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Samstag, 15. August 2020

Syphilis Bakterium Update

Eine neue archäogenetische Studie zur Syphilis stellt die Theorie des amerikanischen Ursprungs der Krankheit in Frage.
  • K. Majander et al., Ancient Bacterial Genomes Reveal a High Diversity of Treponema  pallidum Strains in Early Modern Europe, Current Biology (2020), - https://doi.org/10.1016/j.cub.2020.07.05


Die Untersuchung an Proben aus den Niederlanden, Finnland und Estland weißt bereits für die frühe Neuzeit eine Vielzahl von Varianten des Erregers, des Bakterium Treponema pallidum nach. Außerdem wurde die Frambösie und ein bislang unbekannter verwandter weiterer Erreger nachgewiesen.

Es ist wichtig festzuhalten, dass dies noch kein Beweis für einen Ursprung der Syphilis in der Alten Welt bzw. in Europa ist. Die schriftlichen Quellen berichten relativ klar von den ersten Infektionen nach der Rückkehr von Kolumbus. Zuletztt ging die Forschung eher in die andere Richtung, indem sie die frühen Nachrichten über Syphilis der verwandten Krankheut der Frambösie zuschrieben. Vorliegende Studie folgt leider nicht einem konsequenten Forschungsdesign, um diese Frage systematisch zu klären. Notwendig wäre es, Bestattungen aus der ersten Syphilisepidemie nach Kolumbus Rückkehr zu beproben, die postulierten präkolumbischen Belege der Syphilis aus der Neuen Welt zu analysieren und die prä-kolumbischen Verdachtsfälle aus St. Pölten zu prüfen. Somit liefert die Studie zwar neue Daten, die den Stammbaum der Syphilis-Erreger genauer beleuchtet, sie trägt aber wenig zu dem Thema bei, das die Medienberichte (und auch schon die Pressemitteilung der Universität Zürich) in den Mittelpunkt stellen.


Fundorte und Stammbaum der Erreger nach Majander 2020 (CC BY-NC-ND 4.0)


Presseberichte:
Medienmitteilung der Universität Zürich vom 13.8.2020

Interne Links



  • Viren
    (biology pop [CC BY SA 4.0]
    via WikimediaCommons)


  • Sonntag, 29. Januar 2017

    Panama Papers: Zeugen der Globalisierung im 17. Jahrhundert

    Schriftliche Dokumente aus Panama zeigen: Auch ohne Briefkästen kommt Panama in den internationalen Handelsbeziehungen eine Schlüsselrolle zu. Die "Panama Papers", um die es dabei geht, sind aber nicht neu, sie wurden nicht geleakt, sondern sind Gegenstand eines internationalen Forschungsprojektes "Artery of Empire", das die komplexen Verflechtungen der frühen Globalisierung aufzudecken versucht.

    Der Isthmus von Panama trennt und verbindet zugleich Atlantik und Pazifik und war daher eine strategische Drehscheibe im spanischen Kolonialreich. Panama la Vieja liegt an der Pazifikküste dieser Passage, am Rand der modernen Großstadt und UNESCO-Weltkulturerbe. Hier liefen Einflüße aus Europa, den Amerikas, Afrika und Asien zusammen. Die Interessen von Spaniern, Italienern, Portugiesen, Briten, Niederländern und Franzosen trafen hier zusammen; afrikanische Sklaven und Handelsgüter aus Asien haben deutliche materielle Spuren hinterlassen. Panama spiegelt die frühe Globalisierung, die durch ungleiche kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen gekennzeichnet wurde.

