Posts mit dem Label Kulturgut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kulturgut werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. Juli 2026

Der Goldschmuck von Vix doch Opfer eines Sammlers?

In einem Interview mit Ke Figaro äußert sich Dominique Garcia, Präsident des Institut national de recherches archéologiques préventives (Inrap)zumRaub des Halsreifs von Vix. Ers sieht auch bei solch exzeptionellen Stücken einen weltweiten Markt bei Sammlern und die Möglichkeit, dass es sich um einen Auftragsraub handelt

 

Laut Staatsanwaltschaft in Nancy wurde inzwischen eine Person verhaftet. Die Ermittler geheh aber davon aus, dass es mehr als die zwei Täter waren, die im Museum mit Hut, Perücke und Sonnenbrillen in Erscheinung traten.

Artur Brand ein niederländischer Kunstdetektiv, der schon einige gestohlene Kunstobjekte aufgefspürt hat, will nach dem Halsschmuck der Damevon Vix suchen. Vor Jahren wurde aus dem Museum eine römische Bacchus-Statuette gestohlen, die er wieder beibringen konnte.


 

Wollen wir mal hoffen, dass das gute Stück wieder auftaucht. Es ist eines der faszinierendsten Objekte 'keltischer' Kunst. Filigrane Auflagen und kleine Pegasus-Figürchen an den Enden kontrastieren mit der glatten Oberfläche des eher wuchtigen Nackenteils. Der Halsschmuck, für den der Begriff "Toques" nur bedingt zutreffend ist, ist ziemlich einzigartig, so dass die Forschung über seine Herkunft spekuliert hat: skythisch,etruskisch,griechisch oder doch einheimisch 'Keltisch'. Christiane Eluère argumentierte aufgrund stilistischer aber auch technischer Details für eine regionale Herstellung. Im Grabungsbefund lag der Schmuck am Schädel, aber letztlich blieb unklar, ob er als Halsschmuck oder doch eher als Teil einer Kopfbedeckung oder als Diadem zu verstehen ist. 1989 wurden Materialanalysen des Goldes publiziert, doch scheinen neuere Beprobungen im Rahmen einer systematischen Untersuchung keltischer Halsreife nicht durchgeführt worden zu sein. 

Halsschmuck der Dame von Vix
(Foto: GO69, CC BY-SA 4.0,via WikimediaCommons)
 

 

 

Links

 

Literaturhinweise 

  • C.Eluère, Das Gold der Kelten (München 1987)
  • C. Eluère/ F. Drilhon/ H. Duday/ A.-R. Duval, L'or et l'argent de la tombe de Vix. Bulletin de la Société préhistorique française 86/1, 1989.  10-32. - DOI : https://doi.org/10.3406/bspf.1989.9357  

Montag, 15. Juni 2026

UNESCO-Welterbe brennt

Putin lässt weiter auf Kiew bomben und hat jetzt auch das UNESCO-Welterbe in Kiew getroffen. 
Bei den landesweiten Angriff gab es neun Tote und zahlreiche Verletzte in Kiew kames  laut Aussagen des Militärgouverneurs zu „ernsthaften Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters“. 

Google KI fasst die Situation heute morgen wie folgt zusammen:

Bei den schweren russischen Angriffen auf Kiew am 15. Juni 2026 kam es zu folgendem Schadensbild: [1, 2] 

🏛️ Akute Schäden an der Hauptkirche

  • Brand des Daches: Das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale (auch bekannt als Uspenski-Kathedrale, die Hauptkirche des Komplexes) geriet im Dachbereich unter den vergoldeten Kuppeln in Brand. [1, 2] 
  • Ursache: Laut Berichten fing das Dach Feuer, nachdem entweder Trümmerteile einer abgetroffenen russischen Drohne auf einen angrenzenden Parkplatz stürzten oder die Anlage direkt von Geschossen getroffen wurde. [2, 3] 

📦 Rettung der Kulturgüter [4] 

  • Ikonen und Reliquien gesichert: Liturgische Gegenstände, wertvolle Ikonen und die historischen Heiligtümer der Kathedrale konnten durch eine schnelle Evakuierungsaktion rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. [1] 

🕳️ Zustand der Höhlen und Nebengebäude

  • Unterirdische Höhlen intakt: Das weltberühmte mittelalterliche Höhlensystem mit den mumifizierten Überresten von Geistlichen im unteren Teil des Geländes blieb nach ersten Erkenntnissen von den aktuellen Zerstörungen unversehrt. [2, 5] 
  • Hinweis zu früheren Schäden: Kleinere oberflächliche Schäden an den Eingängen der Fernen Höhlen (zerstörte Fenster, Türen und Putzschäden an der Sankt-Anna-Kirche) stammten bereits aus einer vorangegangenen Angriffswelle im Januar 2026. Die aktuellen Brände betreffen das Dach der zentralen Oberkirche. [2, 5, 6] 
Möchtest du weitere Details zu den internationalen Reaktionen (wie der UNESCO oder Frankreich) erfahren oder die aktuelle Lage der Rettungsarbeiten weiterverfolgen? [1] 
Diese KI-Zusammenfassung verweist auf aktuelle Medienquellen und scheint den Stand der Dinge zu treffen. Im syrischen Bürgerkrieg wurden Routinen entwickelt um digitale Quellen zur Schadensanalyse am Kulturerbe zu nutzen. Wenige Stunden nach dem Angriff in Kiew thematisiert ein (schrecklich werbe überladener) Artikel im KI-Magazin IT-boltwise die Rolle, die KI dabei spielen kann, Aber auch die Probleme, die dabei auftreten, weil sehr schnell auch manipulierte Bilder  und propagandistische Fake News im Umlauf sein können.





