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Donnerstag, 2. Mai 2024

Neues zu BaLISminK: mit 500 Einträgen zugänglich

BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik, das derzeit im Probe- und Experimentierbetrieb läuft. Ziel ist es zunächst für Süddeutschland - perspektivisch aber auch darüber hinaus - in kooperativer Arbeit zu den wesentlchen Fundorten, Waren und Formen kurze Charakterisierungen zu geben, die mit bildlichen Darstellungen (Zeichnungen, Fotos, perspektivisch auch 3D-Scans) ergänzt werden können. Vorgesehen sind dazu beispielsweise auch Fundortlisten, die fortschreibbar jeweils aktuelle Verbreitungskarten liefern können.

BaLISminK ist bereits aufrufbar und auch über Google zu finden:
Aktuell gilt es aber zu berücksichtigen, dassv viele Einträge noch provisorisch sind.

Technisch gesehen ist BaLISminK ein Wiki, das aktuell wie eine abgespeckte Wikipedia funktioniert. Das bedeutet, dass sich Artikel und Einträge stets weiter entwickeln (können).
Aktuell umfasst BaLISminK bereits 500 Schlagworte, darunter jedoch noch einige "stubs" und "redirects". Bislang sind die Inhalte aus Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland übertragen sowie einige Schlagwortüberarbeitungen aus Lehrveranstaltungen übernommen.
Die Auswertung der Grabungen [[Bamberg, Am Kranen 14]]  im Rahmen von Lehrveranstaltungen nutzt BaLISminK als Protokoll der Beobachtungen an den Keramikfunden.

 
Neben einigen technischen Implementierungen müssen noch einige Verfahrensweisen entwickelt werden, etwa, wie gemeinschaftlich Definitionen formuliert werden. BaLISminK will den Fachkreisen keine Begriffsdefinitionen aufzwingen, sondern will zunächst vorhandene Terminologien dokumentieren, muss sich aber schließlich praktisch für ein Hauptstichwort entscheiden - und letztlich Hinweise und Empfehlungen für eine praktikable, abgestimmte Terminologie geben.

Karniesrand im Gebrauch
(Foto R. Schreg)

Einige Kolleginnen* haben bereits zu einzelnen Stichworten beigetragen, doch ist die Beteiligung leider noch zu gering, um schon Routinen darstellen zu können. Aktive Mitarbeiterinnen* sind eingeladen, nach Möglichkeiten zu BaLISminK beizutragen, um das System weiterzuentwickeln. Zugangsdaten sind über eine eMail an rainer.schreg[a]uni-bamberg.de zu erhalten - allerdings ist auch das Nutzermangement bisher ein Provisorium.

Eine Perspektive, die es zu verfolgen gilt, ist die Verwendung von WikiBase bzw. WikiData. Dadurch wird eine Verknüpfung mit Normdaten möglich (gedacht ist an Orte, aber auch an eine zentrale Bibliographie) wie auch ein mehrsprachiger Thesaurus, der automatische Übersetzungen ermöglicht und es erlaubt, auch grenzüberschreitend zu arbeiten. Langfristig wird zu prüfen sein, inwiefern KI zur Datenaufbereitung Einsatz finden kann. Erste Versuche, KI zur Erstellung einzelner Einträge zu nutzen, sind eher Spielerei, die aber immerhin zeigt,  dass hier künftig Potentiale liegen und aktuell einige Hilfskraftarbeiten wie Tabellenformatierung oder Koordinatenzusammenstellungen für GIS durchaus schon möglich sind.
 
Wie sich BaLISminK entwickelt, hängt von der Bereitschaft der Kolleginnen* ab, Informationen einzubringen - und, ob es gelingt eine Finanzierung aufzubauen, mit der es möglich wäre, archäologische Keramikfunde nicht nur handbuchartig zu erschließen, sondern auch terminologische Probleme zu klären und darüber hinaus Keramik als Quelle zu Alltags- und Sozialgeschichte zu erschließen. Deshalb sollen auch Töpferhandwerkstechniken, experimentelle Archäologie und die Archäometrie, als eigene Kategorien aufscheinen. Bereits jetzt zeigt sich, dass BaLISminK mit seiner überregionalen Perspektive viele neue Zusammenhänge und Forschungsansätze erschließt. Mit der Möglichkeit, hier auch auf verschiendenen Ebenen Citizen Science einzubinden, ergeben sich aus BaLISminK auch interessante Perspektiven für die Digital Humanities. 



