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Freitag, 12. November 2021

Kulturraub

Kulturraub - Fallbeispiele aus Syrien, Irak, Jemen, Ägypten und Libyen

herausgegeben von Birthe Hemeier - Isber Sabrine

Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Reimer 2021

ISBN 978-3-496-01669-4
330 Seiten mit 485 Abbildungen, 1 Diagramm und 7 Karten


29.-€ (D)

 
Der arabische Frühling hat ab 2011 in vielen Staaten des Nahen Ostens zu politischer Instabilität oder gar zu Krieg geführt. Schätzungsweise eine halbe Million Menschen sind im Bürgerkrieg in Syrien ums Leben gekommen. Viele der Überlebenden haben ihre Heimat verloren, sei es dass sie auf der Flucht sind oder ihre Wohnungen, Häuser, Städte oder Länder verwüstet und zerstört sind. Damit einher geht ein Verlust an Kulturgut der im Westen mit Entsetzen registriert wurde, weil wir doch die Region als Wiege der (eigenen, westlichen) Zivilisation begreifen und in vielfältiger Weise eine Aneignung stattgefunden hat. Konkret wurden und werden archäologische Stätten für Sammlungen in Europa und Nordamerika geplündert. Zum Teil ist aber auch die Wissenschaft ein Teil der Aneignung und des Kulturraubs. Das Problem sind dabei weniger das Interesse und die Forschungsmittel, die westliche Institute und Universitäten aufbringen, als vielmehr der kolonialistische Umgang mit den Menschen vor Ort. Beispiele wie die Zwangsumsiedlungen der Bevölkerung von Palmyra (Syrien) durch die damaligen Mandatsmacht Frankreich (vgl. Archaeologik 28.12.2015) oder der in Petra (Jordanien) lebenden Beduinen durch die jordanische Regierung seit den 1960er Jahren. Die Bevöllerung störte und musste weichen, um für die Wissenschaft und den Tourismus archäologische Stätten. zu gestalten. Solche Aktionen trugen nicht dazu bei, dass sich die einheimische Bevölkerung mit den historischen Überresten in ihrer Heimat positiv identifiziert.

IS/Daesh machte sich dies zu nutzen indem er einerseits demonstrativ Denkmäler zerstörte, die vor allem für den Westen große Bedeutung besaßen, sich andererseits aber durch die Plünderung der Fundstellen eine Finanzierungsquelle im westlichen Kunstmarkt erschloss. Letzteres scheinen aber auch andere Kriegsparteien erfolgreich zu praktizieren.

So sind die Vorgänge im Nahen Osten eng mit uns verbunden und lassen uns - insbesondere uns, den Archäolog*innen - eine Mitverantwortung erstehen..

Der Band Kulturraub, herausgegeben von den Staatlichen Museen zu Berlin, die forschungsgeschichtlich tief in diesem Kolonialismus und klassischen Kulturraub verstrickt sind, zieht eine Bilanz nach rund einem Jahrzehnt der Zerstörungen. In dem Buch berichten Museums- und Antikenverantwortliche aus den betroffenen Ländern erstmals über das massiv bedrohte kulturelle Erbe ihrer Heimat. Dass viele Denkmalpfleger*innen und Museumsleute aus den betroffenen Ländern zu Wort, kommen, ist ausdrücklich hervorzuheben, auch wenn unsicher bleibt, ob tatsächlich Augenhöhe erreicht ist, oder ob hier nur "Hausmeisterdienste" gefragt sind. Da an vielen Orten beispielsweise in Syrien und dem Jemen an eine Arbeit vor Ort nicht zu denken ist, ist man oftmals nach wie vor auf Sekundärquellen angewiesen. Viele Plünderungen lassen sich nur über Spuren im Netz, sei es in sozialen Medien, Satellitenbildern oder auf Auktionsplattformen wie ebay in Detektivarbeit erfassen. Der Band bildet viele Funde ab, deren Schicksal nach Museums- oder Depotplünderungen ungewiss ist. Eine Hoffnung besteht darin, dass es für den illegalen Markt von Vorteil ist, wenn Objekte als zerstört gelten und niemand mehr genauer nachfrägt. Manches mag also irgendwann wieder einmal auftauchen. Zugleich belegen aber Raubgrabungsspuren in allen hier besprochenen Ländern, dass viele Funde auf dem Markt sein müssen, die noch keine Fachleute gesehen haben und die selbstverständlich nirgends dokumentiert sind. Einige Beiträge thematisieren diese Antikenhehlerei, doch wäre ein Beitrag wünschenswert gewesen, der einen Überblick über die Strukturen schafft. Warum hier die Ergebnisse des in Berlin angesiedelten ILLICID-Projektes (vgl. Archaeologik 9.3.2020; Archaeologik 13.8.2019) nicht klar angesprochen werden, ist mir unverständlich.

