Auf dem AMANZblog zu einem Neufund
Archaeologik ist ein Wissenschaftsblog zu Themen der Archäologie und des Kulturgutschutzes. Er zielt auf eine kritische Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie auseinandersetzt und die alltägliche Forschungspraxis reflektiert.
Archaeologik is a science blog contributing to various aspects of critical archaeology and cultural heritage including methodology, theory and daily archaeological practice.
Samstag, 17. August 2024
Montag, 22. Juli 2024
Donnerstag, 6. Juni 2024
Hochwasser in Regensburg – was wir aus der Geschichte lernen können
ein Gastbeitrag von Iris Nießen
Das Hochwasser in Regensburg hat am Messpunkt der Eisernen Brücke am 02. Juni 2024 die Meldestufe 4 und in den folgenden Tagen einen Wasserstand von 6 m über Pegelnull erreicht. Die Stadt Regensburg war in ihrer Geschichte häufig von Hochwasserereignissen betroffen, die das Ausmaß diesen Jahres deutlich überstiegen. Archäologische und schrifthistorische Quellen ermöglichen es, die Höhe der vergangenen Hochwasserereignisse zu rekonstruieren und zeitlich einzuordnen. Diese Daten können wichtige Anhaltpunkte bieten, um die aktuellen Ereignisse einzuordnen.
Regensburg hatte in der Vergangenheit Wasserstände von über 11 m über Pegelnull
Das letzte große Hochwasser in Regensburg im Juni 2013 erreichte mit 7,3 m über Pegelnull einen noch höheren Wasserstand als dieses Jahr und überschwemmte unter anderem die damals laufenden archäologischen Ausgrabungen am Regensburger Donaumarkt, dem heutigen Standort des Museums der Bayerischen Geschichte. Die Ausgrabung selbst ist eine wichtige Quelle für vergangene Überschwemmungshorizonte aus dem Mittelalter. Eine Auswertung der archäologischen Befunde und der Schriftquellen aus Regensburg zeigt, dass es während des Mittelalters Wasserstände von bis zu 11,6 m über Pegelnull gegeben hat. Hierzu gehören unter anderem eine Überspülung der Steinernen Brücke im Jahr 1284 und Hochwasser bis an die Treppen des Domes im Jahr 1235/36. Diese liegen damit höher als die überlieferten Extremhochwasser der Neuzeit, beispielsweise 1784 mit 8,4 m über Pegelnull und 1845 mit 7,5 m über Pegelnull, was einem HQ100 (einem im Schnitt alle hundert Jahre wiederkehrenden Hochwasser) entspricht. Die Analyse von archäologisch erfassten Überschwemmungsschichten zeigt im Vergleich zu der schriftlichen Überlieferung, dass die Schriftquellen sehr lückenhaft sind und offenbar nur vereinzelte Extremereignisse dokumentieren. Bei der Beurteilung der Schwere der Hochwasserereignisse und der Wasserstände muß die fachspezifische Quellenkritik jeweils beachtet werden. Bei den historischen Pegelständen sollte darüber hinaus bedacht werden, dass die Donau noch nicht begradigt war und eine niedrigere Flusssohle besaß.
|
Regensburg im Juni 2013; vollständig überschwemmtes Grabungsareal am Donaumarkt |
Eigentlich sind Winterhochwasser typisch für Regensburg
Regensburg hat aufgrund seiner geografischen Lage ein starkes Risiko für schwere Winterhochwasser, da die nordbayerischen Zuflüsse Wörnitz, Altmühl, Naab und Regen ihr Niederschlagsmaximum im Winterhalbjahr haben. Damit unterscheidet sich die Situation in Regensburg stark vom Süden Bayerns. Witterungsklimatisch sind folgende Risikofaktoren für Regenburg typisch:
- plötzlich einsetzendes Tauwetter mit Schneeschmelze,
- Warmlufteinbruch mit Dauerregen auf Schneedecke und gefrorenem Boden,
- starke Wasserführung von Naab und Regen gemeinsam mit der sommerlichen Haupthochwasserwelle der Donau.
Tatsächlich sind durch Schriftquellen über 30 schwere Winterhochwasser in Folge von Schneeschmelze und plötzlich einsetzendem Tauwetter, teils verbunden mit Eisgang, für den Zeitraum des 12. bis 19. Jahrhunderts überliefert - wohingegen schwere Sommerhochwasser aufgrund starker Regenfälle lediglich für die Jahre 1210, 1275, 1295 und 1501 überliefert sind. Der Bau der Steinernen Brücke 1135-1146 dürfte die Hochwasserlage noch verschärft haben, da sich an der Brücke das Eis staute und so die Stadt überschwemmt wurde. Die entlang der Donau verlaufende Stadtmauer diente damals auch dem Hochwasserschutz und verhinderte das Eindringen von Schlamm und Eis in die Stadt - eine Funktion, die heute portable Spundwände übernommen haben.
![]() |
| Regensburg: Verwüstungen durch den Eisgang am 28./29. Februar 1784 (Stich von Johan Mayr, Stadtarchiv München DE-1992-HV-BS-B-11-43 via WikimediaCommons) |
Über- und Unterspülung der Donauinseln (Wöhrde)
Die Regensburger Donauinseln waren schon immer von Hochwasser besonders gefährdet. Hier siedelten Fischer, Müller und Handwerker im suburbanen Bereich vor der Stadt. Heute sind die Wöhrde weitgehend überbaut und Teil der Stadt. Das überlieferte Hochwasser von 1304 zeigt wie stark die Flussinseln von Überschwemmungen betroffen sein konnten. Das Hochwasser zerstörte Teile der Donauinseln stromaufwärts der Steinernen Brücke, wodurch sich der Flusslauf veränderte. Es strömte nun mehr Wasser in das tiefer liegende Flussbett bei Stadtamhof, wodurch die Regensburger Schifflände trocken zu fallen drohte. Für die Regensburger war dies eine echte Umweltkatastrophe mit wirtschaftlichen Folgen. Aus diesem Grund errichteten die Regensburger an der Spitze des Oberen Wöhrdes ein Beschlächt (sog. Wöhrloch). Dieses sollte den Wasserfluss kontrollieren und sorgte wieder für mehr Wasser für die Mühlen und den Hafen an der Stadtseite. Dieses Wasserbauwerk war in der Folge immer wieder ein Streitpunkt zwischen Stadtamhof (Bayerisches Herzogtum) und der Freien Reichsstadt Regensburg. Allgemein waren die Regensburger durch den Bau der Steinernen Brücke schon früh dazu gezwungen, Wasserbau zu betreiben, da es für die Brücke notwendig war, den Fluss im vorgesehenen Flussbett zu halten. Die Ausgrabungen am Regensburger Donaumarkt zeigen verschiedene Uferbefestigungen bereits ab dem frühen Mittelalter.