Das Höhlenkloster in Kiew
(Foto: i.Parfeniy [in public domain] via WikimediaCommons)


Mal sehen, ob sich Putins Propagandist dazu äußern: zu vermuten ist das übliche Schema: die Ukraine ist schuld. Das Höhlenkloster soll in die Zeit der Kiewer Rus zurückgehen und hat daher großes, symbolische Bedeutung für die Nationalgeschichten Russlands und der Ukraine.


Links


interner Link

Montag, 20. April 2026

Kriegszerstörungen im Libanon

Seit dem Ausbruch des intensivierten Konflikts im März 2026 hat der Libanon massive Zerstörungen durch israelische Angriffe und Bodenoperationen gegen die Hisbollah-Miliz erlitten. Trotz einer am 17. April 2026 in Kraft getretenen zehntägigen Waffenruhe bleibt die Lage aufgrund schwerer Schäden an der Infrastruktur und Wohngebieten katastrophal. Im gesamten Libanon wurden zahlreiche Gebäude zerstört. Besonders betroffen sind die südlichen Vororte von Beirut (Dahiyeh), die Bekaa-Ebene und der Südlibanon. In grenznahen Dörfern im Süden wurden ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht; Satellitenbilder zeigen teils völlig verwüstete Orte. Mehr als 2000 Menschen sollen getötet, etwa 1,2 Millionen Menschen (etwa jeder fünfte Libanese) aus ihren Häusern vertrieben worden sein. 

Die UNESCO hat Berichte über Schäden an mehr als 20 Kulturstätten in der Region erhalten. Zu den konkret gemeldeten Vorfällen im Libanon gehören: 

Tyros (Sour)

 Die UNESCO hat Schäden an der antiken phönizischen und römischen Welterbestätte bestätigt. Besonders der Eingangsbereich der archäologischen Stätte wurde Anfang März durch eine israelische Rakete beschädigt. Das Welterbe in Tyros dient aktuell als Pilotprojekt für einen „Notfall-Kontingenzplan“. Dabei werden Listen erstellt und Sicherungsmaßnahmen für Objekte entwickelt, die nicht evakuiert werden können, um sie vor Vandalismus und Plünderung zu schützen. 

 

 Zitadelle von Chama' 

Am 17. April 2026 reichte das libanesische Kulturministerium eine dringende Beschwerde bei der UNESCO ein, da befürchtet wird, dass diese Festung aus dem 12. Jahrhundert durch israelische Truppen vollständig zerstört wurde. Diese Einschätzung basiert auf Berichten lokaler Behörden und Augenzeugen aus dem Südlibanon, die den Einsatz von Bulldozern zur systematischen Zerstörung der Anlage meldeten. Die Zerstörung von Infrastruktur oder Gebäuden durch die israelische Armee ist ein öfters dokumentiertes Vorgehen in den aktuellen Konfliktgebieten. In den Medienberichten finden sich jedoch vor allem Hinweise auf einen israelischen Luftangriff am 13. April. Die Zitadelle beherrscht strategisch das Umland von Tyros und geht im wesentlichen auf die Kreuzfahrerzeit zurück - mit älteren u.a. römischen und byzantinischen Phasen. 

Hier liegt auch der Simeon-Schrein, ein schiitisches Heiligtum wohl des späten 11. Jahrhunderts - der lokalen Überlieferung ist Petrus hier und nicht im Vatikan bestattet. Bereits 2024 war er beim israelischen Vordringen gegen die Hisbollah umkämpft und wurde zerstört, nachdem er erst nach Zerstörungen im Krieg 2006 mit italienischer Hilfe seit 2017 neu restauriert worden war. Als die Anlage unter israelischer Kontrolle stand, gewährte die israelische Armee einem Hobby-Archäologen Zutritt, der dort in einem Feuergefecht mit der Hisbollah ums Leben kam. 1978 bis 2000 diente die Zitadelle während der damaligen Besetzung des Südlibanons als israelischer Militärposten. 

Chamaa Zitadelle und Simeonsschrein, 2020
(Foto: Ibrahimamirnaeem, CC BY SA 4.0 via WikimediaCommons)

Ganze historische Grenzdörfer wie Muhaibib wurden laut Berichten dem Erdboden gleichgemacht. Weitere gefährdete Orte unter Beobachtung sind die römischen Tempel von Hibarieh, die Ausgrabungsstätte Qana und die Burg Beaufort. 

