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| Adventskalender 2023 |
Archaeologik ist ein Wissenschaftsblog zu Themen der Archäologie und des Kulturgutschutzes. Er zielt auf eine kritische Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie auseinandersetzt und die alltägliche Forschungspraxis reflektiert.
Archaeologik is a science blog contributing to various aspects of critical archaeology and cultural heritage including methodology, theory and daily archaeological practice.
Montag, 11. Dezember 2023
Montag, 20. November 2023
Prospektion mit alten Bildern
- Dank alter US-Spionagesatelliten: Hunderte römische Forts in Syrien entdeckt. Heise.de (27.10.2023). - https://www.heise.de/news/Freigegebene-Fotos-von-US-Spionagesatelliten-Hunderte-roemische-Forts-entdeckt-9346545.html
- J. Casana/ D. Goodman/ C. Ferwerda, A wall or a road? A remote sensing-based investigation of fortifications on Rome's eastern frontier. Antiquity 2023, 1-18. - https://doi.org/10.15184/aqy.2023.153
Der methodische Ansatz ist nicht ganz neu, er hat sich gerade für römische Militärlager bewährt:
- W.S. Hanson/ I.A. Oltean (Hrsg.), Archaeology from Historical Aerial and Satellite Archives (New York, Heidelberg 2013)
Dienstag, 16. August 2022
Samstag, 16. April 2022
Notgrabung als Selbstzweck: Kontroverse um das „roman quarter Eboracum“ in York
Jutta Zerres
Es ist ein legitimes Anliegen einer Stadt ihre Vergangenheit zu präsentieren, nicht nur aus ideellen, sondern auch aus ökonomischen Gründen und in Sachen Historie und Denkmäler hat die nordenglische Stadt York neben der berühmten Kathedrale einiges zu bieten: Der römerzeitliche Vorgänger Yorks mit Namen „Eboracum“ nahm seinen Anfang unter Kaiser Vespasian als Militärbasis am linken Ufer der Ouse; die Zivilsiedlung lag gegenüber. Am Beginn des 3. Jahrhunderts avancierte letztere zur Kolonie und wurde die Hauptstadt der neu geschaffenen Provinz Britannia inferior. Nach der Reichsreform des Diokletian im Jahre 296 behielt die colonia Eboracensium den Rang als Verwaltungszentrum der neugegründeten Provinz Britannia secunda. Römische Kaiser residierten hier zeitweise: Septimius Severus und Constantius Chlorus, der hier im Jahre 306 verstarb. Seine Truppen riefen dessen Sohn Constantin am Ort zum Kaiser aus. Reste des Legionslagers wurden unter dem York Minster freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Teile der spätrömischen Kastellmauern sind zu besichtigen und eine Therme, eine Basilika, eine Brücke sowie Gräberfelder sind ebenfalls bekannt. Das Yorkshire Museum und die Website „History of York“ zeigen einen Überblick.
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| Die moderne Statue des Kaisers Constantin vor der Kathedrale erinnert an die historische Bedeutung der römischen Stadt Eboracum. (Foto: Son of Groucho [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons) |
Neue Pläne des Unternehmens „Rougier Street Developments“ sehen vor, den Bestand der sichtbaren römischen Denkmäler für Besucher zu erweitern und museal zu erschließen. Dafür soll das „Northern House“, ein schmuckloses Gebäude aus den 1960er Jahren in der Rougier Street, abgerissen werden. Hier befindet man sich topografisch im Herzen der antiken Zivilsiedlung. Nach den Ausgrabungen ist der Bau eines unterirdischen Besucherzentrums namens „Eboracum“ mit thematischem Fokus auf der römischen Vergangenheit geplant. So weit so gut.
Die Kontroverse entzündet sich daran, dass das Besucherzentrums durch den Ersatz des „Northern House“ finanziert werden soll. Die Pläne sehen über dem Museum ein 10-stöckiges Gebäude mit einem Hotel, 153 Wohnungen und Büroflächen vor. „Rougier Street Developments“ und das kommerzielle Archäologie-Unternehmen York Archaeology Trust (YAT), das nicht nur Grabungen durchführt, sondern auch ein Consulting für Bauherren anbietet und Vermittlungsarbeit betreibt, beziffern den Gewinn, den das Projekt über 30 Jahre hinweg generieren mit 315 Millionen Pfund. Hinzu kämen 625 neue Arbeitsplätze.
