Posts mit dem Label UK werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label UK werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. Februar 2023

Neue Schatzdefinition in UK

In England wird eine Novellierung des Treasure Act diskutiert. 

Das Problem ist, dass viele Sondengängerfunde der Wissenschaft verloren gehen, da nur für Funde mit Edelmetallanteil eine Meldepflicht und eine Möglichkeit besteht, die Funde für die Wissenschaft zu sichern. Trotz Portable Antiquities Scheme, einer Meldeplattform, die zwar zu einer enormen Steigerung der Fundmeldungen geführt hat, gehen viele Funde an der Wissenschaft vorbei und landen in Privatbesitz. Einer der auslösenden Fälle ist der Fund des Crosby Garret-Helms, der in Privatbesitz verschwunden ist. Er bestand lediglich aus einer Kupferlegierung. 

Crosby Garrett Helm, römischer Kavallerie Helm des späten 2. oder frühen 3. Jh. n.Chr., aus einer Kuperlegierung
(Foto: Portable Antiquities Scheme [CC BY 2.0] via WikimediaCommons)

 

Anstelle der alten Formulierung, wonach ein Fund als treasure gilt, wenn er mindestens 300 Jahre alt ist und wenigstens teilweise aus Edelmetallen, wie Gold oder Silber besteht, oder Teil eines Horts mit Edelmetallobjekten ist, sehen die Änderungen nun vor, dass es sich um außergewöhnliche mindestens 200 Jahre alte Funde handeln soll, unabhängig von der Art von Metall aus der sie bestehen. Das ist eben so unsinnig wie die bisherige Regelung und birgt auch gewisse Risiken. 

Hintergrund ist die Rechtstradition in England, die grundlegend anders ist als in Deutschland (vgl. Schreg 2015). Der englische Treasure Act hat von seiner Herleitung her wenig mit den deutschen Denkmalschutzgesetzen zu tun. Der Treasure Act löste 1996 das alte Gewohnheitsrecht des Treasure Trove ab, das die Ansprüche des Königs auf herrenlose und bewusst deponierte Schätze regelte. Bewusst deponierte Gold- und Silberschätze, deren Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann, fallen demnach in den Besitz des Königs. Es handelt sich also um ein echtes Schatzregal mit einem vermögensrechtlichen Hintergrund, das zunächst keinerlei Zielsetzungen im Bereich der Denkmalpflege hatte. Erst mit der Neuregelung durch den Treasure Act 1996 und einer Novellierung von 2003 wurde das Gesetz so gefasst, dass in England und Wales dadurch auch archäologische Funde in größerem Ausmaß für die Krone respektive für den Staat eingefordert werden können. Nach wie vor wird dies nur bedingt erreicht, da nicht-metallische Funde nur dann unter die Regelung des Treasure Act fallen, wenn sie in einem Kontext mit einem metallischen Schatz (treasure) stehen, also beispielsweise ein Keramikgefäß als Schatzbehälter dient. Bislang war die Definition eines treasure sogar auf Objekte mit Edelmetallanteil beschränkt. Mögliche Schätze sind innerhalb von 14 Tagen nach dem Fund beim zuständigen Coroner anzuzeigen, der prüfen lässt, inwieweit der Fund als Treasure im Sinne des Gesetzes zu gelten hat. Liegt dieser Fall vor, ist dem Finder und Grundeigentümer der von der Kommission festgelegte Verkehrswert des Fundes zu zahlen, ansonsten verbleibt er in Privatbesitz und kann z.B. auch legal auf den Markt gebracht werden. Solche Schatzfunde stellen die betroffenen Museen regelmäßig vor das Problem, dass Geldsummen eingeworben werden müssen, die weit über ihr normales Budget hinausgehen. Oft gelingt dies nicht, und die Spur der Funde verliert sich. Immerhin sind die Treasures jedoch beim Coroner registriert, so dass wenigstens eine rudimentäre Dokumentation sichergestellt ist. Aufgrund dieser Regelungen sind es meist vor allem die hohen finanziellen Werte der Schatzfunde, die in Medienberichten im Mittelpunkt stehen und die Funde unisono bejubeln. 

Die Regelungen des Treasure Act unterscheiden sich grundlegend vom deutschen Schatzregal, das hier ein Teil der Denkmalschutzgesetze der Länder, aber kein eigenständiges Gesetz ist. Das deutsche Schatzregal hat keine feudale Tradition, sondern ist erst mit der Denkmalschutzgesetzgebung im Wesentlichen seit den 1970er Jahren entstanden, so dass der Begriff des Schatzregals eigentlich irrefuhrend ist, da er Sondengänger vermuten lasst, es ginge darum, dem Staat Vermögenswerte zu sichern. Tatsächlich sollen alle wissenschaftlich bedeutenden Funde – nicht nur Schätze, sondern gegebenenfalls z.B. auch Silex- oder Keramikfunde – der öffentlichen Hand gesichert werden. Zudem soll Schatzgräbern, dadurch dass sie kein rechtmäßiges Eigentum an wissenschaftlich bedeutenden Funden erwerben können, der Anreiz zu Raubgrabungen genommen werden. In der Praxis wird ein Verstoß gegen das Schatzregal juristisch als Unterschlagung betrachtet und Gerichte werden in Deutschland erfahrungsgemäß nur dann aktiv, wenn der materielle Wert des Fundes hoch eingeschätzt wird, wie das beispielsweise die Anklage im Falle des Barbarenschatzes von Rülzheim gezeigt hat. Die genauen Bestimmungen – ggf. auch über eine Entschädigungsregelung – sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich; man unterscheidet ein großes und ein kleines Schatzregal, je nachdem, ob es sich auf alle Funde oder nur auf jene aus staatlichen Nachforschungen (Grabungen, Begehungen) bezieht.