Was der Band indes leistet, ist, dass für viele Fundstellen das Ausmaß der Zerstörungen und Plünderungen nun deutlicher wird. Zu Beginn der Länderabschnitte findet sich jeweils eine Karte mit den exemplarisch behandelten Fundorten. Auf einzelne Inhalte möchte ich, fokussiert lediglich auf Syrien, besonders hinweisen:

Die Werbung eines deutschen Münzhändlers, der 2015 aus der Zerstörung Palmyras Gewinn zu schlagen versuchte, indem er - nach der Fundmasse geurteilt eher gängige - Münzen des palmyrenischen Sonderreiches für den doppelten Marktwert anbot, mit der völlig irreleitenden Werbung, der Kunde könne durch den Kauf der Münzen einen Beitrag zum Kulturguterhalt leisten (S. 47ff.).

Das Schicksal des Museums in Raqqa blieb mir in einzelnen isolierten Berichten, die auf Archaeologik (20.11.2013) verlinkt waren unklar. Ein Beitrag von Ayham Al-Fakhry gibt nun einen Überblick (S. 125ff.).

Die Altstadt von Aleppo hat unter dem Krieg besonders gelitten und war schon bald Gegenstand von Überlegungen zu den Möglichkeiten der Restaurierung (vgl. Archaeologik 19..5.2017; Archaeologik 3.1.2017) mit dem de facto Sieg des syrischen Regimes und seiner Verbündeten gibt es hier keine Möglichkeiten einer effektiven Einflussnahme. Inzwischen wird in Aleppo gebaut, doch spielen Denkmalpflege und die Interessen der dem Regime verdächtigen, weil lange oppositionellen Stadtbevölkerung keine besondere Rolle. Der Beitrag zu Aleppo dokumentiert vielmehr die Demontage historischer Bauteile (S. 31ff.).

Interessant ist die Zusammenstellung von Statements von Menschen aus Syrien, die in Raubgrabungen verwickelt sind, weil so die Strukturen der Raubgrabungen und des Handels deutlicher werden (S. 95ff.).

Das Beispiel einer neu-assyrischen Königsstele nutzt Neill Brodie um erneut die kriminellen Strukturen im Antikenhandel aufzuzeigen. Schon 1879 wurde auf dem Tal Sheikh Hamad der obere Teil einer Stele gefunden, die später ins British Museum gelangte. Im Jahr 2000 tauchte der untere Teil der Stele auf einer Auktion auf, angeblich seit den 1950er Jahren in Schweizer Privatbesitz. Nachdem das Stück zunächst nicht verkauft werden konnte, kontaktierte der Besitzer das British Museum, das ein Gutachten in Auftrag gab, das die Zusammengehörigkeit bestätigte, ausserdem aber auch den Archäologen zitierte, der in den 1970er Jahren an Tell Sheikh Hammad Grabungen durchführte und damals keine Spuren größerer Raubgrabungen registriert haben will. 2014 wurde die Stele in London erneut bei einer Auktion angeboten und mit dem 2012 publizierten Gutachten beworben und als legal dargestellt. Dieses Mal wurde die Stele aber von der Polizei beschlagnahmt. Als Besitzer erwies sich ein berüchtigter Antikenhändler, der beispielsweise auch in den dubiosen Fall des Seuso-Schatzes involviert war (vgl. Archaeologik 30.6.2015). Sicher ist, dass das Objekt illegal aus Syrien exportiert worden ist, egal ob in den 1960er oder 1990er Jahren, als offenbar doch Raubgrabungen an der Fundstelle stattgefunden haben. Deutlich wird, dass Archäolog*innen sich stärker für die Legalität und Provenienzen interessieren müssen (S. 101ff.). 

1879 gefundene neoassyrische Stele des Adad-Nirari III aus Dur-Katlimmu/Tal Sheikh Hamad im British Museum
1879 gefundene neoassyrische Stele des Adad-Nirari III aus Dur-Katlimmu/Tal Sheikh Hamad im British Museum.
(Foto: British Museum [ CC BY NC SA 4.0 ] via British Museum)
Der untere Teil tauchte 2000 im Kunsthandel auf.

Eine kritische Anmerkung zum Konzept der Publikation als durchaus ansprechend aufgemachtem Buch. Die Herausgebenden schreiben (S. 1), das Ausmaß des Raubs und der Plünderung von Kulturgütern sei bestenfalls Experten bekannt und die vorliegende Publikation dokumentiere prägnante Fallbeispiele für ein breiteres Publikum. Das ist richtig und wichtig, aber man fragt sich, ob ein Buch, auch wenn es nicht ganz 30 € kostet, effektiv dazu beiträgt, die Problematik breiter bekannt zu machen. Über das Buch stolpert nur, wer ohnehin schon eine Affinität zum Thema hat - und nur ein Bruchteil davon wird sich das Buch leisten und ins Regal stellen (oder gar lesen). Solche Themen, die öffentliche Aufmerksamkeit erfordern, gehören heute ohne große Hürden ins Internet. Zumindest müssen die Bücher digital im Open Access bereit stehen.




Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort der Herausgebenden/Foreword from the Editors
  • Übersicht der Beiträge/Abstracts
Syrien
  • Anonym, Aleppo. Demontagen aus historischen Wohngebäuden
  • Hasan Ali, Palmyra. Plünderung der Welterbestätte und ihres Museums
  • Raphaëlle Ziadé, Kirchen und Klöster. Gestohlene Ikonen
  • Fiona Greenland – Oya Topçuoğlu – Tasha Vorderstrasse, Raubgrabungen. Modellierung von Gewinnen
  • Anonym, Tote Städte. Raub von Mosaiken
  • Mohamad Alsbeeh, Kirchenmosaik. Entdeckung und Diebstahl in Babulin
  • Komait Abdallah, Fotobeitrag. Mosaiken aus den Sozialen Medien
  • Kulturgutschutzaktivisten, O-Töne. Stimmen aus der Raubgräberszene
  • Neil Brodie, Tall Sheikh Hamad. Eine Königsstele auf dem Kunstmarkt
  • Tasha Vorderstrasse, Dura Europos. Archäologische Detektivarbeit
  • Ristam Abdo, Tall Ajaja. Abbaggern und Plündern eines Siedlungshügels
  • Stefan Heidemann, Fundmünzen. Herkunft unbekannt?
  • Ayham Al-Fakhry, Raqqa. Museumsraub in Etappen
  • Yasser Shouhan, Hiraqla. Ein leergeräumtes Museumsdepot
  • Birthe Hemeier, Beterstatuetten. Etappen aus ihrem Leben
Irak
  • René Teijgeler, Irak. Manuskripte und Bücher, verbrannt oder gestohlen?
  • Simone Mühl, Nimrud. Die Inszenierung einer Zerstörung
  • Zaid Ghazi Saadallah, Mosul. Plünderung und Zerstörung im Museum
  • Peter A. Miglus – Stefan Maul, Ninive. Verwüstung und Plünderung des letzten unerforschten assyrischen Königspalastes
  • Anonym, Südirak. Heimliche Ausgrabungen im Randbereich
Jemen
  • Abdul Karim Al-Barkani, Jemen. Ein Plädoyer für den Kulturgutschutz
  • Ramzi Abdullah Saif ad-Dumaini, Taizz. Des Palastmuseums verlorene Sammlung
  • Rabi‘ Abdullah Muhammad al-Batul, Zinjibar. Plünderung des Museums durch Fundamentalisten
  • Iris Gerlach, AYDA-Denkmalregister. Ein Projekt zum Erhalt des Kulturerbes
Ägypten
  • Yolanda de la Torre Robles − Alejandro Jiménez Serrano, Elephantine. Kleinfunde gezielt aus Grabungsdepot gestohlen
    dazu: Cornelius von Pilgrim – Wolfgang Müller, Elephantine. Kleinfunde gezielt aus Grabungsdepot gestohlen – Addendum
  • Omniya Abdel Barr, Kairo. Bestohlene mamlukische Moscheen
  • Zsuzsanna Végh, Vorher/Nachher. Eine Mumie in den Händen der Raubgräber
Libyen
  • Ahmad Essa Farag Abdulkariem, Kyrene. Raubgrabungen in der Weltkulturerbestätte
  • Ahmed Hussein, Ostlibyen. Zwischen Museumsraub und Raubgrabung
  • Adrees A. A. Qatannish, Westlibyen. Die Museumsverluste von Sabratha und Bani Walid
  • Khaled Elhaddar, Bengasi. Der gestohlene ‚Schatz‘
Anhänge
  • Literaturverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Glossar

Im einleitenden Teil finden sich englische Abstracts, am Ende des Bandes arabische.

 

Links



Montag, 28. September 2020

ZDFinfo: "Blutantiquitäten" und Terror

Eine aktuelle Dokumentation des ZDF zeigt, wie berechtigt der Bericht "Blutantiquitäten" ist. Vor nicht allzu langer Zeit ist der Kunsthandel gegen die Verwendung des Begriffs "Blutantiken" gerichtlich als geschäftsschädigend vorgegangen.

Der Beitrag thematisiert vor allem illegale Funde aus Libyen und zeigt, wie neben den teuren Funden immer mehr auch Kleinobjekte im illegalen Handel an Bedeutung gewinnen. Dass die Geldströme nicht direkt auf Daesh/IS zurückgeführt werden können, ist nur logisch, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Antiken gerade aus Krisengebieten stammen.


