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Freitag, 15. Januar 2021

Das geplante bayerische Hochschulinnovationsgesetz - ein ökonomisiertes Wissenschaftsverständnis mit bedenklichen Fehlstellen

Dass die deutschen Universitäten einen erheblichen Reformbedarf haben ist lange bekannt und unbestritten - prekäre Jobsituationen und fehlende Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs trotz oder gar wegen der Befristungsregelungen des schon mehrfach novellierten Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (br24, 9.11.2020), wenig attraktive Rahmenbedingungen für Professor*innen, die zunehmend aufwändigere, zeitraubende Jagd auf Drittmittelförderungen, Probleme mit maroder Bausubstanz (SZ 31.7.2019), steigende Studierendenzahlen bei stagnierender Ausstattung und eine zunehmende Bürokratisierung, die Forschung und Lehre eher behindert als unterstützt (Forschung & Lehre 1/2017). Die im Bolognaprozess eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge haben die gesetzten Ziele nicht erreicht (Deutschlandfunk Kultur 27.8.2018), eine Studienzeitverkürzung ist nur bedingt eingetreten, der Wechsel des Studienorts wurde eher erschwert als gefördert, die Qualität der Lehre leidet an der zunehmenden Verschulung durch das enge Korsett des Punktesystems, das Studierende Module abarbeiten, statt neugierig eigenes Engagement entfalten lässt (z.B. schon 2009 ZEIT 15.4.2009). Und schließlich hat Covid19 noch gezeigt, dass auch in der Digitalisierung Handlungsbedarf besteht - obgleich (jedenfalls aus Dozentensicht) die Coronalehre besser lief, als zu Beginn zu erwarten war.

Die Initiative zu einem "Hochschulinnovationsgesetz" durch den Freistaat Bayern ist daher  prinzipiell sehr zu begrüßen. Es muss sich was ändern...


Eckpunktepapier

Zu dem geplanten Gesetzesentwurf liegt bislang allerdings nur ein Eckpunktepapier der bayerischen Staatsregierung vor, das indes etwas bedenklich stimmt.

Einige Schlagworte lassen aufhorchen. Wenn Minister Bernd Sibler davon spricht, Ziel sei "eine erhebliche Verschlankung und Deregulierung" und "größtmögliche Freiheit für und in den Hochschulen" so klingt dies zunächst positiv, doch oft verbrämen diese Floskeln einen Rückzug aus staatlicher Verantwortung und Finanzierung. Tatsächlich möchte sich das Ministerium auf die Position der Rechtsaufsicht zurückziehen und steuernd nur mittels Zielvereinbarungen wirken.

Was tatsächlich als Ideal des Eckpunktepapiers aufscheint, ist eine den wirtschaftlichen Interessen untergeordnete Universität. Die Freiheit, von der die Rede ist, ist nicht die Freiheit der Wissenschaft, sondern die Freiheit, wirtschaftlich zu investieren und die Freiheit oder eher der Zwang, wirtschaftlich Geld zu verdienen. Wissenschaft ist hier nicht Forschung, sondern Entwicklung, Studium ist nicht Bildung, sondern Ausbildung.

Kritik wird daher vielerorts formuliert.
Gleich mehrere Initiativen suchen Unterstützung, um die vielfältige Kritik in das Gesetzesvorhaben einzubringen:

 

Das Problem ist, dass offenbar nicht von den Universitäten, sondern von den Fachhochschulen und den angewandten Wissenschaften gedacht wird. Sozial- und Geisteswissenschaften und deren Fachstrukturen und Leistungen - wie u.a. eben auch die der archäologischen Wissenschaften - sind zu wenig mit gedacht.


Finanzierungsmodell setzt Fächer unter Druck

Die bayerischen Universitäten sollen künftig in einen stärkeren Wettbewerb untereinander treten - insbesondere auch international. So lange solch ein Wettbewerb im Rahmen fachspezifischer Förderprogramme bemessen wird, ist solches schon länger üblich. Problematisch wird es, wenn Fächer mit ihren ganz unterschiedlichen Themen und Zielen gegeneinander antreten müssen. Das Eckpunktepapier sieht aber genau dies vor. Die Universitäten sollen als ganzes im Wettbewerb stehen, weshalb sie sich konsequenterweise auf die drittmittelstarken Fächer und diejenigen mit hochgerankten Publikationsorganen konzentrieren müssten.

"Wissenschaft lässt sich zwar nicht numerisch bewerten, es gibt aber viele Aspekte wissenschaftlicher Exzellenz, die Niederschlag in vergleichbaren Indizes finden, die für eine erfolgsorientierte (Teil-)Finanzierung genutzt werden kann und muss."

Kleine Fächer scheinen hier nicht mehr attraktiv und konsequenterweise müsste sich die Universität dem eingeschränkten profitablen Fächerspektrum der privaten Hochschulen annähern.