Die Änderung der Schatzdefinition in England ändert nichts daran, dass andere archäologische Funde aus Silex oder Keramik keinen Schutz durch den Treasure Act haben. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn der Treasure Act hebt ja den finanziellen Aspekt der archäologischen Funde hervor und macht so aus der archäologischen Wissenschaft eine pure Schatzgräberei. Für geldgierige Sondengänger ist der Treasure Act übrigens auch eine Preisgarantie. Kann die öffentliche Hand das Geld nicht aufbringen, kann er sein Glück auf dem freien Markt versuchen, mit einer Expertise und einer Preisschätzung. Ein Fund könnte auf dem freien Markt zwar unter Umständen einen deutlich höheren Preis erzielen, aber das ist letztlich doch recht unwahrscheinlich. Mit einer Ausdehnung des Treasure Acts gibt es für Sondlerfunde in England nun ein noch weitergehendes Abnahmeversprechen. Da allerdings nicht davon berichtet wird, dass den Museen künftig auch mehr Geld zur Verfügung stehen wird, werden Museen letztlich auch nicht mehr erwerben können. 

Mit der Ausdehnung der Treasure-Definition werden noch mehr Sondler ermutigt, Löcher in archäologische Fundstellen zu graben. PAS ist für die Archäologie keine Erfolgsgeschichte, es werden zwar mehr Funde gemeldet, aber auch mehr Löcher gemacht...


Das Prinzip der Raubgrabungslöcher: Mona Lisa durchlöchert
(verändert nach Leonardo da Vinci via WikimediaCommons)

Links


Literatur


 

Sonntag, 11. Dezember 2022

Antikenverkauf für Museen zahlt sich aus

Antikenverkauf für Museen zahlt sich aus - Das lehrt der Fall der Sekhemka-Statue, die das Northampton Museum and Arts Gallery 2014 für 15,8 Mio £. Trotz internationaler Proteste war die Statue im Londoner Auktionshaus Christie’s die Statue des Sekhemka, die sich seit dem Ende des 19. Jahrhundets im Besitz des Museums befunden hatte, in eine anonyme private Sammlung versteigert worden.

Statue of Sekhemka
Statue des Sekhemka, vom Museum Northampton bei Christie's verhökert
(Foto: Bibilovski (Own work) [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons)

Zerknirscht hatte der Museumsvorstand danach Fehler eingestanden und versprochen, dass so etwas nicht wieder passiere. Inzwischen wurde das Museum für 6,7 Mio £ renoviert. Diese notwendigen Renovierungsarbeiten dienten als Rechtfertigung für den Verkauf. Jetzt hat das Museum seine Akkreditierung durch Arts Council England zurück erhalten, die ihm nach dem Vorfall aberkannt worden ist. Zugleich wurde dem Museum ein Projekt mit 450.000 £ bewilligt, das unter anderem eine Ausstellung "A History of Northamptonshire in 100 Objects" ermöglichen wird. Ein Regionalpolitiker äußerte dazu, dass mit dieser Finanzierung das Kulturviertel wachsen könne und das Profil von  Northamptonshire’s reicher Geschichte mit einer einzigartigen Sammlung von Exponaten geschärft werden könne.

Da stellen sich doch zumindest vier Fragen: 

  • Wo wurden die 9,1 Mio £ eigentlich eingesetzt, die nach der Renovierung aus der Verkaufssumme noch übrig sein müssten? Offenbar ja nicht für eine ganz grundlegende Ausstellung zur Stadtgeschichte - und angesichts von zwei größeren Verlusten und einem Feuer offenbar auch nicht in die Sicherheit. 
  • Was macht die einzigartige Sammlung eigentlich noch aus, wenn man ein Stück von Weltrang verkauft hat? 
  • Warum ging man so rasch dazu über, das Museum wieder mit Geld und Prestige zu überhäufen? 
  • Welche Rolle spielen dabei das neue Archaeological Resources Centre (ARC), das dieses Jahr eröffnet wurde sowie andere mit dem Museum verbundene Restaurierungsprojekte? Hier werden stets nur öffentliche Mittel, etwa aus dem National Lottery Heritage Fund erwähnt, aber es bleibt unklar, ob hier auch Sekhemka-Mittel eingeflossen sind.

 

Links

 Interner Link

The benefits of selling museum objects to anonymous private collectors

Antiquities sale for museums pays off - this is the lesson of the case of the Sekhemka statue, that was sold by the Northampton Museum and Arts Gallery in 2014 for £15.8m. Despite international protests, the statue of Sekhemka, which had been in the museum's possession since the late 19th century, was auctioned off at Christie's London auction house to an anonymous private collection.