Links

Montag, 2. April 2018

Kulturgut in Syrien und Irak (Februar und März 2018)

Die Situation in Syrien ist mit den nunmehr komplexeren Koalitionen nochmals unübersichtlicher geworden - das gilt auch in Bezug auf Kulturgüter, die auch unter den neuen Voraussetzungen Spielball der Politik sind. Schuldzuweisungen sind in jeder Richtung mit großer Vorsicht zu geniesen.


Mari, Tell mit Schutzdach 1993
(Foto: M. Scholz)

Daesh-Zerstörungen in Mari

Tell Hariri an der Grenze zum Irak war lange Zeit im Machtgebiet des Daesh, jetzt liegen erste Beobachtungen nach deren Vertreibung vor. Die syrische Alterumsbehörde postete Bilder der Zerstörungen. Offenbar wurde die Fundstelle systematisch umgegraben, die Mauern des Palastes von Mari (s. Wikipedia), im 3. und 2. Jahrtausend v.Chr. Mittelpunkt eines wichtigen mesopotamischen Reiches wurden systematisch untergraben. Das Schutzdach, mit dem das langjährigen archäologische Grabungsareal geschützt worden war, ist eingestürzt.
Mari, Tell mit Schutzdach 1993
(Foto: M. Scholz)
Die Fundstelle ist wegen ihres Keilschriftenarchivs sowie einiger exzeptionelle Funde, von denen sich einige heute im Louvre befinden, bekannt. Es ist anzunehmen, dass sich die Plünderer  hier Funde versprochen haben, die bei Sammlern im Ausland begehrt sind. Es ist weiters anzunehmen, dass die Raubgräber ihre Ware inzwischen an Zwischenhändler verkauft haben und dabei an Daesh "Steuern" bezahlt haben. Es dürfte Jahre dauern, bis die Funde irgendwo auf dem Markt auftauchen.
Zu vermerken ist, dass Daesh mit dieser Fundstelle, die auf der Tentativliste der UNESCO steht, keine Propaganda betrieben hat.


Die türkische Offensive in Nordsyrien

Das militärische Eingreifen der Türkei im Norden Syriens hat dem ehemaligen Bürgerkrieg in Syrien eine neue Dimension gegeben. Neben den zivilen Menschenopfern und den Angriffen auch auf zivile Einrichtungen in Afrin stehen auch die Angriffe auf archäologische Fundstellen in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den Beteuerungen der Türkei, nur Terroristen zu verfolgen.

Nordbasilika in Brad
(Foto: Hani Simo [CC BY 2.0]
via WikimediaCommons [Version v. 27.3.2011])
Am 22.3. melden Quellen aus dem Umfeld des Assad-Regimes wie auch die syrische Altertumsbehörde Bombenangriffe auf die byzantinische Siedlung Brad, 15 km südlich von Afrin. Sie ist die nördlichste der Totenstädte, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.

Die syrische Altertumsbehörde unterstellt der Türkei einen systematischen Plan syrisches Kulturerbe zu zerstören. Die Meldung nennt weitere Zerstörungen in Qurosh und Tal Jendyres.
Weitere Meldungen zu den türkischen Zerstörungen in Ain Dara

Schadensmeldungen


Nach den unmittelbaren Kriegsschäden gibt es nun zunehmend Meldungen über Folgeschäden durch Vernachlässigung und mangelnde materielle wie administrative Infrastruktur. Offenbar wird die Gelegenheit gerne genutzt, Altbauten zugunsten von Neuinvestitionen los zu werden.

Mosul

Abbrucharbeiten nach Daesh in Mosul:
Impressionen aus Mossul:

Zustand des Aleppo Museums

Ein facebook-Post auf Aleppo Archaeology zeigt Bilder angeblich des Museums von Aleppo (auf der angegebenen Quelle konnte ich sie nicht ausfindig machen). Erkennbar ist ein Hinterhof mit Müll und Autowracks, vor allem aber - geschätzt von den Autowracks - etwa 20 cm hoch stehendes, schon total veralgtes Wasser, das nach dem facebook-Post vermuten lässt, dass Funde im Museum ebenfalls im Wasser liegen.


