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Mittwoch, 30. April 2025

100 Tage Don. Trump: US-Wissenschaft ist abgetaucht

 

via WikimediaCommons


Nicht mal 100 Tage nach seinem Amtsantritt hat Don Trump die Welt systematisch mit Verunsicherung und Tabubrüchen überzogen. Wenig sicher Geglaubtes  hat noch Gültigkeit. Systematisch wird die Axt an Demokratie, sozialer Empathie und Wissenschaft zugunsten von Profit und Egoismus gelegt - und eine Opposition ist kaum erkennbar.

Die massiven Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit werden weitgehend hingenommen. Zwar zieht die Harvard University gegen die Finanzkürzungen vor Gericht, andere Universitäten sind aber gegenüber Trumps Forderungen eingeknickt und haben die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit hintenangestellt.

Vordergründig geht es um die propalästinensischen Demonstrationen Studierender, tatsächlich verlangt die Trump-Regierung ein Mitbestimmungsrecht bei der Zulassung von Studierenden, bei der Berufung der Professoren und in der Auswahl der Forschungsthemen. Der Regierung unangenehme Themen sollen nicht mehr thematisiert werden. Dazu zählt auch eine seriösen Geschichtsforschung - der Begriff "cultural heritage" steht auf der Liste unerwünschter Themen und Worte, stört sie doch das konstruierte Eigenbild der MAGA-Bewegung.

Der Aufschrei jält sich auffallend in Grenzen. 1000 Demonstranten in Washington Anfang März unter dem Motto "Stand Up for Science" sind keineswegs viel, auch wenn es auch in anderen Städten Demos gab. Der March for Science im April 2017 hatte allein Washington 100.000 Teilnehmer. (lt. wikipedia) Damals war die Situation bei weitem nicht so ernst  Eine Initiative unter dem Label #DefendResearch hat am 15. Februar eine Erklärung veröffentlicht und sammelt international Unterstützer. Unter den 100 Institutionen sind nur wenige bemerkenswerte einflussreiche Gesellschaften. Nicht mal 5000 Unterschriften nach rund zwei Monaten sind ebenfalls keine beeindruckende Marke.

Dabei stehen die Chancen besser denn je, Protest zu organisieren und auszudrücken. Es gibt sogar wissenschaftliche Untersuchungen zum Wissenschaftsprotest, die immerhin auf Erfahrungen aus Trumo I aufbauen können (Fisher 2019).

Anscheinend geht das Kalkül der Verunsicherung und berechneten Unberechenbarkeit auf: Es herrscht bereits eine Atmosphäre der Verängstigung über die Sicherheit der eigenen Lebensmodelle und dubiose Deals erscheinen als die bessere Überlebensstrategie. Forscher an einer Universität arbeitet, sprach von einer in 30 Jahren Karriere "nie dagewesenen" Situation. Sein Arbeitgeber habe Angestellte angewiesen, sich mit öffentlicher Kritik an den Sparplänen zurückzuhalten - aus Furcht davor, die Bundesregierung könnte als Vergeltung Mittel kürzen. So zitiert der Stern (hier) einen US-Forscher, seine Universität habe aus Furcht vor einer Vergeltung mit weiteren Mittelkürzungen Angestellte angewiesen, sich mit öffentlicher Kritik an Trumps Sparplänen zurückzuhalten. Auch die Präsidentin der National Academy of Sciences Marcia McNutt spricht sich gegen starke Positionierungen aus (), denn diese hätten das große Risiko, dass sie andere, erfolgversprechendere Zugänge verhindere und langfristig zu schlimmeren Entscheidungen führe (hier). Angestellte der Environmental Protection Agency (EPA), die in der Mittagspause an einer Demonstration gegen die Mittelkürzungen teilgenommen hatten, erhielten per eMail die Information, dass ihre Gebäudezugangstransponder künftig getrackt würden (hier).

International - und eben auch in den deutschen Medien - findet das Thema ebenfalls wenig Aufmerksamkeit, da sich diese ganz dem Chaos widmet, das Trump mit seinen Zöllen und seiner Pro-Putin-Politik anrichtet. Es geht hier nicht mehr allein um die Freiheit der Wissenschaft, sondern angesichts der Methoden, die hier im Einsatz sind, geht es um Gleichschaltung und Unterbindung der Meinungsfreiheit und des Demonstrationsrechts.


Literatur

  • Fisher 2019: D. R. Fisher (Hrsg.), American resistance. From the Women's March to the blue wave (New York 2019).






Sonntag, 9. März 2025

#StandUpForScience

Die Schockstarre scheint langsam überwunden. Endlich werden Stimmen laut, die sich gegen die wahnsinnige Zerschlagung der Wissenschaftsstrukturenbin den USA wenden.

Trumps Taktik, Chaos zu veranstalten und  - offensichtlich illegal - terrorartig Gelder zu kürzen und Angestellte zu entlassen, dient  der Einschüchterung und Überrumpelung. Bislang war sie erfolgreich. Ob Gerichte etwas wirkungsvoll unternehmen werden, wird zu sehen sein.


(Symbolbild, KI-generiert mit ideogram.ai)

Am 7. März kam es in vielen Städten der USA, allen voran in Washington DC zu Demonstrationen gegen die systematische Wissenschaftszerschlagung von Trump & Musk, die selbst auf lebensrettende Medizin losgehen, aber prinzipiell alle kritische Stimmen gegen ihr beschränktes Weltbild dominieren möchten.