Neben diesen Wettbewerb zwischen den Universitäten tritt aber noch ein universitätsinterner Wettbewerb um die Mittel des Globalhaushaltes. Das Eckpunktepapier sieht vor, dass die Hochschulen in der Regel von staatlichen Institutionen in Personalkörperschaften mit eigener Budgetverantwortung  überführt werden sollen:

Die Hochschulen des Freistaates Bayern sollen in Zukunft im Regelfall als reine Personal-Körperschaften des öffentlichen Rechts definiert werden. Sie werden selbstständige Partner des Freistaates und gewinnen dadurch mehr wirtschaftliche Selbständigkeit.

Die Universitäten sollen in der Regel als staatliche Einrichtung entlassen werden. Sie sollen "zukünftig ein Globalbudget erhalten, um so eigenverantwortlich wirtschaften und strategische Entwicklungsentscheidungen treffen zu können". Die Grundfinanzierung soll zwar "wie bisher weiterhin durch den Freistaat" erfolgen,  doch wird an mehreren Stellen des Eckpunktepapiers deutlich, dass ein wesentliches Ziel der Reform in verstärkten Drittmitteleinwerbungen gesehen wird. Ausschlaggebend scheint die Hoffnung, dass "die Attraktivität des Fundraising" insbesondere in der Wirtschaft wächst.

"Mit der im Hochschulinnovationsgesetz erreichten Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Hochschulen muss eine gesteigerte Ergebnis-Orientierung einhergehen. "

Da das Eckpunktepapier mit bisherigen Strukturen der Universität bricht, ist überhaupt nicht klar,  inwieweit sich die Fachvertreter*innen als "Träger der Wissenschaftsfreiheit" tatsächlich in die Entwicklung der Hochschulen werden einbringen können.  Aufbau und Organisation sollen nicht mehr gesetzlich vorgegeben sein, sondern  die Universitäten sollen in der Lage sein, sich mittels einer Organisationssatzung weitgehend selbst zu strukturieren, was bedeutet, dass auch die Gremien bisheriger akademischer Selbstverwaltung mittels Fakultäten zur Disposition stehen. Ein "angemessener Einfluss der Träger der Wissenschaftsfreiheit muss gewährleistet sein", festgeschrieben ist aber nur die zentrale Rolle des Universitätspräsidenten bzw. der Präsidentin für die operative Leitung und Außenvertretung  sowie die Beibehaltung des Amtes des Kanzlers/ der Kanzlerin. Über diese Organisationsform sollen jedoch nicht die Wissenschaftler*innen, sondern der extern besetzte Hochschulrat entscheiden.

Der uni-interne Wettbewerb würde dann aber auch zur Konkurrenz, die dem Alltagsbetrieb wie auch der Interdisziplinarität schaden dürfte. Vielleicht ist deshalb eine starke Stellung des Präsidenten vorgesehen, die eine unternehmerische Führung der Universität ermöglichen soll, aber eben auch die Freiheit der Wissenschaft aushöhlt.

Kleine Fächer, insbesondere solche aus den Geistes- und Kulturwissenschaften sind oft weder besonders drittmittelstark, noch können sie Abschlußzahlen aufweisen, die für ein nach wirtschaftlichen Kriterien geführtes Unternehmen Universität besonders attraktiv sind. 

Die Hochschulen sollen mehr Freiheiten und Freiräume bei der Disposition der Lehre erhalten

Eine Streichung von Fächern und Studiengängen wäre sehr viel leichter möglich als heute - und  möglicherweise auch ohne eine ausreichende Koordination auf Landesebene.

 

Archäologie unter dem Druck der Ökonomisierung

Dieser Druck zu einer nach wirtschaftlichen Kriterien gedachten erfolgsorientierten Finanzierung ist gerade für die geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer eine ernsthafte Bedrohung, da für die Universitäten selbst ein Anreiz geboten wird, diese zu reduzieren.

 

Stellungnahme des Deutschen Verbands für Archäologie

Deshalb hat der Deutsche Verband für Archäologie e.V., untersützt von weiteren Verbänden, wie beispielsweise dem Verband der Landesarchäologen und der Deutschen Orient-Gesellschaft, am 8.12.2020 eine fachliche Stellungnahme als offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Wissenschaftsminister Bernd Sibler und  Robert Brannekämpe, den Vorsitzenden des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag gerichtet.

Der Verband befürchtet als Folge der Reform "sehr konkret einen dramatischen Kahlschlag der archäologischen und der anderen altertumswissenschaftlichen Fächer an den bayerischen Universitäten". Er verweist darauf, dass beispielsweise das Fach der Archäologie der Römischen Provinzen nur an zwei bayerischen Universitäten präsent ist und bei Streichungen in diesem Feld "keine Ausbildung der nächsten Generation an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglich" sei, die "in Museen und anderen Kultureinrichtungen der interessierten Öffentlichkeit die Erkenntnisse aus der Römerforschung nahebringen".