Raubgrabungen & Antikenhehlerei

Im Kontext mit der Frage nach dem Schicksal der geplünderten Funde (der Kunsthandel hat jüngst darauf verwiesen, dass in Europa bisher keine Funde des IS aufgetaucht seien. - T.E. Schmidt, Kulturgutschutzgesetz ohne Grundlage. Weltkunst 23.2.2018), ist eine Meldung von Interesse, bei der es allerdings um Funde aus dem IS-Gebiet in Libyen geht: In Spanien wurden Funde sicher gestellt, die vom IS in Libyen geplündert worden sein sollen. Das wäre ein erster Nachweis, dass "Blutantiken" tatsächlich den westlichen Markt erreichen - allerdings werden die angeblichen Beweise (noch?) nicht offen gelegt. Nach einem französischen Zeitungsartikel geht es um einen renommierten Händler aus Brüssel, der auch auf der angeblich mit höchsten Sorgfalt arbeitenden Brussels Art Fair ausgestellt hat. In Spanien soll Anklage wegen Terrorfinanzierung erhoben werden. Die Funde gingen von Libyen über Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate/Jordanien und Deutschland (! - mit was für Papieren?) nach Spanien und Belgien
Verdachtsfälle gab es aber schon zuvor:
Tagung der UNESCO in Paris mit dem (wahrscheinlich vergeblichen) Versuch, den Kunsthandel in die Maßnahmen gegen Antikenhehlerei und Raubgrabungen einzubinden

 Artikel

  • Neil Brodie & Isber Sabrine (2017) The Illegal Excavation and Trade of Syrian Cultural Objects: A View from the Ground. Journal of Field Archaeology, 43:1, 74-84, DOI: 10.1080/00934690.2017.1410919


Restaurierung & Wiederaufbau

Aleppo

Restaurierung der Omayaden-Moschee in Aleppo:
Der Damage Newsletter von Heritage for Peace vom 12.3.2018 weist auf einen arabischen Artikel zu den Baulizenzen in der Altstadt von Aleppo hin, die nach der Eroberung durch das Assad-Regime vergeben werden und weitere Substanzverluste befürchten lassen.
Es wird bemängelt, dass die Bestimmungen des Denkmalschutzes umgangen würden und der Wiederaufbau unsachgemäß mit Beton durchgeführt würde. Ein Problem scheint indes der Mangel an traditionellen Baumaterialien zu sein. Es gibt wohl Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Denkmalschutz. Unter den aktuellen Bedingungen mit einer Kontrolle durch das Assadregime ist es kaum denkbar, dass all die im Ausland geschmiedeten Pläne (vergl. Archaeologik 19.5.2017) groß in den Wiederaufbau eingebracht werden können.

Palmyra

Weitere 3D-Rekonstruktionen
Buchpublikation:
  • M. Silver/G. Fangi/A. Denker, Reviving Palmyra in multiple dimensions. Images, ruins and cultural memory (2017). - ISBN 978-184995-296-5 
Eine syrische Delegation hat in Moskau eine Vereinbarung über Restaurierungsarbeiten unter russischer Beteiligung unterschrieben:

Irak

UNESCO-Statement zum Wiederaufbau im Irak:
Mosul
Neben den Meldungen über Trümmer und Tote - während noch die Leichen in den Straßen liegen - gibt es auch solche zu ersten Restaurierungen.

Resonanz

Diskussion in Wien:
Auswirkungen des deutschen Kulturgutschutzgesetzes:
Kunst in London

Schulung für syrische Museumsmitarbeiter in Beirut durch HTW Berlin

    Literatur


    Links

    frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

    Dank an diverse Kollegen für Hinweise.

      Dienstag, 18. Oktober 2016

      Eine globale Allianz von Mafia und Terror

      Die italienische Zeitung La Stampa berichtet über Waffenlieferungen der Mafia an Daesh in Libyen. Demnach kommen die Waffen aus Russland, der Ukraine und Moldawien, wo in Folge der Ukraine-Krise leicht Waffen aufgekauft werden können. Die süditalienische Mafia, die Ndrangetha liefert sie im Tausch gegen Antiken an Daesh in Libyen. Der Transport erfolgt mit chinesischen Frachtern. Archäologische Funde aus Libyen werden an Sammler in Russland, China, Japan und am Persischen Golf verkauft.  Ein wichtiger Umschlagplatz scheint die süditalienische Hafenstadt Gioia Tauro zu sein.

      Einem Reporter, der sich als Kunstinteressent ausgegeben hat, sind römische und griechische Statuen für 60.000 bzw. 800.000€ angeboten worden.






      Die Route über Libyen ist der Mafia längst vom Drogenhandel bekannt.
      http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/05/27/drogenhandel-italienische-mafia-arbeitet-mit-is-zusammen/

      Donnerstag, 1. Oktober 2015

      Die Politisierung des Kulturguts (Syrien/Irak, September 2015)