*generisches Femininum, da Binnensternchen im Freistaat Bayern zu kompliziert und unverständlich sind

Donnerstag, 28. März 2024

Einladung Keramikworkshop Bamberg 2024

Keramik ist in vielfältiger Hinsicht von großer Bedeutung für die Archäologie. Einmal zerbrochen, ist sie zu fast nichts nichts mehr zu gebrauchen und wird weggeworfen. Weil sie relativ witterungsresistent ist, liegt sie da dann oft heute noch - und bietet nicht nur Daten zur Chronologie, sondern auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Keramik hat daher schon lange das Interesse von Archäologen und Archäologinnen gefunden. Allerdings haben sich viele regionale Forschungstraditionen und -terminologien ausgebildet, in denen sich Landesgrenzen ebenso widerspiegeln wie regionale Schulbildungen. Das erschwert den Überblick und die wissenschafliche Diskussion. Dem wollen wir mit dem Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik (BaLISminK) abhelfen Deutlich ist aber auch, dass die klassischen Publikationen mit Zeichnungen und Beschreibungen, bisweilen Fotos oder nun gar 3DScans nur einen ungenügenden Eindruck vom Material bieten. Man muss es gesehen und angefasst haben...

Karniesrand im Gebrauch
(Foto R. Schreg)

Deshalb wurden schon lange immer wieder Keramikworkshops abgehalten, bei denen Fundmaterial ausgelegt und dann gemeinschaftlich diskutiert wurde. Solche Treffen gab es beispielsweise 1963 in Freiburg als Uwe Lobbedey und Wolfgang Hübener zu einer solchen Tagung auch Ehrenamtliche mit ausgewählten Fundkomplexen eingeladen haben und daraus eine auch heute noch bemerkesnwerten Aufsatz zur Struktur der Keramik der späteren Merowingerzeit vorgelegt haben (Hübener/Lobbedey 1964). 1993 trafen sich Kolleginnen und Kollegen in Konstanz und trugen daraufhin Fundstellen und Forschungsstand in einer frühen online-Publikation zusammen, die leider alsbald wieder aus dem Netz verschwunden ist (Ade-Rademacher u.a. 1997).

Zuletzt trafen sich süddeutsche Keramikforscher 2021 in Tübingen und nun kann die AMANZ Bamberg zu einem weiteren Treffen am 2./3. Mai in Bamberg einladen (Organisationsteam Prof. Dr. Rainer Schreg und Aika Katharina Diesch M.A. unterstützt durch Elena Reus M.A.). Verschiedene Kolleginnen und Kollegen haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, in kurzen Vorträgen (max. 15 min.) über Forschungsstand und -strategien ausgewählter Regionen und Themenbereiche zu berichten und ausgelegte Keramikkomplexe (persönlich/auf Postern) vorzustellen. 

Der offen und informell gestaltete Workshop wird zahlreiche Möglichkeiten für gegenseitiges Kennenlernen, Vernetzung, Diskussionen sowie die gemeinsame Sichtung ausgelegter Keramikkomplexe bieten. Am Freitag soll es zum Abschluß eine Exkursion mit Privat-PKW zur Töpferei auf dem Lußberg oberhalb Priegendorf geben.

Da noch einige wenige Plätze verfügbar sind, laden wir nun weitere Interessent*innen auch hier noch ein (und verlängern dazu die offizielle Anmeldefrist bis zum 31. März 2024 voraussichtlich um eine Woche), bitten jedoch um baldige Anmeldung und um Überweisung eines Unkostenbeitrags von 10 € (ausgenommen sind Studierende und Personen ohne Anstellung).