Statue of Sekhemka
Statue des Sekhemka, vom Museum Northampton bei Christie's verhökert
(Foto: Bibilovski (Own work) [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons)

Contritely, the museum board admitted mistakes and promised that something like this would not happen again. The museum has since undergone a £6.7m revamp. These necessary renovations served as justification for the sale. The museum has now regained its Arts Council England accreditation, that was lost after the sale. Furthermore, the museum was granted a £450,000 project which will, among other things, enable an exhibition "A History of Northamptonshire in 100 Objects". A regional politician commented: "This funding will enable us to grow Northampton’s Cultural Quarter and raise the profile of Northamptonshire’s rich history through a unique collection of exhibits."

This raises at least four questions: 

  • Where did the £9.1m that should be left over from the sale after the refurbishment actually go? Apparently not for a very basic exhibition on the history of the city - and in view of two major losses and a fire, apparently not for safety either.  
  • What makes a unique collection when you've sold a world-class piece?  
  • Why was it so quick to start heaping money and prestige on the museum again?
  • What is the role of the new Archaeological Resources Center (ARC), which opened this year, and other restoration projects associated with the museum? Reports only mention public funds, such as from the National Lottery Heritage Fund. It remains unclear whether Sekhemka funds were also used here.

 

Links

 Internal Link

 

Samstag, 16. April 2022

Notgrabung als Selbstzweck: Kontroverse um das „roman quarter Eboracum“ in York

Jutta Zerres

 

Es ist ein legitimes Anliegen einer Stadt ihre Vergangenheit zu präsentieren, nicht nur aus ideellen, sondern auch aus ökonomischen Gründen und in Sachen Historie und Denkmäler hat die nordenglische Stadt York neben der berühmten Kathedrale einiges zu bieten: Der römerzeitliche Vorgänger Yorks mit Namen „Eboracum“ nahm seinen Anfang unter Kaiser Vespasian als Militärbasis am linken Ufer der Ouse; die Zivilsiedlung lag gegenüber. Am Beginn des 3. Jahrhunderts avancierte letztere zur Kolonie und wurde die Hauptstadt der neu geschaffenen Provinz Britannia inferior. Nach der Reichsreform des Diokletian im Jahre 296 behielt die colonia Eboracensium den Rang als Verwaltungszentrum der neugegründeten Provinz Britannia secunda. Römische Kaiser residierten hier zeitweise: Septimius Severus und Constantius Chlorus, der hier im Jahre 306 verstarb. Seine Truppen riefen dessen Sohn Constantin am Ort zum Kaiser aus. Reste des Legionslagers wurden unter dem York Minster freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Teile der spätrömischen Kastellmauern sind zu besichtigen und eine Therme, eine Basilika, eine Brücke sowie Gräberfelder sind ebenfalls bekannt. Das Yorkshire Museum und die Website „History of York“ zeigen einen Überblick.

Die moderne Statue des Kaisers Constantin vor der Kathedrale erinnert an die historische
Bedeutung der römischen Stadt Eboracum.
(Foto: Son of Groucho [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons)

Neue Pläne des Unternehmens „Rougier Street Developments“ sehen vor, den Bestand der sichtbaren römischen Denkmäler für Besucher zu erweitern und museal zu erschließen. Dafür soll das „Northern House“, ein schmuckloses Gebäude aus den 1960er Jahren in der Rougier Street, abgerissen werden. Hier befindet man sich topografisch im Herzen der antiken Zivilsiedlung. Nach den Ausgrabungen ist der Bau eines unterirdischen Besucherzentrums namens „Eboracum“ mit thematischem Fokus auf der römischen Vergangenheit geplant. So weit so gut.


Die Kontroverse entzündet sich daran, dass das Besucherzentrums durch den Ersatz des „Northern House“ finanziert werden soll. Die Pläne sehen über dem Museum ein 10-stöckiges Gebäude mit einem Hotel, 153 Wohnungen und Büroflächen vor. „Rougier Street Developments“ und das kommerzielle Archäologie-Unternehmen York Archaeology Trust (YAT), das nicht nur Grabungen durchführt, sondern auch ein Consulting für Bauherren anbietet und Vermittlungsarbeit betreibt, beziffern den Gewinn, den das Projekt über 30 Jahre hinweg generieren mit 315 Millionen Pfund. Hinzu kämen 625 neue Arbeitsplätze.


Wohlgemerkt: Die Befunde und Funde, die präsentiert werden sollen, liegen noch nicht vor, sondern sollen erst durch die Ausgrabungen erschlossen werden. Unter den Kritikern sind die Denkmalschutz-Organisation „Historic England“ und das „Council for British Archaeology“ (CBA). Dessen Geschäftsführer Neil Redfern resümiert bestürzt, dass man also ein Besucherzentrum etablieren und für eben dieses ein sehr großes Loch graben möchte, um das Material zu finden, das dann an Ort und Stelle präsentiert werden soll. Zur Finanzierung des Ganzen sei der Bau eines extrem großen Gebäudes nötig.

