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Sonntag, 6. September 2026

Wissenschaft schließt - Parawissenschaft kassiert (und verdummt)

Ja, ich weiß, Archäolog*innen beschäftigen sich normalerweise nicht mit Dinosauriern. Trotzdem lohnt es sich, zu registrieren, was aktuell in Philadelphia mit jenem Museum passiert, das 1868 erstmals wissenschaftlich ein Dinosaurierskelett der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Im Museum der Academy of Natural Sciences in Philadelphia (USA) wurde 1868 das Skelett des Hadrosaurus foulkii enthüllt. Dieses Fossil ist 10 Jahre zuvor in New Jersey gefunden worden. Der Paläontologe Joseph Leidy und ‚Paläokünstler’ Waterhouse Hawkins montierten das Skelett erstmals in aufrechter Haltung. Diese Ausstellung löste den ersten kolossalen, weltweiten Massenansturm („Dinomanie“) in einem Museum aus.

Ende September 2026 schließt in den USA das älteste Naturkundemuseum in den Amerikas (gegr. 1812, für Publikum geöffnet 1828) seine Pforten.

Die Schließung des Publikumsbetriebs des Museums der Philadelphia Academy of Natural Sciences  ist primär auf lokale wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen – insbesondere auf das hohe strukturelle Defizit der Trägeruniversität, gestiegene Betriebskosten und den anhaltenden Rückgang der Besucherzahlen seit der Pandemie. Die Sammlung soll erhalten bleiben, wird aber nicht mehr öffentlich zugänglich sein. 


 Saurierskelett im bald ehemaligen Museum in Philadelphia
(Foto: Daderot - Public Domain, via WikimediaCommons)


Förderung antiwissenschaftlicher Institutionen

Die Schließung in Philadelphia ist keine direkte politische Zensurmaßnahme der Republikaner. Unter den weißen evangelikalen Christen, die die Basis der Trump'schen MAGA-Bewegung bilden, sind kreationistische Ansichten zwar weit verbreitet, aber entgegen einem populären Klischee leugnen die meisten modernen Kreationisten die Existenz von Dinosauriern aber nicht. Stattdessen argumentieren sie, dass Dinosaurier zeitgleich mit den Menschen erschaffen wurden und während der Sintflut ausstarben. Die Erde sei insgesamt  nur erst etwa 6.000 bis 10.000 Jahre alt. Institutionen wie das bekannte Creation Museum in Kentucky stellen diese Koexistenz explizit dar. Ein Diorama dort zeigt neben Dinosauriern spielende Menschenkinder (Link zu Abb.). Die Evolution  des Menschen von gemeinsamen Vorfahren mit anderen Primaten wird strikt abgelehnt, da sie dem Glauben an eine göttliche Schöpfung nach Gottes Ebenbild widerspräche. 

Das 2007 eröffnete Creation Museum in Petersburg, Kentucky, steht im Gegensatz zur Academy finanziell auf einer sehr stabilen Basis. Betreiber ist die Non-Profit-Organisation Answers in Genesis. Sie ist Teil eines schuldenfrei expandierenden religiösen Unternehmens mit einer bundesweit mobilisierbaren, spendenstarken Anhängerschaft. Die finanzielle Basis speist sich aus zwei Quellen: einem anhaltend starken Ticket- und Merchandise-Verkauf sowie einem enormen Aufkommen an privaten Großspenden. Die Mutterorganisation generiert jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge.[AiG].

Der eigentliche Unterschied zu Philadelphia liegt weniger in der Gemeinnützigkeit – wie die Academy ist auch das Creation Museum von der Bundes-Einkommensteuer befreit, das ist für Museen in den USA normal – sondern im Zwillingsprojekt Ark Encounter in Williamstown, Kentucky. Der Themenpark mit der überdimensionalen Arche Noah wird über eine gewinnorientierte LLC (so was ähnliches wie eine GmbH) betrieben. Kentucky hatte ihm die ursprünglich zugesagte Tourismusförderung zunächst entzogen, mit der Begründung, staatliche Anreize dürften nicht zur Finanzierung religiöser Indoktrination dienen. Dagegen klagte AiG und bekam Recht. Vertreten wurde die Organisation damals pro bono von Mike Johnson, heute Sprecher des US-Repräsentantenhauses und enger Verbündeter von POTUS Don. Trump.

Als anerkannte Tourismusattraktion wurde der Ark Encounter für bis zu 18,25 Mio. Dollar an Förderung zugelassen – nicht als direkter Zuschuss, sondern als leistungsabhängige Rückerstattung der von Besuchern vor Ort gezahlten Umsatzsteuer auf Eintritt, Gastronomie, Souvenirs und Übernachtung. Das MAGA-Lager, die religiöse Rechte und die konservativen Republikaner in Kentucky, haben diese Förderung politisch stets massiv verteidigt, indem sie die Parks nicht als religiöse Indoktrination, sondern als reine „wirtschaftliche Jobmotoren“ für den lokalen Tourismus deklarierten. Kentucky hat aktuell zwar mit Andy Beshear einen demokratischen Gouverneur, aber eine überwältigende republikanische Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, die dieses Modell stützt.