Weitere Informationen zu Programm, Anfahrt, Bankverbindung etc. im obigen Link.


Literatur

  • Ade-Rademacher u.a. 1997: D. Ade-Rademacher/ M. Dumitrache/ U. Gross/ B. Jenisch/ St. Kaltwasser/ Ch. Keller/ R. Marti/  Ch. Matt/ J. Pfrommer/ R. Röber,Mittelalterliche Keramik in Baden-Württemberg und den Schweizer Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Schaffhausen. Fundstellen und Forschungsstand (Hertingen 1997)
  • Hübener/ Lobbedey 1964: W. Hübener/U. Lobbedey, Zur Struktur der Keramik in der späten Merowingerzeit. Beobachtungen an süddeutschen Grab- und Siedlungsfunden. Bonner Jahrb. 164, 1964, 88-129.


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Die Sound-Funktion ist auf 200 Zeichen begrenzt

Montag, 27. November 2023

Keramik aus Südwestdeutschland - nicht lieferbar

Immer wieder erreichen mich Nachfragen nach meinem Buch "Keramik aus Südwestdeutschland". Das 1998 erstmals publizierte Buch gibt eine erste Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Keramikfunde aus Südwestdeutschland vom Neolithikum bis in die frühe Neuzeit. Die Zweitauflage enthielt noch einige Korrekturen, doch wurde seitdem unverändert nachgedruckt, zuletzt 2012. 

Der Band ist nun jedoch weder über Buchhandel noch über den Verlag des Vereins für Archäologie des Mittelalters Schloß Hohentübingen lieferbar. Auch ich habe keine Exemplare mehr verfügbar.

 

Rainer Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (Tübingen 2012).

ISBN 978-3-9806533-0-5 
Verlag des Vereins für Archäologie des Mittelalters Schloß Hohentübingen
ehem. 27,50 €

 
Einen weiteren Nachdruck wird es auch nicht geben, da die bisherige Druckerei nicht mehr existiert. Wir versuchen aber, den Band in absehbarer unverändert online verfügbar zu machen, eventuell auch mit der Option des print on demand. Das ist ist schon länger geplant, doch stammt der Band aus dem Vor-pdf-Zeitalter, so dass die originalen Druckdateien nicht mehr ohne weiteres zu gebrauchen waren.
 
Verschiedentlich habe ich Anläufe unternommen, das Buch zu aktualisieren, unter anderem unter Einbindung von Studierenden. Die Fortschritte waren zu gering, um den Band als Ganzes in aktualisierter Neuauflage wieder drucken zu können.

Als Nachfolgeprojekt gibt es nun das als Wiki konzipierte Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik (kurz: BaLISminK). Eine erste Version läuft bereits mit bald 500 Stichworten. Es befindet sich allerdings bisher nur in einer Testphase und ist noch nicht öffentlich zugänglich.
 
Unter dem Label BaLISminK  gibt es hier auf Archaeologik Updates über dessen Entwicklung, so dass Interessierte den öffentlichen Start nicht verpassen - oder sehen, wo sie sich selbst engagieren. können, um die Keramikforschung auf eine neue Basis zu stellen.


Links


 

Montag, 24. Juli 2023

KI auf BaLISminK

BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik. Es ist im aktuellen Ausbaustand noch nicht öffentlich zugänglich, wurde aber im vergangenen Semester durch Inhalte aus meiner Bamberger Vorlesung "Archäologische Keramikforschung"  weiter ergänzt. Ziel ist es einerseits Funktionen zu testen und Arbeitsroutinen zu eruieren.

BaLISminK ist im Kern ein Wiki, das auf Wikimedia-Software aufbaut. Es präsentiert Informationen zur Terminologie, Formenkunde, zu Gefäßformen, Warenarten, Werkstoffkunde und Handwerkstechnik. Ein Fundstellenregest führt wichtige Fundkomplexe auf, wobei Töpfereien als Subkategorie geführt sind. Es informiert über wissenschaftliche Methoden und Forschungsressourcen. Künftig sollen auch Lehrmaterialien in Form didaktischer Materialien (Videos, Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder auch Arbeitsbögen) hinzukommen. Letztlich kann BaLISminK nur als kooperatives Projekt funktionieren und freiwillige Mitarbeiter*innen, die aktiv mit erarbeiten und testen, sind bereits jetzt willkommen (Anfrage an Rainer.Schreg[at]uni-bamberg.de).

Perspektiven sind beispielsweise eine Einbindung von WebGIS-Funktionen für aktuelle Verbreitungskarten, sowie die Nutzung von Wikidata als Forschungsdateninfrastruktur im Hintergrund.

Aktuell habe ich testweise einen Artikel mit Hilfe von KI erstellt und zwar mit Microsoft-Bing-Chat. Die Aufgabenstellung war es, einen Eintrag für das Schlagwort Anflugglasur zu schreiben. Das soll nicht die Regel sein, aber es ist sicher nicht falsch, rechtzeitig Erfahrungen zu sammeln, was KI inhaltlich liefern kann und wo sie ggf. ein brauchbares Hilfsmittel darstellt.  In mehreren Arbeitsschritten ist folgender Text entstanden (incl. Formatierung für das Wiki):

== Anflugglasur == Eine ‘’‘Anflugglasur’‘’ ist eine [[Glasur (Keramik)|Glasur]], die durch das Aufbringen eines Dampfes aus einem flüchtigen Glasbildner auf einen keramischen [[Scherben (Keramik)|Scherben]] erzeugt wird (Linguee 2023). Die Anflugglasur wird vor allem bei der Herstellung von [[Porzellan]] verwendet, um eine glatte und glänzende Oberfläche zu erzielen (Wortwurzel 2023).

== Rohmaterialien == Die Rohmaterialien für eine Anflugglasur sind abhängig von dem Glasbildner, der als Dampf auf den Scherben aufgebracht wird. Die häufigsten Glasbildner sind Bor, Blei und Salz. Diese Stoffe haben eine niedrige Schmelztemperatur und können leicht verdampfen. Sie reagieren mit dem Quarz des Scherbens und bilden ein Silikatglas, das die Oberfläche des Scherbens versiegelt und glasiert.

=== Bor === Bor ist ein Element, das in Form von Borax oder Borsäure als Glasbildner verwendet werden kann. Bor hat den Vorteil, dass es die Glasur transparent und farblos macht und die Temperaturbeständigkeit und Härte des Glases erhöht. Bor wird vor allem für Porzellanglasuren verwendet, da es die Schrumpfung des Scherbens beim Brennen ausgleicht und Risse vermeidet. Borhaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 900°C und 1200°C gebrannt (RDK Labor 2014).

=== Blei === Blei ist ein Metall, das in Form von Bleioxid oder Bleiglätte als Glasbildner verwendet werden kann. Blei hat den Vorteil, dass es die Glasur glänzend und weich macht und die Farbwirkung von Metalloxiden verstärkt. Blei wird vor allem für Majolika- oder Fayenceglasuren verwendet, da es die Glasur deckend und weiß macht. Bleihaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 800°C und 1000°C gebrannt (RDK Labor 2014). Blei ist jedoch giftig und kann bei Kontakt mit Lebensmitteln oder Haut gesundheitsschädlich sein.

=== Salz === Salz ist ein Mineral, das in Form von Kochsalz oder Natriumchlorid als Glasbildner verwendet werden kann. Salz hat den Vorteil, dass es die Glasur matt und rau macht und eine charakteristische Orangenhautstruktur erzeugt. Salz wird vor allem für Steinzeugglasuren verwendet, da es die Glasur wasserdicht und widerstandsfähig macht. Salzhaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 1200°C und 1300°C gebrannt (Keramiko 2021). Salzhaltige Glasuren sind ungiftig, geschmacksneutral und säurebeständig.

