ in Sinne von § 17 DSchG NRW ohne Denkmaleigenschaft.
"Diese Regelung hat sehr weitreichende Folgen, da Lesefunde nun nicht mehr von den Fachämtern registriert werden müssen; ihre Kenntnis geht damit der Wissenschaft verloren und ihre Fundstellen bleiben ohne gesetzlichen Schutz." (Fuchs)

Diese Ausführungsbestimmungen mögen der engen Personaldecke und den Lagerungskapzitäten entgegenkommen, sind aber fachlich unsinnig und verstoßen zudem gegen die fachliche Ethik und die europäische Konvention von La Valletta/Malta.

Die neuen Regelungen sind für die zahlreichen Sammler verwirrend, signalisieren sie doch auch, dass ihre Tätigkeit keinerlei wissenschaftlichen Wert hätten. das ist ja aber nur der Fall, wenn Funde schlecht dokumentiert sind und nicht vorgelegt werden. Künftig wird keine Vorlage der Funde mehr verlangt, was auch bedeutet, dass die Konservatoren noch weniger Zeit dafür zur Verfügung haben. Funde werden nicht gemeldet, Fundstellen werden verloren gehen.


Interner Link

Freitag, 20. Dezember 2013

DGUF-Newsletter vom 18.12.2013

Hingewiesen sei auf den aktuellen DGUF-Newsletter mit vielfältigen Beiträgen rund um Archäologie, Gesellschaft und Medien.
Hervorgehoben seien:
  • 1.1. Nordrhein-Westfalen: Kürzungen für Denkmalschutz fallen geringer aus als befürchtet. Trotzdem arbeiten Archäologie und Baudenkmalflege in NRW im roten Bereich

und
  • 5.2. Bürger dürfen nicht ohne Genehmigung ausgraben. Warum? Weil’s verboten ist! – Wie die Kantonsarchäologie Luzern zu kommunizieren versucht - ein Kommentar zu einem misglückten Aufklärungsversuch in Sachen Raubgrabungen. Weniger Winken mit dem Gesetzbuch, mehr Erklären der Schäden! 

Dienstag, 26. November 2013

Geringere Kürzungen als befürchtet - NRW-Haushalt 2014

Der aktuelle Newsletter der DGUF (25.11.2013) berichtet über den derzeitigen Stand zum Landeshaushalt 2014 in Nordrhein-Westfalen.
Die Landesregierung wird demnach die Zuschüsse für die Denkmalerhaltung nicht vollständig streichen, sondern zu dem neuen Darlehenprogramm wird ein Budget für verlorene Zuschüsse bestehen bleiben. Auch die Gegenfinanzierung eines Defizits in der Baudenkmalpflege durch Gelder der Archäologie ist vom Tisch.


Die DGUF urteilt:
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"Bezieht man sich bei der Einordnung und Bewertung dieses Zahlenwerks auf die ursprünglichen Pläne der Landesregierung, nach denen in drei großen Schritten ab 2013 die Zuschüsse für Archäologie und Baudenkmalpflege bis 2015 auf null gebracht werden sollten, darf das sich jetzt abzeichnende Ergebnis als ein großer Erfolg auch der DGUF-Petition gewertet werden. Bezieht man sich auf den Zustand 2012 - und das war das Referenzjahr für die DGUF-Petition - bedeuten diese Zahlen, dass das Land NRW den langjährigen Trend weiterführt, sich sukzessive aus der Unterstützung von Archäologie und Denkmalpflege zurückzuziehen. (DGUF-Newsletter v. 25.11.2013)"
Es bestehen also Chancen, dass es nochmals relativ glimpflich ausgeht. Es ist anzunehmen, dass es ohne den öffentlichen Druck der online-Petition deutlich schlimmer gekommen wäre.