    Die kathedrale von Panama la Vieja
    (Foto: R. Schreg)
    2001-2006 hatte ich die Gelegenheit dort archäologisch zu arbeiten. In einem DFG-finanzierten, an der Universität Tübingen angesiedelten Projekt hatten wir Gelegenheit der Frage nachzugehen, wie sich die Conquistadoren und überhaupt die Einwohner der Stadt Panama la Vieja an die neuen Gegebenheiten angepasst haben. Die inzwischen publizierten Forschungsergebnisse unseres Projektes wurden nun in dem neuen Projekt der ARTery of Empire aufgegriffen und mit neuen Forschungen fortgeführt. Im Rahmen des Tübinger Projektes hatte Corina Knipper erste Proben für Isotopenuntersuchungen genommen, die nun zu größeren Serien ausgebaut werden können. Sie leitet die Arbeitsgruppe am Curt-Engelhorn Zentrum für Archäometrie (CEZA)  in Mannheim, das als deutscher Projektpartner die Isotopenuntersuchungen durchführt. Aufgrund der alten Tübinger Projekterfahrungen wurde ich eingeladen, dem neuen Projekt als Mitglied des "Beratergremums" zur Seite zu stehen.


    Leiterin des neuen Projektes ist Bethany Aram, Historkerin an der Universität Sevilla. Sie hat mit Hilfe eines ERC-Grants ein Team zusammengestellt, das Historiker, Archäologen, Anthropologen und Genetiker umfasst. Mit den unterschiedlichen Methoden dieser Disziplinen geht es darum die komplexen Strukturen der frühen Globalisierung aufzudecken und die kulturellen und biologischen Auswirkungen der frühen Globalisierung  im 16. und 17. Jahrhundert zu erfassen. Wie agierten die verschiedenen Gruppen in dieser Situation - eingeborene Stämme, verschleppte afrikanische Sklaven, europäische Conquistadoren? Welche Rolle spielten entlaufene Sklaven, euopäische Korsaren, asiatische Händler? Wie passte man sich an die veränderten Lebensbedingungen an? Welche Rolle spielte lokale Produktion, welche Bedeutung kam Importen zu?


    Blick über Panama la Vieja
    (Foto: R. Schreg)


    Der interdisziplinäre Blick hilft die Euro- bzw. Spanien-zentrische Perspektive zu überwinden, die die Forschung bislang dominiert. Der Blick auf die sozialen Unterschichten und die einheimische Bevölkerung spielte bislang eine eher untergeordnete Rolle. Das 17. Jahrhundert wurde als eine Krisenzeit betrachtet, die sich aber nur aus der Sicht Spaniens so ergibt, das immer weniger Profit aus ihren Besitzungen in der Neuen Welt schlagen konnte. Für viele Menschen in Panama ergaben sich hingegen neue Chancen.

    handgemachte Keramik aus Panama
    (Patronato Panama Viejo, Foto: R. Schreg)
    Testamente von Spaniern, die in Panama verstorben sind, haben sich in verschiedenen Archiven weltweit erhalten und liefern Biographien von Angehörigen der spanischen Oberschicht. Detaillierten Auflistungen ihrer Nachlässe geben Einblicke in ihre Haushaltsausstattung und Lebensbedingungen. Die Unterschichten sind eher mit archäologischen und archäometrischen Methoden zu erfassen. Die Untersuchung von Gräbern von verschiedenen Bestattungsplätzen in der Stadt liefert mit DNA- und Isotopenuntersuchungen ebenfalls Rückschlüsse auf Biographien und Lebensbedingungen.  Die Informationen, die man aus diesen Daten gewinnen kann, sind weniger detailliert, liefern aber ein wichtiges Korrektiv zu den schriftlichen Quellen, da sie prinzipiell auch die Menschen zeigen können, die nichts zu vererben hatten oder bei denen die Erbschaftsangelegenheiten vor Ort geregelt wurden.

    Knochen, Zähne und archäologische Funde aus Panama ermöglichen neue Einblicke in die kulturellen und biologischen Auswirkungen der frühen Globalisierung. Sie zeigen in der interdisziplinären Erforschung die verschiedenen Überlebensstrategien, wie möglicherweise einer Anpassung der Ernährungsgewohneiten und der Verdienstmöglichkeiten. Im Lauf der Zeit gewannen lokale Produkte, wie auch die Handelsverbindungen nach Asien gegenüber den Kontakten nach Spanien an Bedeutung. Diese Verschiebungen lassen sich theoretisch anhand von Isotopenstudien nachvollziehen. Systematische Probenserien können so Aufschluß über die Dynamik der Globalisierung liefern.