Als problematisch wird auch hier die starke Ausrichtung der Universitäten an unternehmerischen Zielen und die Gewichtung von Forschung an einem messbaren Wert für die Gesellschaft betont. Der Stellenwert der archäologischen und altertumswissenschaftlichen Fächer in der Gesellschaft lässt sich "nicht zwangsläufig und unmittelbar in Kennzahlen oder Summen bemessen, da ihr eigentlicher Wert auf der sozialen, ideellen und kulturellen Ebene liegt."  Die stärkere Bedeutung der Drittmitteleinwerbung und der internen Mittelverteilung an den Universitäten werden, so die Einschätzung der Stellungnahme auf Kosten der Kleinen Fächer gehen. 


Transfer als Ziel der Universitäten

Das Eckpunktepapier fasst die Ziele der Universitäten neu. Es geht nicht mehr um Forschung und Lehre, sondern um Transfer, Forschung und Lehre - wobei letztere in dem Eckpunktepapier eigentlich keine besondere Rolle spielt.

Der Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft und die Gesellschaft soll erweitert und erleichtert werden, um Innovationsstreben, Gründungsgeschehen und lebenslanges Lernen noch mehr zu unterstützen:

Ein Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gesellschaft ist heute zweifellos von großer Bedeutung.  Das Eckpunktepapier zielt vor allem auf technische Entwicklungen, aus denen sich wirtschaftliche Gewinne erzielen lassen. Deshalb sind "neue Anreize für die unternehmerische Betätigung der Hochschulen, Unterstützung erster Gründungsschritte für Start-Ups in den Hochschulen, Gründungsfreisemester und die Erleichterung für Professorinnen und Professoren, neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit auch unternehmerisch tätig zu werden" geplant. 

Auf das weite Feld der  Geistes- und Kulturwissenschaften trifft dies in dieser engen Definition kaum zu - die hochspannenden Anwendungsfelder, wie sie sich ggf. aus einer applied archaeology ergeben können, werden auch künftig eher die Ausnahme als die Regel sein. Gleichwohl zeigt das aktuelle Pandemiegeschehen, dass die Bedeutung der Wissenschaft sich nicht auf die Prognose bzw. Modellierung von Infektionsentwicklungen und die Entwicklung von Impfstoffen  beschränkt. Als gesellschaftliche Begleiterscheinungen kursieren zunehmend  Verschwörungstheorien und extremes Gedankengut, die mit einer funktionierenden, gerechten Demokratie nicht vereinbar sind. Ihnen kann eine Gesellschaft und eine Demokratie nur beikommen, wenn in ihr kulturwissenschaftliche und historische Kenntnisse ausreichend verankert sind und eine Befähigung zu klarem Denken verbreitet ist. Dies ist eine große Leistung der Geistes- und Kulturwissenschaften und vieler kleiner Fächer, die sich indes kaum mit den Begriffen Innovation und Gründung fassen lässt. Wir brauchen nicht nur Ausbildung, sondern vor allem auch Bildung.

Die Zielgruppe des Transfers wird im Eckpunktepapier auf die Wirtschaft verengt. Die größte Zielgruppe der Wissenschaft allgemein ist jedoch die Öffentlichkeit, insbesondere die Zivilgesellschaft. Wenn das Eckpunktepapier vorsieht, dass im Kontext der Transferleistungen der Hochschulen weitere Aufgaben wie eine "(Mit-)Verantwortung für eine an der Idee der Nachhaltigkeit orientierte Entwicklung von Staat und Gesellschaft", die Förderung von Gleichberechtigung und Vielfalt sowie die Internationalisierung besonders betont werden sollen, wird hier grundsätzlich und richtig eine soziale Aufgabe von Forschung und Lehre anerkannt.  Dieser Gedanke ist im Gesetzesentwurf weiter zu entwickeln, wobei aber zu beachten ist, dass es die Wissenschaftsfreiheit ist, die dem Transfer die nötige Glaubwürdigkeit und Akzeptanz verschaft. Gesetzliche Festlegungen auf Internationalisierung und Diversität sind hier - so nachvollziehbar im Anliegen - kontraproduktiv.  Unter dem "Ideal der zweckfreien Erkenntnis" und der Freiheit der Forschung dürfen vom Staat hier keine Vorgaben gemacht werden.

 

Transfer als Leistung der Geistes- und Sozialwissenschaften

Eine Transferleistung ihrer Forschung in die Gesellschaft ist für die meisten Fächer der Geistes- und Kultur- sowie der Sozialwissenschaften schon lange eine Selbstverständlichkeit.  