 

Antiwissenschaftsklima und Kulturförderung 

Obwohl die Museumsschließung in Philadelphia nicht unter direktem politischem Druck geschieht, ist sie Ausdruck der zunehmend prekären wirtschaftlichen Lage von Bildungseinrichtungen in einem politischen Klima, in dem die öffentliche Finanzierung von Wissenschaft und Kultur unter dem Druck der ideologischen und budgetären Polarisation der USA steht. Im März 2025 hat das Bildungsministerium unter Trump der Drexel University (zusammen mit der Temple University) offiziell damit gedroht, Bundesmittel zu streichen. Grund dafür waren vornehmlich Untersuchungen im Nachgang der pro-palästinensischen Proteste und Campus-Camps, die die Trump-Administration vielerorts instrumentalisiert hat, um die Universitäten auf ihre DEI-Linie zu zwingen.

Themen, die MAGA nicht passen, geraten in den USA vermehrt in den Fokus politischer Budgetdebatten. Das gilt insbesondere auch für öffentlich geförderte Universitäten und mit ihnen verknüpfte wissenschaftliche und kulturelle Institutionen. 

Konservative Plattformen und Politiker argumentieren häufig, dass sich Institutionen durch Ticketverkäufe oder private Spenden selbst tragen müsdten, sich andernfalls neu ausrichten, sich verkleinern oder schließen müssten. Aus Kreisen der MAGA-Bewegung wird die staatliche Subventionierung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen oft kritisch hinterfragt, da diese als Teil eines „liberalen akademischen Establishments“ wahrgenommen werden. Im Zuge der Schließung in Philadelphia warnten Kritiker und Wissenschaftsaktivisten in lokalen Foren, dass der Rückzug aus der öffentlichen Wissenschaftskommunikation genau in eine Zeit passe, in der Bundesmittel für Forschung und öffentliche Gesundheit zur Disposition stehen. 
Das ist keine ganz neue Entwicklung unter Don. Trump, wie etwa die Vorgänge um das Illinois State Museum 2015 oder republikanische Einmischung in Förderungen der NSF 2014 zeigen.

Gerade jetzt, wo es gilt Bildungsangebote zu fördern, um gegen antiwissenschaftlichen Unsinn anzugehen, kommt solch eine Schließung zur Unzeit und so wird sie in der US-Öffentlichkeit und in akademischen Kreisen zurecht politisiert. 


Neue Perspektiven für die Saurier?

Philadelphias Bürger, Wissenschaftler und lokale Politiker reagierten schockiert über den Verlust dieses über 200 Jahre alten Kulturguts. Kritiker warfen Drexel Missmanagement vor und warnten davor, das öffentliche Gut einfach „aufzugeben“. 
Um eine Eskalation abzuwenden, schalteten sich der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, und Philadelphias Bürgermeisterin, Cherelle Parker, ein. Sie setzten einen unabhängigen Vermittler (den Diplomaten David L. Cohen) ein, um eine neue Vereinbarung zwischen Drexel und dem Museumsvorstand zu verhandeln. Dadurch wurde kurz vor der Schließung dahingehend ein Kompromiss vorgeschlagen, dass das öffentliche Gebäude am Parkway zwar wie geplant Ende September 2026 geräumt wird, aber der Museumsvorstand das vertragliche Recht erhält, sich komplett von Drexel zu lösen, falls er neue Partner oder Geldgeber findet, um die Sammlung in Zukunft an einem anderen (kleineren) Ort wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Paradox!

Die Schließung ist keine kulturpolitische Hinrichtung durch MAGA, sondern ein schleichender Tod aus Unterfinanzierung, Besucherschwund und Universitätskrise. Gerade deshalb ist sie politisch. Während eine 213 Jahre alte Institution, die das erste freistehende Dinosaurierskelett der Welt zeigte und damit Wissenschaft sinnlich machte, ihre Pforten nicht mehr offen halten kann, expandiert wenige Bundesstaaten weiter ein religiöses Freizeitunternehmen schuldenfrei – getragen von Großspenden, Merch und gezielt erkämpften Steuervorteilen.

Was in Philadelphia verloren geht, ist nicht nur ein Haus mit Dinosauriern, sondern das Prinzip des authentischen Objekts – das Jefferson-Fossil, das Lewis-und-Clark-Herbarium, das Hadrosaurus-Original, an dem man Fragen lernen konnte. Archäologie und Paläontologie teilen dieses Pfund: Wir erklären die Welt nicht mit Dioramen von spielenden Kindern neben Triceratops, sondern mit Befunden, die wirklich da waren, die wir kontextualisieren und mit denen wir rekonstruieren. Wenn die öffentliche Hand diese Orte nicht mehr finanziert, überlässt sie das Deutungsmonopol jenen, die es sich leisten können und deren Interesse primär nicht der Bildung und dem Wohlergehen Aller ist. Kommerzialisierung von Museen und Bildungseinrichtungen  macht Bildung zur Ware, deren Preis andere festsetzen. Freies Phantasieren ist auch kostengünstiger als faktenorientierte wissenschaftliche Forschung. 

Alter Ruhm schützt nicht. Öffentliche Relevanz muss immer wieder erkämpft werden – und gerade dafür sind Museen wichtig. Das Problem ist, dass das Geld der Milliardäre und Populisten eher in lukrative Geschäfte wie kommerzielle Freízeitangebote anstatt in Bildung fließt, die ja auch kritisches Nachfragen provozieren könnte. Das Creation Museum verfügt über ganz andere finanzielle Ressourcen um eine Ausstellung zu inszenieren - und hat auch weniger Skrupel, konkrete Bilder zu präsentieren, als das seriöse Wissenschaftler*innen haben, die stets abwägen, welches Bild auch belegbar oder zumindest plausibel ist. 

