Donnerstag, 13. Februar 2020

Die Bombenopfer von Dresden - Historische Archäologie gegen ihren Missbrauch

Vom 13. bis 15. Februar 1945 überzogen die Royal Air Force (RAF) und die United States Army Air Forces (USAAF) die Stadt Dresden mit mehreren Wellen von Luftangriffen. Dresden war vor dem Krieg eine der größten Städte Deutschlands und ein wichtiges Industrie- und Verkehrszentrum. Während des Krieges lag es weit von den Fronten und geriet erst in den letzten Kriegstagen in die Reichweite der Alliierten.

Die historische Innenstadt wurde fast komplett zerstört, schwere Schäden gab es an den Industrieanlagen, während die Bahnlinien nach kurzer Zeit repariert wurden. Die Straßen lagen nach Augenzeugenberichten und historischen Fotos voller Leichen. 

Dresden.- Leichenberge nach den Luftangriffen vom 13. und 14. Februar 1945, dahinter Ruinen zerstörter Gebäude
(Fo
to: Bundesarchiv, Bild 183-08778-0001 / Hahn  [CC-BY-SA 3.0] via WikimediaCommons)


Interne Dokumente der NS-Zeit wie auch die 1993 erschlossenen Akten des städtischen Bestattungs- und Marstallamtes zeigen, dass es etwa 25000 Todesopfer gab.

Lange waren weit höhere Zahlen genannt worden, denn die NS-Behörden behielten die Opferzählungen geheim und nutzten die Angriffe für Propagandazwecke. Die NS-Propaganda lancierte - als eine der wenigen Möglichkeiten, die kurz vor Kriegsende noch bestanden - Presseberichte in schwedischen Tageszeitungen, die die Zerstörung Dresdens als geplanten Massenmord mit 100.000 Toten darstellten. Sie wurden im Ausland übernommen und bildeten die Grundlage für in der Folgezeit immer weiter ansteigende Spekulationen über die Opferzahlen. 1948 übernahm das Rote Kreuz ungeprüft Zahlen der NS-Behörden und sprach von über 275.000 Toten. In der Nachkriegszeit stiegen die kolportierten Zahlen auf bis zu 500.000. In der DDR gab es kein besonderes Interesse an einer Aufarbeitung und an offiziellem Gedenken. Während des beginnenden Kalten Krieges wurden aber Motive der NS-Propaganda aufgegriffen, indem von der „unschuldigen Stadt“ und dem „anglo-amerikanischen Bombenangriff“ gesprochen wurde. Teilweise wurde den Westmächten unterstellt, die Zerstörung Dresdens hätte nur verhindern sollen, dass die Stadt der Sowjetarmee in die Hände fiele.


Instrumentalisierung der Opfer


Die Zahl der Toten wurde so von Anbeginn zum Politikum. 
Seit etwa 1998 versuchen nun Rechtsextreme das Opfergedenken zu instrumentalisieren. Sie greifen auf die widerlegten hohen Opferzahlen zurück. Die Opferzahlen werden Teil der rechten Propaganda, die die Dresdner Toten gegen die Opfer des Holocaust aufrechnet. Das Opfergedenken der Rechten soll die Geschichte vergessen machen.
Auch aktuell zum 75jährigen Jubiläum bezweifeln Vertreter der Rechten, darunter der AFD-Parteivorsitzende Chupalla, die Fakten, um so die Verbrechen der NS-Zeit zu relativieren.


Grafitti in Dresden (A.-Althus-Str.) mit Verkleinerung der Zahl der Toten am 13.2.1945 von 300000 auf 30000 durch Übersprühen
(Foto: SchiDD [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)

Als "Belege" dienen persönliche Erinnerungen,  "Plausibilitästüberlegungen und Vergleichskalkulationen" (Kommisionsbericht 2010, S. 20), sowie in der Art eines selbstreferentiellen Systems gegenseitige Zitate. Fast nie wird auf richtige Archivalien bzw. behördliche Statistiken verwiesen. Einzig der Holocaust-Leugner David Irving  bezog sich in den 1960er Jahren mit seiner Angabe von 250.000 Toten auf ein Dokument, den „Tagesbefehl 47“ vom 22. März 1945, der damals bereits als Fälschung erkannt war. 


Kommissionsarbeit 2004-2010

Schon 2004 wurde darum eine Historikerkommission eingesetzt,  „um Geschichtsfälschungen zu begegnen“. Neben zahlreichen Historikern war mit Thomas Westfalen, vom sächsischen Landesamt für Archäologie in Dresden auch ein Mittelalter- und Neuzeitarchäologe Mitglied der Kommission.
Die Ergebnisse der Kommissionsarbeit wurden in einem Abschlussbericht zusammen gefasst, der am 17. März 2010 der Oberbürgermeisterin übergeben wurde. Er ist online abrufbar und wird durch eine Buchpublikation ergänzt:
In verschiedenen Teilprojekten widmete sich die Kommission drei Themen: 
  1. der Zahl der Dresdner Luftkriegstoten, 
  2. den angeblichen Tieffliegerangriffen
  3. der Erinnerung der Dresdner Erlebnisgeneration.
Die Kommission hat neben den bereits bekannten Quellen die Aktenbestände von Stadtbauamt, Marstall- und Bestattungsamt, Ernährungs-, Fürsorge- und Kriegsschädenamt sowie der Oberbauleitung Enttrümmerung ausgewertet. Dabei konnten 20 100 Opfer namentlich benannt werden, die eindeutig als Folge der Bombenangriffe zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 gestorben sind. Hinzu kommen 2600 Nachweise für Bestattungen von nicht identifizierten Toten. Somit sind mindestens  22700 Tote zu verzeichnen. Das Projekt hat die verschiedenen Daten digital erfasst und abgeglichen. Dabei wurde anhand der Akten der Ausgabestellen für Nahrungsbezugsscheine nach Kriegsende auch die Einwohnerzahl Dresdens nach den Angriffen erstmals genauer ermittelt.Erstellt wurden auch Schadenskartierungen und eine exakte Kartierung der Bergungsorte, die im Online-Kartenwerk "Dresden 1945" abrufbar sind.



