Sonntag, 26. März 2023

Archäologische Museen digital - Chance und Risiko

Es ist großartig, dass in den letzten Jahren viele archäologische Museen Teile ihrer Sammlungen online gestellt haben, wenn auch meist kleine Teile und fast nie Archäologie des Mittelalters. 

Diese digitale Präsentation von Museen und Sammlungen hat gute Chancen sich zu einem zentralen Element archäologischer Wissenschaftskommunikation zu entwickeln. Insofern sollte man sich die bisherigen Projekte in Bezug auf ihre Technik, aber auch im Hinblick auf ihre Bedeutung in der Wissenschaftskommunikation künftig genauer ansehen. Hier können nur einige Eindrücke wiedergegeben werden, da ich bei der aktuellen Entwicklung auch ein großes Risiko sehe, dass die Museen mit ihrer digitalen Vermittlung ein falsches Bild der Archäologie zementieren.

Viele deutsche Museen nutzen die Plattform museum-digital, ein Projekt von Museen zur gemeinsamen digitalen Publikation und zunehmend auch zur Inventarisierung von Museumsdaten. Mittlerweile sind über 600.000 Objekte aus deutschen Museen so auf museum-digital erschlossen, das indes oft nur eines von mehreren Portal darstellt, in das lokale Daten einfliesen.

Museum-digital steht auch kleinen Museen offen, die damit in manchen Fällen sehr viel besser als manch großes Museum ihre Bestände darstellen können. Aus archäologischer Sicht seien nur einige Museen exemplarisch genannt:

Das Badische Landesmuseum ist auf museum-digital mit 6 Objekten eher symbolisch vertreten, unterhält aber einen eigenen, umfangreichen digitalen Katalog, der auch die Archäologie gut abbildet (mal wieder ohne Archäologie des Mittelalters). Ebenso unterhält das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart eine eigene Online-Sammlung, ist aber auch auf museum-digital und anderen Plattformen präsent. Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover hat auf seiner Website eine eigene digitale Sammlung, die unter anderem 3200 archäologische Objekte umfasst: https://kulturerbe.niedersachsen.de/sammlung/slg0018/  Es ist nicht über museum-digital durchsuchbar und in der Nutzerfreundlichkeit etwas eingeschränkt.

Einige der großen Museen tun sich bisher eher schwer, ihre Bestände digital zu erschließen.  Die Archäologische Staatssammlung München verwendet bavarikon, das sinnvolles Arbeten mit den Beständen erfolgreich erschwert, da Bilder trotz angeblichen Open Access (mit CC BY NC ND-Lizenz) nicht weiter genutzt werden können, denn Downloadmöglichkeiten werden offenbar bewusst unterdrückt. Das wirkt nicht sehr vertrauensbildend.

Au, Aquamanile
(Archäologische Staatssammlung München (CC BY-NC-ND 4.0) via https://bavarikon.de/object/bav:ASM-OBJ-0000000000002966)


Die Abbildungen haben prinzipiell eine brauchbare Auflösung (was nicht viel hilft, wenn die erlaubte Nachnutzung auf Screenshots angewiesen ist), aber es fehlt ein Maßstab. Bemerkenswert ist, dass die ASM auch historische Grabungsfotos eingestellt hat. Bislang habe ich aber keine Querbezüge zwischen Funden und Befunden erkennen können. Generell gilt, dass die Objekte in bavarikon schwer zu überblicken und zu sortieren sind. Bayern ist stolz auf Digitalisierung und High-Tech - überzeugt so aber leider kein bischen. Auf museum-digital ist Bayern denn auch deutlich unterrepräsentiert.

Frühere archäologische Grabungspublikationen haben beispielsweise bei Keramikfunden nur Zeichnungen oder bestenfalls s/w-Fotos geboten. Für Forschung und Lehre wäre es aber oft wünschenswert, die Objekte in Farbaufnahmen zu sehen.  Die bisherigen Bildpräsentationen bewegen sich zwischen zwei Extremen: 
einerseits wenig professionelle Fotos, insbesondere bei kleineren Museen, die auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind,
andererseits professionelle "schöne" Fotos, häufiger bei renommierten Museen.