Es ist paradox: Das Museum, das schon 1868 zum Pionier moderner Wissenschaft wurde und nebenbei die Dinomanie erfand, muss schließen, weil zu wenige kommen. Das 'Museum', das Wissenschaft mit Füßen tritt und Dinos als Gefährten des Menschen zeigt, boomt bei den Besuchern. 

Das ist ein Fall aus der USA, aber auch in Deutschland sind die Wissenschaftsverweigerer im Kommen.  Stabil bleiben und zumindest mit seriöser, transparenter Forschung gegenhalten!


Quellen

Academy of Natural Sciences in Philadelphia 

Kreationismus-Museum Kentucky

 Wissenschaftsklima in den USA

 Interne Links


Mittwoch, 30. April 2025

100 Tage Don. Trump: US-Wissenschaft ist abgetaucht

 

via WikimediaCommons


Nicht mal 100 Tage nach seinem Amtsantritt hat Don Trump die Welt systematisch mit Verunsicherung und Tabubrüchen überzogen. Wenig sicher Geglaubtes  hat noch Gültigkeit. Systematisch wird die Axt an Demokratie, sozialer Empathie und Wissenschaft zugunsten von Profit und Egoismus gelegt - und eine Opposition ist kaum erkennbar.

Die massiven Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit werden weitgehend hingenommen. Zwar zieht die Harvard University gegen die Finanzkürzungen vor Gericht, andere Universitäten sind aber gegenüber Trumps Forderungen eingeknickt und haben die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit hintenangestellt.

Vordergründig geht es um die propalästinensischen Demonstrationen Studierender, tatsächlich verlangt die Trump-Regierung ein Mitbestimmungsrecht bei der Zulassung von Studierenden, bei der Berufung der Professoren und in der Auswahl der Forschungsthemen. Der Regierung unangenehme Themen sollen nicht mehr thematisiert werden. Dazu zählt auch eine seriösen Geschichtsforschung - der Begriff "cultural heritage" steht auf der Liste unerwünschter Themen und Worte, stört sie doch das konstruierte Eigenbild der MAGA-Bewegung.

Der Aufschrei jält sich auffallend in Grenzen. 1000 Demonstranten in Washington Anfang März unter dem Motto "Stand Up for Science" sind keineswegs viel, auch wenn es auch in anderen Städten Demos gab. Der March for Science im April 2017 hatte allein Washington 100.000 Teilnehmer. (lt. wikipedia) Damals war die Situation bei weitem nicht so ernst  Eine Initiative unter dem Label #DefendResearch hat am 15. Februar eine Erklärung veröffentlicht und sammelt international Unterstützer. Unter den 100 Institutionen sind nur wenige bemerkenswerte einflussreiche Gesellschaften. Nicht mal 5000 Unterschriften nach rund zwei Monaten sind ebenfalls keine beeindruckende Marke.

Dabei stehen die Chancen besser denn je, Protest zu organisieren und auszudrücken. Es gibt sogar wissenschaftliche Untersuchungen zum Wissenschaftsprotest, die immerhin auf Erfahrungen aus Trumo I aufbauen können (Fisher 2019).

Anscheinend geht das Kalkül der Verunsicherung und berechneten Unberechenbarkeit auf: Es herrscht bereits eine Atmosphäre der Verängstigung über die Sicherheit der eigenen Lebensmodelle und dubiose Deals erscheinen als die bessere Überlebensstrategie. Forscher an einer Universität arbeitet, sprach von einer in 30 Jahren Karriere "nie dagewesenen" Situation. Sein Arbeitgeber habe Angestellte angewiesen, sich mit öffentlicher Kritik an den Sparplänen zurückzuhalten - aus Furcht davor, die Bundesregierung könnte als Vergeltung Mittel kürzen. So zitiert der Stern (hier) einen US-Forscher, seine Universität habe aus Furcht vor einer Vergeltung mit weiteren Mittelkürzungen Angestellte angewiesen, sich mit öffentlicher Kritik an Trumps Sparplänen zurückzuhalten. Auch die Präsidentin der National Academy of Sciences Marcia McNutt spricht sich gegen starke Positionierungen aus (), denn diese hätten das große Risiko, dass sie andere, erfolgversprechendere Zugänge verhindere und langfristig zu schlimmeren Entscheidungen führe (hier). Angestellte der Environmental Protection Agency (EPA), die in der Mittagspause an einer Demonstration gegen die Mittelkürzungen teilgenommen hatten, erhielten per eMail die Information, dass ihre Gebäudezugangstransponder künftig getrackt würden (hier).

International - und eben auch in den deutschen Medien - findet das Thema ebenfalls wenig Aufmerksamkeit, da sich diese ganz dem Chaos widmet, das Trump mit seinen Zöllen und seiner Pro-Putin-Politik anrichtet. Es geht hier nicht mehr allein um die Freiheit der Wissenschaft, sondern angesichts der Methoden, die hier im Einsatz sind, geht es um Gleichschaltung und Unterbindung der Meinungsfreiheit und des Demonstrationsrechts.


Literatur

  • Fisher 2019: D. R. Fisher (Hrsg.), American resistance. From the Women's March to the blue wave (New York 2019).






Sonntag, 9. März 2025

#StandUpForScience

Die Schockstarre scheint langsam überwunden. Endlich werden Stimmen laut, die sich gegen die wahnsinnige Zerschlagung der Wissenschaftsstrukturenbin den USA wenden.

Trumps Taktik, Chaos zu veranstalten und  - offensichtlich illegal - terrorartig Gelder zu kürzen und Angestellte zu entlassen, dient  der Einschüchterung und Überrumpelung. Bislang war sie erfolgreich. Ob Gerichte etwas wirkungsvoll unternehmen werden, wird zu sehen sein.


