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Freitag, 10. Februar 2017

Ein Einblick in die Balkanroute des Kunstschmuggels: Objekte aus Raubgrabungen und Fälschungen in Ungarn sichergestellt

Beitrag von László Matthias Simon
Wie jetzt bekannt gegeben wurde, hat die Ungarische Polizei bereits im September 2016 im Komitat Bács-Kiskun bislang unbekannte vorderasiatische Kunstgegenstände im Wert von 160-200 Millionen Forint (520.000 – 650.000€) sichergestellt. Die Objekte fanden sich in einem LKW, der auf dem Weg von der Türkei nach Polen war.

Die ersten Objekte waren unter dem Fahrersitz verstaut, was zu einer umfangreichen Untersuchung des Fahrzeugs führte, bei der 101 Objekte sichergestellt werden konnten. Der 50 jährige Fahrer türkischer Herkunft wurde verhaftet. Die Befragung ergab, dass der Fahrer die Objekte in Istanbul übernommen hat, um sie gegen eine Bezahlung von 300€ in Polen abzuliefern.
Die Untersuchung der Objekte ergab, dass die mesopotamischen, urartäischen, und persischen Artefakte keiner registrierten Museums- oder Privatsammlung gehören. Es wird vermutet, dass es sich bei den urartäischen Stücken um Objekte aus einer einzigen Raubgrabung handelt, vielleicht aus einem Grab. Hierfür sprechen auch die homogenen Erdablagerungen auf den Objekten, so die ungarischen Behörden. Unter den Objekten fanden sich nach Angaben der Polizei auch zahlrieche Fälschungen von Rollsiegeln, Steingefäßen und Statuen. Begutachtet wurden die Stücke vom Historiker und Assyriologen Dr. Tamás Dezső von der Eötvös Lóránd Universität Budapest.

Dienstag, 30. Juni 2015

Kulturgutraub im Herzen Europas? – Ein Schnappschuss aus Ungarn

Gastbeitrag von László Matthias Simon


Während ungarische Behörden zurzeit in mindestens zwei Fällen von Raubgräberei ermitteln, verkündet die ungarische Regierung den weiteren Ankauf von Stücken des Seuso-Hortfundes. Gleichzeitig sollen durch ein neues ungarisches Gesetz die Möglichkeiten der Archäologie massiv eingeschränkt und hierdurch Bodendenkmäler der Zerstörung preisgegeben werden. Ein weiteres Kapitel in der problematischen Beziehung zwischen Archäologie und Politik in Ungarn.

Grabräuber sind in Ungarn unterwegs

Bereits Mitte Mai fand im nordungarischen Mátraszõlõs eine Hausdurchsuchung statt, bei der Eisenobjekte, Knochenwerkzeuge und Teile eines Tongefäßes zum Vorschein kamen. Die Objekte, denen die Polizei durch einen anonymen Hinweis auf die Spur kam, stammen von einem unbekannten Fundplatz, wobei weitere Informationen bislang nicht bekannt geworden sind.
Aus deutscher Sicht interessanter ist da der Fall eines Sondengänger aus dem ostungarischen Debrecen. Bereits 2006 soll dieser mit einem Metalldetektor ein etwa 3000 Jahre altes Metallgefäß gefunden haben. Er vergrub es in seinem Garten und suchte seitdem nach einem Käufer. Die Fahnder kamen nun über einen Hinweis deutscher Behörden auf den Mann, der auch versucht haben soll, das Objekt nach Deutschland zu verkaufen. Es wird vermutet, dass es sich bei dem gut erhaltenen Stück um einen bislang unentdeckten Teil des bereits 1858 entdeckten Böszörményer Hortfundes handeln könnte, der letzten Sommer im Hajdúböszörményer Museum zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde

Der ungarische Staat als potentieller Käufer/Mieter von Hehlerware?

