Montag, 28. September 2026

Archäologische Stätten in Europa leiden unter Niedrigwasser

Am 21. August 2026 feierte die Welt eine Premiere: Zum ersten Mal wurde der von der UNESCO ins Leben gerufene Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser (International Day for Underwater Cultural Heritage) begangen. Dieser neue Welttag soll das Bewusstsein für die Erforschung und den Schutz versunkener historischer Stätten, Schiffswracks und prähistorischer Siedlungen in Ozeanen, Meeren, Flüssen und Seen schärfen. Doch das Premierenjahr fiel mit historischen Wetterextremen zusammen, die der Diskussion eine ungeahnte Dringlichkeit verliehen.


In der klassischen Wahrnehmung wird Unterwasserkulturerbe oft mit tiefen Ozeanen und antiken Schiffswracks in der Ägäis oder der Karibik assoziiert. Im Sommer 2026 rückten jedoch kontinentale Flüsse und Binnengewässer in den Fokus der medialen Berichterstattung. Anstelle von Tauchexpeditionen reichten plötzlich Stiefel und Drohnen, um archäologische Stätten aufzufinden und zu dokumentieren.

Aktuelle Fälle

Die anhaltende Hitzewelle des Sommers 2026 führte europaweit zu dramatisch sinkenden Flusspegeln. Diese extremen Trockenperioden legten Teile von Flussbetten frei, die normalerweise völlig unzugänglich unter Wasser liegen. Was für die Binnenschifffahrt und Landwirtschaft eine Katastrophe bedeutete, bot der Archäologie für außergewöhnliche Einblicke. Die Funde illustrieren damit aber auch die Auswirkungen des Klimawandels.

Donau

Durch extreme Niedrigwasserstände floss die Donau in Bulgarien stellenweise nur noch wie ein Rinnsal und legte die Fundamente der fast 1.700 Jahre alten Konstantinsbrücke nahe dem Dorf Gigen frei. Das monumentale römische Bauwerk wurde im Jahr 328 n. Chr. unter Kaiser Konstantin dem Großen eröffnet und galt als eine der längsten Brücken der Antike. Archäologen des Regionalen Historischen Museums in Pleven nutzten die seltene Gelegenheit, um die freigelegten Pfeilerstrukturen in ihrer realen Umgebung mittels Drohnen zu vermessen und zu kartieren. 
Neben der Brücke kamen in der Region unter anderem ein Mammutstoßzahn sowie ein versunkenes Nazi-Kriegsschiff zum Vorschein.  
 
Etwa 70 Kilometer südlich von Budapest untersuchten Forscher des Intercisa-Museums Ende Juli das ausgetrocknete Bett der Donau. Auf der (vergeblichen) Suche nach den Überresten eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert entdeckten sie bei Dunaújváros im seichten Wasser einen hervorragend erhaltenen römischen Jupiter-Altar, eine Frauenstatue und zahlreiche weitere Architekturteile.
In Ungarn veranstalteten Museen mit Freiwilligen gezielte Suchen in den Niedrigwasserzonen, so auch an der Theiss.
 
 
Als weitere Weltkriegsrelikte kamen direkt in der ungarischen Hauptstadt durch das extreme Niedrigwasser die Skelette von zwei deutschen Soldaten sowie ein Militärmotorrad aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht. 
Nahe der serbischen Stadt Prahovo legte die Dürre Dutzende versunkene Nazi-Kriegsschiffe frei. Die Wracks stammen aus dem September 1944, als die zurückweichende deutsche Schwarzmeerflotte ihre eigenen Schiffe absichtlich versenkte. In der engen Flusspassage an der serbisch-rumänischen Grenze wurden damals angeblich rund 200 Schiffe versenkt. Durch das extreme Niedrigwasser im Juli und August 2026 traten hier mindestens 20 Wracks gleichzeitig spektakulär aus dem Wasser. Da viele dieser Wracks noch tonnenweise scharfe Munition und Sprengstoff an Bord haben, stellen sie bei Niedrigwasser eine erhebliche Gefahr für die Schifffahrt dar.  
 
Nahe der kroatischen Grenzorte Opatovac und Lovas sank der Pegel der Donau so stark, dass das Wrack des ungarischen Frachtschiffs Fulton spektakulär aus dem Wasser ragte. Das Schiff war 1937 mit einer gewaltigen Ladung Kohle auf dem Weg nach Novi Sad aus ungeklärten Gründen gesunken. Lokale Behörden und Historiker nutzten die Freilegung des Hecks im Juli 2026, um neue Daten über die Gründe des Untergangs zu sammeln.

Tiber

In Rom sank der Tiber im August so stark, dass die Fundamente der Pons Neronianus (Nero-Brücke) unweit des Petersdoms mitten im Flussbett sichtbar wurden. Die Brücke verband im antiken Rom das Stadtzentrum mit den privaten Gärten Kaises Neros.
Weitere Funde stammen beispielsweise aus einem Stausee in Tschechien.


Rhein und Maas

Am deutschen Rhein nutzten Archäologen (unter anderem mit Genehmigung der Landesarchäologie) die freigelegten Uferzonen systematisch für Begehungen und stießen dabei auf Pfeilspitzen aus der Bronzezeit. Gleichzeitig dokumentierten Experten im Rhein die freigelegten Reste einer römischen Hafenanlage, warnten jedoch direkt vor der schnellen Zerstörung der antiken Holzstrukturen durch den Sauerstoffkontakt.
 
In großen Mengen kam Weltkriegsmunition zum Vorschein. 

