Posts mit dem Label Keramik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Keramik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 26. Oktober 2024

Hilfe erbeten! Wer kennt Töpfer- bzw. Hafnerschienen oder deren Abbildungen?

Töpfer- oder Hafnerschienen dienen dem Töpfer dazu, aus dem  noch feuchten Ton Formen zu präparieren oder Oberflächen zu gestalten. Heute dienen Spatel, Messer oder Schlaufen dazu.

Bis ins 19. Jahrhundert hatten sie aber häufig eine spezifische Form, die geradezu zum Symbol des Töpferhandwerks wurde. Hergestellt waren Töpferschienen aus Holz oder Kupfer - was erklärt, warum sie so selten überliefert sind: sie sind verrottet, verbrannt oder als Altmetall recycelt. Originale gibt es nur wenige, einige wenige Stücke sind museal überliefert, noch weniger sind als archäologische Funde bekannt.

Eine Bezeichnung, mit der Töpferschienen in schriftlichen Quellen identifizierbar wären, scheint nicht bekannt zu sein. Daher kommt Bildquellen eine besondere Bedeutung zu. Aber auch diese sind rar.  Wir kennen nur wenige frühneuzeitliche Töpfereidarstellungen, auf denen Töpferschienen dargestellt sind. In Prag und in Brünn sind die Hafnerschienen als Zunftzeichen zu verstehen. Sie waren wohl auch auf der Zunftlade in Brünn dargestellt, wie eine Abbildung derselben von 1777 nahe legt.

Meist handelt es sich um schematische Abbildungen von Töpferschienen als Symbol des Handwerks. etwa auf Grabsteinen, als Hauszeichen möglicherweise von Töpfereien. Sie kommen aber auch an Orten die man eher als "Kraftorte" bezeichnen möchte, also beispielsweise an Wetterkreuzen oder, exponierten Felsformationen. Die bisher bekannten Beispiele fallen in den Zeitraum von frühen 16. bis frühes 19. Jahrhundert.

Buchen, Bildstock auf der Walldürner Höhe
Screenshot 3DScan




Neustadt an der Weinstraße, Bergstein
(Foto: R. Schreg 2024)


 
Dieburg, St. Maria/Gnadenkapelle
(Foto: R. Schreg 2023)


Der Forschungsstand hierzu ist allerdings nicht besonders gut, da es im Wesentlichen der Chemiker und Experte für Handwerkszeichen und Kleindenkmale Karl Friedrich Azzola war, der sich mit dieser Thematik befasst hat. Aus seiner Feder gibt es zahlreiche Publikationen, meist in lokalen Geschichtsblättern publiziert, die einzelne solcher Darstellungen in den Mittelpunkt stellen. Da er im Rhein-Main-Gebiet ansässig war, decken die bekannten Beispiele die Weinstraße, Rheinhessen, den Odenwald und den mittleren Main ab. Vereinzelte Belege darüber hinaus deuten an, dass dieses Verbreitungsbild ein Artefakt der Forschung ist.

 

provisorische Kartierung der Hafnerschienen
(Graphik R. Schreg, Kartenbasis: SRTM)


Da wir jüngst nahe einer spätmittelalterlichen Töpferei eine weitere Darstellung einer Hafnerschiene identifiziert haben, suche ich nun nach weiteren Beispiele, um den Neufund besser einordnen zu können. Wichtig sind mir Anhaltspunkte, die die bisherige Datierungsspanne von 16.-18. Jh. verifizieren oder auch falsifizieren können. Insbesondere stellt sich die Frage, ob eine Datierung vor 1500 möglich wäre. Zudem gilt es aber, die Verbreitung breiter abzusichern.

Wer kann mir Hinweise geben? Wer hat so eine Töpferschiene oder eben eine Abbildung gesehen?

Hinweise bitte an rainer.schreg[at]uni-bamberg.de oder hier in die Kommentare

Literaturhinweise

  • Azzola 1984: F. K. Azzola, Die Schere als Handwerkszeichen auf Grabsteinen und Steinkreuzen in Hessen. Das Kleindenkmal 8/12, 1984, 160–168.
  • Heege 2021: A. Heege Winterthurer Schätze der Hafner Graf und Pfau (Andreas Heege) Revue. Keramikfreunde der Schweiz 135, 2021, 7-36
  • Stadler 1992: H. Stadler, Neufunde aus der Lienzer Hafnerei Zimmermann -Troger -Ganzer. Osttiroler Heimatblätter 60/3, 1992, 1-3. - https://www.osttirol-online.at/4eb3c0c09b5b8/1992-60-3.pdf


Link

 

Nachtrag 4.8.2025

Inzwischen sind tatsächlich einige  Hinweise eingegangen, die die Verbreitungskarte in der Schweiz und in Südbayern noch etwas ergänzt haben - aber ich bin weiterhin an Ergänzungen interessiert.