Zwei Folgen im Podcast des Deutschlandfunk berichten über die aktuelle Situation der Wissenschaft unter POTUS Trump in den USA:

Die zentrale Demonstrationen von StandUpForScience fand in Washington vor dem ;incoln Monument statt, in zahlreichen weiteren Städten der USA gab es ebenfalls Demonstrationen, auch in Kanada, Frankreich und Österrreich (Wien und Salzburg). Die jetzigen Demos sollen erst der Anfang sein, denen es um die Wiederherstellung der staatlichen Wissenschaftsförderung und Wissenschaftsfreiheit geht, die Wiedereinstellung der willkürlich Gefeuerten und die Erneuerung der Bedeutung von Gleichheit, gleichberechtigter Teilhabe und der allgemeinen Verfügbarkeit in der Wíssenschaft. 

Ob die Proteste direkt etwas bewirken, scheint fraglich, denn Trump & his Admins sind schon Menschen egal - sie nehmen Kranken die Hoffnung, liefern in der Ukraine Zivilisten den russischen Angriffen aus, indem sie nun auch keine Fernerkundungsdaten mehr zur Verfügung stellen, die zur Raketenabwehr nötig sind oder im Gaza-Streifen Vertreibungen vorschlagen. Trump wird wegen Protesten also sicher nicht zurückrudern und eher als gekränkter Egomane aus Rache neue Schikanen ersinnen. Wichtig an den Protesten ist aber, dass seine Strategie nicht aufgeht, die Gesellschaft gleichzuschalten und die kritische Wissenschaft als Kontrollinstanz für frei erfundene schwachsinnige Behauptungen auszuschalten.

Moderne Wissenschaft lebt vom internationalen Austausch. Und Wissenschaft ist nicht nur in den USA von politisch motivierter Wissenschaftsfeindlichkeit betroffen. Unliebsame Themen möchte so manche rechts-konservative Partei regulieren. Ungarn war hier auf dem Blog schon Thema, aber man muss dazu nicht ins Ausland schauen. Unter dem Deckmantel der Wiederherstellung von Meinung-, Rede- und Wissenschaftsfreiheit sollen vermeintlich politische Themen wie die Frage non-binärer Geschlechtlichkeiten oder des Klimawandels nicht mehr beforscht werden. Vielmehr soll so getan werden, als gäbe es das alles nicht. Deshalb ist hier auch internationale Solidarität gefragt. Frankreich und Österreich sind schon dabei...


Links

 Interne Links

:

Donnerstag, 27. Februar 2025

Forschungsfreiheit in den USA #DefendResearch

In den USA formiert sich zögerlich der Widerstand gegen die Eingriffe der US-Regierung in die Wissenschaftsfreiheit.

Als Reaktion auf die "alarmierende Einschränkung der akademischen Meinungs- und Forschungsfreiheit" haben eine Handvoll Wissenschaftler*innen die Declaration To Defend Research Against U.S. Government Censorship verfasst, die zur Unterschrift offen steht. Sie wendet sich an die Mitglieder der weltweiten wissenschaftlichen Kommunikationsökosysteme – Forscher, politische Entscheidungsträger, wissenschaftliche Gesellschaften, Bibliotheken, Hochschul- und Forschungseinrichtungen, Verleger, Geldgeber und andere.

Auf einer konservativen Website ist eine "DEI Watch List" online, die namentlich Wissenschaftler aös "Ziele" ("targets") aufführt, die sich gegen die DEI-Richtlinien von Trump & his Admins ausgesprochen haben, Black Lives Matter unterstützen oder einfach gendersensibel online das Pronomen benennen, mit dem sie angesprochen werden wollen. Zahlreiche Wissenschaftler sehen das als persönliche Bedrohung und Einschüchterung. 

u.a.:

Das sind Methoden der Mafia und autokratischer Systeme. 

 

Ein Artikel in der britischen medizinischen Zeitschrift theBMJ weißt darauf hin, dass die Trump-Administration von staatlich bediensteten Wissenschaftlern verlangt hat, Artikel zurückzuziehen, die nicht zu dem Trumpisten-Weltbild passen. Sie fordert die Herausgeber von Wissenschaftszeitschriften in der Medizin auf, sich dieser Einflußnahme zu widersetzen.


Links

Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Dienstag, 18. Februar 2025

Trumps Kampf gegen die Wissenschaft

vertiefte Info bei der Tagesschau:

Hier ist auch der Silencing Science Tracker verlinkt, der seit November 2016, also seit der ersten Wahl von Donald Trump die Versuche staatlicher Stellen verzeichnet, die Unabhängigkeit der Wissenschaft auszuhebeln. 


Links
Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Mittwoch, 12. Februar 2025

POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte

     POTUS Trump bei der Unterschrift der ersten Executive Orders
(Foto: The White House auf TwiX, PD v
ia WikimediaCommons)

Die Executive Order 14151 von POTUS Trump will "illegale und unmoralische Diskriminierungsprogramme" außer Kraft setzen, die sein Vorgänger Biden "in praktisch alle Aspekte der Bundesregierung von der Flugsicherheit bis zum Militär" in einer "konzertierten Anstrengung, " vom ersten Amtstag von Präsident Biden umgesetzte hätte. Trump verweist hier auf die Executive Order 13985  von Joe Biden, mit der dieser gegen Diskriminierung vorgehen wollte.

Trumps Anordnung beinhaltet die Anweisung, sämtliche Forschungsprojekte zu stoppen, die die Begriffe  "diversity, equity, inclusion, and accessibility (DEIA)" enthalten. Ebenfalls auf der Tabuliste steht zudem “environmental justice”.

