Montag, 7. Oktober 2019

Antikenhändler in Afghanistan

Der Beitrag von Margaux Benn und Shahzaib Wahlah zeigt die Situation vor Ort, geht aber nicht auf die Rolle des internationalen Markts und nur nebenbei auf die Schmuggler und Hehler ein. -  Die Menschen, die aus Not ihr Einkommen durch das Absammeln und Ausplündern archäologischer Fundstellen aufbessern, kann ich verstehen. An der Stelle ist das Problem nur zu lösen, indem Friede und wirtschaftliche Gerechtigkeit geschaffen werden. Zugleich muss aber auch der Handel eingedämmt werden, denn erst die Nachfrage im internationalen Handel macht die laufende Zerstörung der Vergangenheit attraktiv.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Undemokratische Staaten imitieren Wissenschaft

Vergleiche:

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Ins Gefängnis! - Für den Einsatz für Kulturgüter?

"Osman Kavala (* 1957 in Paris) ist ein türkischer Unternehmer und Mäzen.
Kavala besuchte das Robert College in Istanbul und studierte an der University of Manchester Wirtschaftswissenschaft. 1982, nach dem Tod seines Vaters, übernahm er das Familienunternehmen Kavala Companies.Seit 2002 widmet er sich vor allem der von ihm gegründeten Stiftung Anadolu Kültür, deren Vorsitzender er ist. Anadolu Kültür betreibt Kulturzentren in vernachlässigten Regionen der Türkei und fördert die kulturelle Zusammenarbeit mit Ländern der Europäischen Union. Kavala ist auch als Sponsor von Amnesty International bekannt.
Am 18. Oktober 2017 wurde er bei seiner Rückkehr aus der südtürkischen Stadt Gaziantep ohne Nennung von Gründen am Flughafen Istanbul festgenommen. Er hatte sich in Gaziantep mit Mitarbeitern des Goethe-Instituts getroffen.

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily Sabah behauptete einige Tage nach der Festnahme, er sei Milliardär, und brachte ihn mit der „Gülenist Terror Group“ (FETÖ) in Verbindung. Seine Untersuchungshaft wurde offiziell damit begründet, er sei der Organisator der Gezi-Park-Proteste, an denen 2013 mehr als 3,5 Millionen Menschen teilnahmen. Am 24. Juni 2019 begann im Gerichtsgebäude der Strafvollzugsanstalten Silivri der Strafprozess gegen ihn und weitere 15 Angeklagte. Den Beschuldigten wird im Zusammenhang mit den Protesten ein Umsturzversuch vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert „lebenslange Haft unter erschwerten Bedingungen“.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat sich seines Falles angenommen und gab bekannt, dass er ihn in einem beschleunigten Verfahren behandeln werde."
So weit, etwas gekürzt und redigiert der Eintrag aus der deutschen Wikipedia zu Osman Kavala.

Warum ist das ein Thema für einen Archäologie-Blog?


Weil Osman Kavala den European Archaeological Heritage Prize 2019 gewonnen hat. 

Die EAA begründet ihre Entscheidung damit, dass für Osman Kavala der Wert des Kulturerbes darin liege, die Bedeutung kultureller Unterschiede als eine Grundlage sozialen und wirtschaftlichen Wohlstands aufzeigen zu können. ("For Osman Kavala, a key value of heritage is its ability to underpin the value of cultural diversity as a source of social and economic well-being."). Deshalb habe er für Denkmalschutzprojekte geworben, die für die Geschichte von Minderheiten bedeutend sind und insbesondere für die der Armenier ("This has led him to promote cultural heritage projects of importance for the history of minority cultures and, in particular, that of the Armenian people. ")
Kavala habe sich unter anderem auch für die Erarbeitung von Unterrichtsmaterial von syrischen Flüchtlingskinder eingesetzt, das auch syrisches Kulturgut thematisiert, damit sich die Kinder ihrer Herkunft bewusst  sind (http://www.anadolukultur.org/en/announcements/arabic-turkish-bilingual-children-books-ready-for-distribution/413).
Die EAA-Würdigung spricht nur ganz beiläufig an, dass Kavala in der Türkei seit 2007 gegen internationalen Protest inhaftiert ist, für eine Anklage, die aus der Distanz eher politisch begründet zu sein scheint. Gerade das preiswürdige Engagement - der Einsatz für Armenier, der Widerstand gegen denkmalpflegerisch problematische Bauprojekte (vergl. Archaeologik [1.7.2013]) - scheinen der Hintergrund der Anklage zu sein.
 

Links

Sonntag, 22. September 2019

Archäologie und die Zukunft der Demokratie: Das EAA Statement von Bern

Die European Association of Archaeologists (EAA) hat bei ihrem Annual Meeting Anfang September 2019 in Bern ein Statement zur "Archaeology and the Future of Democracy" verabschiedet. Knapp zusammengefasst wird hier festgestellt:

Archäologie befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften der Vergangenheit. Die Narrative und Rekonstruktionen, die sich daraus ergeben spiegeln jedoch die sozialen und politischen Strukturen der Gegenwart. Unausweichlich muß sich die Archäologie in ihren Interpretationen daher auch kritisch mit den aktuellen und zu erwartenden sozialen und politischen Rahmenbedingungen auseinander setzen und insofern auch politisch engagiert sein. Archäologie bringt hier insbesondere eine Langzeitperspektive ein und kann grundlegende Erfahrungen für eine Abschätzung künftiger Entwicklungen liefern. Sie kann zu vielen aktuellen Themen wichtiges Orientierungswissen liefern, etwa zu Flucht, Migration, Konflikt, De-Industrialisation, Globalisierung oder auch Digitalisierung.

Die EAA hält es daher auch für ihre Pflicht, sich und ihre Expertise in politische Diskussionen einzubringen. Dies erfordert uneingeschränkte Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Unabhängigkeit und eine demokratische Gesellschaft mit den Prinzipien von Gleichberechtigung und Pluralität.

Der genaue (englische) Text der EAA-Erklärung findet sich als pdf unter:

Ein klein wenig ausführlicher ist die Artikelfassung in der EAA-Zeitschrift 'The European Archaeologist":  

Der Text der EAA macht zwar deutlich, dass die Situation in Ungarn ein wesentlicher Anlass für die Resolution darstellt, spricht aber leider Ungarn nicht konkret an. Die m. E. nötigen klaren Worte fehlen daher. Entscheidend wird sein, bei der Tagung der EAA 2020 in Budapest sich von politischer Vereinnahmung und staatlich geförderten Parawissenschaften zu distanzieren.

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