Die Rolle der Archäologie

Ein Einwand gegen die schon zeitgenössischen Schätzungen von 25.000 Toten war die mündliche Tradition von Überlebenden, wonach der Großteil der Leichen verschüttet und nicht geborgen worden sei.

Seit der Wende wurden in Dresden umfassende stadtkernarchäologische Untersuchungen notwendig. Etwa 20% des mittelalterlichen Stadtkernes wurden untersucht. Dabei wurden mehr als 450 Keller frei gelegt, die zumeist bei der Enttrümmerung gezielt mit Schutt verfüllt wurden  Es zeigte sich, dass fast alle innerstädtischen Keller nach den Luftangriffen begehbar waren und geräumt wurden. Nur bei etwa 20% der Keller wurden Spuren intensiver Brände nachgewiesen und nur in vier Kellern wurden die Überreste von insgesamt 18 getöteten Menschen gefunden. Die Archäologie kann somit ausschließen, dass eine größere Zahl von Luftkriegstoten nicht geborgen wurde.


Das Beispiel Dresden zeigt das "kritische Potential" der Archäologie, das dazu beitragen kann, Legenden und Mythen anhand der materiellen Hinterlassenschaften zu überprüfen. Dies gilt auch und gerade da, wo eine reichhaltige schriftliche oder gar mündliche Überlieferung zur Verfügung steht. Augenzeugen  stehen gerade bei solchen Ereignissen wie in Dresden unter einer besonderen psychologischen Anspannung, die auch Wahrnehmungen beeinflusst.  
Die Archäologie kann im Abgleich mit anderen Quellen besondere Wahrnehmungsverzerrungen zu erkennen geben und einen Beitrag zur Quellenkritik liefern. Dresden ist insofern ein gutes Beispiel dafür, was eine historische Archäologie leisten kann. Es liegt dabei in der Natur der 'historischen' Archäologie, dass dies nur in interdisziplinärem Kontext tatsächlich ausgeschöpft werden kann.

Grabung Dresden Neumarkt 2013: Blick in die Keller
(Foto: Norbert Kaiser [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)

PS

In der NS-Propaganda nach den Luftangriffen auf Dresden war von der "Zerstörung der Kunststadt Dresden", "einem Wallfahrtsort für alle Kunstliebhaber" die Rede, womit auch hier der propagandistische Vorwurf an den Gegner als Kulturzerstörer und -schänder erhoben wurde, der uns in zahlreichen anderen Konflikten - auch aktuell - begegnet.

Weitere Links

Donnerstag, 6. Februar 2020

Eine Wunschvorstellung wird zum Fakt - und von der Wissenschaft nach Generationen entlarvt

Solche Situationen kommen öfters vor. Sie zu entdecken und wieder aus den Köpfen zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe der Kulturwissenschaft. Das kann auch mal länger dauern, denn betroffen sind oft kleine Fächer mit nur geringem Personalbestand.
Ein aktueller Fall: Die angebliche ägyptische Ärztin aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. geboren in den 1930er Jahren in einer Frauengeschichte einer britischen Autorin, wohl durch flüchtigen Umgang mit den Quellen. Ein kurzer Wikipedia-Artikel von 2006 (engl. Wikipedia, Stand Ende 2006) hat dem Bild weitere Popularität gegeben. Nun entlarvt eine Studie die Entstehung des modernen Mythos. Zitat Volker Roelcke, Medizinhistoriker an der Universität Giessen in der Bernischen Zeitung Der Bund: "Merit Ptah ist wohl eine besonders markante Variante eines verbreiteten Phänomens, nämlich dass Menschen als Indi­viduen und als Gruppen das Bedürfnis haben, ihre Überzeugungen und ihr Selbstbild plausibel und glaubhaft zu machen, indem sie ihnen eine möglichst lange Vorgeschichte geben, die sich idealerweise mit einer prominenten Person verbinden lässt."

Der originale wissenschaftliche Artikel hat mit Sicherheit ein deutlich eingeschränkteres Publikum:
  • Jakub M Kwiecinski, Merit Ptah, “The First Woman Physician”: Crafting of a Feminist History with an Ancient Egyptian Setting, Journal of the History of Medicine and Allied Sciences 75/1, 2020, 83–106 < https://doi.org/10.1093/jhmas/jrz058 >

Freitag, 31. Januar 2020

Frühere Kalt- und Warmperioden waren räumlch und zeitlich nicht konsistent - anders als der gegenwärtige Klimawandel

Neue Publikationen der historischen Klimaforschung tragen zur besseren Einschätzung des aktuellen Klimawandels bei.
  • S. St. George, The aberrant global synchrony of present-day warming. Nature 571, 2019, 483-484. < doi: 10.1038/d41586-019-02179-2 > - https://www.nature.com/articles/d41586-019-02179-2
  • R. Neukom/N. Steiger/J. J. Gómez-Navarro u. a., No evidence for globally coherent warm and cold periods over the preindustrial Common Era. Nature 571, 7766, 2019, 550–554. < doi 10.1038/s41586-019-1401-2 > 
  • R. Neukom/ L.A. Barboza/ M.P. Erb u.a., Consistent multidecadal variability in global temperature reconstructions and simulations over the Common Era. Nature Geoscience 12, 2019, 643–649 < doi:10.1038/s41561-019-0400-0 > 

Golbale Klimamodellierungen basierend auf einem inzwischen recht umfangreichen Datensatz unterschiedlicher Paläo-Klima-Proxies zeigen, dass die sog. Römische Warmzeit, die frühmittelalterliche Kältephase, das mittelalterliche Klimaoptimum sowie die Kleine Eiszeit keine global einheitlichen Klimaperioden darstellen. Die Extremtemperaturen - kalt wie warm - traten zeitlich und räumlich verschoben auf.
Das gängige Bild global gleichläufiger Klimaschwankungen bestätigt sich in den Daten nicht. Beispielsweise zeigt sich, dass die kälteste Phase des letzten Jahrtausends, die Kleine Eiszeit Kältemaxima während des 15. Jahrhunderts im mittleren und östlichen Pazifik hatte, im 17. Jahrhundert in Nordwest-Europa und südöstlichen Nordamerika und erst während der Mitte des 19. Jahrhunderts in den übrigen Gebieten.
Klimaschwankungen erfolgten im vorindustriellen Beobachtungszeitraum weder global noch gleichzeitig. 
Im Gegensatz dazu steht die wärmste Phase des letzten Jahrtausends im 20. Jahrhundert. 98% der Erde verzeichnet die Wärmemaxima in kürzester Zeit. Der anthropogene Klimawandel ist damit nicht nur durch die höchsten Temperaturwerte, sondern auch durch die globale räumliche Gleichläufigkeit der Klimaentwicklung ohne Parallele.

