Montag, 17. August 2026

Die Archäologin als Archivarin

Forschung basiert nicht allein auf harten Daten - sondern wird immer auch von zeitgenössisch geprägten Fragestellungen bestimmt. Oft bleiben diese unhinterfragt, weil sie von oft gar nicht formulierten Hintergrundkonzepten ausgehen. Dazu gehören beispielsweise Menschen- und Geschichtsbilder, oder auch zahlreiche Konzepte und Begriffsdefinitionen, wie z.B. das der "Stadt" oder von "Ethnizität". Forschung ist zudem abhängig von institutionellen Rahmenbedingungen - und vom Geld.

Frühere Publikationen haben die Rahmenbedingungen der Forschung oft nicht in ausreichendem Maß dokumentiert (und auch aktuell werden Probleme eher unter den Teppich gekehrt und schön geredet als kritisch dargestellt).  

Dazu muss man auf alte Archivbestände zurückgreifen, aber auch dafür sorgen, dass der Bestandsbildung aus Forschungsinstitutionen, Universitäten und Denkmalämtern die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Öffentliche Stellen sind gesetzlich dazu verpflichtet, alle erzeugten Unterlagen ordnungsgemäß zu verwalten, bzw. dem zuständigen Archiv anzubieten. Um dauerhaft wertvolle Dokumente zu sichern, müssen über den Auftrag der Landesarchive hinaus Kriterien für die Archivwürdigkeit entwickelt werden. Diese ist im Hinblick auf Quellenkritik aus dem Fach heraus einzuschätzen - Sitzungsprotokolle bezüglich Projektplanungen können hier von großem Interesse sein, auch wenn, oder gerade wenn, die Projektideen nie umgesetzt werden konnten. Forschungsgeschichte hat damit eine grundlegende Bedeutung, sie ist Teil der Formationsprozesse unserer Quellenbasis. Sie eruiert die Ideenwelt unserer Vorgänger (und seltener Vorgängerinnen), ihre Arbeitsbedingungen und Methoden - und bildet das Fundament einer wissenschaftlich verstandenen Archäologie.

Am LEIZA - dem ehemaligen RGZM - wird seit 2014 in Absprache mit dem Landesarchiv Koblenz und unter Beachtung von Aufbewahrungs- und Abgabepflichten eine eigene archivalische Dokumentensammlung (Schriftenarchiv) unterhalten und seit 2020 erschlossen. Die heutigen analogen und digitalen Bestände spiegeln die vielfältigen Aktivitäten des Instituts seit seiner Gründung im Jahr 1852 wider, obwohl lange bedauernd kolportiert wurde, das RGZM hätte aufgrund von Kriegsverlusten keine nennenswerten Unterlagen. Das Schriftenarchiv umfasst Korrespondenzen, Unterlagen wissenschaftlicher Projekte sowie Nachlässe der dort tätigen Forschenden. Außer der Dokumentensammlung pflegt das LEIZA seit dem beginnenden 19. Jahrhundert systematisch eine umfangreiche und bereits gut erschlossene archäologische Fotosammlung (Bildarchiv). Außerdem gehören Grafiken und Archivobjekte zum Archiv des LEIZA. 

Seit kurzem ist das Schriftenarchiv im Archivportal-D sowie der Deutschen Digitalen Bibliothek präsent - mit rund 2200 verzeichneten Objekten, die allerdings nur einen kleinen Teil des Gesamtbestands ausmachen. Ein Schwerpunkt liegt aktuell in dem Bestand LLA Lindenschmit, Ludwig d. Ä., dem Gründer des RGZM.  

Der weitgehend auch digital direkt zugängliche Bestand LLA gibt nicht nur Einblicke in die Diskussion um das Dreiperiodensystem, sondern zeigt auch eine bemerkenswerte deutsch-französische Kooperation zu Zeiten Napoleons III., wie auch die Etablierung einer Finanzierung durch das Deutsche Reich nach 1871. Deutlich werden die Gelehrtennetzwerke des 19. Jahrhunderts, die durch Briefwechsel, Schriftentausch, aber auch Fundbearbeitungen eng miteinander verbunden waren.