Was ist das für eine Gesellschaft, in der Diversität, Gleichberechtigung, Inklusion und freier Zugang Feindbilder sind? Gleichförmigkeit, Autokratie, Ausgrenzung und Herrschaftswissen sind hier die Gegenpole,  Das sind Werte aus dunklen Zeiten.

In den verchiedenen executive Orders von POTUS Trump (Liste in der engl. wikipedia) ist generell viel von"restoring" die Rede, etwa von Restoring Freedom of Speech, Restoring the Death Penalty, Restoring Biological Truth , Restoring Accountability to Policy-Influencing oder Restoring Merit-Based Opportunity,Restoring Names That Honor American Greatness, wobei letzteres ebenfalls auf die DEIA.Aspekte zielt. Staatliche Institutionen dürfen nicht mehr mit Organisationen und Firmen kooperieren, die den der Fairness dienenden CEIA-Aspekte unterstützen. In Opfer-Täter-Umkehr werden CEIA-Kriterien als Diskriminierung gebrantdmarkt und Widerworte gegen Fake News und Verhetzung als Zensur gegen freie Rede verboten. 

 

Folgen

In den deutschen Medien finden sich viele Reportagen und Berichte über Wissenschaftler*innen, die in den USA arbeiten oder dort mit Partnern kooperieren. Die US-Wissenschaft erweist sich als hochgradig verunsichert und lebenswichtige Projekte, wie etwa in der HIV-Forschung stocken. Trump will gegen Genderforschung und Diversitätsinitiativen vorgehen, trifft damit aber auch Forschungen zu Krebserkrankungen, Alzheimer und Parkinson. Auch anderswo attackiert Trump medizinische Forschung und Gesundheitseinrichtungen, etwa durch den Austritt der USA aus der WHO, die radikale Kürzung von USAID oder den Mittelkürzungen des National Institutes for Health (NIH).
 
Mit den CEIA-Begriffen des POTUS Trump geht es ihm allerdings vorrangig wohl um die Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften.  Damit bietet er die beste Bestätigung für die These, dass Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften keineswegs, wie heute häufig (auch im aktuellen bundesdeutschen Wahlkampf) dargestellt wird, überflüssig sind. Sie sind ein wichtiges Element, um Demokratie zu sichern und Gleichförmigkeit, Autokratie, Ausgrenzung und Herrschaftswissen, unter denen alle Mitglieder der Gesellschaft - oder wenn man so will: aller Nationen - werden leiden müssen. 

Trumps Anti-Intellektualismus kennen wir schon aus seiner ersten Amtszeit, nur war er da völlig planlos, während er nun eine systematische Agenda hat.

Die Reaktionen?

2017: National Park Ranger Resist
(Graphik: MercenaryGraphics
[CC BY SA ND NC 3.0]
via MercenaryGraphics.deviantart.com)
In seiner ersten Amtszeit gab es 2017 rasch verschiedene Initiativen, mit denen Wissenschaftler*innen Widerstand leisteten. International kam es mit dem "March for Science" zu Demonstrationen für die Wissenschaft und gegen Fake News und die damaligen Einschnite in der Forschung. Widerstand gegen Trumps Anordnungen zeichnet sich diesmal (noch?) nicht ab. Mit einem Klima der Angst durch die Massenentlassungen im öffentlichen Dienst und bewusst vage Informationen hat er die meisten  Betroffenen in eine Starre ängstlichen Abwartens versetzt.

In vorauseilendem Gehorsam untersucht die National Science Foundation (NSF) ihre Projekte nicht nur auf die CEIA-Begriffe von POTUS Trump,, sondern hat weitere verdächtige Begriffe identifiziert: "Frauen", "Trauma", "vielfältig", "Institutionell" und "historisch".

 

Warum ist Geschichte für Trump gefährlich?

Eigentlich ist Trump Geschichte egal. Er erfindet sie, wie es ihm passt  Sehr plakativ sticht dafür das Denkmal zum River of Blood heraus - ein Denkmal, das Trump zwischen dem 14. und 15. Loch seines Golfplatzes hat setzen lassen, wo angeblich im Amerikanischen Bürgerkrieg eine Schlacht getobt haben soll. Es befindet ich immerhin auf seinem Privatgrund und die Öffentlichkeit ist dem Blödsinn nicht ausgesetzt.

Es geht hier aber um mehr als eine Plakette an einem Monument und auch nicht um die bescheuerte Trump'sche Geschichte der migrantischen Hunde- und Katzenfresser. Es geht um "America's Greatness", die mit dem Umgang mit den Indigenen, Sklaverei und Cuclux-Clan eben auch ihre unrühmlichen Seiten hat, mit denen sich der POTUS nicht auseinandersetzen will. Er braucht eine große nationale Geschichte, ohne die sein MEGA-Slogan keinen Sinn ergibt. Bei einer historischen Betrachtung zeigt sich, das Trumps "restoring" nicht etwa historische Verhältnisse einer guten alten Zeit restauriert, 

Die Art und Weise, wie POTUS Trump mit den staatlichen Bediensteten umgeht, sie verunsichert und die Qrt und Weise, wie Geschichte verklärt wird, sind beängstigende Kennzeichen totalitärer Regime.
 