Wie hoch die Dunkelziffer an Raubgrabungen tatsächlich ist, lässt sich kaum schätzen. Dass es eine Nachfrage auf dem Markt für ungarisches Kulturgut gibt – sogar von staatlicher Seite! –, zeigt der sog. Seuso-Hortfund. Ein großer Teil dieser Fundgruppe wurde im März 2014 von der ungarischen Regierung angemietet (vergl. L.M. Simon, Sieben Stücke des Seuso-Hortfundes durch Ungarn angekauft. Archaeologik [28.3.2014] - http://archaeologik.blogspot.de/2014/03/sieben-stucke-des-seuso-hortfundes.html). Obgleich seine tatsächliche Herkunft immer noch umstritten ist, wird er in Ungarn als nationales Kulturgut gehandelt. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass trotz nun erneut verlautender Rückführungsankündigungen aller eventuell zum Hortfund gehörender Objekte , im Mai in der Ukraine zwei Silberkrüge versteigert wurden, die eine beachtliche Ähnlichkeit zu den Seuso-Funden haben sollen, ohne, dass die ungarische Regierung Anstalten gemacht hätte, diese anzukaufen . Die beiden Stücke gingen für umgerechnet etwa 42.000 € an einen unbekannten Bieter, ihr Verbleib ist unbekannt. Gabriella Nádorfi, Leiterin des Szent István Múzeum in Székesfehérvár zeigte sich in einem Interview gegenüber dem Nachrichtenportal hgv.hu überzeugt, dass es sich um Stücke des Hortfundes handelt, während der Archäologe Zsolt Mráv, Mitarbeiter der Forschergruppe rund um den Seuso-Hortfund in Ungarn, dies gegenüber NOL bestreitet. Ob dies vielleicht der Angst geschuldet ist, den argumentativ fragwürdigen Zusammenhang aller Seuso-Funde als ein zusammenhängender Hortfund  mit Provenienz Ungarn durch weitere Funde nicht zu gefährden, muss Spekulation bleiben.

Eines der Stücke aus dem Seuso-Hortfund, dem die in der Ukraine versteigerten Stücke ähneln,
während der Ausstellung des Hortfundes im ungarischen Parlament im April 2014.
(Foto: Derzsi Elekes Andor [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)


Ein Problem, durch das Raubgrabungen in Ungarn gefördert werden, ist die Gesetzgebung, die zwar eine Entschädigung vorschreibt, die Höhe jedoch nur im Falle von Metallgegenständen als maximal 10% des Metallwertes festgesetzt ist.  So wurden letzten Herbst im Göcseji Museum im westungarischen Zalaegerszeg etwa 73 Bronzegegenstände, darunter Schwerter, Dolche, Brustpanzer und Schmuckgegenstände, abgeliefert, die der Urnenfelderkultur zugeordnet werden. Die Entschädigung für den arbeitslosen Finder belief sich hierbei lediglich auf umgerechnet etwa 310€ und den Dank des Parlamentspräsidenten. Er werde oft gefragt, warum er die Stücke nicht versucht habe zu verkaufen, wo sie doch auf dem Schwarzmarkt hunderttausende, wenn nicht Millionen Forint eingebracht hätten, so der Finder gegenüber NOL. Doch gehören für ihn solche Funde einfach in ein Museum.

Neues Gesetz behindert Rettungsgrabungen


Während also der Boden Ungarns oft ungestraft illegal durchwühlt wird, tut die ungarische Politik ihr Bestes, um die reguläre archäologische Arbeit zu be- oder sogar zu verhindern. So verabschiedete das Parlament am 10. Juni 2015 ein neues Gesetz des Ministeriums für nationale Entwicklung, das die für Rettungsgrabungen zur Verfügung stehende Zeitspanne ein weiteres Mal im Sinne wirtschaftlicher Interessen massiv kürzt. Der ungarische Archäologenverband kritisierte bereits im Vorfeld in einer Stellungnahme, dass das Gesetz verfassungswidrig sei und man gegebenenfalls vor das ungarische Verfassungsgericht ziehen werde. Man argumentiert mit dem in der Verfassung festgeschriebenen Schutz kulturellen Erbes. Das Gesetz ließe es beispielsweise zu, dass für die Grabung von 31 Bodendenkmälern auf einer Autobahnneubaustrecke von 32 Kilometern lediglich 30 Kalendertage eingeräumt werden, was allein arbeitsrechtlich problematisch werden würde, wolle man die Grabungsqualität und -intensität beibehalten. Nach der letzten verheerenden Gesetzesänderung im Jahr 2011 (vergl. Neues Gesetz gefährdet archäologische Notgrabungen in Ungarn. Archaeologik [10.10.2011] - http://archaeologik.blogspot.de/2011/10/neues-gesetz-gefahrdet-archaologische.html) standen 'immerhin' noch 30 Werktage zu Verfügung, was freilich ebensowenig ausreicht. Die Bearbeitung von Fundstellen, die unerwartet zum Vorschein kommen würden, dürften die laufenden Bauarbeiten zeitlich nicht hinauszögern. Eine Untersuchung solcher unerwarteter Funde wäre jedoch sowieso nur noch dann möglich, wenn dies der Minister für Humanressourcen innerhalb von acht Tagen anordnet. Gleichzeitig sollen archäologische Arbeiten auch von nicht für archäologische Arbeiten akkreditierten Institutionen oder Firmen durchgeführt werden können. Ziel der Regelungen soll vor allem die Beschleunigung des Autobahnausbaus sein. László L. Simon, Kommissionsvorsitzender des Nationalen Kulturfonds und ehemaliger Minister für Humanressourcen, sieht in dem Gesetz einen guten Kompromiss zwischen Schutz des Kulturgutes und der Beschleunigung des Autobahnausbaus. Für Gábor Lassányi, den Vorsitzenden des ungarischen Archäologenverbandes, ist es das „schlimmste, was mit der ungarischen Archäologie in den letzten Jahren geschehen ist“.