Orientierungswissen für heute
Forschungen zu vergangenen Hochwassern sowie der historischen Umgestaltung von Auen und Flüssen bieten ein wichtiges Orientierungswissen für heute und sollten in hochwasserpolitische Entscheidungen einbezogen werden. Viele wasserbauliche Strukturen haben ihre Ursprünge im Spätmittelalter und der Neuzeit und zeigen Pfadabhängigkeiten zu heutigen Problemen im Wasserbau und den Nutzungskonflikten auf.
![]() |
|
Höhenangaben zu Hochwassern in Regensburg. Abkürzungen: MNW: mittlerer niedrigster Wasserstand;
MW: mittlerer Wasserstand; MHW: mittlerer höchster Wasserstand (Nießen/Wollenberg 2019, Abb. 11). |
Ein aktuelles Projekt, das von der DFG gefördert wird, forscht derzeit zur vorindustriellen Überprägung von Flüssen und Auen im Einzugsgebiet von Rhein, Donau und Elbe. Das Schwerpunktprogramm „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ untersucht mit sieben Teilprojekten deutschlandweit die komplexen Mensch-Natur Wechselwirkungen an Fluss und Aue: https://www.physes.uni-leipzig.de/fluviale-anthroposphaere
Die Textinhalte und Quellennachweise (archäologischen Quellen, quantitative Erfassung der Schriftquellen zu Hochwasser in Regensburg) sind ausführlich publiziert in:
- Iris Nießen/Doris Wollenberg, Aus Fluss wird Stadt – Die Stadtentwicklung im Osten von Regensburg im Fokus von Hochwassern und Landgewinnung. In: D. Schneller / G. Lassau (Hrsg.), Erdbeben, Feuer, Wasser und andere Katastrophen. Ihr Einfluss auf die Stadtentwicklung und Stadtgestalt im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (Basel 2019) 1-25. Volltext unter: https://www.denkmalpflege.bs.ch/dam/jcr:14d886e5-15e9-41b1-ae90-1021ac55d298/Pub_Erdbeben_Feuer_Wasser_2019_Web.pdf ISBN 978-3-03797-597-8
- Iris Nießen, Donau – Ufer – Regensburg. Genese einer Ufersiedlung zum mittelalterlichen Stadtquartier. Die Ausgrabungen am Regensburger Donaumarkt / „Museum der Bayerischen Geschichte" 2009-10 und 2012-15. Regensburger Studien 29 (Regensburg 2023).
Iris Nießen hat mit einer mehrfach Preis-gekrönten Dissertation über die Ausgrabungen am Donaumarkt in Regensburg an der Universität Jena promoviert und arbeitet aktuell im SPP Fluviale Anthroposphäre. Ihr Interesse gilt der Umweltarchäologie und der archäologischen Kulturlandschaftsforschung.
Montag, 19. Februar 2024
Tot unterm Portal!
![]() |
| Paris, Nôtre Dame, Brand 15.4.2019 (Foto: Hopssam.ouda [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons) |
Stephan Albrecht hat sich als Kunsthistoriker in den vergangenen Jahren intensiv mit Kirchenportalen beschäftigt. So kam es, dass er auch an Notre Dame in Paris gearbeitet hat, kurz bevor die Kathedrale 2019 in Flammen aufging. Dank der zuvor erstellten 3D-Modelle wurde Stephan Albrecht zur Berühmtheit und seine Arbeiten zu einer wichtigen Grundlage für den Wiederaufbau.
- K. C. Schüppel / M. Tebel (Hrsg.), Kunstgeschichte(n). Festschrift für Stephan Albrecht. Schriften aus der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 44 (Bamberg: University Press of Bamberg 2024) 124–130. -
DOI:10.20378/irb-92753
Mir war es ein Vergnügen, dem Bamberger Kollegen einen Beitrag zur Festschrift beizutragen - natürlich auch zu Portalen. Die Archäologie ist da freilich eher langweilig, denn sie gräbt ja bestenfalls die Schwelle aus - oder eben das, was darunter eingetieft ist. Mein Beitrag untersucht deshalb früh- bis spätmittelalterliche Bestattungen in Verbindung mit Kirchenportalen, die sowohl in den Schriftquellen, wie auch im archäologischen Befund immer wieder als ein besonderer Bestattungsort hervor treten.
- R. Schreg, Tot unterm Portal! In: K. C. Schüppel / M. Tebel (Hrsg.), Kunstgeschichte(n). Festschrift für Stephan Albrecht. Schriften aus der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 44 (Bamberg : University Press of Bamberg 2024) 124–130. - DOI:10.20378/irb-92753
- gesamter Band: ISBN 978-3-86309-926-, https://doi.org/10.20378/irb-90878
Die Liste von Herrschergräbern, aber auch von hochadligen Frauen, für die eine Bestattung bei Kirchenportalen überliefert ist, ist lang.
(Foto: Lokilech CC BY SA 3.0
via WikimediaCommons)
Die Bestattung an solchen prestigeträchtigen Orten war für Herrscher und ihre Familien eine Möglichkeit, ihren Anspruch auf Macht zu demonstrieren. Gleichzeitig waren diese Orte oft als Aufenthaltsorte für Unreine, Büßer und Ungetaufte ausgewiesen, was zeigt, dass sie auch eine symbolische Bedeutung hatten. Die Lage vor der Kirche ist auch ein Zeichen der Demut. Dies wird beispielsweise bei der Bestattung von Pippin dem Jüngeren zum Ausdruck gebracht, der vor den Toren von St. Denis in Paris bestattet wurde - auf dem Bauch liegend.
Der Aspekt der Buße und Demut wird noch deutlicher bei zahlreichen Bischofsgräbern. Otto von Freising äußerte den Wunsch, an einem unansehnlichen Platz außerhalb der Kirche bestattet zu werden, wo alle Brüder darüber gehen mussten. Dies wurde als Zeichen seiner Heiligkeit angesehen. Auch Gregor von Tours wünschte sich eine Bestattung vor dem Portal der Kirche.
Interessant ist die Translozierung der heiligen Walburga von Heidenheim nach Eichstätt. Sie beklagte sich, dass über ihr Grab hinweg gegangen wurde, was für Bischof Otgar ein Grund war, ihr Grab nach Eichstätt zu überführen und dort ein neues Kloster zu gründen. Das Betreten des Grabes wurde als Misshandlung empfunden. Was im einen Fall Anlass für eine Translozierung ist, ist im anderen Fall Zeichen der Demut und der Heiligkeit.
