Sonntag, 22. September 2019

Archäologie und die Zukunft der Demokratie: Das EAA Statement von Bern

Die European Association of Archaeologists (EAA) hat bei ihrem Annual Meeting Anfang September 2019 in Bern ein Statement zur "Archaeology and the Future of Democracy" verabschiedet. Knapp zusammengefasst wird hier festgestellt:

Archäologie befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften der Vergangenheit. Die Narrative und Rekonstruktionen, die sich daraus ergeben spiegeln jedoch die sozialen und politischen Strukturen der Gegenwart. Unausweichlich muß sich die Archäologie in ihren Interpretationen daher auch kritisch mit den aktuellen und zu erwartenden sozialen und politischen Rahmenbedingungen auseinander setzen und insofern auch politisch engagiert sein. Archäologie bringt hier insbesondere eine Langzeitperspektive ein und kann grundlegende Erfahrungen für eine Abschätzung künftiger Entwicklungen liefern. Sie kann zu vielen aktuellen Themen wichtiges Orientierungswissen liefern, etwa zu Flucht, Migration, Konflikt, De-Industrialisation, Globalisierung oder auch Digitalisierung.

Die EAA hält es daher auch für ihre Pflicht, sich und ihre Expertise in politische Diskussionen einzubringen. Dies erfordert uneingeschränkte Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Unabhängigkeit und eine demokratische Gesellschaft mit den Prinzipien von Gleichberechtigung und Pluralität.

Der genaue (englische) Text der EAA-Erklärung findet sich als pdf unter:

Ein klein wenig ausführlicher ist die Artikelfassung in der EAA-Zeitschrift 'The European Archaeologist":  

Der Text der EAA macht zwar deutlich, dass die Situation in Ungarn ein wesentlicher Anlass für die Resolution darstellt, spricht aber leider Ungarn nicht konkret an. Die m. E. nötigen klaren Worte fehlen daher. Entscheidend wird sein, bei der Tagung der EAA 2020 in Budapest sich von politischer Vereinnahmung und staatlich geförderten Parawissenschaften zu distanzieren.

Interne Links

Sonntag, 8. September 2019

Kulturgüter in Syrien und Irak (Juli/ August 2019)

    Zerstörer von Mosul gefasst

    Bislang ist es nur eine Nachricht auf Twitter, wonach die Polizei von Mosul den Terroristen gefasst hat, der 2015 in einem IS/Daesh-Video archäologische Statuen zerschlagen hat. Quelle ist 'TomtheBassetCat', der regelmäßig und intensiv aus dem syrisch-irakischen Kriegsgebiet berichtet und am 27.8. den besagten tweet eingestellt hat.



    vergl.


    Rechtlich sind mit dem Präzedenzfall aus Mali die Grundlagen für eine internationale Strafverfolgung gelegt: 

    Das Wiedererstarken des Daesh


    Aktuell verweist die UN darauf, dass Daesh ein Vermögen von geschätzt 300 Millionen $ zur Verfügung habe und nach wie vor über Finanzquellen verfüge - unter anderem durch den Verkauf von archäologischen Funden.
    Sehenswert sind zwei Dokumentationen auf ARTE, die mit Archäologie zwar nichts zu tun haben, aber die bedenklichen Entwicklungen zeigen, die kaum geeignet sind, auf Dauer friedliche Lebensbedingungen zu schaffen:


    Raubgrabungen und Antikenhehlerei

    Unabhängig davon, dass die Berichte auch der Rehabilitierung des syrischen Regimes als Kulturnation dienen, zeigen sie doch, dass der internationale Antikenmarkt in erheblichem Maße mit Raubgrabungsfunden aus der Krisenregion beliefert wurde und wohl auch noch wird.

    Ein arabischer Artikel in HashtagSyria gibt  einen Überblick über das Ausmaß der gestohlenen Museumsbestände und eine grobe Abschätzung der Zerstörungen. Dabei gehen diese Schätzungen auf die Expertise der syrischen Altertumsbehörde zurück, die sich in den vergangenen Jahren trotz des Krieges sehr darum bemüht hat, mit lokalen Kräften wichtige Fundstellen im Auge zu behalten und Schäden zu dokumentieren. Der Beitrag zitiert den aktuellen Generaldirektor der DGAM Mahmoud Hammoud und seinen Vorgänger Mahmoud Abdelkarim (bis Oktober 2017):
    Demnach lässt sich als Momentaufnahme die folgende Zusammenstellung geben, die sich jedoch nur auf die inventarisierten Objekte bezieht, nicht auf die riesigen Depotbestände, die noch nicht aufgearbeitet waren und eben auch nicht die wohl weit größere Zahl, der direkt auf den Fundstellen in Raubgrabungen geplünderten Funde:
    Bezirk Idlib: 16.000 Objekte 
    Bezirk Raqqa: 6.000 Objekte
    Museum Bosra: 700 Objekte
    Bezirk Homs: ca 400-500 Objekte
    Das sind vorläufige Zahlen, die bei weitem nicht ganz Syrien abdecken und, wie gesagt, die Raubgrabungen und Funddepots nicht mit einschließen. Mahmoud Abdelkarim schätzt, dass es dreißig bis vierzig Jahre dauere, die Schäden einigermaßen richtig zu bemessen. HashtagSyria zitiert Mahmoud Hammoud: "Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich für mindestens eine Million Artefakte verantwortlich bin, die aus unseren nationalen Museen gestohlen wurden und in den Westen gingen" (Google-Übersetzung).

    Rund 25.000 Artefakte seien von der syrischen Armee nach der Rückeroberung der Territorien des IS und der Oppositionin den Bezirken Damaskus, Palmyra, Apameia, Daraa, Mary und Euphrat sicher gestellt worden. Als großes  Problem sehen Hamoud und Abdelkarim nicht zuletzt den Schmuggel ins Ausland, da die Grenzen dafür offen gewesen wären, über die Türkei, den Libanon, Jordanien und auch in die israelisch besetzten Gebiete. Abdelkarim regt an, in Syrien ein eigene Behörde mit Juristen einzurichten, um die Funde aus dem Ausland zurück zu fordern und eng mit Interpol zusammen zu arbeiten. 
    Der Artikel thematisiert dabei breit die früheren Plünderungen syrischer Altertümer während der osmanischen Zeit und der Zeit des französischen Mandats nach dem Ersten Weltkrieg, was deutlich macht, wie der europäische Kolonialismus bis heute nachwirkt (vergl. Die Zerstörung des alten Palmyra - 1929. Archaeologik [28.12.2015]).

    Ein weiteres wichtiges Thema des Artikels sind die laufenden Restaurierungen, die improvisiert und weitgehend ohne fachkundliche Anleitung und Expertisen durchgeführt werden.
    Wichtig für die Schätzung des Volumens der geplünderten Artefakte sind auch die Überlegungen, die ein amerikanisches Team jüngst publiziert hat:
    Auf der Basis des Fundvolumens jüngerer Ausgrabungen und der aktuellen Preise aus dem Handel errechneten sie am Beispiel von zwei Ausgrabungen den theoretischen finanziellen Wert der Funde. Im Falle von Dura Europos beläuft sich die Schätzung auf 18 Millionen US$, in Tell Bi’a, das nur zu etwa 10% ergraben ist auf 4 Millionen Dollar.  50% der Summen stammen demnach von kleinen Objekten unter 7 cm.

    Diese Beobachtungen zeigen nochmals, wie unsinnig das Argument des Kunsthandels ist, es gäbe "kein Angebot an hochwertigen Objekten", denn den Schaden richtet die Massenware an. Außerdem wird es noch dauern, bis die Raubgrabungsobjekte aus Syrien in den Markt eingeschleußt sind. -Vergl.  https://archaeologik.blogspot.com/2019/08/der-abschlussbericht-von-illicid-und.html

    Als Nachtrag ein Bericht vom Juni
    Syria: “Stones Smuggling”, SIRAJ (15.6.2019). - https://sirajsy.net/en/header/syria-stones-smuggling/

    Rückgabe von Artefakten

    Sicherstellung von Antiken in der Provinz Homs, die wohl auf eine Exportgelegenheit warteten:
      Angeblich mit amtlicher Bewilligung aus Aleppo haben pro-Iranische Milizen östlich von Aleppo Grabungen durchgeführt:

      Aktuelle Meldungen und Berichte

      Immer nnoch keine neuen Aktivitäten bei http://www.asor.org/chi/reports/weekly-monthly
       

      Weitere Zerstörungen durch Militärs und Milizen

      Die kriegsbedingten Zerstörungen, die die erste Phase des Bürgerkrieges in Syrien bestimmt haben, sind durch die Berichte über Plünderungen und Zerstörungen etwa durch Daesh etwas überlagert worden. Welche Schäden an Kulturdenkmalen die andauernden Luftangriffe im Nordwesten Syriens mit sich bringen, bleibt unklar.
      Militärs und Milizen treten eher als Akteure von Raubgrabungen und ggf. gezielten Kulturgutzerstörungen in Erscheinung.
      So gibt es Berichte, die die Iranischen Revolutionsgarden in Syrien der Plünderung und Zerstörung in Aleppo und Palmyra bezichtigen - sicher auch eine Gegenerzählung zur oben genannten Selbststilisierung der syrischen Regierungsseite als Kulturretter.