Baalbek 

Während die römischen Tempelanlagen selbst laut vorläufigen Satellitenanalysen noch keine massiven sichtbaren Schäden aufweisen, gab es Einschläge in unmittelbarer Nähe, die durch Erschütterungen die Statik gefährden. Schon während des Gazakrieges wurden im November 2024 Beschädigungen in Baalbek befürchtet. Im Jahr 2024 konzentrierten sich die Zerstörungen in Baalbek durch israelische Luftangriffe vor allem auf historische Gebäude in unmittelbarer Nähe des UNESCO-Weltkulturerbes sowie auf zivile Infrastruktur. Während die berühmten römischen Tempelanlagen (Jupiter-, Bacchus- und Venus-Tempel) nach bisherigen Erkenntnissen keine direkten Volltreffer erlitten, kam es zu massiven Schäden im direkten Umfeld. Zerstörungen und Erfahrungen 2024 Bereits bei der israelischen Invasion im Süden Libanons 2024 war es zu erheblichen Zerstörungen gekomnen. Heritage for Peace, die zuvor bereits in Syrien aktiv waren, begann ein Monitoring. Eine Zusammenfassung der Zerstörungen findet sich in der englischsprachigen Wikipedia

Bacchus-Tempel in Baalbek
(Foto: Lodo, CC BY SA 2.0 via WikimediaCommons)



 

Reaktionen der UNESCO 

Die UNESCO hat mit außergewöhnlichen Notmaßnahmen reagiert: Am 1. April 2026 stellte die UNESCO 39 libanesische Kulturstätten unter den sogenannten „verstärkten Schutz“ (enhanced protection). Dies ist die höchste völkerrechtliche Schutzstufe nach dem Haager Abkommen von 1954. Ein Angriff auf diese Stätten kann als Kriegsverbrechen geahndet werden. 2024 war dies schon einmal ausgesprochen worden. 

Die UNESCO stellte über 100.000 USD für Sofortmaßnahmen zur Verfügung. Dazu gehören Schulungen für Personal sowie Unterstützung beim Abtransport und der sicheren Lagerung von Artefakten aus gefährdeten Städten wie Tyros und Sidon. 

Die UNESCO hat die genauen geografischen Koordinaten aller Welterbestätten an die Konfliktparteien übermittelt, um versehentliche Angriffe zu verhindern. In Zusammenarbeit mit dem UN-Satellitenzentrum (UNOSAT) führt die UNESCO eine kontinuierliche Überwachung durch, um Schäden zeitnah zu dokumentieren, solange Bodeninspektionen unmöglich sind. 

Im Allgemeinen ist der Schutz archäologischer Denkmäler im Libanon auch ohne Kriegszerstörungen eher eine schwierige Angelegenheit (taz 2025). 

 

 Links 

 

Interner Link 

Bemerkung: ich habe einige der Informationen unter Zuhilfenahme von KI (Google) zusammengestellt, aber die Quellen grob überprüft.  

Mittwoch, 1. April 2026

Denkmalpflege stoppt Trump

 Erst mal…

Meldung von gestern anscheinend kein Aprilscherz…

Baustelles des Trump-Ballsaal an Stelle des illegal abgerissenen Ostflügels des Weißen Hauses 
(Foto:G.Edward Johnson,    CC B Y SA 4.0 via WikinediaCommons)


Freitag, 13. März 2026

Trumps Irankrieg zerstört Kulturerbe

WikimediaCommons)Die UNESCO gibt Alarm:


Blue Shield hat sich dem angeschlossen:


Der Iran verfügt über 29 UNESCO-Welterbestätten. Die paläolithischen Fundstellen im Chorramabad-Tal im Zagros-Gebirge wurden erst 2025 aufgenommen. Nach Medienberichten wurden unter anderem der Golestanpalas in Teheran, der Palast Tschehel Sotun und die Dschame-Moschee in Isfahan sowie Gebäude bei der neuen Welterbestätte im chorramabad-Tal beschädigt. Soweit den Berichten zu entnehmen; handelt es sich um Kollateralschäden durch Druckwellen von Explosionen in der Nachbarschaft .

Leider muss daran erinnert werden (die aktuellen Medienberichte scheinen das zu übergehen), dass POTUS Don. Trump in seiner ersten Amtszeit dem Iran konkret mit der Zerstörung seines kulturellen Erbes gedroht hatten. Nach Protesten hatte er seinen X-Tweet offenbar verändert



Kaldar-Höhle im UNESCO-Welterbe Chorramabad-Tal
(Foto: Bahareh73 - CC BY-SA 4.0 via WikimediaCommons)  


Links

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Der Corredor Biocultural Gran Selva Maya und der Tren Maya - Konfliktpunkte Menschenrechte, Umwelt- und Kulturgüterschutz

Mitte August 2025 haben die Präsident*innen von Mexico, Guatemala und Belize ein Abkommen zum Schutz von 5,7 Mio Hektar Regenwald geschlossen.  Der Great Mayan Forest Biocultural Corridor ist nach dem Amazonasgebiet das zweitgrößte Schutzgebiet der Erde und verbindet Atlantik und Pazifik.

Präsident Bernardo Arévalo (Guatemala), Präsidentin  Claudia Sheinbaum (Mexiko) und Premierminister John Briceño (Belize) bei der Vertragsunterzeichnung in Calakmul, Campeche, México(Foto: Presidencia de Guatemala, Gemeinfrei, via flickr und WikimediaCommons )

 

Belizes Premierminister John Briceño sieht Chancen, dass das Projekt den Handel mit Mexiko und Guatemala ankurbeln, neue Märkte eröffnen und seine Rolle als Brücke zwischen Lateinamerika und der Karibik stärken könnte. Die Länder wollen im Naturschutz kooperieren. Das Programm sieht vor, die Böden zu regenerieren, die geschädigte Waldbedeckung wiederherzustellen, und die Lebensverhältnisse der überwiegend indigenen und afrikanischstämmigen Bevölkerung zu verbessern, indem die Selbstversorgung gefördert werden soll.

