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Montag, 20. November 2023

Prospektion mit alten Bildern

greift einen neuen Artikel aus Antiquity auf:
  • J. Casana/ D. Goodman/ C. Ferwerda, A wall or a road? A remote sensing-based investigation of fortifications on Rome's eastern frontier. Antiquity 2023, 1-18. - https://doi.org/10.15184/aqy.2023.153

Der methodische Ansatz ist nicht ganz neu, er hat sich gerade für römische Militärlager bewährt:

  • W.S. Hanson/ I.A. Oltean (Hrsg.), Archaeology from Historical Aerial and Satellite Archives (New York, Heidelberg 2013)

Sonntag, 26. Februar 2017

Global Xplorer - archäologische Fernerkundung und Dokumentation von Raubgrabungen

Sarah Parcak hat 2016 den TED-Price gewonnen, mit einem Preisgeld, das in die Entwicklung von Global Xplorer fließen soll, einer Citizen Science-Plattform, mit der Fernerkundungsdaten für archäologische Prospektionen eingesetzt und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ausgewertet werden.

Zum Projekt:

Durch Raubgräber zerstörte archäologische
Fundstelle in Rontoy, Huaura-Tal, Peru. Juni 2007
(Foto: Nathancraig [CC BY 3.0] via Wikipedia)
Derzeit steht ein Projekt im Vordergrund, mit dem in Peru die Spuren von Raubgrabungen dokumentiert werden sollen. In Kooperation mit den peruanischen Behörden sollen Luftbilder durch interessierte Laien auf Raubgrabungsspuren durchgesehen und markiert werden. Ein Handbuch und ein System der Verifizierung dienen der Qualitätssicherung der von Laien beigesteuerten Beobachtungen.

Sonntag, 14. Februar 2016

Eine neolithische Siedlungslandschaft aus der Luft

Bei GoogleMaps deutlich zu erkennen: Die neolithische Siedlungslandschaft rund um die archäologische Grabungsstätte Passo di Corvo bei Arpinova nordöstlich von Foggia in Süditalien. Charakteristisch für die frühneolithischen Siedlungen (ca. 7000-5000 v.Chr.) sind C-förmige Grabenanlagen, zwischen denen kleine Hütten standen, wie sie im archäologischen Park Passo di Corvo rekonstruiert sind. Die Fundstelle wurde während des Zweiten Weltkriegs in Luftbildern entdeckt.




Links

Literatur

Montag, 7. Dezember 2015

Archäologische Prospektion in historischen Luftbildarchiven

William S. Hanson/ Ioana A. Oltean (ed.)
Archaeology from Historical Aerial and Satellite Archives

(New York, Heidelberg, Dordrecht, London: Springer 2013).

ISBN 978-1-4614-4504-3

117,29€ (als e-Book 91,62€)





Luftbildarchäologie ist in hohem Maße vom richtigen Befliegungszeitpunkt abhängig. Oft ist es nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, in dem die richtigen Bedingungen herrschen, um ein Bodendenkmal sichtbar zu machen. In Deutschland war man zudem lange Zeit der Meinung, für die Zwecke der Archäologie seien nur Schrägaufnahmen brauchbar. Die für Zwecke der Geoinformatik wie auch für die militärische Aufklärung regelmäßig angefertigten Senkrecht-Aufnahmen, deren Flugtermin sich auch nicht an optimalen Beobachtungsbedingungen für Bewuchsmerkmale orientierte, schienen für die Luftbildarchäologie hingegen eher uninteressant. Man sah deshalb nur geringe Chance in vorhandenen Luftbildarchiven beispielsweise der Landesvermessungsämter archäologisch interessante Aufnahmen zu finden. Luftbildarchäologie bestand deshalb weitgehend aus aktiven, mehr oder weniger gezielten, jedenfalls aber archäologisch initiierten Befliegungen.

Inzwischen stehen viele Luftbilder online, meist eben die lange wenig geschätzten Senkrecht-Aufnahmen. Dabei zeigt es sich, dass selbst bei Google interessante archäologische Befunde zu entdecken sind. Hier auf Archaeologik wurden schon mehrfach entsprechende Beispiele gezeigt (vergl. Archaeologik), vor allem aber war von jener Entdeckung die Rede, bei der es gelungen ist, von Tübingen aus erstmals sog. "raised fields" in Mittelamerika zu identifizieren (http://archaeologik.blogspot.de/2015/02/publikation-zu-den-hochbeeten-von.html).


Grabhügel, Grubenhäuser und römische Gebäude bei Google Maps in der Oberrheinebene


Frühmittelalterliche Siedlung in Burgund
(vergl. Eine frühmittelalterliche (?) Siedlung in Burgund. Archaeologik (30.6.2012)



Welches Potential in existierenden Luftbildarchiven steckt, zeigt der Band von Hanson & Oltean in zahlreichen Beispielen. Sie decken viele Regionen Europas ab: England, Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Italien, die ehemalige Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Rußland sowie darüber hinaus Armenien, Jordanien, Kambodscha und Uruguay. Beispiele aus Deutschland fehlen. Die Beispiele betreffen damit sehr unterschiedliche Naturräume mit ganz unterschiedlichen Potentialen für die archäologische Luftbildforschung.