Erstere sind oft schlecht in der Vitrine oder auf fleckigem Hintergrund geknipst und häufig nicht besonders gut ausgeleuchtet. Letztere sind zwar schöner, aber letztlich auch nicht besser, denn sie ordnen leider meist die Nutzbarkeit einer vermeintlich besseren Ästhetik unter, denn beiden gemeinsam ist zumeist der Verzicht auf einen Maßstabsbalken.

Vielfach ist das besser als nichts, denn in den wissenschaftlichen Publikationen gibt es oft nur Zeichnungen oder bestenfalls Schwarz-Weiß-Fotos.

Konkrete, aus der Literatur bekannte Objekte zu identifizieren, ist indes fast nicht möglich, da selten genaue Kontextangaben zur Fundstelle gegeben werden, Bestenfalls erfährt man den Fundort, aber selten die Fundstelle oder gar den Befund aus dem das Objekt stammt.  Auch konkrete Literaturreferenzen sind nur selten zu finden.

Oft lässt die Qualität der Daten-Einträge zu wünschen übrig, so dass auch die Suche unvollständige und falsche Treffer liefert. Typisches spätmittelalterliches Steinzeug kann da auch mal als frühmittelalterlich ausgewiesen sein.

Die Spärlichkeit der Angaben sei an wenigen Beispielen illustriert. 

Herausgegriffen sei ein bauchiger Krug mit Ausguss und Henkel aus dem Landesmuseum Württemberg: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/sammlung/sammlung-online/dk-details?dk_object_id=39947 .

 

Bauchiger Krug mit Ausguss und Henkel, Seitenansicht
Herkunft/Rechte: Landesmuseum Württemberg / Landesmuseum Württemberg, Bildarchiv (CC BY-SA)
https://www.landesmuseum-stuttgart.de/sammlung/sammlung-online/dk-details?dk_object_id=39947

Hier gibt es keinerlei brauchbaren Angaben zum Fundort oder auch nur einer Provenienz. sondern im Feld "gefunden" nur die Angabe "Vorderasien" (vergl. Objektblatt). Insofern ist wohl auch der Punkt in der digitalen Karte rein willkürlich in Kuwait gesetzt. Das Schlagwort "Landesgewerbemuseum" ist das einzige Provenienz-Indiz. Man weiß es nicht. Wichtig erscheint dem Museum hingegen die Information, dass  die Erfassung dieses Objekts durch die Deutsche Digitale Bibliothek im Rahmen des von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Programms NEUSTART KULTUR ermöglicht wurde. Wo aktuell die Provenienzforschung eine so wichtige Rolle spielt, ist es doch verwunderlich, dass das Thema einfach übergangen wird. Schon eine grobe Schätzung, wann das Objekt inventarisiert wurde, würde signalisieren, dass man die Thematik nicht einfach zu ignorieren versucht - oder eben eine Angabe zur Provenienz wie "bei der Inventarisierung nicht augewiesen" oder einfach "Klärungsbedarf".


 
Das zweite Beispiel sei die Ergebnisliste einer Suche auf der digitalen Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover. Die Funde sind hier als "Artefakt," "Gefäß" oder "Dolch" bezeichnet. Erst bei näherem Anklicken erfährt man die Fundorte Seesta, Hedemünden, Salzgitter-Lebenstedt und Pfalz Werla und Angaben zur groben Datierung. Genaue Fundstellenzuweisungen oder Erklärungen kulturgeschichtlicher Zusammenhänge fehlen aber. Die Einträge stehen unter einer CC BY-Lizenz und sind somit auch unproblematisch weiter zu nutzen.
 

Reduzierung aufs Objekt

Die gängige Praxis reduziert die Objekte wieder auf sich selbst, durch den Verzicht auf genaue Fundortangaben werden die Fortschritte, die die Archäologie in den letzten 150 Jahren gemacht hat und die sie als Wissenschaft qualifizieren, verspielt. 
 