Einen wesentlichen Aspekt des neuen Schutzgebiets  stellen die archäologichen Zeugnisse insbesondere der Maya-Kultur dar. Im Kern des Korridors befinden sich zum Beispiel Calakmul, Tikal, Caracol, Palenque, Edzná, Yaxhá, Piedras Negras, El Mirador, Lamanai und Altún Ha.

Tren Maya 

Teil des Projektes soll es aber auch sein, den Maya-Zug (Tren Maya) zu erweitern. Ende 2024 wurde in Mexiko eine Bahnlinie durch den Regenwald auf der Halbinsel Yucatán eröffnet, der die wichtigsten archäologischen Stätten der Maya in einer großen, 1500 km langen Schleife miteinander verbindet. Gerade die Ökologie und der Umgang mit der regionalen Bevölkerung erwiesen sich aber als problematisch. Ökologische, demokratische und archäologische Bedenken wurden dabei mit Füßen getreten. Selbst die UN protestierte.

Für eine detaillierte Bilanz der Auswirkungen der Bahn ist es letztlich noch zu früh. Von journalistischen Einschätzungen abgesehen, stammen bisherige Analysen zum Tren Maya  aus der Soziologie und den Politikwissenschaften (Huesca-Pérez u.a. 2016) sowie der Biologie und Ökologie (Casanova Casañas 2021).  

Logo des Tren Maya
(Graphik: Tren Maya , Public Domain, via WikimediaCommons)

 

Menschenrechte und Ökologie

Zwar wurde vor Beginn des Projektes ein Referendum abgehalten, doch hatte man nach einseitiger Information Fristen und Wahllokale so eingerichtet, dass eine Beteiligung der unmittelbar Betroffenen weitgehend ausgeschlossen wurde. Letztlich haben vor allem städtische Angestellte an der Abstimmung teilgenommen, die mit fast 90% das Projekt befürworteten. Der Menschenrechtsrat der UN kritisierte die Abstimmung scharf. Die vielfach zapatistisch organisierten indigenen Gemeinden wurden so systematisch übergangen und vom Geheimdienst überwacht.   

Ein Artikel verortet das Projekt Tren Maya im globalen Kontext neoliberaler Megaprojekte (Casanova Casañas 2021), die aus einer eurozentrischen, extraktivistischen Logik heraus indigene Territorien in Lateinamerika umgestalten. Er knüpft an Konzepte wie „Akkumulation durch Enteignung“ und Johan Galtungs Unterscheidung zwischen kultureller und struktureller Gewalt an, um aufzuzeigen, wie wirtschaftspolitische Maßnahmen indigene Gemeinschaften marginalisieren.

In der Kritik standen auch die ökologischen Auswirkungen. Umweltschützer verweisen auf schwerwiegende Auswirkungen auf die empfindlichen Karsthöhlensysteme, die einen Großteil der Trinkwasserversorgung der Halbinsel sicherstellen.

Proteste

Aus den ökologischen Bedenken und der Menchenrechtsproblematik entwickelte sich auch die größte Gegen- und Protestbewegung gegen den Tren Maya. Während der Bauarbeiten kam es in Mexiko zu zahlreichen Protesten.  Unter anderem wurden Petitionen gestartet.

Von Ausschreitungen oder gewaltsamem Widerstand ist in den Medien wenig zu finden. Das Mexikanische Zentrum für Umweltrecht  brachte 2023 den gewaltsamen Tod von über 100, überwiegend indigene Umweltschützer*innen mit Großprojekten wie dem Tren Maya in Verbindung.

Gerichtlich hatten die Indigenen mehrfach Erfolg, doch überging der damalige Staatspräsident Obrador diese Urteile, indem er den Tren Maya per Dekret  zu einer Angelegenheit der nationalen Sicherheit erklärte.

Auch in Deutschland gibt es Proteste gegen das Projekt, das hier als neokoloniales Projekt gebrandmarkt wird. Bei eienm internationalen Protesttag am 30.1.02021 wurde beispielsweise auch vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof gegen das Projekt protestiert.
Unter den Firmen, die am Bau beteiligt sind, ist auch die Deutsche Bahn AG, die mit ihrer Tochtergesellschaft war die DB Engineering & Consulting, die 2020 einen Auftrag von 13,5 Mio € erhalten hat.

Im Juli bzw. September 2023 haben Linksextremisten (hier ist der Begriff mal angebracht) einen Brandanschlag auf ein Bahn-Büro in Berlin sowie auf Kabelschächte bei Hamburg verübt.


Der Corredor Biocultural Gran Selva Maya und der erweiterte Tren Maya

Das neue Projekt ist daher sehr sensibel. Entscheidend wird sein, inwiefern die positiven Absichten auch die Realität bestimmen und die Widersprüche zwischen Ökologie und Wirtschaft gut ausgehandelt werden. Der Bevölkerung Wohlstand durch Selbstversorgung zu sichern, ist ein zunächst positiver Ansatz. Bei der Unterzeichnung des Abkommens wurde betont, dass die indigenen und afrikanischstämmigen Gemeinschaften ("comunidades indígenas y afrodescendientes") für die Erhaltung des biokulturellen Erbes von zentraler Bedutung seien.

