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Montag, 21. Juli 2014

Vorbevölkerung und nichtagrarische Nutzung? - 'koloniale' Aspekte des frühmittelalterlichen Landesausbaus

Der mittelalterliche Landesausbau in Mittelgebirgs- und Sumpflandschaften wird insbesondere in der Archäologie häufig noch als organisierte Zivilisierung zuvor unbesiedelter Wildnis verstanden. Dies gilt etwa für frühmittelalterliche Aufsiedlung in Süddeutschland, wo aus der Chronologie der Reihengräberfelder, aus Ortsnamen, Flur- und Dorfformen mehrfach auf eine herrschaftliche Lenkung der Aufsiedlung geschlossen wurde. Abgesehen davon, dass hier oft spätere Umstrukturierungen des ländlichen Siedlungsgefüges unterschätzt wurden, ist vor allem zu hinterfragen, inwiefern das dahinter stehende theoretische Konzept von Kolonisation zu bewerten ist.

Eine 'post-koloniale' Perspektive dazu in einem neuen Artikel 

Samstag, 2. Juli 2011

Sondagen und Scans in der Wüstung Würzbach

Eine Art Zwischenbilanz: der eben erschienene Beitrag in den Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2010 über die jüngsten Untersuchungen in der Wüstung Oberwürzbach im Nordschwarzwald.
Profilschnitt in einem Tälchen beim Igelslocher Brunnen südlich unterhalb des Wirtschaftslandes der Wüstung Oberwürzbach (Zeichnung: J. Pittori/ R. Schreg)


Der Artikel berichtet über Sondagen in den vergangenen Jahren an verschiedenen Altflurrelikten, vor allem aber über einen geoarchäologischen Schnitt in einem Tälchen unterhalb der Wirtschaftsflächen der Siedlung. Dazu liegen allerdings noch keine 14C-Daten vor, so dass eine abschließende Bewertung der erfassten Sedimente noch schwierig ist.

Insgesamt präzisiert sich das Bild der mittelalterlichen Siedlung, die sich zunehmend als geeignete Fallstudie erweist, exemplarisch das Wirtschaftsland eines mittelalterlichen Dorfes zu rekonstruieren. Als problematisch erweist sich jedoch nach wie vor die Planaufnahme der sich auf rund 5km² ausdehnenden Wüstung. Airborne Laserscan-Daten lieferten leider nicht die erhofften Ergebnisse, da wesentliche Teile der Wüstung heute mit dichtem Nadelwald bestanden sind.
Schon im Sommersemester 2007 wurden an der FH in Mainz im Rahmen der Diplomarbeit von Sven Emig und Dennis Rasel grundlegende Vermessungsarbeiten in der Wüstung Würzbach durchgeführt.
Ein Kurzbericht findet sich online.

Exemplarisch wurde der hofnahe Bereich einer Hufe der spätmittelalterlichen Siedlung vermessen - zudem ein Teil der Blockwallfluren am Igelslocher Brunnen mit terrestrischem Laserscan erfasst. Bislang ist das aber nur ein kleiner Teil der mehr als 20 Höfe samt ihrem Wirtschaftsland umfassenden Wüstung.

Literaturhinweis
  • Rainer Schreg, Jasmin Pittori, Markus Dotterweich, Kirsten Eppler: Geoarchäologische Untersuchungen im Umfeld der Wüstung Oberwürzbach im Schwarzwald – ein Beitrag zur Landnutzungsgeschichte. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2010, 228-230.

siehe auch Geoarchäologie bei Würzbach