von Stefan Bauer
Der
Arkabutla-See ist ein am Coldwater River gelegener Stausee im
US-Bundesstaat Mississippi. Er wurde 1940 im Zuge eines Großprojektes
zur Reduzierung von Flutschäden als einer von
vier Stauseen im Nordwesten Mississippis errichtet und bietet mit einer
Besucherzahl von über 2 Millionen Menschen das ganze Jahr über gerade
wegen der reichen Flora und Fauna eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten
(der Verfasser dieses Beitrages wurde selbst
Zeuge des Fanges eines 30 kg schweren Welses aus dem See).
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Der aktuell abgelassene Arkabutla Lake im Jahr 2011, DeSoto und Tate Counties, Mississippi (Foto: Thomas R Machnitzk, CC BY SA 3.0 via WikimediaCommons)
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Am
10. Mai 2023 warnte das Ingenieurkorps der US-Armee die Anwohner, sich
vom Stausee fernzuhalten, da am Damm „potenzielle Bruchgefahren“
festgestellt worden seien. Um die nötigen
Reparaturmaßnahmen vor Ort in Angriff zu nehmen, wurde das
Wasserreservoir von den Behörden schließlich nach und nach abgelassen.
Neben
den sich hieraus ergebenden negativen Folgen für Pflanzen und Tiere,
sind nun auch Überreste der Ureinwohner der Gegend auf dem
ausgetrockneten Seegrund massiv bedroht.
Vor
dem Bau des Staudamms war das Gebiet einst ein dichtes Waldgebiet, das
von den Chickasaw-Indianern bewohnt wurde, die ihre Toten in dem Gebiet
bestatteten, das heute den See bildet.
Die Chickasaw traten das Erbe der Mississippi-Kultur an, der letzten
prähistorischen Kultur im Südosten der USA vor dem Kontakt mit den
Europäern. Diese ist vor allem bekannt durch den Nachweis tausender
Erdwerke innerhalb ihres Verbreitungsgebietes und weist
Parallelen mit zeitgleichen Kulturen Zentralmexikos auf.
Laut einer ganzen Anzahl an Artikeln zum Thema hat die momentane Situation
des exponierten Seegrundes zu einem regelrechten Raubgräbertourismus
geführt. Der Kurator des DeSoto County
Museum, Robert Long, sagte, es gebe glaubwürdige Berichte über
Menschen, die draußen im See auf Allrad-Geländewagen Knochen, Töpfe und
andere Grabbeigaben der amerikanischen Ureinwohner ausgegraben und als
Souvenirs mitgenommen hätten.
Seitdem
der Arkabutla-See, welcher Bundeseigentum ist, seine archäologischen
Artefakte preisgegeben hatte, machte die Kunde von freiliegenden
Artefakten innerhalb der „Teasure-hunt
Society“ die Runde, so Long. „Einmal – ich weiß weder das genaue
Datum noch die genaue Uhrzeit – waren in den Nachtstunden 100
Geländewagen in jedem Winkel hier unterwegs. Es gab andermal einen
Schwarm von Allradfahrzeugen, die Gegenstände freilegten und
ausgruben.“
Von offizieller Seite heißt es, dass es in den Nachtstunden zwischen dem 12. und 15. Juni 2023 zu
„weit verbreiteten Plünderungen“ von Grabbeigaben der
amerikanischen Ureinwohner, Störungen und Entweihungen menschlicher
Überreste sowie zum Diebstahl von Artefakten kam.
Um
die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass jeder, der auf den
Seegrund hinausgeht, tatsächlich eine Straftat begeht, wurde im
Schatten dieser Vorkommnisse letzte Woche
eine Pressekonferenz von Long abgehalten.
Dabei betonte er, dass Überreste und Artefakte der amerikanischen Ureinwohner durch das Federal Native American Grave and Repatriation Act (Bundesgesetz über Grabstätten und Restitutionen der
amerikanischen Ureinwohner) vor Schändung und Plünderung geschützt
seien, was es zu einer Straftat
mache, solche Artefakte zu entnehmen oder diese auch nur aus deren
Fundkontext zu bringen. Auch das Seegebiet selbst ist nach Einbruch der
Dunkelheit für die Öffentlichkeit gesperrt. Zuwiderhandlungen können mit
einer Geldstrafe von 10.000 US-Dollar oder gar
einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden.
Long fährt fort:
„Wir fordern die Menschen auf, ihren gesunden Menschenverstand an den
Tag zu legen und sich einfach von diesen Bereichen fernzuhalten.“
Über
das exakte Ausmaß des Schadens lassen sich derzeit noch keine genaueren
Angaben machen, doch bleibt festzuhalten, dass es sich bei den
Meldungen um eine Vielzahl unterschiedlichster
Quellen handelt, welche zum einen bis hinein in die „Treasure-Hunter“
Szene reichen, aber auch hochrangige Strafverfolgungs- und Justizbeamte
im DeSoto County miteinbezieht, die die Dinge beobachtet und sich an
Long gewandt haben.
Long fungiert als regionaler Kontaktmann für die Chickasaw-Nation. Er habe den Stamm über die Plünderungen informiert und festgestellt, dass sie darüber sehr besorgt seien.
„Ich
kann nicht für sie sprechen, aber man kann an der Resignation in ihrer
Stimme erkennen, dass sie damit ständig konfrontiert werden“,
sagte Long. „Diese Artefakte gehören dem Volk der amerikanischen
Ureinwohner, vor allem der Chickasaw-Nation. Dies ist ihre kulturelle
Heimat. Man könnte meinen, Menschen würden Kulturen, die sich von ihrer
eigenen unterscheiden, ehren und respektieren,
aber manchmal wird man von Menschen mit ihrer Nachlässigkeit und
Gleichgültigkeit verblüfft. Deshalb müssen wir die Öffentlichkeit darauf
aufmerksam machen.“
Der Hauptteil des Stammes wurde während der Indianer-Umsiedlung
(Trail of Tears) im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aus ihrer Heimat ins Indianerterritorium nach
Oklahoma deportiert.
Um dem nächtlichen Treiben am wasserleeren Arkabutla-See ein Ende zu setzen, werden nun das DeSoto County Sheriff’s Department und das U.S. Army Corps of Engineers dort mit Patrouillen beginnen.
Links
Stefan Bauer, Powder Springs, Georgia/USA