Seit Oktober 2024 amtiert Claudia Sheinbaum Pardo als Präsidentin Mexikos, die zwar in vielem die Politik ihres Vorgängers López Obrador fortsetzt, aber weniger populistisch agiert und Ökologie und Bürgerbeteiligung stärker betont. Sherbaum ist Umweltwissenschaftlerin und als Bei einem aktuellen Autobahnprojekt sind nun 2025 wieder diesselben Kritikpunkte wie beim Tren Maya wieder aktuell.

Im Gegensatz zu den Worten des Vertrags stehen die Überlegungen zum Bau einer Brücke über den Zaragoza-Kanal, um die mexikanische Gemeinde Xcalak mit der Insel Ambergris Caye in Belize zu verbinden. Dieser Plan ist umstritten, da die vorgeschlagene Route durch den Bacalar Chico National Park and Marine Reserve verlaufen würde, welcher ein UNESCO-Weltnaturerbe ist. Der Premierminister von Belize betont zwar das Umweltbewußtsein seiner Regierung, gibt aber als Ziel der Politik an, "eine Brücke zu bauen, die den Verkehr bis nach Mexiko ermöglicht und mehr Handels- und Tourismusmöglichkeiten schafft". Wenig später betont er, dass es kein Abkommen über den Tren Maya gäbe, sondern erst Risiken und Chancen abgewogen würden.
In Guatemala betont der Präsident, dass Schutzgebiete - explizit auch archäologische - von der Trasse nicht betroffen seien.

... und die Archäologie? 

Obwohl der Tren Maya gezielt auf die archäologischen Stätten verwiesen hat und auch der neue Corredor Biocultural unmittelbar auf sie Bezug nimmt, spielen sie in der Bilanzierung eine untergeordnete Rolle. Der Begriff des "biokulturellen Erbes" meint zwar theoretisch auch das archäologische Erbe und die Kulturlandschaft, praktisch werden aber eher die ökologischen Aspekte und - immerhin - die indigene Kultur betont.

Der Tren Maya und die archäologischen Maya-Stätten
(https://www.trenmaya.gob.mx/, Public Domain, via WikimediaCommons)

 

Insofern lohnt auch hier ein Blick auf den vorausgegangenen Tren Maya. Im Laufe der Bauarbeiten wurden mehrere archäologische Stätten angeschnitten.  Ende Oktober 2021 erreichte eine Fundmeldung aus Mexiko auch die deutschen Medien. Sie steht heute offenbar nur noch bei einer Luxemburger Zeitung online. 

In einem Cenote, also einem durch einen dolinenartig von oben zugänglichem Karsthöhlensee wurde ein gut erhaltenes Kanu der Maya-Zeit gefunden. Dabei wurde auch darauf verwiesen, die Funde seien "bei Bergungsarbeiten entlang der geplanten Strecke des „Maya-Zugs" gemacht worden, womit ein Zusammenhang mit dem aktuell kontrovers eingeschätzten Eisenbahnbau-Projekt des Tren Maya implitziert wurde. Weiter hies es in dem Artikel nach einer kurzen Beschreibung des Bahn-Projekts: "Entlang der im Bau befindlichen Strecke haben Archäologen bereits zahlreiche Entdeckungen gemacht – etwa Wandmalereien und Gefäße".

Daneben gab es einige weitere Fundmeldungen, etwa von einer Götterstatue. 

Informationen der mexikanischen Regierung zeigen, dass das Tren Maya-Projekt archäologische betreut wurde. Dazu wurde unter anderem ein Programm ins Leben gerufen, das die archäologischen Fundstellen betreuen und notwendige Notgrabungen durchführen sollte. PROMEZA (Programa de Mejoramiento de Zonas Arqueológicas) soll auch die Auswertung und Publikation der Grabungen übernehmen, die Stätten aber auch durch touristische Infrastruktur erschließen, inklusive des Baus zweier neuer Museen in Chichén Itzá und an der Ruta Pucc. In das Programm wurden 29 archäologische Zonen und Naturschutzgebiete wie z.B.  Palenque, Cobá, Kabah, Moral Reforma y Edzná. aufgenommen. Das Finanzbudget betrug 4.906 Millionen MXN, etw 2,3 Mio €., das indes Teil einer weit größeren Summe ist, die für die Notgrabungen eingeplant wurden. Insgesamt standen 248 Millionen MXN (ca. 117 Mio €) zur Verfügung. Die Gesamtkosten des Tren Maya-Projektes liegen umgerechnet bei etwa 27 Milliarden €, es entfielen also nicht einmal 0,5% auf die Archäologie.

Nach welchen Standards die Notgrabungen durchgeführt wurden, vermnag ich nicht zu beurteilen.


Gelernt?

Ein Naturreservat dieser Größe ist sicher ein guter Schritt und es hat den Anschein, dass man aus den Erfahrungen des Tren Maya-Projektes gelernt hat und im Corredor Biocultural den Aspekten mehr Raum gibt, die die vergangenen Proteste kritisiert hatten.

