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Montag, 26. Dezember 2022

Akademischer Weihnachtskrimi

Ein mediävistischer Wissenschaftsblogger, Peter Kidd (London) macht am Heilig Abend einen Plagiaritätsfall auf seinem Blog bekannt. Ein Buch hat ganz offenbar Teile seine Vorarbeiten verwendet ohne ihn zu zitieren. Als er die betreffende Autorin kontaktiert hat, bekam er die Antwort, Blogs seien keine wissenschaftliche Publikation und müssten nicht zitiert werden. Außerdem kenne sie den Blog gar nicht - obwohl er früher durchaus schon zitiert wurde.  Schließlich arrogant zum Frendschämen: sinngemäß "Ich Professor - du nur Doktor!"

Einige weitere Zitate aus der Kommunikation:

"Nobody cares about your blog!"

"I regret to inform you that blogs are not scientific texts, published by academic publishers, so their value is nil!"

Nachdem der Blogpost am Heiligabend online ging, recherchierten User nach dem Research Centre for European Philological Tradition (Receptio) im schweizerischen Lugano und stellten einige Merkwürdigkeiten fest. Die Bilder der dort Beschäftigten sind Stock-Fotos (Link). Dies gilt insbesondere für die Mitarbeiterin, von der Peter Kidd angeblich die erste Antwort mit obigen Statements erhielt. Anscheinend wurden kurz darauf die Bilder gelöscht. Die verbliebenen Bilder zeigen mutmasslich im Institut mitarbeitende Familienmitglieder der Autorin. Auch die Namen im Board of Directors und  im Scientific Committee wurden über die Feiertage aktualisiert (Link). Die Adresse der Niederlassung eines Büros in London weisst v.a. Briefkastenfirmen auf, wobei die Adresse im Kontext der Paradise Papers aufgefallen ist (Link). Auch Zweifel am Professorentitel kommen auf (Link).

In einem gestern auf academia.edu publizierten Statement verteidigt die Autorin ihre Arbeit und droht den Kritikern (angeblich anonyme Mails -  aber mit Namen - ??) mit Strafanzeige. Sie betont, dass ihre Arbeit weit über die Ansätze des Blogs hinaus gingen, was so wohl auch zutrifft, aber nichts daran zu ändern scheint, dass wesentliche Vorarbeiten nicht genannt und Bilder offenbar vom Blog übernommen sind, die anderweitig so nicht zugänglich waren. 

Nach Kidd's Blogpost wurden über Weihnachten auf der Receptio-Website die Mitarbeiter verändert, das pdf des Buchs angepasst und schließlich dessen Downloadmöglichkeit deaktiviert.  Vielleicht sind die Vorgänge ja Anlass, überfällige Aktualisierungen vorzunehmen. In einer guten Krisenkommunikation wäre das im Statement durchaus erwähnenswert gewesen. So entsteht kein guter Eindruckeines Spurenverwischens.

Auf alle Fälle ist hier Aufklärung notwendig, zumal offenbar nicht wenige Forschungsgelder geflossen sind. Die Universität Zürich, bei der die Autorin bis vor kurzem beschäftigt war und über die möglicherweise auch Gelder geflossen sind, wurde bereits eingeschaltet und hat eine Klärung angekündigt (Link).

Peter Kidd stellt indes fest, dass für ihn das Plagiat zweitrangig ist, da ein Verweis auch untergegangen sein könnte. Was ihn stört, ist eben die arrogante und wenig wissenschaftlich-professionelle Reaktion.

Ein Punkt ist dabei die Abkanzelung von Blogs (ob nun von der Autorin oder einer vielleicht doch inexistenten Mitarbeiterin).

"Also, perhaps worth remembering, blog posts do not have a DOI number and it can happen that the information provided is scientifically unreliable."

Ja, Websites sind nicht immer verläßlich, aber wissenschaftliches Arbeiten hat sich insbesondere in den Geisteswissenschaften noch nie auf Publikationen mit doi (die übrigens per se keinerlei Qualitätsmerkmal ist, sondern nur der Identifizierbarkeit des Dokuments dient) beschränkt. Selbst ein fehlendes peer-review ist keine Freigabe der Inhalte für Plagiate. Zu zitieren ist alles und jeder, der die Forschung vorangebracht hat, egal ob eine Qualitätssicherung stattgefunden hat oder nicht.


Warum greife ich das auf Archaeologik auf? 

Eigentlich geht es auch mir nicht um den Fall dahinter, sondern um den wissenschaftlichen Umgang mit Blogs.

Letzte Woche hatte ich ein Interview mit einer Kollegin, die die Publikationkultur in der Archäologie thematisiert und dabei kam auch die Sprache auf die Rolle und das Ansehen von Blogs. Ich bin recht zuversichtlich, dass in der Archäologie eine gewisse Bereitschaft besteht, auch Blogs zu zitieren, sind wir es doch gewohnt, dass die Mehrzahl unserer Fachzeitschriften (noch) kein Peer-Review-Verfahren haben. Erst in den letzten Jahren haben die "großen" Zeitschriften nachgezogen, aber die üblichen Jahrbücher der Denkmalpflege, über die ein Großteil der aktuellen Ausgrabungen bekannt gemacht werden, besitzen kein peer review (und brauchen das auch nicht).

Dennoch habe ich auch schon Redaktionen erlebt, die extreme Probleme haben, eine Internetquelle zu azeptieren, aber keine Probleme damit haben, "mündliche Mitteilung"  als vollwertigen Nachweis anzuerkennen.

Ich wäre für die Archäologie optimistischer, dass Blogposts nicht als "nichts" angesehen werden, sehe aber noch immer eine große Unsicherheit im Umgang mit online-Quellen.

 

Übrigens noch ein Aspekt, der hinter dem Skandal leicht untergeht. In dem ursprünglichen Blogpost wie auch in dem Plagiats-verdächtigten Buch geht es um die Rekonstruktion eines Stundenbuchs des 15. Jahrhunderts, das 2009 nach einer Auktion zerfleddert wurde, um die Seiten einzeln verkaufen zu können (Link). Auch das ist ein Skandal, der leider weit weniger Aufregung verursacht.

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Es geht wieder los: Wahl des Wissenschaftsblogs des Jahres 2022

Der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ führt in diesem Jahr zum zwölften Mal die Wahl der „Wissenschafts-Blog des Jahres“ durch. Auf der Shortlist stehen 30 Blogs - darunter auch Archaeologik.

Die offene Publikumswahl im Internet geht bis zum 25. Januar 2023 (24.00 Uhr). 