Bodensee

Der aktuelle Wasserstand des Bodensees am maßgeblichen Pegel Konstanz liegt bei 254 cm (Stand: 27. September 2026). Damit befindet er sich rund 108 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert für diesen Kalendertag und bricht reihenweise historische Tiefstwerte. Nach dem extrem trockenen und heißen Sommer fehlt den alpinen Zuflüssen weiterhin das Wasser. 
Die berühmten prähistorischen Pfahlbauten am Bodensee (UNESCO-Weltkulturerbe) sind eigentlich unter Wasser im Schlamm konserviert. Durch das extreme Niedrigwasser fallen Uferbereiche trocken, wodurch der schützende Sauerstoffabschluss verloren geht. Sobald die jahrtausendealten Holzpfähle an die Luft gelangen, trocknen sie aus und werden durch Mikroorganismen unumkehrbar zerstört.  Das Risiko steigt, wenn die Uferzonen länger trocken liegen und der Schlamm tiefgründig austrocknet.
Da weite Ufer- und Strandzonen komplett trockenliegen, rücken die archäologischen Schichten in den Fokus der Wissenschaft sowie von Laien: 
Niedrigwasser bei Radolfzell, Sommer 2026
(Foto: Markus Wolter, CC BY 4.0 via WikimediaCommons)

 
Der niedrige Pegel lockt verstärkt Sondengänger mit Metalldetektoren und Raubgräber an die Ufer. Behörden weisen jedoch streng darauf hin, dass die Suche in den sensiblen archäologischen Zonen ohne Genehmigung verboten ist und den Denkmalschutzgesetzen unterliegt. 
Beim Pfahlbaumuseum Unteruhldingen sorgt das aktuelle Niedrigwasser für ein außergewöhnliches Bild: Fast die gesamte rekonstruierte Dorfanlage steht auf dem Trockenen. Wo normalerweise die Pfähle tief im Bodenseewasser versinken, laufen Besucher nun über Stege, die über freiliegendem Seeboden und Schlammflächen schweben. 

Niederlande

Auch im Rheindelta führten extreme Dürreperioden dazu, dass die Flussbetten der Waal, des Rheins (Rijn) und der Maas um mehrere Meter absanken. Wie das Magazin NL Times ausführlich berichtet, nutzten erfahrene Archäologenteams die freigelegten, sonst völlig unzugänglichen Uferzonen für gezielte Suchen. Dabei stießen sie in den freigelegten Abschnitten gezielt auf historische Relikte, darunter römische Münzen und ebenfalls ein Schiffswrack aus der NS-Zeit.
Auch bei Arnslecht wurden durch die niedrigen Pegel alte Brückenfundamente aus Holz freigelegt, die nun alte Uferlinien anzeigt .

England

In England betraf das Niedrigwasser zahlreiche Stauseen, so dass historische Anlagen, die beim Aufstauen versunken sind, nun wieder auftachten. 
Im  Rutland-Water-Reservoir, dem größten künstlichen Gewässer Englands tauchte Mitte August das  „Geisterdorf“ Nether Hambleton auf.  Die Siedlung war 1976 überflutet worden, nachem zuvor eine kleine Rettungsgrabung die Reste eines mittelalterlichen Gebäudes freilegen konnten. Nun lagen die Fundamente der verlassenen Häuser wochenlang komplett im Trockenen und wurden von Historikern vor Ort dokumentiert.
Im Llwyn-Onn Reservoir in Wales sank der Wasserspiegel so stark, dass eine alte, um 1800 errichtete Steinbrücke wieder auftauchte. Sie war 1911 im Stausee versunken und 1976 sowie bereits im vorigen Jahr 2025 aufgetaucht.
 
Aus dem Gezeitenbereich der Themse ziehen "Mudlarks" und Sondler (regulär mit Genehmigungen des London Museum) seit Jahren archäologische Funde aus dem Schlamm. Das Niedrigwasser im Spätsommer legte an den Ufern der Themse tiefe, sonst unzugängliche Sedimentschichten frei. Archäologische Organisationen veröffentlichten im September spezielle Leitfäden für das sogenannte Foreshore Archaeology. Durch die extreme Freilegung wurden vermehrt historische Holzkonstruktionen alter Hafenanlagen und Alltagsgegenstände früherer Epochen direkt aus dem freigelegten Flussbett dokumentiert.  
Im September veröffentlichte die Kent Archaeological Society Berichte über untergegangene Küstendörfer und historische Strukturen im Bereich der Swale-Mündung in Kent, die bei den diesjährigen, extremen Niedrigwasserständen im Mündungsbereich sichtbar und zugänglich wurden. 

Frankreich

Trotz auch in Frankreich dramatisch geringen Niederschlägen gab es in der französischen Presse im Sommer und Frühherbst 2026 keine konkreten Berichte über neu entdeckte oder akut beschädigte archäologische Stätten durch Niedrigwasser.
Obwohl Medien wie TF1, BFMTV und Regionalzeitungen intensiv über die historische Rekorddürre 2026 berichten – bei der im September bis zu 84 % des Landes von extremer Trockenheit betroffen sind und über 40 % der kleineren Wasserläufe versiegen –, fehlen spezifische archäologische Fundmeldungen aus französischen Gewässern. Die französische Presse verwies lediglich auf viele der oben bereits vorgestellten Beispielen aus den Nachbarländern. Einerseits scheint in Frankreich aus Schutz vor Raubgrabungen eine restriktivere Informationspolitik präsent, die Funde erst nach Abschluß der Untersuchungen mitteilt. 
 
Da der Westen Frankreichs im Frühjahr 2016 zunächst von historischen Überschwemmungen betroffen waren, führten hohe Grundwasserstände während der Dürre im Spätsommer zu einer relativ geringen Entleerung der großen, archäologisch relevanten Seenlandschaften - anders als bei extremen Niedrigwasserständen wie z.B. im Jahr 2018. 