Wohlgemerkt: Die Befunde und Funde, die präsentiert werden sollen, liegen noch nicht vor, sondern sollen erst durch die Ausgrabungen erschlossen werden. Unter den Kritikern sind die Denkmalschutz-Organisation „Historic England“ und das „Council for British Archaeology“ (CBA). Dessen Geschäftsführer Neil Redfern resümiert bestürzt, dass man also ein Besucherzentrum etablieren und für eben dieses ein sehr großes Loch graben möchte, um das Material zu finden, das dann an Ort und Stelle präsentiert werden soll. Zur Finanzierung des Ganzen sei der Bau eines extrem großen Gebäudes nötig.
Redfern stellt Fragen: Normalerweise würden Archäologen erst dann hinzugezogen, wenn ein Bauprojekt geplant sei und der Bodeneingriff sei nicht größer als nötig. Lediglich ein Drittel des Geländes würde archäologisch erschlossen, was aber geschehe mit dem Rest? In ca. 6 m Tiefe werde man voraussichtlich auf römische Schichten treffen, zuvor müsse man sich jedoch durch angelsächsische und wikingerzeitliche Schichten graben - die sich anderswo im Stadtzentrum als sehr bedeutend und obendrein sehr fundreich erwiesen haben. Im 9. Jahrhundert wurde York zu einem Zentrum der skandinavischen Besiedlung Nordenglands. Das Jórvík Viking Centre ist ein 1984 gegründetes, vom YAT getragenes, sehr erfolgreiches archäologisches Museum der Stadt, das anhand der Coppergate-Grabungen 1976-81 den Alltag der Wikingerzeit präsentiert. Was also passiert, wenn in der Rougier Street herausragende Befunde nachrömischer Zeit auftreten? Kann die geplante Frist von zwei Jahren unter diesen Umständen eingehalten werden? Was soll aus dem Besucherzentrum werden, wenn die erhofften römischen Befunde ausbleiben?
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| Eingang zum Jórvík Viking Center, 19 Coppergate (Foto: Jeremy Bolwell [CC BY SA 2.0] via WikimediaCommons) |
David Jennings, der Geschäftsführer von YAT, entgegnet, dass die Grabungstechniken heute besser seien als vor Jahrzehnten und dass für Ausgräber das Auftreten unerwarteter Situationen zur Praxis gehöre. Die Einhaltung der zweijährigen Frist sieht er daher nicht gefährdet. Der Grund dafür, dass nur ein Drittel des Geländes ausgegraben werde, läge in dem Umstand begründet, dass das „Northern House“ zum Teil auf dem Areal einer alten Tankstelle errichtet wurde. Durch die ehemals tief in der Erde versenkten Tanks wäre bereits ein großer Teil des archäologischen Materials bereits verloren.
Das Dilemma ist klar: Einerseits belegen die Vorgänge, dass Archäologie entgegen der landläufigen Meinung nicht bloß ein notwendiges Übel und lästiger Kostenfaktor ist, sondern selber einen Umsatzfaktor darstellen kann. Andererseits ist es aus der denkmalpflegerischen Perspektive ein „No-Go“ Ausgrabungen durchzuführen mit dem Ziel etwas Vorzeigbares zu finden und kommerziellen Interessen zu dienen.
Allerdings wäre ein normales Investitionsprojekt möglicherweise gar nicht zu verhindern und Ausgrabungen wären dann ohnehin notwendig, aber mit geringerem Engagement des Investors.
Oder geht es letztlich einfach darum, in sensiblem Gelände eine Baugenehmigung zu erhalten?