Vieles erfahren wir also bereits aus den schriftlichen Quellen. Ich versuche in meinem Beitrag “archäologische Zugänge” aufzuzeigen, die vor allem zwei Themen betreffen, zu denen potentiell die Archäologie beitragen kann. Zum einen geht es um die Bestattungstopographie und die Frage, inwiefern sich Gräber identifizieren lassen, bei denen solche Aspekte wie Machtpräsentation und / oder Buße und Demut eine besondere Rolle spielten.
Zum anderen kann die Archäologie zur Beantwortung der Frage beitragen, für welche Gesellschaftsgruppen solche Vorstellungen eine Rolle spielten und Teil der sozialen Praxis waren.
Von Bedeutung sind selbstverständlich die Gräber selbst. Ihre Grabgruben sind als archäologische Befunde auch dann erhalten, wenn der zugehörige Fußboden oder die Laufoberfläche bei Um- oder Neubauten abgetragen worden sind. Nicht immer zeigt der Befund jedoch die genaue Lage der Portale. Die Hoffnung, ein spezielles Grab zu identifizieren und seine Lage in der Mikrotopographie der Kirche zu klären, wird daher oft enttäuscht. Dies zeigt der Fall des Grabs von Karls Frau Fastrada, deren genaue Lage trotz schriftlicher Quellen unklar bleibt. Archäologische Grabungen in St. Alban in Mainz zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten eine dreischiffige Basilika aus der Karolingerzeit nachweisen, aber weder die Lage des Fastrada-Grabes noch eine Portalsituation wurden dabei erfasst.
Bestattungen vor den Portalen sind im Wesentlichen nur dann zu erfassen, wenn eine Vorgängerkirche kleiner war als der nachfolgende Bau. Dies ist beispielsweise bei der Kirche St. Martin in Schlingen der Fall, wo vor der Westwand einer wahrscheinlich ins 7. Jahrhundert zu datierenden Holzkirche eine dichte Grabbelegung festgestellt wurde.
Im Falle der alten Kirche St. Martin südlich der belgischen Stadt Arlon wurde zentral vor der Westseite ein längs orientiertes Grab einer etwa 35-jährigen Frau gefunden. Das Grab wird durch seine Beigaben, unter anderem eine Scheibenfibel und ein Paar Wadenbindengarnituren, ins 7. Jahrhundert datiert.
Besonders bemerkenswert ist das gemauerte Grab II ab 1 aus der Kirche St. Veit in Unterregenbach. Es enthielt das Skelett eines etwa 50- bis 60-jährigen Mannes und liegt auf der Mittelachse der ersten Basilika, unmittelbar vor der erhaltenen Portalschwelle und unter einem Vortritt aus zwei Sandsteinplatten, die deutliche Ablaufspuren zeigen. Aus der Grabgrube darunter stammen, wohl verlagert, zwei Keramikscherben, die dem 12./Anfang 13. Jahrhundert zugewiesen wurden.
Ein weiteres Beispiel ist das Grab I ib 3 in der Kirche St. Veit in Unterregenbach, eine Innenbestattung der älteren Saalkirche. Hier wurde ein etwa 45- bis 55-jähriger Mann bestattet. Das Grab liegt genau auf der Mittelachse unmittelbar innen vor der Westwand der Kirche. Dies zeigt, dass ein Bezug auf das Portal auch bei Innenbestattungen möglich ist.
Die Bestattungslage vor der Kirche im Kontext des Portals war nicht auf den Hochadel beschränkt. Aus den Schriftquellen wissen wir, dass sich die Bestattung vor den Kirchenportalen auch auf der Ebene von Herzögen und Grafen fand. Beispiele sind das Testament des Markgraf Heinrich vom Nordgau, der außerhalb der Kirche bestattet werden wollte, und das Grab der langobardischen Adligen Sikelgata, die vor der Basilika des heiligen Petrus Apostels beigesetzt werden wollte.
Ein bemerkenswerter archäologischer Befund ist ein Grab auf dem Petersberg bei Flintsbach a. Inn in Oberbayern. Es lag schräg vor dem Kirchenportal und enthielt eine Beigabenausstattung mit zwei zusammen korrodierten Regensburger Denaren Herzog Ottos II. sowie eine Kapsel mit einer antiken Gemme mit Mithrasdarstellung. Die Bestattung erfolgte auf dem Bauch liegend, und zeigt das Motiv des Büßergestus, das bereits bei Pippin dem Jüngeren im 8. Jahrhundert zu sehen war. Es wird vermutet, dass der Tote zur Familie der Grafen von Falkenstein gehörte.
Die Archäologie zeigt also zweierlei:
Erstens, dass die Tradition in Mitteleuropa nicht auf Karl den Großen zurück geht, sondern bereits in der Merowingerzeit präsent ist. Ein mögliches Vorbild ist Byzanz, so dass nach dieser Grabtopoographie auch im byzantinischen Raum zu fragen ist - was jedoch mein Artikel nicht weiter verfolgt.
Zweitens wird deutlich, dass Portale in der Bestattungstopographie hochrangiger – möglicherweise aber auch sehr regionaler – Eliten einen wichtigen Bezugspunkt bideten - mit sehr verschiedenen, sich überlagernden Bedeutungsebenen.
Links
- Stephan Albrecht/ Stefan Breitling/ Rainer Drewello, Das Kirchenportal im Mittelalter. (Petersberg 2019)
- Stephan Albrecht/ Stefan Breitling/ Rainer Drewello, Die Querhausportale der Kathedrale Notre-Dame in Paris. (Petersberg 2021)
- https://archaeologik.blogspot.com/2019/05/plane-fur-notre-dame.html
Mittwoch, 3. Januar 2024
Der Alte Zoll in Geislingen: Restaurierung, Bauforschung, Archäologie
Das Gebäude wurde unter städtischer Regie instandgesetzt, nachdem das Gebäude zuvor im Eigentum von verschiedenen Teileigentümern stand, die sich nicht auf eine Generalsanierung einigen konnten. Abgesehen von dem iPunkt der Stadt Geislingen und der Einrichtung von Büroräumen sagt der Beitrag aber leider nichts über das aktuelle Nutzungskonzept.
Mi mehr als 2000 Aufrufen in weniger als 14 Tagen ist der mit einer Pressemitteilung beworbene Film deutlich erfolgreicher als die sonstigen youtube-Clips der Denkmalpflege, die sich auch nach Jahren im niedrigen Hunderterbereich bewegen.