Ludwig Lindenschmit d.Ä,
(Illustrirte Zeitung vom 12. Mai 1909 via Wikipedia)

 

Gerade die Gelehrtennachlässe mit unpublizierten Vortragsskripten, Tagebüchern und Korrespondenz, geben Einblicke in das Denken der wissenschaftlichen Protagonisten, die in ihren wissenschaftlichen Arbeiten  oft nicht so genau erkennen lassen, wessen Geistes Kind sie waren. Neben Museumsgründer Ludwig Lindenschmit sind u.a. auch Nachlässe von Karl Schumacher, Gustav Behrens oder Paul Reinecke im LEIZA-Archiv und werden nach ihrer Feinerschließung und Digtialisierung über Archivportal-D und andere Portale veröffentlicht.

Diese Quellenbasis eröffnet der Wissenschaft wertvolle Perspektiven. Sie unterstützt nicht nur archäologische und konservatorische Forschungen, sondern auch Projekte zur Wissenschaftsgeschichte, zu historischen Praktiken und zur Vernetzung prägender Forscherpersönlichkeiten. Ebenso lassen sich damit die Entwicklung der archäologischen Restaurierung, die Provenienz von Sammlungsobjekten sowie die Rolle des Instituts in der internationalen Forschungs- und Museumslandschaft rekonstruieren.

Literaturhinweise 

  • A. Frey (Hrsg.), Ludwig Lindenschmit d. Ä. Begleitbuch zur Ausstellung aus Anlass seines 200. Geburtstages. Mosaiksteine 5 (Mainz  2009)  
  • R. Schreg, Die Germanisierung der Archäologie im Nationalsozialismus. Gustav Behrens und das RGZM in kritischer Distanz? In: W. Dobras (Hrsg.), Eine Zeitreise in 175 Geschichten. Der Mainzer Altertumsverein 1844-2019. Mainzer Zeitschrift 114, 2019 (Mainz 2019) 234–235. - https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/47221 


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Mittwoch, 12. August 2026

GDKE - Direktion Landesarchäologie auf museum-digital

Gut, wenn archäologische Museen bei Museum-digital mitmachen!

Nur: die Bilanz der rheinland-pfälzischen Landesarchäologie ist etwas dürftig, zumal die Seite offenbar schon seit Dezember 2023 existiert. Mit der Summe von 0 Einträgen ist das schon eher Projektsabotage. Aber nicht untypisch für die vielen Geo- und Datenportale in Rheinland-Pfalz, die fast alle nichts Halbes und nichts Ganzes sind. 

 

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Montag, 10. August 2026

Wissenschaftszeitvertragsgesetz: fortgesetzte Frickelei, aber immerhin eine Verbesserung

Nachdem eine Initiative der Ampel-Koalition, die im Wissenschaftzeitvertragsgesetz eine weitere Verkürzung der Fristen vorgesehen hat, glücklicherweise nicht mehr zustande kam, hat die aktuelle schwarz-rote Regierung einen zunächst katastrophalen Referentenentwurf so weit nachgebessert, dass er insgesamt doch eine Verbesserung darstellen dürfte.

Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 den offiziellen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Befristungsrechts im Wissenschaftsbereich beschlossen. Nachdem der Reformanlauf in der vorherigen Legislaturperiode nach dem Koalitionsbruch liegen geblieben war, hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Novellierung nun auf den Weg gebracht, womit als Nächstes der parlamentarische Prozess im Bundestag ansteht. 