Inhaltsverzeichnis

Part I: Introduction
William S. Hanson (et al.)
A Spy in the Sky: The Potential of Historical Aerial and Satellite Photography for Archaeological Research
S. 3-10

Part II: Opening Doors: Aerial and Satellite Archives
David C. Cowley, (et al.)
The Aerial Reconnaissance Archives: A Global Aerial Photographic Collection
S. 13-30

Peter McKeague (et al.)
Blitzing the Bunkers: Finding Aids – Past, Present and Future
S. 31-46

Martin J. F. Fowler,
Declassified Intelligence Satellite Photographs
S. 47-66

Part III: Historical Aerial and Satellite Photographs in Archaeological Research
Birger Stichelbaut (et al.)
First World War Aerial Photography and Medieval Landscapes: Moated Sites in Flanders
S. 69-85

Tony Pollard (et al.)
The Use of First World War Aerial Photographs by Archaeologists: A Case Study from Fromelles, Northern France
S. 87-103

Andrew Young,
Historic Vertical Photography and Cornwall’s National Mapping Programme
S. 105-122

Patrizia Tartara,
The Use of Historical Aerial Photographs in Italy: Some Case Studies
S. 123-145

Ioana A. Oltean,
A Lost Archaeological Landscape on the Lower Danube Roman
S. 147-164

Zsolt Visy,
The Value and Significance of Historical Air Photographs for Archaeological Research: Some Examples from Central and Eastern Europe
S. 165-177

Iván Fumadó Ortega (et al.)
Archaeology from Aerial Archives in Spain and Portugal: Two Examples from the Atlantic Seaboard
S. 179-197

Natal’ya S. Batanina (et al.)
Soviet Period Air Photography and Archaeology of the Bronze Age in the Southern Urals of Russia
S. 199-219

Robert Bewley (et al.)
Historical Aerial Imagery in Jordan and the Wider Middle East
S. 221-242

José Iriarte
“Down Under in the Marshes”: Investigating Settlement Patterns of the Early Formative Mound-Building Cultures of South-Eastern Uruguay Through Historic Aerial Photography
S. 243-259

Anthony R.Beck (et al.)
The Archaeological Exploitation of Declassified Satellite Photography in Semi-arid Environments
S. 261-278

Rog Palmer
Uses of Declassified CORONA Photographs for Archaeological Survey in Armenia
S. 279-290

Damian Evans (et al.)
Pixels, Ponds and People: Mapping Archaeological Landscapes in Cambodia Using Historical Aerial and Satellite Imagery
S. 291-313

Ioana A. Oltean (et al.)
Integrating Aerial and Satellite Imagery: Discovering Roman Imperial Landscapes in Southern Dobrogea (Romania)
S. 315-336




Deutsches Flugzeug über den Pyramiden während
eines Bombenangriffs auf Kairo 1916 (evtl. gestellt)
(Foto: Falke, Australian armed forces
[Public Domain] via Wikimedia Commons)
Die meisten Luftbilder, die in den Beiträgen herangezogen werden, sind in militärischem Kontext entstanden. In Flandern und in Nordfrankreich sind Luftbilder aus dem Ersten Weltkrieg von Bedeutung. Der Beitrag von Stichelbaut u.a. (S. 69ff.) zu Flandern zeigt das Potential der Bilder nicht nur für eine Rekonstruktion der Kriegslandschaft des Ersten Weltkriegs, sondern auch für die Lokalisierung archäologischer Fundstellen in dieser massiv durch die Schlachten umgewühlten Region. Eine Verifizierung der Beobachtungen ist heute kaum mehr möglich und so bleibt die Interpretation einiger Kreisstrukturen als bronzezeitliche Grabhügel unklar. Es könnte sich hier auch um militärische Anlagen handeln. Sicherer ist die Ansprache im Falle der etwas komplexeren Strukturen mittelalterlicher Niederungsburgen. Viele von ihnen sind nur aus den Luftbildern des ersten Weltkriegs bekannt (fig. 5.5.).
Der Beitrag von Robert Bewley und David Kennedy (S. 221ff.) zeigt das Potential historischer Luftbilder aus Jordanien und Palästina. Ihre Existenz war schon lange bekannt - viele der Bilder stehen auch online etwa unter https://www.flickr.com/photos/apaame/collections/72157627159146427/ oder dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv -  doch hat erst die aktuelle Krise im Nahen Osten zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit ihnen geführt.

Für die Verwendung historischer Luftbilder ist vor allem die Ermittlung einschlägiger Bildbestände und -archive nicht immer einfach. Aufgrund ihres militärischen Hintergrundes befinden sie sich häufig nicht in dem betreffenden Land, sondern zerstreut in ausländischen (Militär-)Archiven der kriegsführenden Parteien oder ehemaligen Kolonialmächte. Viele Luftbilder sind schon früher an Archäologische Institute gelangt. Einzelne sind schon früher publiziert worden.

Mehrere Beiträge ziehen CORONA-Satellitenbilder aus den 1960er und 70er Jahren heran (vergl. Archaeologik 8.12.2011).. I.A. Oltean und W.S. Hanson (S. 315ff.) nutzen sie im letzten Beitrag des Bandes, um den römischen Limes an der Unteren Donau in Rumänien zu rekonstruieren. R. Palmer (S. 279ff.) nutzt Corona-Bilder von 1970, um in Armenien einen ersten Eindruck der Siedlungslandschaft zu gewinnen. Ihren besonderen Wert entfalten die Corona-Aufnahmen beispielsweise in Kambodsche (Beitra. D. Evans/ E. Moylan, S. 291ff.), wo die Landschaft durch die Agrarpolitik der Roten Khmer grundsätzlich verändert wurde.


Corona-Satelittenbild (Center for Advanced Spatial Technologies, University of Arkansas/U.S. Geological Survey)
Der Band zeigt sehr schön das Potential historischer Luft- und Satellitenbilder. Mehrfach werden auch online-Datenbanken angegeben, bei denen oft allerdings eine freie Nachnutzung nicht gegeben scheint. Man vermisst eine Zusammenfassung der verschiedenen Erfahrungen, aus denen man ja auch einige Handlungsempfehlungen ableiten kann, wie künftig mit entsprechenden Luftbildern umgegangen werden sollte und wie man ihre Recherchierbarkeit verbessert.