Links
- York divided over plan for new ‘Roman quarter’ (hotel and 153 flats included). The Guardian (10.4.2022). - https://www.theguardian.com/science/2022/apr/10/york-divided-over-plan-for-new-roman-quarter-hotel-and-153-flats-included (mit Visualisierung des Projekts)
- Plan for flats, hotel and museum ‘will harm York’s historic environment’ say experts. YorkMix (28.3.2022). - https://yorkmix.com/plan-for-flats-hotel-and-museum-will-harm-yorks-historic-environment-says-experts/
- York Roman Quarter: New plans submitted after rejection. BBC News (27.1.2022). - https://www.bbc.com/news/uk-england-south-yorkshire-60153251
- The Roman Quarter - https://northstarim.com/the-roman-quarter
Seite des Projekts - https://de.wikipedia.org/wiki/Eboracum
Montag, 4. Februar 2019
Petition zum Erhalt des Römerlagers Wilkenburg
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| Grabungsschnitt mit ausgeschältem Spitzgraben (Foto Axel Hindemith [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons) |
Erste Medienresonanz
Links
Mittwoch, 18. Oktober 2017
Der Aquaedukt auf der Betonbrücke
Dafür wurde nun für 3,5 Mio € ein Betonkasten gebaut, der die konservierten Pfeilerreste in ihrer Originalposition hält.
„Das Aquädukt ist in seinem gesamten Verlauf ein Kulturdenkmal. ... Der Erhalt von historischer Substanz ist sinnvoll, da sonst ein Denkmal immer stärker reduziert werden könnte - bis zum Schluss quasi nur noch ein 'Belegpfeiler' übrig bleibt. Es käme ja auch keiner auf die Idee zu sagen: Der Dom kann abgerissen werden, zwei Türme oder eine Wand genügen, um zu wissen, wie er gebaut ist.“ erklärte Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Mainzer Dienststelle der Direktion Landesarchäologie der GDKE (Generaldirektion Kulturelles Erbe) Rheinland-Pfalz. Tatsächlich wurde die Wasserleitung in den letzten Jahren an verschiedenen Stellen bei Baumaßnahmen aufgedeckt, aber wohl in situ belassen.
| freigelegter Abschnitt des Aquaedukts in einem Abschnitt weiter westlich (Google Maps) |
| Römersteine in Zahlbach (Foto: R. Schreg, 2009) |
Die Hoffung auf künftige neue Möglichkeiten ist in der Archäologie nicht unrealistisch, wie die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnten gezeigt hat. Wir verfügen nun über früher ungeahnte neue Methoden der Erfassung und Dokumentation, etwa in der Geophysik, der digitalen 3D-Dokumentation oder auch in der Geoarchäologie, die uns wesentliche Informationen über vergangene Landschaftszustände vermittelt. Immer war es dabei jedoch Voraussetzung, dass möglichst viel von der Originalsubstanz erhalten war. Restaurierte Pfeiler von ihrem Kontext isoliert in einem Betonkasten sind nicht gerade vielversprechend, dass damit künftig viel Wissenschaft zu betreiben ist. Georeferenzierte 3D-Modelle sind hoffentlich bereits jetzt angefertigt worden.
Nun ist es allerdings so, dass es durchaus einige Fragen gibt, die man an die Wasserleitung herantragen könnte und müsste. So wäre es nicht uninteressant, näheres über die Mikrotopographie des Aquaeduktes zu wissen. Über was für ein Land führte die Wasserleitung hinweg? Ackerland oder Brachland? Gab es eine Nutzung unter den Brückenbögen des römischen Aquaedukts? Gab es eine begleitende Straße? Wo kreuzten Wege die Wasserleitungstrasse? Vielleicht könnte man sogar feststellen, ob das Aquaedukt dicht war, oder ob sich im Boden Feuchtigkeitsmarker oder Kalkanreicherungen lange nicht behobener Schäden finden.
Es bestehen hier tatsächlich realistische Chancen, dass man in wenigen Jahren diese Fragen mit geoarchäologisch-bodenkundlichen Fragen wird angehen können - allerdings nicht innerhalb eines kleinen Betonkastens. Vielleicht wäre es daher sinnvoller gewesen, das Geld in entsprechende Forschungen zu stecken, als in eine Einhausung, die eben diese Chancen (wenn nicht bereits die Freilegungen von 1928 die relevanten oberen Bodenschichten abgetragen haben) verbaut. Geoarchäologiche Untersuchungen könnten schon heute mit der Analyse von Bodencheme und Biomarkern erste Erkenntnisse zu den genannten Fragen liefern und ggf. gezielt an der Methodenentwicklung arbeiten, um wenigstens nach bestem Wissen entsprechende Beprobungen vorzunehmen, die ggf. erst einmal eingelagert werden müssen, ehe sie später untersucht werden können. Untersuchungen wären hier in einem Streifen beidseits des Aquaedukts notwendig, in eben jenem Bereich, der nun durch die Baugrube zerstört ist.
Es sscheint immer wieder ein Problem, dass wir Bodendenkmale (vielleicht aufgrund des Begriffs) als Monumente und Objekte misverstehen und dabei iihren Charakter als historische Quellen aus den Augen verlieren. Dieser Quellenwert wird maßgeblich durch den Kontext und die möglichst unberührte Originalsubstanz bestimmt.
Links
Bearbeitungsvermerk 23.1.2023: Luftbild ausgetauscht, da Einbindung von GoogleMaps veraltet, Bild der Wasserleitung am Ende zugefügt
Donnerstag, 19. November 2015
Von Menschen und Kapuzenmänteln oder Wie kommuniziert eine Gesellschaft mit Alltagsgegenständen?
„Input“ aus der Soziologie für die Archäologie
Die Studie
Quellen
Fragen an die Quellen
- Wem dienten Kapuzenmäntel zur Kommunikation?
- Spielen dabei bestimmte Formen von Mänteln eine Rolle?
- Welche Botschaften werden damit transportiert?
- Wer „liest“ die Botschaften?
- Woher kommen die Bedeutungszuweisungen an das Kleidungsstück und wie gehen die Protagonisten mit den Bedeutungen um?
Praktische Funktion
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Eseltreiber aus dem 1. Jh. v. Chr aus Tarent, im Louvre, Paris (Foto: Jastrow [PD], via WikimediaCommons) |
Symbolik
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| Genius cucullatus: Der Priapus von Amiens (1. Jh.), aus Rivery (dép. Somme) (Foto: Vassil [PD] via WikimediaCommons) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mus%C3%A9e_Picardie_Arch%C3%A9o_03.jpg |
Von Göttern und Kapuzen – die „Dingbedeutsamkeit“
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| Genii cucullati und eine Göttin, Relief im Corinium Museum von Cirencester (Foto: Tony Crist [PD] via WikimediaCommons) |
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| Zwei Kapuzenmantelträger in einem Bild: Der Soldat Firmus trägt den typischen militärischen Kapuzenmantel, der auf der Brust verschlossen, aber unten weit geöffnet ist. Sein Sklave Fuscus (u. li.) ist mit einem kurzen Schultercape mit Kapuze bekleidet (Grabstein aus Andernach, RLM Bonn, CIL XIII 07684, Epigraph. Datenbank Heidelberg HD061374). (Foto: Xocolatl [PD] via Wikimedia Commons) |
Ergebnisse
In der Analyse ließen sich in ganze Reihe von Akteuren finden, denen Kapuzenmäntel als Kommunikationsmedien dienten. Es konnten verschiedene Botschaften und Anwendungsarten identifiziert werden. Die Verwendung im Sinne des Habitus-Konzeptes ist nur eine davon. Folgende Formen sind zu unterscheiden:
- Verwendung von Kapuzenmänteln im Sinne des Bourdieu'schen Habitus-Konzeptes.
- Anderweitige Nutzungen von Kapuzenmänteln in der gesellschaftlichen Kommunikation.
Hierbei ist zu unterscheiden zwischen: - Selbstgewählter Nutzung und
- Zugewiesener Nutzung
Nutzung von Kapuzenmänteln im Sinne des Bourdieu'schen Habitus-Konzeptes
Anderweitige Nutzungen von Kapuzenmänteln in der gesellschaftlichen Kommunikation: Selbstgewählte und zugewiesene Nutzung
Zugewiesene Nutzung
Ausblick
Diese Fallstudie konnte das Phänomen der Verwendung von Alltagsgegenständen als Kommunikationsmedien in einer vergangenen Gesellschaft nur schlaglichtartig beleuchten. Es bedarf weiterer Analysen anderer Objekte. Dabei muss es sich nicht nur um Kleidung handeln. Hier kommen beispielsweise Haushaltsaustattungen oder Grabinventare in Frage. In einem weiteren Forschungsansatz könnte man auch nach der Entwicklung der sozialen Symbolik des Kapuzenmantels vor dem Hintergrund des kulturellen Wandels zum Mittelalter hin fragen (vergl. Rummel 2007).
