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Donnerstag, 9. April 2020

Die COVID-19 Pandemie - Teil 2: Kleine Geschichte der Erforschung von gesellschaftlichen Zyklen

Detlef Gronenborn - Rainer Schreg

Zyklen und Prozesse

Im Laufe unserer Forschungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) hat sich in den letzten zehn Jahren ein zyklenbasierter Ansatz als sehr hilfreich bei der Konzipierung von geschichtlichen Abläufen, oder vielleicht besser wiederkehrenden Prozessen, erwiesen (Gronenborn, Schreg 2011; Dotterweich 2011; Gronenborn u. a. 2014; Schreg 2011; Schreg 2020).

Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)
Jedoch stieß und stößt solch ein Geschichtsbild bei vielen Kolleginnen und Kollegen auf Skepsis, was möglicherweise auch auf Missverständnisse und Unklarheiten über Terminologie und Konzeption beruht.
Zunächst darf man sich unter Zyklen keine kreisförmigen Abläufe vorstellen, sondern eher Fluktuationen, die aber einer gewissen Regelhaftigkeit unterliegen. Vorab ist zu sagen, dass es bereits in der antiken griechischen Geschichtskonzeption Ideen zu regelhaften Abfolgen, ja geradezu Mechanismen gegeben hatte (Abb. 1). Sie ziehen sich durch die gesamte Geistesgeschichte des Abendlandes, konzeptionell stehen sie dem antiken und mittelalterlichen Degenerationismus nahe, wie auch dem Evolutionismus des 19. Jahrhunderts, denn allen liegt eine Vorstellung von Geschichte als Prozess zugrunde (Trigger 1989).


Abb. 1. Vereinfachte Grafik der historischen Dynamik römischer Regierungsformen nach Polybios
(aus Gronenborn 2016).

Eine schöne bildliche Darstellung der Zyklenkonzeption des 19. Jahrhunderts ist eine fünfteilige Gemäldereihe von Thomas Cole (Abb. 2), die zwischen 1833 bis 1836 für die New York Historical Society erstellt wurde (http://www.explorethomascole.org/tour/items/69/series/). 


Abb. 2. Thomas Cole, The Course of Empire: Destruction (1836)
([public domain]. via WikimediaCommons)


Der Evolutionismus des 19. Jahrhunderts hatte sich aus ähnlichen Konzeptionen in den Naturwissenschaften entwickelt, die nun ebenfalls begannen in Prozessen und Zyklen zu denken; verbunden war dies mit einem starken und kontinuierlichen Fortschrittsglauben (Trigger 1989). Auch die Wirtschaftswissenschaften sahen Zyklen auf langen und kurzen Zeitskalen.
Im 20. Jahrhundert haben sich sowohl zyklenbasierte wie auch lineare, prozessbasierte Geschichtsmodelle weiterentwickelt, kurze Zusammenfassungen finden sich in Turchin/Nefedov (2009) und Gronenborn u. a. (2017).

Vorwurf „Determinismus“

Während also ein Teil der Wissenschaftscommunity Prozesse und Zyklen als hilfreiche Denkmodelle oder -schablonen sieht, tut sich wiederum ein anderer Teil genau wegen dieser vermeintlich vorgegeben Strukturen sehr schwer damit, Regelhaftigkeiten in der Geschichte zu akzeptieren; der Vorwurf des Determinismus steht unweigerlich im Raum. 