(Symbolbild, KI-generiert mit ideogram.ai)

Am 7. März kam es in vielen Städten der USA, allen voran in Washington DC zu Demonstrationen gegen die systematische Wissenschaftszerschlagung von Trump & Musk, die selbst auf lebensrettende Medizin losgehen, aber prinzipiell alle kritische Stimmen gegen ihr beschränktes Weltbild dominieren möchten.

Zwei Folgen im Podcast des Deutschlandfunk berichten über die aktuelle Situation der Wissenschaft unter POTUS Trump in den USA:

Die zentrale Demonstrationen von StandUpForScience fand in Washington vor dem ;incoln Monument statt, in zahlreichen weiteren Städten der USA gab es ebenfalls Demonstrationen, auch in Kanada, Frankreich und Österrreich (Wien und Salzburg). Die jetzigen Demos sollen erst der Anfang sein, denen es um die Wiederherstellung der staatlichen Wissenschaftsförderung und Wissenschaftsfreiheit geht, die Wiedereinstellung der willkürlich Gefeuerten und die Erneuerung der Bedeutung von Gleichheit, gleichberechtigter Teilhabe und der allgemeinen Verfügbarkeit in der Wíssenschaft. 

Ob die Proteste direkt etwas bewirken, scheint fraglich, denn Trump & his Admins sind schon Menschen egal - sie nehmen Kranken die Hoffnung, liefern in der Ukraine Zivilisten den russischen Angriffen aus, indem sie nun auch keine Fernerkundungsdaten mehr zur Verfügung stellen, die zur Raketenabwehr nötig sind oder im Gaza-Streifen Vertreibungen vorschlagen. Trump wird wegen Protesten also sicher nicht zurückrudern und eher als gekränkter Egomane aus Rache neue Schikanen ersinnen. Wichtig an den Protesten ist aber, dass seine Strategie nicht aufgeht, die Gesellschaft gleichzuschalten und die kritische Wissenschaft als Kontrollinstanz für frei erfundene schwachsinnige Behauptungen auszuschalten.

Moderne Wissenschaft lebt vom internationalen Austausch. Und Wissenschaft ist nicht nur in den USA von politisch motivierter Wissenschaftsfeindlichkeit betroffen. Unliebsame Themen möchte so manche rechts-konservative Partei regulieren. Ungarn war hier auf dem Blog schon Thema, aber man muss dazu nicht ins Ausland schauen. Unter dem Deckmantel der Wiederherstellung von Meinung-, Rede- und Wissenschaftsfreiheit sollen vermeintlich politische Themen wie die Frage non-binärer Geschlechtlichkeiten oder des Klimawandels nicht mehr beforscht werden. Vielmehr soll so getan werden, als gäbe es das alles nicht. Deshalb ist hier auch internationale Solidarität gefragt. Frankreich und Österreich sind schon dabei...


Links

 Interne Links

:

Donnerstag, 27. Februar 2025

Forschungsfreiheit in den USA #DefendResearch

In den USA formiert sich zögerlich der Widerstand gegen die Eingriffe der US-Regierung in die Wissenschaftsfreiheit.

Als Reaktion auf die "alarmierende Einschränkung der akademischen Meinungs- und Forschungsfreiheit" haben eine Handvoll Wissenschaftler*innen die Declaration To Defend Research Against U.S. Government Censorship verfasst, die zur Unterschrift offen steht. Sie wendet sich an die Mitglieder der weltweiten wissenschaftlichen Kommunikationsökosysteme – Forscher, politische Entscheidungsträger, wissenschaftliche Gesellschaften, Bibliotheken, Hochschul- und Forschungseinrichtungen, Verleger, Geldgeber und andere.

Auf einer konservativen Website ist eine "DEI Watch List" online, die namentlich Wissenschaftler aös "Ziele" ("targets") aufführt, die sich gegen die DEI-Richtlinien von Trump & his Admins ausgesprochen haben, Black Lives Matter unterstützen oder einfach gendersensibel online das Pronomen benennen, mit dem sie angesprochen werden wollen. Zahlreiche Wissenschaftler sehen das als persönliche Bedrohung und Einschüchterung. 

u.a.:

Das sind Methoden der Mafia und autokratischer Systeme. 

 

Ein Artikel in der britischen medizinischen Zeitschrift theBMJ weißt darauf hin, dass die Trump-Administration von staatlich bediensteten Wissenschaftlern verlangt hat, Artikel zurückzuziehen, die nicht zu dem Trumpisten-Weltbild passen. Sie fordert die Herausgeber von Wissenschaftszeitschriften in der Medizin auf, sich dieser Einflußnahme zu widersetzen.


Links

Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Dienstag, 18. Februar 2025

Trumps Kampf gegen die Wissenschaft

vertiefte Info bei der Tagesschau:

Hier ist auch der Silencing Science Tracker verlinkt, der seit November 2016, also seit der ersten Wahl von Donald Trump die Versuche staatlicher Stellen verzeichnet, die Unabhängigkeit der Wissenschaft auszuhebeln. 


Links
Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Mittwoch, 12. Februar 2025

POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte

     POTUS Trump bei der Unterschrift der ersten Executive Orders
(Foto: The White House auf TwiX, PD v
ia WikimediaCommons)

Die Executive Order 14151 von POTUS Trump will "illegale und unmoralische Diskriminierungsprogramme" außer Kraft setzen, die sein Vorgänger Biden "in praktisch alle Aspekte der Bundesregierung von der Flugsicherheit bis zum Militär" in einer "konzertierten Anstrengung, " vom ersten Amtstag von Präsident Biden umgesetzte hätte. Trump verweist hier auf die Executive Order 13985  von Joe Biden, mit der dieser gegen Diskriminierung vorgehen wollte.

