Montag, 3. August 2020

"Schatzfieber tötet Hirn"

wäre auch eine passende Schlagzeile für den Artikel auf nordbayern.de, dem Onlinedienst von Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung:
Angesprochen wird das in Bayern fehlende Schatzregal, was wesentlich dazu beiträgt, dass hier viel Kulturgut verloren geht - und anderweitige Schäden entstehen.

Samstag, 1. August 2020

Verkohltes Erbe - Die ausstehende Bilanz der Folgen der Wildfeuer in Australien

Der Deutschlandfunk berichtet in der Sendung "Aus Kultur- und Sozialwissenschaften" über die Schäden am Kulturerbe der Aboriginees, die durch die Buschbrände 2019/20 entstanden sind.
Viele Bereiche waren bislang gar nicht für eine Bestandsaufnahme zugänglich, wegen der Bruchgefahr in den verbrannten Wäldern und wegen Covid19. Klar ist: Die Schäden sind enorm. Die  Neuentdeckungen können das nicht aufwiegen, so sensationell etwa die Entdeckung eines 6600 Jahre alten Wassermanagementsystems ist, das offenbar der Haltung von Aalen diente.

Heritage-Schutzgebiete im Südwesten Australiens und Brandherde am 12.1.2020
(Graphik R. Schreg)

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Interner Link


Freitag, 31. Juli 2020

SABA 21 - Call for Papers




Vielleicht nur online, aber dennoch eine spannende Sache: SABA21 im April 2021.

Jetzt ist der Call for Papers raus. Er richtet sich an Studierende der archäologischen Fächer aus ganz Europa, die in Bamberg ihre Bachelor- oder Masterarbeit vor anderen Archäologiestudierenden vorzustellen wollen und die Gelegenheit ergreifen wollen, sich international zu vernetzen.

Interne Links

Donnerstag, 30. Juli 2020

Novellierung des Denkmalschutzgesetzes in NRW

In Nordrhein-Westfalen steht erneut eine Neufassung des Denkmalschutzgesetzes an.
Nachdem im Vorgriff auf den Entwurf der Regierungsparteien die Fraktion der Grünen schon im Januar einen eigenen Gesetzesentwurf vorgelegt hat, wurde am 27.5.2020 dem Landtag ein Gesetzesentwurf der Landesregierung vorgelegt.
Der Entwurf sieht unter anderem vor, den erst bei der Gesetzesnovellierung von 2013 eingeführten  Landesdenkmalrat wieder abzuschaffen, er verlagert die Kompetenzen der Unteren Denkmalschutzbehörden von den Kommunen auf die Kreise, er ersetzt eine Einvernehmensregelung zwischen Unterer Denkmalschutzbehörde und Fachbehörde durch eine bloße Anhörung zu ersetzen. Zudem spezifiziert er die Notwendigkeit einer  Nachforschungsgenehmigungen für Sondengeher.

So hat der Entwurf einige positive Aspekte, aber auch einige bedenkliche Punkte.  Insbesondere die DGUF hat hier viele wichtige Anmerkungen, die teils zumindest bedenkenswert, teils dringend umzusetzen sind.



Die DGUF kritisiert die Verlagerung der Unteren Denkmalschutzbehörden von den Kommunen auf die Kreise. Begründet wird dies im Gesetzesentwurf damit, dass die kleinen Kommunen "in der Regel kaum über Fachpersonal (und wenn, dann nur mit einem sehr geringen Stellenanteil)" verfügen. "Zur Stärkung der Unteren Denkmalbehörden in Nordrhein-Westfalen soll deren Struktur künftig an diejenige der Bauaufsichtsbehörden angepasst werden." Die Kritik der DGUF zielt darauf ab, dass die neuen Regelungen "ziemlich kompliziert" seien, weil in Ausnahmefällen eine kleine Gemeinde auf Antrag die Untere Denkmalschutzbehörde behalten kann, daher also uneinheitliche Zuständigkeiten entstünden. Auch verweist die DGUF auf die Mehrkosten für Fachpersonal, die mit der angeblichen Kostenneutralität des Gesetze nur zu vereinbaen, ist, wenn man davon ausgeht, dass die Aufgaben der UD künftig von weniger Personen ausgeführt würden.


Bedenklicher wird dies in Verbindung mit den Änderungen in §19. Die derzeitige Regelung "Die Unteren und Oberen Denkmalbehörden treffen ihre Entscheidungen im Benehmen mit dem Landschaftsverband." soll ersetzt werden durch "in Angelegenheiten der Baudenkmalpflege treffen die Unteren und Oberen Denkmalbehör-den ihre Entscheidungen nach Anhörung des Landschaftsverbands" mithim eine Benehmens". Begründet wird dies mit einer Verwaltungsvereinfachung, die durch die Stärkung des denkmalpflegerischen sachverstands in der UD möglich sei. Dies bedeutet in der Praxis eine deutliche Minderung fachlich fundierter Entscheidungen und eine Schwächung der Fachbehörden. Für die Bodendenkmalpflege soll die Benehmensregelung beibehalten werden.