Sicherlich mit zu begründen ist das auch mit der jüngeren deutschen Forschungsgeschichte, galt doch im bürgerlichen Geschichtsbild der Nachkriegszeit, und beruhend auf die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition des Historismus, jede Epoche als einzigartig in ihrer „Geschichtlichkeit“. Mit der Entwicklung des Historismus begannen sich die Geisteswissenschaften, insbesondere die Geschichtswissenschaft, immer stärker von den Naturwissenschaften abzusetzen, indem sie dem naturwissenschaftlichen Erklären der Welt das geisteswissenschaftliche Verstehen gegenübersetzt (Droysen 1868; Dilthey 1887). In der weitgehend empirisch beriebenen Archäologie spielte dieses Denken bis weit in das 20. Jahrhundert die entscheidende Rolle (Schreg 2014). Verknüpft mit der identitätsstiftenden Rolle der Vergangenheit wurde daraus ein Geschichtsbild, das Kontinuitäten, nicht aber Prozesse und Zyklen in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt (Schreg 2017). Daraus resutiert auch, dass der Begriff der historischen Prozesse erst jüngst ins Blickfeld geraten ist (Schützeichel/ Jordan 2015; Schreg 2018). Der Historismus betont die Handlungsfreiheit des Individuums, sieht aber eine Handlungsmächtigkeit vor allem bei Politikern und Militärs bzw. Vertretern von Institutionen. 

Dies ist übrigens ein Ansatz, der um die letzte Jahrtausendwende im Zuge des Postprozessualismus wieder von der britischen Archäologie unter dem Begriffsfeld „human agency“ betont wurde (Dobres/Robb 2000). 

Eine naturwissenschaftliche Vorgehensweise des Erklärens macht es jedoch notwendig, nach Mustern, nach Regelhaftigkeiten zu suchen, um auch die Variationsbreiten von Verhalten zu erkennen, mithin sind wiederkehrende Abfolgen in der Grundkonzeption von Prozessen mit enthalten. Das in der textbezogenen Geschichtswissenschaft in der Tradition des Historismums betonte Individuum spielt hier eine untergeordnete Rolle (Abb. 3).

Abb. 3. Flussdiagramm des Widerspruchs zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Traditionen.
(D. Gronenborn)

In Ländern des früheren Warschauer Paktes hatte sich die Theorienlandschaft in eine andere Richtung entwickelt, hier war man, beruhend auf dem Marxismus, und stand daher Regelhaftigkeiten weniger skeptisch gegenüber. Was problemlos zu akzeptieren war, waren Phasenabläufe in der Geschichte, wie sie Engels (1989) vorgedacht hatte. Diese Phasen wiederum erlaubten auch in Mechanismen zu denken, hinter denen die Übermächtigkeit des handelnden Individuums zurücktrat. Verbunden war diese Konzeption mit der Prozessualen Archäologie der 1960er Jahre (Binford 1977), deren Höhepunkt die systemische Ausdeutung von Clarke (1968) war.

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich aber wieder ganz langsam eine Komponente auch in die deutschsprachige Archäologie und zumindest in Teile der Geschichtsschreibung geschlichen, die einer von uns (d.g.) gerne als „Neoprozessualismus“ bezeichnen möchte (Archaeology Today – Archaeology Tomorrow: Part 2 - Suggesting a solution – “Neoprocessualism”. Archaeologik [1.2.2016]) und die durch ein Konzept aus dem Umweltwissenschaften ihren Weg in die Geisteswissenschaften fand.

„Adaptive Zyklen“ – die Rückkehr von Mechanismen und Regelhaftigkeiten in die Geschichtsschreibung

Abb. 4. Darstellung der Adaptiven Zyklen
nach Holling/Gunderson (2002)
(Graphik R. Schreg).
Im Jahr 2005 veröffentlichte Redman einen Aufsatz, der für die Archäologie ungeheure Konsequenzen gehabt hatte. Darin stellt er die Anwendungsmöglichkeiten des Konzeptes der Adaptiven Zyklen vor. Diese beruhen auf einer unendlich laufenden Schleife, bestehend aus immer wiederkehrenden, aufeinander bezogenen Abschnitten. Diese Schleife existiert in einem theoretischen Raum aufgespannt durch die Parameter Potential, Resilienz und Verknüpfung (connectedness) (Abb. 4). 


Diese Konzeption wurde dann von vielen Kolleginnen und Kollegen aufgegriffen, darunter auch von unserem Forschungsfeld am RGZM (Schreg 2011; Gronenborn u. a. 2014; Schreg 2019). Wir veränderten die Visualisierung und passten sie archäologischem Denken an, das ja in erster Linie einem zeitlichen Gradienten folgt (Abb. 5).