Transfer archäologischer Forschung in die Öffentlichkeit:
Geschichtspark Bärnau-Tachov und ArchaeoCentrum Bayern-Böhmen
- Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Holzbauphase
der Kirche von Kleinlangheim, Unterfranken
(Foto: R. Schreg)

Aber auch für andere Fächer, wie zum Beispiel die Archäologie ist Transfer schon von Beginn an ein elementarer Teil des Fachs, denn zunächst waren es Museen, die als Plattform der Forschung dienten. Der Begriff des Transfers ist neu, nicht die Sache. Der Austausch mit der Öffentlichkeit war (und ist) für die Archäologie immer wichtig, um die Quellen zu bewahren und auch, um Fundmeldungen zu erhalten. Immer war das öffetnliche Interesse so groß, dass man versucht hat, die Öffentlichkeit einzubinden. Diese lange Tradition bedeutet allerdings nicht, dass es da keinen Verbesserungsbedarf gäbe und Transfer kein Thema mehr wäre. Eine Stärkung dieses Aspekts und eine größere Anerkennung für Zeit und Arbeit, die dafür aufgewandt wird, ist grundsätzlich zu begrüßen.

In der alltäglichen Praxis liefert die Archäologie - anders als die üblichen Medienberichte vermuten lassen - fast keine Sensationen. Ein Großteil der Forschung besteht darin, Funde und Befunde auszugraben, deren Bedeutung in der Orts- und Regionalgeschichte liegen, die es aber nie in die hochgerankten Journals schaffen können. Die Archäologie des Mittelalters wird im Wettbewerb um die ältesten Funde kaum je mit der Urgeschichte und Paläoanthropologie mithalten können, deren Themen älter und natürlich für die Menschheitsentwicklung viel grundlegender sind. Aber Befunde und Erkenntnisse, die das Mittelalter betreffen, sind deswegen nicht weniger wichtig, denn sie zeigen vergangenes Leben, hinterfragen was uns selbstverständlich scheint und meist doch erst aus spezifischen historischen Entwicklungen entstanden ist, oftmals eben gar nicht vor so langer Zeit. Bei der Arbeit vor Ort geht es oft nicht um die großen neuen Erkenntnisse, sondern um Regional- und Ortsgeschichte, die ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die historische und gesellschaftliche Bildung ist, mithin auch für das, was "Heimat" ausmacht. Auf einer wissenschaftlichen Ebene führt die Auseinandersetzung mit dem Mittelalter zu einem Verständnis der Bedeutung von Nachhaltigkeit und von Diversität und ist überhaupt ein wesentlicher Teil einer Orientierung in der Gegenwart. Gerade die alltägliche Forschung ermöglicht es, die Bürgerinnen und Bürger anzusprechen, für die Vergangenheit zu interessieren und vergangene Lebensweisen zu reflektieren - und so Transferleistungen zu erbringen. Dabei dürfte übrigens oftmals der Publikation in den "Mitteilungen des Historischen Vereins xy" größere Bedeutung zukommen, als in den angeblichen High-Impact-Journals. Eine formal größere Bedeutung des Transfers kann den kleinen Fächern und letztlich der Gesellschaft zugute kommen - sie steht aber in einem Widerspruch mit den üblichen "Indizes", die das Eckpunktepapier als grundlegend "für eine erfolgsorientierte (Teil-)Finanzierung" sieht. Wenn Bemühungen um Wissenschaftskommunikation, um Citizen Science oder auch Angebote für die Schule, eine größere Anerkennung finden, wäre das auf alle Fälle zu begrüßen.  
 
Transfer der Mittelalterarchäologie:
der digitale Museumskoffer der Bamberger AMANZ




Weiterbildung als Chance

Insofern ist der Gedanke,  vermehrt auch an Weiterbildungsprogramme zu denken, ganz folgerichtig: Als Aufgabe der Universitäten wird neben dem klassischen Studium lebenslanges Lernen und Weiterbildung definiert mit der Option, dazu weiterbildende Masterstudiengänge und Zertifikatsangebote oder Modulstudien anzubieten. Ob sich dafür zahlende Interessenten finden lassen, wie das der Politik offenbar vorschwebt, scheint aber fraglich.

Nach den Erfahrungen aus der Archäologie sind wir vielmehr in der Praxisausbildung darauf angewiesen, die Studierenden zu ihrer Weiterbildung genau zu dem potentiellen Zielpublikum zu schicken. So sehr Studiengänge auch die Berufsperspektiven ihrer Absolvent*innen im Auge haben, so werden sie doch nie im Sinne einer Ausbildung alle Grundkenntnisse für die sehr heterogenen Tätigkeitsfelder und deren unterschiedlichen Berufsalltag vermitteln können. Es könnte durchaus interessant sein, ob sich nicht in verstärktem Maße öffentlich-private Partnerschaften entwicklen lassen, indem beispielsweise Unis und Grabungsfirmen zusammenarbeiten. Eine Förderung diesbezüglich wird aber vor allem mit rechtlichen Hürden außerhalb des Hochschulgesetzes, etwa im Wettbewerbsrecht zu kämpfen haben. Mit Ausgründungen und Weiterbildung, wie sie im Eckpunktepapier angedacht sind, hat das aber wenig gemein.


