Posts mit dem Label Bulgarien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bulgarien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 24. Juli 2020

Rekonstruktion und Authentizität

In Bulgarien wurden in den vergangenen Jahren an einigen archäologsichen Fundstellen rekonstruierende Inszenierungen vorgenommen. Mit fragwürdigen Ergebnissen, obwohl sie durchaus richtig Originalbestand und Rekonstruktion deutlich voneinander absetzen - zu deutlich...
  • M. Kamenova /  L. Vagalinski,  Some Notes on Maintaining Authenticity in the Presentation of Archaeological Sites in Bulgaria, Internet Archaeology 54, 2020. - <doi: https://doi.org/10.11141/ia.54.1>
Die Autoren schreiben:
"Authentizität ist der eigentliche Wert des archäologischen Erbes und hat verschiedene Aspekte
  • die optische Authentizität - der Grad der Erhaltung des originalen Erscheinungsbildes
  • funktionale Authentizität - der Grad der Erhaltung ursprünglicher Funktionalität
  • die Authentizität des Kontextes - der Grad der Erhaltung des archäologsichen Kontextes und der Beziehungen zwischen den Objekten"

("Authenticity is the main value of the archaeological heritage and it has different aspects:
- Visual authenticity - the degree of preservation of the authentic appearance
- Functional authenticity - the degree of preservation of the original function
- Context authenticity - the degree of preservation of the context of the archaeological structure, and the relationship between them")


    röm. Befestigung Abritus
    (Google Maps)



    Mittelalterliche Befestigung Krakra bei Pernik
    (Foto:  Камен Ханджиев [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

    Mittelalterliche Befestigung Krakra bei Pernik
    (Foto:  Камен Ханджиев [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)



    Links



    Sonntag, 9. Dezember 2018

    Wohlstand oder verlorene Vergangenheit

    Begleitend zu einer Ausstellung "Спасените съкровища на България" (die geretteten Schätze Bulgariens) im Archäologischen Nationalmuseum in Sofia publiziert das Nationale Archäologische Institut /Archäologische Nationalmuseum ein Video zur Raubgräberproblematik (bulgarisch mit englischen Untertiteln).
    Das Video, das ein erschreckendes, aber nicht überraschendes Bild der Situation zeichnet, ist in der deutschen Übersetzung "Wohlstand oder verlorene Vergangenheit" betitelt.

    Interne Links

    Sonntag, 30. Oktober 2016

    Berechtigte Bedenken an der Stichtagsregelung des neuen Kulturgutschutzgesetzes? Gefälschte Provenienzen bei einer Münchner Auktion?

    Ein Münchner Auktionshaus bietet in seinem Auktionskatalog zwei römische Statuen an, angeblich aus einer Privatsammlung, in der sie sich seit 1985 befinden sollen. Die eine der beiden Statuen scheint aber identisch mit einer, die 2007 noch unrestauriert in einem bulgarischen Zeitungsbericht im Kontext von Raubgrabungen abgebildet war, die andere wurde einem Informanten erst 2015 in grabungsfrischem Zustand angeboten. 
    Darüber berichtete die Sendung plusminus:
    Leider gibt der Beitrag von PlusMinus nicht genauer an, wann genau der bulgarische Zeitungsartikel erschienen ist. Es wäre durchaus wichtig zu wissen, ob hier nicht schon ein erster beweisbarer Fall vorliegt, in dem klar gefälschte Provenienzen die Stichtagsregelung  (26. April 2007) des neuen Kulturgutschutzgesetzes ausnutzen und ad absudum führen.
    Übrigens: Monika Grütters, befragt zu der Wirkung des neuen Gesetzes klingt mit ihrer Aussage ("Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und auch, wenn man mal den UNESCO-Weltmaßstab sieht, haben wir immer noch ein großzügiges Gesetz.") eher entschuldigend und selbst nicht besonders überzeugt von dessen Wirksamkeit.

    interner Link

    Freitag, 19. August 2016

    Raubgräber pflügen mittelalterliche Siedlung um

    Am 4. August 2016 hat die Polizei in Bulgarien fünf Raubgräber verhaftet, die mitten am Tag mit einem Tiefpflug eine spätantike und mittelalterliche Siedlung bei Petărnița in Nordbulgarien umpflügten. Die fünf Männer im Alter von 35 bis 58 stammen aus der weiteren Region. In ihrem Auto wurden zahlreiche Funde sichergestellt, Vier Metalldetektoren wurden beschlagnahmt.