Da die Archäologie und das Kulturerbe dabei eine untergeordnete Rolle spielten, hat man aber möglicherweise auch gelernt, dass hier die geringeren Probleme liegen. Es wird also zu beobachten sein, welchen Stellenwert das kulturelle Erbe in der Praxis des neuen Schutzgebietes haben wird. Da es versucht, den Schutzgedanken mit wirtschaftlichen Invesititionen zu verbinden, besteht die Gefahr, dass letztere die anderen Ziele verdrängen werden.

Links

Literaturhinweise 

 


 

Samstag, 30. August 2025

Bundeswehr schlägt ein wie eine Bombe

Zugegeben - ein blöder Kalauer als Überschrift. Aber tatsächlich überschlagen sich die Medienberichte zu einer Bundeswehrübung. Auch die DGUF hat noch rasch reagiert und die Meldung im  Newsletter (16.8.2025)  untergebracht.

Das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein nahm eine Sicherungsgrabung in einem Grabhügel im Wald bei Ahrensbök (Lkr. Ostholstein) vor. Solche Notgrabungen, um die Schäden von Raubgräbern zu dokumentieren und den meist nicht wieder gut zu machenden wissenschaftlichen Schaden zu minimieren, sind vielfach leider Routine. Bei der Grabung fand man zahlreiche, mitten auf dem Denkmal vergrabene Sandsäcke, wie sie die Bundeswehr  bei der Anlage von Gefechtsstellungen benutzt.  "Eine übende Truppe befand sich im Juni diesen Jahres im Raum Ahrensbök in der einsatzvorbereitenden Ausbildung, die auch den Bau von Gefechtsstellungen beinhaltetet", sagte laut ndr der Sprecher der Bundeswehr zu diesem Vorfall.  "Für die Soldatinnen und Soldaten war dieser Grabhügel aus unterschiedlichen Gründen leider nicht als historischer Grabhügel erkennbar". Die Abläufe und Vorbereitungen der Übungen sollen überdacht werden, "um künftig konkret den Schutz von historischen Grabhügeln zu gewährleisten", so der Bundswehr-Sprecher.  Festzuhalten ist, dass die Problematik wahrscheinlich nicht nur Grabhügel, sondern auch andere Geländedenkmälr betrifft. 

Eigentlich müsste die Bundeswehr sehr gut Bescheid wissen. Gerade auf Truppenübungsplätzen haben sich Geländedenkmäler erhalten, denn sie wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht durch den Pflug zerstört. Nicht selten wurden extensiv genutzte Flächen schon vor langer Zeit - oft noch im Deutschen Kaiserreich - als Truppenübungsplätze genutzt.

Ein prominentes Beispiel sind etwa die Megalithgräber "Sieben Steinhäuser" auf dem Truppenübungsplatz Bergen in Niedersachsen. Auf dem Standortübungsplatz der ehem.  Tilly-Kaserne am Burgholz in Neuburg an der Donau befindet sich eine Wüstung. Bei Übungen auf dem Gelände wurde - nach eigenen Erinnerung meiner Grundwehrdienstzeit - Anfang der 1990er Jahre in der dort stationierten Heimatschutzbrigade auf die Lage des abgesiedelten Dorfes Kreut hingewiesen,. Dabei gab es dort Einschränkungen für den Übungsbetrieb. - etwa beim Anlegen von Stellungen.  Das Dorf war allerdings auch erst in den 1950er Jahre für den Übungsplatz abgesiedelt worden. 

Dennovh sind Zerstörungen durch den Bau von Übungsstellungen und Sprengtrichter und Panzerspuren nicht ungewöhnlich.   Anfang der 1970er Jahre tieften Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Baumholder drei große und tief eingegrabene Schützenlöcher in einen Grabhügel ein, die sie später als Abfallgruben und Latrinen benutzten. Die Gräber wurden dabei zerstört, Andere Grabhügel wurden durch Panzerketten zerwühlt (Haffner 1971).

Ein Monitoring findet kaum statt und so ist schwer zu beurteilen, wie sind aktuelle Fälle vielleicht bei den Landesämtern bekannt, werden aber jedenfalls kaum publik.  Wie häufig derartige Fälle wohl auch nur selten publik, wenn sie eben nicht auf einem Übungsplatz passieren.


 

 Links

 Literaturhinweis

 

Freitag, 6. Juni 2025

Nachlaß Helmut Thoma: Zeit für die Rückgabe des palmyrenischen Grabreliefs

Helmut Thoma, Women's World Awards 2009
Helmut Thoma
(Foto Manfred Werner - Tsui
[CC-BY-SA-3.0
via Wikimedia Commons])
Anfang Mai 2025 ist Helmut Thoma an seinem 86. Geburtstag in Wien verstorben. Die Medien haben ihm als einem unterm Strich wohl erfolgreichem Medienmanager einige Nachrufe gewidmet. Die Geschichte seiner Beteiligung an einer Raubgrabung in Palmyra und dem Schmuggel eines palmyrenischen Grabreliefs nach Deutschland wird nicht erwähnt. Dennoch ist das der Augenblick, daran zu erinnern, denn jetzt wäre der Zeitpunkt, zu dem seine Erben das Stück - sofern es nicht schon wieder längst auf den Markt gelangt ist - nach Syrien zurück geben sollten. In Syrien hat sich die Lage verändert und die Geste einer solchen Rückgabe würde eine positive Entwicklung dort auch unterstützen. 
 