    Links

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    Literaturhinweis

    • B. Scholkmann/ R. Schreg/ A. Zeischka (Hrsg.): A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá – German Research on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports. International Series 2742 (Oxford: Archaeopress 2015 )

    Donnerstag, 20. August 2015

    A step to a global world. Abschlusspublikation des Tübinger Panama-Projektes erschienen


    B. Scholkmann/ R. Schreg/ A. Zeischka (Hrsg.)
    A step to a global world. Historical Archaeology in Panamá – German Research on the first Spanish city at the Pacific Ocean. British Archaeological Reports. International Series 2742
    Oxford: Archaeopress 2015

    ISBN 9 781407 314013



    Vom Tübinger Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters ausgehend gab es in den Jahren 2003 bis 2009 mehrere Grabungsprojekte in Panamá la Vieja, überwiegend mit Mitteln der DFG finanziert.
    Stand zunächst das Spital der Stadt im Mittelpunkt der Grabungen, so konzentrierte sich die Feldarbeit im zweiten Projektabschnitt auf ein bis dahin unbekanntes Handelshaus. Es war bei den geophysikalischen Prospektionen durch terrana Geophysik im Rahmen des Projektes entdeckt worden. 

    Jetzt liegt die Abschlußpublikation vor. Sie enthält auf englisch mit deutschen und spanischen Zusammenfassungen verschiedene Aufsätze zu Teilprojekten.
    Die Artikel von Sybil Harding und Hannah Belecki gehen auf Magisterarbeiten zurück, die spezielle Themen bearbeitet hatten. Aline Kottmann hatte über ein eigenes PostDoc-Projekt die Gelegenheit, einige Aspekte bei einem Forschungsaufenthalt in Panama und in Florida zu vertiefen. Ihr Beitrag über die Majolica-Produktion ist ein Ergebnis davon. Die Forschungen im Spital scheinen in zwei Artikeln auf, einmal in einer Skizze der archäologischen Ausgrabungen (I. Martínez/ A. Zeischka-Kenzler) und einmal in einer Neubetrachtung der schriftlichen Quellen zum Spital (I. Martínez).
    Die Leitung des Projektes lag zunächst bei mir und ging nach meinem Wechsel nach Mainz an Annette Zeischka-Kenzler über. Ein gemeinsamer zusammenfassender Artikel fasst das Projekt zusammen und stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.
    Auf Basis des Projektes haben sich mittlerweile allerdings auch Ansatzpunkte zu neuen Forschungen ergeben, so sind Rainer Schreg und Corina Knipper Partner im ERC-Projekt "AnARTery of EMPIRE. Conquest, Commerce, Crisis, Culture and the Panamanian Junction (1513-1671)", das Bethany Aram aus Sevilla ab Januar 2016 bewilligt bekommen hat. Zu nennen sind auch die neuen Forschungen unserer Kollegen aus Panama auf präkolumbischen Feldern, die bei der Vorbereitung für den nun vorliegendem Band entdeckt worden sind - auch wenn sie darin nur randlich Erwähnung finden (siehe aber mehrfach auf Archaeologik).

    Panama la Vieja bietet interessante Einblicke in eine Frühphase unserer modernen Globalisierung. Einige der daraus resultierenden Probleme - Ausbeutung von Mensch und Umwelt, "Kulturkonflikte" und Umweltveränderungen - erkennen wir in der Conquista der frühen Neuzeit wieder.


    Seit den Tagen unserer Feldarbeit haben an der Ruinenstadt starke Veränderungen stattgefunden. Zwar hat man eine Hauptverkehrsstraße aus dem Ruinengelände weg verlegt - doch die neue Route hat ohne ausreichende archäologische Begleitung die Armenviertel der Stadt durchschnitten. Die Umgehungsstraße übers Meer hat die Brandung so verändert, dass sich an der alten Küstenlinie nun ein junger Mangrovenwald ausdehnt.