Trumps Anordnung beinhaltet die Anweisung, sämtliche Forschungsprojekte zu stoppen, die die Begriffe  "diversity, equity, inclusion, and accessibility (DEIA)" enthalten. Ebenfalls auf der Tabuliste steht zudem “environmental justice”.

Was ist das für eine Gesellschaft, in der Diversität, Gleichberechtigung, Inklusion und freier Zugang Feindbilder sind? Gleichförmigkeit, Autokratie, Ausgrenzung und Herrschaftswissen sind hier die Gegenpole,  Das sind Werte aus dunklen Zeiten.

In den verchiedenen executive Orders von POTUS Trump (Liste in der engl. wikipedia) ist generell viel von"restoring" die Rede, etwa von Restoring Freedom of Speech, Restoring the Death Penalty, Restoring Biological Truth , Restoring Accountability to Policy-Influencing oder Restoring Merit-Based Opportunity,Restoring Names That Honor American Greatness, wobei letzteres ebenfalls auf die DEIA.Aspekte zielt. Staatliche Institutionen dürfen nicht mehr mit Organisationen und Firmen kooperieren, die den der Fairness dienenden CEIA-Aspekte unterstützen. In Opfer-Täter-Umkehr werden CEIA-Kriterien als Diskriminierung gebrantdmarkt und Widerworte gegen Fake News und Verhetzung als Zensur gegen freie Rede verboten. 

 

Folgen

In den deutschen Medien finden sich viele Reportagen und Berichte über Wissenschaftler*innen, die in den USA arbeiten oder dort mit Partnern kooperieren. Die US-Wissenschaft erweist sich als hochgradig verunsichert und lebenswichtige Projekte, wie etwa in der HIV-Forschung stocken. Trump will gegen Genderforschung und Diversitätsinitiativen vorgehen, trifft damit aber auch Forschungen zu Krebserkrankungen, Alzheimer und Parkinson. Auch anderswo attackiert Trump medizinische Forschung und Gesundheitseinrichtungen, etwa durch den Austritt der USA aus der WHO, die radikale Kürzung von USAID oder den Mittelkürzungen des National Institutes for Health (NIH).
 
Mit den CEIA-Begriffen des POTUS Trump geht es ihm allerdings vorrangig wohl um die Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften.  Damit bietet er die beste Bestätigung für die These, dass Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften keineswegs, wie heute häufig (auch im aktuellen bundesdeutschen Wahlkampf) dargestellt wird, überflüssig sind. Sie sind ein wichtiges Element, um Demokratie zu sichern und Gleichförmigkeit, Autokratie, Ausgrenzung und Herrschaftswissen, unter denen alle Mitglieder der Gesellschaft - oder wenn man so will: aller Nationen - werden leiden müssen. 

Trumps Anti-Intellektualismus kennen wir schon aus seiner ersten Amtszeit, nur war er da völlig planlos, während er nun eine systematische Agenda hat.

Die Reaktionen?

2017: National Park Ranger Resist
(Graphik: MercenaryGraphics
[CC BY SA ND NC 3.0]
via MercenaryGraphics.deviantart.com)
In seiner ersten Amtszeit gab es 2017 rasch verschiedene Initiativen, mit denen Wissenschaftler*innen Widerstand leisteten. International kam es mit dem "March for Science" zu Demonstrationen für die Wissenschaft und gegen Fake News und die damaligen Einschnite in der Forschung. Widerstand gegen Trumps Anordnungen zeichnet sich diesmal (noch?) nicht ab. Mit einem Klima der Angst durch die Massenentlassungen im öffentlichen Dienst und bewusst vage Informationen hat er die meisten  Betroffenen in eine Starre ängstlichen Abwartens versetzt.

In vorauseilendem Gehorsam untersucht die National Science Foundation (NSF) ihre Projekte nicht nur auf die CEIA-Begriffe von POTUS Trump,, sondern hat weitere verdächtige Begriffe identifiziert: "Frauen", "Trauma", "vielfältig", "Institutionell" und "historisch".

 

Warum ist Geschichte für Trump gefährlich?

Eigentlich ist Trump Geschichte egal. Er erfindet sie, wie es ihm passt  Sehr plakativ sticht dafür das Denkmal zum River of Blood heraus - ein Denkmal, das Trump zwischen dem 14. und 15. Loch seines Golfplatzes hat setzen lassen, wo angeblich im Amerikanischen Bürgerkrieg eine Schlacht getobt haben soll. Es befindet ich immerhin auf seinem Privatgrund und die Öffentlichkeit ist dem Blödsinn nicht ausgesetzt.

Es geht hier aber um mehr als eine Plakette an einem Monument und auch nicht um die bescheuerte Trump'sche Geschichte der migrantischen Hunde- und Katzenfresser. Es geht um "America's Greatness", die mit dem Umgang mit den Indigenen, Sklaverei und Cuclux-Clan eben auch ihre unrühmlichen Seiten hat, mit denen sich der POTUS nicht auseinandersetzen will. Er braucht eine große nationale Geschichte, ohne die sein MEGA-Slogan keinen Sinn ergibt. Bei einer historischen Betrachtung zeigt sich, das Trumps "restoring" nicht etwa historische Verhältnisse einer guten alten Zeit restauriert, 

Die Art und Weise, wie POTUS Trump mit den staatlichen Bediensteten umgeht, sie verunsichert und die Qrt und Weise, wie Geschichte verklärt wird, sind beängstigende Kennzeichen totalitärer Regime.
 