Redfern stellt Fragen: Normalerweise würden Archäologen erst dann hinzugezogen, wenn ein Bauprojekt geplant sei und der Bodeneingriff sei nicht größer als nötig. Lediglich ein Drittel des Geländes würde archäologisch erschlossen, was aber geschehe mit dem Rest? In ca. 6 m Tiefe werde man voraussichtlich auf römische Schichten treffen, zuvor müsse man sich jedoch durch angelsächsische und wikingerzeitliche Schichten graben - die sich anderswo im Stadtzentrum als sehr bedeutend und obendrein sehr fundreich erwiesen haben. Im 9. Jahrhundert wurde York zu einem Zentrum der skandinavischen Besiedlung Nordenglands. Das Jórvík Viking Centre ist ein 1984 gegründetes, vom YAT getragenes, sehr erfolgreiches archäologisches Museum der Stadt, das anhand der Coppergate-Grabungen 1976-81 den Alltag der Wikingerzeit präsentiert. Was also passiert, wenn in der Rougier Street herausragende Befunde nachrömischer Zeit auftreten? Kann die geplante Frist von zwei Jahren unter diesen Umständen eingehalten werden? Was soll aus dem Besucherzentrum werden, wenn die erhofften römischen Befunde ausbleiben?

Eingang zum Jórvík Viking Center, 19 Coppergate
(Foto: Jeremy Bolwell [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons)


David Jennings, der Geschäftsführer von YAT, entgegnet, dass die Grabungstechniken heute besser seien als vor Jahrzehnten und dass für Ausgräber das Auftreten unerwarteter Situationen zur Praxis gehöre. Die Einhaltung der zweijährigen Frist sieht er daher nicht gefährdet. Der Grund dafür, dass nur ein Drittel des Geländes ausgegraben werde, läge in dem Umstand begründet, dass das „Northern House“ zum Teil auf dem Areal einer alten Tankstelle errichtet wurde. Durch die ehemals tief in der Erde versenkten Tanks wäre bereits ein großer Teil des archäologischen Materials bereits verloren.


Das Dilemma ist klar: Einerseits belegen die Vorgänge, dass Archäologie entgegen der landläufigen Meinung nicht bloß ein notwendiges Übel und lästiger Kostenfaktor ist, sondern selber einen Umsatzfaktor darstellen kann. Andererseits ist es aus der denkmalpflegerischen Perspektive ein „No-Go“ Ausgrabungen durchzuführen mit dem Ziel etwas Vorzeigbares zu finden und kommerziellen Interessen zu dienen.
Allerdings wäre ein normales Investitionsprojekt möglicherweise gar nicht zu verhindern und Ausgrabungen wären dann ohnehin notwendig, aber mit geringerem Engagement des Investors.
Oder geht es letztlich einfach darum, in sensiblem Gelände eine Baugenehmigung zu erhalten?


Links



Sonntag, 12. Januar 2020

Provenienzen erstunken und erlogen - bestenfalls geschönt...

Christos Tsirogiannis hat schon mehrfach nachgewiesen, dass Provenienzen auch bei angesehenen Auktionshäusern offensichtlich nicht den Tatsachen entsprechen. Er kann auf Ermittlungsunterlagen der italienischen Polizei zurückgreifen und hat damit ein Archiv von Bildern und Beschreibungen von Funden, die früher schon bei Händlern z. T. bei Razzien aufgetaucht sind. Bemerkenswerterweise fehlt diese Station in den Provenienzangaben, wenn die Funde später angeboten werden.

(R. Schreg)

Der letzte Fall: ein römischer Eros bei Christie's, der für 1,5 Mio £ verkauft wurde, trotz des Beweises, dass die Provenienzangaben falsch sind und der dringende Verdacht besteht, dass sich der Fund illegal im Handel befindet.
Das ist nicht das erste Mal:
Gerne hätte der Handel Zugriff auf das Archiv von Tsirogiannis - dann liesen sich die Provenienzen geschickter fälschen.

    Interne Links zu den Themen Antikenhehlerei und Kriminalarchäologie


    Literaturhinweis

    • Günther Wessel, Das schmutzige Geschäft mit der Antike. Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern (Berlin: Ch. Links Verlag 2015)

    Samstag, 24. März 2018

    Alles gut!? Der Canterbury Diebstahl

    Bereits Ende Januar wurde das Magazin des Canterbury Archaeological Trust von Einbrechern heimgesucht und rund 1500 Fundstücke wurden gestohlen. Die Meldung ging weltweit durch die Medien.
    (CC0 via pixabay)
    Jetzt wurden die Funde größtenteils in Canterbury sicher gestellt. Ein 36-jähriger Mann wurde verhaftet, nachdem die Funde in einem verfallenen Haus gleich in einer benachbarten Straße zum beklauten Depot aufgefunden wurden.
    Die Glasperlen befanden sich noch in ihren originalen Tüten, nur einige Repliken und Münzen scheinen zu fehlen.

    Alles gut?