    Inhaltsverzeichnis

    • Preface

    • The archaeological research project of the University of Tübingen on the ruin site of Panamá la Vieja - Barbara Scholkmann
    • The history of archaeological research on the ruin site of Panamá la Vieja - Sybil Harding
    • Geophysical investigation at Panamá Viejo - Arno Patzelt
       
    • Searching for healing – The research into written sources on the chronological history of the Hospital San Juan de Dios in Panama la Vieja - Ilda Martínez
       
    • The Hospital San Juan de Dios – Results of archaeological research  - Ilda Martínez – Annette Zeischka-Kenzler
       
    • The world in one place – A trading post in Panamá la Vieja in the 17th century - Annette Zeischka-Kenzler
       
    • Reformation, everyday life and half a world between – Did the Council of Trent affect the people of Panamá? - Hannah Elisabeth Belecki
       
    • Early majolica production in the New World – The kilns of Panamá Viejo - Aline Kottmann
       
    • Panamanian Coarse Handmade Earthenware – Cultural traditions and cultural change - Rainer Schreg
       
    • German stoneware in the Spanish colony of Old Panamá - Annette Zeischka-Kenzler – Hans Mommsen – Aline Kottmann
       
    • Domestic animals in Panamá la Vieja – An analysis of bone material from the Convent of Las Monjas de la Concepción and the Hospital San Juan de Dios - Maria Ronniger
      with an appendix: Analysis of the archaeological material of wild animals from the Hospital San Juan de Dios
       
    • A European town in a tropical environment – Cultural adaptation and environmental change in colonial Panamá - Rainer Schreg
       
    • Studies in cultural processes – German historical archaeology at Panamá la Vieja - Rainer Schreg – Annette Zeischka-Kenzler

      List of illustrations


    Interne Links

    Blogposts zu eigenen Forschungen in Panama und zu den präkolumbischen Feldsystemen sowie allgemein zur Archäologie in Panama. 

    Montag, 22. Oktober 2012

    Arguin 1443 - ein portugiesischer Stützpunkt zwischen Sand und Meer

    Um 1442 begannen die portugiesischen Vorstöße entlang der westafrikanischen Küste. Nuno Tristão erreichte 1443 die Insel Arguin, wo 1445 auf Veranlassung von Heinrich dem Seefahrer ein erster Stützpunkt angelegt wurde. Zuvor waren europäische Niederlassungen in nordafrikanischen Städten sowie auf den Kanaren entstanden. Arguin liegt auf einer Insel im heutigen Mauritanien südlich von Capo Blanco. In dieser Region stößt die Sahara direkt an die Atlantikküste, so dass stets ein landwärts gerichteter Wind weht. Für die Schifffahrt war dies eine gefährliche Zone, da das Risiko groß war, in der rund 30 Meilen tiefen Flachwasserzone auf Grund zu laufen (wie z.B. 1810 die Méduse, deren Unglück in zahlreichen Gemälden festgehalten wurde und die vor allem wegen des Kannibalismus auf einem Floß mit Überlebenden berühmt geworden ist). Trotz dieser Schwierigkeit etablierte sich bei Arguin der Handel mit Sklaven, Fellen, Ambra, sowie Straußenfedern und Gummi. Seit dem 17. Jahrhundert kam es zu einem laufenden Wechsel der Kolonialherren: Niederländer, Franzosen, Brandenburger und Engländer. Als 1685 die offenbar vernachlässigte Festung von den Brandenburgern genommen wurde, wurde sie wiederhergestellt und wenige Jahre nach der französischen Eroberung 1721 endgültig geschleift.

