Sonntag, 16. Januar 2022

Als es zwei Grad kälter wurde

Ein Radiofeature des BR:

  • https://www.br.de/mediathek/podcast/radiofeature/als-es-zwei-grad-kaelter-wurde-was-die-kleine-eiszeit-ueber-den-klimawandel-heute-verraet/1846526


mit guten Gegenwartsbezügen

Freitag, 14. Januar 2022

Wissenschafts- und Publikationsfreiheit für Ausgräber*innen aus der kommerziellen Archäologie

In den Richtlinien des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe hießes , in konsequenter Fortführung früherer Praxis noch im  Mai 2021: "Bei allen auf vorliegender Genehmigung nach § 13 DSchG NRW beruhenden Ausgrabungen ... sind alle sich hieran anschließenden Veröffentlichungen des Genehmigungsinhabers (sei es in Wort, Bild oder Schrift, in gedruckter Form oder elektronisch) zuvor mit der LWL-AfW einvernehmlich abzustimmen; das Urheberrecht bleibt davon unberührt." 
Da damit alle nicht-amtlichen Archäologen unter eine Vormundschaft der Amtsarchäologie gestellt wurden, übten die DGUF und Ihre Mitglieder auf eine Depublikation dieser Richtlinien und ihre Überarbeitung hin.
Am 13.1.2022 erschien eine Neufassung der Richtlinien, die diese mehr als fragwürdige Praxis in Westfalen-Lippe nun beendet. Ähnliche Ansprüche der Ämter sind anderswo anscheinand aber durchaus noch anzutreffen, wenn auch nicht immer schriftlich fixiert.
 
Offen bleibt natürlich die Frage, wie Grabungsergebnisse aus der kommerziellen Archäologie zuverlässig der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dass die Richtlinien für das Amt ein "Recht zur Nutzung für sämtliche analoge und digitale Daten der Maßnahme, soweit dies zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben erforderlich ist" vorsehen erscheint angemessen und verhältnismäßig. Wie aber kann sichergestellt werden, dass darüber hinaus die Daten der Wissenschaft und auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Dass sie dies letztlich müssen, steht m.E. außer Frage, denn die Sinnhaftigkeit und Rechtfertigung einer Notgrabungsmaßnahme und deren Finanzierung mit Steuermitteln oder aus dem Verursacherprinzip heruaus ergibt sich ja daraus, dass der originale Befund für die Gesellschaft nicht verloren ist, die Grabungsdaten (wie auch die Funde) also nicht irgendwo, kaum auffindbar und nicht nachhaltig gesichert im Privatbesitz dümpeln.
 
Wie man das in Zukunft erreichen kann, ist freilich eine offene Frage. M.E. müssten die Grabungsrohdaten in einem Repositorium lizensiert bereit stehen, eventuell mit gestaffelten Rechten zur Wahrung möglicher anderer Schutzrechte und -interessen, vielleicht auch mit einer mehrjährigen Wartefrist, die den Ausgräbern eine Chance einräumt, selbst eine weitergehende Auswertung vorzunehmen. 
Das aber ist nichts, was in Amtsrichtlinien geregelt werden kann, sondern etwas, das eine gesetzliche Regelung im Denkmalschutzgesetz erfordert - und eine übersichtliche Dateninfrastruktur.
 
Deshalb ist es wichtig, hier auf eine für Juni geplante Gemeinsame Tagung von DGUF & NFDI4Objects in Frankfurt hinzuweisen, die sich eben dieser Thematik annehmen möchte.
Problematisch ist hier übrigens auch, dass die Kosten für Auswertungen nirgendwo im normalen denkmalpflegerischen Ablauf von Notgrabungen angemessen mit berücksichtigt werden. Die Auswertung ist nicht Teil der Kosten, für die der Verursacher aufzukommen hat. Auswertungen werden daher gerne als Abschlußarbeiten an die Universitäten delegiert, was  definitiv keine Lösung sein kann Abgesehen davon, dass natürlich an der Universität ein Interesse daran besteht, dass Studierende praktische Erfahrungen in der Grabungsauswertung sammeln können, sind es einfach zu wenige Studierende um die neu anfallenden (und schon vorliegenden) Daten abzuarbeiten. Letztlich werden die Studierenden hier auch nur als günstige Arbeitskräfte gesehen. Die Auswertung und Interpretation von Grabungen ist jedoch auch eine der anspruchsvollste Arbeiten in der Archäologie, die hier strukturell immer in den Händen von Anfänger*innen bleibt. Viele meistern das, aber viele Abschlussarbeiten (v.a. BA und MA-Niveau) sind eben auch nicht so ohne weiteres publizierbar.

