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Donnerstag, 23. Juli 2026

Die Gesetzesänderungen und ihre Termine im Überblick

Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern haben ihre Denkmalschutzgesetze bereits handstreichartig geändert (Archaeologik 26.6.2026). In Niedersachsen und Sachsen laufen die Verfahren noch (Archaeologik 15.7.2026). In Schleswig-Holstein wird das Thema in der nächsten Legislaturperiode auf den Tisch kommen.

Die parallel laufenden Gesetzgebungsverfahren sehen zumeist die Möglichkeit der Stellungnahme von Fachverbänden vor.  Traditionell ist da die DGUF engagiert, die aktuell auch den Prozess in Nordrhein-Westfalen aktiv begleitet. 

Da aktuell alles gehäuft kommt, wird es schwierig, mit dem ja ehrenamtlichen Engagement in allen Gesetzgebungsprozessen präsent zu sein. Gefragt sind die regionalen archäologischen Gesellschaften, die aber vielfach so eng mit der jeweiligen Landesarchäologie personell und bezüglich ihrer Adresse verzahnt sind, dass sie sich kaum wirkungsvoll politisch positioniert werden können und ggf. zentrale Vorstandsmitglieder sich als Landesbeamte in diese Verfahren öffentlich nur bedingt einbringen können.

Daher ist es wichtig, dass die Gelegenheit zu Stellungnahmen in  regulären Anhörrungsverfahren, aber auch gegenüber den Landtagsabgeordneten genutzt werden - und Petitionen wahrgenommen werden. Vielfach finden die laufenden gesetzgebungsprozesse aber kaum Beachtung und finden den Weg gar nicht erst in die Medien.

Mit Hilfe von KI habe ich daher folgende Liste erstellt, die zeigen soll, wo welche Änderungen im Busch sind und wo es lohnt, die Augen offen zu halten. Dazu habe ich Google KI wie folgt gepromptet: "Stelle mir eine Liste zum aktuellen Stand der Novellierungen der Denkmalschutzgesetze in Deutschland zusammen. Bitte gib 1.) Link zum 2025 gültigen Gesetz,  2.) eine Zusammenfassung der geplanten Änderungen (insbes. Verlagerung auf Untere Denkmalschutzbehörde, Abkehr vom deklaratorischen Prinzip, Umgang mit Verursacherprinzip, Wirtschaftlichkeitsvorbehalte), 3.) Stand des Gesetzgebungsverfahrens mit Fristen zu Anhörungen und Stellungnahmen und eine 4.) Liste der eingegangenen Stellungnahmen. Die Links müssen zuverlässig stimmen. Prüfe alle Angaben gegen!"

Das Ergebnis habe ich nur geringfügig bearbeitet. Ich habe den Inhalt anhand der gebotenen Quellen punktuell geprüft, Dabei sind mir wenige offensichtliche Falschaussagen (Bremen, Sachsen-Anhalt) aufgefallen, die ich ebenso wie einige offensichtlich falsche Links entfernt habe. Für die Inhalte kann ich nicht garantieren, ich hoffe aber, dass das Gesamtbild einigermaßen korrekt ist und gerade die Angaben zu dem Stand der Gesetzgebungsverfahren stimmen. Ich habe rot markiert, wo es mir demnach sinnvoll scheint, aktiv zu werden und vorsorglich z.B. Landtagsabegordnete individuell zu kontaktieren.

Die Erosion der Denkmalschutzgesetze ist für die Wissenschaft wie auch für zahlreiche Wissenschaftler eine Katastrophe - und natürlich auch für  die jeweiligen Landschaften, die mit ihren Kulturdenkmälern auch an Lebensqualität verlieren. Unbewusst ist der Denkmalverlust auch ein Faktor, der zur Entwurzelung der Menschen und deren Radikalisierung oder jedenfalls ihre Anfälligkeit für Populisten beiträgt - die ja ihrerseits eine mythische Vergangenheit erfinden. Denkmäler sind eben auch eine Quelle kritischer historischer Erkenntnis.

 

Baden-Württemberg

1) Gültiges Gesetz (Stand 2025)

·   

Montag, 10. September 2018

Die Burg Henneberg in Südthüringen

Rezension von Fabian Schwandt

Ines Spazier
mit Beiträgen von Kevin Bartel, Hans-Volker Karl, Oliver Mecking, Volker Morgenroth, Johannes Mötsch, Ralf-Jürgen Prilloff, Benjamin Rudolph, Tim Schüler, Corina Seidl, Wolf-Rüdiger Teegen, Gisela Wolf, Günther Wölfing

Die Burg Henneberg in Südthüringen.
Stammburg der Henneberger Grafen



(Langenweissbach: Verlag Beier & Beran 2017)

ISBN 978-3-95741-057-3

2 Bände, insg. 568 S., 238 Farbabb., 116 Tafeln und 3 Beilagen
89,00 €

Wie der Herausgeber Sven Ostritz, Landesarchäologe von Thüringen und Präsident des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie in seinem Vorwort ausführt, handelt es sich bei der Burgruine Henneberg um ein „vergessenes“ Denkmal. Die Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze sorgte dafür, das die Anlage jahrzehntelang keinerlei wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhielt und verfiel. Nach der Wiedervereinigung wurden dann in rascher Folge denkmalpflegerische Maßnahmen und eine Grabungskampagne durchgeführt, deren Publikation aber nicht über Vorberichte hinaus kam. Um so schöner ist es, das Ines Spazier, Mitarbeiterin am Landesamt, die Burg nun mit der Unterstützung vieler Mitautoren aus ihrem Schlaf geweckt hat und mit diesem Werk eine umfassende Aufarbeitung der archäologischen Ausgrabungen und der Geschichte vorlegt.
Die Burg Henneberg ist der Stammsitz des gleichnamigen Grafengeschlechts, welches von seiner ersten Erwähnung im 11. Jahrhundert bis zum seinem Aussterben im 16. Jahrhundert zeitweise das bedeutendste Adelsgeschlecht im südthüringischen und fränkischen Raum war. An gleicher Stelle befand sich auch schon einmal eine eisenzeitliche Höhensiedlung. Von der mittelalterlichen Burganlage sind heute noch der Bergfried, ein Rundturm, der Großteil der Ringmauer und einige kleinere Mauerreste erhalten. 1992-1995 (unter Mitarbeit des Lehrstuhl für Prähistorische Archäologie der Martin-Luther-Universität Halle-Witten und des Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg) und 2001-2002 wurden jeweils Grabungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie durchgeführt.
Bergfried der Burg Henneberg, Ansicht von Westen.
(Foto: Dietrich Krieger [ CC-BY-SA-3.0]
via WikimediaCommons)
Im ersten Band wird nach einigen Vorworten die Geologie des Henneberger Raumes, die Topografie der Burg und die Forschungsgeschichte der bisherigen Untersuchungen auf der Henneberger Burg erläutert. Sodann wird chronologisch erst auf die Befunde, dann die Funde der hallstattzeitlichen Besiedlungsphase eingegangen. Durch die starke Überprägung in mittelalterlicher Zeit werden hier allerdings keine weitergehenden Betrachtungen angestellt, obgleich das Fundmaterial zum Beispiel eine gedrechselte Bernsteinperle enthält, zu der sich in dieser Form fast keine Vergleichsfunde herausstellen lassen (S. 71f.).

Rundturm mit Teilen der Außenmauer, von Osten gesehen.
(Foto: Detlef Mewes [PublicDomain]
via WikimediaCommons)
Nach einer kurzen Betrachtung der mittelalterlichen politischen Umgebung der Burg Henneberg und der umgebenden Burgen, Klöster, Pfalzen und frühmittelalterlichen Siedlungen, widmet sich die Autorin im Hauptteil den hoch- und spätmittelalterlichen Befunden und Funden. Hier zeigt sich auch die Sorgfalt, mit der die Grabungen durchgeführt wurden: so wurde im Innenraum des Rundturmes eine organische Schicht festgestellt, bei der es sich tatsächlich um erhaltenen Stalldung handelt (S. 107). Danach folgen Ausführungen zur Baugeschichte und ein historischer Abriss über die Besitzer und ihre Vögte und ein kurzer Abschnitt über die auf der Burg befindliche Katharinenkapelle und die dazu erhaltenen schriftlichen Quellen. In diesem Teil hätte man auf einige Quellenauszüge verzichten können, die von einem Autoren übernommen wurden, der aber selbst keine Quellenangaben für diese Auszüge angegeben hat. Da diese Auszüge nur kurz und ohne wesentliche Informationen sind und ihr Inhalt auch nicht geprüft werden kann, wäre ihr Weglassen an dieser Stelle nicht tragisch gewesen (S. 216f).

Als letztes folgt noch ein kurzer, vergleichender Abschnitt, der die archäologischen und historischen Quellen zusammenführt. So konnte ein schriftlich belegter Blitzeinschlag mit anschließendem Feuer im Jahre 1308 durch Brandrötung des Felsen zwischen Rundturm und Kapellenturm nachgewiesen werden, ebenso, das einer der beiden Türme infolge dessen eingestürzt sein muss (S. 221).

Im zweiten Teil des ersten Bandes werden die naturwissenschaftlichen Untersuchungen zusammengefasst, namentlich die Auswertungen der Tierknochen, der pflanzlichen Makroreste, die Analyse der verschiedenen Glasfunde und die geophysikalischen Prospektionen auf der Burg Henneberg.
Der zweite Band dient als Katalog. Es werden Befundbeschreibungen und -zeichnungen, Fundbeschreibungen und -zeichnungen sowie die die Tabellen zu den Tierknochenuntersuchungen aufgeführt, zusätzlich noch Pläne und verschiedene Zeichnungen und grafische Darstellungen der Burg beziehungsweise ihrer Ruine in der Vergangenheit. Bei den Zeichnungen der Keramik und bei besonderen Fundstücken wurden Fotografien daneben gestellt, was dem Betrachter zusätzliche Informationen gibt und einen besseren Vergleich gestattet.

Fazit

„Die Burg Henneberg in Südthüringen“ ist methodisch und in der Ausführung sehr gut gelungen und stellt wichtige Informationen und Aspekte dar, die bis jetzt so noch nicht veröffentlicht und einem breiten (Fach)publikum zur Verfügung gestanden haben. Da so viele Autoren an diesem Werk mitgearbeitet haben, ist es nur natürlich, dass der Sprachfluss manchmal etwas zerhackt wirkt und sich manche Fakten gerade in den Einleitungen wiederholen.
Insgesamt ist es eine vollständig wirkende und sehr hochwertig gedruckte Arbeit, die den aktuellen Stand und die Möglichkeiten der Archäologie wiedergibt. Darüber hinaus gehende Betrachtungen oder Auswertungen fehlen weitestgehend, worauf die Publikation, die sich als Grabungspublikation versteht, selbst aber auch keinerlei Anspruch erhebt. Die erhaltenen Quellen werden umfänglich dargestellt, ihren eigenen Zielsetzungen wird sie also absolut gerecht. Damit bietet der Band Wissenschaftlern, wie auch dem interessierten Publikum aus der Region wie auch der Burgen-Fans wichtige Ansatzpunkte für eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Burgenbau der Region.

Literaturhinweise

  • P. Helmut-Eberhard, Burgen in Thüringen: Geschichte, Archäologie und Burgenforschung (Regensburg 2007).
  • R. Küchenmeister, Ausgrabungen auf der Burg „Henneburg“, Landkreis Schmalkalden-Meinigen, Ausgrabungen und Funde im Freistaat Thüringen 6, 2002, 35-43.
  • H. Schwarzberg, Die Ausgrabungen auf der Burg Henneberg. Vorbericht der Kampagnen 1992- 1995, 900 Jahre Henneberger Land 1096-1996. Jahrbuch der Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsverein 11, 1996, 163-168.

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Text
  • Vorwort des Herausgebers – S. 7
  • Vorwort der Autorin – S. 7
  • Archäologie – Bauforschung – Geschichte
  • Ines Spazier: Einleitung – S. 11
  • Volker Morgenroth: Zur Geologie im Henneberger Raum – S. 13
  • Ines Spazier: Lage und Beschreibung der Burgruine Henneberg – topografische und naturräumliche Angaben – S. 21
  • Ines Spazier: Forschungsgeschichte zu den Abbruch- und Sanierungsarbeiten sowie den archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen auf der Burgruine Henneberg – S. 25
  • Kevin Bartel: Die archäologischen Ausgrabungen auf der Burg Henneberg – die hallstattzeitliche Höhensiedlung – S. 41
  • Kevin Bartel: Das vorgeschichtliche Fundmaterial der Burg Henneberg – S. 49
  • Kevin Bartel: Die früheisenzeitliche Besiedlungsentwicklung im südlichen Thüringen – S. 77
  • Ines Spazier: Politische und siedlungsgeschichtliche Verhältnisse im Grabfeld im ausgehenden 8. -11. Jh. – historische Voraussetzungen zur Gründung der Burg Henneberg – S. 83
  • Ines Spazier: Die Archäologischen Ausgrabungen auf der Burg Henneberg – die mittelalterliche Burg der Henneberger Grafen – S. 93
  • Ines Spazier: Das mittelalterliche Fundmaterial der Burgruine Henneberg – S. 141
  • Benjamin Rudolph: Zur Baugeschichte der Burgruine Henneberg – S. 183
  • Johannes Mötsch: Die Burg Henneberg unter den Grafen von Henneberg – die Besitzer und ihre Burgmannen – S. 197
  • Günther Wölfing: Die Kapelle St. Katharina auf der Burg Henneberg in der schriftlichen Überlieferung – S. 211
  • Ines Spazier: Vergleichende Betrachtungen der archäologischen und bauhistorischen Ergebnisse mit den archivalischen Quellen – S. 219

Naturwissenschaftliche Untersuchungen
  • Hans- Volker Karl: Auswertung der Tierknochen vom Nordwestteil der Burganlage – S. 227
  • Ralf-Jürgen Prilloff: Auswertung der Tierknochen vom Südteil der Burganlage – S. 241
  • Wolf-Rüdiger Teegen & Ralf-Jürgen Prilloff: Spuren krankhafter Veränderungen an Tierknochen von der Burg Henneberg – S. 275
  • Gisela Wolf: Die pflanzlichen Makroreste der Burg Henneberg – S. 283
  • Oliver Mecking: Analyse der Glasfingerringe von der Burg Henneberg – S. 289
  • Corina Seidl: Einblick in das Glasinnere - naturwissenschaftliche Untersuchung von Flachglasscherben von der Burg Henneberg – S. 295
  • Tim Schüler. Geophysikalische Prospektionen auf der Burg Henneberg – S. 299
  • Ines Spazier: Zusammenfassung – S. 301
  • Literatur- und Quellenverzeichnis – S. 305
  • Abbildungsnachweis – S. 329
  • Autorenverzeichnis – S. 333

Teil 2: Kataloge, Tabellen, Tafeln, Beilagen
  • Ines Spazier; Kevin Bartel: Gesamtkatalog
    • Allgemeine Angaben – S. 7
  • Verzeichnis der hallstattzeitlichen und mittelalterlichen Baustrukturen – S. 9
    • Katalog der Ausgrabungen von 1992 bis 1995 – S. 10
    • Katalog der Ausgrabungen von 2001 bis 2002 – S. 47
  • Hans-Volker Karl: Anhang zu den Tierknochenuntersuchungen vom Nordwestteil der Burganlage
    • Katalog – S. 71
    • Tabellen – S. 119
    • Maß-Tabellen – S. 125
  • Hans-Volker Karl: Anhang zu den Tierknochenuntersuchungen vom Südteil der Burganlage
    • Katalog – S. 129
    • Tabellen – S. 155
    • Maß-Tabellen – S. 211
  • Tafeln – S. 235
    • Taf. 1-20 Pläne
    • Taf. 21-31 Profile
    • Taf. 32-101 Fundtafeln
    • Taf. 102-116 Historische Darstellungen
  • Beilagen






Fabian Schwandt ist Masterstudent der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Bamberg. Dort machte er auch seinen Bachelor in den Archäologischen Wissenschaften mit einer Arbeit über „Helme und Panzerung des frühen und hohen Mittelalters und ihr archäologischer Nachweis“.

Montag, 16. Dezember 2013

Thüringen: Kein Geld für Kernaufgaben der Bodendenkmalpflege

Die Konservierung und Nachbereitung einer Ausgrabung gehören prinzipiell zum archäologischen Kerngeschäft und so zeigt der Vorgang nur die prekäre Situation der Denkmalpflege am Rande der Arbeitsfähigkeit.
Entweder muss der Etat der Denkmalpflege so ausgestattet sein, dass grundlegende konservatorische Arbeiten möglich sind, oder das Verursacherprinzip darf nicht, wie  bislang üblich, die ganzen Arbeitsschritte nach der Grabung ausblenden. Ein frühmittelalterlicher, beigabenführender Grabfund ist keineswegs außergewöhnlich - bemerkenswert ist allenfalls, dass das Grab nicht geplündert wurde und die Bergung im Block einmal ein Arbeiten unter den eigentlich wünschenswerten Standards ermöglichen würde.