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Montag, 28. September 2026

Archäologische Stätten in Europa leiden unter Niedrigwasser

Am 21. August 2026 feierte die Welt eine Premiere: Zum ersten Mal wurde der von der UNESCO ins Leben gerufene Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser (International Day for Underwater Cultural Heritage) begangen. Dieser neue Welttag soll das Bewusstsein für die Erforschung und den Schutz versunkener historischer Stätten, Schiffswracks und prähistorischer Siedlungen in Ozeanen, Meeren, Flüssen und Seen schärfen. Doch das Premierenjahr fiel mit historischen Wetterextremen zusammen, die der Diskussion eine ungeahnte Dringlichkeit verliehen.


In der klassischen Wahrnehmung wird Unterwasserkulturerbe oft mit tiefen Ozeanen und antiken Schiffswracks in der Ägäis oder der Karibik assoziiert. Im Sommer 2026 rückten jedoch kontinentale Flüsse und Binnengewässer in den Fokus der medialen Berichterstattung. Anstelle von Tauchexpeditionen reichten plötzlich Stiefel und Drohnen, um archäologische Stätten aufzufinden und zu dokumentieren.

Aktuelle Fälle

Die anhaltende Hitzewelle des Sommers 2026 führte europaweit zu dramatisch sinkenden Flusspegeln. Diese extremen Trockenperioden legten Teile von Flussbetten frei, die normalerweise völlig unzugänglich unter Wasser liegen. Was für die Binnenschifffahrt und Landwirtschaft eine Katastrophe bedeutete, bot der Archäologie für außergewöhnliche Einblicke. Die Funde illustrieren damit aber auch die Auswirkungen des Klimawandels.

Donau

Durch extreme Niedrigwasserstände floss die Donau in Bulgarien stellenweise nur noch wie ein Rinnsal und legte die Fundamente der fast 1.700 Jahre alten Konstantinsbrücke nahe dem Dorf Gigen frei. Das monumentale römische Bauwerk wurde im Jahr 328 n. Chr. unter Kaiser Konstantin dem Großen eröffnet und galt als eine der längsten Brücken der Antike. Archäologen des Regionalen Historischen Museums in Pleven nutzten die seltene Gelegenheit, um die freigelegten Pfeilerstrukturen in ihrer realen Umgebung mittels Drohnen zu vermessen und zu kartieren. 
Neben der Brücke kamen in der Region unter anderem ein Mammutstoßzahn sowie ein versunkenes Nazi-Kriegsschiff zum Vorschein.  
 
Etwa 70 Kilometer südlich von Budapest untersuchten Forscher des Intercisa-Museums Ende Juli das ausgetrocknete Bett der Donau. Auf der (vergeblichen) Suche nach den Überresten eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert entdeckten sie bei Dunaújváros im seichten Wasser einen hervorragend erhaltenen römischen Jupiter-Altar, eine Frauenstatue und zahlreiche weitere Architekturteile.
In Ungarn veranstalteten Museen mit Freiwilligen gezielte Suchen in den Niedrigwasserzonen, so auch an der Theiss.
 
 
Als weitere Weltkriegsrelikte kamen direkt in der ungarischen Hauptstadt durch das extreme Niedrigwasser die Skelette von zwei deutschen Soldaten sowie ein Militärmotorrad aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht. 
Nahe der serbischen Stadt Prahovo legte die Dürre Dutzende versunkene Nazi-Kriegsschiffe frei. Die Wracks stammen aus dem September 1944, als die zurückweichende deutsche Schwarzmeerflotte ihre eigenen Schiffe absichtlich versenkte. In der engen Flusspassage an der serbisch-rumänischen Grenze wurden damals angeblich rund 200 Schiffe versenkt. Durch das extreme Niedrigwasser im Juli und August 2026 traten hier mindestens 20 Wracks gleichzeitig spektakulär aus dem Wasser. Da viele dieser Wracks noch tonnenweise scharfe Munition und Sprengstoff an Bord haben, stellen sie bei Niedrigwasser eine erhebliche Gefahr für die Schifffahrt dar.  
 
Nahe der kroatischen Grenzorte Opatovac und Lovas sank der Pegel der Donau so stark, dass das Wrack des ungarischen Frachtschiffs Fulton spektakulär aus dem Wasser ragte. Das Schiff war 1937 mit einer gewaltigen Ladung Kohle auf dem Weg nach Novi Sad aus ungeklärten Gründen gesunken. Lokale Behörden und Historiker nutzten die Freilegung des Hecks im Juli 2026, um neue Daten über die Gründe des Untergangs zu sammeln.

Tiber

In Rom sank der Tiber im August so stark, dass die Fundamente der Pons Neronianus (Nero-Brücke) unweit des Petersdoms mitten im Flussbett sichtbar wurden. Die Brücke verband im antiken Rom das Stadtzentrum mit den privaten Gärten Kaises Neros.
Weitere Funde stammen beispielsweise aus einem Stausee in Tschechien.


Rhein und Maas

Am deutschen Rhein nutzten Archäologen (unter anderem mit Genehmigung der Landesarchäologie) die freigelegten Uferzonen systematisch für Begehungen und stießen dabei auf Pfeilspitzen aus der Bronzezeit. Gleichzeitig dokumentierten Experten im Rhein die freigelegten Reste einer römischen Hafenanlage, warnten jedoch direkt vor der schnellen Zerstörung der antiken Holzstrukturen durch den Sauerstoffkontakt.
 