      Auch die Beurteilung der Vorwürfe an die türkischen Besatzer in Efrin hat dies zu berücksichtigen:
      Bilder auf facebook sollen diese Zerstörungen auch zeigen:
      Ein Bericht der Altertumsbehörde aus Afrin vom Juni 2019:
       

        Mosul

        3D-Replikat einer Löwenskulptur, die im Museum Mosul durch zerstört wurde:
        ein Rückblick auf die Zerstörungen:

        Apameia

        In Apameia wurde durch Mitarbeiter der Denkmalpflege in Hama eine Metallkiste geborgen, in der vor der Besetzung von Apameia durch "Bewaffnete Banden" Hunderte von Artefakten (Schmuck, Statuen, Keramik und Glas aus verschiedenen historischen Epochen) versteckt worden waren.
         Ein Bericht zur aktuellen Situation am Ort:


        Damaskus

        Die UNESCO überlegt die Altstadt von Damaskus von der Liste des gefährdeten Kulturerbes zu nehmen.

        Aleppo


        Ein Bericht zur Restaurierung der Omayaden-Moschee mit zahlreichen Bildern:

        Aleppo, Omaijaden-Moschee vor der Zerstörung, 2008
        (Foto: Martijn Munneke [CC BY 2.0] via Wikimedia Commons)
        Laut einer Meldung von  Urdu Point wurde der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Al Saktyya Markt in Aleppo vollständig restauriert. Offenbar waren russische Organisationen involviert. Die Eröffnung verzögert sich noch.
        Die Rolle der Social Media für das Bewusstsein des Kulturguts:

        Palmyra

        Russland bestärkt das Interesse an einer Beteiligung bei der Restaurierung:

        Mar Bishu, Khabour (Northern Syria)


        Ein Video aus der Provinz Hasake in Nordsyrien zeigt den Zutsnad der assyrisch-christlichen Dorfkirche (wohl ein moderner Bau), die durch Daesh 2015 zerstört worden war.

        Raqqa

        In Raqqa wurde von der Altertumsbehörde mit der Restaurierung der kriegsbeschädigten Stadtmauer begonnen. Dabei wird auch ein benachbarter Park saniert.

        Al-Sheuok Tahtani

        Die lokale Antiquities in Culture Authority  in der Al-Jazira Provinz in Nordsyrien bereitet die restaurierung der Mosaiken von Al-Sheuok Tahtani vor. Während der Besetzung durch Daesh kam es zu Plünderungen und Planierungen.

          Irak, außerhalb des Krisengebietes:


          Sonstige Berichte


            Links

            frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak:

            Wie immer geht mein Dank an diverse Kollegen für ihre Hinweise. Die Übersetzungen arabischer Texte gehen meist auf Google Translator zurück und sind daher bisweilen Fehler-anfällig.

             

              Dienstag, 3. September 2019

              Der Propaganda-Charakter des Instituts für Ungarische Studien (Magyarságkutató Intézet)

              Mit der de-facto-Zerschlagung der Akademie der Wissenschaften wurde das zum 1. Januar 2019 gegründete Institut für Ungarische Studien (Magyarságkutató Intézet) Teil des Eötvös Loránd Forschungsnetzwerks (vgl. Archaeologik [12.7.2019]) und tritt hier neben das bisherige Archäologische Institut der Akademie. Das neue Institut ist eine staatliche Einrichtung, deren Gründung im Oktober 2018 im Staatsanzeiger angekündigt wurde (http://www.kozlonyok.hu/nkonline/MKPDF/hiteles/MK18172.pdf, S. 2-4). Es steht unter direkter politischer Kontrolle.

              Das Institut befindet sich noch im Aufbau, so dass erst allmählich Einzelheiten zu dem neuen Institut bekannt werden. Dabei ergeben sich bisweilen offenbar noch strukturelle Veränderungen und auch das Personal wird erst noch angeworben. Neben den Informationen der Instituts-Homepage gibt vor allem ein internes Papier, das durch einen Pressebericht an die Öffentlichkeit gelangt ist, Einblicke in die Hintergründe des neuen Instituts.

              Als Introbild fungiert ein monumentales Historiengemälde von Árpád Feszty, das 1895 zum 1000jährigen Jubiläum der ungarischen Landnahme gemalt wurde (vergl. https://en.wikipedia.org/wiki/Arrival_of_the_Hungarians?wprov=sfla1/ https://de.wikipedia.org/wiki/Feszty-Panorama).
              Das Titelbild des neuen Instituts: Auschnitt aus dem Feszty-Panorama "Ankunft der Ungarn"
              (Árpád Feszty [PD] via WikimediaCommons)


              Über Ausrichtung und Ziele des neuen Instituts heißt es auf der Website (https://mki.gov.hu/hu/magyarsagkutato-intezet ):
              “Das Hauptziel des Ungarischen Forschungsinstituts ist es, den hohen wissenschaftlichen Kenntnisstand in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen so weit wie möglich zusammenzuführen, zu bewerten und zu kommentieren.

              Die Aufgabe der Organisation ist es, Forschungen durchzuführen, um die Vergangenheit, Sprache und Herkunft der Ungarn aufzudecken, was bisher nicht möglich war. Das von der Regierung und dem Ministerium für Humanressourcen verwaltete Institut nahm am 1. Januar 2019 seinen Betrieb auf.

              Das Institut plant, einen großen Teil seiner Forschungsergebnisse online zu veröffentlichen, veröffentlicht aber auch gedruckte Veröffentlichungen und wird sich auch mit Konferenzen und Veranstaltungen befassen.“

              Das Institut hat folgende Aufgaben (laut https://mki.gov.hu/hu/magyarsagkutato-intezet):
              1. ungarische Geschichte vor der Eroberung, interdisziplinäre Erforschung der Geschichte der Ungarn,
              2. Erforschung der Steppenvölker des 5. bis 9. Jahrhunderts
              3. interdisziplinäre Erforschung der Eroberung und des ungarischen Mittelalters,
              4. Osteuropa im 8.-10. Jahrhundert, historisch-geographische Landschaftsrekonstruktion,
              5. Ungarische und ausländische, mündliche und schriftliche Quellen zur Geschichte der Ungarn
              6. Religionsgeschichte
              7. Volkskunde und Volksmusikforschung,
              8. allgemeine und berufliche Bildung, Beteiligung an der Entwicklung des Kulturtourismus, des Religions- und Pilgertourismus,
              9. Englische und ungarische Zeitschriften,
              10. archäogenetische Forschung
              11. Die Stellung der frühen ungarischen Geschichte für die ungarische Identität im 21. Jahrhundert
              12. Koordination und Kontrolle der Entwicklung einer mittelfristigen Strategie für die ungarische Sprache,
              13. Untersuchung der inneren Struktur, der Besonderheiten, der Funktionsweise der ungarischen Sprache, ihrer Verbindung mit der ungarischen Kultur als Ganzes und Anwendung ihrer Ergebnisse in der öffentlichen Bildung,
              14. Durchführung von Forschungen zur Sprachgeschichte, Förderung der Entwicklung von Sprachspeichern,
              15. die bewusste Entwicklung verschiedener Sprachen und Terminologien im Bereich der Sprach- und Sprachforschung, die vergleichende Erforschung der ungarischen Terminologie über die Grenzen und im Mutterland hinaus, die Zusammenstellung vergleichender Terminologiewörterbücher zu koordinieren,
              16. Erstellung von Gutachten zu sprachpolitischen Themen für die öffentliche Verwaltung und die öffentlichen Medien,
              17. Teilnahme an der Entwicklung des Lehrbuchprogramms für Ungarisch, Ausarbeitung der sprachlichen Grundlagen, insbesondere Harmonisierung der Entwicklung der fachlichen Grundlagen der Grundschul-Grammatikbücher zur Entwicklung kindgerechter, muttersprachlicher Fähigkeiten in der gesamten ungarischen Kultur;
              18. Untersuchung der Situation der ungarischen Diaspora, der ungarischen Dialekte, der Sprachen, der grenzüberschreitenden Sprachfassungen, der Minderheitensprachen,
              19. Ausarbeitung von Richtlinien für die Regierung für die Behinderung der ungarischen Sprache,
              20. fachliche und internationale Diskussionsrunden, Sommerkurse und - insbesondere für grenzüberschreitende Ungarn - die Organisation von Sommeruniversitäten, die gemeinsame Organisation von sprachlichen Kulturtagen im für die jeweilige Aufgabe erforderlichen Kreis in Zusammenarbeit mit den zuständigen Einrichtungen, Organisationen und Hochschuleinrichtungen in Ungarn und den Karpaten,
              21. Organisation von Forschungsarbeiten zum Überleben der ungarischen Sprache im digitalen Netzwerkraum,
              22. Studien-, Förderungs- und Entwicklungsprogramme für Übersetzungs-, Mehrsprachigkeits- und damit verbundene Lokalisierungsaktivitäten
              23. Ermutigung zum Sprachenlernen,
              24. 1 bis 23 die Aufrechterhaltung des Vermächtnisses der herausragenden Wissenschaftler, die die Aufgaben nach den Punkten 1 bis 4 permanent mitgestalten, die Digitalisierung der Forschungsmaterialien,
              25. die historische Darstellung des Ausdrucks der ungarischen Identität und des Patriotismus aus den früheren Jahrhunderten der ungarischen Geschichte,
              26. Unterstützung für traditionelle Veranstaltungen, Konferenzen, Veranstaltungen, Werke, Medien und
              27. andere von der Regierung in ihrer normativen Entscheidung festgelegte Aufgaben, die in ihren Tätigkeitsbereich fallen.“ 

              Keine freie Forschung, sondern politische Agenda

              An diesem Programm fällt auf, dass hier eine Mixtur von vermeintlichen Forschungsthemen, Aufgaben der Tourismusförderung und ideologisch-politischer Erziehung vorliegt. Dabei zeigt der letzte Punkt 27, dass sich das Institut als Erfüllungsgehilfe der Regierung sieht und nicht für eine freie Forschung steht. 