Blinde Flecke: Lehre sowie Wert der Geistes- und Kulturwissenschaften

In der vorliegenden Form ist das Eckpunktepapier sehr einseitig auf eine unternehmerische Organisation der Universitäten ausgerichtet. Viele wichtige Aspekte werden nicht oder nur sehr vage angesprochen.  Zwar verspricht das Papier, dass das neue Hochschulgesetz "die Anliegen der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie der Studierenden ... fest im Blick" hat. Hier fehlen im Eckpunktepapier aber klare Aussagen, wie das konkret mit Inhalten gefüllt werden soll. Auch Aspekte der Diversität und Gleichberechtigung kommen sehr kurz. Ganz besonders fällt jedoch auf, wie wenig die Lehre und die Qualität der Lehre thematisiert werden. 
Die Förderung von Transfer und Weiterbildung kann durchaus Chancen eröffnen, wenn man deren Ziele genauer reflektiert. Eine größere Anerkennung universitärer Leistungen auf diesen Feldern ist durchaus begrüßenswert. Das würde aber auch bedeuten, der Lehrerausbildung an den Universitäten einen größeren Stellenwert einzuräumen. Mit einer so extremen wirtschaftlichen Orientierung, wie sie im Eckpunktepapier zum Ausdruck kommt, wird das Lehramtsstudium eher noch mehr marginalisiert und der Lehrermangel und die Qualität der Schulbildung eher verschlimmert.
 
Insgesamt bildet das Papier nur einen kleinen Teil der Universitäten ab. Lehrerausbildung oder Geistes- und Kulturwissenschaften. sind nicht angemessen mitgedacht. Bavaria One und High-Tech-Agenda sind sicher wichtige Programme, aber sie bringen wenig, wenn die Gesellschaft orientierungslos ist. Zukunftsfähige Visionen entstehen erst, wenn man Gegenwart und Vergangenheit verstanden hat und weiß, wie sich Gesellschaften verändern, wie Mensch und Umwelt aufeinander einwirken, wie Menschen kommunizieren und agieren.

 


Montag, 23. Januar 2017

Trump streicht die Geisteswissenschaften

unter Berufung auf eine Quelle aus dem Trump-Team:
Die Streichung der staatlichen Förderung für die National Endowment for the Humanities soll  nur ein Teil der Kürzungen im Kulturbereich sein. Die NEH ist eine der wichtigsten Förderungseinrichtungen für die Geisteswissenschaften in den USA. Man wird sehen, wie ernst das wird, aber von republikanischer Seite gab es in den vergangenen Jahren schon einige Angriffe gegen die Kulturwissenschaften und die Freiheit der Forschung.

Interne Links

Nachtrag (25.1.2017)

Dienstag, 6. Dezember 2016

Entwicklungen der Archäologie des Mittelalters

Fast 30 Jahre nach der Publikation der wegweisenden Einführung in die Archäologie des Mittelalters von Günter P. Fehring (1987) haben wir nun ein neues Buch geschrieben, das die Archäologie des Mittelalters als wissenschaftliche Disziplin umreißt. Dass sich in 30 Jahren nicht nur ein enormer Quellenzuwachs ergeben hat, sondern dass sich auch die Sichtweisen verändert haben, dürfte nicht verwundern. Während meines Studiums war das Buch von Fehring noch neu und gab in der Tat eine gute Übersicht über das Fach. 
Aber bei einer tiefer gehenden Auseinandersetzung mit der Theorie der Archäologie des Mittelalters wurden bald die  Grenzen der Konzeption der Archäologie des Mittelalters deutlich, wie sie in der Einführung Fehring erkennbar wurden. Vor 15 Jahren hatte ich die Gelegenheit, die Neuauflage von Fehrings Einführung zu rezensieren, die mit nur wenigen Aktualisierungen auskam - vornehmlich ergänzenden Nennungen neuer Grabungen und Nachträgen im Literaturverzeichnis. Meine Kritik zielte auf die methodisch-theoretische Konzeption, wie sie sich unter anderem in der Definition des Faches niederschlug (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016). Konkret richtete sich meine Kritik auf die folgenden Punkte:



  • der enge Bezug auf die Geschichtswissenschaften, ohne dass das Geschichtsverständnis präzisiert wurde (das aber aus dem Kontext zu erschließen eher traditionell zu verstehen ist)


  • die daraus resultierende explizite Ablehnung archäologischer Theorie  insbesondere der 'new archaeology'


  • die explizite Festlegung auf archäologische Methoden, konkreter die der Ur- und Frühgeschichte


  • daraus resultierend das Ausklammern der Bauforschung (die in der klassischen Archäologie durchaus  in das archäologische Methodenspektrum integriert sind) und


  • der geringe Stellenwert der Sachkulturforschung


  • fehlende Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen.