Mittwoch, 6. Dezember 2023
Archäologie ist wie Schwarzwälder Kirschtorte essen
Der tolle Kollege Armand Baeriswyl im Sonntagsinterview beim srf mit vielen anschaulichen Vergleichen zur Archäologie und insbesondere der Archäologie des Mittelalters - man muss sich nur etwas Mühe geben, um dem schwyzerdütsch zu folgen. Lohnt sich aber.
ab 4:45
- Mittelalter mit Rückreiseticket. SRF (3.12.2023). - https://www.srf.ch/audio/regionaljournal-bern-freiburg-wallis/mittelalter-mit-rueckreiseticket
Mittwoch, 23. August 2023
Grund zum Feiern oder zum Trauern? Stadtkataster Trier
- Pressemeldung des Ministeriums des Innern und für Sport, Rheinland-Pfalz (15.6.2023). - https://mdi.rlp.de/service/pressemitteilungen/detail/lewentz/leibe-stadtkataster-projekt-in-trier-ist-landesweit-einmalig
- LANDESWEIT EINMALIGES PROJEKT. Was liegt denn da unter der Erde? Trier bekommt ein "Archäologie-Kataster" SWR aktuell (15.6.2022). - https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/grabungen-ulm-100.html
- Stadtkataster-Projekt in Trier soll kulturelles Erbe systematisch erheben. Archäologie online (24.6.2023). - https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/stadtkataster-projekt-in-trier-soll-kulturelles-erbe-systematisch-erheben-5331/
![]() |
| Kartenexport aus dem Stadtkataster Trier: nur schwarz-grau (Bild: GDKE Rheinland-Pfalz, Stadtkataster Trier - WMS Server, DL DE BY 2.0) |
![]() |
| Freistellung von Geschichte ist Zerstörung von Geschicht Das mittelalterliche Simeonsstift in Trier ist verschwunden zugunsten der römischen Porta Nigra (Graphik oben: Merian, Foto unten: R. Schreg) |
Literaturhinweis
- Breitner 2021: G. Breitner, Trier - Wahrnehmung und Inszenierung einer urbanistischen Entwicklung. In: H. von Hesberg/J. Kunow/T. Otten (Hrsg.),Römerstädte am Rhein - Strategien archäologischer Erzählung11. Archäologisches Gedächtnis der Städte (Regensburg 2021) 164–176.
- Kuhnen 2002: H.P. Kuhnen, Der neue archäologische Stadtplan des römischen Trier. Eine Zwischenbilanz des Archäologischen Stadtkatasters am Rheinischen Landesmuseum Trier. Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 34. 2002 , 98-104. - DOI: https://doi.org/10.11588/fuabt.2002.0.54636
- Kuhnen u.a. 2002: H.P. Kuhnen/ F. Unruh/ St. Pfahl, Vorstudien zum archäologischen Stadtkataster Trier : 4. Forma Urbis Trevericae. Das römische Trier in archäologischen Stadtplänen. Texte zur Sonderausstellung des Rheinischen Landesmuseums Trier. (Trier 2002)
- Unruh 2002: F. Unruh, "Ad fontes": Zum Stand der Arbeiten am archäologischen Stadtkataster Trier. Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 34. 2002 , 106-112. - DOI: https://doi.org/10.11588/fuabt.2002.0.54637
Weitere Links
Interne Links
- Strategien archäologischer Erzählung vergessen Publikum und Inhalte. Archaeologik (17.8.2023). - https://archaeologik.blogspot.com/2023/08/strategien-archaologischer-erzahlung.html
- Römer sind hipper als Napoleon. Archaeologik (2.12.2018). - https://archaeologik.blogspot.com/2018/12/romer-sind-hipper-als-napoleon_2.html
- Mittelalterarchäologie in Rheinland-Pfalz. Archaeologik (9.2.2014). - https://archaeologik.blogspot.com/2014/02/mittelalterarchaologie-in-rheinland.html
Dienstag, 1. November 2022
CfP - Ruralia-Konferenz XV, 2023 in Frederikstad - „Bauernhandel und Märkte. Soziale und wirtschaftliche Interaktion im ländlichen Raum des Mittelalters und der frühen Neuzeit“
Ruralia XV in Frederikstad
In Erinnerung an Frode Iversen
Tagungsbeiträge gesucht!
- Die Lokalisierung ländlicher Märkte und Versammlungsplätze anhand archäologischer und historischer Quellen, Ortsnamen etc.
- Was wurde an den Standorten gehandelt?
- Wie und von wem wurden die ländlichen Markt- und Versammlungsstätten organisiert?
- Welche wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge lassen sich an Marktstandorten feststellen?
- Können wir lokalen, regionalen, überregionalen oder gar globalen Austausch ausmachen?
- Wie haben der Handel und die Bewegung der Menschen zu Märkten die ländliche Landschaft geprägt?
- Was waren die nicht-wirtschaftlichen Aspekte der Begegnungs- und Marktplätze?
- Welche gesellschaftliche Bedeutung hatten solche Stätten auf regionaler und überregionaler Ebene?
Organisatorisches
Weitere Informationen:
- Call for Papers mit Anmeldeformular
- auf academia.edu
- demnächst auch auf Ruralia Homepage:
Internal Links
RURALIA - European Association for Medieval and Post-Medieval Rural Archaeology
Freitag, 20. Mai 2022
Backblech und BaLISminK - Perspektiven der Keramikforschung
Nach Coronapause fand am 12. und 13. Mai in Tübingen ein Treffen von Archäologinnen und Archäologen statt, die im süddeutschen Raum (historisch breit von Niederösterreich bis ins Elsass und von Kärnten bis ins Rheinland) mit Keramik arbeiten. Impulsreferate zeigten den regionalen Stand der Forschung, Tische mit ausgebreiteten Scherben boten Gelegenheit zum Fachsimpeln und vor allem zum genauen Betrachten und Betasten.