Links
Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)


 

Mittwoch, 25. Dezember 2024

Der archäologische AdventsKIlender, Nachdenkliches

 

 

Adventskalender 2024
 

Ich habe den Adventskalender 2024 als AdventsKIlender gestaltet und dafür eine Auswahl von KI generierten Bildern verwendet, die mit einigen Prompts rund um die Archäologie entstanden sind. Meist generiert die KI in einem Durchlauf mehrere Bilder, die bei dem hier zumeist verwendeten Microsoft Designer stilistisch und von der Grundidee des Bildes einander sehr ähnlich sind. Jeder Durchlauf kreiert etwas andere Bilder., aber der Duktus ist erstaunlich einheitlich. Braun- und Gelbtöne dominieren die Bilder, das Setting ist ausgesprochen kolonialistisch und es dominieren Ägypten und Mesoamerika das Szenarium. Interssanterweise ist das Hightechbild der Archäologie, das in den Medien immer wieder auftritt in den Bildern noch nicht präsent. Das Büro im Landesdenkmalamt beispielsweise enthält zwar mehrere Globen, aber keinen Computer (Türchen 9; anders allerdings im Großraumbüro der Abt. Bodendenkmalpflege, die über Bildschirme verfügt (Türchen 10). Die Grabungsszenen zeigen erwartungsgemäß pinselnde Archäologen - wobei auch bei dem nicht gegenderten Prompt gleichermaßen Männer wie Frauen gezeigt werden.

Gegenüber ersten Tests mit KI-generierten Bildern vor etwa einem Jahr, wo häufig eklatante Fehler wie Hände mit sechs Fingern oder anatomisch unrealistischen Körperhaltungen  produziert wurden (Archaeologik 8.5.2023), ist die Bilanz bei den Bildern für den AdventsKIlender deutlich besser - sieht man mal von den berüsselten Neandertalern ab (Türchen 11).

Bei aller Spielerei sind die KI-Bilder sehr interessant, spiegeln sie doch die Quellen wieder, anhand derer die KI trainiert wurde und entlarvt so auch Klischees, die sich in der Gesellschaft und im digitalen Trainingsmaterial  finden.

Natürlich sind der KI Fachbegriffe wie ältere gelbe Drehscheibenware  (Türchen 12, vgl. Adventskalender 2023, Türchen 7) oder auch nur das klassische Pfostenloch Türchen  13) unbekannt. Es ist auch klar, dass KI in der vorliegenden Form unbrauchbar ist, um Rekonstruieren und Lebensbilder der Vergangenheit zeichnen zu lassen. Die Tätigkeiten in dem jungsteinzeitlichen Dorf (Türchen 14) sind nicht zu identifizieren, die Landschaft wird parkartig dargestellt. Ein Kennzeichen vieler Darstellungen ist es, dass viele Funde, meist Phantasieobjekte, schön nebeneinander drapiert ausliegen, egal ob auf der Grabungsfläche oder auf dem Schreibtisch.

Verschiedene Versuche mit einem Prompt wie archäologische Fundzeichnung o.ä. erbrachte nie eine Darstellung, die einer modernen zeichnerischen Dokumentation entspricht, sondern war eher von Fundpublikationen des 19. Jahrhunderts inspiriert (Türchen 12). 

Diese KI-Versuche waren nun keine systematische wissenschaftliche Untersuchung, ich habe auch nicht verschiedene Bild-KIs genutzt, erst recht keine professionellen. Insofern könnten durchaus qualitativ bessere Ergebnisse zu erzielen sein. Das Bild hinter Türchen 17 habe ich einer  facebook-Gruppe Ancient Civilisations and Archaeology  entnommen, die aktuell hin und wieder KI-fakes verbreitet und diese als echt ausgibt. Für den Laien ist das häufig nicht mehr leicht zu  erkennen.

So war der AdventsKIlender zumindest für mich recht vergnüglich, aber leider zeigt er auch einige Schwächen in der Wissenschaftskommunikation aus: 1.) einen geringen Anteil seriöser Archäologie im KI-Trainingspool und 2.) die  Gefahr ,die der seriösen Forschung  und deren Glaubwürdigkeit durch „Skeptiker“ und durch Parawissenschaften droht.



Donnerstag, 19. Dezember 2024

Die Schlächter der Archäologie

Das Archaeological Department der Universität Sheffield wurde zum Ende des Akademischen Jahres 2023/24 geschlossen. Die Website des Departments ist nun tot: https://www.sheffield.ac.uk/hpdh

Die Universität stellt es so dar, dass es weiterhin Archäologie gäbe, sie sei nur anders organisiert. Tatsächlich gibt es nun Archäologie in der School of History, Philosophy and Digital Humanities und in der School of Biosciences. Unter https://www.sheffield.ac.uk/hpdh/research/archaeology findet man "archaeological research", aber die Archäolog*innen sind als History emeritus colleagues  gelistet, die nicht mehr im Dienst sind. Als aktives Personal scheinen nur noch Hugh Willmott und als einziger Professor Bob Johnston gelistet zu sein. Ehemalige Department-Mitglieder, die nun der School of Biosciences zugeordnet sind, wurden bis zur Schließung des Departments völlig im Unklaren gelassen, was mit ihrem Labor geschieht und wie sie eigentlich noch in die Lehre eingebunden seien. Auf der facebook-Gruppe Save Sheffield Archaeology wird deutlich, dass die Schließung im Chaos verlaufen ist. 

Im Podcast  WatchingBrief schildert Umberto Albarello über die strukturellen Probleme der Universität Sheffield - aber auch darüber hinaus.

Die Schließung der Archäologie wurde im Sommer 2021 von der Universitätsleitung aus heiterem Himmel beschlossen - obwohl das Institut zu den renommiertesten im Fach zählt. Sinkende Drittmitteleinwerbungen hängen auch damit zusammen, dass bereits beginnen in den 2000er Jahren die Universität das Personal um mehr als die Hälfte gekürzt hatte. Eine Dokumentation zu dem Widerstand gegen die Schließung des Departments of Archaeology an der Universität Sheffield.