Eine alte Forderung der DGUF betrifft das Verbandsklagereecht im Denkmalschutz in Anlehnung an die Praxis im Umweltschutz (vergl. z.B. 2014. Es soll damit eine bürgerschaftliche Kontrollmöglichkeit geschaffen werden, die gerade im Denkmalschutz dringend und angemessen scheint, denn der Denkmalwert bestimmt sich ja, wie auch im vorliegenden Gesetzesentwurf in §2 ausgeführt, durch das öffentliche Interesse. Gerade wenn es keinen Landesdenkmalrat gibt, der laut §23 im aktuellen Gesetz zumindest offiziell eine Anhörung anerkannter Denkmalpflegeorganisationen ermöglicht hätte und wenn die Rolle der Fachbehörden eingeschränkt wird, scheint eine solche Regelung notwendig, umsicherzustellen, dass bürgerschaftliches Interesse angemessen einfließen kann.

Positiv zu vermerken ist auch die veränderte Definition der Denkmalwürdigkeit eines Objektes, die nicht zwischen Bau- und Bodendenkmal unterscheidet und mit der Formulierung „aus vergangener Zeit“ - unter dem in der Begründung "in Anlehnung an die Regelungen zum Kulturgüterschutz ein zurückliegender Zeitraum von 50 Jahren verstanden werden [soll], er sollte 30 Jahre (eine Generation) in der Regel nicht unterschreiten." Dies erleichtert eine Berücksichtigung einer Archäologie der Moderne in der Denkmalpflege.

Ebenso positiv zu vermerken ist die klarere Formulierung in § 12, die nun explizit die Suche nach Bodendenkmälern mit technischen Hilsmitteln (=Metalldetektoren) unter die Genehmigungspflicht stellt, wie das bislang auch schon der Rechtspraxis entsprochen hat.

Ein aus archäologischer Sicht drängendes Problem des Denkmalrechts in NRW rührt der Gesetzesentwurf (im Gegensatz zu dem der Grünen) nicht an. Die DGUF kritisiert die derzeitige Praxis, dass das Verursacherprinzip nicht auf den Braunkohle- und Kiesabbau angewandt wird und verweist auf die Unzulänglichkeiten der derzeitigen Praxis, die zudem im Widerspruch zur Europäischen Konvention von La Valletta steht. Die "Sonderregelung bei Maßnahmen zur Gewinnung von Bodenschätzen" (§16) nimmt nur redaktionelle Änderungen vor, das heißt, dass der Tagebau nicht von der Kostentragung in §26 ausgenommen ist. Dass dies in der Praxis ander gehandhabt wird, wird mit dem Bergrecht begründet, das als Regelung des Bundes gegenüber dem Landesrecht Vorrang hätte.

Die DGUF führt außerdem an, "dass mit der Ausklammerung der Braunkohleenergie aus dem Verursacherprinzip eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung einhergeht: für alle anderen, konkurrierenden Energieträger gilt das Verursacherprinzip, d.h. jede Windkraftanlage, jede neue Stromtrasse für die erneuerbaren Energien u.a. muss für die von ihr ggf. verursachten Rettungsgrabungen aufkommen. Wir halten den Ist-Zustand für – laienhaft formuliert – rechtswidrig.." Als politisches Signal wird vorgeschlagen, das Verursacherprinzip im Gesetz ausdrücklich auch für die Tagebaue festzulegen, "auch wenn die rechtliche Durchsetzung dieser Bestimmung zunächst noch schwierig sein könnte",


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Mittwoch, 29. Juli 2020

Superspreader älter als gedacht? Neue Pocken-Belege aus Nordeuropa

Zu Beginn der Corona-Epidemie habe ich hier eine "Archäologie der Erreger" skizziert und dabei auch die Pocken knapp dargestellt:
Und schon gibt es Neues - nämlich Älteres:
  • Mühlemann, Barbara; Vinner, Lasse; Margaryan, Ashot; Wilhelmson, Helene; La Fuente Castro, Constanza de; Allentoft, Morten E. et al. (2020): Diverse variola virus (smallpox) strains were widespread in northern Europe in the Viking Age. In: Science (New York, N.Y.) 369 (6502). - <doi: 10.1126/science.aaw8977>.
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)
War bislang ein Fund aus dem 17. Jahrhundert der älteste DNA-Beleg, so ist es nun gelungen, bei 11 Bestattungen aus Nordeuropa, unter anderem von der Insel Öland Variola-DNA zu identifizieren. Die Gräber datieren zwischen 600 und 1050 n.Chr. Es handelt sich nicht um einen direkten Vorfahren der modernen Pocken, sondern um eine wahrscheinlich weniger tödliche Variante. Aus zwei weiteren neuzeitlichen Gräbern wurde DNA des modernen Variola-Virus gefunden. Der gemeinsame Vorfahr wird auf etwa 1700 Jahre vor heute geschätzt. 
Die Publikation verrät leider keine Details über die archäologischen Kontexte.

Die Forschungen haben viel Medienecho gefunden - allerdings mit einigen nicht ganz zutreffenden Sensationalisierungen.  
"Die Pocken kamen in Europa schon viel früher vor als bisher angenommen." meint die Süddeutsche Zeitung. Tatsächlich kann angesichts der Schriftquellen der neue Befund nicht überraschen.  Der Fortschritt liegt in der Möglichkeit, die Virenevolution genauer zu verstehen. Die nachgewiesenen Erreger weisen nämlich große Ähnlichkeit zu Pockenviren auf, die man heute bei Kamelen und Mäusen nachweisen kann.
"Wikinger waren "Superspreader" von Pocken" titelt mdr Wissen, obwohl die Befunde dazu gar keine Aussagen machen können. Die Befunde betreffen auch nicht ausschließlich Wikinger, sondern datieren zum Teil früher.



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