In großen Mengen kam Weltkriegsmunition zum Vorschein. 

Bodensee

Der aktuelle Wasserstand des Bodensees am maßgeblichen Pegel Konstanz liegt bei 254 cm (Stand: 27. September 2026). Damit befindet er sich rund 108 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert für diesen Kalendertag und bricht reihenweise historische Tiefstwerte. Nach dem extrem trockenen und heißen Sommer fehlt den alpinen Zuflüssen weiterhin das Wasser. 
Die berühmten prähistorischen Pfahlbauten am Bodensee (UNESCO-Weltkulturerbe) sind eigentlich unter Wasser im Schlamm konserviert. Durch das extreme Niedrigwasser fallen Uferbereiche trocken, wodurch der schützende Sauerstoffabschluss verloren geht. Sobald die jahrtausendealten Holzpfähle an die Luft gelangen, trocknen sie aus und werden durch Mikroorganismen unumkehrbar zerstört.  Das Risiko steigt, wenn die Uferzonen länger trocken liegen und der Schlamm tiefgründig austrocknet.
Da weite Ufer- und Strandzonen komplett trockenliegen, rücken die archäologischen Schichten in den Fokus der Wissenschaft sowie von Laien: 
Niedrigwasser bei Radolfzell, Sommer 2026
(Foto: Markus Wolter, CC BY 4.0 via WikimediaCommons)

 
Der niedrige Pegel lockt verstärkt Sondengänger mit Metalldetektoren und Raubgräber an die Ufer. Behörden weisen jedoch streng darauf hin, dass die Suche in den sensiblen archäologischen Zonen ohne Genehmigung verboten ist und den Denkmalschutzgesetzen unterliegt. 
Beim Pfahlbaumuseum Unteruhldingen sorgt das aktuelle Niedrigwasser für ein außergewöhnliches Bild: Fast die gesamte rekonstruierte Dorfanlage steht auf dem Trockenen. Wo normalerweise die Pfähle tief im Bodenseewasser versinken, laufen Besucher nun über Stege, die über freiliegendem Seeboden und Schlammflächen schweben. 

Niederlande

Auch im Rheindelta führten extreme Dürreperioden dazu, dass die Flussbetten der Waal, des Rheins (Rijn) und der Maas um mehrere Meter absanken. Wie das Magazin NL Times ausführlich berichtet, nutzten erfahrene Archäologenteams die freigelegten, sonst völlig unzugänglichen Uferzonen für gezielte Suchen. Dabei stießen sie in den freigelegten Abschnitten gezielt auf historische Relikte, darunter römische Münzen und ebenfalls ein Schiffswrack aus der NS-Zeit.
Auch bei Arnslecht wurden durch die niedrigen Pegel alte Brückenfundamente aus Holz freigelegt, die nun alte Uferlinien anzeigt .

England

In England betraf das Niedrigwasser zahlreiche Stauseen, so dass historische Anlagen, die beim Aufstauen versunken sind, nun wieder auftachten. 
Im  Rutland-Water-Reservoir, dem größten künstlichen Gewässer Englands tauchte Mitte August das  „Geisterdorf“ Nether Hambleton auf.  Die Siedlung war 1976 überflutet worden, nachem zuvor eine kleine Rettungsgrabung die Reste eines mittelalterlichen Gebäudes freilegen konnten. Nun lagen die Fundamente der verlassenen Häuser wochenlang komplett im Trockenen und wurden von Historikern vor Ort dokumentiert.
Im Llwyn-Onn Reservoir in Wales sank der Wasserspiegel so stark, dass eine alte, um 1800 errichtete Steinbrücke wieder auftauchte. Sie war 1911 im Stausee versunken und 1976 sowie bereits im vorigen Jahr 2025 aufgetaucht.
 
Aus dem Gezeitenbereich der Themse ziehen "Mudlarks" und Sondler (regulär mit Genehmigungen des London Museum) seit Jahren archäologische Funde aus dem Schlamm. Das Niedrigwasser im Spätsommer legte an den Ufern der Themse tiefe, sonst unzugängliche Sedimentschichten frei. Archäologische Organisationen veröffentlichten im September spezielle Leitfäden für das sogenannte Foreshore Archaeology. Durch die extreme Freilegung wurden vermehrt historische Holzkonstruktionen alter Hafenanlagen und Alltagsgegenstände früherer Epochen direkt aus dem freigelegten Flussbett dokumentiert.  
Im September veröffentlichte die Kent Archaeological Society Berichte über untergegangene Küstendörfer und historische Strukturen im Bereich der Swale-Mündung in Kent, die bei den diesjährigen, extremen Niedrigwasserständen im Mündungsbereich sichtbar und zugänglich wurden. 