Sehr schnell wurde klar, was allerdings auch schon in der Konzeption der AC voreingestellt war, dass sich Zyklen auf verschiedenen zeitlichen Skalenebenen und auch in parallele und aber auch versetzten Prozessen abspielen (Abb. 5 b). Geschichte kann als Abfolge von ineinander verschachtelten zyklischen Prozessen verstanden werden.

Abb. 5. Neukonzeption der Adaptiven Zyklen nach Gronenborn u. a. (2014)
(Graphik: D. Gronenborn)




Diese Idee ist der Archäologie eigentlich nicht neu, denn ihr ureigenstes Handwerkszeug, die Ordnung von Objekten zur Erstellung einer Chronologie, baut genau auf diesem Phänomen auf, das bereits seit den antiken Abfolgen und ganz deutlich bei den Methodenentwicklungen im 19. Jahrhundert. Nicht zufällig wurden viele Perioden in dreistufige Entwicklungsschemata einer Früh-, Hoch- und Spätphase gepresst. 

Diese folgt dem typischen Innovationszyklus, der auch heute immer wieder in der Analyse von Wirtschaftsprozessen verwendet wird (Rogers 1962). Schmerzhaft deutlich wird uns das zur Zeit in der Beobachtung des Kurvenverlaufs der COVID-19-Infektionsrate, von der wir alle hoffen, dass sie nach einem Kipppunkt wieder abflachen möge (http://rocs.hu-berlin.de/corona/docs/forecast/results_by_country/). 

Mit Hilfe dieses prozess- und zyklenbasierten Denkmusters scheint es uns möglich, die alten Widersprüche zwischen geisteswissenschaftlichen individuenbasierten und naturwissenschaftlichen prozessbasierten Geschichtsbildern aufzulösen (Abb. 6). Letztlich geht es um zwei Aspekte desselben Untersuchungsgegenstandes, die sich allerdings in ihrer Bezugsskala und in ihrem Abstraktionsgrad unterscheiden. Ziel ist, daraus ein kombiniertes, vielschichtige Geschichtsbild unter Berücksichtigung des Verhältnisses der verschiedenen Bezugsebenen zu entwickeln. Untersuchungen auf der Basis langer Zeiträumen müssen durch Fallstudien einzelner Zyklen oder wenigstens Umbruchphasen ergänzt werden. Es zeigt sich, dass das eine eine Stärke der prähistorischen, das andere eine der historischen Archäologie ist. Getrennt durch fünf Jahrtausende haben sich so Studien zu den Zyklen des Neolithikums mit solchen zur Siedlungsdynamik des Mittelalters insbesondere des 14. Jahrhunderts ergänzt (Schreg 2011; 2020).

Abb. 6. Auflösung des Widerspruchs zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Traditionen.
(Graphik: D. Gronenborn)

Die einzelnen Zyklen bzw. Prozesse laufen historisch nicht gleich ab. Hier gibt es so viele Faktoren, dass letztlich doch jeder Zyklus individuell zu sehen ist. So sehr der Mensch als homo sapiens im Großen und Ganzen einen Faktor im Gesamtsystem darstellt, so ist doch gerade seine aktive Rolle als Akteur, wie auch sein konkretes Reagieren in Krisen für uns von Interesse. Zu den Untersuchungen langfristiger Prozesse  müssen also auch Überlegungen treten, wie das Individuum mit der Gesellschaft als Ganzem interagiert (Schreg u.a. 2012; 2013; Schreg 2017 ) und wer Akteure im gesellschaftlichen Wandel sind.