Dienstag, 22. September 2015

Near Eastern Archaeology Special Issue: The Cultural Heritage Crisis in the Middle East


Das Sonderheft der Zeitschrift Near Eastern Archaeology zur Kulturgutvernichtung im Nahen Osten ist (derzeit?) frei zugänglich:

Inhalt

Ground-Based Observations of Cultural Heritage Incidents in Syria and Iraq (pp. 132-141)
Michael D. Danti
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0132
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0132

Satellite Imagery-Based Analysis of Archaeological Looting in Syria (pp. 142-152)
Jesse Casana
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0142
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0142

Responding to a Cultural Heritage Crisis: The Example of the Safeguarding the Heritage of Syria and Iraq Project (pp. 154-160)
Salam Al Quntar, Katharyn Hanson, Brian I. Daniels and Corine Wegener
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0154
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0154

Mapping the Heart of Mesopotamia: A Bittersweet Legacy in the Landscape of War (pp. 162-168)
Suzanne E. Bott
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0162
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0162

ISIS, Heritage, and the Spectacles of Destruction in the Global Media (pp. 170-177)
Ömür Harmanşah
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0170
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0170

An Update on the Looting of Archaeological Sites in Iraq (pp. 178-186)
Elizabeth C. Stone
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0178
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0178


The War-Ravaged Cultural Heritage of Afghanistan: An Overview of Projects of Assessment, Mitigation, and Preservation (pp. 187-195)
Gil J. Stein
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0187
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0187

Archaeological Looting in Egypt: A Geospatial View (Case Studies from Saqqara, Lisht, and el Hibeh) (pp. 196-203)
Sarah Parcak
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0196
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0196

Archaeology and Cultural Heritage in Post-Revolution Libya (pp. 204-211)
Susan Kane
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0204
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0204

“Why Is No One Talking about Libya's Cultural Destruction?” (pp. 212-217)
Neil Brodie
DOI: 10.5615/neareastarch.78.3.0212
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/10.5615/neareastarch.78.3.0212

Dienstag, 25. September 2012

Mittelalterliche Siedlungen in der Auvergne

Die Weidewirtschaft in der Auvergne hat in mehreren Teillandschaften mittelalterliche Siedlungsstellen, aber auch Befestigungen und Relikte der Landnutzung bestens konserviert. Viele der Wüstungen sind auf den Google-Luftbildern deutlich zu erkennen. Nur wenige scheinen systematisch untersucht. Für den Südwesten des Départements Cantal wurde bereits in den 1980er Jahren eine Bestandsaufnahme vorgelegt.

Bei Collandres sind die Reste einer (bereits untersuchten) Siedlung zu erkennen, die sich an einem Hang erstreckt. Deutlich erkennbar ist der Grundriß der Kirche im Nordwesten.


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Das Plateau de Cézallier in der Auvergne südlich von Clermont-Ferrand gilt als eine spät gerodete und dünn besiedelte Landschaft. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch eine Landnutzung seit dem Frühneolithikum. Auch hier sind mittelalterliche Siedlungsstellen zu erkennen, die meist mehrere Hausstandorte umfassen.



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Dazu ein castrum am Rand der Hochebene, wo sich fruchtbarere Täler anschließen.

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Auffallend sind zahlreiche in Reihen angeordnete Gruben. Vermutlich - ohne dass ich bislang die regionale Literatur dazu geprüft hätte - handelt es sich um Flachsrösten. Das legen jedenfalls Analogien aus dem Rheinland - und aus unseren geophysikalischen Prospektionen auf der Stubersheimer Alb - nahe.


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Links
Literaturhinweise
  • M. F. Andre, Depopulation, land-use change and transformation in the French Massif Central. Ambio 27, 4, 1998, 351–353.
  • L. Fau, Approche méthodologique de l'étude du peuplement montagnard médiéval: l'exemple des plateaux d'Aubrac et du Cézallier dans le Massif Central. In: S. Tzortzis/X. Delestre/J. Greck (Hrsg.), Archéologie de la montagne européenne. Actes de la table ronde internationale de Gap, 29 septembre - 1er octobre 2008 (Paris; Aix-en-Provence 2010) 67–73.
  • F. Surmely/Y. Miras/P. Guenet u. a., Occupation and land-use history of a medium mountain from the Mid-Holocene: A multidisciplinary study performed in the South Cantal (French Massif Central). Comptes Rendus Palevol 8, 8, 2009, 737–748.
     
Nachtrag (10.9.2014): Bei Google Maps wurden die Bilder zwischenzeitlich erneuert. Bessere Sichtbarkeit findet sich bei den historischen Luftbildern in google Maps sowie dem aktuellen bei Bing verwendeten Kartenmaterial.

    Montag, 10. September 2012

    Eine unbefestigte Fernstraße

    Das Spurenfeld einer unbefestigten Fernstraße zwischen Rolde und Gasteren in den Niederlanden


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    Lit.: D. Denecke, Methoden und Ergebnisse der historisch-geographischen und archäologischen Untersuchung und Rekonstruktion mittelalterlicher Verkehrswege. In: H. Jankuhn/R. Wenskus (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und Archäologie. Untersuchungen zur Siedlungs-, Wirtschafts- und Kirchengeschichte. Vorträge und Forschungen 22 (Sigmaringen 1979) 433–483. - Abb. 6


    Änderungsvermerk:
    22.11.2019 Google-Maps-Einbettung erneuert

    Montag, 3. September 2012

    Eine fossile Kulturlandschaft in den Anden

    Die Auswertung von Google-Luftbildern spielt für die fossilen Feldsysteme der Anden inzwischen eine wichtige Rolle. Das Potential der Luftbildarchäologie war hier schon lange erkannt worden, aber die leichte Zugänglichkeit der Daten hat die Forschungen enorm vorangetrieben.

    Dabei sind sehr unterschiedliche Formen von Feldsystemen und anderen Erdwerken zu erkennen.

    Raised Fields
    Bei den raised fields handelt es sich um eine Flurform aus Hochbeeten und dazwischen liegenden Kanälen, die insbesondere in Überschwemmungszonen vorkommt. Ihr Vorkommen in heute ariden Zonen des Anden-Hochlandes ist ein Hinweis auf einen regionalen Klimawandel.
    Verbreitet sind sie in unterschiedlichen Landschaften, von den Überschwemmungsebenen auf Meereshöhe bis ins Anden-Hochland. Obwohl die Befunde am Titicaca-See in einer Höhe von über 3810 m liegen, weisen sie eine größe Ähnlichkeit zu den Befunden am Rio Chepo in Panama auf, deren Publikation wir gerade vorbereiten (vergl. hier auf Archaeologik).