Kernpunkte des beschlossenen Regierungsentwurfs

Der beschlossene Gesetzesentwurf sieht vor:
  • Die maximale Gesamtdauer, für die Wissenschaftler über das Sonderbefristungsrecht angestellt werden dürfen, bleibt unverändert:
  • Vor der Promotion: Maximal sechs Jahre Beschäftigung über die Qualifizierungsbefristung (§ 2 Abs. 1 WissZeitVG). 
  • Nach der Promotion (Postdoc-Phase): Ebenfalls maximal sechs Jahre Höchstbefristungsdauer. Die zwischenzeitlich diskutierte Verkürzung auf eine "4+2"- oder "3+3"-Regelung wurde im finalen Kabinettsbeschluss verworfen
  • Verbindliche Mindestvertragslaufzeiten: Erstverträge müssen in der Promotionsphase (vor der Promotion) künftig mindestens drei Jahre und in der Postdoc-Phase (nach der Promotion) mindestens zwei Jahre laufen. 
  • Qualifizierungsbefristung vor Drittmittelbefristung: Die Drittmittelbefristung soll erst dann zulässig sein, wenn die maximal zulässige Befristungsdauer nach der Qualifizierungsbefristung vollständig ausgeschöpft ist. Neueinstellungen in den ersten Jahren müssen also grundsätzlich nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG, auch wenn die Stelle aus Drittmitteln finanziert ist. 
  • Die Höchstbefristungsdauer für studentische Beschäftigte steigt von sechs auf acht Jahre. 
  • Die neuen Regelungen sollen nicht für bestehende Verträge gelten. 
Der Gesetzesentwurf trägt damit der Kritik des Deutschen Hochschulverbands sowie Forderungen der oppositionellen GRÜNEN im Bundestag Rechnung. Beispielsweise bleibt entgegen dem ersten Referentenentwurf vom Mai  die Übertragung nicht genutzter Befristungszeiten von der Promotions- in die Postdoc-Phase nach massiver Kritik aus der Wissenschaft nun doch erhalten.  Positiv zu vermerken ist, dass die Befristungszeiten  nicht immer weiter verkürzt werden - zudem ist festzuhalten, dass Anstellungen über steuerbasierte Drittmittelprojekte grundsätzlich möglich sind. Frühere Versionen des Gesetzes hatten das auch nach der Qualifizierungsphase ausgeschlossen.

   Ein Wissenschaftler arbeitet in befristetem Vertrag. 
(KI-generiert mit Craiyon)

Seit Jahren wird immer wieder am Wissenschaftszeitvertragsgesetz rumnovelliert, indem Fristen mal verlängert, mal verkürzt werden, Drittmittelprojekte mal so, mal so definiert oder berücksichtigt werden. Alle "Lösungsansätze" haben immer nur an Fristen und Anrechnungen rumgebastelt, anstatt die Befristungeregeln einfach komplett zu kippen. Prekäre befristete Verträge müssen anders bekämpft werden, als sie zu verbieten, denn damit wurde und wird ganzen Wissenschaftler*innengenerationen die Chance genommen, sich beruflich zu etablieren. Das Problem ist doch nicht, dass Professoren ihre Mitarbeiter nicht langfristig anstellen wollen, sondern dass sie es nicht können. So lange die Politik selbst bei Finanzierungen immer nur auf befristete Projekte setzt, kann sie nicht verlangen, dass die Mitarbeiter unbefristet angestellt werden.

Das Gesetz geht demnächst in den Bundestag. 

 

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Mittwoch, 5. August 2026

Petition: Denkmalpflege in Sachsen sichern – Einheit der Archäologie bewahren

   Petition  zum  unterschreiben!  
auf der Plattform des sächsischen Landtags offen zum Mitzeichnen:

Diese Petition wendet sich nur gegen die Pläne zur Auflösung der Fachämter. In Sachsen ist aber weit mehr geplant, das im Interesse der Erhaltung der archäologischen Relikte verhindert weden muss:

 

Links

Siehe auch DGUF-Newsletter v.4.8.2026 - https://www.dguf.de/newsletter/newsletter-lesen/dguf-newsletter-nr-140-vom-04-08-2026