              Das ganze Repertoire der Fragestellungen kommt mit seinen Vorstellungen von Nationen und der engen Verbindung von Anthropologie, Sprache, Volkssitten und Archäologie, direkt aus dem 19. Jahrhundert. Themen der Sozial- und Umweltgeschichte beispielsweise kommen nicht vor. 
              Mit der Genetik werden zwar moderne Methoden einbezogen, die Formulierung der Aufgaben der archäogenetischen Abteilung zielt indes auf eine genetische Klassifikation der Bevölkerungen in Ungarn (Übersetzung by GoogleTranslator):
              Die Hauptaufgabe des Archäogenetischen Forschungszentrums besteht darin, den Prozess der Ethnogenese der Ungarn durch interdisziplinäre Forschung zu erforschen. zu untersuchen, welche Bevölkerungsgruppen und inwieweit sie an der Entwicklung des genetischen Bildes der heutigen Ungarn beteiligt waren; um anzuzeigen, zu welchen Populationen genetische Verwandte gehören, die im Karpatenbecken leben und leben. (http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=auto&tl=de&u=https%3A%2F%2Fmki.gov.hu%2Fhu%2Fkutatas%2Farcheogenetikai-kutatokozpont)
              Diese Vorstellung, genetisch Ethnien differenzieren zu können, erinnert bedenklich an die Anthropologie der NS-Zeit. Archäogenetik ist heute ein seriöser und viel versprechender Zweig der Altertumsforschung, doch gehört es zu den wichtigen Erkenntnissen, dass sich Populationen und Nationen genetisch nicht gegeneinander abgrenzen lassen (vergl. J. Krause, Die Reise unserer Gene [Berlin 2019], 238ff.).

              Gezielt werden die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern mit einbezogen, denen Ungarn 2014 die Wahlberechtigung gegeben hat. Sie spielen für große Teile der ungarischen Bevölkerung eine wichtige Rolle, da nach wie vor familiäre und emotionale Beziehungen bestehen. Das Institut ist hier aber weniger um eine wissenschaftlich-historische Perspektive bemüht, die für ein schlüssiges Bild ungarischer Geschichte natürlich diese Regionen berücksichtigen muss, sondern es agiert hier populistisch emotional manipulierend: Ein Video zeigt einen zehnjährigen ungarisch-stämmigen Jungen aus der Ukraine, der ein patriotisches Gedicht vorträgt:
              Teil der Aktivitäten sind auch Vorträge für die ungarische Minderheit etwa in Rumänien, bei denen deren nationale Identität beschworen wird.
              Exemplarisch für die große Nähe zur Politik und eine populistische Agenda ist auch das Video mit János Horváth (s. engl. wikipedia).

              .
              Der Gesamteindruck der Internetseite des Instituts ist somit weniger wissenschaftlich als propagandistisch.


              Institutsstruktur

              Das Institut soll 101 Mitarbeiter und einen Jahresetat von 1,77 Mrd. HUF (ca. 4,3 Mio €) haben, wegen “zusätzlicher Bedürfnisse” offenbar deutlich mehr als zuvor veranschlagt wurde. Es gliedert sich in 11 Abteilungen, doch sind derzeit auf der Homepage nur acht benannt, anderswo werden 10 genannt.

              Generaldirektor des Instituts ist Gábor Horváth-Lugossy, ein Anwalt, der in den Medien als “guter Fidesz-Cader” bezeichnet wird (444.hu [4.1.2019] ), sein Stellvertreter Dr. László Vizi PhD. Aufgabe des Generaldirektors ist es, “das Institut auf komplexe Weise" zu leiten.

              Prof. Dr. Miklós Kásler wird in einem Zeitungsartikel als Direktor innerhalb des Instituts genannt (https://hvg.hu/itthon/20190625_kasler_magyarsagkutato_intezet_emmi_attila_emlekmu), was sich anhand der Internetseiten nicht verifizieren lässt. Demnach wäre „das wissenschaftliche Management einer großen Anzahl von hochqualifizierten Forschern“ die Aufgabe von Kásler und Vizi. Als zuständiger Minister für Humanressourcen hätte Kásler demnach aufgrund der Empfehlung eines Beirats seinen Chef, den Generaldirektor ernannt. So oder so erweist sich Kásler jedoch als eine zentrale Person. Kásler ist Krebsforscher und Hobby-Historiker, "der das ungarische wissenschaftliche öffentliche Leben versteht" und "sich der wissenschaftlichen Selbsterkennung und Anerkennung erfreut" (so Google-Übersetzer)

              Kásler absolvierte eine akademische Karriere an verschiedenen ungarischen Universitäten


              Archäologische Forschung

              Eine der Abteilungen soll das Archäologische Forschungszentrum sein. Sein Leiter ist Miklós Makoldi (https://mki.gov.hu/hu/kutatas/regeszeti-kutatokozpont ; https://mki.gov.hu/hu/esemeny/makoldi-miklos-eloadasa ).

              Das Förderprogramm des Nationalen Amtes für Forschung, Entwicklung und Innovation (NKFI-Büro) sieht im Exzellenzprogramm für 2019 (https://nkfih.gov.hu/hivatalrol/hivatal-hirei/temateruleti-kivalosagi-program-2019) in der Förderlinien ‘Kultur und Familie’ folgende archäologischen Projekte vor:
              • Die späte Avar-Reform und ihre Folgen
              • Erforschung der Herkunft der Ungarn durch archäogenetische Untersuchung der historischen Populationen des Karpatenbeckens.
              • Molekulare anthropologische Forschung auf dem Gebiet der ungarischen Ethnogenese


              Das bislang bekannte Forschungsprogramm ist also noch wenig konkret. In einem, auf facebook dokumentierten Fall, wurde jedoch versucht, aufbauend auf einer neuen, noch unpublizierten Dissertation und darauf aufbauende Forschungspläne gegen die ausdrückliche Ablehnung der betreffenden Nachwuchswissenschaftlerin ein Projekt am neuen Institut zu etablieren. Es geht dabei um langjährige Forschungsarbeiten des Archäologischen Instituts der Akademie der Wissenschaften, mit denen dies nicht abgestimmt wurde. 

              Archäologische Forschung findet letztlich auch in der Abteilung des Archäogenetischen Forschungszentrums statt, dessen Mission es ist, “neue Daten zur Entwicklung eines einheitlichen historischen Bildes der Herkunft der Ungarn beizutragen. Zu diesem Zweck konzentriert er seine Forschung auf die genetische Untersuchung der historischen Populationen des Karpatenbeckens und auf die Entdeckung ihrer genetischen Beziehung zu den Populationen, die einst lebten und heute leben.”  (https://mki.gov.hu/hu/kutatas/archeogenetikai-kutatokozpont ).

              Die archäogenetische Abteilung verfolgt frühere Projekte von Kásler, dessen Forschungen von seinem Minister-Kollegen László Palkovics damit mehrere Millionen Forint zugewiesen, was in den Medien sehr kritisch berichtet wurde.

              Auf die Bedeutung der ‘turanischen Theorie’ für rechtskonservative Kreise, die vorwissenschaftliche mittelalterliche Spekulationen über die Namensähnlichkeit Ungarn - Hunnen folgend, eine Ableitung der Ungarn von den Hunnen sucht, wurde in anderen Posts schon hingewiesen (Archaeologik [24.5.2012]; Archaeologik [30.5.2018]; Archaeologik [12.7.2019]). Hier wird bewusst polarisiert, denn der Wissenschaft auch in der kritisierten Akademie ist schon lange klar, dass Sprache und ‘Abstammung’ zwei unterschiedliche Kategorien sind. Längst geht die Forschungsproblematik nicht mehr um ein Entweder-Oder einer finno-ugrischen oder turanischen Herkunft der Ungarn und um ein blindes Folgen sprachwissenschaftlicher Theorien, sondern um eine sehr viel weiter gefasste Untersuchung kultureller Beziehungen in den Osten, die eben tatsächlich am ehesten auf den Raum zwischen Ural und Karpathen weisen (vergl. Archaeologik [19.12.2013]). Ausgangspunkt sind hier archäologische Funde und nicht vorwissenschaftliche Theorien und überinterpretierte genetische Daten.  
              Auf die Seite der Akademie-Kritiker stellt sich auch die bei der Akademie beschäftigte Archäologin Gabriella Lezsák. Sie sieht die finno-ugrische These als ein Dogma, das im Kommunismus verankert war (obgleich sie viel älter ist) und greift für ihre Forschungen auf eben die mittelalterliche, nicht auf Wissenschaft basierende These einer turanischen Beziehung zurück. Sie sieht dies als Ausdruck freier Forschung, die nun dank großzügiger staatlicher Forschung nun mit modernen Methoden voran schreiten könne.
              Dies sind die Positionen, die normalerweise von Seiten der Akademie-Kritiker stammen und die etwa auch M. Kásler vertritt. Gabriella Lezsák ist verwandt mit dem Politiker Sándor Lezsák (vgl. wikipedia), der bei den Kurultaj - 3rd World Nomad Games 2014 in seiner Funktion als Parlamentssprecher die “common roots, which binds our peoples together, and on which the new, independent Hungarian policies are based” in einer Rede betont hatte (vgl. Archaeologik [12.7.2019]).
              Hier ist es Populisten offensichtlich gelungen, parawissenschaftliche Thesen in der Öffentlichkeit zu platzieren und mit allerhand Verschwörungstheorien gegen die etablierte Wissenschaft zu hetzen. Politisch entspricht dies der Linie der Fidesz-Regierung, die enge Kontakte zu Nachfolgestaaten der UdSSR und zur Türkei sucht.
              Die wissenschaftliche Diskussion über die Beziehungen der Ungarn in den Osten ist durchaus ein interessantes Feld und muss offen geführt werden. Bedenklich ist, dass die Kritik an der bisherigen Überlegungen der Forschung leicht verschwörungstheoretische Züge annimmt und mit der politischen Agenda der Orbán-Regierung personell sehr eng verwoben scheint.