    Bisweilen sind es sehr ausgedehnte Landschaften, die durch solche raised fields geprägt werden, bisweilen sind es nur kleine Areale. In den Anden sind sie in der Regel als Streifen angelegt (im Gegensatz etwa zu den Befunden aus Guyana an der Atlantikküste - s. Altfluren an der Abschußrampe).
    Die streifigen raised fields werden in Südamerika als canellones oder waru-waru bezeichnet.

    Altflurrelikte Lateinamerika


    Größere Kartenansicht


    Größere Kartenansicht - unterschiedliche Feldkomplexe scheinen sich hier zu überlagern

    Im Rahmen von Projekten der Rehabilitación wurden seit Ende der 1980er Jahre verschiedentlich wieder raised fields angelegt - und teilweise von Entwicklungshilfeorganisationen als traditionelle Landwirtschaft gefördert. Tatsächlich scheinen die Feldsysteme am Ende der Tiahuanaco-Periode, gegen Ende des 12. Jahrhunderts aufgegeben worden zu sein, ohne dass eine Tradition bis heute besteht. Die moderne Bewirtschaftung basiert auf Ergebnissen experimenteller Archäologie.


    Größere Kartenansicht



    Terrassen und Blockwälle
    Berühmt sind die Terrassen in den Anden. Sie sind eine Erscheinung der Hänge und nutzen andere landschaftliche Rahmenbedingungen aus als die auf die Ebene beschränkten raised fields. Sie liegen aber am Titicacasee oft unmittelbar benachbart zueinander.


    Größere Kartenansicht - in der Ecke oben rechts am Seeufer raised fields, auf dem Berg unterschiedliche terrassierte Felder

    Die ausgedehnten Felder zeugen von einer ehedem dicht besiedelten Landschaft - auch wenn sie nicht gleichzeitig sind. Ihre Aufgabe hat offenbar nichts mit den Einbrüchen der präkolumbischen Bevölkerung zur Zeit der Conquista zu tun, sondern datiert wahrscheinlich bereits wesentlich früher.


    Landnutzungsstrategien der Neuen Welt
    Terrassen und raised fields sind nur die markantesten Ackerbauformen der Neuen Welt. Anders als die Felder in der Alten Welt waren sie nicht auf den Einsatz von Pflug und eine Beweidung während der Brachezeiten ausgelegt, da es Haustiere von entsprechender Größe nicht gab. Die einzige Ausnahme davon findet sich allerdings gerade in den Anden. Das Lama war hier nicht nur als Lieferant von Wolle hoch geschätzt, sondern auch wegen seines Dungs (siehe Archaeologik).
    Gerade in der Versorgung mit Nährstoffen liegt wohl einer der Hauptaspekte der raised fields. Durch die Kanäle wurden Flussedimente in direkter Nachbarschaft der Beete abgelagert, so dass man sie einfach hochschaufeln konnte. Daneben verbesserten die raised fields aber auch das Mikro-Klima und verbesserten die Feuchtigkeitsbedingungen. Welcher Aspekt im Vordergrund stand, hängt unmittelbar vom jeweiligen Standort ab. In den Anden trugen sie zur Verkürzung der Frostperiode bei und verlängerten die Vegetationsphase, anderswo milderten sie die Auswirkungen der Trockenzeit.

    Literaturhinweis

    • W. M. Denevan, Cultivated landscapes of native Amazonia and the Andes. Oxford geographical and environmental studies (Oxford 2001).

    interne Links

    Donnerstag, 26. Juli 2012

    Römer und Barbaren - Siedlungsfunde aus Heuchlingen

    Bei der Aufnahme der Sammlung Kley fiel ein kleiner Fundbestand frühalamannischer Keramik aus Heuchlingen (Gde. Gerstetten, Lkr. Heidenheim) ins Auge. Anfang der 1970er Jahre konnte Kley in einer Pflugfurche die Reste einer völkerwanderungszeitlichen Grube dokumentieren. Neben einem möglicherweise erst ins 5. Jahrhundert zu datierenden schräg gerieften Gefäß (5) und einem ebenso späten stempelverzierten Stück liegen zahlreiche Scherben grober handgemachter Keramik vor, von der zahlreiche Scherben eine flächendeckende Fingertupfenverzierung aufweisen (1-2). Diese Verzierungsart ist in Südwestdeutschland eher ungewöhnlich und tritt etwa in der frühalamannischen Siedlung im ehemaligen Kastell Heidenheim nur in geringer Zahl auf. Sie weist auf „rhein-wesergermanische“ Beziehungen, wo entsprechende Keramik schon in kaiserzeitlichen Kontexten auftritt. Das Heuchlinger Fundspektrum umfasst allerdings auch typische "elbgermanische" feine graue handgemachte Ware (3-4) und etwas Grobkeramik.
    Zellenabstand und Zelleninnenabstand in Tabellen
    1

    2

    3
    4


    5
    Keramikfunde aus Heuchlingen
    (Slg. A. Kley, Fotos R. Schreg)

    Kley hat in seinen Skizzen die Lage der Grube festgehalten, wenn auch die damalige Einmessung nicht mehr exakt nachzuvollziehen ist. Außerdem geht aus seinen Aufzeichnungen hervor, dass im angrenzenden Gelände zahlreiche römische Keramik lag. Damit stellt sich die Frage, in welcher Lagebeziehung die spätantiken/ völkerwanderungszeitlichen Funde zu den römischen stehen.

    Schon seit langem wird die Kontinuität der Siedlungsstrukturen über das Ende der Limeszeit hinaus diskutiert. Zumeist wird dabei daran gedacht, dass sich die landnehmenden Alamannen neben die alten Gutshöfe gesetzt hätten. Inzwischen gibt es aber auch Überlegungen, ob die alamannische Bevölkerung nicht gezielt von römischer Seite auf einzelne Gutshöfe eingewiesen worden sind. Die genannte Fundstelle in Heuchlingen dürfte für diese Frage nicht uninteressant sein, könnte die 'rhein-weser-germanische' Keramik doch teilweise noch ins 3. Jahrhundert datieren.