Gleichzeitige globale Klimaschwankungen gab es früher durchaus, aber die Effekte waren regional unterschiedlich. Im 19. Jahrhundert, in der Spätphase der kleinen Eiszeit kam es durch eine Reihe von Vulkanausbrüchen - der berühmteste ist der Tambora-Ausbruch von 1815 - zu kurzfristigen globalen Veränderungen, die jedoch regional sehr unterschiedlich wirkten. Neben kurzfristigen Effekten durch die Aschewolken, die zwei bis drei Jahre andauerten, gab es durch die Rolle der Ozeane als Wärmespeicher längerfristige Auswirkungen. In Afrika kam es zu zwei Jahrzehnten der Dürre, globale Monsumsysteme wurden abgeschwächt und die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik verlagerten sich südwärts. In Mitteleuropa kam es zu einer regenreichen Phase. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die moderne Warmzeit. Durch die Überlagerung mit einer Serie von Vulkanausbrüchen ist die "vorindustrielle" Ausgangssituaton nicht klar zu definieren.

Überhaupt sind es im Spätmittelalter und der vorindustriellen Neuzeit (1300–1800) vor allem Vulkanausbrüche oder deren Ausbleiben, die den wesentlichen Klimafaktor darstellen. Treibhausgase hatten demgegenüber einen kleineren, aber dennoch fassbaren Effekt.
  • S. Brönnimann/J. Franke/S. U. Nussbaumer u. a., Last phase of the Little Ice Age forced by volcanic eruptions. Nature Geoscience 12, 2019, 650–656. < doi 10.1038/s41561-019-0402-y > 
    Die oben skizzierte Zusammenfassung der genannten Artikel scheint mir in verschiedener Hinsicht interessant: 
    Aktualistisch ist sie ein weiteres Argument gegen Leugner des Klimawandels, die mit Verweis auf frühere Warmphasen die Bedeutung des aktuellen Klimawandels in Abrede stellen.
    Historisch ergibt sich aus diesen Ergebnissen der Klimaforschung die Warnung, die in Europa definierten Kalt- und Warmperioden nicht zu verabsolutieren. Klimawandel ist keine historische Black Box, sondern es muss genau hinterfragt werden, wann, wie stark und wie er im Humanökosystem wirkt - und welchen Einfluss der Mensch jeweils hatte.

    Interner Link



    Dienstag, 28. Januar 2020

    StoryQuarks

    Archäologie in StoryQuarks - dem podcast zum Wissenschafts-Fernseh-Magazin Quarks des wdr. Im Plauderton unterhält sich Moderator Sebastian Sonntag über Wissenschaftsthemen aus dem Alltag. Auch Archäologie kommt hier in bislang zwei Folgen zur Sprache. Cornelia Wegerhoff ist hier seine Gesprächspartnerin, die über eigene Recherchen und Gesprächen mit Expert*innen berichtet. Zuletzt ging es um die fast 3200 Jahre alte Hose von Turfan aus einem Grab in China. Mit dem ersten Podcast zu einer - heute verlorenen - Mumie des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm wird auf den ersten Blick tief in die Kiste der Archäologen-Klischees gesprochen, letztlich aber vieles über moderne Methoden, Forschungsgeschichte und Kulturgutraub vermittelt.

    Freitag, 24. Januar 2020

    Falsche Evangelisten? Diebische Gelehrte? Bigotte Evangelikale - ein Krimi aus Oxford

    Gastbeitrag von Jutta Zerres

    Die Geschichte könnte den Plot eines Krimis oder Thrillers abgeben. Ein international renommierter Altphilologe und Professor steht unter Verdacht, antike Papyri aus Ägypten an das amerikanische Unternehmen Hobby Lobby verkauft zu haben. Oder ist er vielmehr das Opfer einer perfiden Intrige, die ihn diskreditieren soll? Oder ist das Ganze einfach nur ein großes Missverständnis? „The Guardian“ widmete dem ungewöhnlichen Fall, der seit einigen Jahren die Fachwelt der Papyrologen beschäftigt, einen ausführlichen Artikel.

     Papyrusmanuskript des Matthäusevangeliums (1:1–9,12,14–20)
    aus Oxyrhynchos, um 250 entstanden (P.Oxy I.2).
    Aufbewahrungsort: University of Pennsylvania,
    Museum of Archaeology and Anthropology
    (Lizenz: gemeinfrei).
    Der unter Verdacht stehende Dirk Obbink ist Gräzist und Papyrologe mit einer Professur für Papyrologie an der University of Michigan. Als associate professor für Papyrologie und Griechische Literatur arbeitete er ab 1995 an der Universität Oxford und war bis zu seiner Suspendierung 2016 gleichzeitig Leiter des Oxyrhynchus Papyri Projects zur Erforschung des berühmten Fundkomplexes antiker Papyrustexte aus der mittelägyptischen Grabungsstätte von Oxyrhynchos, heute Al Bahnasa (s. Karte).