  • neue Entwicklungen

    Tatsächlich dürften dies die Bereiche sein, in denen die Diskussion in der Archäologie des Mittelalters (und der Neuzeit) in den vergangenen 30 Jahren die stärksten  Fortschritte gemacht hat - vor allem dadurch, dass die Themen überhaupt als solche erkannt wurden.
    1. Die Rolle der Geschichtswissenschaften wird zunehmend durch einen Bezug auf die historischen Kulturwissenschaften relativiert, oder wenigstens ergänzt. Hier ist beispielsweise auf Beiträge von I. Ericsson, C. Theune, U. Müller und auch von mir selbst zu verweisen.
    2. Die insgesamt in der deutschen Archäologie zunehmende Theoriediskussion betrifft auch die Archäologie des Mittelalters, sowohl was Theorie im Sinne einer Entwicklung von Fragestellungen und Hypothesen betrifft, als auch in Bezug auf Theorie im Sinne einer kritischen Selbstreflektion der Fachstrukturen und der handelnden Personen. Die entscheidenden Beiträge stammten hier zunächst aus dem angelsächsischen Raum, werden aber zunehmend auch in der deutschsprachigen mittelalterarchäologischen Community rezipiert.
    3. Ich sehe auch eine durchaus interdisziplinäre Öffnung, die mehr an Fragestellungen und Kompetenzen orientiert ist, als an disziplinären Claims. Das ist freilich noch eher zögerlich, aber zunehmend greifen Überblicksarbeiten weiter aus und greifen auf Ergebnisse und Theorien von Nachbardisziplinen zurück. Dieser Trend lässt sich an den Definitionen des Faches ablesen (vergl. Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Archaeologik 29.11.2016).
    4. Eine pragmatische Auseinandersetzung mit den Zuständigkeiten von Archäologie und Bauforschung hat dazu geführt, dass zunehmend integrative Projekte durchgeführt wurden, die beispielsweise einzelne städtische Fachwerkhäuser bauhistorisch und archäologisch untersucht haben.
    5. Die Sachkulturforschung wurde zwischenzeitlich sowohl von Archäologen als auch von Historikern als Aufgaben- und Forschungsfeld umrissen. Zu nennen ist hier die grundlegende Arbeit von Sabine Felgenhauer, die noch stark den Bezug zur klassischen Kulturgeschichte suchte. Inzwischen ist ein zunehmender Einfluss der historischen Kulturwissenschaften zu vermerken, der sich darin äußert, dass Objekte im Kontext sozialer Praxis gesehen werden. Zu verweisen ist auf die Thematisierung des Habitus (vergl. Archaeologik 14.12.2012; publiziert: Schreg u.a. 2013), die explizit beispielsweise in der Arbeit von Ulrich Müllers zu Handwaschgefäßen vorgenommen wurde.
    6. Grundsätzliche Überlegungen zur Verknüpfung archäologischer und schriftlicher Quellen hat der Schwede Anders Andrén schon etwa zum Zeitpunkt der Erstpublikation von Fehrings Einführung vorgelegt. Die wurde inzwischen - etwas zögerlich - auch im deutschsprachigen Raum aufgegriffen.
    Darüber hinaus konnte seit den 1990er Jahren eine Internationalisierung des Faches festgestellt werden (vergl. Archaeologik demnächst), wie sie etwa im Medieval Europe Research Congress (MERC - jetzt Medieval Europe Research Commitee im Rahmen der EAA) oder der Ruralia Association zum Ausdruck kommt.

    Umsetzung

    Mit dem Schreiben einer neuen Einführung bot sich die Chance (und Notwendigkeit), die eigenen Kritikpunkte umzusetzen und neueren Entwicklungen  Rechnung zu tragen. In einigen Punkten setzt sie sich ganz bewusst von der älteren Arbeit Fehrings ab. Da wir in dem neuen Buch diesen Kontrast nicht herausgearbeitet haben, er aber interessant erscheint, wenn es darum geht, die Entwicklung des Faches in den letzten Jahren zu skizzieren, seien hier jene Punkte angeführt, die jedenfalls für mich beim Schreiben der Beiträge wichtig waren.

    Wir haben die Definition des Fachs anders formuliert.
    Die Archäologie der Neuzeit sollte einbezogen werden. Wir haben dies nur moderat getan, da die Entwicklung dieses Forschungsgebietes gerade sehr rasch voranschreitet. Nach einer Phase, in der die Neuzeitarchäologie in Deutschland überwiegend  an Kriegen und "Tatorten" interessiert war,  wendet sie sich nun breiteren Themen zu, kommt dadurch aber auch in die Situation, genauer ihr Erkenntnisinteresse darstellen und erklären zu müssen, worin die Sinnhaftigkeit einer archäologischen Auseinandersetzung mit der Neuzeit besteht. Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit verstehen wir primär als eine historische Archäologie.

    Wir formulieren keine Abgrenzung gegenüber den Geschichtswissenschaften oder der Kunstgeschichte vor. Hier gibt es Überschneidungen, von denen ein interdisziplinärer Diskurs nur profitieren kann.
    Fehring hatte in seinem Buch keinerlei theoretische Reflektion über die weitergehenden Ziele der archäologischen Forschung. Hier ergeben sich aber zahlreiche Themen, die für das Verständnis und die Weiterentwicklung des Faches von grundlegender Bedeutung sind. So ist das Geschichtsverständnis oder der Kulturbegriff des Faches ebenso zu hinterfragen, wie seine Narrative in der Vermittlung der Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit. Deshalb enthält der Band im Methodenkapitel einen relativ ausführlichen Teil zu Quelleninterpretation und Theorie. 

