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Montag, 23. April 2012

Ein frühlatènezeitlicher Schwertscheidenbeschlag aus einer Siedlungsgrube in Renningen

Renningen Lauerhalde
(Foto R. Schreg, nach
Kopie im Mus.
Renningen)
Aus der Verfüllung eines Grubenhauses einer nicht weiter auffallenden Siedlung der Späthallstatt- und Frühlatènezeit bei Renningen (Lkr. Böblingen), Flur Lauerhalde stammt ein reich verziertes "kleeblattförmiges" Scheidenortband.
1977 fand eine kleine Grabung durch H. Breining und das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg auf der seit 1970 durch Lesefunde bekannten Siedlung statt.
Das Ortband besteht aus Bronze. Es ist gegossen, mit einer konischen Aussparung für die Schwertspitze. Hier sind auch die eisernen Reste der eisernen Schwertscheide erhalten, auf die das Ortband aufgeschoben war. Die Grundform des Ortbandes ist dreieckig, genauer gesagt folgt es dem Dreischeibenmotiv, das etwa auch bei Wangenklappen von Helmen zu finden ist. Es besteht aus drei Rundeln und dazwischen eingefügten Palmettenblättern. Auf der Vorderseite weisen sie jeweils mittels Pech eingeklebten Koralleneinlagen auf, auf der Rückseite findet sich eine detailreiche Gravurverzierung.
Es rechnet zur Gruppe der "kleeblattförmigen" Scheidenortbänder, die bereits U. Osterhaus 1966 (Osterhaus 1969) zusammengestellt hatte. Die Mehrzahl der Funde stammt aus Gräbern der Champagne und der Hunsrück-Eifel-Kultur - sowohl aus einfach ausgestatteten Gräbern, wie aus ausgesprochenen "Fürstengräbern". Beispiele sind Weiskirchen II im Saarland oder Somme-Bionne.
Das Renninger Beispiel ist das einzige, das aus einem Siedlungskontext stammt, dabei zählt es mit den Koralleneinlagen und die aufwändigen Gravuren auf der Rückseite zu den qualitätvollen Stücken.
Die Verzierung lässt sich dem early style zuordnen und datiert in die Phase Latène A. Die begleitenden Keramikfunde bestehen aus S-förmig geschweiften Schalen und Töpfen sowie gewölbten und kalottenförmigen Schalen, wie sie innerhalb der Späthallstatt- und Frühlatènezeit nur ansatzweise differenziert werden können.

Dienstag, 27. März 2012

Eine hallstattzeitliche Grabkammer bei Westerheim

1949 hat Albert Kley einen hallstattzeitlichen Grabhügel bei Westerheim (Alb-Donau-Kreis) ausgegraben. Eine erste Publikation durch Kley enthielt leider keinerlei Abbildungen. Die Funde wurden dann in dem umfassenden Katalogwerk hallstattzeitlicher Grabfunde in Württemberg und Hohenzollern von Hartwig Zürn publiziert, der Grabungsplan 1992 in einem Ausstellungsbegleitheft erstmals vorgelegt - ein Überblick über die Befundsituation ist so kaum zu gewinnen.
Dieser Blogpost soll (und kann) keine Aufarbeitung des Komplexes bieten, sondern lediglich einige Beobachtungen skizzieren, die bei der Fundaufnahme und Ordnung der Sammlung Kley zu machen waren. Dabei ist die Sichtung noch nicht abgeschlossen, da noch mehrere Quarkschachteln mit Funden aus Westerheim identifiziert werden konnten, die aber noch nicht genauer durchgesehen sind.

Die Fundstelle
Etwa 1,5 km südwestlich des Ortes wurde 1949 "in der Au", im Katzental ein Erdhügel abgetragen, um Boden für die Wiederherstellung eines zu Ende des zweiten Weltkriegs zerstörten Anwesens zu gewinnen. Dabei auftretende Funde wurden durch einen Einwohner an Georg Burkhardt in Geislingen gemeldet (vgl. Merkblatt).
Der Hügel war bei der Grabung noch etwa 0,9 m hoch und hatte einen Durchmesser von rund 17 m.

Die Grabung
Der Geschichts- und Altertumsvereins Geislingen, dessen Vorstand Burkhardt war, finanzierte für die Rettungsgrabung zwei Grabungsarbeiter und übertrug die Grabungsleitung an A. Kley. Hinzu kamen weitere Schüler und Kollegen von Herrn Kley, wie auch dessen Frau.
Der Hügel wurde in vier Quadranten gegraben, so dass ein Kreuz von Profilstegen stehen blieb.