    Unter der modernen Ortschaft liegen die Reste der antiken Verwaltungsstadt deren Gründungsdatum in die Zeit der Eroberung Ägyptens durch Alexanders den Großen zurück reicht. Günstigen Bedingungen ist es zu verdanken, dass auf den Müllhalden der antiken Siedlung organische Materialien erhalten blieben. Bisher konnten ca. 500 000 Papyrustexte aus römischer bis früharabischer Zeit zutage gefördert werden. Darunter befinden sich Abschriften frühchristlicher Texte (z.B. Evangelien, Apokryphen etc.) und klassischer griechischer Literatur, aber auch Dokumente der Alltagskommunikation wie Abrechnungen, Briefe, Zaubersprüche, Quittungen, Lizenzen etc. Den Texten aus dem Oxyrhynchos-Komplex kommt eine zentrale Bedeutung bei der Erforschung Ägyptens in der Zeit vom 3. bis zum 7. Jahrhundert zu. Angesichts der Tragweite für die Forschung nannten begeisterte Altphilologen den Komplex den „Heiligen Gral der Antike“ und sahen den Anbruch einer „zweiten Renaissance“ gekommen. Die Entdeckung ist maßgeblich mit den Namen der britischen Archäologen A. S. Hunt und B. Grenfell verbunden, die von der „Egypt Exploration Society“ (EES) (EES in Wikipedia) 1896 mit den Ausgrabungen beauftragt worden waren. Ein Großteil der Papyri wird in der Universität von Oxford und anderen Orten auf der Großbritanniens aufbewahrt. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden die Manuskripte nach und nach in der Reihe „Oxyrhynchos Papyri“, die von der EES herausgegeben wird, ediert. Mit dem zuletzt erschienenen Band 83 von 2018 sind bisher 5100 Texte publiziert.



    Obbink hatte also bis zu seiner Suspendierung 2016 durch die EES die Leitung dieser bedeutenden Sammlung inne. Bis heute konnten die Vorwürfe gegen ihn mindestens 13 Papyri aus dem Oxyrhynchos-Komplex an das US-amerikanische Unternehmen Hobby Lobby verkauft zu haben, nicht entkräftet werden. Elf Stücke davon seien in das Museum of the Bible in Washington D. C. gelangt, das von dem Firmengründer D. Green, einem evangelikalen Christen, gegründet wurde. Schon früher gingen Berichte von illegalem Erwerb und Einfuhr antiker Objekten im Zusammenhang mit dem Bibel-Museum durch die Medien (vgl. Archaeologik [18-7-2017]). Die EES beklagt insgesamt einen Verlust von 120 Papyri sowie deren Einträge im Inventarverzeichnis, die innerhalb eines Jahrzehnts aus der Sammlung spurlos verschwunden seien. Der Diebstahl sollte durch die Vernichtung jeden Nachweises der Existenz der Papyri im Katalog vertuscht werden sollte. Diese Vorgehensweise zeigt, dass der oder die Täter Zugang zu der Sammlung gehabt haben muß/müssen und mit ihr vertraut war/ waren.

    Dr. S. Carroll und J. Pattengale, zwei Mitarbeiter von Hobby Lobby-Chef Green, hatten Obbink mehrfach als Sachverständigen für den Ankauf von antiken Papyri für das Bibelmuseum konsultiert. Sie gaben an, dass der Altphilologe ihnen im Jahr 2013 vier Evangelientexte, die angeblich aus seinem Eigentum stammten, verkauft habe. Der EES liegt ein Kaufvertrag über die fraglichen Objekte vor, der Obbinks Unterschrift trüge. Außerdem habe er einen der Texte - es handelt sich ein Fragment des Markus-Evangeliums – absichtlich falsch ins späte 1. Jahrhundert datiert. Wenn diese Datierung zuträfe, dann handelte es sich nämlich um die bisher früheste bekannte Abschrift des ältesten Evangeliums. Da evangelikale Christen die Bibel für das direkte Wort Gottes halten, muss die Aussicht in den Besitz eines solchen einzigartigen Dokuments der Heiligen Schrift zu kommen für Green einen besonderen Kaufanreiz dargestellt haben. Aus diesem Grund soll der Papyrologe die Datierung falsch angegeben haben. Obbink wurde im Juni letzten Jahres der Zugang zur Sammlung untersagt. Der Beschuldigte wies die Vorwürfe von sich und erklärte im Oktober 2019, dass es sich bei dem Vertrag nur um eine Fälschung handeln könne. Das Museum of the Bible hat die Papyri inzwischen an die EES zurückgegeben.

    Weitere Ungereimtheiten hatten sich bereits 2014 ereignet, die Obbink als zwielichtige Gestalt erscheinen lassen. Der Forscher hatte mit der Identifikation von Fragmenten eines bisher unbekannten Sappho-Gedichtes in Fachkreisen für Aufsehen erregt. Die Herkunft des Papyrus blieb allerdings im Dunklen; es steht der Verdacht im Raum, dass diese illegal im Kunsthandel erworben wurden. Außerdem regten sich Zweifel an der Authentizität der Fragmente.

    Unabhängig von der Frage, ob Obbink nun tatsächlich der Dieb der Oxyrhynchos-Manuskripte ist oder nicht: Die internationale Community der Altertumsforschung muss sich nun mit der Tatsache auseinandersetzten, dass es mindestens eine Person in ihren Reihen gibt, die bereit ist ethische Grundsätze über Bord zu werfen. Entweder geschieht dieses zum Zwecke der eigenen materiellen Bereicherung oder um einer anderen Person zu schaden. Und es gibt noch weitere Implikationen: Ein anderer Gräzist brachte die Auswirkungen des Falles für die Altertumswissenschaften auf den Punkt. Sinngemäß sagte er, dass der Vorgang eine zutiefst verstörende Fortsetzung des Profitierens und Ausplünderns der Vergangenheit darstelle – und zwar genau in dem Moment, in dem die Fachwelt die Geschichte ihrer Verstrickungen in den Kolonialismus zu überdenken begänne. 

    Links


    Die Oxyrynchos-Sammlung ist auch online zugänglich:

    Montag, 13. Januar 2020

    Apokalyptisches Wildfeuer in Australien - Bedrohung für Felsbilder der Aboriginees?