Eine Ignoranz gegenüber der Bedeutung von Fundorten musste man jüngst auch bei den Online-Münzsammlungen feststellen (vgl. Eigentlich toll - und doch megafrustrierend und schändlich: NUMiDonline. Archaeologik 13.3.2023. - https://archaeologik.blogspot.com/2023/03/eigentlich-toll-und-doch.html), wo die Situation freilich insofern eine andere ist, als hier gar keine Fundkontexe vorliegen, weil - neben den tatsächlichen Altsammlungen hier zweifellos Raubgrabungsfunde eine nicht unerhebliche Rolle spielen. 
Die Botschaft an die Öffentlichkeit ist aber dieselbe - falsche: Archäologie sammelt. 

Dies haben allerdings auch einige Kolleg*innen noch nicht verinnerlicht. Weil wir nicht sammeln, können wir auch nicht entsammeln (vgl. Messis? Die Notwendigkeit archäologischer Magazinierung. Archaeologik 12.6.2022. - https://archaeologik.blogspot.com/2022/06/messis-die-notwendigkeit.html).  Wir haben es mit historischen Quellen zu tun, bei denen der Fundkontext ein untrennbares Element bildet, auch wenn im Einzelfall technologische Details oder numismatische Bearbeitungen auch mal am isolierten Objekt möglich sind.

Fazit

Das Arbeiten mit den digitalen Sammlungen ist aktuell noch kaum praktikabel, so begrüßenswert die Entwicklung entsprechender Angebote ist - und so wertvoll das bereits eingestellte Material durchaus ist. Aktuell fehlt es an Masse und das Präsentierte erscheint sehr zufällig.
Vernünftig gemacht sind diese digitalen Sammlungen ein wichtiges Aushängeschild der Museen und ein grundlegendes Element der Wissenschaft und der Wissenschaftsvermittlung - um so mehr, wenn nicht auf individuelle Datenbanken gesetzt wird, sondern wenn sich die Institutionen tatsächlich vernetzen.
Insgesamt gewinnt man aktuell jedoch den Eindruck, dass Digitalisierung gemacht wird, weil sie modern ist, ein gewisser politischer Druck dazu da ist, dass man aber eigentlich keine Lust hat und auch keine Vorstellung darüber vorhanden ist, wozu die digitale Präsentation denn dienen soll - und wer denn eigentlich das Zielpublikum ist, das sich hunderte von Porzellantassen oder auch nur Dutzende Steinbeile anschaut?

Die Wissenschaft - die diese Daten tatsächlich dringend braucht - scheint hier jedenfalls oft nicht im Blickfeld zu stehen, sonst würde man sich mehr Mühe mit den bereit gestellten Informationen und einer guten Dokumentation geben. Das wäre oft Routine und nicht unbedingt ein großer Mehraufwand. Man müsste einen Maßstab aufs Foto bringen und konsequent dafür sorgen, dass die Fundortangaben auch aus den originalen Inventarbüchern übernommen werden, damit 1.) eine Identifikation der Objekte mit Grabungspublikationen und -dokumentationen möglich ist, 2.) auch der "Laienforscher" oder Interessierte eine Vorstellung bekommt, wo genau  die Funde gemacht worden sind, denn oft ist es ja ein wichtiger, Interesse weckender Anknüpfungspunkt, die Funde aus der eigenen Nachbarschaft im Museum wiederzufinden. und 3.) die Provenienzforschung kein Lippenbekenntnis bleibt.

Auch bei tollen Museums-Objekten ist es erst der Kontext der ihnen eine historische Bedeutung verleiht. Die Archäologie ist unglaubwürdig, wenn sie Sondengängern - zu Recht - vorhält, sie würden Kontexte vernichten, diese aber letztlich in einem so großen Schaufenster wie den digitalen Sammlungen dann selbst einfach weglässt.

Es spricht nichts dagegen, erst mal klein zu beginnen und die Datensätze später zu ergänzen, so dass manche Informationen künftig vielleicht noch folgen. Gut wäre es aber, wenn hier transparent wäre, wo Lücken pragmatisch begründet sind.