Links
Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Der archäologische AdventsKIlender, Nachdenkliches

 

 

Adventskalender 2024
 

Ich habe den Adventskalender 2024 als AdventsKIlender gestaltet und dafür eine Auswahl von KI generierten Bildern verwendet, die mit einigen Prompts rund um die Archäologie entstanden sind. Meist generiert die KI in einem Durchlauf mehrere Bilder, die bei dem hier zumeist verwendeten Microsoft Designer stilistisch und von der Grundidee des Bildes einander sehr ähnlich sind. Jeder Durchlauf kreiert etwas andere Bilder., aber der Duktus ist erstaunlich einheitlich. Braun- und Gelbtöne dominieren die Bilder, das Setting ist ausgesprochen kolonialistisch und es dominieren Ägypten und Mesoamerika das Szenarium. Interssanterweise ist das Hightechbild der Archäologie, das in den Medien immer wieder auftritt in den Bildern noch nicht präsent. Das Büro im Landesdenkmalamt beispielsweise enthält zwar mehrere Globen, aber keinen Computer (Türchen 9; anders allerdings im Großraumbüro der Abt. Bodendenkmalpflege, die über Bildschirme verfügt (Türchen 10). Die Grabungsszenen zeigen erwartungsgemäß pinselnde Archäologen - wobei auch bei dem nicht gegenderten Prompt gleichermaßen Männer wie Frauen gezeigt werden.

Gegenüber ersten Tests mit KI-generierten Bildern vor etwa einem Jahr, wo häufig eklatante Fehler wie Hände mit sechs Fingern oder anatomisch unrealistischen Körperhaltungen  produziert wurden (Archaeologik 8.5.2023), ist die Bilanz bei den Bildern für den AdventsKIlender deutlich besser - sieht man mal von den berüsselten Neandertalern ab (Türchen 11).

Bei aller Spielerei sind die KI-Bilder sehr interessant, spiegeln sie doch die Quellen wieder, anhand derer die KI trainiert wurde und entlarvt so auch Klischees, die sich in der Gesellschaft und im digitalen Trainingsmaterial  finden.

Natürlich sind der KI Fachbegriffe wie ältere gelbe Drehscheibenware  (Türchen 12, vgl. Adventskalender 2023, Türchen 7) oder auch nur das klassische Pfostenloch Türchen  13) unbekannt. Es ist auch klar, dass KI in der vorliegenden Form unbrauchbar ist, um Rekonstruieren und Lebensbilder der Vergangenheit zeichnen zu lassen. Die Tätigkeiten in dem jungsteinzeitlichen Dorf (Türchen 14) sind nicht zu identifizieren, die Landschaft wird parkartig dargestellt. Ein Kennzeichen vieler Darstellungen ist es, dass viele Funde, meist Phantasieobjekte, schön nebeneinander drapiert ausliegen, egal ob auf der Grabungsfläche oder auf dem Schreibtisch.

Verschiedene Versuche mit einem Prompt wie archäologische Fundzeichnung o.ä. erbrachte nie eine Darstellung, die einer modernen zeichnerischen Dokumentation entspricht, sondern war eher von Fundpublikationen des 19. Jahrhunderts inspiriert (Türchen 12). 

Diese KI-Versuche waren nun keine systematische wissenschaftliche Untersuchung, ich habe auch nicht verschiedene Bild-KIs genutzt, erst recht keine professionellen. Insofern könnten durchaus qualitativ bessere Ergebnisse zu erzielen sein. Das Bild hinter Türchen 17 habe ich einer  facebook-Gruppe Ancient Civilisations and Archaeology  entnommen, die aktuell hin und wieder KI-fakes verbreitet und diese als echt ausgibt. Für den Laien ist das häufig nicht mehr leicht zu  erkennen.

So war der AdventsKIlender zumindest für mich recht vergnüglich, aber leider zeigt er auch einige Schwächen in der Wissenschaftskommunikation aus: 1.) einen geringen Anteil seriöser Archäologie im KI-Trainingspool und 2.) die  Gefahr ,die der seriösen Forschung  und deren Glaubwürdigkeit durch „Skeptiker“ und durch Parawissenschaften droht.



Donnerstag, 19. Dezember 2024

Die Schlächter der Archäologie

Das Archaeological Department der Universität Sheffield wurde zum Ende des Akademischen Jahres 2023/24 geschlossen. Die Website des Departments ist nun tot: https://www.sheffield.ac.uk/hpdh

Die Universität stellt es so dar, dass es weiterhin Archäologie gäbe, sie sei nur anders organisiert. Tatsächlich gibt es nun Archäologie in der School of History, Philosophy and Digital Humanities und in der School of Biosciences. Unter https://www.sheffield.ac.uk/hpdh/research/archaeology findet man "archaeological research", aber die Archäolog*innen sind als History emeritus colleagues  gelistet, die nicht mehr im Dienst sind. Als aktives Personal scheinen nur noch Hugh Willmott und als einziger Professor Bob Johnston gelistet zu sein. Ehemalige Department-Mitglieder, die nun der School of Biosciences zugeordnet sind, wurden bis zur Schließung des Departments völlig im Unklaren gelassen, was mit ihrem Labor geschieht und wie sie eigentlich noch in die Lehre eingebunden seien. Auf der facebook-Gruppe Save Sheffield Archaeology wird deutlich, dass die Schließung im Chaos verlaufen ist. 