    Arguin-Sandbank (Foto: Bruno Monginoux 2010 [CC BY-NC-ND 4.0], via Landscape-Photo.net)

    Von der portugiesischen Festung, beziehungsweise von ihren späteren Ausbauten sind einige Beschreibungen und Karten überliefert.
    Olfert Dappert:
    Umbstaendliche und eigentliche
    Beschreibung von Africa
    (Meurs 1670)
    (Google books) 

    Die Beschreibungen der Insel charakterisieren diese als heiß und kahl, allenfalls ein Busch sei zur Versorgung mit Brennholz vorhanden. Für die Wasserversorgung stand Süßwasser zur Verfügung, das mittels eines Brunnens erschlossen wurde.
    Fort d'Arguin, Johannes Vingboons 1665 (Nationaal Archief [Public domain], via Wikimedia Commons)

    Zur Festung selbst scheint archäologisch bislang wenig bekannt. Luftbilder lassen einige Geländerelikte, unter anderem einen Graben, erkennen sowie ein vorgelagertes Ruinenfeld. Die Überdeckung mit Sand macht es schwierig, Details zu erkennen. 1939 fand jedoch nahe der Festung eine kleinere Grabung statt, die einen Brunnen freigelegt hat.

    Arguin auf einer größeren Karte anzeigen

    bei Bing
    Plan der Festung Arguin, Jean-Baptist Labat 1721.
    (Public Domain, via Wikimedia Commons)

    Mehrere Karten und Darstellungen zeigen eine Eingeborenen-Siedlung vor der Festung. Ansonsten sind Reste der indigenen Siedlung aus zwei Sondagen 1987 und 2000 bekannt, die sich gegenüber zeitgleichen Siedlungen auf dem Festland durch Importfunde auszeichnet, jedoch ansonsten keine kulturellen Einflüsse der Kolonialherren erkennen lässt. Die Siedlung ist mit einem Muschelhaufen verbunden, wie sie für die Küstenregion charakteristisch sind (Descamps/ Vernet 2005).

    Arguin auf einer größeren Karte anzeigen


    Literatur
    Descamps/Vernet 2004
    C. Descamps/R. Vernet, Kjokkenmodding ou sambaqui ? Le site Aramad sur l’île d’Arguin (Mauritanie). In: S. Sanogo/T. Togola (Hrsg.), Proceedings of the 11th Congress of the PanAfrican Association for Prehistory and Related Fields 2001 (Bamako 2004) 141–152. [online]

    Gronenborn 2011
    D. Gronenborn, Die europäische Expansion nach Westafrika. In: D. Gronenborn (Hrsg.), Gold, Sklaven, Elfenbein. Mittelalterliche Reiche im Norden Nigerias / Gold, Slaves, Ivory. Medieval empires in Northern Nigeria). Mosaiksteine 8 (Mainz 2011) 16–25.

    van der Heyden 2001
    U. van der Heyden, Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika. 2. Aufl. (Berlin 2001).

    Monod 1983
    T. Monod, L’île d’Arguin, Mauritanie: essai historique. Série separatas - Centro de Estudos de História e Cartografia Antiga 23 (1983).

    Nixon 2011
    S. Nixon, The rising trade with Africa. In: M. Carver/J. Klápště (Hrsg.), The Archaeology of Medieval Europe Vol. 2: Twelfth to Sixteenth Centuries (Aarhus 2011) 361–369.

    Schreg 2011
    R. Schreg, Zur Afrikarezeption im europäischen Mittelalter / Considerations on Africa in medieval Europe. In: D. Gronenborn (Hrsg.), Gold, Sklaven, Elfenbein. Mittelalterliche Reiche im Norden Nigerias / Gold, Slaves, Ivory. Medieval empires in Northern Nigeria). Mosaiksteine 8 (Mainz 2011) 10–15.

    Vernet 2007
    R. Vernet, Le golfe d'Arguin de la préhistoire à l'histoire : littoral et plaines intérieures (2007) [online bei academia.edu].