Ausgewählte Literaturhinweise
- W. Deonna, De Télesphore au «moine bourru». Dieux, génies et démons encapuchonnés. Collèction Latomus Band 21 (Brüssel 1955).
- Y. Freigang, Die Grabmäler der gallo-römischen Kultur im Moselland. Studien zur Selbstdarstellung einer Gesellschaft. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 44, 1, 1997, 277-440.
- P. von Rummel, Habitus barbarus. Kleidung und Repräsentation spätantiker Eliten im 4. und 5. Jahrhundert. RGA Ergbd. 55 (Berlin 2007).
- R. Schreg, J. Zerres, H. Pantermehl, S. Wefers, L. Grunwald, D. Gronenborn, Habitus - ein soziologisches Konzept in der Archäologie. Arch. Inf 36, 2013, 101-112 (pdf). - Vorab-Version: Rainer Schreg/ Jutta Zerres/ Heidi Pantermehl/ Steffi Wefers/ Lutz Grunwald, Habitus - ein soziologisches Konzept in der Archäologie. Archaeologik (14.12.2015).
Freitag, 30. Oktober 2015
Raubgräber nehmen mit Bagger thrakischen Grabhügel auseinander und werden von der Polizei gefasst
- I. Dikov, Bulgarian Police Bust 2 Treasure Hunters Bulldozing Ancient Thracian Burial Mound.Archaeology in Bulgaria (19.10.2015). - http://archaeologyinbulgaria.com/2015/10/19/bulgarian-police-bust-2-treasure-hunters-bulldozing-ancient-thracian-burial-mound/
- http://web.rgzm.de/forschung/forschungsfelder/a/article/untersuchungen-an-einem-thrakischen-grabhuegel-aus-der-fruehen-roemischen-kaiserzeit-in-karanovo-bu.html
- M. Scholz/ R. Lehnert, Untersuchungen an einem thrakischen Grabhügel aus der frühen römischen Kaiserzeit in Karanovo (Bulgarien). Jahrb. RGZM 59/3 (Jahresbericht), 2012, 45-46 (online) - Vorbericht, Projekt noch nicht abgeschlossen
Read more at: http://archaeologynewsnetwork.blogspot.de/2015/10/treasure-hunters-busted-bulldozing.html#.VijCJG7jE8-
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Montag, 3. August 2015
Varus verstummt
Johann Friedrich Tolksdorf
Wie auf jedem anderen Markt, so bestimmen auch im Münzhandel Angebot und Nachfrage den Preis eines Objektes. Daher verwundert es auch nicht, wenn Münzen, die mit einer historisch bedeutenden Person verbunden sind, auf einschlägigen Auktionen Spitzenpreise erzielen und den Handel mit diesen Objekten besonders lukrativ machen. Eine solche herausragende historische Persönlichkeit stellt unbestritten Publius Quinctilius Varus dar, der auch der breiten Öffentlichkeit als tragischer Besiegter der Schlacht im „Teutoburger Wald“ aus dem Geschichtsunterreicht bekannt ist. Entsprechend erfreuen sich römische Münzen mit dem Gegenstempel »VAR« des Varus in Sammlerkreisen einer außerordentlichen Beliebtheit. Das hat verheerenden Folgen für die archäologische Forschung, da hierbei die Objekte aus ihrem Fundkontext herausgelöst und ihrer wichtigsten Aussagekraft beraubt werden.
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| Münze des Varus mit Gegenstempel VAR: As Lugdunum I (RIC 230), Vorderseite, Augustus nach rechts mit Gegenstempel des Varus ("VAR" = Werz Typ 1) (Foto: Fotografie für das Bildarchiv der Abteilung. - Fotobestand der Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Archäologische Wissenschaften, Abteilung II [PD, CC0 1.0] via Wikimedia Commons) |
Bei den begehrten »VAR« Gegenstempeln (auch als Kontermarken bezeichnet) handelt es sich um sekundäre Einprägungen auf Münzen, die höchstwahrscheinlich im Rahmen von Sonderzahlungen an die Truppen eingestempelt wurden. Ihr außergewöhnlicher archäologischer Wert liegt darin, dass sich in einem Objekt unmittelbar zwei Aktivitäten wiederspiegeln: Die Prägung der Münze selbst und das nachträgliche Anbringen des Gegenstempels. Wird eine solche Münze im Rahmen einer archäologischen Untersuchung dokumentiert, kann sie uns wertvolle Hinweise zur Datierung eines Befundes und zum historischen Münzumlauf liefern.