Im Podcast  WatchingBrief schildert Umberto Albarello über die strukturellen Probleme der Universität Sheffield - aber auch darüber hinaus.

Die Schließung der Archäologie wurde im Sommer 2021 von der Universitätsleitung aus heiterem Himmel beschlossen - obwohl das Institut zu den renommiertesten im Fach zählt. Sinkende Drittmitteleinwerbungen hängen auch damit zusammen, dass bereits beginnen in den 2000er Jahren die Universität das Personal um mehr als die Hälfte gekürzt hatte. Eine Dokumentation zu dem Widerstand gegen die Schließung des Departments of Archaeology an der Universität Sheffield.

Die Petition gegen die Schließung hat übrigens 42.000 Unterstützer gefunden. Der Protest war international:

Durch das Agieren der Universitätsleitung, die in Folge der Gaza-Krise externe Sicherheitsdienste für fast 250.000 £ gegen protestierende Studierende und Mitarbeiter eingesetzt hat, zugleich aber Mitarbeiter um Gehaltsverzicht gebeten hat, hat die Universitätsleitung keinerlei Vertrauen mehr hat, weder von Mitarbeitern noch von Studierenden. Das zeigt jedenfalls eine von den Universitäts-Gewerkschaften durchgeführte Abstimmung.

Die Schließung des Archäologie-Departments hat die Universität nicht nur in ihrem internationalen Ansehen, sondern auch im Internen schwer beschädigt. In der Folge sind die Studierenden-Zahlen und die Leistungen der Universität so zurück gegangen, dass die Universität Sheffield ihre Listung unter den Top100-Universitäten der Welt verloren hat.

Am schlimmsten war jedoch der Schaden für die Reputation. Die Universität Sheffield ist heute weltweit als die Institution bekannt, die sich so absurd verhalten hat, dass sie einen ihrer bekanntesten und beliebtesten Fachbereiche geschlossen hat. Damit ist sie zum Inbegriff der unternehmerischen und neoliberalen Mentalität geworden, die den akademischen Bereich zu einem so toxischen Arbeitsplatz gemacht hat. Die Universitätsleitung, insbesondere diejenigen, die die Entscheidung zu verantworten haben (der Leiter der Fakultät für Geisteswissenschaften, der frühere stellvertretende Vizekanzler und der Vizepräsident selbst), sowie der Universitätsrat werden für immer als die „Schlächter der Archäologie“ in Erinnerung bleiben.

Der Ansatz, den die Universitätsleitung in die Diskussionen um die Zukunft der Archäologie in Sheffield eingebracht hat, ist typisch für die verkommene Managementkultur, die die Institution in ihren derzeitigen Zustand gebracht hat. Erstickende Kontrolle über Verfahren und Entscheidungsstrukturen, beiseite geschobene oder manipulierte Beweise, um zu den „richtigen“ Schlussfolgerungen zu gelangen, Engstirnigkeit und Gruppendenken, Scheinkonsultationen über vollendete Tatsachen und eine Abkopplung von der Universitätsgemeinschaft als Ganzes." (The closure of Archaeology)

Angesichts sinkender Studierendenzahlen werden Umstrukturierungen an den Universitäten sicherlich nötig werden, aber das sollte mit Strategie, nicht einfach mit Rotstift passieren. In Deutschland werden zwar zwischen den Ministerien und den Universitäten meist mehrjährige Finanzierungen, oft verbunden mit Zielvereinbarungen, geschlossen, daneben stellen aber kurzfristig ausgeschriebene Sonderprogramme, die meist einen hohen finanziellen Eigenanteil der Universitäten einfordern und oft mit kaum kalkulierbaren Folgekosten verbunden sind.  Der Politik dienen diese Mittel nur dazu, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man bestimmte Felder auch fördert. Nachhaltig ist das nicht... 

Vor allem aber geht das immer zu Lasten der Geistes- und Kulturwissenschaften, die vermeintlich  nur Geld kosten aber nichts produzieren. - Jedenfalls wenn man vergisst, dass unsere Gegenwart auf der Vergangenheit und auf Wissenschaft aufbaut.

Links

Montag, 11. November 2024

Schäbige Archäologie! Eine Raubgrabung der besonderen Art

Miss Jones aka Geesche Wilts investigativ:

 

Das Schatzhaus von Petra
(Foto: Bernard Gagno,
CC BY SA 3.0

via WikimediaCommons)

Da kommt ein britisch-amerikanisches Team (Richard Bates, St. Andrew University; Josh Gates, Pearce Paul Creasman), nimmt die Schutzplanen von einer vor bald 20 Jahren eingemotteten Grabung und tut so, als seien sie die Entdecker.  Der echte Ausgräber, der Jordanier Suleiman Farajat hat am 19.10.2024 via facebook auf diese besondere Form der Raubgrabung hingewiesen..

Alles schön für die Kamera vom Discovery Channel, kurz vor Ausstrahlung der neuen Folge. 

Ach ja, der Heilige Gral des Indiana Jones wird allen Ernstes auch noch gefunden.

 - Schäbig, kolonialistisch, unverantwortlich und zum Schaden der Wissenschaft und des Anstands.


 

 (ich empfehle die automatische Übersetzung...)