Das Grundmuster

Grundlage dieser Gesamtkonzeption sind Abfolgen von Zyklen bzw. wiederkehrenden Prozessen, die einem immer sich wiederholenden Muster folgen (Abb. 7). Dieses beruht auf den Adaptiven Zyklen, ist aber erweitert und verändert mit Verhaltensabfolgen in staatlichen Gesellschaften, die Turchin/Nefedov (2009) herausgearbeitet haben. So ist der Zyklus in einen integrativen und einen desintegrativen Teil zweigeteilt. Dieses Grundmuster ist in aufeinander bezogene Abschnitte eingeteilt, die zwar in den jeweiligen Studien unterschiedlich benannt sind, aber dennoch dieselben Inhalte haben; sie finden sich auch in der oben schon erwähnten archäologischen Chronologie (Abb. 7). Solche Zyklen sind, wie Scheffer (2009, 79) das trefflich gesagt hat „intuitive Metaphern“. Daher ist es notwendig, für eine analytische Vorgehensweise die einzelnen Komponenten voneinander zu trennen und für die jeweiligen Parameter Proxy-Daten zu finden, dies sowohl im archäologischen Material wie auch in den Textquellen (Abb. 8).

Abb. 7. Zweidimensionale Darstellung des sozio-politischen und ökonomisch-ökologischen Zyklus (SPEEC) basierend auf einem archäologischen typochronologischen Modell (ATC) und Adaptiven Zyklen (AC), der demografisch-strukturellen Theorie (DST) und der Dual Processual Theory (DPT) (Literaturverweise siehe Gronenborn 2016).





Abb. 8. Schematische Darstellung verschiedener in einem Zyklus wirksamer Faktoren.
(Graphik: D. Gronenborn)


In unseren bisherigen Studien haben wir uns besonders eine sozio-politische Komponente herausgegriffen, da diese noch weniger erforscht schien. In der Archäologie gebräuchlicher sind Zyklen etwa in der Siedlungsgeschichte mit der Vorstellung expansiver Phasen der Kolonisation und solche der Wüstung oder in der Geoarchäologie mit dem Modell des Bodensyndroms (Bork 2006).

Etliche Studien hatten sich auch bereits mit Populationsdynamiken befasst, ein Ansatz der methodisch weniger aufwendig ist (Zimmermann u. a. 2009; Zimmermann 2012), aber eben nur einen Teil der gesamten Dynamik abdeckt. Wir haben uns auf einen Parameter bezogen, den man als Fluktuationen im sozialen Zusammenhang (social cohesion) bezeichnen kann, und der sich aus der Diversität bzw. Normierung von sozialen Identifikationen generiert. Das ist in der Archäologie eine alte Vorgehensweise die verwandt ist mit der Dual Processual Theory der 1990er (Blanton u. a. 1996). Die Grundidee ist, dass sich alle Mitglieder eine Gruppe mit sozialen Einheiten identifizieren, sei es Familienverbände oder Bünde, oder Geheimgesellschaften. Angenommen wird dabei, dass es Einheiten sein sollten die eine aktive politische Rolle in den Gesellschaften übernehmen. Konkret zu greifen ist diese Diversität bzw. Normierung in der materiellen Kultur. Zu denken ist an Individualität in der Grabausstattung, bei Trachtmustern oder – in der archäologischen Überlieferung noch am kontinuierlichsten zu erfassen – im Stilrepertoire an Keramik (https://rfactors.hypotheses.org/files/2019/09/Gronenborn_2019_Vom_Artefakt_zum_historischen_Prozess.pdf). Verwandt ist dieser Ansatz auch mit dem Habitus-Konzept von Bourdieu (1976).

Plottet man solche Proxy-Daten in einer Zeitreihe, lässt sich ein Muster feststellen (Abb. 9): Zu Beginn des Zyklus ist die Diversität der Identifikationen gering, meist auch weil es eine geringe Zahl von Gruppenmitgliedern gibt. Im Laufe der Zeit nimmt die Diversität zu und nach einem Kipppunkt (tipping point) nimmt sie wieder ab. Entsprechend dieser Diversitätskurve ist die soziale Kohäsion zu Beginn der Kurven hoch, nimmt dann ab, und nimmt zum Ende wieder zu. Das heißt die desintegrative Phase ist zwar durch eine Zunahme sozialer Kohäsion gekennzeichnet, zeigt aber dennoch ein Verfallsstadium der Gesellschaften an. Charakteristikum dieser Phasen sind Gesellschaften in einem Stadium der Polarisierung, das auch in Extremfällen in ein Stadium der Rigidität, ja der sogenannten Rigiditätsfallen übergehen kann. 