Dokumentation
Die Originaldokumentation der Grabung ist im Nachlaß Albert Kley vorhanden, sie ist indes relativ unübersichtlich und besteht aus vielen kleinen Zettelchen. Der von Kley publizierte Text ist die einzige zusammenhängende Beschreibung, ansonsten existiert ein Übersichtsplan. Profilzeichnungen wurden noch nicht aufgefunden. Bei der Grabung wurden keine Befundnummern vergeben, sondern einzelne Referenzpunkte gesetzt, auf die Fundstellenangaben bezogen wurden.
Fotoaufnahmen der Grabung scheinen nicht zu existieren.

Der Befund
Westerheim, In der Au
(Umzeichnung des Grabungsplans von A. Kley
durch R. Schreg)




Der Plan lässt die Reste einer hölzernen Konstruktion erkennen. Kley beschreibt sie als eine "Ansammlung von verkohlten Buchenscheitern", die "zuunterst auf dem gewachsenen Boden" gelegen hätten. "Sie bildeten ein genau nord-südlich gerichtetes Rechteck von stark 3 x 2 m Seitenlänge und lagen meist in 2 bis 3 Lagen senkrecht übereinander." Kley interpretierte dies als den Rest eines Holzstoßes für die Leichenverbrennung, wobei er auf Reste von Leichenbrand aus einer das Holz überdeckenden Ascheschicht hinweist.

Alternativ mag hier an die Reste einer Grabkammer zu denken sein, die auf einem Bretterboden in Blockbauweise errichtet worden ist. Die Hölzer der Grabkammer waren vor allem in der Nordhälfte inkohlt erhalten. Umgeben wird die Kammer von einer kreisförmigen Struktur, bei der es sich wahrscheinlich um einen Kreisgraben handelt, der jedoch auffallend dicht an der Grabkammer verläuft. Eine genauere Beschreibung des Befundes konnte ich bislang nicht ausfindig machen. Im Abstand von zwei Metern verläuft ein weiterer gebogener Befund, der einen Kreisgraben am eigentlichen Hügelfuß angeben könnte. Die Beschreibung von A. Kley verweist indes auf einen "ungenauen Kreis von Kalksteinen in einigermaßen regelmäßigen Abständen" "wohl nahe dem ehemaligen Rand des unverschleiften Hügels".

Es liegen einige wenige Knochenreste vor, die auf eine Körperbestattung verweisen. Bisher ist es mir nicht gelungen, ihre Lage im Plan zu verifizieren.
Über der eigentlichen Grabkammer verzeichnet der Grabungsplan einzelne größere Steinblöcke, möglicherweise der Rest einer Kammerabdeckung mit einer Steinpackung.Kley beschreibt jedoch explizit nur vier große Steine, um die herum "eine Art Mantel aus besonders hartem, offenbar festgestampftem Lehm" lag.

Funde
Die Arbeit von Hartwig Zürn verzeichnet die wichtigsten Funde des Grabes und bildet diese auch in Zeichnungen ab. Hier seien einige Arbeitsfotos wiedergegeben.
1. Metallfunde
  • 6 Bronzeringchen mit dreieckigem Querschnitt
  • 2 kleine Bronzekügelchen, vermutlich ursprünglich auf einem Eisenstift 
  • Gliederstab, an beiden Enden kleine Ösen ursprünglich wohl drehbar eingesetzt - nach dem Bericht von Kley müssten weitere Stücke vorhanden sein
2. Keramik
  • unverz., geglättete Kragenrandschale
  • Alb-Hegau-Teller. Möglicherweise gehören zwei Randscherben mit Kreisstempeln (hier nur eine abgebildet) zu einem zweiten Stufenteller
    Nach dem Bericht von A. Kley dürften Kragenrandschale und Stufenteller vor Beginn der Untersuchung gefunden worden sein.
 
  • Wandscherben ritzverzierter Keramik in Alb-Hegau-Tradition
  • Fragmente eines ritzverzierten Kragenrandgefäßes in Alb-Hegau-Tradition
Desweiteren liegen zahlreiche weitere kleine Keramikscherben vor, zumeist unverziertes Material, darunter auch die Randscherbe einer gewölbten Schale. Ausgesprochen grob gemagerte Stücke fehlen, doch zeigt eine Scherbe Abdrücke von Getreidekörnern.
Beispiel weiterer Keramikscherben