Zur berühmten Fundstelle von Colletière bei Charavines am Lac du Paladru (Département Isère) - ein um 1000 im See versunkener Herrenhof - gab es im Sommer zahlreiche Berichte, veil das dortige archäologische Museum neu eröffnet wurde. Während früherer Trockenphasen (unter anderem im Herbst 2018 und 2020) sank der Pegel so tief, dass die Überreste der Siedlung knapp unter der Wasseroberfläche sichtbar wurden und trocken zu fallen drohten. 2026 gab es entgegen dem Trend im restlichen Frankreich laut der regionalen Presse (wie Le Dauphiné Libéré) am Lac du Paladru sogar zeitweise hohe Wasserstände. Im Januar 2026 starteten zudem umfangreiche Renovierungen der   Schleusen und Wehre durch die der Wasserstand im See schon seit dem 19. Jahrhundert reguliert wird. Mit der Automatisierung der Wehre soll der Wasserstand besser stabiliisert werden, um die Tierwelt, aber eben auch die im See liegenden Funde unter Wasser zu halten. 

Verminderte Erhaltungsbedingungen und vergrößerte Plünderungsrisiken für Kulturerbe  

Es besteht kein Zweifel, dass die Trockenheit 2026 Folge des Klimawandels ist, den zu leugnen einfach nur noch dumm (oder wider besseres Wissen  Teil einer Populismusstrategie) ist. 
Ein Faktenpapier zu den Extremwettern in Deutschland trifft aktuell folgende Feststellungen:
  • Die globale Erwärmung erhöht generell die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Extreme und ihrer Folgen.
  • Die Zunahme von Hitzewellen ist zweifelsfrei eine Folge der globalen Erwärmung.
  • Die Häufigkeit von Trockenphasen ist gestiegen.
  • Wassertemperaturen des Rheins steigen trotz reduzierter Wärmeeinleitungen und sind zunehmend außergewöhnlich hoch im Zusammenhang mit intensiven sommerlichen Hitzewellen.
  • In den letzten Jahren häufen sich ausgeprägte Niedrigwasserphasen an den Flüssen, die nur mit klimawandelbedingten Änderungen im hydrologischen System erklärt werden können.
  • Die agrarischen und hydrologischen Dürren der letzten Jahre erzeugen Anpassungsdrücke für Wirtschaft und Habitate.
  • Die erneuerbare Wasserressource Deutschlands ist rückläufig. 
Dieser Sommer 2026 macht klar: es wird nicht einfach wärmer mit rundweg schönem Wetter, sondern vieles kommt auch im Alltag ins Rutschen: Die Landwirtschaft sieht sich mit erhöten Ausfallrisiken konfrontoert, die Kapazitäten der Binnenschiffahrt reduzieren sich mit Auswirkungen auf das Preisniveau, aber auch die Infrastruktur altert bei steigenden Temperaturen verstärkt, da Straßenbeläge und Brückenkonstruktionen nicht auf solche Hitzeperioden ausgelegt sind. Und natürlich ist die Hitze eine körperliche Belastung.
 
Zu den vielen Folgen des Klimawandels zählt aber auch die Zerstörung oder besser vielleicht Zersetzung archäologischer Stätten. 
 
Manuel Zeiler, ein Archäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), warnte im WDR eindringlich vor den Folgen der Dürre. Flüsse fungieren als Sauerstoff-freie Archive. Sobald die Hitzewelle Uferbereiche trockenlegt, greift der atmosphärische Sauerstoff jahrhundertealte Holzstrukturen, Wrackteile und sogar mikroskopische Pollen (die Landschaftsgeschichte speichern) an und lässt sie rasant zerfallen.
Zudem kommt es durch steigende Gewässertemperaturen zur EInwanderung neuer Arten, die verstärkt den Grund von Flüssen und insbesondere Seen aufwühlen und auch so den archäologischen Stätten zusetzen.
Viele invasive Arten stammen aus wärmeren Regionen (z. B. dem Schwarzmeerraum). Steigende Wassertemperaturen im Rhein (die im Sommer immer häufiger kritische Marken überschreiten) führen dazu, dass: heimische Arten unter Hitzestress geraten und zurückgedrängt werden. und die Invasoren optimale Fortpflanzungsbedingungen vorfinden, da mildere Winter ihre Überlebensrate drastisch erhöhen.
Zu den für die Archäologie gefährlichen invasiven Arten zählen unter anderem Kamberkrebs und Signalkrebs: Diese Arten haben sich über den Rhein und seine Zuflüsse rasant ausgebreitet. Der Kamberkrebs, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, ist in Europa inzwischen die dominierende Krebsart, In Deutschland ist seine Ausbreitung in südlichen Gebieten (Bodensee- und Donausystem) noch nicht vollständig abgeschlossen. Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsen graben sie im Schlammgrund. Durch dieses permanente Aufwühlen (Bioturbation) wird das schützende Sediment destabilisiert und abgetragen (erhöhte Erosion). Sauerstoff gelangt an die Jahrtausende alten Holzobjekte, was deren biologischen Zerfall durch Bakterien und Pilze schlagartig anstößt.
Neben den Krebsen gibt es einen noch aggressiveren Akteur, der direkt mit der Erwärmung und der Rheinschifffahrt verknüpft ist: die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis). Sie breitet sich seit einigen Jahren flächendeckend im Rheinsystem und im Bodensee aus. Die Quaggamuscheln heften sich mit sogenannten Byssusfäden extrem fest an die prähistorischen Holzpfähle. Wenn Wasservögel (wie Tauchenten oder Kormorane) die Muscheln fressen, reißen sie diese gewaltsam vom Holz ab. Dabei wird jedes Mal die ohnehin aufgeweichte, Jahrtausende alte Holzsubstanz reduziert.
 