Abb. 9. Zwei aufeinander folgende Zyklen stilistischer Diversität im Alt- und Mittelneolithikum SW-Deutschlands (verändert nach Gronenborn u. a. 2018).

Diese sozialen Kurven sind im bisher untersuchten Fall von der Populationskurve entkoppelt (Gronenborn u. a. 2017; Peters/Zimmermann 2017). In einer weiteren, noch nicht veröffentlichten Studie konnte gezeigt werden, dass auch die Sozialindizes zudem auf verschiedenen Skalenebenen unterschiedliche Kurvenverläufe aufweisen, sich letztlich also jede Phase des Zyklus aus einer Vielzahl von Einzelzyklen unterschiedlicher Genese zusammensetzt (Gronenborn u. a. 2020).

Dieses Grundmuster haben wir versuchsweise den „Soziopolitisch-ökonomisch-ökologischen Zyklus“ (SPEEC) genannt (Gronenborn 2016), weil letztlich alle Faktoren mit bedacht werden, so denn Daten dazu in hinreichender Auflösung zur Verfügung stehen.

Fortsetzungsepisoden



Literaturverzeichnis

  • Binford 1977
    L. R. Binford, For theory building in Archaeology (New York 1977).
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  • Bork 2006
    H.-R. Bork (Hrsg.), Landschaften der Erde unter dem Einfluss des Menschen (Darmstadt 2006).
  • Bourdieu 1976
    P. Bourdieu, Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft (Frankfurt am Main 1976).
  • Clarke 1968
    D. L. Clarke, Analytical Archaeology (London 1968).
  • Dilthey 1887
    W. Dilthey, Einleitung in die Geisteswissenschaften. Versuch einer Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und der Geschichte. Erster Band (Leipzig 1887).
  • Dobres/Robb 2000
    M.-A. Dobres/J. Robb, Agency in Archaeology (2000).
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    J. G. Droysen, Grundriss der Historik (Leipzig 1868).
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    F. Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentumss und des Staates. Im Anschluß an Lewis H. Morgans Forschungen (Berlin 1989).
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    D. Gronenborn/H.-C. Strien/C. Lemmen, Population dynamics, social resilience strategies, and Adaptive Cycles in early farming societies of SW Central Europe. Quaternary International 446, 2017, 54–65.
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    D. Gronenborn/H.-C. Strien/R. van Dick u. a., Social diversity, social identity, and the emergence of surplus in the western central European Neolithic. In: H. Meller/D. Gronenborn/R. Risch (Hrsg.), Überschuss ohne Staat / Surplus without the State. Politische Formen in der Vorgeschichte / Political Forms in Prehistory1. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 18 (Halle 2018) 201–220.
  • Gronenborn u. a. 2020
    D. Gronenborn/H.-C. Strien/K. W. Wirtz u. a., Inherent Collapse? Social Dynamics and External Forcing in Early Neolithic and Modern SW Germany. In: F. Riede/P. Sheets (Hrsg.), Going Forward by Looking Back (New York, Oxford 2020) im Druck.
  • Gronenborn/ Schreg 2011
    D. Gronenborn/ R. Schreg, Rainer, Krisen und ihre Bewältigung - Aspekte einer Bilanz. In: F. Daim/ D. Gronenborn u. R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. RGZM - Tagungen 11 (Mainz 2011) 303-310 (2011).
  • Holling/Gunderson 2002
    C. S. Holling/L. H. Gunderson, Resilience and Adaptive Cycles. In: L. H. Gunderson/C. S. Holling (Hrsg.), Panarchy. Understanding transformations in human and natural systems (Washington 2002) 25–62.
  • Peters/Zimmermann 2017
    R. Peters/A. Zimmermann, Resilience and Cyclicity. Towards a macrohistory of the Central European Neolithic. Quaternary International 446, 2017, 43–53.
  • Redman 2005
    C. L. Redman, Resilience theory in archaeology. American Anthropologist 107, 1, 2005, 70–77.
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    E. M. Rogers, Diffusion of innovations (New York 1962).
  • Scheffer 2009
    M. Scheffer, Critical transitions in nature and society. Princeton studies in complexity (Princeton, NJ 2009).
  • Schreg 2011
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  • Schreg 2014
    R. Schreg, Neue Perspektiven des Geschichtsverständnisses in der historischen Archäologie Reflektionen und Fallstudien zur Umwelt- und Sozialarchäologie als historische Kulturwissenschaft. Habil. Tübingen (Mainz, Tübingen 2014 [unpubl.]).
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    R. Schreg, Interaktion und Kommunikation im Raum – Methoden und Modelle der Sozialarchäologie. In: S. Brather/J. Dendorfer (Hrsg.),Grenzen, Räume und Identitäten. Der Oberrhein und seine Nachbarregionen von der Antike bis zum Hochmittelalter. Tagung Freiburg, 13. – 16. November 2013. Archäologie und Geschichte 22 (Ostfildern 2017) 455–492.
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    R. Schreg, Historische Prozesse. Rezension zu Schützeichel/ Jordan 2015. Archaeologik (11.6.2018). - https://archaeologik.blogspot.com/2018/06/historische-prozesse.html
  • Schreg 2020
    R. Schreg, Plague and Desertion. A Consequence of Anthropogenic Landscape Change? Archaeological Studies in Southern Germany. In: M. Bauch/G. J. Schenk (Hrsg.), The Crisis of the 14th Century. Teleconnections between Environmental and Societal Change? (Berlin, Boston 2020) 221–246.
  • Schreg u.a. 2012
    R. Schreg/J. Zerres/H. Pantermehl/ St. Wefers/ L. Grunwald,, Habitus - ein soziologisches Konzept in der Archäologie. Archaeologik (14.12.2012)
  • Schreg u. a. 2013
    R. Schreg/J. Zerres/H. Pantermehl/ St. Wefers/ L. Grunwald,/ D. Gronenborn, Detlef., Habitus – ein soziologisches Konzept in der Archäologie. Arch. Inf. 36, 2013, 101-112, 2013. - doi:10.11588/ai.2013.0.15324
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    R. Schützeichel/ S. Jordan (Hrsg.), Prozesse. Formen, Dynamiken, Erklärungen (Wiesbaden 2015).
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    B. G. Trigger, A History of Archaeological Thought (Cambridge 1989).
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  • Zimmermann 2012
    A. Zimmermann, Cultural cycles in Central Europe during the Holocene. Quaternary International 274, 2012, 251–258.


