Posts mit dem Label archäologische Prospektion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label archäologische Prospektion werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 3. März 2025

Oscar verpasst

Für den Oscar als Beste Dokumentation  war auch  "Sugarcane" nominiert, ging nun aber leer aus. 

Der Film  handelt über die Nachforschungen in der kanadischen Residental School St. Joseph's Mission. Vor Jahren begannen hier die Untersuchungen mit Hilfe geophysikalischer Prospektion, mit denen mehrere Gräber lokalisiert wurden. In diesen Schulen sollten indigene Kinder "zivilisiert" werden, tatsächlich wurden sie vielfach vernachlässigt, mißbraucht und teilweise auch ermordet.

In Zeiten, in denen in den USA sich ein autokratisches Regime etabliert, das DEI-Themen unterdückt und der Wahnsinn Politik macht, ist es bemerkenswert, dass der Film mit einer indigenen Perspektive überhaupt noch nominiert wurde. Das war allerings noch vor dem Amtsantritt von POTUS Trump. Haben die Oscar-Feierlichkeiten in der Vergangenheit immer wieder als Plattform für politische Statementsgedient, so war es dieses Jahr offenbar vergleichsweise unpolitisch. Die Kulturschaffenden kuschen und werden ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht.

Die Forschungen an den Residental Schools in Kanada sind ein gutes Beispiel, das die Bedeutung der Archäologie der Moderne für die Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit zeigt. Schade, dass es dafür nicht die Aufmerksamkeit eines Oscars gab.

Schüler*innen der Fort Albany Residential School unter Aufsicht einer Nonne, um 1945.
(Foto: Edmund Metatawabin collection at the University of Algoma [gemeinfrei] via WikimediaCommons)
.

Links

  Interner Link

Freitag, 23. Juni 2023

Die Suche nach Opfern der deutschen Besatzung in Griechenland

am 18.6.2023 zunächst auf AMANZ-notiz-blog erschienen
 
Es sind Zeithistoriker der Universität Osnabrück, die in Nordgriechenland auf archäologische Methoden der Prospektion mittels klassischer Begehungen, aber auch mit Georadar und -magnetik zurückgreifen, um ein Arbeitslager aus der Zeit der deutschen Besatzung zu erforschen. Sie werfen damit ein Schlaglicht auf das Schicksal der Juden aus Thessaloniki.
Ausgangspunkt des archäologischen Projektes in Nordgriechenland war ein privates Fotoalbum, das zufällig auf einem Münchner Flohmarkt entdeckt wurde. Es stammt aus dem Jahr 1943 und zeigte neben Aufnahmen aus Thessaloniki auch Bilder von Zwangsarbeitern mit Judensternen an der Kleidung. die unter deutscher militärischer Bewachung an einem Ort namens Karya arbeiteten. Da Griechenland im Anschluß an die deutsche Besatzung von einem Bürgerkrieg heimgesucht wurde und zudem weiterhin eine antisemitische Stimmung herrschte, hat die Zeit der deutschen Besatzung und das Schicksal der jüdischen Gemeinden in Griechenland kaum wissenschaftliches Interesse gefunden.
 
Inzwischen gibt es schon keine lebenden Zeitzeugen mehr, die von den Vorgängen in Karya berichten konnten. Vorhanden sind vor allem Erinnerungen der Nachfahren der wenigen überlebenden Opfer sowie der örtlichen Bevölkerung und wenige zeitgenössische Berichte. Verwaltungsakten zum Bahnbau, vor allem aber ein Vergleich der topographischen Situation mit Altkarten hilft die Vorgänge genauer zu erfassen.
So ist es gelungen, die Lokalität des Arbeitslagers in Karya zu identifizieren, wo die Organisation Todt mit jüdischen Zwangsarbeitern eine Bahntrasse baute. Die örtliche Überlieferung verweist auf ein Massengrab, das nun in schwierigem Gelände mit geophysikalischen Methoden gesucht wird - bislang allerdings erfolglos. Die Lokalisierung des Massengrabs soll helfen einen Ort würdigen und mahnnenden Gedenkens zu schaffen.



Samstag, 6. Mai 2023

Crowdfunding für ein Prospektionshandbuch

Auf der schweizerischen Crowdfunding-Plattform lokalhelden.ch, die von der Schweizer Raiffeisen-Bank unterstützt wird, werben Schweizer Kollegen für das Projekt eines Handbuchs zur archäologischen Prospektion.


 

Die Initiatoren - Mitglieder einer "Arbeitsgemeinschaft Prospektion", für die Fabio Wegmüller genannt wird, zu der man aber sonst nichts erfährt - begründen ihr Projekt mit der Bedeutung frühzeitiger Erkennung und Erfassung archäologischer Denkmäler für die Bodendenkmalpflege und der Bedeutung eines Ausbaus archäologischer Inventare. Im Handbuch sollen die archäologischen Prospektions- und Dokumentationsmethoden, ihre Vorbereitung, ihr Ablauf und ihre Dokumentation vorgestellt werden.

Das Manuskript scheint bereits zu existieren, gesammelt wird für die Publikation als gedrucktes Buch. Die eingeworbene Summe soll "für ein professionelles Layout, Redaktion, Lektorat und Druck der Bücher verwendet" werden. 

"Das Handbuch richtet sich an Personen, die an der archäologischen Prospektion interessiert sind. Es soll Laien, wie auch Archäologen und Archäologinnen eine schnelle und umfassende Orientierung zu den Methoden der Prospektion geben. Checklisten erleichtern den Einsatz und die Planung der Methoden im Feld. Dank dem handlichen Format kann es bei Feldeinsätzen gut mitgenommen werden."

Spender, die 25 CHF beitragen erhalten als Dank ein Buch.