Autobahnbau in Ungarn seit den 1960er Jahren und Planungen (in rot und gelb) für die nächsten Jahre.
Für die neuen Bauabschnitte sind jeweils nur noch 30 Kalendertage archäologischer Grabungen vorgesehen.
(Bild: PanPeter12 [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

Kulturgut ist nicht nur im Nahen Osten bedroht, wo die westliche Welt geschockt auf Ninive, Palmyra und Co. blickt. Auch in Europa geschieht eine schleichende, eher stille Zerstörung von Fundstätten. Jedoch richten hier nicht nur illegal durchgeführte Ausgrabungen erheblichen Schaden an, auch Unwissenheit oder schlicht wirtschaftliche Interessen seitens der Gesetzgeber können Funde und Fundstellen der Zerstörung preisgeben. Europa ist nicht der sichere Hafen für Kulturgut, den sich viele wünschen und vorstellen!



Interne Links


Freitag, 28. März 2014

Sieben Stücke des Seuso-Hortfundes durch Ungarn angekauft

Gastbeitrag von László Matthias Simon

„Wenn ein Land Stärke und Ansehen besitzt, dann ist es in der Lage zurück zu erlangen, was ihm gehört.“ Unter diesem Leitspruch Orbáns hat die ungarische Regierung mit ihrem nationalistischen Geschichtsverständnis für 15 Millionen Euro sieben Stücke des sog. Seuso-Hortfundes angekauft, unter ihnen die namensgebende „Seuso“-Schale. 

Beim Seuso-Hortfund  – auch Seuso-„Schatz“ – handelt es sich um 14 Silbergegenstände, die Anfang der 80er Jahre auf dem Kunstmarkt auftauchten (Eintrag bei wikipedia). Sie datieren vermutlich ins vierte Jahrhundert nach Christus und sind nach der Namensaufschrift „SEVSO“ auf einer der Schalen benannt. Für eine ungarische Provenienz sprechen Vergleichsfunde aus Ungarn und die Aufschrift „PELSO“ auf einem der Gefäße. „LACUS PELSO“ wurde in der Antike der Plattensee (ungarisch Balaton) genannt. Deshalb wird seit 25 Jahren von ungarischer Seite eine „Rückführung“ angestrebt. Jedoch ist die tatsächliche Provenienz der Stücke immer noch nicht geklärt, ebenso wenig, ob diese einen zusammenhängenden Fund darstellen oder von Sammlern zusammen getragen wurden. 1993 wurden die Rückführungsklagen Ungarns, Jugoslawiens und des Libanon durch das höchste Gericht des Staates New York abgelehnt.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán
setzt Geschichte und Archäologie als Mittel
nationalistischer Politik ein.
Teure Ankäufe von Raubgrabungsgut auf der einen,
Kürzung und Behinderung der Denkmalpflege
auf der anderen Seite.
(Foto: http://www.kormany.hu [ungar. Regierung],
[CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons)
Auf einer Pressekonferenz am 26.03.2014 berichtete der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán über die Umstände des Ankaufs. Vertreter des Konsortiums, das bislang Eigentümer der Objekte war, hätten bereits vor eineinhalb Jahren direkten Kontakt zu den ungarischen Behörden aufgenommen. „Wenn er [der Hortfund] unser Eigentum ist, ist es besser, er ist bei uns, als bei jemand anderem. Auch deshalb haben wir uns für seine Heimholung entschieden.“ so Orbán. Die von Orbán als „Familiensilber Ungarns“ bezeichneten Objekte wurden schließlich für umgerechnet 15 Millionen Euro, ein Drittel des 1990 von Sotheby’s veranschlagten Wertes, angekauft. Der Kaufpreis wurde bereits im Februar bekannt, jedoch war nicht klar, für was eine solche Summe ausgegeben wurde. Mit dem Kauf wurde ein weiteres aussichtsloses Verfahren umgangen.