Fünf Punkte sollten etwas mehr Beachtung finden.
  1. CC-Lizenzen für eine einfach Nachnutzung, notfalls non-commercial
  2. Bilddokumentation mit Maßstab (und Farbwertkarte) 
  3. Fundortangaben mit einer gewissen Prominenz angeben - je genauer, desto besser. 
  4. Stellungnahme zur Provenienz 
  5.  OpenAccess bedeutet auch, dass die Daten tatsächlich zugänglich sind und nicht Download-Sperren das ganze ad absurdum führen

Schon vor mehr als 10 Jahren hat Klaus Graf mit dem Akronym PERSONAVINO einige Kriterien für die Bewertung digitaler Portale benannt:
  • PERmalinks/Langzeitarchivierung
  • SOcial Media/Sharing
  • Nachnutzung
  • Annotion/Feedback
  • VIewer (Auflösung, Metadaten)
  • NOrmdaten

Sie sind hier - PERSONAVINO – Grundregeln für digitale Projekte. Archivalia (12.4.2019). - https://archivalia.hypotheses.org/98939 - erläutert.

Die Qualitätskriterien von museum-digital finden sich unter PuQi – Verführung zu Qualität. museum-digital: blog (22.1.2021), die Ähnliches widerspiegeln. Die Kriterien sind letztlich für die einzelnen Museen nicht verbindlich, fließen aber in eine interne Bewertung ein, die zu Qualität verführen soll. Hier nur eine Beobachtung: Angaben zur Provenienz sind leider kein Kriterium. Diese sind angesichts von NS-Raubkunst und Kolonialismus nicht Archäologie-spezifisch, sondern betreffen viele museale Sammlungen. 

Fundkontexte hingegen sind mit konkreten Grabungsbefunden und Auffindungssituationen (was bei Altfunden auch nicht gegeben ist) in museum-digital durchaus hinterlegbar. Da Grabungsdaten aktuell kaum strukturiert digital und open access vorliegen und da die Berichte der zahlreichen Notgrabungen selten überhaupt publiziert werden (und damit der Wissenschaft  auch nicht zur Verfügung stehen), besteht hier noch ein zentrales Handlungsfeld, das entscheidend sein wird, ob die Digitalisierung für die Archäologie tatsächlich klappt und Forschungspotentiale erschließt - oder uns konzeptionell nicht anderthalb Jahrhunderte  in die Zeit bloßen Fundsammelns zurück wirft.

Hoffentlich stellt sich NFDI4Objects dieser Herausfordrrung.

Montag, 13. März 2023

Eigentlich toll - und doch megafrustrierend und schändlich: NUMiDonline

Im Prinzip ist es ganz hervorragend, Münzen in einer Datenbank vorgelegt zu bekommen, die vielfältige Recherchemöglichkeiten erschließt. 

Der DGUF-Newsletter vom 28.2.2023 nennt das Ganze aber ein Desaster (Spoiler: m.E. zu Recht):

Zu einem verschwindend geringen Anteil haben die Münzen Fundortangaben, obwohl man sich sicher sein kann, dass keine davon in einem Geldbeutel überlebt hat, sondern die Masse irgendwo als Bodenfund aufgetaucht ist - manche vielleicht zufällig, viele mit Sicherheit bei Raubgrabungen.

Die Diskussion um Provenienzen geht nun ja schon einige Jahre, wenn auch primär um NS-Raubkunst und koloniale Güter, aber auch die Diskussion um archäologische Raubgrabungen ist ja keinesfalls neu.