Im Bodensee begünstigen die steigenden Wassertemperatren auch das Wachstum des Schweizer Laichkrauts, das die Pfahlfelder der >Seeuferrandsiedlungen flächig überwuchert und die Oberflächen der Hölzer angreift. 
Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und internationale Monitoring-Projekte schlagen Alarm: Durch das Zusammenspiel aus wärmerem Wasser, grabenden Krebsen und siedelnden Quagga-Muscheln verlieren wir rasant das jahrtausendealte „Archiv unter Wasser“. Da ein mechanischer Schutz ganzer Seeböden kaum möglich ist, bleibt der Archäologie eigentlich nur noch die Notgrabung, bevor die Funde unwiederbringlich zerstört sind. 

Wissenschaftskommunikation

Zun Schluß noch eine Randbemerkung zur Berichterstattung und Wissenschaftskommunikation. Die Mehrzahl der Medienberichte überschlägt sich ob der tollen, "sensationellen" Funde. Ähnlich wie bei der Berichterstattung über immer neue Sondlerfunde, siegt die Begeisterung über Entdeckungen, während wenig über den Informationsverlust durch mangelnde Dokumentation(sgelegenheit) berichtet wird. Die zahlreichen Funde aus den europäischen Flüssen 2026 sind entgegen der dominierenden Berichterstattung keine Erfolge, sondern die Dokumentation des Verlusts und ene weitere Folge des Klimawandels. 
 
Hier ist nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit der Denkmalämter gefordert, die mit wenigen positiv zu vermerkenden Ausnahmen (datunter aber auch die RGK). Bislang ist aus Deutschland nur wenig über die Funde insbesondere aus dem Rheinberichtet worden. Eine Zurückhaltung angesichts vonSondlerscharen ist hier durchaus angemessen, doch bestimmen dadurch die Medien das Sensationsfundnarrativ, wo es angemessener wäre über Erkenntnisse und Verluste zu berichten.
Interessant ist, dass in England und Ungarn, zwei Ländern mit starker Sóndlerszene verstärkt 
 

Interne Links

Archäologie und Klimawandel
 
 
Hinweis:
Bei der Zusammenstellung der Informationen wurde KI eingesetzt. Angaben und Links wurden geprüft.

Samstag, 12. September 2026

Antiken und das doppelte Gesicht von ICE

In der Region Tampa im US-Bundesstaat Florida wurde ein illegales Schmuggel-Depot mit mehr als 22.000 antiken Objekten ausgehoben.  
 

Die Rolle von ICE 

Die offizielle Bekanntgabe der Beschlagnahmung erfolgte Ende August 2026. durch ICE (Immigration and Customs Enforcement), jener US-Bundestruppe, die in den letzten Monaten auf Weisung von POTUS Don. Trump mit Terrormethoden gegen Immigranten vorgeht und nun schon mehrere Tote zu verantworten hat, von denen Renée Nicole Good nur diejenige ist, die am meisten Aufmerksamkeit gefunden hat, weil ihre Ermordung im Video dokumentiert ist. Aktuell gibt es in den USA Ankündigungen, dass ICE in den Wahllokalen der Midtermwahlen im November Festnahmen durchführen würde (dazu hier) - ein angekündigter Rechtsbruch, der aber genug Angst verbreiten könnte, um die Wahlen zu beeinflussen. ICE entwickelt sich zu einer hochgerüsteten paramilitärischen Truppe, wie sie für faschistische Systeme charakteristisch ist (dazu schon Arendt 1955) und die vor allem der Einschüchterung der eigenen Bevölkerung dient (dazu hier; Samaras 2026). Ihre unkontrollierte Gewalt gegen Zivilisten schwebt auch hierzulande einigen Rechtspopulisten der AfD vor Augen. Wenn hier die Rüstungsindustrie als relevant für Remigration angesehen wird, so muss man sich auf geplante Gewalt einrichten (dazu hier und hier)

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ist neben dem Migrationsrecht auch für die Bekämpfung von grenzüberschreitender Kriminalität wie Schmuggel, Menschenhandel und Geldwäsche zuständig. Über ihre spezialisierte Ermittlungseinheit Homeland Security Investigations (HSI) ist sie für Antiken zuständig, da der illegale Handel mit geraubten Kulturgütern über internationale Grenzen hinweg gegen US-Zollgesetze verstößt und da kriminelle und terroristische Netzwerke den Schmuggel von Antiken häufig zur Geldwäsche oder Finanzierung nutzen.
[5]
ICE sieht sich in den USA inzwischen mit einem zivilgesellschaftlichen Ungehorsam konfrontiert, der Nachbarn zu schützen sucht. In seiner PR-Arbeit versucht ICE sein Image aufzubessern und seine Legitimität unter Beweis zu stellen.
Leider kommt hier nun der prinzipiell zu begrüßende Kampf gegen die internationale Antikenhehlerei ins Spiel. Medienwirksam inszenierte Rückgabe-Zeremonien mit Botschaftern, Kuratoren und antiken Schätzen bringen ICE positive Schlagzeilen.  Das Narrativ einer "Retterin der Weltkultur", lenkt von Internierungslagern, Familientrennungen und Gewalt ab. Das ist dasselbe Propagandamuster, das wir in vielen Situationen etwa in Syrien kennen gelernt haben, wo sich Russland in Palmyra als Kulturretter inszeniert hat (Archaeologik 1.10.2015).
ICE verfügt mit der spezialisierten Ermittlungsabteilung HSI (Homeland Security Investigations) über das Programm für Kulturgüter, Kunst und Antiquitäten (Cultural Property, Art and Antiquities, CPAA), die im Kampf gegen die weltweite Antikenhehlerei in letzter Zeit einige Erfolge aufweisen kann.