Die Petition gegen die Schließung hat übrigens 42.000 Unterstützer gefunden. Der Protest war international:

Durch das Agieren der Universitätsleitung, die in Folge der Gaza-Krise externe Sicherheitsdienste für fast 250.000 £ gegen protestierende Studierende und Mitarbeiter eingesetzt hat, zugleich aber Mitarbeiter um Gehaltsverzicht gebeten hat, hat die Universitätsleitung keinerlei Vertrauen mehr hat, weder von Mitarbeitern noch von Studierenden. Das zeigt jedenfalls eine von den Universitäts-Gewerkschaften durchgeführte Abstimmung.

Die Schließung des Archäologie-Departments hat die Universität nicht nur in ihrem internationalen Ansehen, sondern auch im Internen schwer beschädigt. In der Folge sind die Studierenden-Zahlen und die Leistungen der Universität so zurück gegangen, dass die Universität Sheffield ihre Listung unter den Top100-Universitäten der Welt verloren hat.

Am schlimmsten war jedoch der Schaden für die Reputation. Die Universität Sheffield ist heute weltweit als die Institution bekannt, die sich so absurd verhalten hat, dass sie einen ihrer bekanntesten und beliebtesten Fachbereiche geschlossen hat. Damit ist sie zum Inbegriff der unternehmerischen und neoliberalen Mentalität geworden, die den akademischen Bereich zu einem so toxischen Arbeitsplatz gemacht hat. Die Universitätsleitung, insbesondere diejenigen, die die Entscheidung zu verantworten haben (der Leiter der Fakultät für Geisteswissenschaften, der frühere stellvertretende Vizekanzler und der Vizepräsident selbst), sowie der Universitätsrat werden für immer als die „Schlächter der Archäologie“ in Erinnerung bleiben.

Der Ansatz, den die Universitätsleitung in die Diskussionen um die Zukunft der Archäologie in Sheffield eingebracht hat, ist typisch für die verkommene Managementkultur, die die Institution in ihren derzeitigen Zustand gebracht hat. Erstickende Kontrolle über Verfahren und Entscheidungsstrukturen, beiseite geschobene oder manipulierte Beweise, um zu den „richtigen“ Schlussfolgerungen zu gelangen, Engstirnigkeit und Gruppendenken, Scheinkonsultationen über vollendete Tatsachen und eine Abkopplung von der Universitätsgemeinschaft als Ganzes." (The closure of Archaeology)

Angesichts sinkender Studierendenzahlen werden Umstrukturierungen an den Universitäten sicherlich nötig werden, aber das sollte mit Strategie, nicht einfach mit Rotstift passieren. In Deutschland werden zwar zwischen den Ministerien und den Universitäten meist mehrjährige Finanzierungen, oft verbunden mit Zielvereinbarungen, geschlossen, daneben stellen aber kurzfristig ausgeschriebene Sonderprogramme, die meist einen hohen finanziellen Eigenanteil der Universitäten einfordern und oft mit kaum kalkulierbaren Folgekosten verbunden sind.  Der Politik dienen diese Mittel nur dazu, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man bestimmte Felder auch fördert. Nachhaltig ist das nicht... 

Vor allem aber geht das immer zu Lasten der Geistes- und Kulturwissenschaften, die vermeintlich  nur Geld kosten aber nichts produzieren. - Jedenfalls wenn man vergisst, dass unsere Gegenwart auf der Vergangenheit und auf Wissenschaft aufbaut.

Links

Montag, 11. November 2024

Schäbige Archäologie! Eine Raubgrabung der besonderen Art

Miss Jones aka Geesche Wilts investigativ:

 

Das Schatzhaus von Petra
(Foto: Bernard Gagno,
CC BY SA 3.0

via WikimediaCommons)

Da kommt ein britisch-amerikanisches Team (Richard Bates, St. Andrew University; Josh Gates, Pearce Paul Creasman), nimmt die Schutzplanen von einer vor bald 20 Jahren eingemotteten Grabung und tut so, als seien sie die Entdecker.  Der echte Ausgräber, der Jordanier Suleiman Farajat hat am 19.10.2024 via facebook auf diese besondere Form der Raubgrabung hingewiesen..

Alles schön für die Kamera vom Discovery Channel, kurz vor Ausstrahlung der neuen Folge. 

Ach ja, der Heilige Gral des Indiana Jones wird allen Ernstes auch noch gefunden.

 - Schäbig, kolonialistisch, unverantwortlich und zum Schaden der Wissenschaft und des Anstands.


 

 (ich empfehle die automatische Übersetzung...)

 Links 

In Deutschland sind auf diesen Schmu reingefallen:

Österreich und die Schweiz halten mit:

 

Dienstag, 16. April 2024

Zusammenschmeißen und Sparen: diesmal Goethe-Uni in Frankfurt

Wie viele Unis muss auch die Goethe-Universität Frankfurt sparen. Und iwieder trifft es die Geistes- und Kulturwissenschaften. Geplant sind vom Fachbereich Streichungen, Kürzungen und Umstrukturierungsmaßnahmen im Fachbereich 09 Sprach- und Kulturwissenschaften, hauptsächlich die Institute Afrikanistik, Archäologische Wissenschaften, Empirische Sprachwissenschaft, Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Ostasiatische Philologien betreffen.