Interner Link


Nachtrag (18.12.2013)
:

Dienstag, 15. Oktober 2013

Haushaltsentwurf 2014 in Nordrhein-Westfalen - Kürzungen durch die Hintertür

Der aktuelle Newsletter der DGUF berichtet über die aktuelle Situation in Nordrhein-Westfalen. Nach der Gesetzesänderung wurde nun der Haushaltsentwurf für 2014 vorgelegt. Wie zugesagt, werden die Landeszuschüsse für die Archäologie nicht gekürzt und sind unverändert mit 2,8 Mio € angesetzt. - Und doch erweist sich das womöglich als Lüge, denn 1,7 Mio werden wohl zur Gegenfinanzierung der Kürzungen in der Baudenkmalpflege eingesetzt werden müssen.
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2,8 Mio. minus 1,7 Mio. gleich 2,8 Mio.? Ein Zwischenbericht zur Lage in NRW
Am 25.9. legte die NRW-Landesregierung dem Parlament ihren Haushaltsentwurf für 2014 vor, u. a. mit den entscheidenden Zahlen für Archäologie und Baudenkmalpflege. Er wird nun in den Ausschüssen beraten und soll Mitte Dezember verabschiedet werden. Ebenfalls am 25.9. traf sich eine informelle Parlamentarier- und Expertenrunde, an der auch der stellvertretende DGUF-Vorsitzende PD Dr. Frank Siegmund teilnahm.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Supergünstig! Superbillig! Denkmalpflege in NRW

Die Landesregierung in NRW hat nach der Gesetzesnovellierung ihr Konzept zur künftigen Finanzierung der Denkmalpflege vorgestellt. Neben einem Sockelbetrag von 4,1 Mio € wird die Denkmalförderung auf Darlehensbasis umgestellt. Renovierungsmaßnahmen an denkmalgeschützten Objekten wird ein Darlehen zu einem Zinssatz von 1% gewährt. Im Schnitt kosten Hypothekenkredite derzeit rund 2,5 Prozent.

2,8 Mio des Sockelbetrages sind jährlich für die Bodendenkmalpflege vorgesehen. Die DGUF schätzt die Grabungsfolgekosten, die nach den per Verursacherprinzip finanzierten eigentlichen Grabungen für Konservierung, Magazinierung und Aufarbeitung nötig werden auf jährlich etwa 16 bis 24 Mio €.

"Die Proteste von Denkmalschützern zeigen Wirkung: Anders als geplant stellt NRW seine Denkmalförderung nun doch nicht komplett ein. [...] Ist die Landesregierung vor den Protesten der Denkmalschutz-Lobby eingeknickt? Bauminister Michael Groschek (SPD) gefällt die Journalisten-Frage nicht. Trotzdem muss er zugeben, dass der öffentliche Aufschrei "in die Entscheidungsfindung eingeflossen ist".  



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    Freitag, 12. Juli 2013

    Neues Denkmalschutzgesetz in NRW

    Der Landtag von NRW hat am 11.7. das neue Denkmalschutzgesetz beschlossen. Es verankert das Verursacherprinzip und überwindet damit die Krise der Archäologie in NRW. Nicht berücksichtigt werden dabei die Kosten für Auswertung und Konservierung, was nach Schätzungen der DGUF jährlich rund 16 Mio € Kosten beim Steuerzahler beläßt. Das Land hält jedoch daran fest, den Denkmalpflege-Etat zu streichen und die Förderung auf Darlehensbasis umzustellen.
    Eingeführt wird auch ein Schatzregal, das im Grundsatz zu begrüßen ist, bei gegebenem Personalbestand und wachsender Raubgräberaktivität in der Praxis aber wohl einige Probleme aufwerfen wird.