Das Antikenlager in Florida 

Der aktuelle Fund in Florida stellt zwar einen der größten Schläge von ICE/ HSI dar, ist aber bei weitem nicht der einzige Fall. In Tampa, Florida wurden nach Medienberichten über 22.000 antike Artefakte sichergestellt, die aus Europa, Afrika und dem Mittelmeerraum stammen. Unter den Stücken befanden sich nach Medienangaben antike griechische und römische Münzen, byzantinisches Glas, Schmuck, Keilschrifttäfelchen und -zylinder, Terrakottafiguren, Gefäße, Statuen und Mosaike. Laut ICE stammen die Funde aus illegalen Grabungen und Museumsdiebstählen in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Aktuell arbeiten Archäologen der University of South Florida und der University of Pennsylvania unter Hochdruck daran, jedes einzelne Stück zu zertifizieren.
Glas- und Keramikfunde aus der Sicherstellung in Tampa
(Foto: ICE, PD, via ICE)

 
Die veröffentlichten Bilder lassen in der Tat ein großes Spektrum unterschiedlichster Fundobjekte erkennen, darunter auch solche, die nach meiner Einschätzung aus Syrien oder der Ukraine stammen könnten. Das stützt die These, dass Raubgrabungsfunde verzögert auf den Markt kommen und zunächst, entweder nahe ihrer Herkunftsgebiete oder aber schon in Händen der Hehler und Schmuggler über Jahren eingelagert werden, bevor Gras über die Konflikte gewachsen ist - oder die Politik ältere Funde mal wieder durch Anpassung der gesetzlichen Fristen legalisiert. 

Rückgaben

Sobald die strafrechtlichen Ermittlungen und Eigentumsprüfungen abgeschlossen sind, übergibt die US-Regierung die Raubkunst im Rahmen formeller Zeremonien an die Herkunftsländer. Zu den bedeutendsten Rückgaben der letzten Jahre gehören:
In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium gab HSI im Mai 2026 26 antike Artefakte an die Republik Griechenland zurück. Das Prunkstück der Rückgabe war ein rund 250 Kilo schwerer Marmortorso von Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst. Zudem wurden 25 seltene antike Münzen übergeben, die bis in die griechische, römische und byzantinische Epoche zurückreichen. 
 
Asklepios-Statue
(Foto: ICE, PD via WikimediaCommons)


Ebenfalls im Mai übergab die HSI-Dienststelle in El Paso in einer feierlichen Restitution eine Vielzahl präkolumbianischer Artefakte und Kolonialgüter an die mexikanische Regierung. 
In Washington wurden im Januar 2026 sieben wertvolle Artefakte an die ägyptische Botschaft restituiert. Darunter befanden sich zwei mumifizierte Fische sowie ein Falkenkopf aus der Ptolemäerzeit (304–30 v. Chr.) sowie ein Amulett des Gottes Set und ein Herzskarabäus aus Basalt. 
HSI New York gab im Februar 2025 gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Manhattan 133 antike Kunstschätze an Pakistan zurück. Die Stücke stammten größtenteils aus Beschlagnahmungen rund um illegale Kunsthändlerringe. 

Rückgaben gab es bereits vor Trumps zweiter Präsidentschaft, unter anderem an Indien, den Jemen, Zypern, Italien und Frankreich. Insgesamt hat das HSI-Kulturgüterschutzprogramm seit seiner Gründung im Jahr 2007 weit über 20.000 Objekte in mehr als 40 Länder weltweit zurückgebracht. 

Es ist schade, dass die notwendige Verfolgung der Antikenhehler nun einen Beigeschmack bekommt und diese Arbeit auch dazu dient, die dunkle Seite von ICE zu relativieren.


Quellen

  • Offizielle Pressemitteilungen ICE/HSI

Literatur

  • H. Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft (Frankfurt 1955). 
  • G. Samaras, ICE as domestic state terror: operation Metro Surge and the production of fear in Minneapolis. Critical Studies on Terrorism 19/3, 2026, 811–828. - doi: https://doi.org/10.1080/17539153.2026.2686525

Sonntag, 6. September 2026

Wissenschaft schließt - Parawissenschaft kassiert (und verdummt)

Ja, ich weiß, Archäolog*innen beschäftigen sich normalerweise nicht mit Dinosauriern. Trotzdem lohnt es sich, zu registrieren, was aktuell in Philadelphia mit jenem Museum passiert, das 1868 erstmals wissenschaftlich ein Dinosaurierskelett der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Im Museum der Academy of Natural Sciences in Philadelphia (USA) wurde 1868 das Skelett des Hadrosaurus foulkii enthüllt. Dieses Fossil ist 10 Jahre zuvor in New Jersey gefunden worden. Der Paläontologe Joseph Leidy und ‚Paläokünstler’ Waterhouse Hawkins montierten das Skelett erstmals in aufrechter Haltung. Diese Ausstellung löste den ersten kolossalen, weltweiten Massenansturm („Dinomanie“) in einem Museum aus.

Ende September 2026 schließt in den USA das älteste Naturkundemuseum in den Amerikas (gegr. 1812, für Publikum geöffnet 1828) seine Pforten.

Die Schließung des Publikumsbetriebs des Museums der Philadelphia Academy of Natural Sciences  ist primär auf lokale wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen – insbesondere auf das hohe strukturelle Defizit der Trägeruniversität, gestiegene Betriebskosten und den anhaltenden Rückgang der Besucherzahlen seit der Pandemie. Die Sammlung soll erhalten bleiben, wird aber nicht mehr öffentlich zugänglich sein. 