Dass es sicher hierbei nicht um rein akademisches Wunschdenken handelt, sondern vielmehr überregional von der Öffentlichkeit mit Interesse wahrgenommene Ergebnisse erzielt werden können, haben gerade die Münzen mit VAR-Gegenstempel bewiesen: Ihr verstärktes Auftreten unter den in archäologisch dokumentierten Funden in der Kalkriese-Niewedder Senke hat dazu beigetragen, ein römisches Schlachtfeld des frühen 1. Jahrhunderts n. Chr. zu entdecken. Auch hätte einer Debatte zur möglichen Identifikation dieser Fundstelle als Ort der Varusschlacht ohne Auffindungszusammenhang der Münzen jegliche Grundlage gefehlt.
Wie können wir als Archäologen die Öffentlichkeit mit diesem Anliegen erreichen?
- http://archaeologie.sachsen.de/5155.htm
- Film zum Projekt: https://www.youtube.com/watch?v=d0jfXFW-toA&feature=share
- Begleitung auf Twitter: https://twitter.com/LegionesRedde
U. Werz, Besuch des Vetters aus Dingsda? Bemerkungen zu einigen Fundmünzen aus Xanten. Numismatisches Nachrichtenblatt 26/3, 2007, 1-7 - http://www.fan-niedersachsen.de/attachments/article/72/vetterausdingsdaneu.pdf
Werz 2009
Freitag, 6. Februar 2015
Die Erfindung einer Tradition – Kaiser Galerius und die serbische Nationalidentität
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| Porträt des Kaisers Galerius aus Romuliana (Gamzigrad). (Foto: Shinrjiod [CC BY 3.0] via Wikimedia Commons) |
Literatur
F. Carlá, La Tetrarchia di Slobodan Milošević. Imperatori tardoantichi nella Serbia degli anni Novanta. In: J. Bassi/G. Canè (Hrsg.), Sulle Spalle degli Antichi. Eredità classica e costruzione delle identità nazionali nel Novecento (Milano 2014) 69–81.
Donnerstag, 20. Juni 2013
Ratiaria – Die geschredderte Römersiedlung
von Jutta Zerres
| Blick auf das Gelände von Ratiaria nach den Raubgrabungen. Nur an einer Stelle sind Reste von Bauten stehen geblieben. (Foto: Widintourist [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons) |
| Einer von zahlreichen Raubgrabungskratern im Gelände von Ratiaria (Foto: Widintourist [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons) |
Ratiaria auf einer größeren Karte anzeigen
Mittwoch, 22. Mai 2013
Antinoopolis: Papyrologe schlägt Alarm
Eine reich illustrierte Dokumentation von Guido Bastianini zu den Zerstörungen in der römischen Stadt Antinoopolis (Mittelägypten) verdient unter der Vielzahl der Presse- und Blogberichte zur Lage der archäologischen Stätten Ägyptens besondere Beachtung:
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| Kaiser Hadrian, Gründer von Antinoopolis, Portätbüste in den Kapitolinischen Museen (Foto: Marie-Lan Nguyen [PD] via WikimediaCommons) |
Links
Nachtrag (24.5.2013)
Jutta Zerres ist promovierte provinzialrömische Archäologin mit einem Faible für Ägypten. Sie beobachtet erschrocken die laufenden Meldungen über die Situation in Ägypten.
Montag, 13. August 2012
Gebrauchsspuren an Keramik
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| Kesselstein an hochmittelalterlicher Keramik aus Merdingen (Foto R. Schreg) |
- Schwarze anhaftende Krusten. Sie finden sich häufig auf der Innenseite, bisweilen aber auch außen am Rand.
- Verrußung. Häufig auf der Außenwand.
- Kesselstein. Kalkablagerungen im Innern, bisweilen ist ein geschichteter Aufbau zu erkennen.
- Abschabungen und Ritzungen.
Problematisch bei diesen Gebrauchsspuren ist es, dass sie beim Waschen der Scherben verloren gehen können. Beanspruchungen der Oberfläche sind häufig durch "Bürstenstrich" vom Sauberschrubben überprägt.