    Keramik trat in der Einführung Fehrings nur im Kontext der Chronologie auf. Tatsächlich sind Keramikscherben darüber hinaus eine wichtige Quelle zur Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, bisweilen auch zur Umweltgeschichte. Der Themenbereich der Sachkultur sollte stärker betont werden. Das haben wir erreicht, indem die wichtigsten Fundgruppen eigene kästchenförmige Exkurse erhalten haben.

    4. Obwohl sich das Buch auf den deutschen Sprachraum konzentriert, greift es punktuell immer wieder darüber hinaus, etwa, wenn die byzantinische Archäologie oder die islamische Archäologie kurz präsentiert werden.


    Literaturhinweise

    Andrén 1998
    A. Andrén, Between artifacts and texts. Historical archaeology in global perspective, Contributions to global Historical Archaeology (New York 1998)

    Ericsson 2000
    I. Ericsson, Archäologie des Mittelalters - eine Kulturwissenschaft?, Das Mittelalter 5, 2000, 141–148

    Fehring 1987
    G. P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters (Darmstadt 1987)

    Felgenhauer-Schmiedt 1995
    S. Felgenhauer-Schmiedt, Die Sachkultur des Mittelalters im Lichte der archäologischen Funde, Europ. Hochschulschr. R. 38 42 2(Frankfurt am Main 1995)

    Müller 2006
    U. Müller, Zwischen Gebrauch und Bedeutung. Studien zur Funktion von Sachkultur am Beispiel mittelalterlichen Handwaschgeschirrs (5./6. bis 15./16. Jahrhundert), Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft 20 (Bonn 2006)

    Müller 2013
    U. Müller, Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Gefüge der historischen Archäologien, in: K. Ridder – S. Patzold (Hrsg.), Die Aktualität der Vormoderne. Epochenentwürfe zwischen Alterität und Kontinuität, Europa im Mittelalter 23 (Berlin 2013) 61–90

    Schreg 2001
    R. Schreg, [Rez.zu]: Die Archäologie des Mittelalters. Eine Einführung, Arch. Inf. 24, 2001, 331–334

    Schreg 2007
    R. Schreg, Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen, Mitt. Dt. Ges. Arch. Mittelalter u. Neuzeit 18, 2007, 9–20

    Schreg 2010
    R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit: eine historische Kulturwissenschaft par excellence?, in: M. Dreyer – J. Kusber – J. Rogge – A. Hütig (Hrsg.), Historische Kulturwissenschaften. Positionen, Praktiken und Perspektiven, Mainzer Historische Kulturwissenschaften 1 (Bielefeld 2010) 335–366

    Schreg u. a. 2013
    R. Schreg – J. Zerres – H. Pantermehl – S. Wefers – L. Grunwald – D. Gronenborn, Habitus – ein soziologisches Konzept in der Archäologie, Arch. Inf. 36, 2013, 101-112 - DOI: 10.11588/ai.2013.0.15324
     
    Theune 2009
    C. Theune, Ganzheitliche Forschungen zum Mittelalter und zur Neuzeit, in: S. Brather – D. Geuenich – C. Huth – H. Beck (Hrsg.), Historia archaeologica. Festschrift für Heiko Steuer zum 70. Geburtstag, RGA Ergbd. 70 (Berlin 2009) 755–764

    Theune 2012
    C. Theune, Zeitgeschichtliche Archäologie. Forschungen und Methoden, Fundber. Österreich 51, 2012, 121–126

    Theune 2014
    C. Theune, Archäologie an Tatorten des 20. Jahrhunderts, Archäologie in Deutschland. Sonderheft (Darmstadt 2014)

    Dienstag, 29. November 2016

    Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit


    Die Archäologie des Mittelalters hat sich im deutschen Sprachraum im wesentlichen seit den 1960er Jahren entwickelt. Bereits 1852 war auf der Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthums-Vereine in Mainz von einer "mittelalterlichen Archäologie" die Rede, die sich jedoch auf die Monumente und noch nicht auf Bodenfunde bezog.
    Die im Lauf der Zeit formulierten Definitionen lassen das sich verändernde Selbstverständnis des Faches erkennen.