Donnerstag, 2. Mai 2024

Neues zu BaLISminK: mit 500 Einträgen zugänglich

BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik, das derzeit im Probe- und Experimentierbetrieb läuft. Ziel ist es zunächst für Süddeutschland - perspektivisch aber auch darüber hinaus - in kooperativer Arbeit zu den wesentlchen Fundorten, Waren und Formen kurze Charakterisierungen zu geben, die mit bildlichen Darstellungen (Zeichnungen, Fotos, perspektivisch auch 3D-Scans) ergänzt werden können. Vorgesehen sind dazu beispielsweise auch Fundortlisten, die fortschreibbar jeweils aktuelle Verbreitungskarten liefern können.

BaLISminK ist bereits aufrufbar und auch über Google zu finden:
Aktuell gilt es aber zu berücksichtigen, dassv viele Einträge noch provisorisch sind.

Technisch gesehen ist BaLISminK ein Wiki, das aktuell wie eine abgespeckte Wikipedia funktioniert. Das bedeutet, dass sich Artikel und Einträge stets weiter entwickeln (können).
Aktuell umfasst BaLISminK bereits 500 Schlagworte, darunter jedoch noch einige "stubs" und "redirects". Bislang sind die Inhalte aus Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland übertragen sowie einige Schlagwortüberarbeitungen aus Lehrveranstaltungen übernommen.
Die Auswertung der Grabungen [[Bamberg, Am Kranen 14]]  im Rahmen von Lehrveranstaltungen nutzt BaLISminK als Protokoll der Beobachtungen an den Keramikfunden.

 
Neben einigen technischen Implementierungen müssen noch einige Verfahrensweisen entwickelt werden, etwa, wie gemeinschaftlich Definitionen formuliert werden. BaLISminK will den Fachkreisen keine Begriffsdefinitionen aufzwingen, sondern will zunächst vorhandene Terminologien dokumentieren, muss sich aber schließlich praktisch für ein Hauptstichwort entscheiden - und letztlich Hinweise und Empfehlungen für eine praktikable, abgestimmte Terminologie geben.

Karniesrand im Gebrauch
(Foto R. Schreg)

Einige Kolleginnen* haben bereits zu einzelnen Stichworten beigetragen, doch ist die Beteiligung leider noch zu gering, um schon Routinen darstellen zu können. Aktive Mitarbeiterinnen* sind eingeladen, nach Möglichkeiten zu BaLISminK beizutragen, um das System weiterzuentwickeln. Zugangsdaten sind über eine eMail an rainer.schreg[a]uni-bamberg.de zu erhalten - allerdings ist auch das Nutzermangement bisher ein Provisorium.

Eine Perspektive, die es zu verfolgen gilt, ist die Verwendung von WikiBase bzw. WikiData. Dadurch wird eine Verknüpfung mit Normdaten möglich (gedacht ist an Orte, aber auch an eine zentrale Bibliographie) wie auch ein mehrsprachiger Thesaurus, der automatische Übersetzungen ermöglicht und es erlaubt, auch grenzüberschreitend zu arbeiten. Langfristig wird zu prüfen sein, inwiefern KI zur Datenaufbereitung Einsatz finden kann. Erste Versuche, KI zur Erstellung einzelner Einträge zu nutzen, sind eher Spielerei, die aber immerhin zeigt,  dass hier künftig Potentiale liegen und aktuell einige Hilfskraftarbeiten wie Tabellenformatierung oder Koordinatenzusammenstellungen für GIS durchaus schon möglich sind.
 
Wie sich BaLISminK entwickelt, hängt von der Bereitschaft der Kolleginnen* ab, Informationen einzubringen - und, ob es gelingt eine Finanzierung aufzubauen, mit der es möglich wäre, archäologische Keramikfunde nicht nur handbuchartig zu erschließen, sondern auch terminologische Probleme zu klären und darüber hinaus Keramik als Quelle zu Alltags- und Sozialgeschichte zu erschließen. Deshalb sollen auch Töpferhandwerkstechniken, experimentelle Archäologie und die Archäometrie, als eigene Kategorien aufscheinen. Bereits jetzt zeigt sich, dass BaLISminK mit seiner überregionalen Perspektive viele neue Zusammenhänge und Forschungsansätze erschließt. Mit der Möglichkeit, hier auch auf verschiendenen Ebenen Citizen Science einzubinden, ergeben sich aus BaLISminK auch interessante Perspektiven für die Digital Humanities. 