Bereits 2010 forderte der Palmyra-Experte Prof. Andreas Schmidt-Colinet eine Rückgabe des Reliefs an den syrischen Staat als rechtmäßigem Eigentümer.. Nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 und der Verbrechen des Assad-Regimes war eine Rückgabe an diesen Staat aber nicht denkbar. Jetzt aber ist die Lage eine andere. Jetzt kann und muß das unrechtmäßig aus einem Grab entfernte und nach Deutschland geschmuggelte Relief zurück gegeben werden.


Links

Interne Links


 


Freitag, 23. Mai 2025

Syriens neue Machthaber, der Tourismus und Kulturpolitik

Die neuen Machthaber in Syrien haben Interesse an Tourismus und bringen damit eine gewisse Aufmerksamkeit für das kulturelle Erbe. Kulturschaffende genießen derzeit gewisse Freiheiten, die Problematik der Raubgräber - und der Antikenhehlerei ist aber ungelöst. - Ein Beitrag von swr Kultur;



interne Links

 

Sonntag, 15. Dezember 2024

Syrische Altertumsbehörde berichtet von massiven Zerstörungen

Die Reaktionen zu den Vorgängen in Syrien schwanken zwischen Euphorie und Zweifel. In kürzester Zeit ist das Assad-Regime gefallen und die Rebellen des HTS haben die Macht übernommen. Aber noch scheint die Gefahr für das kulturelle Erbe des Landes nicht vorbei.

Die Internetseite des  syrischen Antikenverwaltung DGAM ist offline, zugleich teilt die Behörde jedoch über facebook eine besorgniserregende Nachricht. Demnach kooperiert die DGAM mit der Militärischen Operationsleitung und der Politischen Verwaltung, was sich auf die neuen Machthaber in Syrien beziehen dürfte. In Damaskus sei es in den letzten Tagen aufgrund fehlender archäologischer Überwachung zu Verstößen gegen die Bauaufsicht gekommen. Diese Verstöße und Überführungen nehmen erheblich zu und geben Anlass zur Sorge, dass dieses auch in den übrigen antiken Städten geschehen und  zu erheblichen Veränderungen in der historischen Struktur führen könnte. Die DGAM fordert deshalb die Anwohner und alle lokalen Einrichtungen, Institutionen und Organisationen auf,  mit allen Mitteln dazu beizutragen, diese Verstöße zu reduzieren, um das syrische Kulturerbe vor der Zerstörung zu bewahren.


Das Museum in Damaskus hat die Tage des Umschwungs bisher offenbar gut überstanden, obgleich am 8.12. im Museum ein Feuer - wohl aufgrund eines Defekts in der Elektrik - ausgebrochen war.

Die unsichere Situation im Land wir wohl ausgenutzt, um Schwarzbauten zu errichten. Abzuwarten bleibt, ob diese SItuation auch wie üblich die Plünderer auf den Plan ruft.


interne Links


Dienstag, 3. Dezember 2024

Aleppo wird erneut Kriegsschauplatz

Mehrere Jahre war Syrien auf Archaeologik kaum noch Thema. Der Bürgerkrieg war indes nie vorbei.
Jetzt flammt er wieder auf.
Ein wesentlicher Hintergrund dürfte der israelische Krieg gegen die Hisbollah im Libanon sein, der sich zwar aktuell in einem Waffenstillstand befindet, aber nicht die israelischen Angriffe auf Hisbollahstellungen invSyrien gestoppt hat.

Überraschend sind nun die dschihadistischen Rebellen, die sich über die Jahre unter türkischem Schutz in der Region Idlib halten konnten, nach Aleppo vorgestoßen und haben die Stadt weitgehend eingenommen. In Deutschland kam es unter syrischen Flüchtlingenob der Nachrichten aus Aleppo zu spontanen Feiern, die in den Social Media sofort zur Hetze gegen syrische Flüchtlinge genutzt werden. In den Jahren relativer Ruhe - so jedenfalls in der Außensicht - haben sich teilweise neue Koalitionen ergeben, so dass es schwer fällt, die jetzigen Rebellen in ihren Zielen einzuschätzen. Nach 13 Jahren Bürgerkrieg sind die Aufständischen natürlich nicht mehr die friedlich demonstrierenden Bürger des Arabischen Frühlings. Auch hier haben Radikalisierungen statt gefunden. Dominierend in der aktuellen Rebellenkoalition ist die Hayat Tahrir al-Sham (engl. Transkribierung, abgek. HTS), die sich aus einem Al-Qaida-Ableger entwickelt haben. Inzwischen geben sie sich moderat, werden aber von vielen Staaten als Terror-Organisation eingestuft.

Die Rebellen der HTS erhalten in Aleppo nun wohl auch Unterstützung von kurdischen Kräften, die im Norden mit der Türkei im Krieg stehen, während die HTS angeblich von der Türkei unterstützt würden. Rußland als Verbündeter des Assad-Regimes bomardiert nun Aleppo und Idlib, wo jeweils Krankenhäuser angegriffen worden sein sollen. In den 4 Tagen der Rebellenoffensive sol es über 500 Tote gegeben haben.

