Mittwoch, 29. April 2026

glaub nicht der KI

Grabstätte des Ötzi (Italien) – Obgleich aus der Kupferzeit, zeigt dieser Fund präkolumbianischen Einfluss auf die Fläche des Mittelalters.

 

Montag, 20. April 2026

Kriegszerstörungen im Libanon

Seit dem Ausbruch des intensivierten Konflikts im März 2026 hat der Libanon massive Zerstörungen durch israelische Angriffe und Bodenoperationen gegen die Hisbollah-Miliz erlitten. Trotz einer am 17. April 2026 in Kraft getretenen zehntägigen Waffenruhe bleibt die Lage aufgrund schwerer Schäden an der Infrastruktur und Wohngebieten katastrophal. Im gesamten Libanon wurden zahlreiche Gebäude zerstört. Besonders betroffen sind die südlichen Vororte von Beirut (Dahiyeh), die Bekaa-Ebene und der Südlibanon. In grenznahen Dörfern im Süden wurden ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht; Satellitenbilder zeigen teils völlig verwüstete Orte. Mehr als 2000 Menschen sollen getötet, etwa 1,2 Millionen Menschen (etwa jeder fünfte Libanese) aus ihren Häusern vertrieben worden sein. 

Die UNESCO hat Berichte über Schäden an mehr als 20 Kulturstätten in der Region erhalten. Zu den konkret gemeldeten Vorfällen im Libanon gehören: 

Tyros (Sour)

 Die UNESCO hat Schäden an der antiken phönizischen und römischen Welterbestätte bestätigt. Besonders der Eingangsbereich der archäologischen Stätte wurde Anfang März durch eine israelische Rakete beschädigt. Das Welterbe in Tyros dient aktuell als Pilotprojekt für einen „Notfall-Kontingenzplan“. Dabei werden Listen erstellt und Sicherungsmaßnahmen für Objekte entwickelt, die nicht evakuiert werden können, um sie vor Vandalismus und Plünderung zu schützen. 

 

 Zitadelle von Chama' 

Am 17. April 2026 reichte das libanesische Kulturministerium eine dringende Beschwerde bei der UNESCO ein, da befürchtet wird, dass diese Festung aus dem 12. Jahrhundert durch israelische Truppen vollständig zerstört wurde. Diese Einschätzung basiert auf Berichten lokaler Behörden und Augenzeugen aus dem Südlibanon, die den Einsatz von Bulldozern zur systematischen Zerstörung der Anlage meldeten. Die Zerstörung von Infrastruktur oder Gebäuden durch die israelische Armee ist ein öfters dokumentiertes Vorgehen in den aktuellen Konfliktgebieten. In den Medienberichten finden sich jedoch vor allem Hinweise auf einen israelischen Luftangriff am 13. April. Die Zitadelle beherrscht strategisch das Umland von Tyros und geht im wesentlichen auf die Kreuzfahrerzeit zurück - mit älteren u.a. römischen und byzantinischen Phasen. 

Hier liegt auch der Simeon-Schrein, ein schiitisches Heiligtum wohl des späten 11. Jahrhunderts - der lokalen Überlieferung ist Petrus hier und nicht im Vatikan bestattet. Bereits 2024 war er beim israelischen Vordringen gegen die Hisbollah umkämpft und wurde zerstört, nachdem er erst nach Zerstörungen im Krieg 2006 mit italienischer Hilfe seit 2017 neu restauriert worden war. Als die Anlage unter israelischer Kontrolle stand, gewährte die israelische Armee einem Hobby-Archäologen Zutritt, der dort in einem Feuergefecht mit der Hisbollah ums Leben kam. 1978 bis 2000 diente die Zitadelle während der damaligen Besetzung des Südlibanons als israelischer Militärposten. 

Chamaa Zitadelle und Simeonsschrein, 2020
(Foto: Ibrahimamirnaeem, CC BY SA 4.0 via WikimediaCommons)

Ganze historische Grenzdörfer wie Muhaibib wurden laut Berichten dem Erdboden gleichgemacht. Weitere gefährdete Orte unter Beobachtung sind die römischen Tempel von Hibarieh, die Ausgrabungsstätte Qana und die Burg Beaufort. 