      Steigendes politisches Interesse an Kulturgütern

      Inzwischen zeigt sich ein steigendes politisches Interesse am Kulturgüterschutz. Die Motive scheinen höchst unterschiedlich, nur teilweise geht es um das Kulturgut selbst. Es geht darum, ein Zeichen gegen die extremistischen anti-intellektuellen Bilderstürmer zu setzen, dem Terror die Geldquellen abzugraben - und mit dem russischen Engagement in Syrien wird Kulturgut möglicherweise auch Teil einer Machtfrage zwischen den wieder auflebenden Blöcken.
      UN, New York
      (Foto: Dendodge [public domain] via Wikimedia Commons)
      Auch für die deutschen Bestrebungen zur Novellierung des Kultugutschutzgesetzes ist das Ziel, dem Terror seine Finanzierung zu entziehen, ja ein wesentlicher Aspekt. Der jetzige Entwurf wird das nur erreichen, wenn klar ist, dass der Handel die Legalität seines Angebots nachweisen muss. Daran ist beim jetzigen Gesetzesentwurf zu zweifeln, da zwar ein klares Verbot des Handels mit Raubgrabungsgütern vorgesehen ist, das aber unwirksam bleibt, so lange die (in den meisten Fällen anzunehmende) Illegalität bei angeblich älteren Funden (vor den Stichtagsregelung) von den Strafverfolgungsbehörden nachgewiesen werden muss (vergl. Archaeologik 24.9.2015).
      Die Situation in Syrien und Irak macht jedenfalls zweierlei deutlich: 1.) Die westliche Kulturschutzpolitik der letzten Jahrzehnte hat gründlich versagt (vergl. Archaeologik 19.9.2015)! 2.) Kulturgut und Archäologie ist immer auch politisch - oder wird jedenfalls immer wieder dazu gemacht.


      Palmyra und das russische Militär-Engagement in Syrien 

      Auf der UN-Vollversammlung präsentierte Putin einen Plan für eine Koalition gegen IS und hat bereits erste Luftangriffe fliegen lassen (die wohl weniger Daesh, als vielmehr vom Westen unterstützten Rebellengruppen gegolten haben). Interessante Überlegungen in Bezug auf die Rolle der Kulturgüterkatastrophe in Syrien und Irak:
      "But for Putin, an offensive would – or will – be an epic symbol of Russia’s new projection into the Middle East. For Obama and Cameron and the rest of our Western leaders, who have fumbled around Syria for four years, neither dethroning Assad nor defeating Isis, a Russian-assisted recapture of Palmyra would be a humiliating lesson."

      Kulturgutschutz als Thema der UN-Versammlung

        Culture Under Threat forum' der Antiquities Coalition

        Am 24.9.2015 fand bei der Asia Society in New York (Kooperation von Antiquities Coalition, the Middle East Institute und UNESCO) eine Konferenz 'Culture Under Threat forum' statt, deren Kernthema der illegale Antikenhandel und “blood antiquities” waren. Vertreten waren die Außenminister - bewusst nicht die Kulturminister - von Ägypten, Irak, Jordanien und Australien sowie Regierungsvertreter von Kambodscha, Thailand, Italien, Qatar und Saudi Arabien.

        Die australische Außenministerin Julie Bishop wies - unter Verweis auf die Überlegungen zu Massenbewegungen durch Eric Hoffer - darauf hin, dass die Zerstörung von Kulturerbe durch Terroristen gezielt der Entwurzelung der Menschen mit ihrer phantastischen Geschichte diene, um leichter eine Gefolgschaft zu rekrutieren. In der Umsetzung der UN-Konventionen fordert sie in der Diskussion eine größere Rolle der Museen ein.
        UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa bemängelte die starken Exportverbote in Europa und Amerika, denen keine angemessene Importkontrolle gegenüber stände. Lobend hob sie die deutsche Initiative hervor.
        Der ägyptische Außenminister sieht die Gefahr von Selbstmordattentaten auf historische Stätten in Libyen. 


        Diskutiert wurden mögliche Maßnahmen vor Ort, internationale Rechtsabkommen gegen Raubrabungen und Handel, die Möglichkeiten für Kulturgüterasyl (“asylum for heritage”) und digitaler Sicherung. Angeregt wurde die Gründung einer internationalen Organisation “Archaeologists without Borders”, die in Krisenländern mit zusätzlichen Ressourcen aushelfen könnte. Der jordanische Außenminister Nasser Judeh sieht den Bedarf an einer Organisation, die - ähnlich wie die internationale Atomaufsicht - gezielt Informationsaustausch und Aufklärung im Bereich des Antikenhandels betreibt. Insbesondere müsse man die Käufer am Ende der Kette, die den Terrorismus unterstützen, klar als kriminell identifizieren. Verschiedene weitere Schlagworte im Zusammenhang mit der Idee solch einer Gruppe sind "Monuments Men" und "Blue helmets for Culture".