    Freitag, 30. Oktober 2015

    Raubgräber nehmen mit Bagger thrakischen Grabhügel auseinander und werden von der Polizei gefasst

    Welche Chance es darstellt, wenn Archäologen solch einen Hügel richtig untersuchen können, zeigt ein Gemeinschaftsprojekt des Historischen Museum in Nova Zagora und des RGZM:
    Sorgfältige Grabung und Fundbergung ermöglichen eine Rekonstruktion der Bestattungszeremonien und geben damit Einblicke in die politische Stilisierung eines thrakischen Häuptlings angesichts zunehmenden römischen Einflusses in der Region. Diese Forschungen stehen am RGZM in einem größeren Kontext der Auseinandersetzung über die Abläufe und Auswirkungen von 'Kulturkontakten'. Raubgräber reissen die nötigen Zusammenhänge auseinander und vernichten die grundlegenden historischen Quellen.
    Treasure hunters busted bulldozing Thracian burial mound

    Read more at: http://archaeologynewsnetwork.blogspot.de/2015/10/treasure-hunters-busted-bulldozing.html#.VijCJG7jE8-
    Follow us: @ArchaeoNewsNet on Twitter | groups/thearchaeologynewsnetwork/ on Facebook
    Treasure hunters busted bulldozing Thracian burial mound

    Read more at: http://archaeologynewsnetwork.blogspot.de/2015/10/treasure-hunters-busted-bulldozing.html#.VijCJG7jE8-
    Follow us: @ArchaeoNewsNet on Twitter | groups/thearchaeologynewsnetwork/ on Facebook

    Donnerstag, 20. März 2014

    Donnerstag, 20. Juni 2013

    Ratiaria – Die geschredderte Römersiedlung

    ein Gastbeitrag
    von Jutta Zerres

    „Wozu treibst du nicht die Herzen der Menschen, verfluchter Hunger nach Gold!“ („Quid non mortalia pectora cogis, auri sacra fames„) heißt es in Vergils „Aeneis“ (3, 56-57). Dieses Zitat mag so manchem Archäologen ins Gedächtnis kommen beim Anblick der Kraterlandschaft, die sich heute östlich der modernen Stadt Arçar im Gebiet der antiken Siedlung Ratiaria in Nordwestbulgarien erstreckt.
    Blick auf das Gelände von Ratiaria nach den Raubgrabungen.
    Nur an einer Stelle sind Reste von Bauten stehen geblieben.
    (Foto: Widintourist [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons)

    Die Trägödie begann mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Bulgarien und der darauf folgenden Wirtschaftskrise. Nachdem der Staat 1992 die finanzielle Förderung der Ausgrabungstätigkeit eingestellt hatte, machten sich die Anwohner von Arçar angelockt von der Möglichkeit Goldmünzen und andere wertvolle Dinge zu finden über die römische Siedlung her. Schon seit langer Zeit wurde erzählt, dass die Felder in der Gegend von Ratiaria nach starken Regengüssen von den freigespülten Goldmünzen regelrecht blinkten und funkelten.

    Einer von zahlreichen Raubgrabungskratern im Gelände von Ratiaria
    (Foto: Widintourist [CC BY-SA 3.0] via WikimediaCommons)

    Zu den plündernden Anwohnern gesellten sich organisierte Banden; Korruption verhinderte ein effektives Vorgehen der Behörden. Das Areal wurde metertief mit schwerem Gerät umgegraben. Um keine Goldmünze und andere Preziosen zu übersehen schredderten die Raubgräber das gesamte Erdreich mit allen enthaltenen Kleinfunden, den Steinen und den Baumaterialien klein. Ratiaria ist das prägnanteste Beispiel für die Plünderungen und Zerstörungen an Kulturstätten in Bulgarien seit den politischen Umwälzungen im Ostblock am Beginn der neunziger Jahre.


    Ratiaria auf einer größeren Karte anzeigen