Internationaler Workshop zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Süddeutschland und angrenzenden Regionen
Tübingen, 12./13. Mai 2022 Organisationsteam Dorothee Ade, Natascha Mehler, Jonathan Scheschkewitz und Lukas Werther, unterstützt durch Amelie AlteraugeImpulsvorträge:
- Dorothee Ade, Von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee - Keramikforschung im südlichen Baden-Württemberg
- Andreas Heege/Valentin Homberger/Jonathan Frey/Eva Roth-Heege/Michelle Joguin/Maria Isabella Angelino/Gilles Bourgarel, Schweiz/Fürstentum Liechtenstein 1350-1900: Stand der Forschung, Defizite, Perspektiven
- Madeleine Châtelet/Heidi Cicutta/Elise Arnold, Mittelalterliche und moderne Keramik im Elsass (6.-17. Jh.). Der heutige Stand nach zwanzig Jahren Forschungen
- Christoph Keller/Christian Röser, Keramikforschung im Rheinland
- Rainer Schreg, BaLISminK - Eine kooperative Arbeitsplattform zur Dokumentation und Auswertung archäologischer Keramikfunde
- Martin Rogier, Experimentalarchäologische Keramikherstellung
- Harald Rosmanitz, Reliefierte Ofenkeramik in Süddeutschland
- Eleonore Wintergerst/Christian Later, Zum Forschungsstand in Süd- und Ostbayern
- Harald Stadler, 35 Jahre mittelalterliche Keramikforschung in Tirol. Ziele-Erfolge und Misserfolge-Zukunft
- Gabriele Scharrer-Liska/Levente Horváth, Forschungen zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Ostösterreich (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten)
Internationaler Workshop zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Süddeutschland und angrenzenden Regionen
Impulsvorträge:
- Dorothee Ade, Von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee - Keramikforschung im südlichen Baden-Württemberg
- Andreas Heege/Valentin Homberger/Jonathan Frey/Eva Roth-Heege/Michelle Joguin/Maria Isabella Angelino/Gilles Bourgarel, Schweiz/Fürstentum Liechtenstein 1350-1900: Stand der Forschung, Defizite, Perspektiven
- Madeleine Châtelet/Heidi Cicutta/Elise Arnold, Mittelalterliche und moderne Keramik im Elsass (6.-17. Jh.). Der heutige Stand nach zwanzig Jahren Forschungen
- Christoph Keller/Christian Röser, Keramikforschung im Rheinland
- Rainer Schreg, BaLISminK - Eine kooperative Arbeitsplattform zur Dokumentation und Auswertung archäologischer Keramikfunde
- Martin Rogier, Experimentalarchäologische Keramikherstellung
- Harald Rosmanitz, Reliefierte Ofenkeramik in Süddeutschland
- Eleonore Wintergerst/Christian Later, Zum Forschungsstand in Süd- und Ostbayern
- Harald Stadler, 35 Jahre mittelalterliche Keramikforschung in Tirol. Ziele-Erfolge und Misserfolge-Zukunft
- Gabriele Scharrer-Liska/Levente Horváth, Forschungen zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Ostösterreich (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten)
Deutlich wurde, dass der Stand der Forschung sehr ungenügend ist und in vielen Fällen wichtige Fundkomplexe nicht vorgelegt - oder mancherorts gar nicht erst vorhanden sind. Im Jahre 1997 war von Dorothee Ade et al. ein Überblick über den Stand der südwestdeutschen Forschung zur mittelalterlichen Keramik vorgelegt worden. Dabei wurden 156 Fundkomplexe aus Baden-Württemberg aufgelistet, die wichtige Keramikbestände umfassen. Davon waren circa 18 publiziert (darunter aber auch kaum greifbare Dissertationsdrucke), 138 unbearbeitet oder unpubliziert. In den vergangenen 25 Jahren wurden von den 138 damals unpublizierten Fundstellen nur ca. 10 vorgelegt, viele Manuskripte wurden bis heute nicht gedruckt (geschweige denn online gestellt). Durch die Einführung der kommerziellen Archäologie sind zahlreiche neue Fundkomplexe hinzugekommen, die mehrheitlich der Wissenschaft aber auch nicht zugänglich sind. Problematisch ist, dass das Verursacherprinzip nur die Ausgrabung nicht aber die Auswertung umfasst. Vielfach erweisen sich die Fundlisten, die von den Grabungsfirmen vorgelegt werden als wissenschaftlich unbrauchbar, da sie von Fehlbestimmungen durchsetzt sind.
Die Vorträge der Tübinger Tagung zeigten, dass diese mangelhafte Situation - unter einzelnen Aspekten vielleicht mit Ausnahme des Elsass und der Nordschweiz - nicht nur Baden-Württemberg betrifft. Für Südbayern konnten Christian Later und Eleonore Wintergerst in ihrem Überblick im Wesentlichen nur auf die Städte Regensburg, Ingolstadt und neuerdings München verreisen, für die ein einigermaßen hinreichender Forschungsstand erreicht ist.
Noch immer beruhen die Kernaussagen auf den Pionierarbeiten der 1960er und 70er Jahre von Uwe Lobbedey, Barbara Scholkmann, Hermann Dannheimer und Sabine Felgenhauer-Schmidt. Der jüngeren Forschung ist es nicht gelungen, deren Chronologiesysteme und Aussagen grundlegend abzusichern und zu präzisieren. Punktuell wurden sogar eher Rückschritte gemacht, indem etwa das Relativchronologiesystem von Uwe Lobbedey, das zunächst allgemeine Anwendung gefunden hat, seit den 1990er Jahren nicht weiterverfolgt und ausgebaut wurde. Ohne dass genügend fest datierte Referenzkomplexe publiziert oder Stratigraphien ausgewertet worden sind, ging die Forschung auf absolute Datierungen über, die öfters modifiziert werden mussten. Damit ist eine sehr unübersichtliche Forschungslage entstanden.
Bis heute zeigen sich chronologische Unstimmigkeiten, insbesondere an den Grenzen der Arbeitsgebiete der modernen Forschung. Beispielsweise zeigen sich zwischen der Nordschweiz und dem Bodenseeraum mit der Konstanzer Marktstätte Abweichungen in der Datierung der Leistenränder im 11./12. Jahrhundert, also gerade in einer Zeit bei der für das Verständnis siedlungsgeschichtlicher Entwicklungen wie Stadtentstehung, Dorfgenese oder Burgenbau eine genaue chronologische Auflösung entscheidend wäre. Zwischen Württemberg/Schwaben einerseits und Oberbayern andererseits ergeben sich Datierungsdifferenzen bei nachgetreten Keramik von mindestens zwei Jahrhunderten. Bei der Auswertung vermeintlich frühmittelalterlicher Siedlungen im Großraum München, wie beispielsweise Kirchheim bei München, blieb unter dem Eindruck der merowingerzeitlichen Hofgrablegen die Literatur zu hoch- und spätmittelalterlicher Keramik völlig unberücksichtigt, so dass hier tendenziell viel zu frühe Datierungen vorliegen. Daneben gibt es terminologische Abweichungen in den verschiedenen Bearbeitungsregionen, was z.B. den Karniesrand angeht oder auch den Begriff der rauwandigen Drehscheibenware, der sich in Südwestdeutschland auf das Frühmittelalter, in Oberfranken aber auf das Spätmittelalter bezieht. Ein weiteres Forschungsdefizit, das auf der Tagung aber nicht weiter thematisiert wurde, ist der eklatante Mangel an weitergehender sozial- oder wirtschaftsarchäologischer Interpretation der Keramikfunde. Im Mittelpunkt des Interesses steht immer noch die Chronologie, so dass weitergehende Analysen zu Herstellungstechnik, Gebrauchsspuren oder Schadensbilder weitgehend fehlen (vgl. Schreg im Druck).