    Vergl.
     Interne Links

     

    Samstag, 29. Juni 2013

    Petition übergeben

    Am Dienstag 25.6.2013 wurde die NRW-Petition übergeben:
    Gespräch anlässlich der Übergabe der DGUF-Petition am 25.6.2013. Zweiter von links: Michael Groschek (Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr), dritte von links: Carina Gödecke (Präsidentin des Landtags), Mitte: Diane Scherzler (stv. Vorsitzende), zweiter von rechts: Rengert Elburg (DGUF-Vorsitzender).
    Copyright: DGUF/Sven Evertz

    Keine Spur von einem Kurswechsel. Darlehen können eine Förderung nicht ersetzen.
    Interne Links

    Montag, 24. Juni 2013

    27.005 - enormer Erfolg der Archäologie-Petition

    Mit über 27.005 Unterschriften wurde die DGUF-Petition gegen die Mittelkürzungen in der Denkmalpflege in Nordrhein-Westfalen beendet. Die Unterschriften sollen am 25. Juni an Carina Gödecke, die Präsidentin des Landtages von Nordrhein-Westfalen, und an Michael Groschek, den für Archäologie und Baudenkmalpflege zuständigen Minister, im Düsseldorfer Landtag übergeben werden:

    Interne Links

    Donnerstag, 13. Juni 2013

    25.000


    Die Petition der DGUF zu den Mittelkürzungen in der Denkmalpflege in Nordrhein-Westfalen hat die 25.000-Hürde genommen.
    Der DGUF-Newsletter vom 12.6.2013 führt aus:
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    Die am 24. März von der DGUF lancierte öffentliche Petition hat nach zweieinhalb Monaten mehr als 25.000 Unterschriften erreicht, fast 50% davon aus NRW. Die Petition läuft noch bis zum 23. Juni. Diese auch die DGUF überraschende starke öffentliche Resonanz ist ein Geschenk engagierter Bürgerinnen und Bürger an die Archäologie und Baudenkmalpflege. Zugleich ist sie ein hart erarbeitetes Geschenk, an  dem inzwischen viele Helfer weit über die DGUF hinaus mit hohem Einsatz mitwirken. Stellvertretend nennen wir die unermüdlich auf unterschiedlichsten Wegen sammelnde Kölner Fachschaft für Ur- und Frühgeschichte, eine Facebook-Gruppe gegen Kulturgut-Raub und das [...] Team in der Stadt Steinfurt bei Münster. Der Erfolg der Petition konterkariert die andernorts geäußerte Klage, die Archäologie habe in Deutschland keine Lobby. Viele namhafte und große Verbände rufen inzwischen zur Unterstützung der Petition auf. Darunter sind der Verband der Landesarchäologen, der Deutsche Verband für Archäologie, der Deutsche Archäologen-Verband, die LWL-Archäologie für Westfalen, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands, der Verband Deutscher Kunsthistoriker, die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, der Bund Heimat und Umwelt, der Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler und die Bundesvereinigungen der Restauratoren im Handwerk.
    Die Petition läuft noch bis zum 23. Juni 2013.  


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    Freitag, 7. Juni 2013

    Anhörung im NRW-Landtag

    Am 6.6.2013 fand im nordrhein-westfälischen Landtag die Anhörung zum Gesetzesentwurf statt:
    Unter den vorformulierten Fragen wurden auch die Auswirkungen der  geplanten Mittelkürzungen thematisiert. - Sicher ein Erfolg der DGUF-Petition gegen die Mittelkürzungen, die noch bis zum 23. Juni 2013 läuft:  

    Weitere Presse- und Blogmeldungen zu den Mittelkürzungen in den vergangenen Wochen (Auswahl):

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    Donnerstag, 2. Mai 2013

    DGUF-Petition erreicht 20.000 Unterschriften


    Die Petition der DGUF hat am 2.5. die Marke von 20.000 Unterschriften erreicht und damit bewiesen, dass Denkmalpflege keine Angelegenheit ist, die nur einige wenige Fachleute interessiert. Die Petition kann jetzt noch bis zum 23. Juni 2013 unterschrieben werden:  

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    Montag, 29. April 2013

    Pressespiegel zur Stutzung der Denkmalpflege in NRW

    Die DGUF-Petition gegen die Mittelkürzungen in Nordrhein-Westfalen hat weiterhin mediale Resonanz, die im folgenden mittels Linklisten dokumentiert sei. Die ersten Pressemeldungen sind gesammelt unter Erste Pressereaktionen (28.3.2013 mit Ergänzungen bis zum 11.4.2013).