              Ein normatives Narrativ und eine ideologisch-politische Agenda

              Hinter dem Programm des neuen Instituts steht ein normatives Narrativ, das aus der Vergangenheit identitätsstiftende Werte ableiten möchte. Das wird nicht nur im eingangs zitierten Programm deutlich, sondern beispielsweise auch an Äußerungen von Miklós Kásler. In einem Interview erklärte er, dass Wissenschaft ein Dienst an Gott sei. Der heutige Mensch sei vom Weg abgekommen und habe seine Werte verloren. Alte klassische Werte seien über Jahrhunderte verunreinigt worden (https://en.wikipedia.org/wiki/Mikl%C3%B3s_K%C3%A1sler). Offenbar vertritt er eine normative Bedeutung der Vergangenheit, was wenig mit wissenschaftlichem Interesse zu tun hat.

              Archäologie und Kulturwissenschaften müssen politisch sein - im Sinne eines kritischen Narrativs.

              Ein wenig positives Signal ist hier auch die Besetzung des Leitungs-Postens des übergeordneten Loránd-Eötvös-Forschungsnetz (ELKH) mit dem Orientalisten und Altphilologen Miklós Maróth, der zuletzt Schlagzeilen mit rassistischen und hetzerischen Äußerungen gemacht hat.

              Millionen neue Ausgaben und ein Attila-Denkmal

              Ende Juni wurden in einem Presseartikel Informationen aus einem geheimen Papier des neuen Instituts veröffentlicht. In dem Papier wird, formuliert als Regierungsbeschluss ein „würdiges und eindrucksvolles Gebäude“ gefordert, da bisher nur eine provisorische Unterbringung besteht.

              Weiterhin sollen ein neues Ungarisches Heimatmuseum sowie ein “Hunnisch-Ungarisches Museum” gegründet werden. Für letzteres wird das Vajdahunyad-Schloss im Stadtpark vorgeschlagen, in dem bisher das Landwirtschaftsmuseum untergebracht ist. Davor soll eine monumentale Attila-Statue errichtet werden.



              Als repräsentatives Gebäude für das neue Institut gewünscht: das Vajdahunyad-Schloss
              (Foto: Paolo Villa [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

              Diebstahl geistigen Eigentums?

              Ziel ist es laut des Papiers, mit einem Stipendienprogramm "zum Entstehen einer neuen wissenschaftlichen Generation beizutragen, die ihre eigene moderne wissenschaftliche Erzählung formuliert". Deutlich wird an ersten Fällen, in denen sich Betroffene via facebook - gerade aus der Archäologie - geäußert haben, dass mit dieser gezielten Nachwuchsförderung etablierte Akademie-Projekte bisherigen Forschern entzogen und Nachwuchswissenschaftlern übertragen werden.


              Herausforderung für die EAA

              Es geht bei diesem Beitrag nicht darum, das neue Institut vorzuverurteilen, aber die bislang bekannten Informationen werfen Fragen auf - nach Vetternwirtschaft und Korruption, über die Wissenschaftlichkeit des Instituts, aber auch zur Linie, die die archäologische Forschung ihm gegenüber einnehmen sollte. Ist es verantwortbar, mit diesem Institut wissenschaftlich zu kooperieren?

              Die European Association of Archaeologists plant, ihre jährliche Konferenz 2020 in Budapest abzuhalten. Dabei wird es darauf ankommen, sich von den neuen Strukturen in geeigneter Weise zu distanzieren. Bislang gibt es keine Stellungnahme der EAA zur politischen Einflussnahme auch auf die Archäologie. Während der Tagung in Budapest darf es indes nicht zu einer Legitimierung der neuen nicht- oder vielleicht parawissenschaftlichen Institutionen wie dem Institut für ungarische Studien kommen.

              Vielleicht aber kann die EAA, die derzeit in Bern tagt, zumindest eine Klarstellung erreichen.



              Links

              Interne Links



              Dank

              Ich danke meinen ungarischen Kolleginnen und Kollegen für Auskünfte und Übersetzungshilfen. Einige Texte wurden mit Hilfe von Google Translator übersetzt (was für das Ungarische nach wie vor problematisch ist!).

              Freitag, 30. August 2019

              Streik der Denkmalpfleger - der Abbruch des Pont des Trous in Tournai bringt das Fass zum Überlaufen

              Das mittelalterliche Stadttor  'Pont des Trous", das die Schelde überspannt, wird abgebrochen, um den Fluß für größere Kähne schiffbar zu machen. Proteste der Bevölkerung blieben erfolglos und die Denkmalpflege fühlt sich übergangen. Archaeologik hat 2014 über die Situation aus Anlaß einer Petition zum Erhalt des Tores berichtet:

              Nun ist der Abbruch vollzogen:

              Der Abbruch ist nun Anlaß, dass Mitarbeiter des Demkalamtes AWAP (l’agence wallonne du patrimoine) ihrem Minister mit Streik drohen. Sie haben ihm eine Liste von Forderungen zugestellt, die betitelt ist mit "Erbe ist keine Ware" und  "Die Ineffizienz der Agence-Mitarbeiter ist keine Faulheit". Ab September soll es in ganz Wallonien, vor allem aber an den Resten des Pont des Trous zu Protestaktionen kommen.
              Tournai, Pont des Trous 1892
              Der mittlere Durchlass wurde seitdem für größere Schiffe aufgeweitet, nun ist die Partie zwischen den flankierenden Türmen ganz abgebrochen.
              (Foto: unbekannter Fotograf 1892, gemeinfrei,
              via Wikimedia Commons)

              Mittwoch, 28. August 2019

              #Grb_Ackerbürgerhaus - Die Bamberger Lehrgrabung in Bärnau auf twitter

              Seit Anfang August und vorerst bis Ende dieser Woche laufen die Ausgrabungen im sog. Ackerbürgerhaus in Bärnau. Sie sind einerseits Teil einer Baumaßnahme, andererseits aber auch ein wesentlicher Bestandteil eines neuen bayerisch-böhmischen Projektes zur Siedlungslandschaft an der Grenze.

              Das Ackerbürgerhaus in Bärnau - aktueller Grabungsort der AMaNz Bamberg
              (Foto: R. Schreg, 2019)
              Onetz hat bereits berichtet:

              Die Grabungsleiterin vor Ort, Viviane Diederich gibt auf twitter laufend Eindrücke von der Grabung:



              Demnächst mehr Info im Netz, unter anderem auf der Homepage der Bamberger Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. und mehr...
              - jetzt aber auch schon Bildeindrücke auf instagram bei @archaeoVD

              Dienstag, 27. August 2019

              Kolonialismus (in) der archäologischen Fachsprache

              Ein Beitrag von Julia Katharina Koch

              Sprache spiegelt Gesellschaftsstrukturen wider – das bedarf innerhalb der Geisteswissenschaften eigentlich keiner Diskussion mehr. Dass Sprache von historischen Rahmenbedingungen und dem damit verbundenen Zeitgeist beeinflusst wird, sich also auch immer (auf der gesellschaftlichen Ebene) weiterentwickelt, ist ebenfalls allgemeiner Konsens. Eine Stellungnahme zu dem Thema findet sich exemplarisch im ZEIT Wissen Podcast: “Woher weißt Du das? / Politisch korrekte Sprache: Kleinkariert oder sinnvoll?” vom 17. Februar 2019.

              Die Diskussionen fangen an, wenn es persönlich wird. Wenn es zu überdenken gilt, wieweit die eigene Sprache von kulturellen Bewegungen und historischem Zeitgeist beeinflusst ist, denen man/frau selbst eventuell sogar kritisch gegenübersteht. Fachsprache sollte reflektiert benutzt werden – aber passiert das tatsächlich im akademischen Alltag? Wenn mal wieder die Deadline für die Abgabe eines Beitrages überschritten wurde, wenn die Zeit drängt, dann wird nicht mehr über die Geschichte vertrauter Fachbegriffe nachgedacht, sondern so verwendet, wie sie viele Kolleg*innen ebenfalls verwenden.

              Vor allem drei Themengebiete werden aktuell in Hinblick auf ihre Auswirkungen auf Sprache, Begrifflichkeiten und die Art und Weise ihrer Verwendung (Stichwort: Framing) in der Öffentlichkeit diskutiert:
              1. Nationalsozialismus/Faschismus, 
              2. Gendersensibilität und -gerechtigkeit und 
              3. Kolonialismus. 
              Den dritten Bereich möchte ich an dieser Stelle aufgreifen.