Einige Gedanken von Rainer Korbmann zur Rolle von Wissenschaftsblogs möchte ich hier aufgreifen. Er weist darauf hin, dass Wissenschaftsblogs trotz TikTok-Hype und Instagramm-Fieber das ideale Medium der Wissenschaftskommunikation bleibt. Hier sei es möglich, "nicht nur kurze Informationshappen oder optisch attraktive Ausrufezeichen zu senden, sondern Sachverhalte zu schildern, selbst wenn sie umfangreich und kompliziert sind, dies mit informativen und attraktiven Bildern und Grafiken zu kombinieren, ja auch mit Videos, die ansprechen und vieles viel schneller und anschaulicher erklären können (und durchaus oft zur kleinen persönlichen Eitelkeit passen) als Texte allein." Dennoch ruft Korbmann den Krisen-Alarm in der Wissenschafts-Blogosphäre aus!

Blogs führten ein Nischen.Dasein, fielen durch das Raster der Suchmaschinen und spielten für deren Algorithmen keine Rolle. 

Das wird nun künftig noch dadurch verschärft, dass eines der großen Portale, die viele Wissenschaftsblogs in Deutschland gebündelt und leister auffindbar gemacht haben, zum 1. Januar 2023 schließt.

Neben Scilogs.de, das vom Spektrum-Verlag (Spektrum der Wissenschaft, Sterne und Weltraum, Gehirn&Geist, www.spektrum.de), zur Verlagsgruppe Springer nature gehörend betrieben wird, gibt es noch Scienceblogs.de, das vom Stuttgarter Konradin-Verlags (bild der wissenschaft, natur, damals, www.wissenschaft.de) angeboten wurde, der seine Plattform nun aber einstellen will. Die internationale Plattform scienceblogs.com hat seinen Betrieb schon Ende 2017 eingestellt, jetzt folgt auch das deutsche Scienceblogs-Portal.

Es ist hier völlig unsicher, wie es mit den dort betriebenen Blogs weiter gehen wird, was auch mit den Tausenden Blogposts geschieht. Das betrifft rund 45 aktive Blogs, aber auch etwa eben so viele inaktive. Die Archäologie scheint das nicht so sehr zu betreffen, da hier vieles über Institutionen läuft, während private Blogs meist auf blogger, wordpress oder bei hypotheses laufen. Für die Geisteswissenschaften  waren weder Scienceblogs.de noch Scilogs.de ein geeignetes Portal, hier ist eher hypotheses von Bedeutung, das gleichwohl nicht die Sichtberkeit erreicht, wie sie die kommerziellen Portale hätten vermitteln können - hätten Sie die Chance auch genutzt.

Insofern soll die Wahl des Wissenschaftsblogs des Jahres "die besten und beliebtesten Blogs herausstellen, Vorbilder schaffen und „Best Practice“ auch in der Welt der Wissenschafts-Blogs etablieren. Neben dem Ziel, die besten und populärsten Blogs zum Thema Wissenschaft herauszustellen, geht es darum, interessante Beispiele zu zeigen, wie jeder Forscher, jedes Institut, jeder Kommunikations-Verantwortliche oder auch nur jeder Wissenschafts-Fan Informationen in die Öffentlichkeit des Internets bringen, seine Perspektive darstellen kann." 

Den Anspruch Vorbild zu sein, habe ich mit Archaeologik im Prinzip immer noch. Eine Stimme für Archaeologik würde mich also freuen. Ich weiß allerdings auch, dass man heute mehr daraus machen könnte, etwa mit einem mehr an Graphik, Video und podcast sowie einer besseren Integration von Social Media mit verbesserten Interaktionsmöglichkeiten. Gleichwohl sehe ich als mein Publikum nicht die "breite Öffentlichkeit", sondern all jene, die schon ein gewisses Interesse und Grundverständnis von Archäologie mitbringen und auch gern darüber nachdenken, wo sich Akteure, Dinge und Strukturen im Sinne der Wissenschaft weiter oder anders entwickeln müssten - und welche Perspektiven sich da für auch ergeben. Die Präsentation neuer Funde und archäologischer Methoden ist bei vielen anderen Blogs gut aufgehoben.

Ich füge hier noch einmal meine Liste archäologischer Blogs ein, die im Kern jedoch schon 2014 entstanden ist und in vielem nicht mehr aktuell ist, da ich meist nur auf Hinweise hin ergänzt habe. Ich bitte aber nach wie vor um Ergänzungen und Korrekturen.




Blogs sind für die Wissenschaftskommunikation noch immer aktuell, sie haben in den vergangenen Jahren jedoch an Aufmerksamkeit und Reichweite verloren, da sie in der schnellen Welt des Internets schon nicht mehr so hipp sind und sich Konsumgewohnheiten von längeren Texten eher hin zu raschen, seichten Inhalten entwickelt haben. Man wird hier wohl mehr darauf zu achten haben, wie man sich mit anderen sozialen Medien besser vernetzt und Interessenten dort abholt. Suchmaschinen, Bloglisten und Blogportale scheinen nicht mehr auszureichen. Die Kommerzialisierung der Blogs hat nicht ausgereicht und hat - wie sich nun zeigt - immer auch das Risiko des Abschaltens.

Und hier lässt sich für den Wissenschaftsblog des Jahres 2022 abstimmen:


2015 war Archaeologik der Gewinner der Auszeichnung in Gold.

 


Montag, 17. Mai 2021

Google-Blogger löscht einfach mal so Archaeologik-Posts

Google hat drei meiner Blogposts unter Verweis auf einen Verstoß gegen Richtlinien zu Malware und Virenerst gelöscht. In den Mail dazu heißt es z.B.:

Dein Post "Archäologie als Kunst (9)" wurde uns zur  Überprüfung gemeldet. Wir mussten feststellen, dass er gegen unsere  Richtlinien verstößt. Aus diesem Grund haben wir ihn unter 
http://archaeologik.blogspot.com/2021/03/archaologie-als-kunst-9.html 
gelöscht.

Warum wurde dein Blogpost gelöscht?
Dein Inhalt verstößt gegen unsere Richtlinien zu Malware und Viren. 
Weitere Informationen findest du in unseren Community-Richtlinien, die in 
dieser E-Mail verlinkt sind."

Nichts Konkreteres, aber der Hinweis:

"Wir empfehlen dir, alle Inhalte deiner Blogposts durchzugehen und zu  prüfen, ob sie unseren Richtlinien entsprechen. Weitere Verstöße können  ansonsten dazu führen, dass wir deinen Blog kündigen."
Kurz darauf kam dann eine weitere Email. Das Blogger-Team hätte den Inhalt  "noch einmal anhand unserer Community-Richtlinien  unter https://blogger.com/go/contentpolicy geprüft und wieder freigegeben. "

Die Blogposts sind bislang dennoch nicht wieder erreichbar. Es betrifft (aktuell):

Google-Support beantwortet meine Anfrage:

"Ich bedauere es zu hören, dass Sie auf solche Schwierigkeiten treffen.