 

In der Archäologie sollen die Professuren für klassische Archäologie und für die Archäologie der Römischen Professuren künftig in einer Professur zusammengelegt werden. Ebenso sollen die Professuren für Latinistik und Gräzistik verbunden werden. Für die Außenstehenden ist die Archäologie Archäologie und die einzelnen Fächer sind nur Spielarten ein und derselben Wissenschaft. Dass man bereits in den letzten Jahrzehnten unter dem Zwang der Einführung neuer Bachelorstudiengänge dazu gezwingen war, verschiedene Fächer in gemeinsame Studiengänge zusammen zu fassen, begünstig diese Sicht. Für die Absolventinnen* dieser Studiengänge muss das nicht schlecht sein, aber für die disziplinspezifischen Inhalte bleibt weniger Zeit und hier ist bereits ein Verlust an Material-/ Quellenkenntnis und spezifischer Kompetenz zu verzeichnen.

Weiterhin soll die Professur in der Ur- und Frühgeschichte herabgestuft werden, was bedeutet, dass Sie keine Personalverantwortung mehr hat und damit auch die angegliederten Arbeitsstellen   mittelfristig nicht fortgeführt werden sollen.

Wie bei solchen Streichbeschlüssen üblich, beklagen sich auch hier die betroffenen Fächer über eine Intransparenz des Verfahrens. Die betreffenden Gremien der Fachbereiche bzw. Fakultäten sind zwar i.R. aus der Professorenschaft gewählt, vertreten aber nicht die Breite der Fächer. Die aktuell nicht in den Gremien vertretenen Fächer mögen sich hier vielfach schon von vorn herein in einer schwächeren Position befinden. Vor allem aber überblicken die Gremien in der Regel nicht die Fachkulturen der betroffenen Fächer. In den archäologischen Wissenschaften werden hier regelmäßig die höchst unterschiedlichen Forschungstraditionen - die sich auch in den Fragestellungen und Methoden niederschlagen - übersehen.  Die Ausbildung eierlegender Wollmilchsäue lässt vielerorts Klagen aufkommen, dass Abolventinnen wichtige Kenntnisse fehlen und führt dazu, dass spezielles Wissen in den kleinen Fächern verloren geht. Es ergibt sich das Risiko, das manche Fächer gar nicht mehr angeboten werden.

Die Art und Weise, wie an den Universitäten über Einsparungen und Ausbau von Fächern entschieden wird,  folgt mehr den Sparzwängen und Förderprogrammen der Politik als einer langfristigen Strategie der Fächerentwicklung. Dabei kommt es unter anderem zu der skurrilen Situation, dass in Sachsen grundlegende archäologische Disziplinen in Leipzig gestrichen werden, dafür aber in Dresden (wo es sonst keine Archäologie gibt) nun ein Master "Computer and Geoscience in Archaeology" angeboten wird, dessen Studienplan nur Methoden kennt, aber keine Fragestellungen und Quellenkenntnis. Derartige moderne Studiengänge können die grundlegende disziplinäre Ausbildung in Quellen und Fragestellungen nicht ersetzen. Pikanterweise ist daher die Zulassungsvoraussetzung zum neuen Dresdner Masterstudiengang u.a. ein BA-Abschluß in einer archäologischen Fachdisziplin - aufgeführt werden: Ägyptologie, Altamerikanistik, Archäologie des Mittelalters oder Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Christliche Archäologie, Klassische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie, Prähistorische Archäologie oder Vor- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie - während ein disziplinenübergreifender BA Archäologische Wissenschaften nach der Studienordnung eine spezielle Anerkennung durch den Prüfungsausschuß bedarf. Man wird mittel- bis langfristig über eine Neustrukturierung der Disziplinengrenzen nachdenken müssen - und da darf beispielsweise auch eine Verschmelzung der Archäologie der römischen Provinzen und der klassischen Archäologie kein generelles Tabu sein, aber das muss langfristig konzipiert sein und aus den Fächern heraus geschehen und kann nicht nach den zufällig im Fachbereich zu verteilenden (oder eben nicht zu verteilenden) Mitteln passieren.

Dass an den Universitäten gespart wird, ist keine ganz neue Entwicklung, viele öffentlichkeitswirksame Großinitiativen überdecken die Probleme eher, als dass sie einen Lösungsansatz bieten. Dabei werden an die Universitäten immer mehr quantitative Leistungsindikatoren angelegt, die Studierendenzahlen und Transfer (in der Praxis = wirtschaftlich nutzbare Entwicklung) in den Mittelpunkt stellen und damit die Geisteswissenschaften unter Druck setzen, die mit einer Vielzahl eher kleiner Fächer und einem geringeren Nutzungspotential hier nur wenig Punkte liefern. Dabei sind gerade dann, wenn Friede und Demokratie unter Druck geraten, und Populisten mit angeblich "gesunden Menschenverstandes" einfache Lösungen versprechen, wichtiger denn je. Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften können Einordnung bieten und manche populistische Parole als das entlarven was sie ist: Lüge, Geschichtsfälschung und Direktverbindung in den Abgrund.


Links

Parallel noch eine Petition speziell bezogen auf die Latinistik:

Interne Links



Samstag, 30. März 2024

Erneutes Rumgepfrickel im WissZeitVG

   Ein Wissenschaftler arbeitet in befristetem Vertrag. 
(KI-generiert mit Craiyon)

Die rot-grün-gelbe Regierungskoalition will das Wissenschaftszeitvertragsgesetz reformieren und sieht vor, die Post-Doc-Phase von 6 auf 4 Jahre zu verkürzen. Argumentiert wird, die Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen sollen besser vor kurz laufenden Arbeitsverträgen und immer neuen Befristungen geschützt werden.

Das Ziel ist gut, der Ansatz daneben: Seit Jahren wird hier mittels des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes immer wieder die Befristungsregelungen verändert. 