    Fernsehbeiträge 
     Befürchtungen und drohende Konsequenzen

    Reaktionen aus der Politik:

    Blogmeldungen

    Materialien der DGUF


    Die Petition der DGUF kann bis zum 24. Mai unterschrieben werden:  

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    Montag, 22. April 2013

    Politische Reaktionen ohne klare Aussagen

    Die Petition der DGUF gegen die Streichung der Landesmittel für die Denkmalpflege in NRW hat Unterstützung weit über die Archäologie hinaus gefunden. Zahlreiche Verbände und Privatpersonen haben sich ihr angeschlossen. Über 18000 Unterschriften sind bis Montag 22.4.2013 zusammengekommen. Inzwischen sah sich die Politik gezwungen, sich zur Sache zu äußern. Konkrete neue Aussagen sind dabei aber nicht herausgekommen.
    Klar ist: Die Landesmittel für die Denkmalpflege sind gefährdet. Trotz der Rolle der Landschaftsverbände in NRW geht dies an die Grundsubstanz der Denkmalpflege: Eine Qualitätssicherung denkmalpflegerischer Maßnahmen bedarf einer überregionalen Finanzierung. Nur so kann eine Fachkompetenz gewährleistet werden, nur so kann sich der Bürger darauf verlassen, dass Denkmalschutz nach einheitlichen, nachvollziehbaren Kriterien erfolgt. Eine ausschließlich kommunale Finanzierung oder gar die angedachte Denkmalförderung auf Darlehensbasis selektiert den Denkmälerbestand nach Prestige: Burgen werden erhalten, Arbeiterhäuser dem Zerfall preis gegeben. Römische Architektur wird ausgegraben und unter Schutzdach präsentiert, unscheinbare prähistorische Siedlungsgruben werden dem Bagger überlassen. Gefördert wird dann zuvorderst Fassadenpflege, der wissenschaftliche Quellenwert und das Erkenntnispotential rücken in den Hintergrund, denn dieses erschließt sich meist erst aus einer überregionalen Perspektive.

    3.3.2009: Das Stadtarchiv Köln kurz nach dem Einsturz
    (Foto: Frank Domahs [CC BY-SA 3.0]
    via Wikimedia Commons)
    Die kommunale Ebene wird nach Streichung der Landesmittel an Bedeutung gewinnen müssen. Vielerorts ist die Archäologie und Denkmalpflege in den Kommunen durchaus in guten Händen - in welche Fahrwasser und politische Vorgänge die Denkmalpflege dabei aber geraten kann, zeigen die Streitereien in Köln um die archäologische Zone (Archäologie und Kommunalpolitik. Archaeologik 18.1.2013), aber auch um den Neubau des eingestürzten Stadtarchivs, der derzeit von der Kommunalpolitik in Frage gestellt wird (dazu übrigens eine weitere Petition: Aufhebung des Planungsstopps für den Neubau des Stadtarchivs und der Kunst- u. Museumbibliothek Köln). Lokalpolitik wird verstärkt für ein Kulturerbe verantwortlich, das weit über die Region hinaus von Bedeutung ist. Gerade strukturschwache Gegenden mit einem meist umfangreicheren Denkmälerbestand werden sich aus eigener Kraft einen gerade dort auch wirtschaftlich wichtigen Denkmalschutz nicht leisten können (oder wollen), erst recht nicht auf Kredit.

    Viele Grabungsprojekte und Museen fürchten um ihre Zukunft. Dabei geht es auch um Investitionen in mittelständische Betriebe und um eine Förderung von Bildung und sozialer Kompetenzen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit weckt die Sensibilität für Risiken, für Probleme aber auch für Chancen in den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Prozessen unserer Gegenwart.