Montag, 8. Mai 2017

Klimawandel und Nahrungsmittelpreise - ein interdisziplinärer Blick zurück


J. Esper/ U. Büntgen/ S. Denzer/ P.J. Krusic/ R. Schäfer/ R. Schreg/ J. Werner: Environmental drivers of historical grain price variations in Europe.
Climate Research 72, 2017, 39–52



In der Diskussion um die Bedeutung des Klimas für die Geschichte werden sehr oft und pauschal Zusammenhänge postuliert, indem etwa "Klimaverschlechterung" für wirtschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich gemacht wird. Tatsächlich ist dies viel zu simpel. Die Zusammenhänge von Klima und Geschichte sind höchst komplex, da Gesellschaften unterschiedlich vulnerabel oder resilient gegen Krisen sein können. Was für die einen schlecht ist, kann für andere eher vorteilhaft sein. So sind beispielsweise die Anlage und Verteilung der Felder, aber auch Systeme der Vorratshaltung oder der Solidarität historisch-kulturell bedingte Rahmenbedingungen, die die Folgen des Klimawandels in einem gewissen Rahmen puffern können.  Problematsch sind das Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren sowie die Auswirkungen von Schwellenwerten aber auch die handlungsleitenden Weltbilder der Menschen. Reaktionen auf Klimawandel sind - wie heute die Trump-Administration demonstriert - nicht immer rational und möglicherweise sogar eher kontraproduktiv.
Um die Zusammenhänge zwischen Klima und Geschichte zu erfassen, bedarf es also einer Überprüfung, wie Klimawandel und historische Entwicklungen konkret zusammenhängen. Ein wichtiger Mittler dazu können Nahrungsmittelpreise sein, da sie prinzipiell Ernteschwankungen abbilden können. Solche Überlegungen waren der Anlass, für eine Studie auf Preisreihen zurück zu greifen, wie sie die Wirtschaftsgeschichte schon seit langem zusammen gestellt hat.