Solange jedoch die grundsätzliche Finanzierung der Wissenschaft nicht neu strukturiert wird, ist das jedoch kontraproduktiv und eben nicht zum Vorteil der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Seit Jahren wird, um längerfristige Haushaltsverpflichtungen zu vermeiden Geld über Projektförderungen verteilt, die per se befristet sind. 

Viele Studierende, die aktuell im System sind, haben ihre Karriereplanung an den längeren Fristen orientiert. Sie werden nun unvermittelt aus der Wissenschaft aussortiert. Für Studienanfänger wird die Wissenschaft noch unattraktiver und der vielbeschrieene Wissenschaftsstandort Deutschland blutet aus.

Eine noch kürzere Befristung in den Geisteswissenschaften auf vier Jahre ermöglicht es den Nachwuchswissenschaftlern gerade noch ein Forschungsprojekt mitzumachen, ehe sie dann aus der Wissenschaft ausscheiden müssen, denn die unbefristeten Stellen werden ja nirgendwo geschaffen.

Damit wird auch die Möglichkeit unrealistisch, ein eigenes Projekt zu entwickeln und einzuwerben. Aktuell ist die Regellaufzeit eines Projektes drei Jahre. Normalerweise benötigt es mehr als ein Jahr Vorarbeit ein Projekt zu konzipieren und zu beantragen und bis zu einem Jahr, ehe das Projekt bewilligt ist (oder bei den aktuellen Förderquoten meist eben auch nicht). Die nötigen Erfahrungen, Vorrbeiten und Wartezeiten werden meist durch die befristete Projektmitarbeit gewährleistet. Mit der Verkürzung der Postdoc-Phase ist dieser Weg unrealistisch und noch riskanter als bisher.  Ohne diese Chance entfällt aber auch das Argument, befristete Verträge würden die Innovation in der Wissenschaft sichern. Die Innovationstreiber kommen mit der noch kürzeren Befristung ja gar nicht mehr zum Zuge. Auch nicht zu vergessen ist, dass in manchen Disziplinen Projekte, die von Nachwuchswissenschaftlern eingeworben sind, einen gar nicht geringen Anteil an der Einwerbung von Drittmitteln haben. Gerade in den eh schon kleinen Fächern wird die Forschungsleistung weiter zurück gehen, was am Ende deren Existenz bedrohen kann.

Ohne mehr Geld im Wissenschaftssystem und einer Strukturreform, die Forschung in mehr Langfristprojekten fördert (die in den vergangenen Jahren tendenziell wohl eher zurückgefahren als gefördert wurden) sind alle Veränderungen im Wissenschaftszeitvertragsgesetz politischer Aktionismus oder Augenwischerei und praktisch ein Weiterschieben der Verantwortung auf Universitäten und Professoren, die aber keine nennenswerten Handlungsspielräume haben. Eine Problemlösung jedenfalls ist das WissZeitVG nicht, egal ob reformiert oder unreformiert. Das Konzept der Regierungskoalition ist eine Verschlimmbesserung.

 

Links

Freitag, 8. Dezember 2023

Streichungsgefahr für die Archäologie! nicht nur in Sachsen

Die schon lange andauernden Prozesse der zunehmenden sozialen Ungleichheit, der internationalen Erstärkung nationalistischer Ideen in Rußland, dem Vorderen Orient, aber auch in Europa und selbst hier in Deutschland sowie dem demographischen Wandel, der Klimawandel und der Digitalisierung sind in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. 
 
In dieser Konstellation entsteht vielfältiger Druck auf die Universitäten und letztlich auf die kleinen und vermeintlich exotischen oder gesellschaftlich irrelevanten Fächer. Gerade die Archäologien geraten hier leicht in eine Schnittmene und auf Streichlisten - aktuell in Leipzig.
.
Hier soll die klassische Archologie gestrichen werden (die schon früher zu einer Juniorprofessur für Archäologie des Mittelmeerraumes abgewertet wurde)  und die Ur- und Frühgeschichte durch eine billigere Juniorprofessur "Professur für Digitale Archäologie Mitteleuropas" ersetzt werden. Auch Mittelbau-Stellen sollen wegfallen. Die bisherigen Studiengänge  „BA Archäologie und Geschichte des Alten Europa“ und MA "Archäologie der Alten Welt" müssen in der Folge eingestellt werden.
In Leipzig zeigt sich schon lange ein systematisches Kaputtsparen der archäologischen Studiengänge, denn das Zusammenlegen vonklassischer Archäologie und Ur- und Frühgeschichte auf Master-Niveau ist für Absolvent*innen höchst unattraktiv, da es an der beruflichen Praxis völlig vorbei geht. Klassische Archäologen sind in ganz anderen Berufsfeldern gefragt als Ur- und Frühgeschichtler.  Das setzt sich nun fort. Eine Professur für Digitale Archäologie Mitteleuropas allein kann kein Studium stemmen, das vernünftige Berufsperspektiven bietet, sie ist nur ein hochschulpolitisches Lätzchen, die das völlige Streichen der Archäologie versteckt. Praktisch wird sich eine solche neue Professur bestenfalls in einen Studiengang im Bereich der Digital Humanities einbinden lassen, um dort einen Touch materielle Kultur und Kulturlandschaft einzubringen. Im ganzen Hype um Digitalisierung und Digital Humanities - solche Studiengänge sprießen allerortens - gerät aber die Frage in den Hintergrud, was Absolventen denn mit einer solchen Ausbildung anfangen sollen. Wissenschaft entsteht durch Fragestellungen, nicht durch Methoden, Eine Ausbildung zu den Möglichkeiten digitaler Methoden ist heute unverzichtbar, aber diese macht nur Sinn, wenn auch die fachlichen Grundlagen gelehrt werden.