Die Backblechmethode
Auf der Tagung wurden Ursachen und mögliche Problemlösungen dieser Situation diskutiert. Bemängelt wurde verschiedentlich, dass die universitäre Ausbildung in den letzten Jahren die Materialkenntnisse zugunsten theoretischer Themen vernachlässigt hätte. Das ist sicherlich nicht ganz falsch, doch sind universitäre Abschlussarbeiten in keiner Weise geeignet, die Unzahl von unpublizierten Ausgrabungen und relevanten Komplexen aufzuarbeiten, zumal damit unerfahrenen Studierenden sehr komplexe Aufgaben übertragen werden, die eigentlich sehr viel Erfahrung voraussetzen. Problematisch sind aber auch die Fundberichte der kommerziellen Grabungsfirmen, die zumeist der Forschung gar nicht zugänglich sind und sich in der Regel auf die Befunde konzentrieren. Die Funde werden in kaum verwertbaren Listen, häufig mit falschen Ansprachen abgearbeitet. Andreas Heege hat daher die "Backblech"- Methode vorgeschlagen. Anstelle ungenügende Klassifikationen vorzunehmen, sollten die Grabungsfunde besser in Übersichtsfotos (auf Backblechen beispielsweise) vorgelegt werden, die zwar keine detaillierte Vorlage ersetzen, aber dem Experten doch viel eher einen Überblick über das (Keramik-)Fundspektrum einer Fundstelle geben. Das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg hat in diesem eine Änderung der Richtlinien für Grabungsfirmen bereits ins Auge gefasst.
BaLISminK
Die Tübinger Tagung war auch Gelegenheit zum ersten Mal BaLISminK vorzustellen. BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zu mittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik, das derzeit in einer Vorabversion vorliegt. 1997 war das Buch ‘Keramik aus Südwestdeutschland’ von Rainer Schreg in der ersten Auflage erschienen. Es war eine Bestimmungshilfe für Keramik vom Neolithikum bis zur Neuzeit, die vor allem Typentafeln und kurze Beschreibungen enthielt, aber als damals studentische Arbeit von Anbeginn an relativ oberflächlich war und inzwischen eben über 30 Jahre alt ist. Schon lange war an eine Neubearbeitung gedacht worden, die auch mit Lehrveranstaltungen an den Universitäten Tübingen und Heidelberg in Angriff genommen war. Dabei zeigte sich jedoch, dass es sinnvoll ist, hier künftig auf eine digitale stets aktualisierbare Form zu setzen. So ist BaLISminK entstanden, bei dem es sich um ein Wiki-System handelt, das Handwerkstechniken, Werkstoffe, Formen, Warenarten und relevante Fundkomplexe beinhaltet. Die Zielgruppe sind weniger die Expert*innen als vielmehr Studierende, Grabungsfirmen, aber auch interessierte Laien. BaLISminK umfasst derzeit bereits etwa 270 Einträge, die mehrheitlich aus Schreg 1997 übertragen, teilweise aber auch im Rahmen von Lehrveranstaltungen (neben den genannten in Tübingen und Heidelberg nun auch in Bamberg) aktualisiert und ergänzt worden sind.
![]() |
| Schreg 1999 |
Noch ist BaLISminK nicht öffentlich zugänglich (und deshalb hier auch nicht verlinkt), da in einem kleineren Kreis von Kolleg*innen erstmals Inhalte konsolidiert und Arbeitsroutinen entwickelt werden sollen. Auch technisch sind noch einige Verbesserungen notwendig, so z.B. eine Nutzerverwaltung mit abgestuften Schreibrechten, eine organisierte Literaturverwaltung und möglicherweise auch ein integriertes WebGIS. Museen und archäologische Institutionen sollen als Partner gewonnen werden, die das Projekt mit Bildern unterstützen, die möglichst, wie BaLISminK überhaupt unter eine CC-Lizenz gestellt werden können.
![]() |
| BaLISminK |
Derzeit werden Kolleginnen gesucht die aktiv in dieser Entwicklungsphase mitarbeiten möchten, insbesondere auch solche, die Kenntnisse mit Wikimedia-Projekten mitbringen. (um es klarzustellen: es wird eine unentgeltliche Mitarbeit erwartet, da aktuell keinerlei Finanzierung vorliegt. Interessierte wenden sich bitte an Rainer.Schreg[at]uni-bamberg.de ). BaLISminK soll nicht nur der Keramikforschung eine Plattform für Austausch und Koordination bieten, sondern auch als Element archäologischer Wissenschaftskommunikation dienen.
Literaturhinweise
- Ade-Rademacher et al. 1997: D. Ade-Rademacher/U. Gross/M. Dumitrache/B. Jenisch/S. Kaltwasser/C. Keller/R. Marti/C. P. Matt/J. Pfrommer/R. Röber (Hrsg.), Mittelalterliche Keramik in Baden-Württemberg und den Schweizer Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Schaffhausen. Fundstellen und Forschungsstand (Hertingen 1997).
- Dannheimer 1973: H. Dannheimer, Keramik des Mittelalters aus Bayern. Beitr. Volkstumsforsch 21/ Kat. Prähist. Staatsslg. 15 (Kallmünz/Opf. 1973).
- Felgenhauer-Schmiedt 1977: S. Felgenhauer-Schmiedt, Das Fundmaterial des Hausbergs zu Gaiselberg, NÖ. Arch. Austr. 61/62, 1977, 209–336.
- Lobbedey 1968: U. Lobbedey, Untersuchungen mittelalterlicher Keramik vornehmlich in Südwestdeutschland. Arbeiten zur Frühmittelalterforschung 3 (Berlin 1968).
- Scholkmann 1978: B. Scholkmann, Sindelfingen, obere Vorstadt. Eine Siedlung des hohen und späten Mittelalters. Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 3 (Stuttgart 1978).
- Schreg 1997: R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (Tübingen 1997).
- Schreg im Druck: R. Schreg, Pottery in Medieval Rural Households Archaeological Research Perspectives in Southern Germany. In: Ruralia XIV (vorauss. 2023)
Interne Links
Dieser Blogpost erscheint auch auf AMANZblog.