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| Hochmittelalterliche Keramik aus Merdingen FR (1-2) und Altdorf BB (3-5) (Graphik R. Schreg, aus Schreg 2012) |
| Phytolith (Foto: H.G. Naton [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons) |
Voraussetzung für eine Bearbeitung solcher Gebrauchs- und Inhaltsreste scheint mir eine systematische Serie experimenteller Archäologie. Benötigt werden Referenzproben, die mittels einer ersten optisch-mikroskopischen Vergleichs eine Eingrenzung der weiteren geeigneten Analytik ermöglicht. Dazu wird man nicht nur verschiedene Nutzungen, sondern vor allem auch verschiedene Keramik-Qualitäten zu berücksichtigen haben.
Experimentelle Archäologie ist aber vor allem für das Verständnis mechanischer Gebrauchsspuren von Bedeutung. Hier ist eine große Bandbreite zu bedenken - bis hin zum Hundefressnapf.
Vielleicht lässt sich im Idealfall anhand einer Mikrostratigraphie unterschiedlicher Einwirkungen ja die individuelle Nutzungsgeschichte eines Gefäßes rekonstruieren.
Literaturhinweise
- R. Schreg: Keramik des 9. bis 12. Jahrhunderts am Rhein. Forschungsperspektiven für Produktion und Alltag. In: L. Grunwald, H. Pantermehl, R. Schreg (Hrsg.): Hochmittelalterliche Keramik am Rhein. Eine Quelle für Produktion und Alltag des 9. bis 12. Jahrhunderts. RGZM-Tagungen 13 (Mainz 2012) 1-19
- C. Hoepken, Gebrauchsspuren an römischer Keramik. Beispiele aus dem Südvicus von Straubing. Jahresber. Hist. Ver. Straubing 113, 2011, 41-70.
- M. Grünewald, Eine römische Hundebestattung mit zugehörigem Fressnapf aus Mayen. Arch. Korrbl. 39, 2009, 249-261.
- J. G. Evans, Come back King Alfred, all is forgiven! In: W. R. Biers/P. E. McGovern (Hrsg.), Organic contents of ancient vessels. Materials analysis and archaeological investigation. MASCA research papers in science and archaeology 7 (Philadelphia 1990) 7–9.
Nachtrag (13.8.2012)
Als Reaktion auf diesen Post hat Maxi Platz Beispiele aus Marburg auf ihrem Blog vorgestellt, bei denen sich das Problem stellt, ob Engobe oder Verrußung vorliegt:
Samstag, 21. April 2012
Vergessene Siedlungen - Großflächige Geophysikalische Prospektion auf der Schwäbischen Alb
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| Römisches Gehöft in Holzbauweise (Graphik LBI ArchPro, © LBI-ArchPro) |
Donnerstag, 2. Februar 2012
Tabula Peutingeriana digital
| Ausschnitt der Tabula Peutingeriana (nach der Edition von K. Miller) |
omnesviae.org setzt die Tabula Peutingeriana in eine moderne digitale Karte (auf Grundlage von Google Maps) um. Mittels der Routenplanung kann man beispielsweise den Weg von Mainz nach Urspring auf der Schwäbischen Alb kalkulieren -
Ab 'Mogontiaco' ad 'Adlvnam'
Summa CCLVII Milia Passuum / Leuga Gallica.
Fere XVIII dies.
Die Einträge in Omnesviae.org - die auf verschiedenen Sprachen angeboten werden: englisch, deutsch, griechisch, französisch und niederländisch, aber nicht auf Latein - sind indes nicht immer ganz zuverlässig. Mir ist aufgefallen, dass Sumelocenna, das in der Tabula verzeichnet ist, in der digitalen Version fehlt. Zudem scheinen die Ortsnamenseinträge nicht immer konsistent zu sein. Ist bisweilen wie in der Karte der Ablativ angegeben, wird in anderen Fällen ein Ortsname im Nominativ angegeben (im Falle von Ad Lunam in einer nicht ganz korrekten Schreibweise).
Auch sind die Identifikationen nicht immer korrekt. Ad Lunam wird mit Lonsee, nicht mit Urspring kartiert.
Links
- Unter Tabula Peutingeriana sind Digitalisate der frühen Edition durch Konrad Miller einsehbar.
- Euratlas.net zeigt die Originale.











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