 Saurierskelett im bald ehemaligen Museum in Philadelphia
(Foto: Daderot - Public Domain, via WikimediaCommons)


Förderung antiwissenschaftlicher Institutionen

Die Schließung in Philadelphia ist keine direkte politische Zensurmaßnahme der Republikaner. Unter den weißen evangelikalen Christen, die die Basis der Trump'schen MAGA-Bewegung bilden, sind kreationistische Ansichten zwar weit verbreitet, aber entgegen einem populären Klischee leugnen die meisten modernen Kreationisten die Existenz von Dinosauriern aber nicht. Stattdessen argumentieren sie, dass Dinosaurier zeitgleich mit den Menschen erschaffen wurden und während der Sintflut ausstarben. Die Erde sei insgesamt  nur erst etwa 6.000 bis 10.000 Jahre alt. Institutionen wie das bekannte Creation Museum in Kentucky stellen diese Koexistenz explizit dar. Ein Diorama dort zeigt neben Dinosauriern spielende Menschenkinder (Link zu Abb.). Die Evolution  des Menschen von gemeinsamen Vorfahren mit anderen Primaten wird strikt abgelehnt, da sie dem Glauben an eine göttliche Schöpfung nach Gottes Ebenbild widerspräche. 

Das 2007 eröffnete Creation Museum in Petersburg, Kentucky, steht im Gegensatz zur Academy finanziell auf einer sehr stabilen Basis. Betreiber ist die Non-Profit-Organisation Answers in Genesis. Sie ist Teil eines schuldenfrei expandierenden religiösen Unternehmens mit einer bundesweit mobilisierbaren, spendenstarken Anhängerschaft. Die finanzielle Basis speist sich aus zwei Quellen: einem anhaltend starken Ticket- und Merchandise-Verkauf sowie einem enormen Aufkommen an privaten Großspenden. Die Mutterorganisation generiert jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge.[AiG].

Der eigentliche Unterschied zu Philadelphia liegt weniger in der Gemeinnützigkeit – wie die Academy ist auch das Creation Museum von der Bundes-Einkommensteuer befreit, das ist für Museen in den USA normal – sondern im Zwillingsprojekt Ark Encounter in Williamstown, Kentucky. Der Themenpark mit der überdimensionalen Arche Noah wird über eine gewinnorientierte LLC (so was ähnliches wie eine GmbH) betrieben. Kentucky hatte ihm die ursprünglich zugesagte Tourismusförderung zunächst entzogen, mit der Begründung, staatliche Anreize dürften nicht zur Finanzierung religiöser Indoktrination dienen. Dagegen klagte AiG und bekam Recht. Vertreten wurde die Organisation damals pro bono von Mike Johnson, heute Sprecher des US-Repräsentantenhauses und enger Verbündeter von POTUS Don. Trump.

Als anerkannte Tourismusattraktion wurde der Ark Encounter für bis zu 18,25 Mio. Dollar an Förderung zugelassen – nicht als direkter Zuschuss, sondern als leistungsabhängige Rückerstattung der von Besuchern vor Ort gezahlten Umsatzsteuer auf Eintritt, Gastronomie, Souvenirs und Übernachtung. Das MAGA-Lager, die religiöse Rechte und die konservativen Republikaner in Kentucky, haben diese Förderung politisch stets massiv verteidigt, indem sie die Parks nicht als religiöse Indoktrination, sondern als reine „wirtschaftliche Jobmotoren“ für den lokalen Tourismus deklarierten. Kentucky hat aktuell zwar mit Andy Beshear einen demokratischen Gouverneur, aber eine überwältigende republikanische Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, die dieses Modell stützt.

 

Antiwissenschaftsklima und Kulturförderung 

Obwohl die Museumsschließung in Philadelphia nicht unter direktem politischem Druck geschieht, ist sie Ausdruck der zunehmend prekären wirtschaftlichen Lage von Bildungseinrichtungen in einem politischen Klima, in dem die öffentliche Finanzierung von Wissenschaft und Kultur unter dem Druck der ideologischen und budgetären Polarisation der USA steht. Im März 2025 hat das Bildungsministerium unter Trump der Drexel University (zusammen mit der Temple University) offiziell damit gedroht, Bundesmittel zu streichen. Grund dafür waren vornehmlich Untersuchungen im Nachgang der pro-palästinensischen Proteste und Campus-Camps, die die Trump-Administration vielerorts instrumentalisiert hat, um die Universitäten auf ihre DEI-Linie zu zwingen.

Themen, die MAGA nicht passen, geraten in den USA vermehrt in den Fokus politischer Budgetdebatten. Das gilt insbesondere auch für öffentlich geförderte Universitäten und mit ihnen verknüpfte wissenschaftliche und kulturelle Institutionen. 

Konservative Plattformen und Politiker argumentieren häufig, dass sich Institutionen durch Ticketverkäufe oder private Spenden selbst tragen müsdten, sich andernfalls neu ausrichten, sich verkleinern oder schließen müssten. Aus Kreisen der MAGA-Bewegung wird die staatliche Subventionierung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen oft kritisch hinterfragt, da diese als Teil eines „liberalen akademischen Establishments“ wahrgenommen werden. Im Zuge der Schließung in Philadelphia warnten Kritiker und Wissenschaftsaktivisten in lokalen Foren, dass der Rückzug aus der öffentlichen Wissenschaftskommunikation genau in eine Zeit passe, in der Bundesmittel für Forschung und öffentliche Gesundheit zur Disposition stehen. 
Das ist keine ganz neue Entwicklung unter Don. Trump, wie etwa die Vorgänge um das Illinois State Museum 2015 oder republikanische Einmischung in Förderungen der NSF 2014 zeigen.

Gerade jetzt, wo es gilt Bildungsangebote zu fördern, um gegen antiwissenschaftlichen Unsinn anzugehen, kommt solch eine Schließung zur Unzeit und so wird sie in der US-Öffentlichkeit und in akademischen Kreisen zurecht politisiert. 