Wie ich Ihrer Problembeschreibung entnehmen kann, handelt es sich um ein Problem mit Ihrer Blogger Seite und unsere Richtlinien.

Beachten Sie bitte, dass unsere Abteilung keine Unterstützung bei den Blogger Seiten anbietet.

Wir teilen Ihnen aber gerne mit, wie Sie Ihr Problem lösen können.

Die Blogger-Hilfe ist die Ressource, die Sie für solchen Fällen verwenden können.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Blogger Hilfe-Community. Hier finden Sie kompetente Nutzer, die Ihnen gerne weiterhelfen und Sie bei den verschiedensten Problemen unterstützen."

Das heißt dann im Klartext: es gibt keine Stelle, die die Inhalte wiederherstellen kann. Denn die Bloggerhilfe bietet so was nicht und die Community hat sicher auch nicht die entsprechenden Kompetenzen.

Ganz dicker Minus-Punkt!


 

Nachtrag (18.9.2021) Die Posts sind wieder da. Blogger hat sie auf Draft zurück gesetzt.

Montag, 5. März 2018

Sicher unbequem - sicher nötig: Der neue Blog von Raimund Karl

Raimund Karl, Professor für Archäologie und Denkmalpflege an der Prifysgol Bangor University in Nordwales ist ein unbequemer Denker, provoziert gerne und erfolgreich und hat so schon manchen im Fach gegen sich aufgebracht. Zu seinen Interessensgebieten zählt die Auseinandersetzung mit der Praxis der archäologischen Denkmalpflege, an der er manches zu kritisieren hat. Viele Themen sind in der Tat viel zu wenig reflektiert und werden allenfalls im internen Kreis der Denkmalpfleger diskutiert. Diese Diskussionen in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen, ist ein Anliegen von Raimund Karl, denn schließlich wird mit öffentlichem Interesse argumentiert und mit öffentlichen Geldern operiert. 
Karl geht mit seinen Thesen schon lange online, indem er vorrangig open access publiziert und sich auch in die Diskussionen in den Social Media einbringt. Viele seiner Thesen werden gerne von Sondengängern aufgegriffen, nicht nur, weil er oft der Denkmalpflege widerspricht, sondern auch, weil er für die Laien sichtbar ist. Nun hat er einen eigenen Blog gestartet, der es erlaubt, seine Kritik an der Denkmalpflege in größerem Kontext wahrzunehmen und der hoffentlich auch dazu anregt, die nötigen Diskussionen zu führen.

Ich meine, wir brauchen solche Initiativen. Ich habe mit vielen seiner Aktionen und Formulierungen so meine Schwierigkeiten, stimme aber mit ihm dahingehend überein, dass sehr viel schärfer darüber nachgedacht werden muss, wie wir im Fach agieren. Auch eher theoretische Debatten müssen transparent öffentlich geführt werden oder zumindest aufscheinen - nur so gewinnt man Glaubwürdigkeit, die in Zeiten der Social Media wichtiger ist denn je. Mag Raimund Karl damit auch immer wieder der Raubgräberszene Argumente liefern, so zeigt er damit doch, dass Regelungen auch begründet sein müssen und nicht als Gesetz von oben gegeben sind. So zeigt er eben auch die Schwächen in Gesetz und Argumentation (z.B. Das archäologische Debakel von Rülzheim. ArchDenk [18.2.2018]), mit denen man sich fachlich und sachlich auseinandersetzen muss, um dem Auftrag der Erhaltung und effektiven Auswertung historischer Quellen gerecht zu werden.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Gift für die Forschung

Ein französischer Blog von Jean-David Desforges, schlicht "Le blog de Jean-David Desforges" sammelt  international Presseinformationen über das Problem der Raubgrabungen. Der älteste Eintrag reicht bis 1996 zurück. Ein spezielles Augenmerk gilt dem englischen PAS, das als Ausverkauf der Archäologie verstanden wird.
Ici sont proposés articles de presse, informations, prises de position et réflexions contre le pillage du patrimoine archéologique, sa toxicité pour la recherche et la connaissance du patrimoine par tous.

Nachtrag (15.6.2020):

neue Adresse - aber letzter Post auch dort schon von 2015:
jetzt:

Dienstag, 11. April 2017

Mittelalterarchäologie im Mittelalterblog

ein Beitrag von Maxi Maria Platz

Interdisziplinarität ist das Schlagwort in allen Wissenschaften, da sich alle auf die Fahnen schreiben, die sich als Forschende verstehen. Ohne interdisziplinäre Kooperationen kommt so gut wie kein drittmittelfinanziertes Forschungsprojekt mehr auf den Weg und wer hat schon was gegen die spannende Zusammenarbeit mit Kolleg*innen benachbarter oder auch scheinbar nicht verwandter Fächer?

Die Mittelalterarchäologie musste in den 1970er und 80er Jahren ihre Daseinsberechtigung als Fach vor allem gegenüber der mittelalterlichen Geschichte erst beweisen. Laut waren die Vorbehalte zu Methoden, die man für vorgeschichtliche Zeiträume kannte und für historische Epochen als unnötig betrachtete.

Günter Fehring widmete in seiner Einführung in die Mittelalterarchäologie ein ganzes Kapitel der Abgrenzung des Fachs gegenüber seiner Nachbardisziplinen (Fehring 2003, 13-17). In einem kürzlich von Barbara Scholkmann, Hauke Kenzler und Rainer Schreg herausgegebenen Handbuch dagegenfehlt ein solches Kapitel (Scholkmann - Kenzler - Schreg 2016). Das kann man als Manko betrachten, ist aber auch ein Zeichendafür, dass eine Rechtfertigung der Mittelalterarchäologie nicht mehr von Nöten ist. Sie hat sich zu einem vollständig anerkannten Mitglied der mediävistischen Fächerfamilie entwickelt.

(Foto: M.M. Platz)
Für ernsthaft arbeitende Historiker ist die Kommunikation mit Archäologen selbstverständlich geworden. Gelegentlich wünscht man sich zwar, dass archäologische Beiträge insbesondere in historischen Sammelbänden nicht ganz so isoliert wirken, doch hat sich das Verhältnis in den letzten Jahren deutlich positiv entwickelt.