        Eine gemeinsame Erklärung bleibt allerdings unkonkret wie immer. Es fordert:
        • The United Nations to formulate action plans to address “cultural cleansing”
        • The International Criminal Court to launch a war crimes investigation against those entities that engage in “cultural cleansing”
        • The international community, to support states in protecting, preserving, and documenting items of cultural heritage endangered by armed conflicts
        • A global campaign to raise awareness about the purchase of conflict antiquities and terrorist financing
        • All governments to take steps to prevent the trade in conflict antiquities
        • All actors involved in the cultural property trade to be vigilant when obtaining antiquities from countries in conflict

        Antiquities Coalition stellt regelmäßig Videos seiner Konferenzen bei youtube ins Netz (https://www.youtube.com/channel/UCq56HzQd4cBfyJTMQJI53iw). Nachdem letzten Monat eine Konferenz vom Mai 2015 in Kairo eingestellt wurde, folgt jetzt das 3stündige Video des "Culture Under Threat forum".
        Dazu auch:

          Eine Veranstaltung des US-Außenministeriums

          während der UN-Vollversammlung:
          auf twitter:

             Krieg zum Schutz der klassischen Stätten?

            Abgeordnete der Französischen Nationalsammlung bei DGAM

            Kurz nach den ersten Angriffen der französischen Luftwaffe auf Daesh besuchten am 28.9. drei Abgeordnete der Französischen Nationalversammlung unter anderem die Staatliche Altertumsbehörde und das Nationalmuseum in Damaskus.
            Im März hatte ein Treffen französischer Abgeordneter mit Assad - darunter der konservative Gerard Bapt, er auch jetzt wieder dabei war - in Frankreich für Empörung gesorgt.
            Entsprechend betonen die Abgeordneten nun den privaten Charakter ihrer Reise, treten aber dafür ein, mit Assad in einer Anti-Daesh-Koalition zu kooperieren.


              Palmyra im September

              im Anschluß an den Blogpost Die Daesh-Hölle in Palmyra (Syrien und Irak, August 2015). Archaeologik (1.9.2015)

              Reaktionen auf die Zerstörung von Palmyra



              1.9.2015 Satellitenbilder des Baaltempels

              Grabturm des Elabel in Palmyra, 1993
              (Foto: M. Scholz)
              4.9.2015 Sprengung der Grabtürme von Palmyra wird publik

              Luftbilder belegen die Sprengung mehrerer Grabtürme.

              19.9.2015: Luftangriffe der Syrischen Armee auf Palmyra

              Vermehrt fallen Meldungen über Luftangriffe der syrischen Armee auf, auch aus Raqqa und Aleppo. Irgendwie mag das vielleicht mit der Präsenz russischer Truppen in Syrien zusammenhängen?
              Die Bombenangriffe in Palmyra soll vor allem Zivilisten getroffen haben. Schwer zu sagen, was hier Propaganda ist.

              arabische Festung über dem Tal der Toten westlich von Palmyra
              (Foto: M. Scholz, 1993)

              24.9.2015: Bomben auf die Festung von Palmyra

              Nach Twitter-Posts soll die Syrische Armee bei weiteren Luftangriffen Fassbomben auf die historische Festung abgeworfen haben, die westlich der Stadt gelegen die Landschaft beherrscht. Angeblich wurde die Festungsmauer beschädigt.





              Zerstörungen in Palmyra durch Daesh (rot) und frühere Zerstörungen durch militärische Aktivitäten der syrischen Armee
              Destruction in Palmyra by Daesh (red) and earlier destruction by military activities probably of the Syrian army (yellow)



              Nachrufe auf den ermordeten Khaled al-Asaad (September)

              Mehrere Medienbeiträge würdigen das Engagement von Kollegen mitten im Chaos.

              Zerstörungen an anderen Orten

              Mausoleum des Shaykh Hammadaus dem 13. Jh.:
                Kloster St. Eliah

                Raubgrabungen und illegaler Antikenhandel

                Die Türkei als wichtiges Transitland:

                Sichergestellte Funde

                Daesh/IS und der Antikenhandel


                Die Rolle des Nationalmuseums in Beirut:

                Maßnahmen

                Um die Objekte zu retten, sprächen sich bereits einige in interessierten Kreisen dafür aus, "über den eigenen Schatten zu springen und mit den bad guys Geschäfte zu machen". Das sei aber keine Lösung, sondern Teil des Problems, betonte Müller-Karpe. Der Westen sitze einer "perfiden Marketingstrategie" auf und werde von den Islamisten vorgeführt.

                Das geplante neue Kulturgutschutzgesetz in Deutschland, als eine Maßnahme gegen Raubgrabungen, illegalen Antikenhandel und den Terrorismus gedacht, wird - sollte der Entwurf nicht noch entscheidend geändert werden - wohl eher das Gegenteil erreichen, indem er mit seiner Fristenregelung es den Hehlern erleichtert, seine Waren auf einen Markt mit dann legalisierten Raubgrabungsgütern zu schleusen. Es wird noch schwieriger werden, den Raubgräbern und Hehlern beizukommen.