    Noch wird diskutiert, heisst es aus der Politik. - Der richtige Zeitpunkt also, dass sich alle in die Diskussion einbringen, denen an Bildung und Kultur gelegen ist. Die Petition der DGUF ist eine Plattform dafür - bis zum 24. Mai kann unterschrieben werden.

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    Sonntag, 21. April 2013

    Le patrimoine archéologique en danger

    D'ici 2015 le Land de Rhénanie-du-Nord-Westphalie (NRW) supprimera complètement le budget destiné à la conservation de son patrimoine historique et aux fouilles archéologiques. Déjà pour l'année 2013 les moyens financiers ont dû subir une réduction substantielle. La NRW, qui compte parmi les Länder les plus peuplés d'Allemagne, héberge un patrimoine archéologique de première importance : le Néandertal, la ville romaine de Xanten, les gisements de silex du Lousberg, les habitats néolithiques de la Aldenhovener Platte pour n'en citer que quelques-uns.


    Reconstrucion de les remparts romains à Xanten (Colonia Ulpia Traiana)
    (foto: R. Schreg, 2006)
      Wikimedia Commons
    Le Land de NRW étant la puissance économique numéro un en Allemagne, il est fort à craindre que la suppression du budget serve aussi de modèle ou de prétexte aux autres Länder d'Allemagne qui, eux, sont moins biens dotés financièrement.

    La Société Allemande pour la pré- et protohistoire (DGUF) a lancé une pétition en ligne pour convaincre le gouvernement de NRW de reconsidérer son plan budgétaire. En Allemagne la pétition a eu un grand retentissement médiatique et compte déjà plus de 17.000 signatures après seulement 3 semaines. La DGUF aimerait faire connaître son appel au-delà des limites du Land NRW et à l'échelle internationale. Faites donc preuve de solidarité, faites passer le message et engagez-vous en cosignant la pétition!

    source: DGUF

    pour signer la pétition de la DGUF: Angekündigte Streichung der Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege zurücknehmen!

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    Montag, 8. April 2013

    Bürger gegen Denkmal-Kahlschlag

    Die DGUF-Petition hat inzwischen über 13600 (8.4.2013) Unterschriften erreicht.
    Die Kommentare zur Petition bringen teilweise die Sorge um Arbeitsplätze zum Ausdruck, vor allem aber um den Verlust von Kulturgut. Die Unterschriften stammen natürlich auch von Kollegen, aber der größte Teil kommt offenbar von Kultur-interessierten Bürgern. Teilweise handelt es sich um Eigentümer von denkmalgeschützen Bauten, die ihre Sorge zum Ausdruck bringen, künftig die nötige Instandhaltung nicht mehr leisten zu können.
    Die Resonanz der Petition ist unerwartet groß. Die Hoffnung der DGUF lag ursprünglich bei 1000 Unterstützern - ein Ziel, das bereits am zweiten Tag der fast 8 wöchigen Zeichnungszeit weit überschritten wurde.
    Der Kölner Stadtanzeiger berichtet, "die heftigen Reaktionen der Landschaftsverbände und der kommunalen Denkmalpfleger sollen selbst Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überrascht haben." (Kölner Stadtanzeiger [4.4.2013]: Schlag ins Gesicht der Archäologie).

    Sie kann bis zum 24. Mai unterzeichnet werden - und hofft auf viele weitere Unterstützer.

    verändert nach
    Wikimedia Commons

    In einem offenen Brief der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie DeGUWA an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft werden sehr schön frühere Statements von Landesvertretern zitiert, die der jetztigen Linie konträr entgegen stehen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die finanziellen Mitteln, die derzeit allein für die personelle Umstrukturierung der West-LB aufgewendet werden, die Bodendenkmalpflege in Ihrem Land 200 Jahre lang auf dem jetzigen Stand halten könnten.

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