Für viele Fragestellungen in der mittelalterlichen Geschichte ist das Heranziehen von materiellen Quellen nicht immer notwendig, der Umgang mit Schriftquellen ist für den Archäologen jedoch unabdingbar. In der deutschsprachigen mittelalterarchäologischen Forschung werden von manchen Fachkollegen nach wie vor schriftliche Überlieferungen und deren Interpretation teilweise als Konkurrenz zu den „eigentlichen“ Quellen der Archäologie ‒ nämlich die Artefakte und ihre Stratigrafie ‒ betrachtet, wohingegen die englischsprachige Forschung das Verhältnis seit den 1970er Jahren eher entspannt kontextuell sieht. Ein Umstand, der sich langsam ändert, aber noch immer zu beobachten ist (Schreg 2007, 12-13; s.a. Scholkmann 2003).

Das interdisziplinär publizierende Mittelalterblog ist eine der wenigen Plattformen in der wissenschaftlichen Online-Landschaft, das alle mediävistischen Disziplinen, insbesondere Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte, Theologie und Religionswissenschaften, Skandinavistik und Theaterwissenschaften zusammenbringt. Die Redaktion ist mit Fachwissenschaftlern besetzt, welche die Beiträge betreuen, im Vorfeld prüfen und damit die Qualität der Blogposts sichern.

Die Artikel erscheinen exklusiv online im Open Access, sind zitierbar und können als Online-Publikationen bei der VG-Wort angemeldet werden. Wissenschaftliche Artikel im engen Sinne (Miszellen, Aufsätze, Editionen) werden in den Regesta Imperii Opac (RI-Opac) aufgenommen.

Gerade in der Mittelalterarchäologie sind Online-Beiträge noch keine Selbstverständlichkeit, obwohl die Vorteile für sich sprechen: Hohe Sichtbarkeit bei Fachkollegen der eigenen und der Nachbarwissenschaften, konstruktiver Austausch in der moderierten Kommentarfunktion und sehr zeitnahe Publikation. Dabei versteht sich das Blog nicht als Werbeplattform für neu erschienene Monographien und Sammelbände, sondern als vollwertige Alternative zu Printmedien.

Die Mittelalterarchäologie, mit ihrer Offenheit gegenüber interdisziplinären Ansätzen von klassischer Arbeit mit Schriftquellen, Bauforschung, naturwissenschaftlichen Prospektions- und Datierungsmethoden bis hin zur Archäoinformatik, soll nun stärker in den Fokus der breiten Leserschaft des Mittelalterblogs rücken.

Somit ist dieser Beitrag als Aufforderung zu verstehen, Artikel zu laufenden Forschungsprojekten, Dissertationen und auch Grabungen mit außergewöhnlich guten mittelalterlichen Befunden und Funden im Mittelalterblog zu veröffentlichen. Es lohnt sich!


Social Media-Präsenzen


Twitter: @mittelalterblog

Facebook: https://www.facebook.com/mittelalter.hypotheses

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Literaturhinweise

Fehring 2003
G. P. Fehring, Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Eine Einführung (Darmstadt³ 2003).

Scholkmann 2003
B. Scholkmann, Tyrannei der Schriftquellen? Überlegungen zum Verhältnis materieller und schriftlicher Überlieferung in der Mittelalterarchäologie, in: M. Heinz/ M.K. Eggert/ U. Veit (Hrsg.), Zwischen Erklären und Verstehen? Tübinger Archäologisches Taschenbuch 2 (Münster/ NewYork/ Berlin/ München 2003) 239-257.

Scholkmann - Kenzler - Schreg 2016
B. Scholkmann/ H. Kenzler/ R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Grundwissen (Darmstadt 2016).

Schreg 2007
R. Schreg, Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen, in: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 18, 2007, 9-20







Maxi Maria Platz ist Mittelalterarchäologin und lebt mit ihrem Mann in Duisburg. In ihrer im Februar an der Universität Bamberg angenommene Dissertation beschäftigte sie sich Ausgrabungen im Umfeld der Elisabethkirche in Marburg.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Freies Fotografieren von Kulturgut

Ein italienisches Blog fordert freie und kostenlose Reproduktionserlaubnis für historische Quellen und Kulturgut - auch für die Archäologie.
via http://archivalia.hypotheses.org/237

In Deutschland hat das Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim eine Abmahnwelle gegen Nutzer von CC-Bildern gestartet, die in Wikipedia präsentiert wurden. Es handelt sich um Bilder in öffentlichem Besitz, was die Frage aufwirft, inwiefern ein Museum de facto den öffentlichen Zugang zu diesen Werken unterbinden darf. Ein Verbot der freien Nutzung von dokumentarischen Fotos von Kulturgut und ein konservatorisch nicht begründetes Fotografierverbot verhindert einen freien Zugang der Gesellschaft zu Kulturgut und ihre Auseinandersetzung mit ihm.
In Mannheim geht es um Fotos von Gemälden, also um 2D-Reproduktionen von 2D-Werken. Eine solche Reproduktion gemeinfreier Werke begründet kein Urheberrecht. Bei archäologischen Funden ist die Situation noch einmal schwieriger. Auch hier ist das Urheberrecht längst erloschen, doch stellt sich die Frage, ob in der Dokumentationsfotographie die 2D-Inszenierung eines 3D-Objektes eine urheberrechtsrelevante Schöpfungshöhe begründet? Wie sieht es mit 3D-Modellen von 3D-Objekten aus (vergl. Das Urheberrecht der Eiszeitmenschen. Archaeologik 8.1.2013)? Und wie ist die Situation, wenn der archäologische Fund nur in einer modernen Kopie vorliegt? Inwieweit können hier andere Leistungsschutzrechte im Spiel sein?


Link

Nachtrag (12.12.2015):
 

Dienstag, 20. Oktober 2015

Archäologische Phantastereien

Neues Blog ArchPhant verstärkt nicht nur die deutsche archäologische Bloggerszene, sondern stößt auch in eine Lücke archäologischer Öffentlichkeitsarbeit

Ein neues Blog - ArchPhant Archäologische Phantastereien -  auf hypotheses bietet "Bullshit-Kritik" der archäologischen Parawissenschaften. Auf Archaeologik waren ja auch schon einige Posts über diversen parawissenschaftlichen Unsinn gestolpert (bad archaeology), der nicht unkommentiert bleiben darf, soll er nicht langfristig zum Zerfall von Wissenschaftlichkeit und zu einem umgreifenden Anti-Intellektualismus beitragen. Ziel des neuen Blogs von László Matthias Simon-Nanko (siehe seine Gastbeiträge auf Archaeologik) ist es, "einen deutschsprachigen wissenschaftlichen Gegenpol zu schlecht recherchierten bzw. falsch dargestellten Sachverhalten in den Medien zu bieten. Hierdurch soll ein Bewusstsein für kritischen Medienkonsum in Bezug auf Archäologie und Geschichte geschaffen werden." 