    Befliegungen rund um Heuchlingen
    Im Zusammenhang mit den Arbeiten auf der Stubersheimer Alb und - früher schon - zum Geislinger Talkessel ergab sich mehrfach die Gelegenheit zu luftbildarchäologischen Flügen. 2005 wurde somit auch Heuchlingen angesteuert, um etwas mehr Klarheit über die topographische Relation der 'barbarischen' und der römischen Fundstelle zu erhalten.

    Heuchlingen: römische Villa. Der rot markierte Bereich gibt
    den Bereich an, in dem nach den Unterlagen von Kley die
    Grube mit der völkerwanderungszeitlichen Keramik
    lokalisiert werden muss.
    (Luftbild R. Schreg 2005)
    Tatsächlich zeigte sich im Luftbild der deutliche Grundriss einer römischen Villa rustica samt ihrer Umfassungsmauer. Damit wurde deutlich, dass die Grube mit der spätantiken/ völkerwanderungszeitlichen Keramik knapp außerhalb des Villengeländes lag.

    Heuchlingen (Luftbild R. Schreg 2005)

    Interessanterweise wurde jedoch auch nur wenige hundert Meter von der genannten Fundstelle bei Heuchlingen entfernt eine zweite Villa im Luftbild erfasst, von der noch keine Funde aktenkundig waren. Als Resonanz auf eine erste Publikation der Luftbilder im Heidenheimer Jahrbuch ging jedoch der Hinweis ein, dass bereits früher dort römische Funde gemacht worden sind. Entsprechende Informationen gingen daraufhin auch an die Bodendenkmalpflege. 2011 war es für die Kollegen notwendig, Teile dieses Gutshofes in einer Rettungsgrabung zu untersuchen. Der Steinbauphase ging hier offenbar eine Holzphase voraus.

    Die Heuchlinger Befunde fügen sich ein in ein Bild der römischen Besiedlung auf der östlichen Schwäbischen Alb, das in den vergangenen Jahren schärfere Konturen angenommen hat. Mehrfach sind hier kleine römische Villen erfasst worden: In Flur Fürsamen bei Heidenheim wurde ein Gehöft ergraben, bei dem gerade mal der Keller gemauert war. Ähnliches zeigen die Grabungen entlang der Autobahn A8 und die geophysikalischen Prospektionen auf der Stubersheimer Alb. Dort war schon 1997 bei den angesprochenen Befliegungen bei Bräunisheim der Grundriß eines römischen Gebäudes erfasst und anschließend geomagnetisch prospektiert worden. Ich habe das Gebäude als Hinweis auf kleine römische Gutshöfe verstanden, doch hat sich nun bei großflächigem Bodenradareinsatz gezeigt, dass es sich lediglich um das Nebengebäude einer Villa rustica handelte (s. Archaeologik). Das Hauptgebäude lag nicht weit entfernt, wurde aber schon früher bei Baumaßnahmen weitgehend zerstört. Aus älteren Aufsammlungen vor der Flurbereinigung der 1970er Jahre liegen von Oberflächenfunde römischer Keramik vor; neue Begehungen erbrachten nur noch unbestimmbare kleinste Scherbchen.
    Weitere römische Anlagen wurden auf der Stubersheimer Alb im vorigen Jahr bei großflächigen Prospektionen dokumentiert (s. Archaeologik).

    Völkerwanderungszeitliche Siedlungen
    Heuchlingen.
    Grabung des
    Landesamts für Denkmalpflege 2011
    (Foto R. Schreg)
    Die östliche Schwäbische Alb ist seit langem eine bedeutende Fundlandschaft für die Völkerwanderungszeit. Grabfunde sind vergleichsweise selten, aber Siedlungsfunde liegen aus Sontheim an der Brenz, aus Nattheim, aus Heidenheim-Schnaitheim und aus dem Kastell Heidenheim vor. Weiter westlich liegen Fundstellen bei Essingen, und Urspring sowie in Geislingen an der Steige. Hinzu kommen einige Funde aus der Sammlung Kley aus Treffelhausen, Schalkstetten und Stubersheim (s. Archaeologik).

    Immer wieder ist hier eine Nachbarschaft zu römischen Ansiedlungen zu erkennen, am deutlichsten in Heidenheim, wo innerhalb der alten Kastellmauern eine völkerwanderungszeitliche Siedlung mit großen Pfostenbauten nachgewiesen werden konnte.



    Heidenheim, Barbaren im Kastell: völkerwanderungszeitliche Langhäuser
    (Graphik R. Schreg nach Planunterlagen von M. Scholz)
    Um inhaltlich voran zu kommen, müssen die offenen chronologischen Fragen - vor- und nach dem Limesfall - geklärt werden. Das wird allein mit Lesefunden nicht gelingen, sondern setzt exakte Befundbeobachtungen voraus. Und es wird wichtig sein, die "barbarischen" Bauaktivitäten zu identifizieren. Die Fundstelle in Heuchlingen bietet hier eventuell einen vielversprechenden Ansatz - eine geophysikalische Prospektion wäre ein erster strategischer Schritt dazu. Wildes Absammeln ohne genaue Einzelfundeinmessung sollte (auch im Pflughorizont) unterbleiben!