Man wird differenzieren müssen zwischen einer (digital zugänglichen) Materialvorlage, die Teil der Grabung und der Verursacherfinanzierung sein muss und einer tieferen wissenschaftlichen Auswertung, die fragestellungsorientiert die Datenrepositorien und Grabungsfunde (und -proben) einer Detailuntersuchung zuführt und auswertet.  Letztlich wäre das nicht unähnlich der seit langem bestehenden Kooperation/Aufgabenteilung von Archivar*innen und Historiker*innen.

Freitag, 7. Januar 2022

BILD regt sich zu Recht - aber doch etwas unehrlich - über die Raubgräber von Rodenbach auf

Sonst ist BILD jedoch nicht so sensibel und schürt Empörung ob verurteilter Raubgräber.  Gut 10 Jahre ist nun BILDs Jagd nach einem Maya-Schatz her, bei der in kolonialer Manier und auf parawissenschaftlicher Grundlage eine BILD-Expedition nach Guatemala zog - und in Konflikt mit den Altertumsbehörden geriet.

Aktuell ist aber hervorzuheben, dass BILD auch den Schaden darstellt: 

"Historische Funde aus der Bronzezeit sind laut Dr. Elisabeth Faulstich-Schilling in Hessen sehr selten: „Woran das liegt, wollte ich u.a. durch diese Funde herausfinden. Doch wenn Funde weg sind, ist die Arbeit zerstört, das Kulturgut nicht wiederherzustellen.“  "

Solche nicht mehr beantwortbare Fragen  - und das ist hier ja sicher nur eine von vielen - sollten sehr viel öfters kommuniziert werden.

 
(Foto: R. Schreg, 2013)



Links

Sonntag, 2. Januar 2022

Brexit: London wird zur Hauptstadt der Antikenhehler

Ein Jahr nach dem Brexit werden mehr und mehr Konsequenzen dieser populistischen Politik sichtbar. Ein Opfer: archäologische Stätten.

Großbritannien hat die in der EU geltenden Gesetze zum Antikenhandel außer Kraft gesetzt, so dass nun keinerlei Provenienznachweise für den Import/ Export von Antiken notwendig ist. Die offene EU-Grenze in Irland gibt hier eine Schmugellinie vor.

"Die Entscheidung nach dem Brexit, die Antiquitätengesetzgebung der EU aufzuheben, macht die Sache noch schlimmer. ... Jetzt, da Großbritannien die EU verlassen hat und die EU viel strengere Gesetze erlassen hat, wird Großbritannien verwundbar sein, weil unsere Gesetzgebung vergleichsweise viel schwächer ist." (Fionnuala Rogers, Blue Shield UK)

Samstag, 1. Januar 2022

Archaeologik 2021

Ein Gutes 2022! Es möge besser werden als 2021!

Der Rückblick auf das Jahr 2021 auf Archaeologik soll kurz ausfallen. Es ist nach dem Coronajahr 2020 sicher für Viele eines, an das man sich nicht gerne erinnert. Für Archaeologik ist es immerhin eines, das den Abschluß des 10jährigen Jubiläums gesehen hat. Am 25.4.2011 ist Archaeologik in seiner auch heute noch weitgehend unveränderten Form an den Start gegangen:



Zahlen

Mit nur 63 Posts war 2021 das bislang schwächste Jahr. Vor allem im zweiten Halbjahr Wieder wurde nur ein einziger Post auf Englisch eingestellt - ein aktueller Verweis auf einen Live-Stream. Gastbeiträge gab es lediglich 5 (Vorjahr: 15), davon vier aus der Serie Archäologie als Kunst.
 
Die zehn meist gelesenen Beiträge 2021:
     
     
     
  1.   Archäologie, Öffentlichkeit, Politik & Wissenschaft. Archaeologik (4.5.2021). - 3.413 Seitenaufrufe
  2. Noch nie dagewesen? Hochwasser und Starkregen im Juli 2021 und im Juli 1342. Archaeologik (20.7.2021). - 954 Seitenaufrufe
  3. R. Karl: Facharchäologische Argumente gegen die Metallsuche durch Laien - Anspruch und Realität. Archaeologik (29.9.2014). - 684 Seitenaufrufe (insgesamt 6977)
  4. Büffelhorn und Thorshammer. Archaeologik (10.1.2021). - 671 Seitenaufrufe
  5. Die Bombenopfer von Dresden - Historische Archäologie gegen ihren Missbrauch. Archaeologik (12.2.2020). - 584 Seitenaufrufe (insgesamt 1855)
  6. Eine weitere Fantasieprovenienz Archaeologik (7.2.2021). - 568 Seitenaufrufe
  7. Zeichnerische Dokumentation von Keramikfunden. Archaeologik (26.2.2017). -550 Seitenaufrufe (insgesamt 6757)
  8. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen. Archaeologik (14.12.2011). - 508 Seitenaufrufe (insgesamt 10.552)
  9. Krankheitserreger als „Global Player“ - Vom Austausch tödlicher Erreger mit der Entdeckung der Neuen Welt. Archaeologik (8.4.2020). - 479 Seitenaufrufe (insgesamtz 1267)
  10. Hanau: Raubgräber plündern und zerstören eine laufende archäologische Ausgrabung. Archaeologik (29.12.2021). - 443 Seitenaufrufe - Interessanterweise hat es der letzte Post 2021 aus dem Stand in die TopTen geschafft.


Die monatlichen Zugriffszahlen blieben im Jahr 2020 auf relativ niedrigerem Niveau einigermaßen konstant. Nach der Statistik von GoogleAnalytics sind 2021 immerhin 139.726 Seitenaufrufe (Stand 31.12.) zu verzeichnen, gegenüber 134.220 im Jahr 2020 rund 102.200 im Jahr 2019. Die Verlinkungen von anderen Seiten, ebenso wie Kommentare zu den Blogposts sind im Vergleich zu den Boom-Jahren 2014-17 auf niedrigem Niveau. 

Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger,
(Quelle: Blogger Statistik via GoogleAnalytics)

 
Zugriffe auf den Blog kamen wiederum zumeist von Google, offenbar via Suchanfragen, gefolgt von facebook.Der Anteil der nicht kategorisierten Zugriffe ist aber stark steigend.

Die begleitende facebook-Gruppe Archaeologik ist 2021 ein ganz klein wenig geschrupft (von 2068 auf 2054 Members) aber mit immerhin über 23.000 Views. Etwas aktiver sind aktuell anscheinend die Follower via Twitter, wohin neue Archaeologik-Posts über meinen persönlichen Account getweeted werden.

Themen 2021

Die Themen widmeten sich wieder zu einem Großteil Themen des Kulturgüterschutzes und der Zerstörungen durch Raubgrabungen. Die Posts über die Jahre hinweg haben sich als eine wertvolle Sammlung auch für die universitäre Lehre erwiesen. Im Sommersemester 2021 konnte ich eine Übung zu "Zerstörung durch Raubgrabung" abhalten, bei der Archaeologik doch einige Ansatzpunkte für eine vertiefte Auseinandersetzung bot. Neue Blogposts sind hieraus (noch) nicht entstanden., aber im Kontext anderer Publikationen in Vorbereitung.
Die langjährige Post-Serie zur  Kulturgutzerstörung in Syrien und Irak ist 2020 mit einem letzten Post am 2.1.2021 ausgelaufen, dennoch blieb das Thema mit einigen Blogposts auf Archaeologik präsent:
 
Das Thema Archäologie & Politik wurde zu Beginn des Jahres zunächst wieder durch Ex- POTUS D. Trump bestimmt, denn beim Sturm auf das Kapitol waren auch einige historisierende Symbole zu beobachten. Aber auch Koalitionsverträge und Gesetzesentwürfe waren Anlaß für Archaeologik-Posts.
Auch Umwelt-Themen waren auf Archaeologik wieder ein thematischer Scherwpunkt.  Das Hochwasser in der Eifel war Anlaß für einen Blick in den Sommer 1342. Weitere Beiträge zur Umweltgeschichte griffen neu erschienene Publikationen unter anderem zur Altflurforschung auf . Und schließlich war ein Nachruf auf Paul Crutzen Anlaß für einen Blick ins Anthropozän.
Rezensionen 

 


Interne Links