Das erste Blopost behandelt die Prä-Astronautik

Montag, 16. Juni 2014

Blogs und Social Media in der Mediaevistik

Ich konnte der Einladung ans DHI in Rom leider nicht folgen, aber der Workshop “Neues Werkzeug des Historikers: Blogs und Social Media für Mediävisten” heute und morgen, am 16. und 17.6. ist auf http://mittelalter.hypotheses.org/3916 im Livestream und dort auch abrufbar (sowie in Google+ und auf youtube und mit #bsmm14 auch auf twitter präsent).

Hingewiesen sei auf den Vortrag von Maxi Platz aus der dritten Session:



direkt zum Vortrag auf youtube



Montag, 19. Mai 2014

ISSN für Black Death Network

Auf der Plattform von hypotheses.org wird ein themenbezogenes Blog betrieben, das sich mit den Krisenphänomenen des 14. Jahrhunderts auseinandersetzt und interessierte Wissenschaftler aus verschiedenen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammenführen soll:
    James le Palmer,  Omne Bonum. England (London),
    1360-1375
    (The British Library; Record Number: c6541-07;
    Shelfmark: Royal 6 E. VI; Page Folio Number: f.301.
    WikimediaCommons)
  • The Black Death Network

In letzter Zeit war es etwas still dort, aber die Deutsche Nationalbibliothek hat dem Blog nun eine International Standard Number zugeteilt:

ISSN 2199-0891


Links 

Montag, 14. April 2014

DigDeep.ru

DigDeep.ru | Новости археологии: находки,
открытия, исследованияSeit Februar 2014 läuft DigDeep.ru, ein russisches Archäologie-Blog, das international Archäologie Themen aufgreift. Daneben finden sich hier aber viele Beiträge aus Eurasien - unter anderem beispielsweise zur aktuellen Situation auf der Krim.

Donnerstag, 3. April 2014

Archäologische Blogs - eine Liste

Die Tabelle hier versammelt Blogs mit archäologisch relevanten Inhalten, sofern sie mir bekannt geworden sind (und die ich sprachlich wahrnehmen konnte) - derzeit etwas über 550. Nicht alle sind noch online, hier aber dennoch aufgeführt, da mir die Liste unter anderem dazu dienen sollte, einen Überblick über die Blogosphäre zu gewinnen. Deshalb sind auch einige Laien-Blogs erfasst, jedenfalls insoweit sie mir "Wissenschaft" gut zu transportieren scheinen.
Prinzipiell gilt aber: Es ist keine Bewertung beabsichtigt - nicht alle kenne ich gut genug und insofern ist die Aufnahme in die Liste weder eine Empfehlung noch eine Billigung aller Inhalte. Insbesondere die Angaben zu Lizenz, ISSN und facebook-Filialen sind nicht systematisch erhoben, die Beschreibungen oft nur oberflächlich.
Vollständigkeit ist nicht angestrebt.  Die Liste soll aber laufend ergänzt werden - und ich bitte um Ergänzungen und Korrekturen.
Trotzdem hoffe ich, dass die Liste brauchbar ist.




Interne Links

Für die Mitarbeit geht mein Dank an B. Schroeder!

Freitag, 28. Februar 2014

Frühe Konzepte von Mensch und Natur

Ein Blog begleitet die StipendiatInnen des Graduiertenkollegs "Frühe Konzepte von Mensch und Natur" an der Universität Mainz.
Blinder Musiker im Grab des Nacht (TT 52), 18. Dynastie
(Quelle: The Yorck Project/Zenodot Verlagsgesellschaft mbH 
[Public Domain/ GNU Free Documentation License],
via Wikimedia commons)
Das Blog dokumentiert die Aktivitäten des Graduiertenkollegs, den Arbeitsfortschritt der einzelnen Arbeiten und hilft auch dabei, die vielfältigen Querbeziehungen der Einzelthemen sichtbar zu machen.


Montag, 25. November 2013

Why blogging Archaeology? A blogging carnival - Warum Archäologie Blogs? Eine Blog-Parade


At the SAA annual meeting 2014 in Texas there will be a Blogging Archaeology session. The weblog Doug's Archaeology by Doug Rocks-Macqueen contributes by hosting a blogging carnival (explained here). Each month leading up to the SAAs in April, Doug will post a question. Answers will be blogged at the individual blogs. At the end of each month, Doug will collect all posts and add their links. Auf der Jahreskonferenz der SAA (Society of American Archaeologists) im April 2014 in Texas wird es eine Sektion 'Blogging Archaeology' geben. Als Beitrag dazu organisiert Doug Rocks-Macqueen auf seinem Weblog Doug's Archaeology eine 'Blog Parade' (eine kurze Erklärung hier). Bis zur Tagung stellt Doug jeden Monat Fragen an die Blogosphäre, deren Antworten in den jeweiligen Blogs gepostet werden und schließlich auf Doug's Archaeology gesammelt, verlinkt und zusammengefasst werden.