    Die aktuellen Wildfeuer in Australien sind in ihrer heutigen apokalyptischen Gestalt eine Folge menschengemachten Umweltwandels. Das umfasst einerseits die Praxis der Landnutzung, andererseits die aktuelle Erderwärmung.
    Für das europäische Modell der Landnutzung sind Wildfeuer eine Bedrohung, weshalb die Brände gelöscht und eingedämmt werden müssen. Das führt indes dazu, dass sich in den geretteten Areale Brennmaterial ansammelt - und die Feuer beim nächsten Mal um so heftiger werden. Die Aboriginees gingen mit dem Feuer anders um. Für ihre Form der Landnutzung war es ein positiver Faktor: Es brannten begrenzte Flächen, in denen die nachwachsende Vegetation unter anderem gute Jagdgründe bot.
    Jetzt kommt der Klimawandel hinzu. Alles wird trockener, das Risko einer Entzündung und eines raschen Abbrennens steigt. Flächenbrände werden größer.

    Satellitenaufnahmen derCopernicus Sentinel-3 mission 12. November 2019 erfasst die Rauchwolken an Australiens Ostküste.
    (Foto: European Space Agency [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons)

    Auswirkungen auf Felsbilder?

    Über zwanzig Menschen und Millionen von Tieren sind in der Wildfeuer-Saison 2019/20 bereits umgekommen, noch bevor sie ihren zu erwarteten Höhepunkt erreicht hat. Natürlich hat da ein Aspekt keinen besonders hohen Stellenwert, nämlich die Frage, welche Auswirkungen das Feuer auf archäologische Stätten, insbesondere auf die Felskunst der Aboriginees hat. Wildfeuer gelten neben der Erosion (und moderner Baueingriffe) als einer der wichtigtsen Faktoren ihrer Zerstörung. Durch die Hitze platzen die Gesteinsoberflächen ab, es kommt zu Rußablagerungen, die die z.T. mit Kohle gemalten Bilder überdecken.

    Ganz nebenbei erfährt man in einem Artikel des Guardian, dass das Feuer schon über Welterbestätten der Felskunst in den Blue Mountains hinweg gegangen sei ("The fire has already burned through world heritage rock art sites"). So erzählt eine Aboriginee-Frau.
    Bislang sind dazu keine weiteren Medienberichte zu finden. Auch bei der UNESCO, zu deren Welterbe das Greater Blue Mountain Area gehört, wie auf der Website des Nationalparks gibt es bisher keinen Hinweis auf die Feuer. Man hat angesichts des Flammeninfernos sicher drängendere Probleme.

    Heritage-Schutzgebiete im Südwesten Australiens und aktuelle Brandherde
    (Graphik R. Schreg)
    Ein Vergleich der aktuellen Feuerherde mit den eingetragenen Schutzgebieten für kulturelles Erbe (die nötigen Daten [leider allerdings keine Kartierung der Felsbildstätten] stehen frei unter einer CC-Lizenz auf australischen Regierungsseiten) zeigt, dass nicht nur die Blue Mountains betroffen sind. Im Namadgi National Park aber gibt es Felsbilder und hier zeigen die Satellitendaten eine fast geschlossene Feuerfront von rund 70 km Länge.
    Vergl. auch: https://hotspots.dea.ga.gov.au/

    Yankee Hat Felsbilder im Namagdi National Park
    (Foto: Martyman [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
    Die Hauptverbreitungsgebiete der Aboriginee-Felskunst liegen offenbar im Northern Territory und im nördlichen Queensland, die auch regelmäßig von Wildfeuern betroffen sind, augenblicklich aber nicht Teil der Katastrophe sind. 

    Mehrere aktuelle Artikel setzen sich mit einem Feuer von 2018 in Queensland auseinander. Hier kam es zu schweren Beschädigungen an einer Felsbildstätte aufgrund einer eigentlich zu deren Schutz gedachten Besucherplattform aus Kunststoff. Sie ist bei einem Wildfeuer 2018 geradezu explodiert. Inzwischen werden diese Plattformen beseitigt.
    Die Bedrohung von Felsbildern durch Waldbrände stellt sich derzeit auch in einer ganz anderen Region, nämlich am Amazonas in Bolivien:
    Museen und Gallerien in Canberra bringen ihre Kunstwerke in Sicherheit, da die ruß-haltige Luft zu Ablagerungen und Verschmutzungen führt.
    Von Seiten der Aboriginee wird auch der Verlust der Kulturlandschaft beklagt. Zwar gehörte Feuermanagement zur Landnutzungspraxis, aber die Kenntnisse sind weitgehend verloren gegangen.

    Link

    Interne Links



    Sonntag, 12. Januar 2020

    Provenienzen erstunken und erlogen - bestenfalls geschönt...

    Christos Tsirogiannis hat schon mehrfach nachgewiesen, dass Provenienzen auch bei angesehenen Auktionshäusern offensichtlich nicht den Tatsachen entsprechen. Er kann auf Ermittlungsunterlagen der italienischen Polizei zurückgreifen und hat damit ein Archiv von Bildern und Beschreibungen von Funden, die früher schon bei Händlern z. T. bei Razzien aufgetaucht sind. Bemerkenswerterweise fehlt diese Station in den Provenienzangaben, wenn die Funde später angeboten werden.

    (R. Schreg)

    Der letzte Fall: ein römischer Eros bei Christie's, der für 1,5 Mio £ verkauft wurde, trotz des Beweises, dass die Provenienzangaben falsch sind und der dringende Verdacht besteht, dass sich der Fund illegal im Handel befindet.
    Das ist nicht das erste Mal:
    Gerne hätte der Handel Zugriff auf das Archiv von Tsirogiannis - dann liesen sich die Provenienzen geschickter fälschen.