Frankreich

Trotz auch in Frankreich dramatisch geringen Niederschlägen gab es in der französischen Presse im Sommer und Frühherbst 2026 keine konkreten Berichte über neu entdeckte oder akut beschädigte archäologische Stätten durch Niedrigwasser.
Obwohl Medien wie TF1, BFMTV und Regionalzeitungen intensiv über die historische Rekorddürre 2026 berichten – bei der im September bis zu 84 % des Landes von extremer Trockenheit betroffen sind und über 40 % der kleineren Wasserläufe versiegen –, fehlen spezifische archäologische Fundmeldungen aus französischen Gewässern. Die französische Presse verwies lediglich auf viele der oben bereits vorgestellten Beispielen aus den Nachbarländern. Einerseits scheint in Frankreich aus Schutz vor Raubgrabungen eine restriktivere Informationspolitik präsent, die Funde erst nach Abschluß der Untersuchungen mitteilt. 
 
Da der Westen Frankreichs im Frühjahr 2016 zunächst von historischen Überschwemmungen betroffen waren, führten hohe Grundwasserstände während der Dürre im Spätsommer zu einer relativ geringen Entleerung der großen, archäologisch relevanten Seenlandschaften - anders als bei extremen Niedrigwasserständen wie z.B. im Jahr 2018. 

Zur berühmten Fundstelle von Colletière bei Charavines am Lac du Paladru (Département Isère) - ein um 1000 im See versunkener Herrenhof - gab es im Sommer zahlreiche Berichte, veil das dortige archäologische Museum neu eröffnet wurde. Während früherer Trockenphasen (unter anderem im Herbst 2018 und 2020) sank der Pegel so tief, dass die Überreste der Siedlung knapp unter der Wasseroberfläche sichtbar wurden und trocken zu fallen drohten. 2026 gab es entgegen dem Trend im restlichen Frankreich laut der regionalen Presse (wie Le Dauphiné Libéré) am Lac du Paladru sogar zeitweise hohe Wasserstände. Im Januar 2026 starteten zudem umfangreiche Renovierungen der   Schleusen und Wehre durch die der Wasserstand im See schon seit dem 19. Jahrhundert reguliert wird. Mit der Automatisierung der Wehre soll der Wasserstand besser stabiliisert werden, um die Tierwelt, aber eben auch die im See liegenden Funde unter Wasser zu halten. 

Verminderte Erhaltungsbedingungen und vergrößerte Plünderungsrisiken für Kulturerbe  

Es besteht kein Zweifel, dass die Trockenheit 2026 Folge des Klimawandels ist, den zu leugnen einfach nur noch dumm (oder wider besseres Wissen  Teil einer Populismusstrategie) ist. 
Ein Faktenpapier zu den Extremwettern in Deutschland trifft aktuell folgende Feststellungen:
  • Die globale Erwärmung erhöht generell die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Extreme und ihrer Folgen.
  • Die Zunahme von Hitzewellen ist zweifelsfrei eine Folge der globalen Erwärmung.
  • Die Häufigkeit von Trockenphasen ist gestiegen.
  • Wassertemperaturen des Rheins steigen trotz reduzierter Wärmeeinleitungen und sind zunehmend außergewöhnlich hoch im Zusammenhang mit intensiven sommerlichen Hitzewellen.
  • In den letzten Jahren häufen sich ausgeprägte Niedrigwasserphasen an den Flüssen, die nur mit klimawandelbedingten Änderungen im hydrologischen System erklärt werden können.
  • Die agrarischen und hydrologischen Dürren der letzten Jahre erzeugen Anpassungsdrücke für Wirtschaft und Habitate.
  • Die erneuerbare Wasserressource Deutschlands ist rückläufig. 
Dieser Sommer 2026 macht klar: es wird nicht einfach wärmer mit rundweg schönem Wetter, sondern vieles kommt auch im Alltag ins Rutschen: Die Landwirtschaft sieht sich mit erhöten Ausfallrisiken konfrontoert, die Kapazitäten der Binnenschiffahrt reduzieren sich mit Auswirkungen auf das Preisniveau, aber auch die Infrastruktur altert bei steigenden Temperaturen verstärkt, da Straßenbeläge und Brückenkonstruktionen nicht auf solche Hitzeperioden ausgelegt sind. Und natürlich ist die Hitze eine körperliche Belastung.
 
Zu den vielen Folgen des Klimawandels zählt aber auch die Zerstörung oder besser vielleicht Zersetzung archäologischer Stätten. 
 