 

Ein solches Handbuch scheint mir in der Tat ein gutes Unterfangen, insbesondere, wenn es sich auch an Laien richtet und beispielsweise erklärt, warum bloßes Sondeln wissenschaftlich unsinnig und kontraproduktiv ist, dabei aber auch aufzeigt, wie man es besser macht. Schulungen für Sondengänger fehlen und können von den amtlichen Archäolog*innen schon aus Kapazitätsgründen nicht geleistet werden. Insofern ist ein Handbuch, das auch Laien als Zielpublikum im Auge hat, ein guter Ansatz.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es dann nicht sinnvoller wäre auf ein online-Format im OpenAccess und mit Mobilversion fürs Handy zu setzen. Hier fallen allerdings nicht weniger Kosten an, da Lektorat und Redaktion hier genau so notwendig sind und anstelle der Druckkosten entsteht ein Aufwand zur Konzeption der online-Version, die in diesem Fall mehr sein sollte als ein pdf. Sie sollte mobil lesbar sein und die Chance nutzen, (Video-)Anleitungen und Dokumentationsformulare anzubieten. 

Für ein Crowdfunding ergibt sich dann freilich das Problem, dass ein gedrucktes Freiexemplar weniger attraktiv ist und  Unterstützer wohl deutlich schwerer zu gewinnen sind.

Trotz meiner Bedenken mag vielleicht der eine oder die andere Archaeologik-Leser*in das Projekt unterstützen! Einige Fachollegen sind in der Untersützerliste jedenfalls schon zu finden.


Dank für den Hinweis auf das spannende Projekt geht an Andreas Dix.

Montag, 14. August 2017

Welcome in the Age of Sensing!

Maurizio Forte/ Stefano R.L. Campana (Hrsg.)

Digital Methods and Remote Sensing in Archaeology. 
Archaeology in the Age of Sensing

Heidelberg: Springer 2016

ISBN 978-3-319-40658-9

117,69€, als e-book 91,62€




Die wichtigsten Fortschritte der Archäologie sind in den vergangenen Jahren der Entwicklung neuer Methoden zu verdanken. Dazu zählen auch die Methoden der Fernerkundung, die unseren Blick auf Kulturlandschaften der Vergangenheit radikal verändert haben. Einerseits sind wir heute in der Lage auch in schwierigem Gelände archäologische Reste besser aufzufinden und auch genauer zu dokumentieren. Noch vor wenigen Jahren waren Waldgebiete archäologisch schwierigstes Terrain. Geländeunebenheiten sind hier sehr schwer zu erkennen und eine Vermessung mit herkömmlichem Vermessungsgerät ist zeitaufwändig und relativ ungenau.

Methoden des Laserscans, sowohl terrestrisch als auch Flugzeug-gestützt erleichtern die Arbeit ganz erheblich. Um diese Methoden geht es im Kern in diesem Buch. Andere Prospektionsmethoden wie werden hingegen eher beiläufig thematisiert (vergl. Lasaponara/ Masini 2012).
Das erste Kapitel zu Technologien der Datenerschließung konzentriert sich auf das Laserscanning, einmal auf terrerstrische Scans (Nicola Lecari), wie sie vor allem auf der Ebene der einzelnen Fundstellen ("intra-scale") gebräuchlich sind und zum anderen auf airborne laserscans (Rachel Opitz).  Dabei beschreibt der erste Beitrag von Nicola Lercari das terrestrische Laserscan (TLS) im Vergleich mit anderen Verfahren wie der digitalen Fotogrammetrie, die in den vergangenen Jahren dem TLS vielfach den Rang abgelaufen haben. Während wir selbst bei unseren Forschungen vor einigen Jahren auf der Krim zur Vermessung der dortigen Höhlen vor allem mit Laserscannern gearbeitet haben, so kommen nun bei einem aktuellen Projekt in Serbien fotogrammetrische Verfahren zum Einsatz, die vom Gerät und von der Prozessierung effektiver sind.

Terrestrial laserscanner
Photoscan-Verfahren
  • hohe Anschaffungskosten sowie laufende Wartungskosten
  • Geräte zunächst sehr empfindlich (z.B. temperaturanfällig), zunehmend robuster
  • zunächst begrenzte Reichweite, jedoch bis 6000 m bei neueren Modellen
  • höhere Detailtreue
  • relativ aufwändige Datenprozessierung
  • mittels handelsüblichen Digitalkameras oder speziellen Sensoren (z.B. Structure Sensor)
  • Droneneinsatz möglich
  • Abhängigkeit von Lichtverhältnissen
  • Prozessierung mittels Structure from Motion (SFM) oder Dense Stereo Matching (DSM)
  • u.a. freie Software 
  • verbreitet online-Datamanagement
Der Beitrag von Rachel Opitz geht vor allem auf das Airborne Laserscanning (ALS) ein. Hier kam es in den vergangenen Jahren zu erheblichen technischen Verbesserungen einerseits bei der Datenerhebung, als auch bei den Prozessierungsmethoden. Die Klassifizierung der Messpunkte differenziert Reflektionen aus Baumkronen und Gebüsch von denen der Geländeoberfläche. Letztere sind in der Regel last-pulse-Daten, für die jedoch dichtes Gestrüpp oder Geröllfelder eine besondere Herausforderung darstellen. Wichtig für die Forschung ist es, die Geländedaten des ALS mit anderen Beobachtungen zusammenzuführen. Neben den Methoden des GIS ist hier die Möglichkeit von besonderer bedeutung, mittels eines GPS-gestützten Tablets das visualisierte Geländemodell vor Ort nutzen zu können und so vor Ort zu interpretieren und als Dokumentationsgrundlage zu nutzen.

Zwei Beiträge von S. Curry et al und T.F. Sonnemann behandeln - zusammengefasst als Teil II "Image and Digital Processing" - anhand von konkreten Forschungsprojekten Fragen der Daten- und Bildprozessierung. Durch die Kombination von TLS und Georadar (GPR), geeicht durch Testgrabungen ist es auf einem Schlachtfeld des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in North Carolina gelungen, die Geländeoberflächen des späten 18. Jahrhunderts zu rekonstruieren. So konnten Hohlwege und Geländekanten rekosntruiertw erden, die für eine lange Diskussion um das Schlachtgeschehen von Bedeutung sind.
Auf Hispaniola wurden mittels Dronen erstellte digitale Geländemodelle genutzt, um Erkenntnisse über die präkolumbische Besiedlung im Binnenland zu gewinnen. Feldbegehungen wurden hier mit Lufbildanalysen kombiniert. Bilder aus der Timeline von Google Earth beispielsweise zeigen den kurzfristigen Nutzungswechsel einer Parzelle, auf der Siedlungsspuren seit etwa 600 n.Chr. festgestellt wurden. Das detailliertes Geländemodell zeigt eine Reihe von kleinen Erhebungen, die als Abfallhaufen interpretiert werden. Sie erweisen sich als charakteristisches Element von präkolumbischen Siedlungsplätzen der Region.



 

Teil III "Landscape Representation and Scales" ist mit 7 Beiträgen der umfangreichste Teil. Frank Vermeulen berichtet über die Rolle der Fernerkundung für ein holistisches Verständnis antiker Städte im westlichen Mittelmeerraum.  Er zeigt zahlreiche Beispiele für den kombinierten Einsatz verschiedener Methoden. Deren Beitrag ist nicht immer gleich, sondern hängt oft von den Bodenverhältnissen ab. Während in der römischen Stadt Trea eine Georadar-Prospektion überhaupt keine Ergebnisse zeigt, bildet GPR in Mariana auf Korsika die grundlage für eine Grundrissrekonstruktion der Stadtquartiere.
Stefano Campana wendet sich dem ländlichen Raum zu. Nach der "neuen Welle" der archäologischen Surveys vor allem im Mittelmeerraum sieht er die aktuellen Projekte mit schnellen geophysikalischen Messsystemen als die dritte Welle archäologischer Surveys. Campana propagiert einen weniger fundstellen- als vielmehr großflächig landschaftsbezogenen Ansatz, wie er sich beispielsweise auch für die Forschungen zum mittelalterlichen Dorf als wesentlich erwiesen hat (Kastowsky-Priglinger u. a. 2013). Als Beispiel dient das Emptyscapes project, das 2014-5 mit Fallstudien in Mittelitalien durchgeführt wurde. Es kombinierte:
  1. traditionelle Ansätze (Literaturerfassung, Archivarbeit, Inschriften, Toponyme, Bildquellen, technische, historische und thematische Karten, geländemorphologie, feldbegehungen und Luftbildarchäologie)
  2. Umweltarchäologische Forschung (geo- und bioarchäologische Analysen)
  3. neue Techniken der geophysikalischen Prospektion (high-precision, high-speed, large-scale) und des LiDAR
  4. "minimalist test-excavation"

David Cowley untersucht an Beispielen die klassischen Faktoren der Formationsprozesse, die Survey-Daten beeinflussen. Er postuliert, dass auch die neuen Methoden diese Faktoren zu genau zu reflektieren haben.

Mit einer Fallstudie aus Copan in Honduras reflektiert der Beitrag von Heather Richards-Rissetto u.a. die Rolle von 3D-Visualisierungen. Dabei interessieren sie sich vor allem für die Rekonstruktion der Vegetation, die bei den meisten 3D-Modellen hinter dem Interesse an der Architekturrekonstruktion zurück tritt, für einen sozio-ökologischen Ansatz aber wichtig ist. Sie zeigen eine Methode, samt Workflow and Software, wie Kulturlandschaften auf der Basis von digitalen geländemodelle visualisiert werden können.

Viewshed-Analysen sind Thema des Beitrages von E. Triplett. Dabei geht es nicht nur um die klassischen Landschaftsanalysen, sondern auch den Architekturraum. Schritt für Schritt zeigt er mögliche Vorgehensweisen. Der folgende Beiträge geht  wieder verstärkt in die Datenerhebung, in dem er die Aussagekraft von Satellitenbildern an einem Beispiel aus Kambodscha aufzeigt.

Neben solchen technischen Fortschritten, die die Arbeit im Gelände erheblich erleichtern haben die modernen Methoden allerdings auch begonnen, unser Verständnis von Raum zu verändern. Die Analyse-Möglichkeiten der Geographischen Informationssysteme haben dazu beigetragen, dass derzeit ein Paradigmenwechsel stattfindet, weg von Vorstellungen, die Raum vor allem zweidimensional und territorial betrachten hin zu Konzepten, die Raum als Landschaft bzw. Umwelt oder Ökotop begreifen und anstelle von von Territorien eher soziale Netzwerke analysieren (Schreg 2017). Diese Bedeutung thematisieren John K. Millhauser und Christopher T. Morehart anhand eines forschungsgeschichtlichen Blicks nach Mittelamerika. Er weist darauf hin, dass Forschung im Umfeld mesoamerikanischer Kulturen heute ganz besonders in einem sozialen und politischen Kontext statt findet und etwas das Kartographieren bei der indigenen Bevölkerung als ein Herrschaftsinstrument wahrgenommen wird. Die Autoren warnen: "Current technologies of remote sensing, spatial analysis, and visualization provide levels of detail, accuracy, and accessibility in the work of archaeological mapping that are greater than have ever been possible. However, this level of precision can lead to a degree of confidence that is stripped of a responsible recognition of human investigators' judgement and imprecision as well as the historical and political context of their investigations." (S. 264).

Teil 4 wendet sich mit vier Beiträgen der "Simulation, Visualization and computing" zu. Die Beiträge von Maurizo Forte, Bill Seaman und Nicoló Dell'Unto reflektieren über neue Forschungsperspektiven und denken über neue Erkenntniswege nach, die sich aus einer "CyberArchaeology" ergeben. Schon im Vorwort war formuliert worden: "It is crucial not to consider them [digital technologies] as mere tools to achieve highly impressive and photorealistic reconstructions, but as data repositories and informative vehicles allowing for a more rapid and open dissemination of knowledge" (S. 482).  Forte und Seaman stellen dementsprechend dem Begriff des remote sensing den des poly sensing gegenüber, da die Vielzahl der Technologien und gedanklichen Zusammenhängen den modernen Methoden eher entspräche. Zugleich bezieht sich sensing mehr auf das Erleben des Forschers oder des Publikums als auf den Vorgang des Datenerhebens. Stärker technisch erscheint demgegenüber der Beitrag von Devin A. White, der die künftigen Möglichkeiten leistungsstarker Computer ins Blickfeld nimmt.

"Interpretation and Discussion" ist das Thema von Teil V. Hier finden sich wieder konkrete Feldprojekte, wie die vom LBIArchPro betriebene Forschung zu einer neolithischen Kreisgrabenanlage bei Hornsburg in Österreich. Jakob Kainz zeigt die Bedeutung der Synthese von Prospektion und Ausgrabung. 1982 war die Kreisgrabenanlage Hornburg 1 im Luftbild entdeckt worden und wurde seitdem mit Grabungen vor allem aber mit verschiedenen Prospektionsmethoden untersucht. Vor allem aber wurden die Grabungen mit geophysikalischen Messungen begleitet.
Willem F. Vletter und Sandra R. Schloen analysieren Kulturlandschaften in Veluwe (Niederlande) und im Leithagebirge (Österreich), die mit ALS dokumentiert wurden. Archäomagnetische und OSL-Datierungen, in begrenztem Umfang auch Radiocarbondatierungen sowie relativchronologische Abfolgen werden genutzt um eine chronologische Differenzierung zu erreichen. Die Syntehse erfolgt mittels OCHRE Data Service, der auch GIS-Funktionalitäten umfasst.  Neben die räumliche Dimension tritt hier nöch die der Zeit: 3D thinking”—or better 4D thinking considered that as archaeologists, we cannot avoid dealing with the chronological dimension" (S. vi)

Der abschließende Teil VI ("Cultural Resource Management: Communication and Society") umfasst zwei Beiträge, die sich mit dem praktischen Einsatz digitaler Daten in Museen und Denkmalpflege befassen..



Der Band bietet einen modernen weit gefassten Blick über verschiedenen Methoden und Ansätze und ist schon deshalb höchst willkommen, da die ganze technische Entwicklung sehr dynamisch und schnell voran geht und es schwierig ist, einen Überblick über aktuelle Trends zu behalten. Archaeologists "readily grasped the idea of its huge potential but did not see how to exploit it" (S. v). Hier ist der Band außerordentlich hilfreich. Er definiert remote sensing in der Archäologie eher weit:  
"any method that enables observation of the evidence on or beneath the surface of the earth, without impacting on the surviving stratigraphy, can legitimately be included within the ambit of remote sensing" (S. v)


Inhaltsverzeichnis

Part I Data Collection and Technology
  • Nicola Lercari: Terrestrial Laser Scanning in the Age of Sensing. S. 3
  • Rachel Opitz: Airborne Laserscanning in Archaeology: Maturing Methods and Democratizing Applications. S. 35

Part II Image and Digital Processing
  • Stacy Curry, Roy Stine, Linda Stine, Jerry Nave, Richard Burt and Jacob Turner: Terrestrial Lidar and GPR Investigations into the Third Line of Battle at Guilford Courthouse National Military Park, Guilford County, North Carolina. S. 53
  • Till F. Sonnemann, Eduardo Herrera Malatesta and Corinne L. Hofman: Applying UAS Photogrammetry to Analyze Spatial Patterns of Indigenous Settlement Sites in the Northern Dominican Republic. S. 71

Part III Landscape Representation and Scales
  • Frank Vermeulen: Towards a Holistic Archaeological Survey Approach for Ancient Cityscapes. S. 91
  • Stefano Campana: Sensing Ruralscapes. Third-Wave Archaeological Survey in the Mediterranean Area. S. 113
  • David C. Cowley: What Do the Patterns Mean? Archaeological Distributions and Bias in Survey Data. S. 147
  • Heather Richards-Rissetto, Shona Sanford-Long and Jack Kirby-Miller: 3D Tool Evaluation and Workflow for an Ecological Approach to Visualizing Ancient Socio-environmental Landscapes. S. 171
  • Edward Triplett: Visualizing Medieval Iberia’s Contested Space Through Multiple Scales of Visibility Analysis. S. 199
  • Kasper Hanus and Emilia Smagur: Pre- and Proto-Historic Anthropogenic Landscape Modifications in Siem Reap Province (Cambodia) as Seen Through Satellite Imagery. S. 229
  • John K. Millhauser and Christopher T. Morehart: The Ambivalence of Maps: A Historical Perspective on Sensing and Representing Space in Mesoamerica. S. 247

Part IV Simulation, Visualization and Computing
  • Maurizio Forte: Cyber Archaeology: 3D Sensing and Digital Embodiment. S. 271
  • Bill Seaman: Emergent Relationality System/The Insight Engine. S. 291
  • Nicoló Dell’Unto: Using 3D GIS Platforms to Analyse and Interpret the Past. S. 305
  • Devin A. White: Archaeology in the Age of Supercomputing. S. 323

Part V Interpretation and Discussion
  • William Fred Limp: Measuring the Face of the Past and Facing the Measurement. S. 349
  • Jakob Kainz: An Integrated Archaeological Prospection and Excavation Approach at a Middle Neolithic Circular Ditch Enclosure in Austria. S. 371
  • Willem F. Vletter and Sandra R. Schloen: Creating a Chronological Model for Historical Roads and Paths Extracted from Airborne Laser Scanning Data. S. 405

Part VI Cultural Resource Management: Communication and Society
  • Eva Pietroni: From Remote to Embodied Sensing: New Perspectives for Virtual Museums and Archaeological Landscape Communication. S. 437
  • Riccardo Olivito, Emanuele Taccola and Niccolò Albertini: Cultural Heritage and Digital Technologies. S. 475


Literaturhinweise

  • Kastowsky-Priglinger u. a. 2013
    K. Kastowsky-Priglinger – R. Schreg – I. Trinks – E. Nau – K. Löcker – W. Neubauer, Long term integrated archaeological prospection on the Stubersheimer Alb - giving meaning to a marginal landscape, in: W. Neubauer – I. Trinks – R. B. Salisbury – C. Einwögerer (Hrsg.), Archaeological Prospection. Proceedings of the 10th International Conference - Vienna May 29th - June 2nd 2013 (Wien 2013) 99–100
  • Lasaponara – Masini 2005
    R. Lasaponara – N. Masini, QuickBird-based analysis for the spatial characterization of archaeological sites: Case study of the Monte Serico medieval village, Geophys. Res. Lett. 32, 2005, 4
  • Schreg 2017
    R. Schreg, Interaktion und Kommunikation im Raum – Methoden und Modelle der Sozialarchäologie, in: S. Brather – J. Dendorfer (Hrsg.), Grenzen, Räume und Identitäten. Der Oberrhein und seine Nachbarregionen von der Antike bis zum Hochmittelalter. Tagung Freiburg, 13. – 16. November 2013, Archäologie und Geschichte 22 (Ostfildern 2017) 455–492

Sonntag, 26. Februar 2017

Global Xplorer - archäologische Fernerkundung und Dokumentation von Raubgrabungen

Sarah Parcak hat 2016 den TED-Price gewonnen, mit einem Preisgeld, das in die Entwicklung von Global Xplorer fließen soll, einer Citizen Science-Plattform, mit der Fernerkundungsdaten für archäologische Prospektionen eingesetzt und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ausgewertet werden.

Zum Projekt:

Durch Raubgräber zerstörte archäologische
Fundstelle in Rontoy, Huaura-Tal, Peru. Juni 2007
(Foto: Nathancraig [CC BY 3.0] via Wikipedia)
Derzeit steht ein Projekt im Vordergrund, mit dem in Peru die Spuren von Raubgrabungen dokumentiert werden sollen. In Kooperation mit den peruanischen Behörden sollen Luftbilder durch interessierte Laien auf Raubgrabungsspuren durchgesehen und markiert werden. Ein Handbuch und ein System der Verifizierung dienen der Qualitätssicherung der von Laien beigesteuerten Beobachtungen.

Montag, 21. Dezember 2015

PAS am Scheideweg

In England steht das Portable Antiquities Scheme am Scheideweg. Nach Mittelkürzungen fallen viele der FLOs weg und für die Zahlungen - die der 'Kundschaft' von PAS immer so wichtig waren - ist kein Geld mehr da. Die Spendenbereitschaft der Nutznießer ist gleich null. Organisatorisch ist PAS nun der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des British Museum angegliedert, was prinzipiell zu begrüßen ist, denn genau diese war in der Vergangenheit eher fatal: Es gibt keine Anleitung für die Sondengänger für die verantwortungsvolle Praxis, in Form einer Darstellung, die einmal erklären würde, was ein Fundkontext ist und weshalb eine Dokumentation so wichtig ist. Immer wieder kam es zu Fällen, wo unter den Augen der FLOs archäologische Fundstellen vernichtet wurden, darunter ein Fall, in dem möglicherweise ein frühmittelalterliches Gräberfeld nicht erkannt wurde, stattdessen aber zahlreiche 'Hortfunde' auf einem Feld geborgen wurden.
Allerdings wird gerade an der Arbeit mit den Sondlern nun massiv gekürzt.

Mit Stand Anfang 2015, als die Neuorganisation von PAS nur in Anfängen zu erkennen war (bis heute scheint es keine klare Kommunikation der aktuellen Situation zu geben), fasst ein Artikel im neuesten Band der Archäologischen Informationen die Rolle von PAS zusammen.


Montag, 7. Dezember 2015

Archäologische Prospektion in historischen Luftbildarchiven

William S. Hanson/ Ioana A. Oltean (ed.)
Archaeology from Historical Aerial and Satellite Archives

(New York, Heidelberg, Dordrecht, London: Springer 2013).

ISBN 978-1-4614-4504-3

117,29€ (als e-Book 91,62€)





Luftbildarchäologie ist in hohem Maße vom richtigen Befliegungszeitpunkt abhängig. Oft ist es nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, in dem die richtigen Bedingungen herrschen, um ein Bodendenkmal sichtbar zu machen. In Deutschland war man zudem lange Zeit der Meinung, für die Zwecke der Archäologie seien nur Schrägaufnahmen brauchbar. Die für Zwecke der Geoinformatik wie auch für die militärische Aufklärung regelmäßig angefertigten Senkrecht-Aufnahmen, deren Flugtermin sich auch nicht an optimalen Beobachtungsbedingungen für Bewuchsmerkmale orientierte, schienen für die Luftbildarchäologie hingegen eher uninteressant. Man sah deshalb nur geringe Chance in vorhandenen Luftbildarchiven beispielsweise der Landesvermessungsämter archäologisch interessante Aufnahmen zu finden. Luftbildarchäologie bestand deshalb weitgehend aus aktiven, mehr oder weniger gezielten, jedenfalls aber archäologisch initiierten Befliegungen.

Inzwischen stehen viele Luftbilder online, meist eben die lange wenig geschätzten Senkrecht-Aufnahmen. Dabei zeigt es sich, dass selbst bei Google interessante archäologische Befunde zu entdecken sind. Hier auf Archaeologik wurden schon mehrfach entsprechende Beispiele gezeigt (vergl. Archaeologik), vor allem aber war von jener Entdeckung die Rede, bei der es gelungen ist, von Tübingen aus erstmals sog. "raised fields" in Mittelamerika zu identifizieren (http://archaeologik.blogspot.de/2015/02/publikation-zu-den-hochbeeten-von.html).


Grabhügel, Grubenhäuser und römische Gebäude bei Google Maps in der Oberrheinebene


Frühmittelalterliche Siedlung in Burgund
(vergl. Eine frühmittelalterliche (?) Siedlung in Burgund. Archaeologik (30.6.2012)



Welches Potential in existierenden Luftbildarchiven steckt, zeigt der Band von Hanson & Oltean in zahlreichen Beispielen. Sie decken viele Regionen Europas ab: England, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Italien, die ehemalige Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Rußland sowie darüber hinaus Armenien, Jordanien, Kambodscha und Uruguay. Beispiele aus Deutschland fehlen. Die Beispiele betreffen damit sehr unterschiedliche Naturräume mit ganz unterschiedlichen Potentialen für die archäologische Luftbildforschung.




Inhaltsverzeichnis

Part I: Introduction
William S. Hanson (et al.)
A Spy in the Sky: The Potential of Historical Aerial and Satellite Photography for Archaeological Research
S. 3-10

Part II: Opening Doors: Aerial and Satellite Archives
David C. Cowley, (et al.)
The Aerial Reconnaissance Archives: A Global Aerial Photographic Collection
S. 13-30

Peter McKeague (et al.)
Blitzing the Bunkers: Finding Aids – Past, Present and Future
S. 31-46

Martin J. F. Fowler,
Declassified Intelligence Satellite Photographs
S. 47-66

Part III: Historical Aerial and Satellite Photographs in Archaeological Research
Birger Stichelbaut (et al.)
First World War Aerial Photography and Medieval Landscapes: Moated Sites in Flanders
S. 69-85

Tony Pollard (et al.)
The Use of First World War Aerial Photographs by Archaeologists: A Case Study from Fromelles, Northern France
S. 87-103

Andrew Young,
Historic Vertical Photography and Cornwall’s National Mapping Programme
S. 105-122

Patrizia Tartara,
The Use of Historical Aerial Photographs in Italy: Some Case Studies
S. 123-145

Ioana A. Oltean,
A Lost Archaeological Landscape on the Lower Danube Roman
S. 147-164

Zsolt Visy,
The Value and Significance of Historical Air Photographs for Archaeological Research: Some Examples from Central and Eastern Europe
S. 165-177

Iván Fumadó Ortega (et al.)
Archaeology from Aerial Archives in Spain and Portugal: Two Examples from the Atlantic Seaboard
S. 179-197

Natal’ya S. Batanina (et al.)
Soviet Period Air Photography and Archaeology of the Bronze Age in the Southern Urals of Russia
S. 199-219

Robert Bewley (et al.)
Historical Aerial Imagery in Jordan and the Wider Middle East
S. 221-242

José Iriarte
“Down Under in the Marshes”: Investigating Settlement Patterns of the Early Formative Mound-Building Cultures of South-Eastern Uruguay Through Historic Aerial Photography
S. 243-259

Anthony R.Beck (et al.)
The Archaeological Exploitation of Declassified Satellite Photography in Semi-arid Environments
S. 261-278

Rog Palmer
Uses of Declassified CORONA Photographs for Archaeological Survey in Armenia
S. 279-290

Damian Evans (et al.)
Pixels, Ponds and People: Mapping Archaeological Landscapes in Cambodia Using Historical Aerial and Satellite Imagery
S. 291-313

Ioana A. Oltean (et al.)
Integrating Aerial and Satellite Imagery: Discovering Roman Imperial Landscapes in Southern Dobrogea (Romania)
S. 315-336




Deutsches Flugzeug über den Pyramiden während
eines Bombenangriffs auf Kairo 1916 (evtl. gestellt)
(Foto: Falke, Australian armed forces
[Public Domain] via Wikimedia Commons)
Die meisten Luftbilder, die in den Beiträgen herangezogen werden, sind in militärischem Kontext entstanden. In Flandern und in Nordfrankreich sind Luftbilder aus dem Ersten Weltkrieg von Bedeutung. Der Beitrag von Stichelbaut u.a. (S. 69ff.) zu Flandern zeigt das Potential der Bilder nicht nur für eine Rekonstruktion der Kriegslandschaft des Ersten Weltkriegs, sondern auch für die Lokalisierung archäologischer Fundstellen in dieser massiv durch die Schlachten umgewühlten Region. Eine Verifizierung der Beobachtungen ist heute kaum mehr möglich und so bleibt die Interpretation einiger Kreisstrukturen als bronzezeitliche Grabhügel unklar. Es könnte sich hier auch um militärische Anlagen handeln. Sicherer ist die Ansprache im Falle der etwas komplexeren Strukturen mittelalterlicher Niederungsburgen. Viele von ihnen sind nur aus den Luftbildern des ersten Weltkriegs bekannt (fig. 5.5.).
Der Beitrag von Robert Bewley und David Kennedy (S. 221ff.) zeigt das Potential historischer Luftbilder aus Jordanien und Palästina. Ihre Existenz war schon lange bekannt - viele der Bilder stehen auch online etwa unter https://www.flickr.com/photos/apaame/collections/72157627159146427/ oder dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv -  doch hat erst die aktuelle Krise im Nahen Osten zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit ihnen geführt.

Für die Verwendung historischer Luftbilder ist vor allem die Ermittlung einschlägiger Bildbestände und -archive nicht immer einfach. Aufgrund ihres militärischen Hintergrundes befinden sie sich häufig nicht in dem betreffenden Land, sondern zerstreut in ausländischen (Militär-)Archiven der kriegsführenden Parteien oder ehemaligen Kolonialmächte. Viele Luftbilder sind schon früher an Archäologische Institute gelangt. Einzelne sind schon früher publiziert worden.

Mehrere Beiträge ziehen CORONA-Satellitenbilder aus den 1960er und 70er Jahren heran (vergl. Archaeologik 8.12.2011).. I.A. Oltean und W.S. Hanson (S. 315ff.) nutzen sie im letzten Beitrag des Bandes, um den römischen Limes an der Unteren Donau in Rumänien zu rekonstruieren. R. Palmer (S. 279ff.) nutzt Corona-Bilder von 1970, um in Armenien einen ersten Eindruck der Siedlungslandschaft zu gewinnen. Ihren besonderen Wert entfalten die Corona-Aufnahmen beispielsweise in Kambodsche (Beitra. D. Evans/ E. Moylan, S. 291ff.), wo die Landschaft durch die Agrarpolitik der Roten Khmer grundsätzlich verändert wurde.


Corona-Satelittenbild (Center for Advanced Spatial Technologies, University of Arkansas/U.S. Geological Survey)
Der Band zeigt sehr schön das Potential historischer Luft- und Satellitenbilder. Mehrfach werden auch online-Datenbanken angegeben, bei denen oft allerdings eine freie Nachnutzung nicht gegeben scheint. Man vermisst eine Zusammenfassung der verschiedenen Erfahrungen, aus denen man ja auch einige Handlungsempfehlungen ableiten kann, wie künftig mit entsprechenden Luftbildern umgegangen werden sollte und wie man ihre Recherchierbarkeit verbessert.


Donnerstag, 5. November 2015

Landnutzung und Siedlungsentwicklung im Umfeld des Karlsgrabens. Scherbenschleier als archäologische Quelle

Beitrag von Tamara Ruchte, Larissa Schulz und Lukas Werther


Oberflächenfunde dienen meist ausschließlich der Lokalisierung von archäologischen Fundstellen im engeren Sinne. Ihr Aussagewert für Fragen der Landnutzung und Landschaftsentwicklung, die über die Ebene einzelner Fundstellen hinausgehen, wird vielfach nicht erkannt. Vor allem Oberflächenfunde des Mittelalters und der Neuzeit werden häufig nicht als archäologische Quellen verstanden, bei Begehungen nicht geborgen oder zumindest nicht sorgfältig dokumentiert. Aktuelle Forschungen im Umfeld des Karlsgrabens zeigen exemplarisch das Potential einer systematischen Bearbeitung dieser Quellengruppe.
 

Arbeitsgebiet und Projektrahmen

Seit Frühjahr 2013 wurden im Umfeld des frühmittelalterlichen Karlsgrabens (Mittelfranken) mit einem Team aus Studierenden und Ehrenamtlichen in mehreren Kampagnen sehr große Ackerflächen systematisch begangen. Ausgangspunkt der Prospektionsarbeiten war die Analyse der lokalen Siedlungslandschaft und Verkehrsinfrastruktur im Umfeld des Kanalbauwerkes, das seit 2012 in einem DFG-geförderten Projekt untersucht wird (Werther 2014; allgemein Ettel u.a. 2014). Neben Aussagen zum Frühmittelalter und zu möglichen vorgeschichtlichen Fundstellen ermöglicht das Fundmaterial allerdings auch die Analyse und Rekonstruktion der hoch- und spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Landnutzung und Siedlungsgenese. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich ein wesentlicher Teil des Scherbenschleiers auf den Feldern aus sekundär verlagerten Funden zusammensetzt, die durch (Mist-)Düngung aus den Siedlungen auf die Äcker gelangten. Bislang wurde im deutschsprachigen Raum kaum systematisch untersucht, wann dieser Scherbenschleier entstand und welche Prozesse dafür verantwortlich sind (vgl. Schreg 2013; Jones 2004; Jones 2009; Jones 2012; Dyer 1990; Hayes 1991). Der vorliegende Beitrag soll erste Ergebnisse im Sinne eines Arbeitsberichts vorstellen und einen kleinen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke leisten. Vor der eigentlichen Publikation soll so auch eine Grundlage für die Diskussion der Thematik mit allen Interessierten geschaffen werden.
 

Methodik

Die Begehungsflächen mit einem Umfang von deutlich über 100ha verteilen sich in einem Streifen von 500m beiderseits des Karlsgrabens. Durch Begehung von 2m breiten Streifen im Abstand von 8m wurden jeweils 25% der Feldoberflächen systematisch abgesucht. Erfasst wurden dabei Artefakte jeglicher Art und Zeitstellung – von bearbeiteten Steinen über Keramik und Ziegel bis hin zu modernen Verpackungsmaterialien. Auf den Äckern fand also keine Vorselektion des Fundmaterials statt. Die Einmessung jedes Fundpunktes erfolgte zentimetergenau mit Hilfe eines Differential-GPS. An jedem Fundpunkt wurden Objekte aus dem Umkreis von etwa 1m in einer Tüte zusammengefasst und gemeinsam eingemessen. Aktuell (Stand Herbst 2015) umfasst das Fundinventar knapp 15.000 Fundtüten, von denen bislang knapp 9000 inventarisiert wurden (Abb. 1).


Abb. 1: Arbeitsstand der Begehungen im Karlsgrabenumfeld. Grün: inventarisierte Funde, Rot: noch nicht inventarisierte Funde (Stand September 2015) Geobasisdaten © Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformation 2012, mit freundlicher Genehmigung.

Die detaillierte Aufnahme des Materials dieser ca. 9000 Tüten mit insgesamt 16.715 Einzelobjekten bildet die Grundlage der vorliegenden Auswertung. Auf dieser Basis ist es möglich, erste Entwicklungslinien von Landnutzung und Siedlungsentwicklung im Umfeld des Karlsgrabens nachzuzeichnen. Nach Abschluss der Begehungen und der vollständigen Inventarisierung wird die Gesamtanalyse erfolgen. Wesentliche Aspekte der Quellenkritik, insbesondere der Faktor erosiver Materialverlagerungen und anderweitiger Fundstellenüberdeckungen, können erst in die Gesamtanalyse einfließen.

Donnerstag, 24. April 2014

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0

Ein Gastbeitrag von Biggi Schroeder

In der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege ist die exakte Dokumentation der Funde und Befunde extrem wichtig. Dazu gehört auch die mobile Erfassung (Einzelfund-Einmessung) der Fundpunkte per GPS-Handheld. Zur Weiterverarbeitung dieser Geodaten steht den Ehrenamtlichen mit QGIS 2.0 eine benutzerfreundliche, kostenfreie Open-Source-Anwendung zur Verfügung, welche die Dokumentation von archäologischen Funden qualitativ auf ein höheres Level stellt. Erlernen kann es im Prinzip jeder, der das notwendige Interesse mitbringt. Es stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung, sich in die Materie einzuarbeiten.

Einzelfundeinmessung gehört heute zu
den Grundprinzipien archäologischer 
Geländearbeit. QGIS ermöglicht es auch
den ehrenamtlichen Mitarbeitern ihre Funde
zu kartieren (Foto: B. Schroeder)
Der Workshop
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes Hessen bin ich seit 2009 - mit der dazu erforderlichen Nachforschungsgenehmigung - aktiv in der Bodendenkmalpflege tätig. Um die bei den Feldbegehungen gesicherten Funde und Befunde zu kartieren, habe ich bis vor einem Jahr die Anwendung „Hessenviewer“ genutzt. Die Benutzung war zum Teil recht umständlich und die Ergebnisse waren nicht immer zufriedenstellend. Rainer Schreg war es, der mich damals auf die Idee brachte, eine OpenSouce GIS-Anwendung für die Zwecke der Kartierung zu nutzen. Ich entschied mich nach einiger Recherche für die Installation der Software QGIS (Version 1.7). Nach ersten „Gehversuchen“ und vielen offenen Fragen stieß ich durch Zufall auf die fachlich orientierte facebook-Gruppe „Archäologie und GIS“. Hier kam ich erstmals mit Kai-Christian Bruhn, Professor für Informations- und Messtechnik in der Archäologie an der  FH Mainz,  in Kontakt, der spontan anbot, mir mit einem Crash-Kurs den Einstieg zu erleichtern. So entstand später auch die Idee zu einem Workshop für Ehrenamtliche, welcher unter seiner Leitung am 12. April erstmals an der an der FH Mainz (Geoinformatik & Vermessung) veranstaltet wurde. Unterstützt wurde er von Tobias Kohr und Thomas Engel, die als wissenschaftliche Mitarbeiter am i3mainz, Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik an der FH Mainz diverse Forschungsprojekte im Bereich Archäologie und GIS durchführen. Der Workshop war eine Veranstaltung von terraplana in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden und der i3mainz -Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik, Fachhochschule Mainz.

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS
Die Motivation der 11 Teilnehmer war recht einheitlich: Vorhandenes Grundwissen zu ergänzen und zu erlernen, wie man QGIS 2.0 möglichst effektiv für die Erfassung, Verwaltung und Kartierung von Geodaten, speziell für die eigene Fundverwaltung nutzen kann.

Zu Beginn des Workshops erklärte Kai-Christian Bruhn, er verstehe sich an diesem Tag ebenfalls als Ehrenamtlicher, denn die Entwicklung und Verbreitung von Open Source Software wie QGIS 2.0 habe viel mit ehrenamtlichen Engagement gemeinsam. So vermittelte er uns im Laufe der folgenden 7 Stunden zunächst die notwendigen Grundlagen zu QGIS und Geodaten allgemein. Im Folgenden bekamen wir Einblicke in die Themenbereiche Geometrie, Topologie, Thematik, Semantik und Dynamik von Geodaten sowie Koordinatenbezugssystemen, Geodatenformaten und den messtechnischen Grundlagen der Erfassung per GPS. Die praktischen Übungen waren geprägt vom Einbinden von Geodiensten, der Vektorisierung von Geodaten und der Georeferernzierung von Kartenmaterialien. Zum Schluss wurde gezeigt, wie man die Daten dann in einer Druckzusammenstellung anschaulich darstellen kann. Jeder von uns bekam den Link zu der von Prof. Bruhn erstellten Präsentation, welche neben den behandelten Themen eine Vielzahl an nützlichen Links und Tipps enthielt.
Diese Präsentation steht auch online:
Am Ende bleibt festzuhalten: Die Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop wurden erfüllt! Da allerdings die praktischen Übungen aus Zeitgründen etwas zu kurz kamen, wünschten sich alle Teilnehmer einen Folgekurs.
Zum Umgang mit archäologischen Funden gehört eben nicht nur die Geländearbeit, sondern auch deren Dokumentation. Kostenlose GIS-Programme ermöglichen es heute auch dem Ehrenamtlichen, Funddaten so aufzuzeichnen, dass sie wissenschaftlich auch tatsächlich verwertbar sind.

Ausdrücklicher Dank für die Unterstützung geht nochmals an Kai-Christian Bruhn!




Biggi Schroeder ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie und macht regelmäßige Begehungen auf mittelalterlichen Wüstungen. Sie hat den Workshop mit Kai-Christian Bruhn als eine Veranstaltung des Vereins terraplana organisiert, dessen Vorstand sie angehört.


Dienstag, 25. Juni 2013

Zerstörungsfreie Archäologie - Landschaftsarchäologie und Geo-Archäometrie

Höhere Auflösung, Motorisierung, GPS-Lokalisierung und die Integration verschiedener Methoden bieten heute Möglichkeiten einer zerstörungsfreien Untersuchung von Fundplätzen, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren. Sie eröffnen ungeahnte Chancen für die archäologische Forschung, zeigen aber auch, wie wichtig es ist, Fundaufsammlungen und Grabungen sorgfältig zu planen, um die Ergbnisse aller Methoden zu ermöglichen. Das beinhaltet beispielsweise eine möglichst exakte Einzelfundeinmessung, da Fundverlagerungen durch Pflug und Bodenerosion eben nicht vorausgesetzt werden dürfen und leicht überschätzt wird. Zudem erlaubt die Überlagerung der Verteilung von Funden mit dem geomagnetischen Messbild und deren statistische Bewertung oft auch noch dann Aussagen zur Datierung und Funktion von Befunden, wenn die Funde im Pflughorizont bereits verlagert sind. Die vor allem von Sondengängern lauthals vertretene Meinung, Funde aus dem Pflughorizont hätten ohnehin keinen Kontext mehr, erweist sich als grundlegend falsch.

Vom 29. Mai bis zum 2. Juni 2013 fand in Wien bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die 10th International Conference on Archaeological Prospection statt. Ausgerichtet wurde die Konferenz von der ÖAW und dem Ludwig Boltzmann Institute  for Archaeological Prospection and Virtual Archaeology.
 
Archaeological Prospection 2013
10th International Conference on Archaeological Prospection
Austrian Academy of Sciences, Vienna, May 29th – June 2nd 2013

http://archpro.lbg.ac.at/archaeological-prospection-2013