 

erneute Gefahr für Aleppos Kulturerbe

Inzwischen  finden sich in den Social Media erste Berichte aus Aleppo, die zeigen, dass es bislang keine neuen Schäden am Museum und der Zitadelle (von der Bilder mit den Fahnen Syriens und Palästina durchs Netz gehen) gibt.

Nach dieser Quelle - Adnan Almohamad, der jüngst zu den Zerstörungen archäologischen Kulturerbes in Syrien auch wissenschaftlich publiziert hat (Almohamad 2022) ,gibt es eine Zusicherung der "für die Befreiung Aleppos verantwortlichen militärischen Einsatzleitun"g zum Schutz archäologischer und historischer Stätten - verbunden mit dem Link zu einem TikTok-Video auf TwiX, das einen Reporter vor und im Museum zeigt.

Inzwischen bombardieren russische Luftstreitkräfte wieder Aleppo, aber auch Idlib. 

 

Ist Aleppos Kulturerbe nun gesichert?

Aleppo wurde 2016 mit Hilfe russischer Luftangriffe vom Assad-Regime zurückerobert. Zahlreiche Kulturdenkmale waren in diesen und vorausgehenden Kämpfen zerstört worden. Viele Objekte des Nationalmuseums in Aleppo waren jedoch rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden, so dass es im National,useum zu keinen größern Verlusten kam.  2019 konnte das Nationalmuseum teilweise wieder eröffnet werden. 
Anfang 2023 traf jedoch das große Erdbeben im ostanatolischen Graben auch die Region Aleppo. Es kam zu Schäden an der bereits im Krieg stark geschädigten Zitadelle sowie in der Stadt. Der Bau des Nationalmuseums hielt dem Erdbeben stand und wurde danach für viele Museumsarbeiter zum sicheren Ausweichquartier. Dennoch wurde das Gebäude so geschädigt, dass seine Standfestigkeit im Falle eines weiteren Bebens nicht mehr gegeben war. Daraus wurde der Plan entwickelt, das Gebäude erdbebensicher zu machen und auch als Zufluchstmöglichkeit für die Bevölkerung zu konzipieren. Nach einigen Reparaturen an zerbrochenen Fenstern und der Beseitigung der Trümmer wurden die Pläne mit Unterstützung der Universität Florenz und der syrischen Altertumsbehörde DGAM ausgearbeitet und seit Oktober 2023 umgesetzt (Pucci 2024).

Seit 2017 haben mehrere internationale NGOs und Stiftungen  Restaurierungs- und Rehabilitationsprojekte am kulturellen Erbe der Stadt geplant und teilweise auch durchgeführt.  Es wurden Tagungen veranstaltet, Bücher geschrieben, WebGIS mit Informationen erarbeitet, aber auch Gebäude restauriert. Diese Arbeiten sind noch im Gange, wie beispielsweise der facebook-Auftritt des Syrian Heritage Archive Project zeigt. Dahinter steht untere anderem das Projekt Stunde Null: “Post Conflict Recovery of Urban Cultural Heritage in the Middle East: The Case of the Old City of Aleppo”, das, getragen vom Deutschen Archäologischen Institut mit dem Museum für Islamische Kunst in Berlin, historische Daten und Dokumente zu den Baudenkmalen der Altstadt und des Viertels Suwayqat Ali sammelt.
Im Gefolge der Zerstörungen in Palmyra wurde die Digitalisierung der Kulturgüter stark propagiert und so entstand auch ein Virtuales Museum Aleppo.
Naben nationalen syrischen Initiativen, die teilweise wegen ihrer fehlenden Bürgerbeteiligung kritisiert worden waren, gab es Projekte u.a. auch von derm Aga Khan Trust for Culture und der UNDP oder der Gerda-Henkel-Stiftung.
 
Die Projekte sind noch nicht abgeschlossen, da droht Aleppo die nächste Katastrophe. Diese Gefahr verdeutlicht aber auch, wie unrealistisch digitale Sicherungen sind.Sie helfen in keiner Weise gegen den Verlust des Kulturerbes als historischer Quelle, die man mit Bauforschung oder Grabungen fragestellungsorientiert wissenschaftlich untersuchen könnte. Digitalisierung von Kulturerbe verspricht allenfalls, dass man der bewussten Zerstörung von Kulturgut politisch etwas entgegen zu halten hat - allerdings nur, wenn es den Angreifern um historisches Vergessen oder Geschichtskorrektur geht (Beispie Putin in Bezug auf ukrainiches Kulturgut),  nicht, wenn sie damit Terror verbreiten oder politische Statements setzen wollen (Beispiel Daesh/ IS).

Literatur

  • Almohamad 2022: Adnan Almohamad; The Destruction of Cultural Heritage in Syria: The Case of Shash Hamdan Tomb 1 in the Upper Euphrates, 1995–2020. Journal of Eastern Mediterranean Archaeology and Heritage Studies 2022; 10/1, 2022, 49–73. -  doi: https://doi.org/10.5325/jeasmedarcherstu.10.1.0049  - leider kein OA
  • Pucci 2024: M. Pucci, National Museum of Aleppo. In: M. Loda/ P. Abenante (Hrsg.) Cultural Heritage and Development in Fragile Contexts. Research for Development (Cham 2024) . - https://doi.org/10.1007/978-3-031-54816-1_12