Manuel Zeiler, ein Archäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), warnte im WDR eindringlich vor den Folgen der Dürre. Flüsse fungieren als Sauerstoff-freie Archive. Sobald die Hitzewelle Uferbereiche trockenlegt, greift der atmosphärische Sauerstoff jahrhundertealte Holzstrukturen, Wrackteile und sogar mikroskopische Pollen (die Landschaftsgeschichte speichern) an und lässt sie rasant zerfallen.
Zudem kommt es durch steigende Gewässertemperaturen zur EInwanderung neuer Arten, die verstärkt den Grund von Flüssen und insbesondere Seen aufwühlen und auch so den archäologischen Stätten zusetzen.
Viele invasive Arten stammen aus wärmeren Regionen (z. B. dem Schwarzmeerraum). Steigende Wassertemperaturen im Rhein (die im Sommer immer häufiger kritische Marken überschreiten) führen dazu, dass: heimische Arten unter Hitzestress geraten und zurückgedrängt werden. und die Invasoren optimale Fortpflanzungsbedingungen vorfinden, da mildere Winter ihre Überlebensrate drastisch erhöhen.
Zu den für die Archäologie gefährlichen invasiven Arten zählen unter anderem Kamberkrebs und Signalkrebs: Diese Arten haben sich über den Rhein und seine Zuflüsse rasant ausgebreitet. Der Kamberkrebs, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, ist in Europa inzwischen die dominierende Krebsart, In Deutschland ist seine Ausbreitung in südlichen Gebieten (Bodensee- und Donausystem) noch nicht vollständig abgeschlossen. Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsen graben sie im Schlammgrund. Durch dieses permanente Aufwühlen (Bioturbation) wird das schützende Sediment destabilisiert und abgetragen (erhöhte Erosion). Sauerstoff gelangt an die Jahrtausende alten Holzobjekte, was deren biologischen Zerfall durch Bakterien und Pilze schlagartig anstößt.
Neben den Krebsen gibt es einen noch aggressiveren Akteur, der direkt mit der Erwärmung und der Rheinschifffahrt verknüpft ist: die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis). Sie breitet sich seit einigen Jahren flächendeckend im Rheinsystem und im Bodensee aus. Die Quaggamuscheln heften sich mit sogenannten Byssusfäden extrem fest an die prähistorischen Holzpfähle. Wenn Wasservögel (wie Tauchenten oder Kormorane) die Muscheln fressen, reißen sie diese gewaltsam vom Holz ab. Dabei wird jedes Mal die ohnehin aufgeweichte, Jahrtausende alte Holzsubstanz reduziert.
 
Im Bodensee begünstigen die steigenden Wassertemperatren auch das Wachstum des Schweizer Laichkrauts, das die Pfahlfelder der >Seeuferrandsiedlungen flächig überwuchert und die Oberflächen der Hölzer angreift. 
Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und internationale Monitoring-Projekte schlagen Alarm: Durch das Zusammenspiel aus wärmerem Wasser, grabenden Krebsen und siedelnden Quagga-Muscheln verlieren wir rasant das jahrtausendealte „Archiv unter Wasser“. Da ein mechanischer Schutz ganzer Seeböden kaum möglich ist, bleibt der Archäologie eigentlich nur noch die Notgrabung, bevor die Funde unwiederbringlich zerstört sind. 

Wissenschaftskommunikation

Zun Schluß noch eine Randbemerkung zur Berichterstattung und Wissenschaftskommunikation. Die Mehrzahl der Medienberichte überschlägt sich ob der tollen, "sensationellen" Funde. Ähnlich wie bei der Berichterstattung über immer neue Sondlerfunde, siegt die Begeisterung über Entdeckungen, während wenig über den Informationsverlust durch mangelnde Dokumentation(sgelegenheit) berichtet wird. Die zahlreichen Funde aus den europäischen Flüssen 2026 sind entgegen der dominierenden Berichterstattung keine Erfolge, sondern die Dokumentation des Verlusts und ene weitere Folge des Klimawandels. 
 
Hier ist nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit der Denkmalämter gefordert, die mit wenigen positiv zu vermerkenden Ausnahmen (datunter aber auch die RGK). Bislang ist aus Deutschland nur wenig über die Funde insbesondere aus dem Rheinberichtet worden. Eine Zurückhaltung angesichts vonSondlerscharen ist hier durchaus angemessen, doch bestimmen dadurch die Medien das Sensationsfundnarrativ, wo es angemessener wäre über Erkenntnisse und Verluste zu berichten.
Interessant ist, dass in England und Ungarn, zwei Ländern mit starker Sóndlerszene verstärkt 
 

Interne Links

Archäologie und Klimawandel
 
 
Hinweis:
Bei der Zusammenstellung der Informationen wurde KI eingesetzt. Angaben und Links wurden geprüft.

Montag, 3. August 2026

Chersonesos: Weltkulturerbe auf der roten Liste

Die antike Stadt Chersonesos und ihr Umland im Südwesten der Krim wurde im Juli 2026 offiziell auf die Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO gesetzt. Diese Entscheidung fiel während der 48. Sitzung des Welterbekomitees in Busan, Republik Korea.

Gründe für die Eintragung der Stätte in die Liste des gefährdeten Welterbes waren dokumentierte Belege für illegale archäologische Ausgrabungen, die großflächige Bebauung der Stätte und ihrer Pufferzonen, die Zerstörung des archäologischen Kontextes, die Verbringung von Kulturgut außerhalb der Krim sowie weitere Handlungen, die die Erhaltung ihres außergewöhnlichen universellen Wertes bedrohen.

Die Zerstörungen durch Putins Propagandapark habe ich hier auf Archaeologik und für die EAA dokumentiert – verbunden mit dem Aufruf, dass die UNESCO handeln und der Stätte den Welterbestatus aberkennen müsse.


Das Kommitee begründete den Schritt juristisch mit zwei Kriterien der UNESCO-Richtlinien: 
  • Nachgewiesene Gefahr (Ascertained Danger): Der reale, unumkehrbare Verlust der historischen Authentizität durch die modernen Überbauungen. 
  • Potenzielle Gefahr (Potential Danger): Der anhaltende bewaffnete Konflikt, die mangelnde Rechtsstaatlichkeit durch die illegale Annexion sowie der negative Einfluss großflächiger urbaner Regionalprojekte. 
Hinzu kommt der mangelnde Zugang durch die verantwortliche Ukraine. Da sie seit 2014 keinen physischen Zugriff mehr auf das Territorium hat, kann sie ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen zum Schutz und Management der Stätte nicht nachkommen. 