Sonntag, 31. Januar 2021
Bauer macht Geschichte
- R. Schreg, The Eternal Peasant and the Timeless Village. Archaeology and Ideologies of the Past (El campesino eterno y la aldea atemporal. Arqueología e ideologías del pasado). Studia historica, Historia medieval 38/2, 2020, 43-73 - https://doi.org/10.14201/shhme20203824373
Die Perspektiven auf das mittelalterliche Dorf und die historische Rolle von Bauern haben sich im Laufe der Forschungsgeschichte verändert. Traditionelle Ansichten zur Geschichte sahen Landleben als unveränderlich und posulierten daher, das Dorf auf die Völkerwanderungszeit zurück geht. Die jüngere Forschung erkannte die Dorfgenese als einen komplexen und langfristigen Prozess, der je nach Region im 11. bis 13. Jahrhundert gipfelte. Dieser Aufsatz wirft einen genaueren Blick auf die Situation in Südwestdeutschland und analysiert zum einen die Forschungsgeschichte und skizziert zum anderen ausgewählte Episoden in der Geschichte ländlicher Siedlungen. Ich postuliere, dass - insbesondere vor dem Hintergrund einer umwelthistorischen Perspektive - aufgrund traditioneller Geschichtsbilder die historische 'Agency' der Bauern unterschätzt wird.
Der Aufatz ist auf Englisch in Heft 38/2 der spanischen Zeitschrift Studia historica, Historia medieval erschienen, das sich unter der Herausgeberschaft von Juan Antonio Quirós Castillo schwerpunktmäßig mit der 'Agency' der mittelalterlichen Bauern und Unterschichten ("Agencia del campesinado y de los grupos subalternos en la Alta Edad Media") befasst. Weitere Beiträge haben Hanna Lewis zu England, Nicolas Schroeder zum historischen Lothringen sowie Thomas Kohl beigesteuert:
- R. Schreg: Bauern als Akteure. Beobachtungen aus Süddeutschland. In: J. Drauschke/E. Kislinger/ K. Kühtreiber/T. Kühtreiber/G. Scharrer-Liška/T. Vida (Hrsg.), Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte. Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 150 (Mainz 2018) 553–563.
Donnerstag, 21. Januar 2021
1961: Uwe Lobbedey, Student der Kunstgeschichte, berichtet über die Ausgrabungen in der Esslinger St.-Dionys-Kirche
Ein Beitrag in der Abendschau des SWF vom 13.04.1961 über die Ausgrabungen in Esslingen St. Dionys steht jetzt online in SWR Retro. Er erinnert an Uwe Lobbedey, einen der renommiertesten deutschen Mittelalterarchäologen, der nun Anfang Januar 2021 verstorben ist. Neben einer Grundlagenarbeit zur mittelalterlichen Keramik in Süddeutschland sind ihm als Bauforscher und Ausgräber die Untersuchungen zahlreicher Kirchen vor allem in Westfalen, wo er fast 40 Jahre als Denkmalpfleger wirkte, zu verdanken. Seine Forschungen haben Fach und Praxis der Mittelalterarchäologie entscheidend mit geprägt.
Die Grabungen in Esslingen waren ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Archäologie des Mittelalters, da sie zur Institutionalisierung des Fachs in der Denkmalpflege beigetragen hat und Lehrgrabung für viele kommende Archäolog*innen war. Unter Ihnen: Uwe Lobbedey.
Link
Mittwoch, 20. Januar 2021
Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie - Antrittsvorlesung publiziert
Neu erschienen:
- R. Schreg, Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie. In W. Brassat (Hrsg.), Komplexität und Diversität des kulturellen Erbes. Forschungen des Instituts für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte (Bamberg 2020) 11-34. - Der vollständige Band steht open Access auf den Seiten von University of Bamberg Press unter https://doi.org/10.20378/irb-48742. Auf HumanitiesCommons gibt es meinen Artikel auch separat: https://hcommons.org/deposits/item/hc:33793/
Mein Beitrag zu dem Sammelband, der aktuelle Forschungen aus dem Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte der Uni Bamberg vereint, basiert auf der Antrittsvorlesung, die ich am 27.6.2019 in Bamberg gehalten habe. Mit dem Titel "Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie" habe ich zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen geführt, die mir für ein zeitgemäßes Verständnis der archäologischen Wissenschaften wichtig erscheinen. Einerseits geht es um die Erforschung früherer Landnutzung anhand von Altfluren und deren Einordnung in die Umweltgeschichte bzw. Umweltarchäologie. Andererseits geht es aber auch um die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Archäologie generell. Der Öffentlichkeit (und manchen Kollegen) ist es oft schwer begreiflich, weshalb man sich für Altflurreste interessieren sollte - gibt es doch da in der Regel keine Funde - erst recht keine spektakulären.
| Segbachtal, "Im Winkel": oberflächlich freigelegter Steinriegel (Foto: R. Schreg/ RGZM 2.7.2010) |
Die konkrete Auseinandersetzung mit Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie möchte ich als Plädoyer verstehen, darüber nachzudenken, was wir als Archäolog*innen konkret für unsere Gegenwart aus der Vergangenheit mitnehmen können und wie wir das zuverlässig erreichen. Nicht jede Auseinandersetzung mit der Vergangenheit muss dabei in eine
applied archaeology mit Patentanmeldungen münden, das Bereitstellen von Orientierungswissen, das uns die Komplexität unserer sozialen und umweltlichen Lebensbedingungen vor Augen führt und der Gesellschaft vermittelt, reicht völlig aus, ist aber auch so schon eine große Herausforderung, intellektuell wie auch ganz praktisch.
Donnerstag, 29. Oktober 2020
CfP - Ruralia-Konferenz XIV, 2021 in Visieu - “Haushaltsgüter auf dem Lande im europäischen Mittelalter und in der frühen Neuzeit”
Haushaltsgüter auf dem Lande im europäischen Mittelalter und in der frühen Neuzeit
Obwohl das Thema Haushaltsgüter in der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit längst etabliert ist, bieten neuere Forschungen umfassendere Ansätze, mit denen einfache typologische und technologische Aspekte überwunden werden. Dies gilt insbesondere für neue archäometrische analytische Methoden und theoretische Perspektiven. 'Material culture studies' dienen als Grundlage für das Verständnis von Menschen, Gruppen und Gesellschaften.
![]() |
|
Hütte in Zentral-Portugal
|
Durch die Analyse von Hausstrukturen und -inventaren kann viel über Alltagsgüter (Keramik, Metall, Holz, Korbwaren ...), Produktions- und Konsumstrategien, andere wirtschaftliche Aktivitäten, aber auch Strukturen der sozialen Organisation und Beziehungen zwischen Haushaltsmitgliedern gelernt werden. Das Verständnis vergangener Gesellschaften und Kulturen hängt daher stark von der Untersuchung ihrer Haushaltsgegenstände ab. In diesem Zusammenhang ist es das Ziel der 14. Ruralia Konferenz, die Bedeutung der Haushaltsarchäologie für die Erforschung des ländlichen Raumesim Mittelalter und in der Neuzeit unter einem interkulturellen Ansatz herauszuarbeiten. Dabei sollen schriftliche und bildliche Quellen und Daten ebenso wie Daten aus interdisziplinären Analysen berücksichtigt werden.