    Literaturhinweis
    • R. Schreg: Luftbildarchäologie zwischen Heidenheim, Urspring und Langenau. Römische Gutshöfe bei Heuchlingen und Bräunisheim. Heidenheimer Jahrbuch 12, 2007/08, 106-118
    • A. Neth, Eine villa rustica in Holz und Stein bei Heuchlingen. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2011, 164-167.
    • R. Schreg, Die Erschließung der Siedlungslandschaft. In: D. Ade/B. Rüth/A. Zekorn (Hrsg.), Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau. Begleitbuch zur Wanderausstellung (Stuttgart 2008) 56–61. 
    • S. Spors-Gröger, Die ersten Alamannen. In: A. Gut (Hrsg.), Die Alamannen auf der Ostalb. Frühe Siedler im Raum zwischen Lauchheim und Niederstotzingen. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 60 (Esslingen 2010) 40–55.
    • M. Scholz, Eine römische Villa rustica und völkerwanderungszeitliche Bauernhäuser bei Heidenheim-Schnaitheim. Vorbericht der Ausgrabungen 2002 und 2004 im Gewann "Fürsamen". Jahrb. Heimat- u. Altver. Heidenheim 11, 2005/2006, 64–94.
    • M. Scholz, Die spätantike Besiedlung der östlichen Schwäbischen Alb. In: J. Biel/J. Heiligmann/D. Krauße (Hrsg.), Landesarchäologie. Festschrift für Dieter Planck zum 65. Geburtstag. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 100 (Stuttgart 2009) 469–501.
    interner Link
      Dank
      an Dieter Schwell, den Piloten und Siegfried Kastler für den Hinweis auf frühere Funde in Heuchlingen

      Samstag, 30. Juni 2012

      Eine frühmittelalterliche (?) Siedlung in Burgund

      Bei Genlis (dép. Côte-d'Or) in Burgund wurde beim Autobahnbau 1991 in der Flur Le Joannot eine Fläche von 3,2 ha ausgegraben. Erfasst wurde der Ausschnitt einer Siedlung vom Ende des 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts mit 29 Grubenhäusern und zahlreichen Pfostenbauten.
      Im Google-Luftbild zeichnen sich südwestlich der Grabung weitere Gruben und Gräbchen ab. Sichtbar sind die Befunde nur auf einer kleinen, hellbraun erscheinenden Fläche mit offenbar trockenerem, kiesigem Untergrund zwischen mehreren Altläufen eines Bachs. Durch das Bild verläuft von Südosten nach Nordwesten die Trasse einer alten Straße (oder einer jüngeren Leitung), zu der mit einem Abstand von 58 m im Siedlungsareal ein kleines rund 100 m langes Gräbchen parallel läuft.

      Aus dem Luftbild heraus lassen sich die Siedlungsspuren nicht datieren und ich weiß auch nicht, ob möglicherweise datierende Lesefunde vorliegen. Denkbar wäre, dass die Spuren zur ergrabenen Siedlung gehörten, die möglicherweise kleinräumig verlagert wurde.

      Literaturhinweis
      • I. Cattedu, L'habitat rural merovingien de Genlis. Rev. Arch. Est et Centre-Est 44, 1993, 39-38.
      • I. Cattedu, L'habitat mérovingien de Genlis (Côte-d'Or). In: C. Lorren/P. Périn (Hrsg.), L'habitat rural du Haut Moyen Age (France, Pays-Bas, Danemark et Grande-Bretagne). Actes des XIVe Journées internationales d'Archéologie mérovingienne. Guiry-en-Vexin et Paris 1993. Mém. Ass. Franç. d’Arch. mérovingienne 6 (Rouen 1995) 185–194.
      • É. Peytremann, Archéologie de l'habitat rural dans le nord de la France du IVe au XIIe siècle. Mém. Ass. Franç. d’Arch. mérovingienne 13 (Saint-Germain-en-Laye 2003).

      Freitag, 18. November 2011

      Blockfluren bei Si' in Syrien

      Ein syrisch-französisches Projekt hat bei Si' südlich Qanawat in Syrien Altfluren kartiert. Es handelt sich um Blockfluren, in deren zentralem Bereich mehrere Siedlungsplätze lokalisiert wurden. Das Luftbild bei Google: (Anmerkung 5.4.2014: Seit kurzem verweisen die eingebetteten GoogleMaps auf das furchtbare neue Google Maps, das Inhalte überdeckt und im vorliegenden Fall nun auch falsche Kartenausschnitte zeigt.)
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      Literaturhinweis

      • J.-P. Vallat/J. Leblanc, Archéologie du paysage et prospections: habitat rural et parcellaires du djebel al-'Arab (Si'/Qulib). In: P. Clauss-Balty/E. Bopp (Hrsg.), Hauran III. L'habitat dans les campagnes de Syrie du Sud aux époques classique et médiévale. Bibliothèque archéologique et historique 181 (Beyrouth 2008) 19–39.

      Sonntag, 13. November 2011

      Altfluren in der Wüste

      Auf der Suche nach Beispielen byzantinischer Landnutzung in verschiedenen Landschaften diesmal wieder Beispiele aus der Wüste. Im südlichen Jordanien nahe der antiken Stadt Petra finden sich mehrfach Altfluren. An den Wadis handelt es sich um Blockwallfluren, im Bergland um Terrassierungen. Am ersten Beispiel im Wadi Faynan haben in den 1990er Jahren Forschungen des British Institute at Amman for Archaeology and History (BIAAH) stattgefunden, die diese Flurrelikte kartiert haben. Geoarchäologische Untersuchungen konnten mehrere Flutsedimente nachweisen und nabatäische, römische und byzantinische Feldnutzung belegen. Die Genese der Feldfluren wie auch ihre Funktionen erwiesen sich als komplex und außerordentlich differenziert.
      Angaben über die Hintergründe der Auflassung der Felder habe ich bisher nicht gefunden.