*generisches Femininum, da Binnensternchen im Freistaat Bayern zu kompliziert und unverständlich sind

Donnerstag, 28. März 2024

Einladung Keramikworkshop Bamberg 2024

Keramik ist in vielfältiger Hinsicht von großer Bedeutung für die Archäologie. Einmal zerbrochen, ist sie zu fast nichts nichts mehr zu gebrauchen und wird weggeworfen. Weil sie relativ witterungsresistent ist, liegt sie da dann oft heute noch - und bietet nicht nur Daten zur Chronologie, sondern auch zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

Keramik hat daher schon lange das Interesse von Archäologen und Archäologinnen gefunden. Allerdings haben sich viele regionale Forschungstraditionen und -terminologien ausgebildet, in denen sich Landesgrenzen ebenso widerspiegeln wie regionale Schulbildungen. Das erschwert den Überblick und die wissenschafliche Diskussion. Dem wollen wir mit dem Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik (BaLISminK) abhelfen Deutlich ist aber auch, dass die klassischen Publikationen mit Zeichnungen und Beschreibungen, bisweilen Fotos oder nun gar 3DScans nur einen ungenügenden Eindruck vom Material bieten. Man muss es gesehen und angefasst haben...

Karniesrand im Gebrauch
(Foto R. Schreg)

Deshalb wurden schon lange immer wieder Keramikworkshops abgehalten, bei denen Fundmaterial ausgelegt und dann gemeinschaftlich diskutiert wurde. Solche Treffen gab es beispielsweise 1963 in Freiburg als Uwe Lobbedey und Wolfgang Hübener zu einer solchen Tagung auch Ehrenamtliche mit ausgewählten Fundkomplexen eingeladen haben und daraus eine auch heute noch bemerkesnwerten Aufsatz zur Struktur der Keramik der späteren Merowingerzeit vorgelegt haben (Hübener/Lobbedey 1964). 1993 trafen sich Kolleginnen und Kollegen in Konstanz und trugen daraufhin Fundstellen und Forschungsstand in einer frühen online-Publikation zusammen, die leider alsbald wieder aus dem Netz verschwunden ist (Ade-Rademacher u.a. 1997).

Zuletzt trafen sich süddeutsche Keramikforscher 2021 in Tübingen und nun kann die AMANZ Bamberg zu einem weiteren Treffen am 2./3. Mai in Bamberg einladen (Organisationsteam Prof. Dr. Rainer Schreg und Aika Katharina Diesch M.A. unterstützt durch Elena Reus M.A.). Verschiedene Kolleginnen und Kollegen haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, in kurzen Vorträgen (max. 15 min.) über Forschungsstand und -strategien ausgewählter Regionen und Themenbereiche zu berichten und ausgelegte Keramikkomplexe (persönlich/auf Postern) vorzustellen. 

Der offen und informell gestaltete Workshop wird zahlreiche Möglichkeiten für gegenseitiges Kennenlernen, Vernetzung, Diskussionen sowie die gemeinsame Sichtung ausgelegter Keramikkomplexe bieten. Am Freitag soll es zum Abschluß eine Exkursion mit Privat-PKW zur Töpferei auf dem Lußberg oberhalb Priegendorf geben.

Da noch einige wenige Plätze verfügbar sind, laden wir nun weitere Interessent*innen auch hier noch ein (und verlängern dazu die offizielle Anmeldefrist bis zum 31. März 2024 voraussichtlich um eine Woche), bitten jedoch um baldige Anmeldung und um Überweisung eines Unkostenbeitrags von 10 € (ausgenommen sind Studierende und Personen ohne Anstellung).

Weitere Informationen zu Programm, Anfahrt, Bankverbindung etc. im obigen Link.


Literatur

  • Ade-Rademacher u.a. 1997: D. Ade-Rademacher/ M. Dumitrache/ U. Gross/ B. Jenisch/ St. Kaltwasser/ Ch. Keller/ R. Marti/  Ch. Matt/ J. Pfrommer/ R. Röber,Mittelalterliche Keramik in Baden-Württemberg und den Schweizer Kantonen Basel-Stadt, Baselland und Schaffhausen. Fundstellen und Forschungsstand (Hertingen 1997)
  • Hübener/ Lobbedey 1964: W. Hübener/U. Lobbedey, Zur Struktur der Keramik in der späten Merowingerzeit. Beobachtungen an süddeutschen Grab- und Siedlungsfunden. Bonner Jahrb. 164, 1964, 88-129.


G
M
T
Y
Die Sound-Funktion ist auf 200 Zeichen begrenzt

Montag, 25. Dezember 2023

Samstag, 23. Dezember 2023

Freitag, 22. Dezember 2023

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Mittwoch, 20. Dezember 2023

Dienstag, 19. Dezember 2023

Montag, 18. Dezember 2023

Sonntag, 17. Dezember 2023

Samstag, 16. Dezember 2023

Freitag, 15. Dezember 2023

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Dienstag, 12. Dezember 2023

Sonntag, 10. Dezember 2023

Samstag, 9. Dezember 2023

Freitag, 8. Dezember 2023