Eine detaillierte Analyse einzelner Kontexte, kleiner Teile von archäologischen Stätten, archäozoologische, archäobotanische und geoarchäologische Untersuchungen ermöglichen es uns, die Aktivitäten und Interaktionen der Menschen in ihren Häusern zu rekonstruieren. Funktionale Aspekte der Häuser können anhand spezifischer Einrichtungsgegenstände, aber auch anhand von Inventaren und der räumlichen Verteilung der Funde, analytischer Nachweise für bestimmte Aktivitäten erkannt werden. Hier ist an Kochen und Essen, Lagerung, Weben, Abfallentsorgung, Ruhen zu denken. Hinweise können sich aber auch aus Umfeldanalysen ergeben. Neben das Funktionale treten Informationen über den Rang und den Wohlstand der Bewohner*innen, ihr tägliches Leben, ihre Haushaltszusammensetzung, ihre Familienkonzepte und sogar ihren Geschlechterrollen. Strukturanalysen können Hinweise auf Interaktionsbereiche und strukturierte Verhaltensweisen innerhalb eines Hauses geben.
Tagungsbeiträge gesucht!
Die 14. Ruralia Konferenz soll - soweit es Corona zulassen wird - vom 13. bis 19. September 2021 in Visieu in Portugal stattfinden. Das Organisationsteam sucht jetzt nach Tagungsbeiträgen, die einige der oben beschriebenen archäologischen Fragen behandeln. Die Sitzungen können sich auf bestimmte Themen im Zusammenhang mit Haushaltgütern aufgreifen (abgesehen von rein typologischen Klassifikationen oder der Behandlung landwirtschaftlicher Geräte, die Thema einer früheren Ruralia-Tagung waren). Besonders willkommen sind Arbeiten, die interdisziplinäre Ansätze beinhalten, nämlich solche, die archäologische, ethno-archäologische, soziologische, historische, chemische, archäozoologische, archäobotanische und geoarchäologische Befunde oder die Auswertung bildlicher und schriftlicher Quellen einbeziehen.
Die Beiträge sollten einige der folgenden Fragen beantworten:
- Wie war das Haus organisiert?
- Welche Aktivitäten fanden im Haus statt?
- Wie und welche Produkte wurden im Haus gekocht und konsumiert?
- Können wir die Familienorganisation und ihre Mitglieder anhand von Haushaltsgüten identifizieren?
- Welche wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen kommen in den Funden zum Ausdruck?
- Welche Beziehung wurde zwischen dem Inneren des Hauses und dem Freien hergestellt?
- Welche Rolle spielte das Haus innerhalb der sozialen Organisation der Gemeinde?
- Was können Haushaltswaren über den sozialen Status und den Wohlstand ihrer Besitzer aussagen?
- Können wir die Interaktion zwischen Haushalten und Gemeinschaften identifizieren?
- Können wir lokalen, regionalen, überregionalen oder sogar globalen Austausch identifizieren?
RURALIA - the Jean-Marie Pesez Conferences on Medieval Rural Archaeology
Weitere Informationen:
Internal Links
Ruralia at ArchaeologikCfP - Ruralia XIV Conference 2021 - “Household goods in the European Medieval and Early Modern countryside”
Household goods in the European Medieval and Early Modern countryside
Although household goods are a well established topic in Medieval and Modern archaeology, more recent research is overcoming simple typological and technological aspects and pointing to broader, more encompassing approaches. This is particularly the case of newly-introduced analytical methodologies and theoretical perspectives. The material culture studies act as base to understand people, groups and societies.
![]() |
|
Cabin in central Portugal
|
By analyzing house structures and its contents, much can be learned about artefactual assemblages (ceramic, metal, wood, basketry...), goods’ production and consumption strategies, other economic activities, structures of social organization and relations among household members. Thus, the understanding of past societies and cultures relies heavily in the study of their household goods. In this context, the aim of the Ruralia XIV Conference is to emphasize the significance of household archaeology to the study of the European countryside in Medieval and Modern times under a cross-cultural approach, with attention also paid to written and pictorial sources and data obtained in interdisciplinary analyses.
Detailed analysis of single contexts, small parts of sites, faunal, botanical and soil studies enables us to reconstruct common peoples’ activities and interactions within their homes. House functions can be detected by means of specific installations but also by inventories and location of goods, evidence for particular activities inside - such as cooking and eating, storage, weaving, refuse disposal, resting, etc. - or by a comprehensive overview of outdoor surroundings. All this is evidence of functional purposes but it can also tell us about the rank and wealth of their owners, their daily lives, household compositions, family concepts and even gender statuses. Structural analysis can give evidence about spheres of interaction and patterned behaviours within a house.
Conference Papers
The 14th Conference of the Ruralia Association on medieval rural archaeology is planned to be helt at 13th – 19th September 2021 in Visieu in Portugal.
The organization team is seeking papers that address some of the archaeological questions outlined above. Sessions may be focused on particular topics on household goods (not agricultural and not typological classifications). Papers which incorporate interdisciplinary approaches are particularly welcomed, namely those combining archaeological, ethno-archaeological, sociological, historical, chemical, faunal, botanic, geo-archaeological evidence or documentary analysis.
Papers should address some of the following questions:
- How was the house organized?
- What activities took place in the house?
- How and what products were cooked and consumed in the house?
- Can we identify family organization and its members using household goods?
- What economic and social relations can be express by the household goods?
- What relation was established between the interior of the house and the outdoors?
- What role was played by the house within the community’s social organization?
- What can household goods tell us about social statuses and wealth of their owners?
- Can we identify interaction between households and communities?
- Can we identify local, regional, trans-regional or even global exchange?
RURALIA - the Jean-Marie Pesez Conferences on Medieval Rural Archaeology
RURALIA is an international association for the archaeology of medieval settlement and rural life. It provides a European-wide platform for the scientific exchange on current problems in rural archaeology in order to strengthen comparative and interdisciplinary studies. The conference covers the period from the Early Medieval to the Early Modern periods. The conference language is English. RURALIA XIV will take place in Viseu, a city located in the central-north of Portugal.
In addition to the papers, one day and half excursion and an optional two-day study trip to Beira Alta and Douro regions will be offered.
The conference is jointly organized by Catarina Tente, Sara Prata, Piers Dixon, Mark Gardiner and Claudia Theune, with the support of the Viseu Municipality, Direção Geral do Património Cultural, Direção Regional de Cultura do Centro, Direção Regional de Turismo do Centro, and Institute of Medieval Studies of the NOVA University.
Further information:
Internal Links
| Optionen : Geschichte : Feedback : Donate | Schließen |

.jpg)

%20Festschrift%20f%C3%BCr%20Stephan%20Albrecht%20-%20fisba90878.png)
.jpg)