    Interessant wird der Fall nicht zuletzt durch die Diskussion, die im Nachhinein ein Licht auf die Lagerungsbedingungen wirft. Der Gebäudekomplex mit dem archäologischen Depot war offenbar über Wochen hinweg das Ziel von Metalldieben. Diese hatten es wohl vor allem auf die Kupferleitungen des Gebäudes abgesehen, daher ist anzunehmen, dass auch die Artefakte - möglicherweise als Beifang - ebenfalls zu Geld gemacht werden sollten. Die Einbruchserie war der Stadt Canterbury als Eigentümerin des Depotgebäudes bekannt, noch bevor auch die Artefakte geklaut worden sind. Weder Museum noch Polizei waren von den Vorfällen informiert worden.
    Funddepots sind häufig eher notdürftig in alten Gewerbeimmobilien untergebracht, oft nur mit befristeten Miet- oder Nutzungsverträgen. Lagerungs- und Sicherheitsbedingungen entsprechen zwangsläufig nicht immer wünschenswerten Standards.
    So verweist der Canterbury-Fall auf ein Problemfeld, das wahrscheinlich auch anderswo existiert.

    Montag, 21. Dezember 2015

    PAS am Scheideweg

    In England steht das Portable Antiquities Scheme am Scheideweg. Nach Mittelkürzungen fallen viele der FLOs weg und für die Zahlungen - die der 'Kundschaft' von PAS immer so wichtig waren - ist kein Geld mehr da. Die Spendenbereitschaft der Nutznießer ist gleich null. Organisatorisch ist PAS nun der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des British Museum angegliedert, was prinzipiell zu begrüßen ist, denn genau diese war in der Vergangenheit eher fatal: Es gibt keine Anleitung für die Sondengänger für die verantwortungsvolle Praxis, in Form einer Darstellung, die einmal erklären würde, was ein Fundkontext ist und weshalb eine Dokumentation so wichtig ist. Immer wieder kam es zu Fällen, wo unter den Augen der FLOs archäologische Fundstellen vernichtet wurden, darunter ein Fall, in dem möglicherweise ein frühmittelalterliches Gräberfeld nicht erkannt wurde, stattdessen aber zahlreiche 'Hortfunde' auf einem Feld geborgen wurden.
    Allerdings wird gerade an der Arbeit mit den Sondlern nun massiv gekürzt.

    Mit Stand Anfang 2015, als die Neuorganisation von PAS nur in Anfängen zu erkennen war (bis heute scheint es keine klare Kommunikation der aktuellen Situation zu geben), fasst ein Artikel im neuesten Band der Archäologischen Informationen die Rolle von PAS zusammen.


    Montag, 7. Oktober 2013

    Mittelstreichungen führen zu Verlust von Expertenwissen - und ungezügeltem Planungswildwuchs

    Der British Archaeological Trust warnt vor einem Verlust der Arbeitsfähigkeit der Denkmalpflege durch Mittelkürzungen. Er verweist vor allem auf die sinkende Zahl von Experten, die kompetent zu Planungen aus denkmalpflegerischer Sicht Stellung beziehen können.   

    Donnerstag, 27. Dezember 2012

    Gefängnisstrafen für Sondengänger

    Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht in deutschen Sondlerkreisen genießen Sondengänger auch in Großbritannien keine Narrenfreiheit: Zwei Sondengänger sind nun zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, ausgesetzt auf Bewährung sowie zu Sozialarbeit verurteilt worden. Sie waren im Sommer verhaftet worden, als sie illegal in der römischen Stadtanlage bei Irchester gegraben hatten.

    In Griechenland wurden zwei Raubgräber zu 20 bzw. 16 Jahren Haft verurteilt. Sie hatten ein reich ausgestattetes Gräberfeld des 6. Jahrhunderts v.Chr. bei Thessaloniki geplündert und die Funde verkauft.
    Nachtrag (27.12.2012)
    Ein weiteres Urteil aus Großbritannien
    und die Forderung von English Heritage nach härteren Strafen
    Nachtrag (2.1.2013)
    Paul Barford auf PACHI (21.12.2012): Metal Detectorist Sentenced for Stealing Archaeological Evidence

    Donnerstag, 13. Dezember 2012

    Türkei zieht vor den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

    Mitgliedsstaaten der Europäischen
    Menschenrechtskonvention
    (Karte: Cj73 [CC-BY-SA 3.0]
    via WikimediaCommons)
    Die Türkei kämpft seit Jahren darum, Antiken aus verschiedenen europäischen Museen zu "repatriieren", wohin sie vor allem im 19. Jahrhundert gelangten. Im Falle der Statuen aus dem Mausoleum von Halikarnassos wird die Türkei nun im Januar 2013 den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen.

    Die genaue juristische Argumentation ist noch nicht publik, doch hat der Blog Illicit Cultural Property den Fall bereits kommentiert: Illicit cultural property (10.12.2012): Is Cultural Heritage a Human Right?
    Derek Fincham bezweifelt, ob es ein Menschenrecht auf Kulturerbe gibt. Er argumentiert allerdings vor allem mit der sicher schwierigen Praxis. Worin begründet sich ein Anspruch auf Kulturerbe? Er wirft die Frage auf, inwiefern nicht inzwischen auch die Londoner einen Anspruch auf die Statuen des Mausoleums hätten, da sie dort sei gut 150 Jahren im British Museum zu sehen sind. Ergänzend müsste man fragen, ob ein Lokalitäts- oder ein Abstammungs- bzw. Traditionsprinzip gilt. Letzteres ist kaum je beweisbar. Und eigentlich lässt sich die Frage auch nicht von jener der Legalität der damaligen Exporte völlig trennen.
    Ein Recht auf Kulturerbe gibt es m.E. aber durchaus. Letztlich beruht darauf ja die Rechtfertigung des Denkmalschutz: Im Anrecht künftiger Generationen auf ihre eigene Geschichte.