Roggen
(Foto: Alupus [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
Schwankungen der Getreidepreise waren ein Charakteristikum der europäischen Wirtschaftsgeschichte. Schon lange hat die Forschung daher Preisangaben für Gerste, Roggen und Weizen gesammelt. Trotzdem fehlt es an einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Preisentwicklung und klimatischen oder umweltbedingten Faktoren. Immer wieder war von Historikern gewarnt worden, solche Preisserien als Ausdruck genereller Konjunkturen heranzuiziehen, da sie oft lokalen politischen Einflüssen unterworfen waren und so hochgradig regional beeinflusst sein können. Mit der Betrachtung der Preise erfassen wir dennoch einen Faktor, der sehr direkt von den Ernteerträgen und der jährlichen Witterung abhängt. Die Notwendigkeit, regionale politische Faktoren auszufiltern und langfristige Trends im Vergleich mit den klimatischen Entwicklungen zu erfassen, führt zu einer primär statistischen Analyse der Datenserie.

Korrelation historischer Getreidepreise und klimatischen Entwicklungen

Jahrringe spiegeln die klimatische Entwicklung
(Foto: R. Schreg)
Ausgangspunkt war also das Problem, die beobachtbaren Korrelationen von Umweltfaktoren und langfristigen sozialen Prozesse enger aufeinander zu beziehen. Getreidepreise erweisen sich hier als guter Proxy. Der neu erschienene Artikel nutzt historische Preisreihen aus 19 Städten aus Mittel- und Südeuropa aus dem Zeitraum vom 14. bis zum 18. Jahrhundert.  Wir haben dazu alte Sammlungen spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Getreidepreise digitalisiert und mit den dendrologisch gewonnenen Klimakurven abgeglichen. Mittels GIS lassen sich regionale, politisch bedingte "Anomalien" ausfiltern.

Die darin auf einer zeitlichen Auflösung von einem Jahr bis zu mehreren Jahrzehnten erkennbare räumliche Variabilität wurde mit der Rekonstruktion der Sommertemperatur und hydroklimatischen Bedingungen verglichen, wie sie sich anhand dendrologischer Untersuchungen in Finnland ergeben. Diese Serie spiegelt sehr gut die Großwetterlagen in West-, Mittel- und Südeuropa wieder.
 

Kriege überlagern Umweltfaktoren

Direkte Korrelationen zwischen historischen Getreidepreisen und rekonstruierten Trockenheitsindices sind zwar gering; konzentriert man sich aber auf Extremereignisse ergeben sich deutliche Hinweise auf eine klimatische Beeinflussung großer Preisschwankungen. Unter Normalbedingungen sind also in der Tat politische Entwicklungen wichtiger als klimatische Einflüsse. Während ausgeprägter Trockenperioden erweisen sich Getreidepreise aber als extrem hoch und während Feuchtphasen extrem niedrig.  Die Getreidepreise in Europa sind eng mit Hungersnöten und Ernährungsengpässen verbunden, die zudem mit regionalen Sommerdürren zusammen.  Der normale Witterungsverlauf zeigt hingegen kaum eine Korrelation mit Preisen, nur größere Witterungsevents wirken sich auf Ernten und Getreidepreise aus. Zudem zeigt sich aber, dass Schwankungen der Getreidepreise durch mittelfristige Temperaturtrends beeinflusst werden.