Scherbe mit organischer Magerung

Randscherbe einer gewölbten Schale
3. weitere Funde 
Kley erwähnt einige weitere Funde, die zur Zeit nicht vorliegen:
  • eine ganze Anzahl von Eisengegenständen, u.a. ein sichelförmiger Gegenstand
  • eine runde Scheibe aus Bronzeblech, knap 8cm Durchmesser mit drei konzentrischen Doppelkreisen aus eingepunzten feinsten Pünktchen, lag mit dem Gliederstab und Holzresten unter einem der großen Steine am Nordrand der Holzkonstruktion
  • neolithische Pfeilspitze
Bemerkungen zur Einordnung
Die Keramik verweist den Fund in den Kontext der Stufe Hallstatt C. Auffallend sind jedoch die große Grabkammer und die Knochenreste, die kaum in diesen zeitlichen Kontext, sondern eher in die Späthallstattzeit (HaD) zu passen scheinen. Der kleine Kreisgraben unter der Grabkammer mag hier eine Mehrphasigkeit des Grabhügels andeuten, so dass die Kammer in Ha D in einen älteren Hügel eingebracht worden sein könnte.
Ob diese These zutrifft, könnte eine genauere Sichtung der vorhandenen Unterlagen vielleicht noch zeigen.

Die Fundstelle liegt am Ostrand der Verbreitung hallstattzeitlicher Grabhügel auf der mittleren Alb. Nach Osten zu sind erst wieder im Heidenheimer Raum hallstattzeitlichen Funde bekannt, die bereits der Ostalb-Gruppe angehören (vgl. Blogpost). Von der Geislinger Alb sind entsprechende Grabfunde bislang nicht bekannt, doch mag es sich hier um eine Folge des ungenügenden Forschungsstandes handeln. Auf der Stubersheimer Alb liegen jedenfalls mehrere bisher nicht untersuchte Grabhügel, zudem sind mehrere Siedlungsstellen bekannt, die sowohl Alb-Hegau-Keramik als auch Ostalb-Keramik erbracht haben.


Literatur
  • Fundberichte aus Schwaben N.F. 11, 1938-50, 84 (kurze Notiz)
  • A. Kley, Vorgeschichtliche Grabhügel bei Westerheim. Geschichtliche Mitteilungen von Geislingen und Umgebung 13, 1952, 79-81
  • H. Zürn, Hallstattzeitliche Grabfunde aus Württemberg und Hohenzollern. Forsch. u. Ber. Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 25 (Stuttgart 1988) 
  • R. Schreg/ A. Kley, Scherben schreiben Geschichte. Vor- und Frühgeschichte von Geislingen und Umgebung (Geislingen 1992), 25f.

Bemerkung
Dieser Text wird bis auf weiteres ggf. ergänzt und korrigiert werden.


Montag, 19. März 2012

Tor G am Heidengraben bei Erkenbrechtsweiler

Fund in meinem Diaarchiv: Das Foto einer Modellrekonstruktion von Tor G am latènezeitlichen Oppidum Heidengraben nördlich Erkenbrechtsweiler (Lkr. Reutlingen, Bad.-Württ.).

Modellrekonstruktion R. Schreg 1983
Das Tor wurde 1981 ausgegraben. Das Modell, 1983 gebastelt, basiert auf dem damals in einem Vorbericht publizierten Plan sowie Fotos, die ich bei einer Grabungsbesichtigung gemacht hatte.

Literaturhinweis
  • I. Balzer, Das Tor G des Oppidums Heidengraben bei Grabenstetten. Die Grabungen 1976 und 1981. Fundber. Bad.-Württ. 22/1, 1998, 295–376.

Dienstag, 23. August 2011

Archäologen gegen Schachtelhalme - ein Wettlauf um das neu entdeckte Boot Nydam III

Equisetum palustre kz1
Sumpf-Schachtelhalm
(Foto. Kenraiz [CC-BY-SA-3.0 ])
Schachtelhalme haben tief reichende Wurzeln - bis zu 10 m reichen sie in den Grund. Von der Evolution her gesehen sind sie lebende Fossilien, da sie die letzten Vertreter einer ehemals artenreichen, seit dem oberen Devon auftretenden Gruppe innerhalb der Gefäßsporenpflanzen sind.

Für die Archäologie können sie jedoch ein Problem sein: Die tiefen Wurzeln zerstören unter Umständen archäologische Befunde.

Die Ausbreitung von Schachtelhalmen im Nydam-Moor in Südjütland bedroht seit Jahren die dort befindliche Fundstelle des Nydam-Boots. Das heute in Schleswig ausgestellte Boot gehört zu einem mehrphasigen Opferplatz der römischen Kaiserzeit.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Altfluren in Lothringen

Die Luftbilder in Google Maps lassen in Lothringen weiträumig alte Flursysteme erkennen.