Blogging Archaeology

The question for November is:
Why blogging? – Why did you, or if it was a group - the group, start a blog? Why are you still blogging?
Die November-Frage lautet:
Warum bloggen? – Warum haben Sie ein Blog begonnen?
Warum bloggen Sie noch immer?
The interest of the SAA session in blogging archaeology will probably focus on the situation in the US. However, it may be useful, to reflect the situation abroad. Therefore, I will try to answer the questions for the German weblog Archaeologik. Wenngleich sich das Interesse der Sektion Blogging Archaeology der SAA sicher auf die USA richten werden, möchte ich die Blog-Parade auch auf Archaeologik aufgreifen. Als Antwort auf die Frage, scheint es mir aber nötig, ganz kurz weiter auszuholen.
Blogging Archaeology in Germany Archäologische Blogs in Deutschland
In fact, blogging is no topic of the current archaeological community. Many German archaeological journals only started quite recently to go online. In many cases, they have only short summaries available, not to speak of open access full texts. Bloggen ist zur Zeit noch kein Thema in der deutschsprachigen Archäologie. Viele wichtige Zeitschriften sind erst seit kurzem im Internet präsent. Zumeist beschränken sie sich immer noch auf kurze Inhaltsangaben, open access verfügbare Volltexte sind die große Ausnahme.
Till now, there are quite few archaeology blogs in Germany. Many of them are hosted by amateur archaeologists. They don't want to go into academic debates and are most often real logs of ongoing activities. They present new finds or give personal impressions from readings, museums or presentations. Bislang gibt es in Deutschland nur relativ wenige archäologische Blogs. Nicht wenige werden von Amateur-Archäologen betrieben und haben zunächst gar nicht die Absicht, in fachwissenschaftliche Debatten einzusteigen. Sie sind meistens tatsächlich Logbücher laufender Aktivitäten und präsentieren Neufunde oder Eindrücke aus aktueller Lektüre, Museumsbesuchen und Vorträgen.
Blogs of professional archaeologists or PhD canidates are currently quite seldom. The most important German blogs can be found here at Archaeologik. Blogs von professionellen Archäologen oder Doktoranden sind derzeit noch die große Ausnahme. Eine Zusammenstellung deutscher Dissertations- und Projektblogs auf Archaeologik.
Archaeologik  Archaeologik
Archaeologik is my private weblog showing various aspects of archaeological research and cultural heritage management. I am a landscape archaeologist, mainly focussing on the European Middle Ages, but the scope of the blog is much broader. I work at a renowned German archaeological research institute. Blogging, however, is rather private, even if some of the ongoing projects are represented on the weblog.
Archaeologik publishes around 15 blogposts per month, resulting in more than 8000 page views per month.  
Archaeologik wird als privates, wissenschaftlich orientiertes Weblog betrieben, das Themen aus den Feldern Archäologie und Denkmalschutz behandelt und vor allem methodisch-theoretische und wissenschaftspolitische Aspekte der Archäologie in den Mittelpunkt stellt. Ich selbst arbeite an einer traditionsreichen Forschungseinrichtung vor allem über mittelalterliche Siedlungslandschaften und Umweltarchäologie - das Themenspektrum des Blogs geht aber weit darüber hinaus.  
Derzeit gibt es rund 15 Posts im Monat, die Zugriffszahlen liegen nach der Blogger-Statistik bei über 8000 Aufrufen im Monat. 
Starting Archaeologik
Archaeologik was born in November 15th, 2010. At that time it was called Archaeologica and was hosted at twoday. The weblog started on the occasion, when German-Austrian media manager Helmut Thoma confessed having looted a Roman grave in Palmyra. He proudly showed an ancient relief as his trophy to a young, probably attractive female journalist, who published this as an adventure story ("it was dark, and there were snakes..."), but with no critical comment at all.
It was my impression, that this story had to be told, as it praised the looting of sites as an admirable heroic deed, suited for refined people. I just wondered, how blogging could contribute to raise awareness for archaeological needs.     
Die Anfänge von Archaeologik
Am 15. November 2010 startete Archaeologik - zunächst als Archaeologica auf twoday. Anlaß war das Geständnis des Medienmanagers Helmut Thoma, ein Grab in Palmyra geplündert zu haben. Einer jungen, hübschen Journalistin präsentierte er stolz seine Beute, ein Grabrelief. Der Artikel "Es war nacht und da waren Schlangen..." enthielt sich jeden kritischen Kommentars. Ich hatte den Eindruck, dass diese Story nicht unkommentiert bleiben sollte, da sie die Plünderung archäologischer Fundstellen geradezu salonfähig machte. So stellte sich am konkreten Fall die Frage, wie archäologisches Bloggen dazu beitragen kann, archäologische Themen und insbesondere die gesellschaftlichen Anliegen des Faches in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen.
When in January 2011 the National Museum in Kairo was looted, and the Arabian spring and its subsequent civil wars endangered many archaeological sites and were used to target the identity of people, there was little reaction from German archaeologists, so I just started to collect the links. In the meantime there are series of blogposts observing the development in the Syrian civil war as well as the situation in Egypt. It's a pity that there are no archaeology blogs from colleagues, who are actually working in these regions. They probably could do this much better than I can. Im Januar 2011 wurde das Nationalmuseum in Kairo geplündert, der arabische Frühling und die nachfolgenden Bürgerkriege haben viele archäologische Fundstellen gefährdet. Sie sind Plünderungen ausgesetzt und werden zum Teil gezielt vernichtet, um die Identität der Bevölkerung  zu treffen. Nur wenige deutsche Archäologen haben sich dazu öffentlich geäußert. Auf Archaeologik entstanden Serien regelmäßiger Posts zum Bürgerkrieg in Syrien wie zur Entwicklung in Ägypten. Ich finde es schade, dass es keine anderen Blogs gibt, die hier mit archäologischer Fachkompetenz die Themen aufgreifen und stärker ins öffentliche Bewußtsein bringen.
Born in the late 1960s, I am neither a "digital native" nor a "technical nerd". Therefore, my interest in blogging is rather reserved and rational. At the beginning, I was just curious to find out what blogging meant and what value it holds for archaeology. I never planned to start my own blog, it just happened, as my first posts about the Thoma affair and about Egypt got an impressive response.
Da ich noch in den späten 1960er Jahren geboren bin und kein großer Technikfan bin, war mein Zugang zum Bloggen ein eher rationaler: Ich wollte erst mal kennenlernen, was "Bloggen" überhaupt ist - und worin sein Nutzen für die Archäologie liegen könnte. Ich hatte nie geplant, einen Blog zu beginnen, aber die ersten, als Test gedachten Posts zur Affäre Thoma wie auch zu Ägypten fanden überraschende Resonanz.