Ein Ergebnis, das in dem Artikel besonders hervorgehoben wird: In Kriegszeiten schaft sich der Mensch so viel eigene Probleme, dass diese dann den klimabedingten Stress überlagern. Der Einfluß der Sommertemperaturen ist nach dem 30jährigen Krieg im Zeitraum von 1650 bis 1750 besonders stark. Während Kriegsperioden sind die Korrelationen zwischen den verschiedenen Regionen relativ gering, während sie danach immer wieder zunimmt. Während der Unruheperioden werden klimatische Faktoren von soziokulturellen zurück gedrängt und zeigen größere regionale Variabilität.
So zeigt sich gesellschaftlich/politische Faktoren und Umweltfaktoren komplex ineinandergreifen. In Friedenszeiten kommen Umweltfaktoren stärker zum Tragen als während Kriegen.
 

Archäologie als Mittler zwischen Historikern und Geowissenschaftlern

Auf den ersten (und wohl auch auf den zweiten) Blick hat das wenig mit Archäologie zu tun. Und dennoch war hier die Archäologie hier als Mittler zwischen Klimaforschern und Historikern ganz grundlegend. Letztlich war es nicht möglich, wie ursprünglich beabsichtigt, einen archäologischen Datensatz zur Siedlungsentwicklung mit der nötigen chronologischen Auflösung in die Überlegungen mit einzubeziehen, aber die traditionell engen Beziehungen der Archäologie sowohl zu den Natur- wie zu den Geschichtswissenschaften waren für die interdisziplinäre Verständigung außerordentlich hilfreich.
Der verfolgte methodische Ansatz hat weitere vertiefende Forschungspotentiale. Man wird nicht nur den Datensatz durch die Aufnahme weiterre Preisreihen noch ausbauen und regional differenzieren können, sondern auch versuchen können, weitere Faktoren ins Spiel zu bringen. Sind die Preisschwankungen in primär auf Getreidebau orientierten Landschaften anders als in Regionen mit stärkerer Viehwirtschaft? Lässt sich vielleicht eine Resilienz bestimmter Anbaupraktiken und Siedlungssysteme nachweisen? 
Hier kommen die historische Geographie sowie die Archäologie wieder stärker ins Spiel. Aufgrund der relativ schlechten chronologischen Auflösung, die man beispielsweise für die Datierung für Wüstungen erreichen kann, dürfte hier den räumlichen Korrelationen eine größere Bedeutung zukommen als den chronologischen.

Kurz: Schon allein das Nachdenken über Zeitreihen und langfristige Prozesse, wie es sich aus der Landschafts- und Umweltarchäologie ergibt, hat insofern einen Mehrwert, als es auch über das Fach hinaus Forschung anregen kann.

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Sonntag, 5. Oktober 2014

When Interdisciplinarity works: Cultures of Stone, Dublin, September 18th-20th 2014

A contribution by Michelle Beghelli

The international conference “Cultures of Stone. Interdisciplinary Research on the Materiality of Stone” took place at University College Dublin (UCD) and National Museum of Ireland on September 18th-20th 2014.

Cultures of Stone
(Graphics M. Beghelli, photos by M. Beghelli and via Wikimedia Commons
[PD, by Arheo, Locutus Borg, and unknown author])
With the main focus on stone as a material, the papers were organized in five sessions: 
1. Engagements with Monuments, Sculptures, and Structures; 
2. Interactions with Stone Surfaces; 
3. The Movement, Trade and Exchange of Stone; 
4. The Meaning and Experience of Stone in Ritual Practice; 
5. The Quarrying and Transformation of Stone. 
A poster session completed the general frame of the conference. It is particularly noteworthy that the program was truly interdisciplinary, just as announced in the title. Chronologies ranged from the Palaeolithic to the 19th century, and the papers dealt with areas in all the five Continents.

Archaeology was the main academic discipline of many speakers, but remarkably interesting viewpoints were provided by researchers in Geosciences, History of Art, Design, Architecture, Anthropology, Ethno-Sciences and even Psychiatry. As a whole, thus, the papers and the keynote lectures given at the Conference were characterised by a huge variety of subjects and academic fields. Their grouping in the above-mentioned five sessions (according to their subject) gave the opportunity to detect resemblances and differences in stone’s manufacturing and trade, perception, symbolic and ritual meanings across very different chronologies and locations. Besides this, however, methodological approaches and structures within the various fields of science represented often another common feature which allows us to cluster them.