 

Screenshot der Karte aus NUMiDonline: kaum Fundorte
(Map data@ OpenStreetView contributors CC BY SA map data: @MapBox/ Portal des NUMiD-Verbandes CC BY-SA 4.0)

Selbst dort, wo ein Fundort bekannt ist, fehlen jegliche weiteren Angaben. Wenn man einmal gefunden hat, wo man den Fundort überhaupt recherchieren kann - zu den vorgesehenen Optionen gehört das offenbar gar nicht - und man sucht nach Mindelheim als einem der wenigen Fundorte, den die Übersichtskarte überhaupt anzeigt, findet man 28 Münzen der Zeit zwischen 260 und 270, die meisten von Kaiser Claudius Gothicus. Nur die Tatsache, dass alle Literaturangaben auf FMRD I-7 7244 verweisen, verrät, dass man es mit einem Fünzhort aus der Zeit der sog. Alamanneneinfälle zu tun hat. Laut dem Band Fundmünzen im Römischen Deutschland wurde der Hort 1959 zwischen Mindelheim und Augsburg gefunden und geriet durch den Kunsthandel in eine Privatsammlung. Wie die Stücke dann in das Münzkabinett der Klassischen Archäologie der Universität Tübingen gelangten, erfährt man nicht. Der Fundort ist also auch kein gesicherter Fundort.

Münzen mit Abfrage Mindelheim
(Bild: Portal des NUMiD-Verbandes CC BY-SA 4.0)

Beim Fundort Tübingen stößt man auf ein republikanisches As (https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/object?id=ID1596), des 3, Jahrhunderts v.Chr., was gelinde gesagt sehr ungewöhnlich ist. Zur Provenienz findet sich nur: Accession Zugangsart Kauf.

Tatsächlich gibt es Stücke, bei denen man zurecht die Bezeichnung  'aus alter Sammlung' gebrauchten könnte. So ist eine Münze, angeblich aus Nagold auf (https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/object?id=ID11) auf Regierungsrat Carl Sigmund Tux zurück zu führen, der im Jahre 1798 durch seine testamentarische Schenkung an die Universität Tübingen die dortige Münzsammlung begründete.

Nun sind Universitätssammlungen keine Regional- oder Landesmuseen, an die beispielsweise Grabungsfunde gehen. Insofern darf man die Erwartungen an  Fundortangaben nicht zu hoch hängen. Interessanterweise sind aber auch die berüchtigten alten Sammlungen in NUMiDonline kaum aufzuspüren, vieles wurde über den Kunsthandel als Veräußerer erworben.  Es finden sich auch fundortlose Stücke, deren Provenienz nicht vor 2020 zurück zu verfolgen ist (z.B. https://www.virtuelles-muenzkabinett.de/object?id=ID2148)

Ohne Kenntnis des Fundorts lassen sich nicht einmal einfachste Verbreitungskarten zeichnen, die für das Verständnis wirtschaftsgeschichtlicher Zusammenhänge von Bedeutung sind, auch alle siedlungsarchäologischen Erkenntnisse sind verloren. Ich wiederhole hier eine Tabelle, die den Quellenwert von Münze ohne und mit Kontext einander gegenüber stellt

Ohne Kontext
Mit Kontext
  • Materieller Wert
  • Datierungsmöglichkeit für archäologische Befunde
  • Bildprogramm der Münze
  • ggf. Teil eines Hortfundes (vulgo: Schatzes) mit wichtigen Informationen zu dessen Bildung, Zusammensetzung
  • Rarität
  • Lokaler Münzumlauf

  • Wirtschaftliche Konjunkturen

  • „Schatzhorizonte“: Informationen zu politischen Krisen, Unruhezeiten

  • Regionale Metallzusammensetzungen

  • Bestattungs- und Opfersitten

  • Regionale Wirtschaftsbeziehungen

Anm.: Selbst schlecht erhaltene, nicht mehr exakt bestimmbare Münzen liefern zumindest ein quellenkritisches Korrektiv
Tab.: Der Wert einer Schrottmünze - in rot der vernichtete Wert


Der Beurteilung im DGUF-Newsletter kann ich nur zustimmen:

Die nun öffentlich sichtbaren Kataloge vieler deutscher Münzkabinette verdeutlichen, was "Münzeln sammeln" unter dem Aspekt "Kulturelles Erbe" vorwiegend bedeutet: Das Archivieren von aus ihrem Fundkontext gerissenen Fundstücken, die nach Raubgrabung und Hehlerei in der Regel über Sammlungsschenkungen oder -ankauf in staatliche Hände geraten sind. Da man auch am Ende einer langen Besitzerkette kein rechtmäßiges Eigentum an Dingen erwerben kann, dessen Ursprung illegal ist, macht diese Recherche auch deutlich, dass ein hoher Anteil dieser mit staatlichem Aufwand erworbenen, gepflegten und nun digitalisierten Bestände "sehr fragwürdig" ist - um vorsichtshalber sich aufdrängende, klare juristische Termini zu vermeiden.

NUMiD verdeutlicht, dank Digitalisierung und Open Access nun weithin öffentlich, welch gewaltiger Schaden am Kulturellen Erbe durch Münzsammeln und die derzeitige staatliche bzw. museale Praxis entsteht.

Raubgrabungen lassen sich nicht unterbinden, indem man sie verbietet (das sind sie längst), man muss den Markt austrocknen. Keinesfalls sollten öffentlche Gelder in die Raubgräberei/ Antikenhehlerei fließen, die hier fast immer am Anfang der Provenienzketten steht, ehe über verschiedene Tricks eine Legalisierung erreicht wird. Die Münzen aus einem Zufallsfund, die man mit einem Ankauf "rettet" sind ja offenbar ebenfalls ohne Fundort und damit ihrer wichtigsten Aussagekraft ohnehin schon beraubt und ihr Geld nicht mehr wert. Die Sonderstellung von Münzen etwa im Kulturgutschutzgesetz ist durch nichts zu rechtfertigen. Ein Raubgrabungsloch ist ein Raubgrabungsloch, egal ob für eine Münze, eine Fibel oder einen Nagel.

 

Links


Donnerstag, 9. März 2023

Der unbekannte Hermann Stoll (außer für ChatGPT)

Alle reden über ChatGPT.

Ich hab mir das also auch mal angeschaut. Als allerersten kleinen Test habe ich abgefragt: Wer war Hermann Stoll? 

ChatGPT hat eine völlige Phantasiefigur geschaffen. Die von ChatGPT gegebenen Quellen laufen alle ins Leere, geben Fehlermeldungen oder keine Ergebnisse. Man erahnt, dass für seine Angaben Herbert Jankuhn und Hans Zeiss Pate gestanden haben. 

Der Hermann Stoll, den ich meinte, hat übrigens einen Wikipedia-Artikel, den ChatGPT offenbar nicht herangezogen hat. Der echte Stoll war tatsächlich ein bedeutender Frühmittelalterarchäologe, der in den 1930er Jahren in vielfältiger Hinsicht Pionierarbeit geleistet hat - durch eine der ersten einigermaßen modernen Untersuchungen und Publikationen eines merowingerzeitlichen Reihengräberfelds (Hailfingen), durch seine damals vorbildlichen siedlungsarchäologische Forschungen im Oberen Gäu und durch eine der ersten Ausgrabungen in einer frühmittelalterlichen Siedlung (Neuwied-Gladbach).


Fazit: Erst mal völliger Quatsch.

 

Ich protokolliere hier mal meinen Chat mit ChatGPT


Wer war Hermann Stoll?

Es tut mir leid, aber ich konnte keine bekannte Persönlichkeit namens Hermann Stoll finden. Könnten Sie weitere Informationen oder Kontext zu dieser Person bereitstellen, damit ich Ihnen besser helfen kann?

Er war Archäologe

Vielen Dank für die Zusatzinformationen. Hermann Stoll war ein deutscher Archäologe, der von 1897 bis 1965 lebte. Er war vor allem für seine Arbeit in der Archäologie des Römischen Reiches bekannt und hat bedeutende Beiträge zur Erforschung der römischen Architektur, Skulptur und Keramik geleistet.

Stoll studierte Archäologie, Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität München und promovierte dort im Jahr 1923. Er arbeitete zunächst als Assistent am Bayerischen Nationalmuseum in München und später als Kustos an der Antikensammlung in Berlin.

Während seiner Karriere führte Stoll zahlreiche Ausgrabungen durch, darunter in der antiken Stadt Ephesos in der heutigen Türkei und in der römischen Stadt Carnuntum in Österreich. Er veröffentlichte mehrere Bücher und Aufsätze über seine archäologischen Entdeckungen und war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Organisationen, darunter der Deutschen Archäologischen Institut und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Den meine ich nicht.

Es tut mir leid für die Verwirrung. Könnten Sie mir bitte mehr Informationen über die Person Hermann Stoll geben, auf die Sie sich beziehen? Es gibt möglicherweise mehrere Personen mit diesem Namen, und ich möchte sicherstellen, dass ich die richtige Person identifiziere, über die Sie sprechen.

Er hat zum Frühmittelalter geforscht

Vielen Dank für die Klarstellung. Es gibt einen Hermann Stoll, der ein deutscher Archäologe und Historiker war und sich auf die Forschung zum Frühmittelalter spezialisiert hat. Er wurde am 17. September 1895 in Karlsruhe geboren und starb am 4. Mai 1977 in Bonn.

Hermann Stoll studierte an der Universität Heidelberg und arbeitete später als Assistent an der Universität Gießen. Im Jahr 1922 wurde er mit einer Arbeit zur merowingischen Münzprägung promoviert. Er wurde später Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Bonn.

Stoll ist bekannt für seine Arbeit zur Archäologie und Geschichte des Frühmittelalters, insbesondere zur Archäologie des Rheinlandes und des Westfrankenreiches. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen über die Archäologie, Kunst und Geschichte dieser Zeit verfasst und war ein bedeutender Vertreter der "Bonner Schule" der Archäologie.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Die Franken" (1949), "Die Merowingerzeit" (1960) und "Grundzüge der Archäologie des Mittelalters" (1963). Stoll war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und erhielt viele Auszeichnungen für seine Arbeit, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Köln.

Haben sie dazu eine Web-Quelle?

Ja, ich kann Ihnen eine Web-Quelle zur Verfügung stellen. Hier sind einige Links zu Websites, auf denen Sie weitere Informationen über Hermann Stoll und seine Arbeit finden können:

Ich hoffe, dass diese Quellen Ihnen weiterhelfen können.

Die Informationen stehen dort nicht!

Es tut mir leid, wenn die Quellen, die ich Ihnen zur Verfügung gestellt habe, nicht hilfreich waren. Ich werde gerne nach weiteren Quellen suchen, die Ihnen bei Ihrer Suche nach Informationen über Hermann Stoll helfen können. Hier sind einige weitere Links, die Sie ausprobieren können:

Ich hoffe, dass diese Quellen Ihnen weiterhelfen können. Bitte lassen Sie mich wissen, wenn Sie weitere Fragen haben oder weitere Hilfe benötigen.

Ich glaube Ihnen kein Wort, denn alle Links bringen keine Ergebnisse zu irgendeiner person des Namens.

Es tut mir leid, dass Sie keine hilfreichen Informationen gefunden haben. Ich werde mein Bestes tun, um Ihnen bei Ihrer Suche nach Informationen über Hermann Stoll zu helfen. Bitte erlauben Sie mir, Ihnen einige Fakten über Hermann Stoll zu präsentieren:

Hermann Stoll wurde am 17. September 1895 in Karlsruhe geboren und starb am 4. Mai 1977 in Bonn. Er war ein deutscher Archäologe und Historiker, der sich auf die Forschung zum Frühmittelalter spezialisiert hatte. Er studierte an der Universität Heidelberg und arbeitete später als Assistent an der Universität Gießen. Er wurde Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Bonn.

Stoll ist bekannt für seine Arbeit zur Archäologie und Geschichte des Frühmittelalters, insbesondere zur Archäologie des Rheinlandes und des Westfrankenreiches. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen über die Archäologie, Kunst und Geschichte dieser Zeit verfasst und war ein bedeutender Vertreter der "Bonner Schule" der Archäologie.

Ich hoffe, dass diese Fakten Ihnen weiterhelfen können. Wenn Sie weitere Fragen haben, lassen Sie es mich bitte wissen.

Na, gute Nacht!

Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht helfen konnte. Wenn Sie weitere Fragen haben oder weitere Hilfe benötigen, stehe ich gerne zur Verfügung. Gute Nacht.