== Vor- und Nachteile == Die Vor- und Nachteile einer Anflugglasur sind:

{| class=“wikitable” |- ! Vorteile !! Nachteile |- | * Geringer Energieverbrauch, da die Glasur bei niedrigeren Temperaturen als üblich aufgeschmolzen wird (Wortwurzel 2023)


* Hoher technischer Aufwand, da die Glasur in einer speziellen Kammer aufgebracht werden muss (Wortwurzel 2023)* Gute Haftung der Glasur auf dem Scherben, da die Glasur in die Poren des Scherbens eindringt (Wortwurzel 2023)
* Schwierige Kontrolle der Glasurdicke und -homogenität, da die Glasur nicht sichtbar ist (Wortwurzel 2023)
-
* Möglichkeit, verschiedene Farbeffekte zu erzielen, indem verschiedene Metalloxide dem Dampf zugesetzt werden (Wortwurzel 2023)
* Mögliche Beeinträchtigung der mechanischen Eigenschaften des Scherbens, da die Glasur Spannungen im Material erzeugt (Wortwurzel 2023)
}


== Literatur ==

  • Keramiko. 2021. “Salzglasur - Traditionelle Glasur mit Charakter”. https://keramiko.de/lexikon/salzglasur/
  • Linguee. 2023. “anflugglasur - Englisch-Übersetzung – Linguee Wörterbuch”. https://www.linguee.de/deutsch-englisch/uebersetzung/anflugglasur.html
  • RDK Labor. 2014. “Glasur”. https://www.rdklabor.de/wiki/Glasur
  • Wortwurzel. 2023. “ANFLUGGLASUR Was bedeutet ANFLUGGLASUR? Definition - einfach erklärt …”. https://www.wortwurzel.de/ANFLUGGLASUR

Als ich noch ein Bild einbinden lassen wollte, lieferte BingChat folgenden Vorschlag:

[[Datei:Anflugglasur.jpg|mini|Eine Schale aus Porzellan mit Anflugglasur (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anflugglasur.jpg, Lizenz: CC BY-SA 4.0)]]

Das Bild existiert leider nicht. Nach den Vorerfahrungen (Archaeologik 9.3.2023; Archaeologik 23.7.2023) habe ich darauf verzichtet, den Chat nach wissenschaftlichen Quellen zu fragen. Das wird Aufgabe einer weiteren Verbesserung des BaLISminK-Eintrags sein.


Freitag, 20. Mai 2022

Backblech und BaLISminK - Perspektiven der Keramikforschung

Nach Coronapause fand am 12. und 13. Mai in Tübingen ein Treffen von Archäologinnen und Archäologen statt, die im süddeutschen Raum (historisch breit von Niederösterreich bis ins Elsass und von Kärnten bis ins Rheinland) mit Keramik arbeiten. Impulsreferate zeigten den regionalen Stand der Forschung, Tische mit ausgebreiteten Scherben boten Gelegenheit zum Fachsimpeln und vor allem zum genauen Betrachten und Betasten. 

 

Internationaler Workshop zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Süddeutschland und angrenzenden Regionen

Tübingen, 12./13. Mai 2022 
Organisationsteam Dorothee Ade, Natascha Mehler, Jonathan Scheschkewitz und Lukas Werther, unterstützt durch Amelie Alterauge

Impulsvorträge:

  • Dorothee Ade, Von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee - Keramikforschung im südlichen Baden-Württemberg
  • Andreas Heege/Valentin Homberger/Jonathan Frey/Eva Roth-Heege/Michelle Joguin/Maria Isabella Angelino/Gilles Bourgarel, Schweiz/Fürstentum Liechtenstein 1350-1900: Stand der Forschung, Defizite, Perspektiven
  • Madeleine Châtelet/Heidi Cicutta/Elise Arnold, Mittelalterliche und moderne Keramik im Elsass (6.-17. Jh.). Der heutige Stand nach zwanzig Jahren Forschungen
  • Christoph Keller/Christian Röser, Keramikforschung im Rheinland
  • Rainer Schreg, BaLISminK - Eine kooperative Arbeitsplattform zur Dokumentation und Auswertung archäologischer Keramikfunde
  • Martin Rogier, Experimentalarchäologische Keramikherstellung
  • Harald Rosmanitz, Reliefierte Ofenkeramik in Süddeutschland
  • Eleonore Wintergerst/Christian Later, Zum Forschungsstand in Süd- und Ostbayern
  • Harald Stadler, 35 Jahre mittelalterliche Keramikforschung in Tirol. Ziele-Erfolge und Misserfolge-Zukunft
  • Gabriele Scharrer-Liska/Levente Horváth, Forschungen zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Ostösterreich (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten)
 


Deutlich wurde, dass der Stand der Forschung sehr ungenügend ist und in vielen Fällen wichtige Fundkomplexe nicht vorgelegt - oder mancherorts gar nicht erst vorhanden sind. Im Jahre 1997 war von Dorothee Ade et al. ein Überblick über den Stand der südwestdeutschen Forschung zur mittelalterlichen Keramik vorgelegt worden. Dabei wurden 156 Fundkomplexe aus Baden-Württemberg aufgelistet, die wichtige Keramikbestände umfassen. Davon waren circa 18 publiziert (darunter aber auch kaum greifbare Dissertationsdrucke), 138 unbearbeitet oder unpubliziert. In den vergangenen 25 Jahren wurden von den 138 damals unpublizierten Fundstellen nur ca. 10 vorgelegt, viele Manuskripte wurden bis heute nicht gedruckt (geschweige denn online gestellt). Durch die Einführung der kommerziellen Archäologie sind zahlreiche neue Fundkomplexe hinzugekommen, die mehrheitlich der Wissenschaft aber auch nicht zugänglich sind. Problematisch ist, dass das Verursacherprinzip nur die Ausgrabung nicht aber die Auswertung umfasst. Vielfach erweisen sich die Fundlisten, die von den Grabungsfirmen vorgelegt werden als wissenschaftlich unbrauchbar, da sie von Fehlbestimmungen durchsetzt sind. 

Die Vorträge der Tübinger Tagung zeigten, dass diese mangelhafte Situation - unter einzelnen Aspekten vielleicht mit Ausnahme des Elsass und der Nordschweiz - nicht nur Baden-Württemberg betrifft. Für Südbayern konnten Christian Later und Eleonore Wintergerst in ihrem Überblick im Wesentlichen nur auf die Städte Regensburg, Ingolstadt und neuerdings München verreisen, für die ein einigermaßen hinreichender Forschungsstand erreicht ist. 

Noch immer beruhen die Kernaussagen auf den Pionierarbeiten der 1960er und 70er Jahre von Uwe Lobbedey, Barbara Scholkmann, Hermann Dannheimer und Sabine Felgenhauer-Schmidt. Der jüngeren Forschung ist es nicht gelungen, deren Chronologiesysteme und Aussagen grundlegend abzusichern und zu präzisieren. Punktuell wurden sogar eher Rückschritte gemacht, indem etwa das Relativchronologiesystem von Uwe Lobbedey, das zunächst allgemeine Anwendung gefunden hat, seit den 1990er Jahren nicht weiterverfolgt und ausgebaut wurde. Ohne dass genügend fest datierte Referenzkomplexe publiziert oder Stratigraphien ausgewertet worden sind, ging die Forschung auf absolute Datierungen über, die öfters modifiziert werden mussten. Damit ist eine sehr unübersichtliche Forschungslage entstanden. 

Bis heute zeigen sich chronologische Unstimmigkeiten, insbesondere an den Grenzen der Arbeitsgebiete der modernen Forschung. Beispielsweise zeigen sich zwischen der Nordschweiz und dem Bodenseeraum mit der Konstanzer Marktstätte Abweichungen in der Datierung der Leistenränder im 11./12. Jahrhundert, also gerade in einer Zeit bei der für das Verständnis siedlungsgeschichtlicher Entwicklungen wie Stadtentstehung, Dorfgenese oder Burgenbau eine genaue chronologische Auflösung entscheidend wäre. Zwischen Württemberg/Schwaben einerseits und Oberbayern andererseits ergeben sich Datierungsdifferenzen bei nachgetreten Keramik von mindestens zwei Jahrhunderten. Bei der Auswertung vermeintlich frühmittelalterlicher Siedlungen im Großraum München, wie beispielsweise Kirchheim bei München, blieb unter dem Eindruck der merowingerzeitlichen Hofgrablegen die Literatur zu hoch- und spätmittelalterlicher Keramik völlig unberücksichtigt, so dass hier tendenziell viel zu frühe Datierungen vorliegen. Daneben gibt es terminologische Abweichungen in den verschiedenen Bearbeitungsregionen, was z.B. den Karniesrand angeht oder auch den Begriff der rauwandigen Drehscheibenware, der sich in Südwestdeutschland auf das Frühmittelalter, in Oberfranken aber auf das Spätmittelalter bezieht. Ein weiteres Forschungsdefizit, das auf der Tagung aber nicht weiter thematisiert wurde, ist der eklatante Mangel an weitergehender sozial- oder wirtschaftsarchäologischer Interpretation der Keramikfunde. Im Mittelpunkt des Interesses steht immer noch die Chronologie, so dass weitergehende Analysen zu Herstellungstechnik, Gebrauchsspuren oder Schadensbilder weitgehend fehlen (vgl. Schreg im Druck). 

Die Backblechmethode 

Auf der Tagung wurden Ursachen und mögliche Problemlösungen dieser Situation diskutiert. Bemängelt wurde verschiedentlich, dass die universitäre Ausbildung in den letzten Jahren die Materialkenntnisse zugunsten theoretischer Themen vernachlässigt hätte. Das ist sicherlich nicht ganz falsch, doch sind universitäre Abschlussarbeiten in keiner Weise geeignet, die Unzahl von unpublizierten Ausgrabungen und relevanten Komplexen aufzuarbeiten, zumal damit unerfahrenen Studierenden sehr komplexe Aufgaben übertragen werden, die eigentlich sehr viel Erfahrung voraussetzen. Problematisch sind aber auch die Fundberichte der kommerziellen Grabungsfirmen, die zumeist der Forschung gar nicht zugänglich sind und sich in der Regel auf die Befunde konzentrieren. Die Funde werden in kaum verwertbaren Listen, häufig mit falschen Ansprachen abgearbeitet. Andreas Heege hat daher die "Backblech"- Methode vorgeschlagen. Anstelle ungenügende Klassifikationen vorzunehmen, sollten die Grabungsfunde besser in Übersichtsfotos (auf Backblechen beispielsweise) vorgelegt werden, die zwar keine detaillierte Vorlage ersetzen, aber dem Experten doch viel eher einen Überblick über das (Keramik-)Fundspektrum einer Fundstelle geben. Das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg hat in diesem eine Änderung der Richtlinien für Grabungsfirmen bereits ins Auge gefasst. 

BaLISminK 

Die Tübinger Tagung war auch Gelegenheit zum ersten Mal BaLISminK vorzustellen. BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zu mittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik, das derzeit in einer Vorabversion vorliegt. 1997 war das Buch ‘Keramik aus Südwestdeutschland’ von Rainer Schreg in der ersten Auflage erschienen. Es war eine Bestimmungshilfe für Keramik vom Neolithikum bis zur Neuzeit, die vor allem Typentafeln und kurze Beschreibungen enthielt, aber als damals studentische Arbeit von Anbeginn an relativ oberflächlich war und inzwischen eben über 30 Jahre alt ist. Schon lange war an eine Neubearbeitung gedacht worden, die auch mit Lehrveranstaltungen an den Universitäten Tübingen und Heidelberg in Angriff genommen war. Dabei zeigte sich jedoch, dass es sinnvoll ist, hier künftig auf eine digitale stets aktualisierbare Form zu setzen. So ist BaLISminK entstanden, bei dem es sich um ein Wiki-System handelt, das Handwerkstechniken, Werkstoffe, Formen, Warenarten und relevante Fundkomplexe beinhaltet. Die Zielgruppe sind weniger die Expert*innen als vielmehr Studierende, Grabungsfirmen, aber auch interessierte Laien. BaLISminK umfasst derzeit bereits etwa 270 Einträge, die mehrheitlich aus Schreg 1997 übertragen, teilweise aber auch im Rahmen von Lehrveranstaltungen (neben den genannten in Tübingen und Heidelberg nun auch in Bamberg) aktualisiert und ergänzt worden sind. 

 

Schreg 1999

Noch ist BaLISminK nicht öffentlich zugänglich (und deshalb hier auch nicht verlinkt), da in einem kleineren Kreis von Kolleg*innen erstmals Inhalte konsolidiert und Arbeitsroutinen entwickelt werden sollen. Auch technisch sind noch einige Verbesserungen notwendig, so z.B. eine Nutzerverwaltung mit abgestuften Schreibrechten, eine organisierte Literaturverwaltung und möglicherweise auch ein integriertes WebGIS. Museen und archäologische Institutionen sollen als Partner gewonnen werden, die das Projekt mit Bildern unterstützen, die möglichst, wie BaLISminK überhaupt unter eine CC-Lizenz gestellt werden können. 

 

BaLISminK

 

Derzeit werden Kolleginnen gesucht die aktiv in dieser Entwicklungsphase mitarbeiten möchten, insbesondere auch solche, die Kenntnisse mit Wikimedia-Projekten mitbringen. (um es klarzustellen: es wird eine unentgeltliche Mitarbeit erwartet, da aktuell keinerlei Finanzierung vorliegt. Interessierte wenden sich bitte an Rainer.Schreg[at]uni-bamberg.de ). BaLISminK soll nicht nur der Keramikforschung eine Plattform für Austausch und Koordination bieten, sondern auch als Element archäologischer Wissenschaftskommunikation dienen. 

 

 Literaturhinweise 

  • Ade-Rademacher et al. 1997: D. Ade-Rademacher/U. Gross/M. Dumitrache/B. Jenisch/S. Kaltwasser/C. Keller/R. Marti/C. P. Matt/J. Pfrommer/R. Röber (Hrsg.), Mittelalterliche Keramik in Baden-Württemberg und den Schweizer Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Schaffhausen. Fundstellen und Forschungsstand (Hertingen 1997). 
  • Dannheimer 1973: H. Dannheimer, Keramik des Mittelalters aus Bayern. Beitr. Volkstumsforsch 21/ Kat. Prähist. Staatsslg. 15 (Kallmünz/Opf. 1973). 
  • Felgenhauer-Schmiedt 1977: S. Felgenhauer-Schmiedt, Das Fundmaterial des Hausbergs zu Gaiselberg, NÖ. Arch. Austr. 61/62, 1977, 209–336. 
  • Lobbedey 1968: U. Lobbedey, Untersuchungen mittelalterlicher Keramik vornehmlich in Südwestdeutschland. Arbeiten zur Frühmittelalterforschung 3 (Berlin 1968). 
  • Scholkmann 1978: B. Scholkmann, Sindelfingen, obere Vorstadt. Eine Siedlung des hohen und späten Mittelalters. Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 3 (Stuttgart 1978). 
  • Schreg 1997: R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (Tübingen 1997). 
  • Schreg im Druck: R. Schreg, Pottery in Medieval Rural Households Archaeological Research Perspectives in Southern Germany. In: Ruralia XIV (vorauss. 2023) 

Interne Links

 

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Montag, 12. Juli 2021

Fotografische Funddokumentation

Aus den Vorbereitungen zu BaLISminK (dazu demnächst mehr...) zwei Beispiele, die zeigen, wie wichtig ein Weißabgleich bei Fundfotos und die Wahl des Hintergrundes sein kann: Zweimal dieselbe Scherbe mit derselben (Handy-)Kamera, die eine automatische Farbanpassung vornimmt. Die Beleuchtungsverhältnisse wurden nicht verändert (warmes Neonlicht).

1. oxidierend gebrannte Pingsdorfer Ware



2. reduzierend gebrannte graue Badorfer Ware