Die oben verlinkte Petition der Fachschaft Archäologie Universität Leipzig wendet sich an den Staatsminister für Wissenschaft, Kultur und Tourismus des Freistaates Sachsen, Herrn Sebastian Gemkow (CDU), und die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell und fordert ein Bekenntnis der Universität Leipzig und der SMWK zur Archäologie in Leipzig und eine dauerhafte Absicherung der vollwertigen archäologischen Ausbildung mit den bestehenden Fachrichtungen Ur- und Frühgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Leipzig!
 
Der Protest hat auch die Medien erreicht.
Der mdr berichtet:

und weiter

 Die Diskussion in Leipzig ist nicht neu. Schon 2014 gab es eine Petition.

und einen Blog zu den damaligen Streichungsvorgängen :

 

Hintergründe der Sparzwänge: beschränkter Wissenschaftsbegriff und politisches Rumlavieren

Der Druck auf die kleinen Fächer und insbesondere die Archäologie ist schon lange zu spüren, nicht nur in Leipzig, sondern aktuell auch in Jena und Halle..In Großbritannien wurde das renommierte und florierende Institut in Sheffield einfach abgewickelt.
 
Im Hintergrund wirken verschiedene Mechanismen, die  überwiegend aus der aktuellen Hochschulpolitik resultieren, die in Bund und Ländern - aber auch anderswo in Europa - meist einen eher geringen Stellenwert hat. Bildung und Forschung geraten regelmäßig und oft wider besseren Wissens unter die Räder eines politischen Aktivismus und Lavierens, egal ob von Regierungsparteien, Oppositionsparteien und vermeintlichen Alternativen, wobei insbesondere aber nicht ausschließlich letztere explizit antiwissenschaftliche und post-aufklärerische Positionen vertritt. 
 
In der Corona-Krise und der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs wurden die Universitäten - und die Studierenden - gerne vergessen oder vielleicht auch bewusst als ein Bereich wahrgenommen, den man zur Reduzierung der finanziellen Belastung auch übergehen kann. So wurden in einigen Ländern die Unis angewiesen, die Mehrausgaben für die hohen Energiepreise im letzten Winter aus ihren finanziellen Reserven zu bestreiten. Im Unterschied zur Wirtschaft oder Schulen gab es hier vielfach keine Finanzspritzen.

Der bereits angesprochene Trend zur Digitalisierung ist für die Politik vor allem eine Demonstration der eigenen Modernität. Hier wird publikumswirksam gefördert, obwohl das vielfach für die Berufsperspektiven der Studierenden nur bedingt sinnvoll scheint. In Bayern beispielsweise ist man stolz auf seine High-Tech-Agenda mit 1000 neuen Professuren, die vor und nach der Landtagswahl kräftig gefeiert wird. Tatsächlich werden hiernur  die Gehälter für die Professoren finanziert, aber nicht die dafür notwendige Infrastruktur an den Universitäten, also kein Mittelaufwachs für die nötigen Räumlichkeiten, Mitarbeiterstellen oder auch die High-Tech, die solche Stellen erst attrkativ machen. Die Universitäten, die solche High-Tech-Stellen übernommen haben, müssen sich diese Kosten nun an anderer Stelle einsparen.

Ein entscheidender Trend ist dabei die Ökonomisierung der Wissenschaft. Im neuen bayerischen Hochschulinnovationsgesetz ist besipielsweise als neuer Aufgabenbereich der Universitäten neben Forschung und Lehre auch der "Transfer" festgeschrieben, nach dem die Fächer auch bewertet werden. Dazu gehören insbesondere Patentanmeldungen und Ausgründungen von Start-Ups. Mit der aktuellen Schuldenkrise und der "Diskussion" der letzten Wochen wurden mehrfach Äußerungen getätigt, die von den Universitäten eine Konzentration auf die Überwindung der Wirtschaftskrise und die Energiewende durch technische Innovation einfordern.
Grundlagende gesellschaftliche Funktionen von Wissenschaft, wie z.B. die Begleitung aktueller gesellschaftlicher Prozesse oder auch einfach grundlegende Grundlagenforschung, die (zumindest aktuell noch) keine wirtschaftliche Anwendung verfolgt, werden einfach nicht bedient. 
Hier zeigt sich ein kaputtes Wissenschaftsverständnis, für das plakativ die Google-News-Rubrik Wissenschaft und Technik steht, die nur über Gaming-Produkte und neue Handies berichtet, aber überhaupt keine Forschung, weder in den Geistes- noch in den Naturwissenschaften liefert. Tatsächlich werden hier aber auch die Ingenieurwissenschaften nicht abgebildet.

Mit einem solchen verquerten und beschränkten Wissenschaftsverständnis kann eigentlich keine Wissenschaftspolitik betrieben werden. Es ist auch gefährlich, weil es die wissenschaftlichen Grundlagen der Moderne untergräbt und postfaktischen Positionen den Weg freiräumt, da jene Fächer, die den nötigen Widerspruch begründen können, keine Patente liefern. 
 

Fachkräftemangel auch in der Archäologie

Übrigens ist Archäologie derzeit noch nicht mal eine brotlose Kunst: Grabungsfirmen suchen händeringend nach Archäologen, die Ausgrabungen  im Rahmen der kommerziellen Archäologie übernehmen können... Digitale Archäologen werden diese Lücke kaum schließen.

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