Die Aufnahme in die „Rote Liste“ entzieht einer Stätte nicht den Welterbe-Titel. Sie ist jedoch ein internationaler Alarmmechanismus. Damit werden erweiterte UN-Überwachungsprozesse in Gang gesetzt, Gelder aus globalen Notfallfonds freigegeben und rechtliche Grundlagen für spätere internationale Strafprozesse wegen der Zerstörung von Kulturgütern im Krieg gefestigt. Chersonesos ist damit die erste Welterbestätte auf der von Russland besetzten Krim, die diesen Status erhält. 


Politische Reaktionen

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha und das Ministerium für Kultur begrüßten das Urteil als „wichtige internationale Bestätigung der russischen Zerstörungen“. Die Ukraine fordert nun verstärkte weltweite Kontrollen, um den illegalen Handel mit den geraubten antiken Kulturgütern aus der Krim zu stoppen. Westliche Staaten wie Polen, Tschechien und die Schweiz unterstützten den ukrainischen Antrag während der Sitzung aktiv.

Der russische UNESCO-Vertreter Rinat Aljautdinow erklärte, Russland erkenne die Entscheidung nicht an. Moskau behauptet, die Maßnahmen vor Ort dienten dem „Erhalt“ und der „Restaurierung“ der Denkmäler. Tatsächlich zeigen die vorliegenden Informationen deutkich, dass Russland für seine nationale Propaganda Geschichte umdeutet und die Zerstörung authentischer Quellen dazu zumindest un Kauf nimmt.


Weitere Stätten auf der Krim

Chersonesos ist die einzige offizielle UNESCO-Welterbestätte auf der Krim. Daher  bezieht sich die Rote Liste der UNESCO für die Krim rein auf diese Stätte. Dennoch äußern sich die UNESCO sowie internationale Experten im Zuge der aktuellen Beschlüsse auch zu anderen historisch bedeutenden Kulturdenkmälern der Krim, die unter Denkmalschutz oder far auf der Vorschlagsliste (Tentative List) der Ukraine stehen: 

Der Khanspalast von Bachtschyssaraj gilt als das wichtigste verbliebene Kulturdenkmal der indigenen Krimtataren. Die ukrainische Delegation (darunter Kulturministerin Tetjana Bereschna) hat bei der UNESCO-Sitzung explizit gefordert, auch den Khanpalast unter internationalen Schutz zu stellen. Russland führt dort seit Jahren sogenannte „Restaurierungen“ durch, bei denen laut Denkmalschützern historische Eichenbalken und authentische Ziegel mutwillig durch moderne Materialien ersetzt wurden. Kritiker werfen Moskau vor, die krimtatarische Identität und Geschichte gezielt auszulöschen (vgl. Archaeologik) 30.12.2017).  
 
Khanspalast Bakchissaraj
(Foto: R. Schreg/RGZM)


Auch andere archäologische Stätten der Krim geraten zunehmend ins Visier kommerzieller und militärischer Bauprojekte. Die byzantinische Festung Cembalo bei Balaklava ist durch ein großes Neubauprojekt mit Luxushotels und Yachthafen bedroht. Große Teile des geschützten Areals wurden freigegeben, um Platz für ein Luxushotel-Projekt russischer Oligarchen zu schaffen. Zuvor wurden dort wertvolle Kulturschichten aus dem 14. bis 18. Jahrhundert in einer Notgrabung untersucht.
Archaeologik hat schon früher die Situation auf der Krim thematisiert (Label Krim). 

Das generelle Mandat der UNESCO zur Krim

Da die UNESCO die Annexion der Krim völkerrechtlich nicht anerkennt, fordert das Welterbekomitee in seinen Resolutionen fortlaufend den Schutz aller beweglichen und unbeweglichen Kulturgüter auf der gesamten Halbinsel. Die Organisation ruft die internationale Gemeinschaft auf, den illegalen Handel und Schmuggel mit Antiquitäten zu stoppen, die bei unautorisierten Grabungen auf der Krim entwendet und nach Russland verbracht werden. 

[1]

Links

 Interne Links



 


Montag, 15. Juni 2026

UNESCO-Welterbe brennt

Putin lässt weiter auf Kiew bomben und hat jetzt auch das UNESCO-Welterbe in Kiew getroffen. 
Bei den landesweiten Angriff gab es neun Tote und zahlreiche Verletzte in Kiew kames  laut Aussagen des Militärgouverneurs zu „ernsthaften Schäden auf dem Gelände des Höhlenklosters“. 

Google KI fasst die Situation heute morgen wie folgt zusammen:

Bei den schweren russischen Angriffen auf Kiew am 15. Juni 2026 kam es zu folgendem Schadensbild: [1, 2] 

🏛️ Akute Schäden an der Hauptkirche

  • Brand des Daches: Das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale (auch bekannt als Uspenski-Kathedrale, die Hauptkirche des Komplexes) geriet im Dachbereich unter den vergoldeten Kuppeln in Brand. [1, 2] 
  • Ursache: Laut Berichten fing das Dach Feuer, nachdem entweder Trümmerteile einer abgetroffenen russischen Drohne auf einen angrenzenden Parkplatz stürzten oder die Anlage direkt von Geschossen getroffen wurde. [2, 3] 

📦 Rettung der Kulturgüter [4] 

  • Ikonen und Reliquien gesichert: Liturgische Gegenstände, wertvolle Ikonen und die historischen Heiligtümer der Kathedrale konnten durch eine schnelle Evakuierungsaktion rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. [1] 

🕳️ Zustand der Höhlen und Nebengebäude

  • Unterirdische Höhlen intakt: Das weltberühmte mittelalterliche Höhlensystem mit den mumifizierten Überresten von Geistlichen im unteren Teil des Geländes blieb nach ersten Erkenntnissen von den aktuellen Zerstörungen unversehrt. [2, 5] 
  • Hinweis zu früheren Schäden: Kleinere oberflächliche Schäden an den Eingängen der Fernen Höhlen (zerstörte Fenster, Türen und Putzschäden an der Sankt-Anna-Kirche) stammten bereits aus einer vorangegangenen Angriffswelle im Januar 2026. Die aktuellen Brände betreffen das Dach der zentralen Oberkirche. [2, 5, 6] 
Möchtest du weitere Details zu den internationalen Reaktionen (wie der UNESCO oder Frankreich) erfahren oder die aktuelle Lage der Rettungsarbeiten weiterverfolgen? [1] 
Diese KI-Zusammenfassung verweist auf aktuelle Medienquellen und scheint den Stand der Dinge zu treffen. Im syrischen Bürgerkrieg wurden Routinen entwickelt um digitale Quellen zur Schadensanalyse am Kulturerbe zu nutzen. Wenige Stunden nach dem Angriff in Kiew thematisiert ein (schrecklich werbe überladener) Artikel im KI-Magazin IT-boltwise die Rolle, die KI dabei spielen kann, Aber auch die Probleme, die dabei auftreten, weil sehr schnell auch manipulierte Bilder  und propagandistische Fake News im Umlauf sein können.





Das Höhlenkloster in Kiew
(Foto: i.Parfeniy [in public domain] via WikimediaCommons)


Mal sehen, ob sich Putins Propagandist dazu äußern: zu vermuten ist das übliche Schema: die Ukraine ist schuld. Das Höhlenkloster soll in die Zeit der Kiewer Rus zurückgehen und hat daher großes, symbolische Bedeutung für die Nationalgeschichten Russlands und der Ukraine.


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Montag, 16. März 2026

Realsatire Weltkulturerbe in Baden-Württemberg

Die in Ravensburg ansässige 'Schwäbische' berichtet aktuell über das UNESCO-Welterbe Eiszeitkunst als einer Realsatire.


Der Unesco-Titel für die Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb war 2017 eine riesige Ehre, doch bereits fünf Jahre nach der Verleihung zeigten sich ernsthafte Schwächen im Konzept. Der einst zentrale Archäopark Vogelherd, getragen von der Gemeinde Niederstotzingen, wurde 2022 aus Geldnot geschlossen. Der Bau des Archäoparks Vogelherd war ein größeres Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Stadt Niederstotzingen die Bauherrin war. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf über 4 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt aus Zuschüssen vom Land Baden-Württemberg, Mitteln der Europäischen Union und einem Eigenanteil der Stadt Niederstotzingen von 900.000€.

Für Besucher, die sich vom Welterbe-Status angezogen fühlen, ist die Realität heute ernüchternd: An der Autobahn stehen große Hinweisschilder, vor Ort steht ein verrammeltes Museum, dessen einzige Perspektive es ist, dass es  als Kindergarten weiter genutzt werden kann. Anwohner beschreiben die Situation vor Ort mit Worten wie "Wüste" oder "Sauerei". Die eigentlichen Welterbe-Höhlen im Lonetal – darunter der Fundort des berühmten „Löwenmenschen“ – sind teils unzugänglich oder instabil. 

Zwar wurde inzwischen der Welterbefonds BW aufgelegt, mit dem das Land Baden-Württemberg Projekte an seinen Welterbestätten mit Millionenbeträgen fördert. Im Lonetal wurde spekuliert, ob Gelder stattdessen in die nun groß angelegte Kelten-Initiative des Landes geflossen seien, eine Vermutung, die das Land jedoch zurückwies. Ende 2025 wurde eine Förderung des Landes von 540.000 € für das Welterbe Eiszeitkunst gewährt, das in  Maßnahmen fliesst, die sich dem Schutz und der Vermittlung der weltweit einzigartigen eiszeitlichen Kunstwerke widmen. Dazu zählen die Herstellung von 3D-Repliken des Löwenmenschen, konservatorische Verbesserungen im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren, der Schutz von Fledermäusen an der Bocksteinhöhle sowie die Planung des Welterbetags 2026. Eine dauerhafte Finanzierung lehnte die Landesregierung jedoch ab. Die Politik scheint zwar punktuelle Projekte zu finanzieren, doch für eine nachhaltige, laufende Unterstützung von Kulturstätten, die langfristig Strahlkraft entwickeln sollen, fehlt es oft am politischen Willen und an Haushaltsmitteln.

Leider ist der Status als Weltkulturerbe vielfach ein hohes Risiko, dass Authentizität und historisch-archäologischer Quellenwert eher verloren gehen oder gar zerstört werden. Am Ende läuft das möglicherweise dem gesellschaftlichen Auftrag der Archäologie - Bildungsarbeit und ein Bewusstsein für die Dimension der Zeit den Quellenwert historischer Überreste - sogar entgegen, weil es sozial zu wenig nachhaltig ist und am Ende den Eindruck von Geldverschwendung und Irrelevanz vermittelt.

Weißes (am Kreisel) und braunes Mammut als Wegweiser
(Foto: M. Decoster, 31.10.2020)


Link

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Samstag, 16. August 2025

Waldbrände in Europa ein Risiko fürs Kulturerbe: Las Médulas

Ein Blick auf Copernicus, den Emergency Management Service und dort insbesondere in EFFIS, das European Forest Fire Information System zeigt allein in den letzten 7 Tagen Brände in Spanien, Portugal, Südfrankreich, Süditalien, Wales und Griechenland, aber auch in Sachsen und Brandenburg. Desweiteren sticht auch das Kriegsgebiet in der Ost-Ukraine heraus. Hier brennen wohl nicht nur die Vegetation, sondern ganze Dörfer. EFFIS nutzt Infrarot-Satellitenbilder von Systemen wie MODIS und VIIRS, um Hotspots zu erkennen, also Bereiche mit erhöhter Temperatur, die auf mögliche Brände hindeuten könnten. 

aktuelle Brände in Europa
(Screenshot von EFFIS https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis_current_situation/
Copyright © European Union, 1995-2025, CC BY SA 4.0)


 

Diesmal sind es bemerkenswert wenige Berichte, die versuchen, ein Gesamtbild zu geben und die Schäden aufzuzeigen. Auch die üblichen Berichte zu den Folgen des Klimawandels sind erstaunlich spärlich.

Gewöhnen wir uns schon an diese Brände oder ist es mit den aktuellen Regierungen (und anderen Krisen) nicht mehr in, darüber zu reden und zu berichten?

Das Global Wildfire Information System (GWIS) und EFFIS bieten auf Copernicus basierend ein Statistikportal, zeigt dass europaweit die Zahl der Feuer wie die abgebrannte Fläche massiv angestiegen ist, weit über den 10-Jahres-Durchschnitt. 

wöchentlich abgebrannte Flächen in kumulativer Darstellung in Europa (EU)
rot: 2025
blau: 10-jähriger Durchschnitt,
grau hinterlegt: Bisheriges Minimum-Maximum
(Download von EFFIS https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend
Copyright © European Union, 1995-2025, CC BY SA 4.0)

 

Derartige frei verfügbare Zahlen nutzt nur ein Bericht zu Spanien (AL24news 11.8.2025). Hier war noch die Rede davon, dass gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres die verbrannte Fläche "nur" um etwa 9% gestiegen sei und deutlich unter dem 10-Jahresdurchschnitt liege. Nur die Zahl von bislang 14 Großfeuern läge mit Flächen von über 500 ha weit über dem 10-Jahresmittel. In einer Woche hat sich das Bild radikal verändert. Mit den Bränden der vergangenen Woche ist die 2025 bislang abgebrannte Fläche dreimal so groß wie im 10jährigen Durschschnitt. 

wöchentlich abgebrannte Flächen in kumulativer Darstellung in Spanien
rot: 2025
blau: 10-jähriger Durchschnitt,
grau hinterlegt: Bisheriges Minimum-Maximum
(Download von EFFIS https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend
Copyright © European Union, 1995-2025, CC BY SA 4.0)

Um das Bild abzurunden, gebe ich auch noch die Graphik zu Deutschland. Hier ist die 2025 bislang abgebrannte Fläche neun mal so groß wie im 10jährigen Durschschnitt und deutlich über dem bisherigen Maximum. 

wöchentlich abgebrannte Flächen in kumulativer Darstellung in Deutschland
rot: 2025
blau: 10-jähriger Durchschnitt,
grau hinterlegt: Bisheriges Minimum-Maximum
(Download von EFFIS https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend
Copyright © European Union, 1995-2025, CC BY SA 4.0)

 


Auswirkungen auf Kulturdenkmale

Auf Archaeologik geht es im Kern jedoch weder um den Klimawandel noch um Medienkritik, sondern darum, wie die Wildfeuer/Waldbrände Kulturlandschaften und archäologische Stätten betreffen. Wie immer, findet das nur Aufmerksamkeit, wenn es um prominente Stätten, etwa UNESCO-Welterbe geht. Allerdings brennt (bzw. brannte) es in den vergangenen Tagen in vielen alten Kulturlandschaften, so in Nord-Portugal östlich von Viseu, in Südfrankreich zwischen Narbonne und Carcassonne, in Apulien, in Sizilien bei Agrigent, In Albanien und in Griechenland. Die Nachrichten geben  bislang wenig Informationen darüber, ob bzw. eher wie Kulturdenkmale von den Bränden betroffen sind. Das will im Augenblick nicht viel heißen, denn natürlich haben die Menschen dort gerade andere Probleme, als sich um Bodendenkmäler zu kümmern. 

Römische Minen von Las Médulas in Nordspanien 

So fokussieren die Berichte auf das UNESCO-Welterbe von Las Médulas in Nordspanien, eine römische Goldmine und ein ungewöhnliches Zeugnis vormoderner Umweltzerstörung. 

Die ruinierten Berge von Las Médulas: durch römischen hydromechanischen Bergbau abgetragene Hügelkette mit Reststümpfen.
(Foto: 80kmh - CC BY SA 4.0 via WikimediaCommons)

 

Auf BR24 und beim Deutschlandfunk habe ich im Radio Berichte  über das UNESCO-Welterbe Las Médulas gehört, online konnte ich das aber nicht finden.  Es sind vor allem arabische Medien, die über das bedrohte Kulturerbe berichten (AL24news, The Peninsula aus Qatar, SEE sowie AlJazeera) und die die Google-News ausspucken (Suchbegriffe Las Médulas UNESCO bzw. heritage fire, Region & Sprache English (UK)). The Newzealand Herald greift auf eine Meldung von AFP zurück, die bei den deutschen Medien offenbar wenig Interesse gefunden hat. Hier greift vor allem ein Reise-Magazine das Thema auf.

 

Las Médulas ist ein römisches Goldbergwerk des 1. und 2. Jahrhunderts n.Chr., das mit sog. hydromechanischem Bergbau betrieben wurde, d.h. mit hoher Wasserkraft wurde der Boden abgeschwemmt. In Las Médulas musste man das Wasser über 100 km in mindestens sieben Wasserleitungen herleiten: Das Wasser wurde dann in großen Becken gespeichert und dann durch Schächte und Stollen in den Berg geleitet, wo es die aus Lehm bestehenden Berge geradezu sprengte und abschwemmte. Die goldführenden Schichten wurden damit zugänglich und das Gold konnte ausgewaschen werden. Zurück blieben spektakuläre Bergruinen, die heute romantisch erscheinen, aber das Zeugnis früherer Umweltzerstörung sind.  Plinius der Ältere beschreibt das Verfahren der Goldgewinnung in ruinierten Bergen, berichtet aber nur von der Anlage von Stollen und Schächten, jedoch nicht vom Wassereinsatz (Plin., nat. hist. 33,70). Seit Jahren gelten archäologische Forschungen daher der Verifikation des Abbauverfahrens (z.B. Alejano et al. 2023). Für die römische Wirtschaft  waren diese Minen jedenfalls von großer Bedeutung. Im Vorland war im heutigen Léon seit 68 n.Chr. eine Legion stationiert. 

Wasserleitung zum Bergwerk von Las Médulas
(Foto: Karkeixa, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons)

 
Bergwerk von Las Médulas
(Foto: 
David Perez, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons)

EFFIS zeigt, wie das Feuer sich aktuell nach Osten weg vom Minengebiet verlagert, wo es sich vielleicht auslaufen wird, da hier bereits eine zweite Feuerfront das brennbare Material verbraucht hat. Aktuell breitet sich diese zweite Front nach Nordosten aus. Das Kernareal des Begbaugebietes wird in EFFIS als bereits abgebrannt markiert, obwohl hier nur wenige Brände lokalisiert sind.

aktuelle Brände in Las Médulas, 
Die blaue Beschriftung gibt Hinweise auf die archäologischen Spuren des Bergbaus.
(Screenshot von EFFIS https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis_current_situation/
Copyright © European Union, 1995-2025, CC BY SA 4.0, Ergänzungen ´[dunkel blau] durch R. Schreg)
 

Eine Bestandsaufnahme soll in Las Médulas auch erst vorgenommen werden, wenn das Feuer vollständig unter Kontrolle ist. Es verwundert akso nicht, dass aus den Medien keine genauen Angaben über Schäden zu gewinnen sind. Der Abgleich von Branddaten aus EFFIS mit dem Schutzgebiet von Las Médulas  zeigt indes, dass der südliche Teil des Denkmals  ein Schwerpunkt der Brände war. Hier sind die Relikte der römischen Bergbau-Infrastrktur, insbesondere von Kanälen und Staubecken zu finden, die weniger spektakulär sind als die ruinierten Berge, aber wichtig für das Verständnis des ganzen Betriebs. 


Das Feuer bedroht nicht nur die touristische Infrastruktur des Parkes sondern auch das Geländedenkmal. Die Hitzeinwirkung kann das Gestein mürbe machen und originale Oberflächen beispielsweise mit Bearbeitungsspuren zerstören. Auch freigelegtes Mauerwerk kann hier Schaden nehmen. Immerhin hat das Feuer bislang einen Bogen um eine Siedlung nordöstlich der ruinierten Berge gemacht. Im letzten Bericht an die UNESCO 2024 (Periodic Reporting Cycle 3, Section II) war das Risiko durch Wildfeuer noch als irrelevant eingestuft worden.

Das wirft die Frage auf, wie gut wir auf das Risiko der Wildfeuer und Waldbrände für Gelände- und Bodendenkmäler vorbereitet sind. 


Literaturhinweis

  • Alejno et al 2023: Leandro R. Alejano/ Elena Martín/ Ignacio Pérez-Rey/ Brais X. Currás/ Fco.-Javier Sánchez-Palencia, Roman gold exploitation at the archeological site of Las Médulas (NW-Spain) by means of Ruina Montium: a rock and fluid mechanics perspective. 15th ISRM Congress 2023 & 72 nd Geomechanics Colloquium  -  https://www.researchgate.net/publication/374752860
  • Sánchez-Palencia 2000 : F.-Javier Sánchez-Palencia (Hrsg.), Las Médulas (León). Un paisaje cultural en la Asturia Augustana (León 2000). 
     


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