              Kolonialismus – das geht vor allem die Wissenschaflter*innen der ethnographischen Nachbardisziplinen an, oder diejenigen Kolleg*innen, die archäologisch in fernen Ländern unterwegs sind. Für die Archäologie in Mitteleuropa bestehen keine Verdachtsmomente, sie befasst sich schließlich mit unserer eigenen europäischen Geschichte – oder etwa nicht? Geht man/frau der Entstehungsgeschichte so mancher Fachbegriffe nach, stellt sich jedoch bald heraus, dass hier ebenfalls diskriminierende Mechanismen greifen – teilweise bereits seit Jahrhunderten und von der einer Sprache in die andere übernommen. Drei Beispiele, die mir bei redaktionellen Arbeiten begegnet sind, möchte ich hier vorstellen.


              „Venusfiguren“


              Dass es Vorbehalte gibt gegenüber diesem Begriff, ist in Fachkreisen inzwischen bekannt. Bezeichnet werden damit vor allem paläolithische Statuetten, die weibliche unbekleidete Wesen abbilden. Zurückzuführen ist die Begriffswahl auf Paul Hurault, Marquis de Vibraye (1809–1878), der erstmals 1864 eine Statuette beim Abri Laugerie-Basse (Dép. Dordogne, Frankreich) gefunden hatte (Conkey 1997, 183 ff.; White 2006, 253) und – da schlank und unbekleidet – als „La Vénus impudique“ (dt.: die unkeusche Venus) bezeichnete als Gegensatz zu den aus der Antike bereits bekannten Statuen der Göttin Venus/Aphrodite, die zwar teilweise nackt, aber mit ihren Händen ihre privaten Körperteile abdeckte, in der Kunstgeschichte als Typ der „Venus pudica“ benannt. Soweit kann die Verknüpfung der Objektgattung und der Kreation einer vorgeblich wissenschaftlichen Typbezeichnung unter Berücksichtigung des Zeitgeistes in der Mitte des 19. Jahrhunderts nachvollzogen werden; bereits am Anfang stand die Sexualisierung der Statuetten.

              Frauenstatuette aus Elfenbein von dem Abri Laugerie-Basse
              (Dèp. Dordogne, Frankreich).
              Sie wurde 1864 als erste der paläolithischen Frauenfiguren gefunden.
              (Zeichnung: L´Anthropologie 1907 via wikimedia commons)
              Den Bogen zur damals aktuellen Rassenkunde zog 1894 Eduard Piette (1827–1906), der ausgehend von der sogenannten Steatopygie (“Fettsteiß“), die er bei mehreren Statuetten meint diagnostizieren zu können, eine Parallele zu Frauen moderner Völker auf dem afrikanischen Kontinent sowie der Darstellung einer Frau auf einem Relief in dem altägyptischen Totentempel der Königin Hatschepsut in Deir-el-Bahari (Ägypten) sah; damit verfolgte er eine rassenkundliche Einordnung der paläolithischen Menschen (Piette 1894, 11; 20; 24). Piette nannte pauschal als Analogiebeispiele „les Boschimanes“, les „Hottentotes“, „les Namaqua, les Cafres, las Nigritiëns du Nil“, „les Berbères et les Bongos“ und les „Ouoloves“, allerdings nicht direkt die zu dem Zeitpunkt bereits in einer Vitrine des Musée d’Ethnographie du Trocadéro (Paris; heute Musée de l´Homme) als Skelett und Gipsabguß ausgestellte Sarah Baartmann (Holmes 2007), auch wenn sie in den Wissenschaftskreisen des 19. Jahrhunderts als allgemein bekannter Referenzfall für diese Zuordnung gelten darf. Die Südafrikanerin Sarah (Saartije) Baartmann (1789–1815) wurde von 1810 bis 1815 zuerst nach London, dann nach Paris gebracht und unter der Bezeichnung „Hottentot-Venus“ als eine der ersten Menschen vermarktet, die als „exotische“ Bewohner anderer Kontinente eine Zurschaustellung ertragen mussten und nach ihrem Tod in einer Museumsvitrine (bis in die 1970er Jahre hinein) landeten (vergl. dt. Wikipedia).

              Die direkte Verbindung zwischen dem Label „Hottentoten-Venus“ und den paläolithischen „Venusfigurinen“ wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts verfestigt mit dem 100. Todestag Sarah Bartmanns (Verneau 1916) und den zu der Zeit gefundenen Frauenstatuetten: 1908 „Venus von Willendorf“, 1922 „Venus von Lespugue” und 1925 „Venus von Dolni Vestonice”.
              Diese Typbenennung ist ein Beispiel für einen längeren Prozess der Namensfestigung mit zahlreichen Akteuren, die alle ihre eigene sexistische und/oder rassistische Konnotation beitrugen, ohne das eine schriftlich fixierte Diskussion erfolgte. Trotz anhaltender feministischer Kritik innerhalb wie außerhalb der Archäologie wird der Begriff aber immer noch fröhlich weiterverwendet. Dass es auch anders geht, zeigen die Ausstellungen Ice Age Art. The arrival of the modern mind 2013 im British Museum (London) und EisZeiten. Die Kunst der Mammutjäger 2017 im Archäologischen Museum Hamburg (Cook 2013; Weiss/Merkel 2017). Statt des veralteten Begriffs „Venusstatuette“ werden ganz schlicht neutral-beschreibende Begriffe verwendet wie „female figurine“ oder sculpture of woman“ im Englischen oder „Frauenfigur“ und „Frauenstatuette“ im Deutschen. So wird eine Neubeurteilung dieser frühen Kunstwerke auch durch die Sprache deutlich.


              „Berdache“


              Seit Divergenzen in der Gräberfeldanalyse zwischen biologischen und sozial-rituell zu definierendem Geschlecht einzelner Bestatteter als solche nicht mehr ignoriert, sondern akzeptiert werden, finden sich für manche Perioden und Kulturgruppen deutlich sichtbare Minderheiten. Ein bekanntes Beispiel sind Individuen in endneolithischen Gräbern mit Schnurkeramik, mit Glockenbechern oder in Gräbern der Frühbronzezeit, die zwar ein männlich bestimmtes Skelett aufweisen, aber aufgrund der Orientierung des Körpers im Grab und meist auch der Ausstattung als sozial-rituell definierte Frauen angesprochen werden können (bereits Häusler 1966, 54). Daneben gibt es genau umgekehrte Fälle: biologische Frauen mit männlicher Körperorientierung und Ausstattung. So weisen zum Beispiel von den 164 Gräbern der schnurkeramischen Nekropole von Vikletice im Nordwesten des heutigen Tschechien (Okres Louny) sieben Gräber (4 %) eine Differenz zwischen anthropologischer Geschlechtsbestimmung und archäologischer Geschlechterbestimmung auf: Sechs biologische Männer wurden nach einem sonst Frauen vorbehaltenen Ritual bestattet, eine biologische Frau nach dem männlich konnotierten Ritual (Buchvaldek /Koutecký 1970). Der anthropologisch bestimmte, erwachsene Mann in Grab 1964/6 wurde beispielsweise auf der linken Körperseite liegend in Hockerposition bestattet. Diese Lage findet sich sonst bei den weiblich bestimmten Toten (Buchvalde/Koutecký 1970, 49; 148 Abb. 87).

              Vikletice, Grab 1964/6: ein anthropologisch als Mann bestimmter Toter in sonst bei weiblich bestimmten Toten üblicher linker Hockerposition
              (nach Buchvalde/Koutecký 1970, 49; 148 Abb. 87)


              Als Erklärungsmodell wird seit den 1990er Jahren als ethnographische Analogie auf einen Personenkreis verwiesen, der bei sehr vielen Stämmen in Nordamerika zum Repertoire sozialer Gruppen gehört: Männer wie Frauen, die Kleidung der jeweils anderen Geschlechtergruppen tragen und zeremonielle Aufgaben ausführen (z. B. Wiermann 1989; Jensen 2007; Matić 2012). Obwohl es genauso viele Geschlechterkonzepte und Namen für diese Gruppen wie Stämme in Nordamerika gibt, wurde in der Ethnologie zuerst der Begriff „Berdache“, abgeleitet aus dem europäisch-westasiatischen Sprachraum, zur pauschalisierenden Beschreibung gewählt und von dort in den archäologischen Sprachgebrauch transferiert. Das Wort umschrieb ab dem 17. Jahrhundert biologische Männer, die den europäischen Kolonialisten in Nordamerika aufgrund nicht den europäischen Normen entsprechender Kleidung, Arbeitsaufgaben und sexuellen Rollen auffielen. Es war durchaus negativ im Sinne von männlichen Prostituierten gemeint. Aufgrund der Geschichte dieses Wortes wurde 1990 in Anlehnung an eine indigene Beschreibung die englischsprachige Übersetzung „two-spirit“ auf einer Jahrestagung der Native American/First Nation Schwulen- und Lesben-Bewegung propagiert (de Vries 2009), obwohl auch damit eine Verallgemeinerung eines bestimmten sozialen Konzeptes verbunden ist, die die Vielfalt der Geschlechterrollen bei den indigenen Gesellschaften Nordamerikas verschleiert. Dennoch ist „two-spirit“ auch für die archäologische Forschung aufgrund seiner positiven Wertung und selbstgewählten Wortschöpfung dem negativ gemeinten „Berdache“ vorzuziehen, bedarf aber einer wissenschaftlichen Begriffsdiskussion bei diesem sprachlichen Transfer als archäologischer Terminus, wie es auch bei anderen Übertragungen von einem historischen Kontext in den anderen der Fall ist.