      Wadi Faynan
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      Wadi westlich Petra

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      Bergland östlich Petra:
       
      Literatur
      • G. W. Barker/R. Adams/O. H. Creighton/D. Crook/D. D. Gilbertson/J. P. Grattan/C. O. Hunt/D. J. Mattingly/S. J. McLaren/H. A. Mohammed/P. Newson/C. Palmer/F. B. Pyatt/T. E. G. Reynolds/R. Tomber, Environment and Land Use in the Wadi Faynan, Southern Jordan: the Third Season of Geoarchaeology and Landscape Archaeology (1998), in: Levant 31, 1999, 255–292, http://www.ingentaconnect.com/content/maney/lev/1999/00000031/00000001/art00014.   
      interne Links

        Änderungsvermerk:
        Luftbilder aktualisiert 28.6.2013

        Das Wirtschaftsland eines byzantinischen Dorfs in Syrien

        Unter den wenigen besser erforschten ländlichen Siedlungen byzantinischer Zeit ragt Sergilla in Nordwestsyrien durch die einzigartige giebelhohe Erhaltung der Steinbauten besonders heraus. Neben der Kirche gehören zum Ort auch ein Versammlungshaus sowie Thermen. Die Siedlung wird zwischen der Mitte des 4. und dem 8. Jahrhundert datiert. Eine nachbyzantinische Phase gehört in die Zeit der Ayyubiden-Dynastie (12./13. Jh.). Bereits seit dem 19. Jahrhundert hat sie die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen. Die kunsthistorisch orientierte Archäologie hat zahlreiche Publikationen zur Architektur der Kirche und der öffentlichen Gebäude vorgelegt.
        Sergilla
        (Foto: Bernard gagnon [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

        Die Ortslage: Größere Kartenansicht

        Ein Ausschnitt aus den Altfluren der Weidewirtschaft:
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        Bei genauerer Betrachtung der Luftbilder wird deutlich, dass sich hier unterschiedlich alte Strukturen überlagern. Da einige der alten Wege auf Segilla ausgerichtet sind und sich auch dort unmittelbar auf die ruinösen Gebäude bezogene Steinriegel- und Trockenmauern finden (die im archäologischen Plan aber nicht verzeichnet sind), ist zumindest anzunehmen, dass unter den Altflurrelikten auch solche der frühbyzantinischen Zeit vertreten sind. Die Flur dürfte v.a. auf Viehwirtschaft zurückzuführen sein, wie kleine Einhegungen und die durch Steinriegel eingefassten Viehtriebe verraten. Diese Feldstrukturen befinden sich auf den wasserarmen Höhenrücken, während sich die Felder zumindest heute auf die schmalen Täler beschränken. Große Pressen für Wein- und Öl im Dorf belegen, dass diese für die Wirtschaft in byzantinischer Zeit eine wichtige Rolle spielten.

        Überlagerung unterschiedlich alter Strukturen:

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        Eine genauere GIS-basierte Analyse der Luftbilder ist in Vorbereitung.

        Literatur
        • P. L. Gatier, Les villages du Proche-Orient protobyzantin: nouvelles perspectives (1994-2004). In: C. Morrisson, J.-P. Sodini (Hrsg.), Les villages dans l'Empire byzantin (Paris 2005) 101-119. 

        Interner Link
        Bearbeitungsvermerk (18.7.2015): Bild ausgetauscht

          Donnerstag, 20. Oktober 2011

          Kulturlandschaft an der Adria

          Auf der Insel Hvar in der Adria (Kroatien) spiegelt die Flureinteilung in der Ebene zwischen Stari Gard und Vrbroska eine antike Landvermessung wieder. Luftbilder lassen die regelmäßige Anlage der Straßen und Felder noch heute erkennen.


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          Im benachbarten Karstbergland zeigen die Luftbilder eine andere Kulturlandschaft. Lesesteinriegel und Lesesteinhaufen, teils verbunden mit Terrassierungen gliedern die steinige Landschaft: Sie dienen dazu, Felder zu schaffen, die mit einem Pflug bewirtschaftet werden können, sollen aber andererseits Bodenerosion und einen schnellen Wasserabfluss verhindern. Teil der Landschaft sind sogenannte Trims, aus Lesesteinen errichtete Feldhütten, oft mit falschen Gewölben gebaut (ähnlich der Bories in Südfrankreich oder der trulli in Süditalien). Solche Landschaften sind das Produkt einer jahrtausendelangen Geschichte - erste Terrassierungen sind im Mittelmeerraum bis auf das Neolithikum zurückverfolgen. Heute sind sie auf großer Fläche wüst gefallen.


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          Bislang kenne ich keine Arbeit, die näheres über Alter und Organisation dieser Fluren verrät. Wahrscheinlich sind sie im Kontext der Wüstungserscheinungen der mediterranen Bergländer zu sehen, die John R. McNeill für die Neuzeit herausgearbeitet hat. Er verweist auf den starken Einfluß neuzeitlicher Übernutzung auf die mediterranen Wälder, die weit mehr als antiker und venezianischer Holzbedarf zur Degradation mediterraner Wälder beigetragen habe. - Mein Interesse gilt derzeit mehr der Entstehung dieser Flursysteme, scheinen die Relikte in den Bergen bei Hvar den Befunden unserer Surveys auf der Krim sehr gut vergleichbar. Dort konnte eine lange Genese dieser Flursysteme seit der Bronzezeit belegt werden.

          Literaturhinweise


          Änderungsvermerk (13.7.2013)

          Kartenausschnitte ausgetauscht, Google Street View ergänzt

          Samstag, 17. September 2011

          Landnutzung in der Wüste

          Zwischen den Weltkriegen und vor allem nach dem Holocaust ließen sich viele Juden in Palästina nieder - und kamen in eine ihnen völlig fremde Umwelt. Insbesondere die Negev-Wüste bildete für die Siedler - die zumeist wenig landwirtschaftliche Erfahrungen (und schon gar nicht unter solchen Extrembedingungen) mitbrachten - eine Herausforderung: Extreme Trockenheit bei wenigen Starkregenereignissen stellte besondere Anforderungen an das Wassermanagement. Es galt, den Wasserabfluß so zu verlangsamen, dass es nicht zur Erosion der kostbaren Ackerflächen kam, das Wasser zu speichern und die Verdunstung zu reduzieren.