    Links


    Änderungsvermerk
    Detailluftbild Arguin ausgetauscht (7.7.2013)
    Ansicht Arguin ausgetauscht (27.1.2018)

    Freitag, 6. Januar 2012

    The Columbian Exchange: Die ersten Meerschweinchen in Europa

    Eine archäozoologische Studie an Tierknochenfunden einer Notgrabung aus Mons in Belgien hat einen der frühesten Nachweise des Meerschweinchens in Europa erbracht.
    Aus dem archäologischen Kontext sowie aus Radiocarbondaten ergibt sich eine Datierung ans Ende des 16./ den Beginn des 17. Jahrhunderts.

    Frühere Studien aus England hatten das Meerschweinchen als ein exotisches Haustier der Oberschicht beschrieben. Die Autoren argumentieren nun, das Meerschweinchen sei auch in niedrigeren sozialen Schichten vertreten gewesen. Die Funde aus Mons (8 Fragmente, möglicherweise von einem einzigen Individuum) stammen aus einer Kellerverfüllung sowie einer benachbarten Latrine, die allerdings zu einem reichen Haushalt gehörten, der sich im archäologischen Fundmaterial unter anderem durch Gläser ‘à la façon de Venise' und bemaltes Fensterglas auszeichnet und sicherlich zur städtischen Mittelschicht zählte.
    C/N-Isotopie zeigt, dass das Tier nicht Mais, sondern europäische C3-Pflanzen (Getreide) gefressen hat, ein Hinweis, dass es nicht direkt aus Amerika importiert wurde.

    Last Supper with Cuy
    Cusco: Abendmalszene mit Meerschweinchen
    (Foto: Katie Bordner [CC BY-NC-ND 2.0] bei flickr)

    Der Fund ist ein kleiner Beitrag zur Erforschung der mit der europäischen Entdeckung Amerikas einsetzenden Globalisierung. Der Austausch von Tieren und Pflanzen veränderte Landschaften und Ökosysteme. Einschneidendere Folgen scheinen diese Prozesse in Amerika gehabt zu haben, wo die gezielte Einfuhr europäischer Gräser und Getreide sowie der klassischen Haustiere durch die Siedler die Landschaften sehr stark veränderten. In Europa hielten sich die Veränderungen eher in Grenzen, da die Importe zunächst nur vereinzelt erfolgten und mit wenigen Ausnahmen, wie der Kartoffel und der Tomate, nicht die wirtschaftliche Bedeutung erlangten. Das Meerschweinchen, das in der Andenregion zu den wichtigsten Fleischlieferanten zählte (und sogar das Osterlamm ersetzen konnte), konnte diesen Status in Europa nicht erlangen.



    Literaturhinweis

    • Fabienne Pigière, Wim Van Neera, Cécile Ansieau, Marceline Denis (2011). New archaeozoological evidence for the introduction of the guinea pig to Europe. Journal of Archaeological Science 39(4), 2012, 1020-1024 - doi:10.1016/j.jas.2011.11.021

    Samstag, 5. November 2011

    Gräber weit im Westen: Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung auf den Azoren

    Monte brasil Azores Terceira
    Monte Brasil auf Terceira
    - eine der Fundstellen vorgeschichtlicher Hypogäen
    (Foto: Francisco ANtunes bei flickr [CC BY 2.0])
    Im Juni 2011 stellte Nuno Ribeiro bei der Associação Portuguesa de Investigação Arqueológica (APIA) die Entdeckung von Hypogäen - aus dem Fels gearbeitete (Grab?)Gruben auf Corvo und Terceira vor.
    Obwohl die Azoren seit der Antike bekannt waren, ging man davon aus, dass die Inseln erst durch die Portugiesen zu Beginn des 15. Jahrhunderts besiedelt wurden.
    Die Datierung der neu entdeckten Befunde ist bislang allerdings unklar, vermutet wird unter Verweis auf ähnliche Anlagen im Mittelmeerraum eine Datierung in das 10. bis 3. Jahrhundert v.Chr.
    Aufgrund der Neuentdeckung wurde angeregt, erstmals eine archäologische Karte für die Azoren zu schaffen.


    Links