              „Pygmy Cups“


              Für Miniaturgefäße unter 5 cm Höhe aus der britischen und irischen Bronzezeit, meist in Gräbern gefunden, werden in der Literatur verschiedene Namen verwendet. Möglich sind: incense cup, biconical cup, miniature food vessel, tub-shaped cup oder eben pygmy cups. Seit wann für diese Gefäße letztere verwendet wird, habe ich noch nicht herausfinden können. Die früheste, mir bekannte Verwendung findet sich in zwei Beiträgen im Wiltshire Archaeological and Natural History Magazine von 1938, ohne dass dort auf die Begriffswahl für diesen Keramiktyp eingegangen wurde (de S. Shortt 1938; Stevens/Stone 1938) 

              Der Begriff „Pygmäen“ hat einen klaren kolonialistischen, eurozentristischen Hintergrund. Seit dem 19. Jahrhundert wird er verstärkt für Menschen verschiedener afrikanischer Völker verwendet, die sich durch eine geringe Körpergröße auszeichnen. Seinen Ursprung hat er im Alt-Griechischen πυγμαῖος (pygmaīos, „von der Größe einer Faust“) und wurde in der Antike für die Beschreibung von kleinwüchsigen (Fabel)Völkern, verortet in Afrika und Asien, benützt. Eine sehr frühe Erwähnung findet sich in der Ilias, wodurch eine Brücke in die Gelehrtenwelt des 19. Jahrhunderts n. Chr. geschlagen wurde. Für eine beschreibende Typbezeichnung wurden „Pygmäen“/„pygmy“  in die Wissenschaftssprachen verschiedener Fächer wie Zoologie, Botanik oder Physik übertragen. Auch in der englischsprachigen Archäologie wird dieser Begriff – anscheinend ohne weitere Diskussion – benützt, so  finden sich „pygmy cups“ sowohl in dem Concise Oxford Dictionary of Archaeology wie auch in aktuellen online-Datenbanken von Museumssammlungen in Großbritannien. Dennoch möchte ich die Frage anregen, ob es sinnvoll ist, einen veralteten Begriff aus der Rassenkunde des 19. Jahrhunderts auf Objekte, Tiere, Pflanzen oder physikalische Phänomene zu übertragen.

              Selbstverständlich kann man/frau anführen, dass manche Wörter als Fachtermini inzwischen eine lange Tradition besitzen und entsprechende Umdeutungen jenseits ihres ursprünglichen kolonialistischen Kontextes erfahren haben. Aber Sprache ist wandelbar und immer ein Spiegel des Zeitgeistes. Es wird Zeit, dass wir die sprachlichen Wurzeln unseres Faches hinterfragen und die Aussagekraft der Fachbegriffe neu bewerten. Durch die Wahl sachlich-beschreibender Begriffe sowie einer offenen Diskussion bei Übernahme von Begriffen aus den Nachbarwissenschaften wie Ethnologie und Geschichte wird unser Blick auf die Vorgeschichte nicht mehr durch (unbewusst) mitgeschleppte Stereotype verstellt. Außerdem sollten wir uns immer vergegenwärtigen, dass Sprache auch als Mittel für Diskriminierungen und Hierarchisierungen eingesetzt wird. Es liegt an uns persönlich, ob wir hier mitmachen oder dem entgegenwirken möchten.


              Literatur


              • Buchvaldek, Miroslav/Koutecký, Drahomir, Vikletice. Ein schnurkeramisches Gräberfeld. Praehistorica 3 (Praha 1970). 
              • Conkey, Margaret W., Mobilizing ideologies. Paleolithic ‘art’, gender trouble, and thinking about alternatives. In: Hager, Lori D. (Hrsg.), Women in human evolution (London, New York 1997) 172–207.
              • Cook, Jane, Ice Age Art: The Arrival of the Modern Mind (London 2013).
              • de Vries, Kylan Mattias, „Berdache (Two-Spirit)“. In: O'Brien, Jodi (Hrsg.), Encyclopaedia of gender and society (Los Angeles 2009) 62–65.
              • Häusler, Alexander, Zum Verhältnis von Männern, Frauen und Kindern in den Gräbern der Steinzeit. Arbeits- und Forschungsberichte der sächsischen Bodendenkmalpflege 14/15, 1966, 25–72.
              • Holmes, Rachel, The Hottentot Venus: the life and death of Saartjie Baartman: born 1789 – buried 2002 (London 2007).
              • Jensen, Bo, Queer Bedfellows: Gender Ambiguity, Shamans, Hijars, „Berdache“ and the Problems of Using Ethnographic Record. In: Peter Jensen/Søren Sindbaek/Helle Vandkilde (Hrsg.), Globalization, identity, material culture and archaeology. IX Nordic TAG Århus 10–12 May 2007 (Århus 2007) 25–32.
              • Matić, Uroš, To queer or not to queer? That is the question: Sex/gender, prestige and burial no. 10 on the Mokrin necropolis. Dacia, 56, 2012, 169–185.
              • Piette, Edouard. L'époque éburnéenne Et Les Races Humaines De La Période Glyptique (Saint-Quentin 1894).
              • S. Shortt, Hughe de, Pygmy Cups from Boscombe Down West. Wiltshire Archaeological and Natural History Magazine 48, 1938, 462-465. - <https://biodiversitylibrary.org/page/43303281
              • Stevens, Frank/Stone, John F.S., The barrows of Winterslow. Wiltshire Archaeological and Natural History Magazine 48, 1938, 174-182. - <https://biodiversitylibrary.org/page/43302969>
              • Verneau, R., Le centième anniversaire de la mort de Sarah Bartmann. L´Anthropologie 27, 1916, 177–179.
              • Weiss, Rainer-Maria/Merkel, Michael (Hrsg.), EisZeiten. Die Kunst der Mammutjäger. Die Menschen des Nordlichts. Veröffentlichungen des Archäologischen Museums Hamburg 111 (Hamburg 2017).
              • White, Randall, The women of Brassempouy: A century of research and interpretation. Journal of Archaeological Method and Theory, 13, 2006, 250–303. - <DOI  https://doi.org/10.1007/s10816-006-9023-z>
              • Wiermann, Roland R., An Anthropological approach to burial customs of the Corded Ware Culture in Bohemia. In: Benz, Marion, and Willigen, Samuel van (Hrsg.), Some New Approaches to The Bell Beaker ‘Phenomenon’ Lost Paradise...? BAR Internat. Ser. 690 (Oxford 1998) 129–140.



              Für die Diskussion über kolonialistische Spuren in europäischen Fachsprachen und die Korrektur einer ersten Textversion möchte ich herzlich Andrea Ricci (Kiel) danken. Der Beitrag entstand im Rahmen des SFB 1266 TransformationsDimensionen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG – Projektnummer 2901391021 – SFB 1266).







              Dr. Julia Katharina Koch arbeitet als Archäologin und Lektorin. Ihre Forschungsthemen sind vor allem Geschlechterverhältnisse und Mobilität in den Metallzeiten Mitteleuropas.

              Dienstag, 13. August 2019

              Der Abschlussbericht von ILLICID und die Umdeutungen des Kunsthandels

              Still und leise wurde der ILLICID-Abschlußbericht publiziert:

              Es ist ein primär administrativer Bericht, der, was konkrete Ergebnisse angeht, äußerst knapp und unbefriedigend bleibt. 
              Das Projekt war 2014 mit einem vom BMBF finanzierten Budget von 1,2 Mio € gestartet. Partner waren die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK, Verbundkoordination), das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) und das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim (GESIS).

              Das Projekt bemühte sich um eine "Erhellung des Dunkelfeldes als Grundlage für Kriminalitätsbekämpfung und -prävention am Beispiel antiker Kulturgüter." Das wissenschaftliche Gesamtuziel von ILLICID war die "Entwicklung, Dokumentation und exemplarische Anwendung von Verfahren und Instrumenten für die Dunkelfeldforschung im Bereich des Kunsthandels in Deutschland". Die Arbeiten konzentrierten sich auf antike Kulturgüter aus dem östlichen Mittelmeerraum, was insbesondere auch das Krisengebiet Syrien mit einschließt. Sytematisch wurden Internetangebote und Angebots-, Auktions- und Ausstellungskataloge sowie Anzeigen in Zeitungen, Fach- und Verbandszeitschriften ausgewertet. Dazu wurde eine Datenbank entwickelt, die auch dem Handel, Ermittlungs- und Zollbehörden zur Verfügung stehen soll.

              Geischtet wurden so "386.5000" Angebote (S. 4 des Berichts, soll wohl 386.500 heißen), von denen 3.741 insgesamt 6.133 Objekte enthielten, die potentiell aus dem Beobachtunsggebiet stammen. Über die Hälfte der Fundobjekte wird in Konvoluten angeboten. 3245 Verkäufe wurden dokumentiert, die zeigen, dass die Startgebote mehrheitlich unter 1000 €, aber nur zu 10% auch im Billigsektor unter 100 € lagen. Der Umsatz bei den beobachteten, verkauften Objekte machte innerhalb von drei Jahren fast 1,7 Mio € aus (S. 5).