 Links 

In Deutschland sind auf diesen Schmu reingefallen:

Österreich und die Schweiz halten mit:

 

Dienstag, 16. April 2024

Zusammenschmeißen und Sparen: diesmal Goethe-Uni in Frankfurt

Wie viele Unis muss auch die Goethe-Universität Frankfurt sparen. Und iwieder trifft es die Geistes- und Kulturwissenschaften. Geplant sind vom Fachbereich Streichungen, Kürzungen und Umstrukturierungsmaßnahmen im Fachbereich 09 Sprach- und Kulturwissenschaften, hauptsächlich die Institute Afrikanistik, Archäologische Wissenschaften, Empirische Sprachwissenschaft, Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Ostasiatische Philologien betreffen.


 

In der Archäologie sollen die Professuren für klassische Archäologie und für die Archäologie der Römischen Professuren künftig in einer Professur zusammengelegt werden. Ebenso sollen die Professuren für Latinistik und Gräzistik verbunden werden. Für die Außenstehenden ist die Archäologie Archäologie und die einzelnen Fächer sind nur Spielarten ein und derselben Wissenschaft. Dass man bereits in den letzten Jahrzehnten unter dem Zwang der Einführung neuer Bachelorstudiengänge dazu gezwingen war, verschiedene Fächer in gemeinsame Studiengänge zusammen zu fassen, begünstig diese Sicht. Für die Absolventinnen* dieser Studiengänge muss das nicht schlecht sein, aber für die disziplinspezifischen Inhalte bleibt weniger Zeit und hier ist bereits ein Verlust an Material-/ Quellenkenntnis und spezifischer Kompetenz zu verzeichnen.

Weiterhin soll die Professur in der Ur- und Frühgeschichte herabgestuft werden, was bedeutet, dass Sie keine Personalverantwortung mehr hat und damit auch die angegliederten Arbeitsstellen   mittelfristig nicht fortgeführt werden sollen.

Wie bei solchen Streichbeschlüssen üblich, beklagen sich auch hier die betroffenen Fächer über eine Intransparenz des Verfahrens. Die betreffenden Gremien der Fachbereiche bzw. Fakultäten sind zwar i.R. aus der Professorenschaft gewählt, vertreten aber nicht die Breite der Fächer. Die aktuell nicht in den Gremien vertretenen Fächer mögen sich hier vielfach schon von vorn herein in einer schwächeren Position befinden. Vor allem aber überblicken die Gremien in der Regel nicht die Fachkulturen der betroffenen Fächer. In den archäologischen Wissenschaften werden hier regelmäßig die höchst unterschiedlichen Forschungstraditionen - die sich auch in den Fragestellungen und Methoden niederschlagen - übersehen.  Die Ausbildung eierlegender Wollmilchsäue lässt vielerorts Klagen aufkommen, dass Abolventinnen wichtige Kenntnisse fehlen und führt dazu, dass spezielles Wissen in den kleinen Fächern verloren geht. Es ergibt sich das Risiko, das manche Fächer gar nicht mehr angeboten werden.

Die Art und Weise, wie an den Universitäten über Einsparungen und Ausbau von Fächern entschieden wird,  folgt mehr den Sparzwängen und Förderprogrammen der Politik als einer langfristigen Strategie der Fächerentwicklung. Dabei kommt es unter anderem zu der skurrilen Situation, dass in Sachsen grundlegende archäologische Disziplinen in Leipzig gestrichen werden, dafür aber in Dresden (wo es sonst keine Archäologie gibt) nun ein Master "Computer and Geoscience in Archaeology" angeboten wird, dessen Studienplan nur Methoden kennt, aber keine Fragestellungen und Quellenkenntnis. Derartige moderne Studiengänge können die grundlegende disziplinäre Ausbildung in Quellen und Fragestellungen nicht ersetzen. Pikanterweise ist daher die Zulassungsvoraussetzung zum neuen Dresdner Masterstudiengang u.a. ein BA-Abschluß in einer archäologischen Fachdisziplin - aufgeführt werden: Ägyptologie, Altamerikanistik, Archäologie des Mittelalters oder Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Christliche Archäologie, Klassische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie, Prähistorische Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie - während ein disziplinenübergreifender BA Archäologische Wissenschaften nach der Studienordnung eine spezielle Anerkennung durch den Prüfungsausschuß bedarf. Man wird mittel- bis langfristig über eine Neustrukturierung der Disziplinengrenzen nachdenken müssen - und da darf beispielsweise auch eine Verschmelzung der Archäologie der römischen Provinzen und der klassischen Archäologie kein generelles Tabu sein, aber das muss langfristig konzipiert sein und aus den Fächern heraus geschehen und kann nicht nach den zufällig im Fachbereich zu verteilenden (oder eben nicht zu verteilenden) Mitteln passieren.

Dass an den Universitäten gespart wird, ist keine ganz neue Entwicklung, viele öffentlichkeitswirksame Großinitiativen überdecken die Probleme eher, als dass sie einen Lösungsansatz bieten. Dabei werden an die Universitäten immer mehr quantitative Leistungsindikatoren angelegt, die Studierendenzahlen und Transfer (in der Praxis = wirtschaftlich nutzbare Entwicklung) in den Mittelpunkt stellen und damit die Geisteswissenschaften unter Druck setzen, die mit einer Vielzahl eher kleiner Fächer und einem geringeren Nutzungspotential hier nur wenig Punkte liefern. Dabei sind gerade dann, wenn Friede und Demokratie unter Druck geraten, und Populisten mit angeblich "gesunden Menschenverstandes" einfache Lösungen versprechen, wichtiger denn je. Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften können Einordnung bieten und manche populistische Parole als das entlarven was sie ist: Lüge, Geschichtsfälschung und Direktverbindung in den Abgrund.


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Parallel noch eine Petition speziell bezogen auf die Latinistik:

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