          Dabei fiel der Blick auf ältere Landnutzungsspuren:
          Vor allem  im Umfeld der berühmten Wüstenstädte wie Shifta oder Avdat haben sich umfangreiche Geländerelikte erhalten, die eine intensive Nutzung belegen. Die Altflurrelikte bestehen aus Steinriegeln und großflächig verteilten Steinhaufen, meist auf den Talflanken gelegen. Diese Flurelemente konnten den Wasserabfluss nach Starkregen bremsen und gezielt in die Täler leiten, wo sich die eigentlichen Felder und Gärten befinden. Durch die lockeren Steinpackungen wird die Sonneneinstrahlung reduziert und die Verdunstung verringert.
          Diese Anlagen sind nahe von Shifta im Luftbild gut zu erkennen (wieder bei bing, da die Bilder bei GoogleMaps hier einen geringeren Kontrast aufweisen). Sie datieren wohl von vorgeschichtlicher bis in byzantinische oder gar frühislamische Zeit.


          Die Befunde der Negev-Wüste sind aus mehreren Gründen interessant:
          1. ist dies ein weiteres Beispiel für eine "applied archaeology".  In den 1950er Jahren begann eine Erforschung dieser Anlagen nicht zuletzt mit dem Ziel,  daraus für die Anlage neuer Landwirtschaftsbetriebe zu lernen.
          2. sind die Landnutzungsstrategien die entscheidende Grundlage für die Interaktion von Mensch und Umwelt und damit auch zum Verständnis der Auswirkung von Extremwetterereignissen, Trocken- und Regenperioden, Warm- und Kaltzeiten.
          3. sind Steinriegel und -steinhaufen in vielen Landschaften anzutreffen. Vielfach bleiben die üblichen Interpretationen als Lesesteinhaufen oder -riegel unbefriedigend. Das Beispiel der Negev zeigt - in einer landschaftlichen Extremsituation - die Bedeutung solcher Strukturen für das Boden- und Wassermanagement. Insofern sind die Beobachtungen in der Negev-Wüste auch wichtig für das Verständnis der vor allem im byzantinischen Mittelalter geprägten fossilen Kulturlandschaft im Bergland der südwestlichen Krim, die in den vergangenen Jahren in einem Projekt des RGZM erforscht worden sind und deren Publikation derzeit vorbereitet wird.

          Literaturhinweis
          • M. Evenari/ L. Shanan/ N. Tadmor, The Negev. The callenge of a desert (Cambridge Mass. 1971).
          Link

          Freitag, 22. Juli 2011

          Wüstenstädte im Negev und ihr Umland

          Die antike Stadt Elusa/ Khalasa in der Negev-Wüste im Süden Israels ist bisher kaum erforscht. Luftbilder bei Google zeigen die Lage der Stadt und zahlreiche auffallende Geländedenkmäler im Umland.


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          antike/ byzantinische Stadt Elusa

          Elusa - Grundsicht
          (Foto: Seth J. Frantzman [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)



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          Befestigungen und Einhegungen westlich Elusa



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          Befestigung nordwestlich Elusa


          Ohne tiefergehende Kenntnisse der regionalen Archäologie ist mir die Bedeutung der Befunde im einzelnen nicht klar. Bei einigen der Anlagen ist aufgrund eindeutiger fortifikatorischer Elemente wie Bastionen, besonderen Toranlagen und Grabensysteme eine militärische Funktion zu erschließen, bei anderen möchte man aber eher an Einhegungen fürs Vieh denken.


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          Geländemarken im Bergland nördlich Elusa, möglicherweise moderne militärische Stellungen

          Mittwoch, 22. Juni 2011

          Altfluren in Lothringen

          Die Luftbilder in Google Maps lassen in Lothringen weiträumig alte Flursysteme erkennen.


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          bei Bassing, dép. Moselle


          Ohne nähere Recherche kann ich nicht beurteilen, wie alt diese Flursysteme sind. Es scheint sich jedoch um Blockfluren zu handeln, die nach gängiger Auffassung den Langstreifenfluren voraus gehen. Die Hell-Dunkel-Kontraste spiegeln wohl Erosions- und Sedimentationsbereiche wieder. Hier würde mich der Abgleich mit Laserscan-Geländemodell und historischen Karten interessieren. Außer der Frage der Datierung stellt sich auch die Frage, welche Auswirkung die Entstehung dieser Strukturen auf die Ackererträge hatte.
          Inzwischen liegen aus diesem Bereich auch archäologische Grabungsergebnisse vor, da eine neue TGV-Trasse dieses Gebiet quert (Kurzinformation von INRAP über die Grabungen im Sommer 2010). Im Grabungsausschnitt wurden neben einem latènezeitlichen Hof (in Südwestdeutschland würde man wohl sagen: einer Viereckschanze) und römischer Villenbebauung auch merowingerzeitliche Siedlungsreste und alte Parzellengrenzen erfasst.

          Referenz

          Dienstag, 19. Oktober 2010

          Altfluren in Panama

          Ich habe schon wieder Altfluren gefunden. Dieses Mal in Panama.
          Raised fields,
          possibly of pre-Columbian times
          at the Pacific coast east of Panama City
          (R. Schreg)
          Die Überlegungen zur "Archäonik" hatten mich mit den Altfluren im Amazonasgebiet (Franz. Guyana, Brasilien, Bolivien) und in den Anden konfrontiert und so die Frage aufgeworfen, ob es so etwas nicht auch in Panama gäbe. In der Literatur finden sich keine Hinweise. Nur über einen Bericht im Kontext der schottischen Kolonie Caledonia an der panamaischen Karibikküste bin ich gestolpert. Hier wurde 1699 beschrieben, dass die Einheimischen "plant their Mari, a kind of Corn something like wheat, upon little hillocks, at a little distance one from another." Diese Beschreibung trifft gerade auf die raised fields zu, die in vielen Regionen Amerikas anzutreffen sind - in Yucatan, ebenso wie am Amazonas und in den Anden.
          Nun habe ich eben die wenigen hoch auflösenden Bilder aus Panama durchgesehen, die in GoogleMaps verfügbar sind und voilà: raised fields - nicht an der Karibikküste, sondern in einiger Entfernung östlich von Panama City an der Pazifikküste.




          (facebook)