              Soweit möglich wurden die angebotenen Funde anhand von wissenschaftlichen Referenzen bestimmt und klassifiziert. Nur bei 24% handelt es sich (sehr) wahrscheinlich um authentische, ecjte Stücke, bei 12% besteht akuter Fälschungsverdacht - bei vorderasiatischen Kulturgütern sogar bei 24% (S. 6).

              2.387 Objekte (also 39,9% des beobachteten Bestandes) stammt potentiell aus Syrien und/oder Irak (S. 5).

              Die Überprüfung der angegebenen Provenienzen war natürlich nur bedingt möglich. Herangezogen wurden alte Auktionskataloge, Lager- und Leihlisten, Sammlungspublikationen und -datenbanken, aber auch Verlustlisten von Museen und Depots, die Interpol- sowie die LostArt-Datenbank. Hier ist zu vermerken, dass mit diesem Verfahren Raubgrabungsfunde kaum zu identifizieren sind, da diese ja frisch aus dem Boden kommend, in solchen Listen gar nicht vertreten sein können.

              Gemessen an den Vorgaben des Deutschen Kulturgutschitzgesetzes besitzen nur 2,1% der angebotenen Funde (128 Stück) eine verifizierbare, vor den Stichtag des Gesetzes (26.4.2007, bzw. innerhalb der EU 31.12.1992) führende Provenienz.
              43% der Funde erwiesen sich nach den Maßstäben des deutschen Kulturgutschutzgesetzes als illegal, da die Provenienz vor dem Stichtag lag (ca. 32%) oder fehlte bzw. gefälscht war (ca. 11%)! Tab. 2 gibt in Bezug auf das Deutsche Kulturgutschutzgesetz die folgenden Zahlen:

              • verifizierbare Provenienz vor den Stichtagen
              2,1% (n=128)
              • nicht verifizierbare, aber detaillierte Provenienz vor den Stichtagen
              16,9 % (n=1.039)
              • nicht verifizierbare, nicht detaillierte Provenienz vor den Stichtagen
              38,1% (n=2.337)
              • nicht verifizierbare, nicht detaillierte Provenienz nach den Stichtagen
              31,9 % (n=1.958)
              • keine, widersprüchliche oder falsifizierte Provenienz
              10,9 % (n=671)


              Bezogen auf die EU-Verordnungen zum Irak und zu Syrien erfüllen nur 0,4 bzw. 9,6% der Provenienzangaben die rechtlichen Vorgaben.

              Das zweite Arbeitspaket einer Fundierung und Ergebnisevaluation der Verbundpartner umfasste eine Darstellung der Prozesse, die auf einer Akteursbefragung basiert. Diese Ergebnisse werden im Abschlußbericht nur angerissen, ein separat online gestellter Bericht bleibt technisch und verweist auf zwei noch geplante Publikationen:
              Bislang auch nur angekündigt ist ein auf den Projektergebnissen basierender Praxisleitfaden "Strategie-, Handlungs- und Weiterbildungskonzept, Handel mit Kulturgut in Deutschland". Dort sollen Verfahren und Instrumente zur effizienten Dunkelfeldforschung bzw. Kriminalitätsbekämpfung und Kriminalprävention dargestellt werden.
              Aus dem bisher vorliegenden Bericht wird nicht deutlich, was hier konkret unternommen wurde und wie mit den falsifizierten Provenienzen umgegangen wurde.  Nach dem Bericht hat das Projekt offenbar nicht versucht, die Handelsketten im einzelnen nachzuvollziehen, wie dies in den vergangenen Jahren durch Investigativjournalismus, aber auch gezielte Projekte verschiedentlich passiert ist (s.u.) oder auch im Projekt.


              Reaktionen des Kunsthandels


              Problematisch wird der bericht nun dadurch, dass er vom Kunsthandel und affinen Journalisten begierig aufgegriffen wird - mit der Schlußfolgerung, der Bericht sei eine Entlastung des zu Unrecht beschuldigten Kunsthandels.
              Die vorgebrachten Argumente gehen jedoch an den Ergebnissen und Daten vorbei.  Thomas E. Schmidt, der schon öfters durch einseitige Pro-Kunsthandel-Beiträge aufgefallen ist (z.B. https://www.weltkunst.de/kunsthandel/2017/02/kulturgutschutzgesetz-ohne-grundlage), schreibt etwa in der ZEIT: "Deutschland galt lange als Hauptumschlagplatz für illegal gehandelte Kunstwerke aus Syrien oder dem Irak – doch eine Studie widerspricht dieser Sicht." Die Studie thematisiert die Rolle Deutschlands als Hauptumschlagplatz des illegalen Kunsthandels gar nicht. Dazu wäre eine vergleichende Analyse notwendig gewesen.
              Weiter schreibt Schmidt, die Studie von ILLICID zeige, die Geschichte vom illegalen Kunsthandel in Deutschland stimme wohl nicht. Der Bericht könne "keinen nennenswerten illicit trade, also keinen Markt für nahöstliche Raubantiken, in Deutschland nachweisen". Das ist falsch. 42% Funde ohne ausreichende Provenienzen sprechen hier eine andere Sprache, letztlich sind bei 97,9% der Angebote die Provenienzen nicht verifizierbar. "Wie auch?" muß man hier fragen, denn legale Provenienzen ohne Papiere kann es kaum geben. Legale Objekte können aber sehr wohl verifizierbare Provenienzangaben vorweisen: alte Kataloge, Rechnungen, Importpapiere und Exportlizenzen. Funde, die das nicht haben, stehen zu Recht unter einem Anfangsverdacht.

              Schmidt schreibt: "Weder quantitativ noch qualitativ ist der Handel mit vorderasiatischen Antiken in Deutschland rechtlich oder kulturpolitisch relevant." Er verbiegt dazu jedoch die publizierten Zahlen, indem er den Eindruck erweckt, von 386.500 antiken Objekte aus dem östlichen Mittelmeerraum, die im Untersuchungszeitraum zwischen Juli 2015 und Juni 2017 offiziell im Handel auftauchten, seien nur ein Bruchteil von gerade mal 6.133 als potenziell verdächtig identifiziert worden. Diese 6.133 Objekte und ein Umsatz von 1,2 Millionen Euro auf dem deutschen Markt innerhalb von drei Jahren seien, so Schmidt,  "kein Angebot an hochwertigen Objekten, und die Nachfrage bleibt generell gering."
              Das ist so falsch, denn einerseits sind die 6.133 Objekte die Gesamtmenge der sicher auf das Untersuchungsgebiet zu verortenden Antiken, von denen eben wie oben aufgeführt nur 2,1 % erkennbar nach der Gesetzeslage unproblematisch sind (wobei die Gesetzeslage mit ihren immer jüngeren Stichtagen selbst immer noch ein Problem darstellt). 97,9 % davon sind also Verdachtsfälle, denn Antiken kommen aus archäologischen Fundstellen, bei denen Funde fast überall gemeldet werden müssen, Ausfuhrlizenzen benötigen - oder bei regulären Grabungen an Museen und wissenschaftliche Institute, aber nicht in den Markt gelangen.
              Dabei ist weiterhin zu vermerken, dass es sich bei den 6.133 erfassten Objekte nur um die sicher auf das Arbeitsgebiet zu beziehende Menge handelt. Die Zahl in dem Bericht sind wohl so zu verstehen, dass es darüber hinaus zahlreiche Münzen und Kleinfunde etwa hellenistischer und römischer Zeit angeboten wurden, die aufgrund fehelnder Provenienzangaben und der über den Mittelmeerraum hinausgreifenden kulturellen Angleichung nicht sicher regional genauer zuweisbar sind und beispielsweise auch aus Nordafrika stammen könnten und daher gar nicht erst berücksichtigt wurden.

              Eine ähnliche Bagatellisierung wie bei Schmidt, indem suggeriert wird, es ginge nur um wenige Funde, betreibt die IADAA (International Association of Dealers in Ancient Art).
              Auch hier wird darauf verwiesen, dass nur 133 (sic! richtig: 6133) (1,7% ) der untersuchten Funde aus dem östlichen Mittelmeerraum stammten. Die Prozentzahl ist richtig, die absolute Zahl ist jedoch 6.133.
              Schaut man in Auktionskataloge, so gibt es genauso fragwürdige Angebote archäologischer Funde, die nicht aus dem östlichen Mittelmeerraum stammen (oder jedenfalls nicht sicher der Region zugewiesen werden können, wie z.B. viel römisches Fundmaterial), sondern etwa aus Nordafrika, Mitteleuropa, dem Balkan, Lateinamerika oder auch Kambodscha (etc.). Der Verweis darauf, dass es gar nicht nachgewiesen sei, dass die potenziell aus Syrien und Irak stammemdem Funde auch tatsächlich von dort stammen, geht an der Sache vorbei. Das ist ja gerade die Krux des Antikenhandels, dass die Provenienzen zu ungenau sind und das Kulturgutschutzgesetz hier Nachweispapiere verlangt. An den Funden lässt sich oft nicht entscheiden, ob sie aus der heutigen Türkei, Syrien oder dem Libanon stammen. Der Geschädigte ist nicht ein moderner Staat, sondern das Gedächtnis der Menschheit.

              Zu unbedeutend als Terrorfinanzierung?