    H. v. Petrikovits 1962:
    ‚archäologische Landeskunde des Mittelalters‘

    P. Grimm 1966:
    ‚archäologische Frühgeschichtsforschung‘

    H. Jankuhn 1973:
    ‚direkte Fortsetzung der vor- und frühgeschichtlichen Archäologie, und zwar sowohl nach Problemstellung wie nach methodischem Ansatz‘

    H. Hinz 1982:
    ‚Erforschung der Gesamtheit der Erscheinungen mittelalterlichen Lebens‘

    G.P. Fehring 1987:
    ‚nach Fragestellung und Arbeitsziel eine historische Wissenschaft; aufgrund der in den Boden eingebetteten Sachquellen und ihrer Methoden eine archäologische Disziplin‘

    B. Scholkmann 1998:
    ‚eine Geschichtswissenschaft, deren Forschungsgegenstand die gegenständlichen Quellen sind. Die Fragestellungen zielen auf kulturelle Erscheinungen und Entwicklungen, sie arbeitet mit einem breiten Methodenspektrum, dessen Kern die archäologischen Methoden bilden‘ 

    Der Bezug auf die Geschichtswissenschaften tritt immer wieder auf, wobei die Formulierungen von v. Petrikovits und H. Hinz zeigen, dass es hier durchaus Spielraum für andere zugänge gibt. Ihnen alle ist gemeinsam, dass diese Referenzpunkte kaum genauer reflektiert wurden.

    In der 2016 erschienenen neuen Einführung geben wir nun selbst die folgende Definition:
    Scholkmann – Kenzler - Schreg 2016:
    'Die Archäologie des Mittelalters (und der Neuzeit) ist  eine historische Kulturwissenschaft.
    Sie analysiert die materiellen Hinterlassenschaften mit geistes- und naturwissenschaftlichen Methoden.
    Sie ist eine historische Archäologie, die die materiellen Quellen in den Kontext einer überwiegend schriftlichen und bildlichen Parallelüberlieferung stellt und so zum Verständnis vergangener Gesellschaften beiträgt.' 

    Begründung der Neudefinition

    In diese neue Definition sind einige grundsätzliche Überlegungen eingeflossen:

    Montag, 24. Oktober 2016

    Donald Trump macht deutlich: Kulturwissenschaften nötiger denn je

    Populistische 'Lösungen', wie von
    Donald Trump propagiert, zeigen den Mangel an
    kulturwissenschaftlicher Bildung auf, sagt die ASA
    (Foto: Michael Vadon [CC BY SA 4.0]
    via Wikimedia Commons)
    Die American Anthropological Society hält angesichts von Donald Trumps Benehmen und populistischen 'Lösungen' kulturwissenschaftliche Bildung für nötiger denn je:
    The divisive solutions to multi-facetted problems like immigration and terrorism (which should not be exclusively linked) put forth by Mr. Trump display a disturbing lack of humanistic knowledge and reasoning that is very obtainable within the field of anthropology.


    Interner Link

    Sonntag, 5. Juni 2016

    "Die Gesellschaft braucht keine Historiker"

    meint der Vize-Kanzler der Universität Belfast, Patrick Johnston:
    Nach einem Empörungssturm rudert er (auf twitter) zwar zurück, aber die Äußerung zeigt doch die etwas schiefe Wahrnehmung darauf, was Geschichte für eine Gesellschaft bedeutet und was Historiker eigentlich arbeiten - nämlich Probleme analysieren (genau das was Johnston stattdessen fordert)...

    Interner Link

    Samstag, 21. Mai 2016

    Geisteswissenschaftler sind "nicht zu gebrauchen"

    Die Schweizerische Volkspartei hat 2015 den Schweizerischen Bundesrat aufgefordert, "Massnahmen zu ergreifen, damit es künftig weniger «Psychologen, Ethnologen, Soziologen, Historiker, Kultur- und Kunstwissenschafter und dergleichen» gebe. Die Absolventen dieser Studiengänge seien in der Wirtschaft nicht zu gebrauchen und müssten in staatlichen Institutionen durchgefüttert werden."


    Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften stellt in einer Publikation den gesellschaftlichen Wert der Geisteswissenschaften dar:
    Den Geisteswissenschaften werden 5 Grundfunktionen  zugewiesen:
    1. Bewahren und Erinnern
    2. Verstehen und Deuten
    3. Imaginieren und Vorstellen
    4. Kritik und Diskurs
    5. Reflexion und Orientierung
    "Das kulturelle Gedächtnis speichert Erfahrungen, Strategien, Erkenntnisformen, Handlungs- und Deutungsmuster, Argumentationen, Begründungen, Geschichten und Bilder, die laufend in unterschiedlichsten Situationen und in unterschiedlichen Kombinationen aktiviert werden können. Die Sicherung der Zeugnisse und Spuren der Vergangenheit, die empirische Rekonstruktion der Vergangenheit, ist eine notwendige Voraussetzung geisteswissenschaftlicher Forschung. Deren Ziel ist es jedoch, diese Zeugnisse «zum Sprechen zu bringen und uns ihre Sprache verständlich zu machen» und damit eine zusätzliche symbolische Rekonstruktion zu leisten (Cassirer 1996, S. 271). Zugleich dient das kulturelle Gedächtnis der Vergewisserung, wird unter sich wandelnden Bedingungen laufend revidiert, korrigiert, ergänzt, neu gewichtet und auch aktualisiert."