                Verpacken und Verstecken

                Im Nationalmuseum in Damaskus werden Funde verpackt und zum Abtransport vorbereitet. Es handelt sich um evakuierte Funde aus anderen Museen des Landes, aber offenbar schließt man auch einen Vormarsch von Daesh auf Damaskus nicht aus.
                Elektronische Erfassung der Museumsbestände von Lattakia:

                Veranstaltungen

                Eine Erklärung der Orient AG des Deutschen Archäologen-Verbands

                    Digitalisierungsbemühungen: Die Stunde der 3D-Modelle

                    Viele Hoffnungen eine 3D-Dokumentation von Denkmälern in Syrien und Irak zu erhalten, bevor Daesh/IS sie zerstört:
                    In diesem Kontext sind auch Projekte zu nennen, die gezielt Forschungsdaten, Bild- und Planarchive digitalisieren (z.B. Syrian Heritage Archive Project des DAI). Nicht nur aus forschungspolitischen Überlegungen sollten solche Daten frei zugänglich als Open Access verfügbar sein - das wäre auch ein Zeichen gegen die Kulturvernichtung von Daesh und ein wesentlicher Beitrag bei der Identifizierung von Raubgrabungsgut und aus Museen und Depots gestohlener Funde.

                    Vergl.
                    Ein italienisches Angebot zur Hilfestellung:
                    eine norwegische Initiative:
                    Leider ist die angekündigte freie Zugänglichkeit der bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erschienenen  Bände der Tabula Imperii Byzantini zu Syrien immer noch nicht umgesetzt:

                    Und ein Projekt zur Digitalisierung von Bibliotheksbeständen:
                          All das hilft leider nicht gegen die Zerstörung von Befunden im Boden, die durch Raubgrabungen und Sprengungen gefährdet sind.

                          5 Mio $ Belohnung!

                          Die US-Regierung hat 5 Millionen Dollar Belohnung ausgesetzt, für denjenigen, der mit seinem Hinweis das Finanzierungssystem von Daesh mit illegalen Öl- und Antikenhandel nachhaltig aufbricht.
                          Das Geld wird wohl nicht ausgegeben werden müssen, denn die Strukturen sind mit Sicherheit so international und so komplex, dass ein einzelner sachdienlicher Hinweis keinen Durchbruch bringen wird. Außerdem dürfte es schwer sein, zu unterscheiden, wer Terrorist, Rebell oder Soldat ist. Die Plünderung archäologischer Funde ist kein Monopol von Daesh.

                          Weitere Kommentare und Pressestimmen 

                            Links

                            Dank an alle, die mit Hinweisen und Übersetzungen ausgeholfen haben!

                            Dienstag, 22. September 2015

                            Near Eastern Archaeology Special Issue: The Cultural Heritage Crisis in the Middle East


                            Das Sonderheft der Zeitschrift Near Eastern Archaeology zur Kulturgutvernichtung im Nahen Osten ist (derzeit?) frei zugänglich:

                            Inhalt

                            Ground-Based Observations of Cultural Heritage Incidents in Syria and Iraq (pp. 132-141)
                            Michael D. Danti
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0132
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0132

                            Satellite Imagery-Based Analysis of Archaeological Looting in Syria (pp. 142-152)
                            Jesse Casana
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0142
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0142

                            Responding to a Cultural Heritage Crisis: The Example of the Safeguarding the Heritage of Syria and Iraq Project (pp. 154-160)
                            Salam Al Quntar, Katharyn Hanson, Brian I. Daniels and Corine Wegener
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0154
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0154

                            Mapping the Heart of Mesopotamia: A Bittersweet Legacy in the Landscape of War (pp. 162-168)
                            Suzanne E. Bott
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0162
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0162

                            ISIS, Heritage, and the Spectacles of Destruction in the Global Media (pp. 170-177)
                            Ömür Harmanşah
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0170
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0170

                            An Update on the Looting of Archaeological Sites in Iraq (pp. 178-186)
                            Elizabeth C. Stone
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0178
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0178


                            The War-Ravaged Cultural Heritage of Afghanistan: An Overview of Projects of Assessment, Mitigation, and Preservation (pp. 187-195)
                            Gil J. Stein
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0187
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0187

                            Archaeological Looting in Egypt: A Geospatial View (Case Studies from Saqqara, Lisht, and el Hibeh) (pp. 196-203)
                            Sarah Parcak
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0196
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0196

                            Archaeology and Cultural Heritage in Post-Revolution Libya (pp. 204-211)
                            Susan Kane
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0204
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0204

                            “Why Is No One Talking about Libya's Cultural Destruction?” (pp. 212-217)
                            Neil Brodie
                            DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0212
                            Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0212