József Pálinkás, Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, sieht einen großen Vorteil in der Nutzbarmachung der Stücke für ungarische Wissenschaftler. Für den Direktor des Museums der Schönen Künste, László Baán, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die restlichen Stücke ebenfalls nach Ungarn „zurückkehren“. Mit Lord Northampton, dem Leiter des Konsortiums, dem diese Stücke gehören, soll in Zukunft weiter verhandelt werden. Für drei Monate werden die Objekte (für EU-Bürger kostenlos) im Parlament ausgestellt sein. In Zukunft sollen sie als „Juwelen“ des neuen Museumsviertels in Budapest – einem der Prestigeprojekte der ungarischen Regierung – zum Besuchermagneten werden. Es ist zu vermuten, dass die ungarische Regierung im Rahmen der immer stärker werdenden nationalistischen Tendenzen in Zukunft weitere „ungarische“ Kunstobjekte ankaufen wird. Dies könnte den Schwarzmarkt für Antiquitäten aus der Region und damit auch die Raubgräberei in Ungarn befördern.



Links

Literatur
  • St. Bender, Buntmetallkesssel des sogennantes Seuso-Schatzes. Archäologisches Korrespondenzblatt 22, 1992, 119-124. 
  • M.M. Mango, Der Seuso Schatzfund. Ein Ensemble westlichen und östlichen Kunstschaffens. Antike Welt 21, 1990, 70-88.
  • Z. Visy/M. Zsolt (Hrsg.), A Seuso-kincs és Pannónia. Magyarországi tanulmányok a Seuso-kincsr´´o / The Sevso treasure and Pannonia: scientific contributions to the Sevso treasure from Hungary (Pécs 2012).

Nachtrag (30.3.2014)
Nun stellte sich heraus, dass die Stücke durch den „Kauf“ nicht offiziell in das Eigentum des ungarischen Staates übergegangen sind, sie wurden lediglich Besitzer der Objekte. Dennoch sieht man sich als rechtmäßiger Eigentümer. László Baán sagte hierzu im Fernsehen mehrfach, dass Ungarn „sich immer für den Eigentümer gehalten hat, dies jedoch nie [vor Gericht] beweisen konnte. […] Nun wurde eben auch der Besitz erlangt. […] Nach ungarischem Recht waren die Stücke immer ungarisches Eigentum. […] Niemand kann die Stücke von hier entfernen“. Daneben werden weitere Details der Verhandlungen und der Vereinbarung als Staatsgeheimnis eingestuft. Wie es sich mit der Eigentumsfrage also genau verhält bleibt unklar.


Dienstag, 25. Februar 2014

Kulturgüter in Aleppo durch Sprengungen gefährdet

Gastbeitrag von László Matthias Simon


Erst kürzlich macht ein Video im Internet die Runde, das Mitglieder der „Syrischen Front“, des zurzeit größten Oppositionsbündnisses im syrischen Bürgerkrieg, bei der Sprengung des Carlton-Hotels nahe der Zitadelle von Aleppo zeigt. In diesem drohen sie ebenfalls mit der Sprengung der Zitadelle.

Nach Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde am Freitag, den 14.2.2014, Sprengladungen unter dem Carlton-Hotel im Norden Aleppos gezündet, das vom syrischen Militär als Basis genutzt wurde. Hierbei gab es fünf Tote und weitere bei den anschließenden Gefechten. Die Rebellenorganisation „Islamische Front“ hatte zu diesem Zweck Tunnel unter und um das Hotel gegraben. Dieses Vorgehen sei bereits öfter in Aleppo und Damaskus angewandt worden – so zumindest die Rebellen –, beispielsweise bei der Sprengung des Justizpalastes und eines Gebäudes der Landwirtschaftskammer vor einem Jahr. Das nun veröffentlichte Video zeigt die Rebellen beim Graben der Tunnel unter dem Carlton-Hotel und den letzten Vorkehrungen für die Sprengung.
Zitadelle von Aleppo
(Foto: James Gordon [CC BY 2.0] via Wikimedia Commons)