      Interne Links zu den Themen Antikenhehlerei und Kriminalarchäologie


      Literaturhinweis

      • Günther Wessel, Das schmutzige Geschäft mit der Antike. Der globale Handel mit illegalen Kulturgütern (Berlin: Ch. Links Verlag 2015)

      Donnerstag, 9. Januar 2020

      Singende Unterhosen, Energiefrösche und Metalldetektoren - durchdachtes Angebot bei #Tchibo

      Ähnlich gut überlegt ist vermutlich auch das Angebot eines Metalldetektors bei Tchibo. Dass man mit so einem Angebot an Laien zumal mit dem Hinweis auf Schatzsuche und dem schlichten nichtssagenden "Bitte beachten Sie die gültigen Bestimmungen und Gesetze in Ihrem Land" einen Beitrag zur Kulturgutzerstörung leistet, war wohl keinen Gedanken wert.

      Dienstag, 7. Januar 2020

      #IranianCulturalSites - Reaktionen auf Trumps angedrohtes Kriegsverbrechen

      Trump hat gedroht, iranisches Kulturerbe zu zerstören.

      Inzwischen er dies sogar in einem Interview nochmals bekräftigt:
      “They’re allowed to kill our people. They’re allowed to torture and maim our people. They’re allowed to use roadside bombs and blow up our people. And we’re not allowed to touch their cultural site? It doesn’t work that way.” (https://www.nytimes.com/2020/01/05/world/middleeast/trump-cultural-sites.html)
      Das Pentagon hingegen dementiert:
      Iranisches Kulturgut und Weltkulturerbe:
      Eines von Trumos 52 Zielen?
      (Foto: ArminAmirian [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

      Die Reaktionen auf diesen Aspekt sind einhellig ablehnend und sind sich in der Deutung als Kriegsverbrechen einig. Auch westliche Medien klassifizieren das sogar als terroristisch.



      Eine Auswahl an Links:

      Deutsche Medien
       US-Medien

      Iranische Medien:
      Israelische Medien

      Protestnoten

      Eine iranische Protestinitiative auf twitter: #IranianCulturalSites

      UNESCO
      American Institute of Archaeology

      Trump und das Kulturerbe

      Trumps Präsidentschaft ist übrigens in Bezug auf Kulturgut nicht erst jetzt 'problematisch'/ unverantwortlich:
      Eine Analyse bezeichnet Trump übrigens schon im November 2019 als "The war-crime president" . Letztlich reiht sich seine Drohung nur konsequent in bisherige Ungeheuerlichkeiten:

        Montag, 6. Januar 2020

        Kulturgut in Syrien und Irak (November/ Dezember 2019)

        Für November/ Dezember habe ich einen massiven Einbruch der  Meldungen in den von mir beobachteten Medien zu verzeichnen. Syrien und der kurdische teil Iraks, der von IS / Daesh beherrscht war, gerät immer mehr aus dem Blickfeld.

        Aktuelle Berichte

        Aleppo


        Region Idlib

        Die Region Idlib im Nordwesten Syriens ist derzeit der Hauptkriegsschauplatz. Die archäologischen Stätten insbesondere die toten Städte der byzantinischen zeit dienen als Notbehausungen und Steinbruch, in die alte Kulturlandschaft werden neue Ackerflächen planiert.

        Afrin


        Die Website Syrians for Truth and Justice berichtet aus Afrin und präsentiert auch ein Video (auch auf  YouTube), das zeigt, wie Milizen schießübungen auf den hethitischen Tempel von Afrin machen. Schon 2018 war es hier zu Schäden gekommen (Archaeologik [2.4.29019]).
        Weitere Berichte zu Raubgrabungen an anderen Fundstellen der Region wieder mit Schuldzuweisungen an die türkischen Besatzer bei:

        Mosul (Irak)

        Einige aktuelle Bilder bei https://www.facebook.com/groups/858813217464395/

        Antikenhehlerei


        Initiativen und Aktionen

        Kooperationsvereinbarung mit der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Eremitage: insbesondere für Palmyra geschlossen: Ehrung für Khaled Al-Asaad, der 2015 als für Palmyra verantwortlicher Archäologe von daesh ermordet wurde:

        "The Museum" 

        Im Dezember stellte die syrische Altertumsbehörde ein Dokudrama vor, das die Evakuierung des Museums in Aleppo darstellt.
        "During the syrian war, the unbelievable true story of a small team of curators, archaeologists and guards struggling to protect and save one of the most priceless museum collection in the world.
        The characters depicted in this docu-drama are not fictional and the events are based on fact."

        Ein etwa 3 min langer Trailer mit englischen Untertiteln steht auf youtube <https://youtu.be/m3Z2owCQRrI>:



        Regie führte Olivier Bourgeois,  with the support of DGAM and UNDP (United Nations Development Programme ).
         

        Links

        frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak:
        Wie immer geht mein Dank an diverse Kollegen für ihre Hinweise. Die Übersetzungen arabischer Texte gehen meist auf Google Translator zurück und sind daher bisweilen Fehler-anfällig.

        Sonntag, 5. Januar 2020

        Trump droht dem Iran mit der Zerstörung von Kulturgut - mit einem Kriegsverbrechen




        Nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch das US-Militär, deren Rechtsgrundlage, Sinnhaftigkeit und vorausschauende Planung fraglich sind, droht US-Präsident Donald Trump nun dem Iran mit schweren Angriffen für den Fall iranischer Vergeltung.. Trump twittert, die USA hätten 52 iranische Ziele ins Visier genommen, von denen einige "sehr bedeutend und wichtig für den Iran und die iranische Kultur" seien.

        Nach internationalem Recht wäre dies ein Kriegsverbrechen. Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten der UNESCO von 1954 verbietet Angriffe auf bewegliches und unbewegliches Kulturgut. Dass Daesh/IS und andere Extremisten Kulturgut zur Geisel ihrer Politik machten, war eine bedenkliche Entwicklung, wenn nun aber die USA hier gleichziehen, sind jegliche moralischen Ansprüche (sofern sie das nicht schon länst sind) obsolet.

        Es wird spannend sein, die Reaktionen auf diesen Tweet zu verfolgen. Auf Trumps Tweed gab es jedenfalls erste Anmerkungen.






        Erste Medienberichte greifen zwar wie üblich den Trump-Tweet auf, aber nur wenige erkennen dessen moralische Brisanz für die Kulturwerte. Z.B.:
        Erwähnung des  Kulturguts bislang nur

        Änderungsvermerk
        7.1.2020 kleinere grammatikalische Korrekturen

        Samstag, 4. Januar 2020

        Archaeologik 2019

        Zum Jahresbeginn möchte ich wieder eine knappe Bilanz des vergangenen Jahres auf Archaeologik zusammenstellen.

          Etwas Quantifizierung

          Schon im Januar 2019 hatte Archaeologik die Marke von einer Million Zugriffen genommen (jedenfalls in der manchmal fragwürdigen Google-Zählung).
          Insgesamt habe ich 2019 auf Archaeologik 76 Posts eingestellt, etwa so viele wie 2019 (79).
          2019 wurde wieder nur ein Post auf  Englisch eingestellt.  Gastbeiträge gab es nur 5 (Vorjahr: 8). Autoren waren Jutta Zerres (3 Beiträge), Detlef Gronenborn (1 Beitrag) und Julia Katharina Koch (1 Beitrag).
          Die zehn meist gelesenen neuen Beiträge 2019:
          1. D. Gronenborn: Die frühen Bauern als Dokudrama, … aber Steinzeit kann mehr
            26.3.2019, 1148 Seitenaufrufe
          2. Woher stammen die antiken Münzen im Onlineshop der Post?
            5.8.2019,
            851 (##) Seitenaufrufe 
          3. Das Großfeuer in Nôtre Dame: Wikipedia hat die beste Berichte
            16,4,2019, 590 Seitenaufrufe
          4. J. Zerres: Raubgrabung, Schmuggel, gefälschte Provenienzen – Ägyptens Kulturgut Anfang 2019
            10.3.2019, 554 Seitenaufrufe
          5. Abstimmen für die Archäologie!
            13.4.2019, 523 Seitenaufrufe
          6. Das letzte Sklavenschiff
            16.6.2019, 511 Seitenaufrufe
          7. J.K. Koch: Kolonialismus (in) der archäologischen Fachsprache
            27.8.2019, 469 Seitenaufrufe
          8. Der Abschlussbericht von ILLICID und die Umdeutungen des Kunsthandels
            13.6.2019, 431 Seitenaufrufe
          9. Ungarische Wissenschaft unter Regierungskontrolle
            12.7.2019, 411 Seitenaufrufe
          Aus der Wertung muss ich hier leider den folgenden Post ausschließen, da hier ein erhebliches Spamaufkommen zu vermerken ist, der sich u.a. auch in hunderten (gar nicht erst frei geschalteten) Spamkommentaren zu erkennen gab:
          Ich habe bei den Zahlen bislang immer die Blogger-Zählung und diejenige von Google Analytics differenziert, die oft unterschiedlich ausgesehen haben - Analytics lag meist deutlich höher. Inzwischen scheint Blogger auf die Analyticszahlen zurück zu greifen. Identisch sind die Zahlen dennoch nicht, nun scheinen die Blogger-Angaben geringfügig höher zu liegen.
            Daneben sind freilich einige ältere Blogposts weiterhin sehr erfolgreich. Zu nennen sind hier (mit Analytics-Zählungen):

            Die monatlichen Zugriffszahlen blieben im Jahr 2019 auf niedrigerem Niveau einigermaßen konstant.  Nach der Blogger-Statistik sind 2019 gerade mal 102.204 Seitenaufrufe (Stand 28.12.) gegenüber 129.260 im Jahr 2018 und 193.417 im Jahr 2017 zu verzeichnen. Die Zugriffe erfolgen weltweit, doch sind auch Verlinkungen von andern Seiten, ebenso wie Kommentare zu den Blogposts massiv zurückgegangen. Einige Empfehlungen brachten direkte Zugriffe:


            Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger, Januar 2019 mit Punkt markiert
            (Quelle: Blogger Statistik)


            Zugriffe auf den Blog kamen zumeist von Google, offenbar via Suchanfragen, gefolgt von  facebook, was wohl v.a. die gezielte Weiterverteilung wiederspiegelt. Twitter, auf den die Archaeologik-Blogposts automatisch getweeted werden, wid interessanterweise nicht ausgeworfen.

            Themen 2019

            Die Themen 2019 habe ich unverändert eigenen Forschungen wie auch Medienberichten und wissenschaftlichen Publikationen entnommen. Die Blogposts sind weniger und kürzer geworden, wobei ich einfache Posts unkommentierter Links, wie es sie in den Anfängen von Archaeologik ganz häufig gab, vermeiden wollte, da ich wenigstens eine knappe, wenn auch meist subjektive Einordnung geben möchte. Wieder spielten Kulturgüterschutz und die Problematik Archäologie & Politik die zentrale Rolle. Als wichtige Posts seien genannt:
            Die Kulturgutzerstörung in Syrien und Irak blieb Thema einer Serie, in der alle zwei Monate ein Rückblick auf einige wichtige Medienberichte gegeben wird.

            Das Thema Archäologie & Politik spielte vor allem in Ungarn eine Rolle, wo ein neues recht gut mit Finanzen ausgestattetes Institut der Orban-Regierung dazu dient, populistischen, nationalistischen oder gar rassistischen Parolen und ihrer Pseudowissenschaft eine seriöse Reputation zu geben. Ich halte es für grundsätzlich falsch, Projekte an diesem neuen Institut zu unterstützen und mit ihnen zu kooperieren.
            Rezensionen gab es 2019 nur noch drei, wobei noch einige weitere Bücher dafür aufgestapelt liegen und nach 2020 genommen werden müssen:


            Das Publikum

            Nach wie vor halte ich es für super-wichtig, dass Archäolog*innen ihre Forschung und ihr Fach direkt und kritisch kommunizieren. Die Social Media bieten hier Chancen, die wohl immer noch nicht so ausgeschöpft werden, wie dies möglich wäre.
            Ich muss mich da an die eigene Nase fassen. Archaeologik läuft zwar immer noch erfolgreich, aber die Möglichkeiten hier in einen Austausch zu kommen, nutze ich nicht angemessen, auch viele eigene Projekte und Forschungen spiegeln sich auf Archaeologik derzeit nicht wieder.