With some advice from a colleague, working as an online editor at a broadcasting company, and ideas from facebook friends, Archaeologik started developing. Discussion in the early days of my blogging lead me to the impression, that institutional blogs are often recognized as rather boring PR-instruments, celebrating success, posting invitations to lectures, and advertising new publications. In contrast, private science blogging has a higher authenticity and reliability. 
Mit Tips einer Kommilitonin, die als Online-Redakteurin arbeitete sowie mit Ideen, die in erster Linie aus damals ebenfalls erst neu begonnenen facebook-Aktivitäten entstanden, begann sich Archaeologik langsam zu entwickeln. Überlegungen in der Anfangszeit des Blogs hinterließen bei mir den Eindruck, dass institutionelle Blogs häufig als eher langweilige Werbekanäle wahrgenommen werden, die die eigene Erfolge feiern, Einladungen zu Veranstaltungen und Werbung für neue Publikationen posten. Privates Wissenschaftsbloggen scheint hingegen als authentischer und vertrauenswürdiger zu gelten.
Archaeologik exists at its current platform since April 2011. To get started, I used previous posts from Archaeologica as well as from my facebook account. Therefore the first blog entry dated 19th of may 2010 in fact predates the birth of the blog. Seit April 2011 gibt es Archaeologik unter der jetzigen Adresse. Zum Start hat das Blog die Archaeologica-Posts sowie einige frühere facebook-Meldungen mitbekommen. So ist der Vater der württembergischen Archäologie der erste Post, datiert auf den 19. Mai 2010, tatsächlich älter als das Blog selbst.
Why still blogging Archaeologik?
Practically Archaeologik turned to a kind of an archaeological journal. On one hand, articles became longer, but on the other hand other authors got involved in Archaeologik. Technically they are guest contributors. Since summer 2013 Archaeologik holds an ISSN (see here).
Warum weiter bloggen?
Archaeologik entwickelt sich zunehmend in Richtung einer eher klassischen Zeitschrift. Die Beiträge werden länger, die Beiträge anderer Autoren (technisch als Gastbeiträge) nehmen zu. Seit dem Sommer 2013 verfügt Archaeologik über eine ISSN (vgl. Archaeologik 27.9.2013).
At the beginning, many posts contained just some interesting links.  This changed over the time - posts became more extended and some of them even developed to series of blogposts - for example regarding the ongoing situation in Syria. More and more, I also integrated short articles on my own research, either from ongoing work or by coming back to previous papers, which never made their way to 'proper' publication. Some posts just represent own thoughts or refer to readings, others are small scientific papers related to current research projects.  Zu Beginn bestanden viele Posts aus einzelnen Links. Inzwischen sind die Beiträge länger geworden; teilweise haben sich regelmäßige Serien von Posts ergeben, wie zum Beispiel zum Bürgerkrieg in Syrien. Zunehmend finden längere Artikel ihren Platz auf Archaeologik, entweder aus aktuellen Forschungen oder aber aus früheren Arbeiten, die es nie zur Publikationsreife geschafft haben. Teils handelt es sich nur um einzelne Gedanken oder auch nur um 'Lesefrüchte' (bzw. GoogleMaps-Treffer), teils aber auch um kleinere Ausarbeitungen eines Themas aus aktuellen Forschungen.
Many blogpost get a quite high number of readers in quite a short time. The feedback is much better than with any printed publication (even if it is online). On the one hand, there are some rather nonsense reactions by amateurs, but on the other, there are also colleagues contributing with qualified comments, triggering the research. One of the posts was requested by a renowned journal for a print publication. After a peer review, the article will be published as "open access" in near future. Blogging allows a kind of a pre-review. Viele Beiträge finden in kurzer Zeit verhältnismäßig viele Leser und es gibt deutlich mehr feedback als auf alle gedruckten Publikationen. Es gibt zwar einige eher unsinnige Kommentare von Laien, aber eben auch qualifizierte Beiträge, die neue Denkanstöße geben.  Bemerkenswert ist der Fall, in dem ein Blogpost zur Printpublikation angefragt wurde und demnächst nach einem peer-review tatsächlich auch 'offiziell' erscheint - open access. Bloggen ermöglicht eine neue Art der Qualitätssicherung.
It was also encouraging when (non-blogging) English colleagues contacted me, and asked me to join a very interesting EU project related to the topic of some posts. Even if the project was not granted, blogging proofed to be an excellent tool for scientific networking. Ebenfalls ermutigend war der Kontakt, den ich mit englischen Kollegen bekam, die mich für die Teilnahme an einem, in der zweiten Runde leider gescheiterten EU-Projekt anfragten. Hintergrund waren einschlägige Blog-Beiträge auf Archaeologik. Bloggen erweist sich als ein hervorragendes Instrument zur wissenschaftlichen Vernetzung.
When the German Society for Pre-and Early History (DGUF) launched an online-petition in spring 2013 against budget cuts in cultural heritage management in North Rhine-Westphalia, I accompanied the initiative with repeated postings. This campaign, supported by social media, had a surprising success by collecting 27.000 signatures in favor of the archaeological and cultural heritage. Even German chancellor Angela Merkel recognized this civic engagement.
Even if the role of Archaeologik was a minor one, the potential of social media and blogging became quite clear. Blogging archaeology is an important support, forming a public awareness for the needs of archaeology, historic preservation and cultural heritage management. The relation between archaeology and the public is changing. Several examples of the interaction between archaeology and the public have been posted on Archaeologik. On request of the Journal of Community Archaeology and Heritage Blog I tried to summarize the situation:
Als im Frühjahr 2013 die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte eine Petition gegen Mittelkürzungen in der Denkmalpflege in Nordrhein-Westfalen startete, habe ich das Thema aufgegriffen und verfolgt, wie es hier gelungen ist, insbesondere über Social Media für die Archäologie ein bisher unbekanntes Lobbying in Gang zu bringen. Sogar Angela Merkel hat dies zur Kenntnis genommen. 
Archaeologik hatte daran einen zwar kleinen Anteil, aber immerhin hat dieser Fall die Möglichkeiten gezeigt, wie archäologisches Bloggen tatsächlich dazu beitragen kann, ein Bewußtsein für die Belange der Archäologie, der Denkmalpflege und des Kulturgutschutzes zu fördern. Deutlich wird, wie sich die Rolle der Öffentlichkeit für die Archäologie verändert. Auf Anfrage habe ich einige der Gedanken die sich aus Blogposts auf Archaeologik ergaben für den Journal of Community Archaeology and Heritage Blog zusammengefasst:



  • Archaeology, the Public, and Social Media: Some New Insights from Germany. Journal of Community Archaeology and Heritage Blog (4.7.2013)


  • Blogging also starts to affect the research process. Many ideas, which formerly ended up as a memo in a desk drawer or as a collection of bookmarklets, now have the possibility to result in a short blogpost. Many topics gain in accuracy, because blogging results in a wording already in an early stage of the research and therefore requires a more distinct reflection. Ongoing research profits, as blogposts can be valued as small milestones of research. Das Bloggen beginnt aber auch die Arbeitsweise zu beeinflussen. Ansätze, die früher wahrscheinlich nur zu einem Freßzettel in einer Ordnerablage oder einem Lesezeichen (aus Papier im Buch oder unter firefox) geführt hätten, landen nun im Blog. Manche Themen bekommen deutlicher Profil, da sie frühzeitig ausformuliert und von Anbeginn stärker reflektiert werden. Vielfach kommen die laufenden Forschungen dadurch besser voran, da es kleinere Zwischenziele gibt.

    Perspectives
    Archaeologik is an experiment spontaneously arisen. I hope there will be more archaeological blogs in Germany in future, as their potential for communicating archaeology to the public, as well as their benefits for research, require interaction.

    Perspektiven
    Archaeologik ist ein Experiment, das spontan entstanden ist. Ich hoffe, dass es in Zukunft mehr archäologische Blogs gibt, da sie ihr Potential erst in der Interaktion entfalten können.

    Freitag, 27. September 2013

    ISSN für Archaeologik

    Archaeologik hat gestern seine ISSN bekommen:
    ISSN 2197-7283 

    Die ISSN (International Standard Serial Number) ist ein internationaler Identifier für Publikationsserien. Sie unterstützt die Recherche und bibliographische Verwaltung von Zeitschriften und anderen in Serie erscheinenden Publikationen. Koordiniert werden die ISSN vom Internationalen ISSN-Zentrum mit Sitz in Paris. In Deutschland übernimmt die Deutsche Nationalbibliothek die Aufgaben als Nationales ISSN-Zentrum.

    Obwohl es nach der internationalen Vereinbarung, die den ISSN zugrunde liegt, keineswegs Voraussetzung ist, dass die Publikation gedruckt vorliegt, wurden Weblogs in der Vergangenheit nur zögerlich ISSN erteilt. Das deutsch-französische Blogportal hypotheses hat hier eine Vorreiterrolle übernommen. Nachdem den französischen Blogs bereits seit 2011 ISSN zugeteilt worden sind, erteilt nun auch die deutsche Nationalbibliothek themenbezogenen Blogs eine ISSN - wie traditionellen gedruckten Zeitschriften auch. 

    Das ist eine Anerkennung von Blogs als Publikation und ermöglicht es, dass diese leichter über Bibliothekskataloge recherchierbar sind und in die Langzeitarchivierung der DNB aufgenommen werden können. Die Rolle von Weblogs für die Wissenschaftskommunikation wird dadurch entschieden gestärkt.

    Links

    Donnerstag, 8. August 2013

    Sozialarchäologie - (un)free archaeology

    Eine ungewöhnliche Sicht auf die Archäologie vermittelt der Blog http://unfreearchaeology.wordpress.com/ von Sam Hardy. Er sieht sich die oft prekären Arbeitsverhältnisse an und wirft ein Blick auf die vielfach unbezahlte Arbeit, die in der Archäologie geleistet wird. Blogbeiträge im Sommer 2013 widmen sich schwerpunktmäßig der Situation in der Türkei.

    Mittwoch, 29. Mai 2013

    Forschungsnotizbücher im Netz

    Ein Überblick zum Stand der historischen Weblogs in Deutschland:

    Mittwoch, 9. Januar 2013

    apud Giselingen

    Ansichtskarte Geislingen, gelaufen 1906
    (PD)
    Es sei an dieser Stelle auf das Blog apud giselingen hingewiesen, das sich als Informations- und Diskussionsforum zur Stadtgeschichte von Geislingen an der Steige versteht. Hier finden sich Beiträge zu archäologischen Funden und Befunden, zu stadtgeschichtlichen Ereignissen und Begebenheiten, zur örtlichen Familien- und Personengeschichte, sowie zu aktuellen Themen der Stadterhaltung und des örtlichen Denkmalschutzes.

    Betrieben wird das Blog durch Stadtarchivar Hartmut Gruber. Ich versuche Erfahrungen aus meinen eigenen eher tastenden Blog-Gehversuchen einzubringen und steuere gelegentlich Beiträge bei, die aus dem alten Fundus meiner Geislinger Forschungen zu Beginn der 1990er Jahre oder aus den andauernden Arbeiten mit der Sammlung Kley bzw. dem Projekt zur mittelalterlichen Siedlungslandschaft auf der Stubersheimer Alb schöpfen.

    Archäologische Beiträge, die von mehr als lokalem Interesse sein könnten, werde ich auf Archaeologik verlinken (wenn nicht gleich andersherum Beiträge aus Archaeologik bei apud giselingen unterschlupfen).
    Bislang:

    Montag, 17. September 2012

    The Black Death Network - Interdiscplinary approaches to the 14th century crises in Europe

    Auf der Plattform von hypotheses.org steht nun ein Blog online, der sich mit den Krisenphänomenen des 14. Jahrhunderts auseinandersetzt und interessierte Wissenschaftler aus verschiedenen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammenführen soll:
    The Black Death Network

    James le Palmer,  Omne Bonum. England (London),
    1360-1375
    (The British Library; Record Number: c6541-07;
    Shelfmark: Royal 6 E. VI; Page Folio Number: f.301.
    WikimediaCommons)
    Die Idee zu dem Blog geht auf eine Sektion bei der Tagung Medieval Europe Research Congress (MERC) 2012 in Helsinki zurück, die hier im Rahmen der European Association of Archaeologists stattgefunden hat (zu MERC siehe hier). Die von Richard Thomas (Leicester) und Kerstin Pasda (München) organisierte Sektion beleuchtete mit vier Vorträgen die Krisenentwicklung im 14. Jahrhunderts aus der Sicht von Anthropologie, Archäozoologie und Siedlungsarchäologie.
    Mit von der Partie sind weitere Kollegen aus England, Irland und Skandinavien, die von archäologischer, historischer und ökologischer Seite zur Pest im 14. Jahrhundert arbeiten.

    Der Begriff Network ist hier doppeldeutig: Einerseits geht es um ein wissenschaftliches Netzwerk, andererseits aber auch darum, das Netzwerk unterschiedlicher Faktoren und Prozesse der Krise und der Pestzeit des 14. Jahrhunderts zu verstehen.

    Das englischsprachige Blog wird von einem editorial team betreut, das derzeit aus Rainer Schreg (Mainz), Richard Thomas (Leicester), Kerstin Pasda (München) und Clare Downham (Liverpool) besteht (siehe hier). Der Blog ist offen für alle, die wissenschaftlich zur Krise des 14. Jahrhunderts arbeiten und sich vernetzen wollen. Wer sich dafür interessiert, möge sich bei Rainer Schreg (schregATrgzm) melden und eine kurze Vorstellung seiner Person und Forschungsinteressen beisteuern.

    Parallel zum Blog besteht eine (geschlossene) facebook-Gruppe, auf der per rss-feed die neuesten Einträge im Blog erscheinen.

    Auf zotero besteht ebenfalls eine Gruppe The Black Death Network, mit der im Lauf der Zeit eine Bibliographie zum Thema erstellt wird. 

    Die Plattform hypotheses.org bietet den Vorteil, dass der neue Blog gewissermaßen beim Deutschen Historischen Institut in Paris akkreditiert ist und über die Französische Nationalbibliothek archiviert wird. Dementsprechend wird der Blog wie eine Zeitschrift über eine ISSN verfügen.