Das mit Blick auf die Zitadelle errichtete Hotel wurde 1883 als Krankenhaus auf den Ruinen des 61 Jahre zuvor zerstörten Justizpalastes erbaut, bevor es in jüngster Zeit als Hotel genutzt wurde. Die Explosionen haben den hinteren Teil des historischen Gebäudes nahezu vollkommen zerstört, während die Fassade zwar erhalten blieb, sich jedoch aufgrund zahlreicher Beschädigungen nicht sagen lässt, ob diese noch lange stehen wird. In der langen Fassung des Videos drohen die Rebellen ebenfalls damit, die Zitadelle von Aleppo in die Luft zu sprengen. Auch diese wird vom syrischen Militär als Basis genutzt. Das Graben eines Tunnels unter die Zitadelle würde sich jedoch als schwierig gestalten, da diese von einem 22 Meter tiefen und 30 Meter breiten Graben umgeben ist. Ob also die „Syrische Front“ ihre Drohung überhaupt wahr machen kann ist unklar.



Links


Freitag, 3. Mai 2013

Oppenheim als OpenAccess – Wo Vergangenheit und Zukunft aufeinander treffen

ein Gastbeitrag von László Matthias Simon


Während meiner Zeit in Tell Halaf (Grabungskampagnen 2009 und 2010) bekamen wir immer wieder Geschichten von den alten Ausgrabungen zu hören, vor allem aber von ihrem Leiter: Max Freiherr von Oppenheim (1860-1946) – oder „der Baron“, wie er um den Tell Halaf heute noch bekannt ist. Oppenheim, der aus einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie stammte, war jedoch viel mehr als nur ein Archäologe. Wie zu dieser Zeit viele seiner Zunft war er vor allem eins: Ein Diplomat und Spion im Namen seiner Nation. Davon erzählt das neue Buch von Lionel Gossman (*1929) und das Besondere: es ist umsonst!


Das 19. Jahrhundert gilt als Entstehungszeit der modernen Archäologie als Wissenschaft. Gerade im Orient waren die Fortschritte auf dem Gebiet prägend – für die Wissenschaft und für die Region an sich. Eine gute Möglichkeit, um sich über diese Epoche der Pioniere zu informieren ist das neue Buch des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Lionel Gossman „The Passion of Max von Oppenheim: Archaeology and Intrigue in the Middle East from Wilhelm II to Hitler“ (http://www.openbookpublishers.com/reader/163). 


Lionel Gossman
The Passion of Max von Oppenheim: Archaeology and Intrigue in the Middle East from Wilhelm II to Hitler
Open Book Publishers

Donnerstag, 24. Mai 2012

Warum wir hinschauen müssen! - Antisemitismus in pseudowissenschaftlichen Kulturbetrachtungen in Ungarn



ein Gastbeitrag von
László Matthias Simon

Dass jeder Erfinder, Entdecker oder Reformer eigentlich Ungar war oder zumindest auf irgendeine Weise ungarische Wurzeln hatte, glaubt in Ungarn jedes Kind. Dass jedoch auch ganze Völker und Kulturen für diese Art der Vereinnahmung herhalten müssen, scheint neu zu sein. Tatsächlich geschieht in Ungarn gerade etwas, was man durchaus in die Kategorie naiv-ignorante Geschichtsverfälschung à la Erich von Däniken einordnen könnte, gäbe es da nicht eine Perspektive der Entwicklung, die eindeutig nicht nur Kulturgut sondern auch die Gesellschaft als solche bedrohe! Was hat es damit auf sich?

Die Ungarn als Urvolk

György Bartal Beleházi, Porträt  von 1858
(public domain, [Wikimedia Commons])
Bereits 1860 schrieb der Jurist György Bartal (von) Beleházi (1785-1865) sein Werk „A Pártus és a Hunmagyar Scythákrol“ (Von den parthischen und den Hunnisch-Ungarischen Skythen), in dem eine Verwandtschaft zwischen parthischer, hunnischer und ungarischer Sprache postuliert wird. Dieses Werk, das zwar das Prinzip des wissenschaftlichen Sprachvergleichs aufgreift, diesen jedoch oberflächlich auf den knappen Vergleich ähnlich lautender Worte bezieht und weder Wortwurzeln geschweige denn die gesamte Grammatik und die Sprachgeschichte berücksichtigt, kann als eines der Grundlagenwerke der in Ungarn in neuerer Zeit entstandenen Historie-Hysterie gesehen werden.