Baalbek 

Während die römischen Tempelanlagen selbst laut vorläufigen Satellitenanalysen noch keine massiven sichtbaren Schäden aufweisen, gab es Einschläge in unmittelbarer Nähe, die durch Erschütterungen die Statik gefährden. Schon während des Gazakrieges wurden im November 2024 Beschädigungen in Baalbek befürchtet. Im Jahr 2024 konzentrierten sich die Zerstörungen in Baalbek durch israelische Luftangriffe vor allem auf historische Gebäude in unmittelbarer Nähe des UNESCO-Weltkulturerbes sowie auf zivile Infrastruktur. Während die berühmten römischen Tempelanlagen (Jupiter-, Bacchus- und Venus-Tempel) nach bisherigen Erkenntnissen keine direkten Volltreffer erlitten, kam es zu massiven Schäden im direkten Umfeld. Zerstörungen und Erfahrungen 2024 Bereits bei der israelischen Invasion im Süden Libanons 2024 war es zu erheblichen Zerstörungen gekomnen. Heritage for Peace, die zuvor bereits in Syrien aktiv waren, begann ein Monitoring. Eine Zusammenfassung der Zerstörungen findet sich in der englischsprachigen Wikipedia

Bacchus-Tempel in Baalbek
(Foto: Lodo, CC BY SA 2.0 via WikimediaCommons)



 

Reaktionen der UNESCO 

Die UNESCO hat mit außergewöhnlichen Notmaßnahmen reagiert: Am 1. April 2026 stellte die UNESCO 39 libanesische Kulturstätten unter den sogenannten „verstärkten Schutz“ (enhanced protection). Dies ist die höchste völkerrechtliche Schutzstufe nach dem Haager Abkommen von 1954. Ein Angriff auf diese Stätten kann als Kriegsverbrechen geahndet werden. 2024 war dies schon einmal ausgesprochen worden. 

Die UNESCO stellte über 100.000 USD für Sofortmaßnahmen zur Verfügung. Dazu gehören Schulungen für Personal sowie Unterstützung beim Abtransport und der sicheren Lagerung von Artefakten aus gefährdeten Städten wie Tyros und Sidon. 

Die UNESCO hat die genauen geografischen Koordinaten aller Welterbestätten an die Konfliktparteien übermittelt, um versehentliche Angriffe zu verhindern. In Zusammenarbeit mit dem UN-Satellitenzentrum (UNOSAT) führt die UNESCO eine kontinuierliche Überwachung durch, um Schäden zeitnah zu dokumentieren, solange Bodeninspektionen unmöglich sind. 

Im Allgemeinen ist der Schutz archäologischer Denkmäler im Libanon auch ohne Kriegszerstörungen eher eine schwierige Angelegenheit (taz 2025). 

 

 Links 

 

Interner Link 

Bemerkung: ich habe einige der Informationen unter Zuhilfenahme von KI (Google) zusammengestellt, aber die Quellen grob überprüft.  

Mittwoch, 1. April 2026

Denkmalpflege stoppt Trump

 Erst mal…

Meldung von gestern anscheinend kein Aprilscherz…

Baustelles des Trump-Ballsaal an Stelle des illegal abgerissenen Ostflügels des Weißen Hauses 
(Foto:G.Edward Johnson,    CC B Y SA 4.0 via WikinediaCommons)


Dienstag, 31. März 2026

Zusammen oder getrennt?

In Sachsen wird über eine Neuorganisation des smac in Chemnitzz  nahcgedacht. 

 

smac Chemnitz
(Foto: Derbrauni, CC BY 4.0, via WikimediaCommons)

Zwei Organisationsmodelle sind zu unterscheiden:

  1. das integrierte Museum, bei dem Denkmalpflege und Museum in einer Organisation vereint sind, so etwa in Halle oder auf Schloß Gottorf 
  2. das eigenständige Museum, das organisatorisch eigenständig ist, da aber natürlich kooperiert. Beispiel wäre die Archäologische Staatssammlung in München und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. 

In der Praxis gibt es Hybridformen, so im Saarland, wo Denkmalpflege und Staatliche Altertümersammlung organisatorisch verbunden sind, das Museum für Vor- und Frühgeschichte jedoch von einer Stiftung getragen wird. Hier wird bei den Museumsaufgaben zwischen Archiierung und Ausstellung getrennt. In Baden-Württemberg wurde eine Kompromisslösung installiert, indem der Präsident des Denkmalamtes und der Direktor des Archäologischen Landesmuseums in Personalunion besetzt wurden. Das trägt indes nur so lange, so lange der Präsident des Amtes aus der Archäologe und nicht etwa der Bau- und Kunstdenkmalpflege kommt. 

Welche Lösung hier tatsächlich von Vorteil ist, hängt wohl ganz wesentlich von den beteiligten Personen und den Budgets ab und lsst sich pauschal nicht so ohne weiteres beantworten. Ein Aspekt, der derzeit aktuell wird ist die Frage, wie Wissenschaftsvermittlung resilient organisiert werden kann, so dass denkbare populistische Regierungen keinen Zugriff auf die historischen Narrative erhalten und die Wissenschaftsfreiheit gewahrt bleibt. Hier bieten stiftungsbasierte Organisationsformen möglicheweise Vorteile.

Samstag, 28. März 2026

Die digitale Sammlung des ALM Baden-Württemberg

leider mit den üblichen Schwächen:

  • keine Angabe über die Handhabung der Nutzungsrechte (keine CC-Lizenzierung)
  • keine genaue Fundsortangaben  
  • keine Normdaten
  • keine Permalinks
  • keine zuverlässige Suche 

Siehe: