Elena Reus
Die in den Archaeologik-Beiträgen zum Thema „
Archäologie als Kunst“ vorgestellten Beispiele für eher naiv daherkommende Kunstwerke im
öffentlichen Raum befriedigen die Bedürfnisse von Lokalpatriotinnen und
-patrioten oder weisen auf ein (vermarktungsfähiges) Lokalkolorit hin. Wieder
andere Objekte müssen Passanten auf den ersten Blick vollkommen undechiffrierbar
erscheinen.
Sosehr diese von archäologischen Funden und Befunden
inspirierten Kunstwerke die Fachwelt auch erheitern mögen, so sehr muss es im
Interesse des Fachs liegen, wenn Verkehrskreisel und Grünflächen mit volkspoetischen
und (prä-)historischen Inhalten stärker bespielt werden denn je.
Angesichts gegenwärtiger existenzieller Bedrohungen des
Fachs (international wie national), muss verstärkt daran gearbeitet werden die Aufmerksamkeit
und Gunst der Öffentlichkeit zu gewinnen. Aus diesem Grund sollten hier auch
die raffinierteren Schöpfungen — die meist eher informierende Installationen
als Kunst darstellen — ebenfalls Beachtung finden. Sie halten das Wissen um
örtliche Bodendenkmale in der Öffentlichkeit.
Im hessischen Erlensee (Ortsteil Rückingen) befindet sich
auf einem Kreisel eine Installation, die eine räumliche Illusion erzeugt, so dass
der Betrachter in das dargestellte, historische Landschaftsbild einbezogen wird
und die Grenzen zwischen Installation und real umgebender Landschaft verschwimmen.
Archäologisch inspirierte Kreiselkunst hat einen nicht zu
unterschätzenden Nutzen — auch wenn es zugegebenermaßen zusätzlich noch eine kleine
gedankliche Transferleistung erfordert, um vom angezeigten Bodendenkmal auf die
Notwendigkeit von Personen zu schließen, die dieses erforschen. Aber dafür
sollte es ja konkrete Öffentlichkeitsarbeit geben!
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Limeskreisel Rückingen-Erlensee Eine
zweispurig ausgebaute Bundesstraße führt auf einen Kreisel in Erlensee zu. Der
Kreisel bildet an dieser Stelle „das Tor“ in den Ortsteil für Autofahrer. Um
die auf dem Kreisel befindliche Installation eingehend studieren zu können, ist
allerdings eine Exkursion auf dem umlaufenden Fußweg zu empfehlen. Durch
Erlensee verläuft der Obergermanisch-Raetische Limes. Außerdem befinden sich im
Bereich des Ortsteiles Rückingen die Reste eines Kastells (Foto: E. Reus) |
Elena Reus ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an
der AMANZ in Bamberg. Sie absolvierte ihren Master in Tübingen und
bringt Erfahrungen aus der praktischen Grabungs-Archäologie mit.