    Zur Situation der Archäologie in der Türkei und den türkischen Rückgabeforderungen:

    Nachtrag (16.12.2012)

      Mittwoch, 7. November 2012

      Nach 5000 Jahren endlich mal aufgeräumt!

      Im Juli 2011 waren Bilder bekannt geworden, die Planierungsarbeiten an einer Henge-Anlage bei Wells südlich von Bristol zeigen. Es handelt sich um die aus mehreren Kreisen bestehende Anlage der Priddy Circles. Drei der rund 190 m im Durchmesser großen Kreise liegen dicht beieinander auf einer geraden Linie. Ein vierter Kreis im Norden liegt in etwas größerem Abstand und leicht aus der Grundlinie verschoben. Er ist in modernen Luftbildern kaum noch zu erkennen und war möglicherweise auch nie vollendet. Grabungen der 1950er Jahre zeigten den Aufbau der Kreis aus einem Erdwall mit einer Steinpackung im Kern. Pfostenlöcher weisen auf eine konstruktive Verstärkung. Nach außen zu folgt ein Graben. Im Umfeld, teilweise auch innerhalb der Kreise befinden sich mehrere Grabhügel.
      Solche Henge-Anlagen sind in England weit verbreitet. Stonehenge ist das prominenteste Beispiel. Die Priddy Circles waren in ihrere Dreier- bzw. Viererkombination ein herausragendes und wichtiges Monument. Die Funktion der Henge-Monumente ist immer noch nicht geklärt. Die Anlagen zeigen viele indviduelle Züge und datierendes Fundmaterial ist nicht gerade häufig. Erst neuerdings ermöglichen es geophysikalische Prospektionen und moderne geowissenschaftliche Datierungsmethoden, grundlegende Fakten zu klären. Voraussetzung dafür ist ein intakter Befund. 

      Nachdem ein Grundstück im Süden der Anlage mit Teilen des südlichsten Kreises den Eigentümer gewechselt hatte, begann der pensionierte Geschäftsmann erst einmal aufzuräumen. Es sollte das Haus renoviert werden, eine zerfallene Mauer wieder aufgerichtet und die Wiese hergerichtet werden. Mit Bulldozern wurden Bäume und Wallanlage, vor allem aber weitere Reste im Innern der Anlage eben geschoben, Mulden mit Bauschutt aufgefüllt. Das ganze war wohl nicht schlecht gemeint: Die Bauarbeiter waren angewiesen, den Wall zu schonen.



      Größere Kartenansicht
      Das Luftbild zeigt die Situation vor den Zerstörungen. Betroffen ist der südliche Kreis.



      Jetzt ist ein Urteil ergangen: Der Bauherr hat die Wiederherrichtung des Monuments zu bezahlen rund 38.000 £. Hinzu kommt eine Strafe von 25.000 £ und weitere Gerichtskosten von 7.500 £ (ohne die eigenen Anwaltskosten).
      Den Schaden am archäologischen Befund macht dies freilich nicht wieder gut - und die Chancen, die Funktion der Monumente zu klären, sind deutlich gesunken.

      In der Diskussion um diesen Vorfall kam der Gedanke auf, das Monument als Mahnung nicht wieder herzurichten. Eine Wiederaufschüttung des Walles würde nur den Eindruck erwecken, nichts sei passiert. Das Geld wäre besser investiert, andere Anlagen zu erforschen, ins öffentliche Bewußtsein zu bringen und besser zu sichern.


      Links
      knappe Info zu Henge-Anlagen bei wikipedia

      Dienstag, 7. August 2012

      Eine Meile Abstand! Aktivitäten der Odyssey Explorer am Wrack der HMS Victory

      ein Gastbeitrag von Mathias Blobel

      Wie sich kürzlich herausgestellt hat, liegt die Odyssey Explorer, das Schiff der Bergungsfirma Odyssey Marine Exploration mindestens seit Juni über dem Wrack der HMS Victory. Wie hier auf Archaeologik schon mehrfach berichtet, wurde das Wrack vom britischen Staat der Marine Heritage Foundation geschenkt, die mit guten Gründen als Fassade der amerikanischen Firma angesehen werden kann, die von der kommerziellen Bergung von Schiffswracks lebt und dabei archäologische Belange außer Acht lässt.

      Odyssey Explorer
      Die Odyssey Explorer im Hafen von Falmouth, 2008
      (Foto: R~P~M [CC BY-NC-ND 2.0] via flickr)

      Nach Informationen des britischen Verteidigungsministeriums wurde von Seiten der Marine Heritage Foundation bestätigt, dass Vorbereitungen zum Heben von Gegenständen unternommen wurden, dies allerdings noch nicht geschehen sei. Die Schenkung des Wracks verbietet solche Aktivitäten ohne eine vorherige Erlaubnis des Ministeriums ausdrücklich. Nach dem Anhang der “UNESCO Convention on the protection of the underwater cultural heritage” von 2001, an den sich auch die britische Regierung hält, ist die Ausgrabung von Wracks nur bei akuter Gefährdung zu verantworten. Laut der Stiftung wurden auch die vorbereitenden Aktivitäten abgebrochen.

      Von der aktuellen Position und dem Status des Schiffes kann sich jeder mit Hilfe einer AIS Tracking Website (vesselfinder) selbst überzeugen. Demnach liegt die Odyssey Explorer noch immer über dem Wrack der HMS Victory. Andere Schiffe werden darüber informiert, einen Mindestabstand von einer nautischen Meile zu halten, offenbar um Tauchoperationen nicht zu gefährden.

      Was genau die Odyssey Explorer gerade im Ärmelkanal macht, ist nicht sicher. Allerdings ist bekannt, dass Odyssey Marine Exploration dringend gute Nachrichten für seine Investoren braucht. Die finanzielle Situation der Firma ist prekär, erst kürzlich musste sie einen Notfallkredit in Höhe von 10 Millionen Dollar aufnehmen. Eine baldige unerlaubte Hebung von Gegenständen aus dem Wrack und damit eine Zerstörung der archäologischen Befunde scheinen also nicht ausgeschlossen. 

      Links:

      Interne Links

      Dienstag, 26. Juni 2012

      HMS Victory Update


      ein Gastbeitrag von Mathias Blobel
       
      Im Fall der HMS Victory  hat sich nun herausgestellt, dass die Maritime History Foundation keine eigenen finanziellen Mittel hat, um die Prospektionen und Grabungen an dem Wrack zu finanzieren. Das britische Verteidigungsministerium war gezwungen, zuzugeben, dass man dies vor der Schenkung nicht überprüft hatte, obwohl dies eigentlich so vorgesehen ist.

      Die Britische Regierung hatte allerdings stets beteuert, dass der Anhang zur “UNESCO Convention on the protection of the underwater cultural heritage” (Text) von 2001 die Handlungslinien der britischen Politik für den Umgang mit historischen Wracks vorgebe. Die Regeln 10d und 17 verlangen (von dringlichen Ausnahmesituationen abgesehen) eine Vorab-Finanzierung von Bergungen.  

      Die Maritime Heritage Foundation hat damit bereits jetzt Schulden bei Odyssey Marine Explorations. Da sie diese ohne eigene Geldmittel eigentlich nur durch die Erlaubnis, Artefakte zu verkaufen tilgen kann, ist sie nicht in der Lage, denkmalpflegerische Interessen gegenüber der Schatzsucherfirma durchzusetzen.

      Neben der finanziellen steht auch die moralische Qualifikation der Maritime Heritage Foundation immer mehr in der Kritik.  Richard Temple West, ein direkter Nachfahre von Admiral John Balchin, der mit der Victory unterging, veröffentlichte vor kurzem einen offenen Brief in der Times, in dem er an die Öffentlichkeit appellierte, es nicht zuzulassen, dass „das Grab meines Vorfahren von Werbeleuten dafür [benutzt werde], so zu tun, als sei das Gewinnstreben einer Schatzsucherfirma Archäologie, die im Interesse der Öffentlichkeit durchgeführt wird.“ (Heritage Daily v. 25.6.2012)

      Während Herr Temple West ein direkter Nachfahre Sir John Balchins ist, hat sich nun herausgestellt, dass das genaue Familienverhältnis des Admirals zu Lord Lingfield, dem Direktor der Maritime Heritage Foundation (und ehemals Sir Robert Balchin) hingegen nicht sicher ist. Wahrscheinlich steht er nicht in direkter Abstammungslinie von Admiral Balchin.
      Damit ist auch das von Odyssey Marine Explorations in der Presse benutzte Argument nichtig, dass nämlich die Nachfahren des Admirals eine Hebung unterstützten.

      Es bleibt zu hoffen, dass die britische Regierung die richtigen Schlüsse aus den Ereignissen zieht, die Schenkung des Wracks zurücknimmt und es einer denkmalpflegerisch besser qualifizierten Organisation überantwortet.


      Links

      interner Link

      Donnerstag, 7. Juni 2012

      Die Odyssee der HMS Victory - ein politisches Wrack

      HMS Victory sinking
      Gemälde vonPeter Monamy,
      Loss of HMS Victory, 4 October 1744

      (Collections of the National Maritime Museum)
      [Public domain], via Wikimedia Commons

      ein Gastbeitrag von
      Mathias Blobel



      In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 1744 sank das Kriegsschiff HMS Victory im Ärmelkanal. Das Flaggschiff der britischen Ärmelkanalflotte war Opfer eines Sturmes geworden. Keiner der mehr als 1000 Mann starken Besatzung, darunter auch der Kommandeur der Flotte, Admiral John Balchin, konnte gerettet werden.

      Das Wrack des Schiffes wurde 2008 von der amerikanischen Firma Odyssey Marine Exploration entdeckt. Was danach mit ihm geschah, ist eine Geschichte von politischer Einflussnahme, wirtschaftlichen Interessen und wissenschaftlich fragwürdigen Entscheidungen. Sie zeigt, wie wichtig die besonnene Verwaltung von Kulturerbe über und unter Wasser ist und welche Gefahren den zuständigen Institutionen zur Zeit vor allem in Großbritannien drohen.


      Odyssey Marine Exploration ist keine unbekannte Größe in der Welt der Unterwasserarchäologie. Die einzige Schatzsucherfirma, die Aktien ausgibt, war schon in mehrere Skandale um Schiffswracks und deren Bergung verwickelt. Erst kürzlich entschied ein amerikanisches Gericht, dass das Unternehmen 17t Silbermünzen an die Regierung von Spanien zurückgeben müsse (Discovery News). Die Artefakte stammen aus einem Wrack, das von Odyssey mit dem Codenamen „Black Swan“ belegt worden war. Bei dem Schiff handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Nuestra Señora de las Mercedes, ein spanisches Kriegsschiff, das 1804 von der britischen Marine westlich von Gibraltar versenkt wurde. Laut Seerecht gehören Kriegsschiffe auch nach ihrem Untergang dem Staat unter deren Flagge sie fuhren.

      Entsprechend ist für das Wrack der HMS Victory das britische Verteidigungsministerium (Ministry of Defence) zuständig. Odyssey Marine Exploration informierten das Ministerium nach der Entdeckung. Gleichzeitig unterbreitete die Firma dem Ministerium ein Angebot, das Wrack zu heben und den Gewinn mit dem britischen Staat zu teilen.

      Freitag, 17. Februar 2012

      Wormleighton - Wüstung unter Wiese

      Ein weiteres Beispiel für mittelalterliche Siedlungslandschaften, diesmal aus England, wo entsprechende Kulturlandschaftsrelikte seit langem bekannt sind - und zur Entwicklung der landscape archaeology nicht unerheblich beigetragen haben.


      Größere Kartenansicht Ortslage und Äcker einer Wüstung bei Wormleighton
      Änderungsvermerk: Karte ausgetauscht, 23.8.2013

      Samstag, 24. Dezember 2011

      Mittwoch, 6. Juli 2011

      Schatz in Furness - und wieder keine Angabe zum Kontext

      BBC News meldet den Fund eines wikingerzeitlichen Schatzes in Furness/Nordengland. Wurde der nun bewusst in einer Siedlung, vielleicht hinter einem Haus vergraben, an einer Kirche, in einem Grab? Der Sondengänger hat's ausgebuddelt und nobody knows... (steht jedenfalls nach der Pressemeldung zu befürchten).

      - Schon bemerkenswert: Jede Menge neuer Schatzfunde dank Sondengänger in England, aber fast nie eine Klärung der Frage, wie und wo diese eigentlich niedergelegt worden sind. Wie also sind diese Schätze insgesamt zu verstehen? Händlerhorte? Verstecke bei drohenden Wikingereinfällen? Heidnische Grabbeigabe? Statt dessen erfährt man, der Schatz sei mehrere Zehntausend Pfund wert. Das ist doch Unsinn. Das ist entweder der Materialpreis oder ein höchst spekulativer Sammlerwert. So ein Wert interessiert nur den, der auf "Finderlohn" (bzw. Zerstörungsprämie) hofft. Der historische Wert als Quelle für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wikingerzeit und für die Ortsgeschichte von Furness wurde beim Ausbuddeln vom Sondengänger weitgehend vernichtet. Das Museum will die Detektoristen für die Zerstörung jetzt auch noch belohnen, indem sie den Schatz ankauft...
      Vorbildliche Regelungen also in England beim Umgang mit Sondengängern? Wohl eher ganz und gar nicht!

      Montag, 27. Juni 2011

      Scottish Archaeological Internet Reports

      SAIR ist eine Publikationsreihe, die von der The Society of Antiquaries of Scotland herausgegeben wird. Seit 2001 sind fast 50 Editionen als pdf erschienen. Sie umfassen umfangreiche Grabungs- und Tagungsberichte zur schottischen Archäologie. Frei zugänglich unter http://www.sair.org.uk

      Dienstag, 24. Mai 2011

      Krise in der Bronzezeit

      Ein Beitrag bei BBC News, Science and Environment geht der Frage einer Krise am Ende der britischen Bronzezeit nach. Ein eklatanter Rückgang der Fundstellen und nachfolgende Traditionsbrüche führen zu einem Krisenszenarium, für das auch umwelthistorische Hintergründe in der Diskussion sind.

      Sonntag, 15. Mai 2011

      PAC: Natural England macht Reklame für metal detecting

      Englischer Naturschutz sieht sich auch für die Denkmalpflege zuständig - und macht Werbung für Sondengänger!!
      Paul Barford erwartet in seinem Blog "Portable Antiquity Collecting and Heritage Issues" , dass Natural England demnächst konsequenterweise auch Dachs-Quälen, Vogeleier-Sammeln, Wildblumen-Pressen und Off-road Safari auf empfindlichen Rasengesellschaften anbietet.