              Obgleich nicht explizit Thema des ILLICID-Berichtes greifen beide Reaktionen den Vorwurf der Terrorfinanzierung auf, der in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den Antikenhandel angeführt wurde und der sicher dazu beigetragen hat, dass in den vergangenen Jahren einige - oft halbherzige - Maßnahmen getroffen wurden, um den Markt stärker zu kontrollieren.  Insofern ist dies für den Kunsthandel ein heikler Punkt, denn einerseits begründet er rechtliche Einschränkungen und Kontrollen und andererseits verkaufen sich "Blutantiken" (z.B. Lehr 2016) wohl auch nicht besonders gut. Wer möchte schon schöne Dinge in der Vitrine stehen haben, an denen das Blut unschuldiger Terroropfer klebt?

              Einige Archäologen haben von Anfang an gewarnt, dass es schwierig sein würde, juristisch haltbare Beweise für eine besondere Bedeutung der Raubgrabungen für die Finanzierung von Terroranschlägen vorzubringen.  Denn natürlich legen Terroristen ihre Buchführung nicht offen und so fällt es schwer, die Bedeutung von Raubgrabungen und Antikenhehlerei für den Terrorismus direkt abzuschätzen. Aussagen, wonach der Handel mit Antiken der drittgrößte illegale Markt nach dem Handel mit Waffen und Drogen sei, sind nicht beweisbar. Dennoch ist es sicher, dass beispielsweise Daesh (und früher schon die Roten Khmer in Kambodscha) seinen Krieg auch mit archäologischen Funden finanziert hat (Vasic/ Turku 2016) - und dies ggf. bis heute tut. 
              Aktuell verweist die UN darauf, dass Daesh ein Vermögen von geschätzt 300 Millionen $ zur Verfügung habe und nach wie vor über Finanzquellen verfüge - unter anderem durch den Verkauf von archäologischen Funden.
               "While the loss of territory and a governed population has deprived the group of revenue from oil fields and taxes, Daesh is still able to generate wealth by receiving funds via informal money transfer businesses known as “hawaladars”, as well as earning money through the lucrative industry of stolen antiquities which have been looted from various sites throughout the Levant. There have also been claims that Daesh has a special unit for selling such antiquities, according to returnees from the conflict in the recaptured territories." 

              Wenn nur bei knapp 2% der Funde  verifizierbare Provenienzen gegeben werden, fällt es natürlich schwer, die Wege der Funde zu rekonstruieren und auszuschließen, dass die Funde nicht doch aus einem kriminellen oder gar terroristsichen Hintergrund stammen. Im Gegenteil: Die geringe Quote legt es nahe, dass es etwas zu verbergen gibt: Die Verbindungen zu Raubgräbern, zu Terroristen, zu Geldwäschern? Thomas E. Schmidt verweist darauf, dass nur in wenigen Einzelfällen eine enorme Preissteigerung einzelner Objekte nachgewiesen werden konnte, so dass es für den Verdacht der Geldwäsche keinen konkreten Anhaltspunkt gäbe.
              Entgegen der Behauptungen aus dem Kunsthandel ist sehr wohl belegt, dass der Terrorismus sich auch aus Raubgrabungen und Antikenhehlerei finanziert (z.B. Turku 2017). Schätzungen sind hier nicht wirklich möglich, das ändert aber nichts an der Tatsache. Schon 9/11 scheint u.a. mit dem Verkauf von Antiken finanziert worden zu sein. Es wird wohl Jahre dauern, bevor das Fundmaterial der Plünderungen der vergangenen Jahre in den Markt eingebracht werden wird. Immer wieder wurden in Syrien kleinere Depots von archäologischen Objekten gefunden (z.B. Syrian Army Recovers Archaeological Pieces Stolen by Terrorists. Prensa latina [21.5.2019]), die nahe legen, dass noch vieles in Depots und Lagern liegt, ehe es auf dem Markt zu Geld gemacht wird. Daesh hat deswegen offenbar auch  die Raubgräber besteuert und sich nur in geringem Umfang direkt mit Raubgrabungen und Hehlerei befasst.
               

              Images from 9/11
              Die Terroranschläge von 9/11 waren wohl teilweise durch den Verkauf von Raubgrabungsfunden finanziert: Kunst als Terrorfinanzierung?. Spiegel (18.7.2005). - https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41106138.html
              (Foto: 'macten' [CC by-nc 2.0] bei flickr)
               

              Magere Bilanz?

              Der IADAA kommt zu folgender Einschätzung des ILLICID-Projekts: "Der Bericht  identifiziert nirgends illegal gehandelte Waren oder jedliche Form von Terrorismusfinanzierung, was das oberste Ziel des ganzen Projekts war.“
              In der Tat hält sich der Bericht hier auffallend zurück. Er vermeidet juristische Risiken und umgeht unangenehme Themen. Immerhin waren Vertreter des Kunsthandels auch im Team des Projektes. Betrachtet man die Aufklärung von Einzelfällen und die Nachweise gefälschter Provenienzen ist die Bilanz des ILLICID-Projektes daher tatsächlich eher mager, was allerdings am administrativen Charakter des Berichtes liegen mag. Im Gegensatz zum Glasgower  Projekt Culture Trafficking, das 2011 bis 2016 einige konkrete Fälle aufdecken konnte, in denen im Kunsthandel Fundobjekte mehrfach mit gefälschten Provenienzen aufgetaucht sind, hat das deutsche ILLICID bislang tatsächlich keine solchen konkreten Fälle publik gemacht. Das ILLICD-Projekt war vermutlich nicht darauf angelegt, Einzelfälle im Detail zu verfolgen. Hier müssten nämlich im Ausland die Wege aus den Herkunftsgebieten genauer untersucht werden - das ist Polizeiarbeit oder bestenfalls Journalismus aber zunächst nicht Wissenschaft.


              Der ILLICID-bericht umgeht die wirklich heiklen Punkte - bei denen beim Projektdesign auch nicht klar ist, wie man hier die versprochenen Aussagen gewinnen wollte - und so kann es nicht verwundern, dass der Kunsthandel ihn nun als Freispruch nutzt. Noch stehen richtige Publikationen aus dem Projekt aus, die vielleicht die Diskrepanz zwischen Versprechungen, öffentlichkeitswirksamen Auftritten vor der UNESCO und den im Bericht geschilderten Ergebnissen noch zu schließen vermag.
               
              Allerdings ist das in dem Bericht skizzierte Ergebnis der Auswertung der Provenienzangaben nicht zu unterschätzen. Denn hier wird belegt, dass gut 40% der Antiken gegen die aktuellen gesetzlichen Regelungen verstoßen und nur rund 2% mit den gültigen Regeln konform gehen. Das ist eine belastbare Zahl und wohl das wichtigtse Ergebnis von ILLICID, das Anlass sein sollte, dass Zoll und Polizei sich der Sache genauer annehmen.

              Es geht um den Erhalt der Fundstellen als historische Quelle, nicht um teure, schöne Vitrinenfüller

              Dass bislang die Kriminalstatistik wie auch die Statistiken des Zoll eher Zahlen geben (auf die sich der Kunsthandel gerne beruft: z.B. IG Deutscher Kunsthandel 2019), die das Problem im Vergleich zu den Zahlen von ILLICID deutlich unter repräsentieren, darf nicht verwundern. Das liegt an einer fatalen Fehleinschätzung des Problems durch Verwaltung und Justiz. Es geht in der Wahnehmung nicht um die Schäden an den historischen Quellen, sondern um finanzielle Schäden gegenüber dem Fiskus oder um Eigentumsdelikte. Aber tatsächlich geht es eben nicht um Zoll-, Steuer- oder Exportvergehen, auch nicht um einige wenige, wertvolle Funde (und auch nicht um die angeblich wertlosen Massenfunde [wobei die große Zahl der Fälschungen  die enorme Nachfrage belegt]. Egal ob teure Statue oder "Schrottmünze" - wenn ein Markt damit regelmäßig beliefert werden soll, geht das nicht mit Zufallsfunden, sondern nur mit Raubgrabungen. Für jeden Fund muss ein Bodeneingriff stattfinden - welche Folgen das hat, erkannt man zur Genüge auf Luftbildern aus Syrien und Irak, Ägypten oder auch aus Bulgarien. Diese Zerstörungen sind nicht vor Ort zu stoppen, sondern nur dadurch, dass niemand für diese Funde Geld bezahlt.
              Es geht um die Zerstörung oder besser: um die Erhaltung archäologischer Fundstellen.




              Abu Sir al Malaq: Raubgräberlandschaft auf einem ägyptischen
              Gräberfeld. [Die Luftbilder in Google Earth zeigen, dass die meisten Löcher
              zwischen dem 11.7.2010 und dem 12.9.2012 geschaufelt wurden.]
              (Google Maps)






              Literaturhinweise und Links


              • D. Lehr. Blood Antiquities. Antiquities Coalition (1.2.2016). - https://theantiquitiescoalition.org/blood-antiquities/
              • Helga Turku, The Destruction of Cultural Property as a Weapon of War. ISIS in Syria and Iraq (Cham: Pallgrave Macmillan/Springer 2017) 
              • Mark V. Vlasic / Helga Turku, ‘Blood Antiquities’. In: Journal of International Criminal Justice 14 (5), 2016, 1175–1197. - DOI: 10.1093/jicj/mqw054.
              • Günther Wessel, Das schmutzige Geschäft mit der Antike. Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern (Berlin: Ch. Links Verlag 2015) - Rezension auf Archaeologik (27.8.2016)