Größere Kartenansicht
bei Bassing, dép. Moselle


Ohne nähere Recherche kann ich nicht beurteilen, wie alt diese Flursysteme sind. Es scheint sich jedoch um Blockfluren zu handeln, die nach gängiger Auffassung den Langstreifenfluren voraus gehen. Die Hell-Dunkel-Kontraste spiegeln wohl Erosions- und Sedimentationsbereiche wieder. Hier würde mich der Abgleich mit Laserscan-Geländemodell und historischen Karten interessieren. Außer der Frage der Datierung stellt sich auch die Frage, welche Auswirkung die Entstehung dieser Strukturen auf die Ackererträge hatte.
Inzwischen liegen aus diesem Bereich auch archäologische Grabungsergebnisse vor, da eine neue TGV-Trasse dieses Gebiet quert (Kurzinformation von INRAP über die Grabungen im Sommer 2010). Im Grabungsausschnitt wurden neben einem latènezeitlichen Hof (in Südwestdeutschland würde man wohl sagen: einer Viereckschanze) und römischer Villenbebauung auch merowingerzeitliche Siedlungsreste und alte Parzellengrenzen erfasst.

Referenz

Mittwoch, 15. Juni 2011

Burial below the starry sky: Early 'celtic' burial mound in Southwestern Germany represents the stars as visible in summer 618 BC

New research by  Allard Mees, archaeologist at the Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM), a research institute on prehistorical and early historical archaeology in Mainz, gives amazing insights in early celtic world view. Burials in the princely burial mound Magdalenenberg near Villingen-Schwenningen represent the starry sky as it could be seen in summer 618 BC.
Magdalenenberg near Villingen-Schwenningen
(Foto: PD, via Wikimedia Commons)

The burial mound has been excavated in the early 1970s. Dendrochronological data from the central burial chamber indicate its construction four years later. It has been recognised at several burial mounds of the Hallstatt- and early Latèneperiode, that certain geographic direction have been marked by constructions inside as well as outside the burial mound, as for example the wooden construction in the Magdalenenberg mound. According to Mees' result the moon played an important role for early celtic religion.

Informationsdienst Wissenschaft

Reference
  • Allard W. Mees, Der Sternenhimmel von Magdalenenberg. Das Fürstengrab bei Villingen-Schwenningen - ein Kalenderwerk der Hallstattzeit. Jahrbuch Römisch-Germanisches Zentralmuseum 54, 2007 (2011), 217-264.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Kurt Bittel - Ausgräber im Alter von 13 Jahren

Ein Artikel in der Südwestpresse anläßlich eines Vortrages von Christoph Bittel über seinen Vater, erinnert mich an Funde, die ich vor Jahren im Heimatmuseum Geislingen inventarisiert habe.


Oggenhausen (Stadt Heidenheim):
hallstattzeitliche Ostalb-Keramik
(HM Geislingen, Foto R.Schreg)
Kurt Bittel hat 1920, im Alter von 13 Jahren einen beim Wegebau durchschnittenen Grabhügel bei Oggenhausen ausgegraben. Die Funde kamen ins Heimatmuseum Geislingen, wohl weil der dortige Altertumsverein und sein damaliger Vorstand Georg Burkhardt den jungen Bittel früh unterstützt hatte.
1926 wurde Bittel für eine Untersuchung an der Befestigung des Geiselstein gewonnen, die er gemeinsam mit Georg Burkhardt am 31. August und 1. September durchführte. Bittel datierte die Befestigung aufgrund der Mauertechnik mit Kalkguss in die Hallstattzeit, eine Argumentation, der man heute angesichts des Fehlens von Funden freilich nicht mehr folgen möchte. Schon Oskar Paret hatte bei der Publikation - gestützt auf einen Zeitungsartikel Bittels in der Geislinger Zeitung - Zweifel angemeldet und die Anlage mit mittelalterlicher Viehwirtschaft in Verbindung gebracht.

Literaturhinweise
  • K. Bittel, Der Geiselstein, eine vorgeschichtliche Befestigung. Geschichtl. Mitt. Geislingen 1929, 31-34.
  • Fundberichte aus Schwaben N.F. 4, 1928, 48 (O. Paret)
  • H. Zürn, Hallstattzeitliche Grabfunde aus Württemberg und Hohenzollern. Forsch. u. Ber. Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 25 (Stuttgart 1988) Bd. 1, S. 77.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Münzschatz vom Heidetränk-Oppidum geteilt

Die FAZ berichtet über die Teilung eines illegal und undokumentiert auf dem Heidetränk-Oppidum ausgegrabenen Münzschatzes zwischen dem Museum Frankfurt und der Archäologischen Staatssammlung in München, die den Funde Mitte der 90er Jahre angekauft hatte.
Jenseits der Eigentumsfrage: Der historische Quellenwert ist weitgehend verloren. Die Einschätzung, dass der Fund zu den bedeutendsten des Frankfurter Museums zählen wird, ist daher sicher falsch!