Neue Perspektiven für die Saurier?

Philadelphias Bürger, Wissenschaftler und lokale Politiker reagierten schockiert über den Verlust dieses über 200 Jahre alten Kulturguts. Kritiker warfen Drexel Missmanagement vor und warnten davor, das öffentliche Gut einfach „aufzugeben“. 
Um eine Eskalation abzuwenden, schalteten sich der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, und Philadelphias Bürgermeisterin, Cherelle Parker, ein. Sie setzten einen unabhängigen Vermittler (den Diplomaten David L. Cohen) ein, um eine neue Vereinbarung zwischen Drexel und dem Museumsvorstand zu verhandeln. Dadurch wurde kurz vor der Schließung dahingehend ein Kompromiss vorgeschlagen, dass das öffentliche Gebäude am Parkway zwar wie geplant Ende September 2026 geräumt wird, aber der Museumsvorstand das vertragliche Recht erhält, sich komplett von Drexel zu lösen, falls er neue Partner oder Geldgeber findet, um die Sammlung in Zukunft an einem anderen (kleineren) Ort wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

Paradox!

Die Schließung ist keine kulturpolitische Hinrichtung durch MAGA, sondern ein schleichender Tod aus Unterfinanzierung, Besucherschwund und Universitätskrise. Gerade deshalb ist sie politisch. Während eine 213 Jahre alte Institution, die das erste freistehende Dinosaurierskelett der Welt zeigte und damit Wissenschaft sinnlich machte, ihre Pforten nicht mehr offen halten kann, expandiert wenige Bundesstaaten weiter ein religiöses Freizeitunternehmen schuldenfrei – getragen von Großspenden, Merch und gezielt erkämpften Steuervorteilen.

Was in Philadelphia verloren geht, ist nicht nur ein Haus mit Dinosauriern, sondern das Prinzip des authentischen Objekts – das Jefferson-Fossil, das Lewis-und-Clark-Herbarium, das Hadrosaurus-Original, an dem man Fragen lernen konnte. Archäologie und Paläontologie teilen dieses Pfund: Wir erklären die Welt nicht mit Dioramen von spielenden Kindern neben Triceratops, sondern mit Befunden, die wirklich da waren, die wir kontextualisieren und mit denen wir rekonstruieren. Wenn die öffentliche Hand diese Orte nicht mehr finanziert, überlässt sie das Deutungsmonopol jenen, die es sich leisten können und deren Interesse primär nicht der Bildung und dem Wohlergehen Aller ist. Kommerzialisierung von Museen und Bildungseinrichtungen  macht Bildung zur Ware, deren Preis andere festsetzen. Freies Phantasieren ist auch kostengünstiger als faktenorientierte wissenschaftliche Forschung. 

Alter Ruhm schützt nicht. Öffentliche Relevanz muss immer wieder erkämpft werden – und gerade dafür sind Museen wichtig. Das Problem ist, dass das Geld der Milliardäre und Populisten eher in lukrative Geschäfte wie kommerzielle Freízeitangebote anstatt in Bildung fließt, die ja auch kritisches Nachfragen provozieren könnte. Das Creation Museum verfügt über ganz andere finanzielle Ressourcen um eine Ausstellung zu inszenieren - und hat auch weniger Skrupel, konkrete Bilder zu präsentieren, als das seriöse Wissenschaftler*innen haben, die stets abwägen, welches Bild auch belegbar oder zumindest plausibel ist. 

Es ist paradox: Das Museum, das schon 1868 zum Pionier moderner Wissenschaft wurde und nebenbei die Dinomanie erfand, muss schließen, weil zu wenige kommen. Das 'Museum', das Wissenschaft mit Füßen tritt und Dinos als Gefährten des Menschen zeigt, boomt bei den Besuchern. 

Das ist ein Fall aus der USA, aber auch in Deutschland sind die Wissenschaftsverweigerer im Kommen.  Stabil bleiben und zumindest mit seriöser, transparenter Forschung gegenhalten!


Quellen

Academy of Natural Sciences in Philadelphia 

Kreationismus-Museum Kentucky

 Wissenschaftsklima in den USA

 Interne Links


Montag, 31. August 2026

Denkmalschutzgesetze unter Druck

Unter dem Mantra „Einfacher. Schneller. Günstiger“ und mit Verweis auf den dringend nötigen Wohnungsbau novellieren die Bundesländer derzeit fast zeitgleich ihre Bau- und Denkmalschutzgesetze – mit massiven Kollateralschäden für die Bodendenkmalpflege. Was als Bürokratieabbau verkauft wird, bedeutet in der Praxis: Zustimmungsfiktionen in Hessen, 15%-Schutz nur für eingetragene Fundstellen in Niedersachsen, weitreichende Ausnahmen in Berlin und NRW, Auflösung der Fachämter in Sachsen.  Weit weg von einem Anspruch auf Vollständigkeit Medienberichte aus den vergangenen Wochen.

Illustration Meta-KI


Berlin

Das Landesdenkmalamt hat Ende August 2026 ein Infoblatt veröffentlicht, das die wesentlichen denkmalrechtlichen Änderungen durch das Berliner Schneller-Bauen-Gesetz (2024) und das Gesetz für einfaches Bauen (2026) zusammenfasst. Die Gesetze sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, um den Wohnungsbau voranzubringen, tangieren dabei jedoch auch massiv das Handeln der Denkmalschutzbehörden.

Hessen

Der Hessische Landtag hat das neue Gesetz im Sommer final verabschiedet. Das Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur versucht seitdem, die Wogen mittels einer offiziellen „Fakten- und FAQ-Offensive“ zu glätten. Das Land verteidigt die „Zustimmungsfiktion“ (gilt nach 3 Monaten automatisch als genehmigt) und betont, dass der materielle Schutzstandard hoch bleibe, während das Verfahren bürgernäher werde. Kritiker und die Opposition bezweifeln weiterhin massiv, dass die Landkreise die fachliche Kompetenz und das Personal für die nun alleinige Entscheidungsfindung aufbringen können.

Niedersachsen

Durch die Neufassung von § 13 NDSchG wären künftig nur noch jene 15 Prozent der Fundstellen geschützt, die bereits offiziell im Denkmalverzeichnis eingetragen sind. Für alle anderen Flächen könnten Bauherren Erdarbeiten ohne vorherige Prüfung vornehmen.

Stellungnahmen 

Es gab Demos. Es wurde eine Petition mit enormem Zulauf gestartet. Bis Ende August 2026 haben bereits über 12.000 Bürger eine Petition gegen die geplante Aufweichung unterzeichnet. Die Medienberichterstattung konzentriert sich vor allem auf eine zentrale Protestaktion vor dem Landtag in Hannover: Die Archäologinnen und Archäologen sind direkt vor das Parlament gezogen. Vor dem Niedersächsischen Landtag demonstrierten sie gegen die Reformpläne von Kulturminister Falko Mohrs.Der Initiator der Petition, Ingo Eichfeld, sowie der Vorsitzende der Archäologischen Kommission für Niedersachsen, Jan F. Kegler, übergaben die gesammelten Stimmen direkt an Eva Viehoff, die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur. 

 

Die Braunschweiger Zeitung berichtete, dass der lautstarke Protest Eindruck hinterlässt. Angesichts der massiven Kritik in der nun abgelaufenen Verbändebeteiligung (Frist war der 26. August) signalisiere die Politik Gesprächsbereitschaft bei der Frage, wie künftig mit Erdarbeiten umgegangen werden soll. Tatsächlich geriet das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) unter Falko Mohrs durch den massiven Protest so stark unter Druck, dass es eine eigene Gegen-Kampagne in den sozialen Medien startete (u.a. via Instagram-Reels). Das Ministerium behauptet dort, dass in der Öffentlichkeit „verkürzte oder falsche Informationen“ geteilt würden.  Die Position des Landes: Das Ministerium argumentiert, dass Erdarbeiten keineswegs pauschal unkontrolliert ablaufen. Es solle lediglich die Bürokratie für private Häuslebauer und Kommunen gesenkt werden. Das Landesamt für Denkmalpflege (NLD) solle sich auf die „tatsächlich bedeutenden“ Fundstellen konzentrieren.

Wichtig in der Arbeit gegen die Schwächung des Denkmalschutzes ist es auch, an die Abgeordneten heranzutreten, etwa über Abgeordneten Watch:

Medienecho 

Die Petition erlangte innerhalb weniger Wochen europäische Aufmerksamkeit. Selbst die European Association of Archaeologists (EAA) schaltete sich ein und rief ihre Mitglieder international zur Unterstützung auf, da Niedersachsen mit diesem Gesetz im europäischen Vergleich im Denkmalschutz „auf den letzten Platz zurückfallen“ würde.

Bereits im September 2026 soll der Entwurf im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur beraten werden; im Herbst folgt die Debatte im Landtag.

Das Bündnis Achäologie Niedersachsen sammelt Fakten, Argumente und Stimmen für eine bessere Novelle. Es  lehnt eine Reform des Gesetzes nicht grundlegend ab, sondern sucht den konstruktiven Dialog mit dem Landesamt, den Unteren Denkmalschutzbehörden und Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft suchen.

Nordrhein-Westfalen

Am 15. Juli 2026 hat der Landtag eine Novelle der Landes­bauordnung verabschiedet, die auch gravierende Änderungen am Denkmal­schutz­gesetz mit sich bringt. 

  • NRW state parliament discusses changes to monument protection law (19.5.2026),  Dombert Rechtsanwälte . - https://dombert.de/en/nrw-state-parliament-discusses-changes-to-monument-protection-law/
    Dieser englischsprachige Bericht beleuchtet die weitreichenden Ausnahmen im novellierten Gesetz, die insbesondere Bauvorhaben für die Landesverteidigung und den Katastrophenschutz von klassischen denkmalrechtlichen Erlaubnispflichten befreien.

Sachsen 

Deutschlandweite Aspekte

Die Bundesländer - sonst immer auf ihre Kultuurhoheit pochend - nutzen die Bundesvorgaben zur Beschleunigung von Wohnungsbau und Infrastruktur (wie den Abbau von Bürokratie im Baurecht), um den Denkmalschutz pauschal als „Bremsklotz“ zu deklarieren. 
  • Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2026/2027. - https://www.staedtebaufoerderung.info/SharedDocs/downloads/DE/Grundlagen/VV2026_27.html
  • Änderungen des Denkmalschutzgesetzes im Zuge des Bundeswehrfördergesetzes (August 2026), Kanzlei Kleine-Tebbe (Aug. 2026. – https://kleinetebbe.de/die-themen/aenderungen-des-denkmalschutzgesetzes/
    Hinweis auf den Gesetzentwurf zum Bundeswehrfördergesetz  

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) zog im August 2026 in ihrem zweiten „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ eine besorgniserregende Bilanz: Bundesweit gingen in den Jahren 2024/25 über 1.000 Denkmale unwiederbringlich verloren. Die DSD kritisiert, dass viele der aktuellen Länder-Novellen reiner „politischer Durchgriff“ seien, der zu einem massiven Verlust unabhängiger Fachexpertise in den Behörden führe. 

Das Schwarzbuch der Denkmalpflege ( 324 Seiten) ist online im pdf-Format als Download verfügbar oder als gedruckte Broschüre kostenlos bestellbar unter: www.schwarzbuch-der-denkmalpflege.de


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