            Als Zielpublikum sehe ich bei Archaeologik primär Kollegen und interessierte, bereits erfahrene Laien. Archaeologik bietet weder News aus der Archäologie noch Einführungstexte, sondern greift eher Themen auf, deren Bedeutung sich oft eher den Insidern erschließt.

            Archaeologik ist seit langem auch auf facebook. Hier entwickelt sich die 'Follower'-Gruppe jedoch in eine andere Richtung. Die Zahl der Follower der Facebook-Gruppe Archaeologik hat sich 2019 von ca 990 Anfang des Jahres auf etwa 1300 erhöht. In der Regel nehme ich dort alle Beitrittsanfragen an, doch muss ich zugeben, dass ich jüngst einzelne Profile auch abgelehnt habe, da mich offensiv gepostete Schatzgräber- und Populisten-Parolen eher erschreckt haben. Soweit man den Profilen entnehmen kann (die ich aber allenfalls bei der Anfrage kurz angesehen habe), sind es sehr unterschiedliche "Freizeit-Interessen", die mit eher populären Vorstellungen über die Archäologie verbunden sind.

            Mitgliederentwicklung der facebook-Gruppe zu Archaeologik (2019)
            (Screenshot von Facebook)





            Um hier besser die Erwartungen zu bedienen administriere ich (z.T. mit weiteren Kolleg*innen) auf facebook neben Archaeologik  noch weitere Gruppen.
            Hier geht es eher um thematische News und auch Hinweise auf einführende Informationen, die aber eher keine originären Inhalte haben, sondern weitgehend auf Links setzen. Allerdings werden auch hier zumindest Englischkenntnisse und oft auch ein gewisses wissenschaftliches Grundverständnis vorausgesetzt. In den Gruppen können teilweise auch die Mitglieder posten. Dass dies nur eingeschränkt wahrgenommen wird, ist im Vergleich zu anderen Gruppen derzeit eher ein Qualitätsmerkmal.

            Auf Archaeologik selbst wurden nur 16 Kommentare hinterlassen (ohne meine Antworten), etwas mehr Resonanz erfolgte auf der facebook-Seite zu Archaeologik, doch ist die Diskussionsfrequenz auch hier nur gering. Ich engagiere mich hier allerdings auch nicht besonders. Zwar liegt gerade in dem Kontakt mit einem Publikum die große Chance der Social Media, aber der Moderationsaufwand, der bei anderen Gruppen zu erkennen ist - der Administrator hat da oft einen Höllenjob, der sich mit gegenseitigen Beleidigungen und skurilsten 'Thesen' auseinandersetzen muss und keine Pausen gönnt - wäre für mich unrealistisch.

            GoogleAnalytics verrät etwas mehr über die Nutzerstruktur von Archaeologik. Demnach sind 54% männlich, und 60% sind unter 35 Jahre alt.
            Nutzeranalyse mittels GoogleAnalytics: Geschlchterverhältnis
            (Screenshof von GoogleAnalytics)

            Nutzeranalyse mittels GoogleAnalytics: Altersverteilung
            (Screenshof von GoogleAnalytics)

            Internationale Zugriffe 2019
            (Screenschot von GoogleBlogger)




            Ausblick


            Die Erfahrungen aus Archaeologik versuche ich in die Aktivitäten des Bamberger Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit zu integrieren. Das betrifft umfassend Forschungen und Publikationen sowie insbesondere auch die Lehre.

            Mit einem neuen Blog und neuen Lehrveranstaltungen sollen Fach-Studierende darauf vorbereitet werden, Fachkenntnisse zu vermitteln, aber auch Resonanz aus der Öffentlichkeit aufzunehmen. Neben Themen einer archäologischen Didaktik wird hier die nur auf den ersten Blick eher theoretische Frage eine wichtige Rolle spielen, was die Archäologie denn überhaupt an wesentlichen und relevanten Beiträgen leisten kann.

            Die für Archaeologik wichtigen Themen Archäologie & Medien sowie Archäologie & Öffentlichkeit werden am Bamberger Lehrstuhl in mehreren Dissertationen jeweils anwendungsorientiert aufgegriffen. Insofern sei hier auch verwiesen auf:
            Außerdem sind wir daran, einen digitalen Auftritt für die Keramikforschung in der Mittelalterarchäologie zu konzipieren. Ziel hierbei ist es, insbesondere für die Lehre, aber auch für die praktische Bestimmungsarbeit eine Plattform zu schaffen, die Elemente von Lexika, Social Media und  Datenrepositorien kombiniert und dazu geeignet ist, universitäre Lehre und Forschung neu auszurichten und auch Laien einen Einblick in die Ergebnisse (und Schwierigkeiten) der Forschung zu geben.

            Wenn wir so weit sind, wird es auch hier auf Archaeologik Post dazu geben. Damit können wir zumindest teilweise auch eher dem unterschiedlichen Publikum gerecht werden.

            Für Archaeologik selbst liegen viele Themen auf Halde, begonnene, aber nicht fertig gestellte Posts, die z.T. nur darauf warten, dass sich ein geeigneter aktueller Aufhänger ergibt (z.B. ein Post "Archäologische Sensationen - die keine sind"). Leider werden auch die Berichte zu Syrien und Irak weiter gehen müssen, denn die Krise dort ist ja längst nicht vorbei. Angedacht ist auch eine Blogpostserie von Gastbeiträgen eines meiner akademischen Lehrern als biographischer Rückblick auf einige Forschungen der vergangenen Jahre.
            Themen warten für 2020 also genug - hoffentlich ist das Jahr auch lange genug, dass sich auch Zeit ergibt, sie aufzugreifen. Vielleicht gibt es wieder mehr unkommentierte Links.


            Interne Links