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Sonntag, 4. August 2024

Russische Geschichtsfantasy in Chersonesos: UNESCO-Welterbetitel muss aberkannt werden

Dass die russische Besetzung der Krim nichts Gutes für die archäologischen Befunde in Chersonesos zu bedeuten hat, war abzusehen. Bereits kurz nach der Besetzung der Krim brachte Putin die Fundstelle unter direkte Kontrolle des Kulturministeriums in Moskau. Bei einem Besuch 2015 ergriff er die Initiative für "den größten Museumskomplex in Russland als ein spirituelles und pädagogisches Zentrum in der Nähe des antiken Chersones, das der Geschichte der russischen Orthodoxie und des Weltchristentums gewidmet ist.„ 2017 sprach Vladimir Putin von „der Notwendigkeit, Chersones zu einem gesamtrussischen historischen Zentrum zu entwickeln, das mit der Bildung der russischen Nation und eines einheitlichen russischen Staates verbunden ist“ (http://фондмояистория.рф/o-fonde/). “Eine breite öffentliche Darstellung von Chersones als nationalem, sakralem Zentrum Russlands wird es ermöglichen, im internationalen Informationsbereich ein klares und eindeutiges Verständnis für die grundlegende Bedeutung der Krim als historische Taufstätte und unveräußerlichem Teil des russischen Staates zu schaffen”.

   Vladimir-Kathedrale inmitten der antiken Fundstelle
von Chersonesos 
(Foto: R.Schreg/RGZM, 2007)
Im Juli 2024 vermeldet die Stiftung, dass der 2022 begonnene Bau der Anlagen in New Resos abgeschlossen werde. Auf 24 ha befinden sich nun Gebäude und Bauwerke mit einer Gesamtfläche von 40.000 m², die ein einzigartiges Garten- und Parkensemble bilden, so sei neben dem antiken Chersonesos eine echte byzantinische Stadt entstanden, die Besucher mit ihrer Größe und Schönheit beeindrucke. Zu der Anlage gehören drei Museen, nämlich das Museum des Christentums, das Museum für Antike und Byzanz sowie das Museum der Krim und Neurussland. Zum Komplex gehören weiterhin ein “Tempelpark”, ein modernes Amphitheater mit 1200 Plätzen für historische Aufführungen, Rekonstruktionen von Schlachten und Gladiatorenkämpfen sowie Aufführungen von Werken antiker und moderner Autoren. Geplant sind "Massenveranstaltungen mit theatralischen Prozessionen und Karneval”. Der Schwerpunkt der Darstellung soll hier auf den letzten Jahrhunderten liegen, weil sich herausgestellt habe, "dass die Geschichte der Halbinsel untrennbar mit unserem Land verbunden war." Im Mittelpunkt soll hier ein Markt stehen, dessen Beschreibung auf den Seiten von my history, stark nach einem historischen Trödelmarkt klingt (http://фондмояистория.рф/novosti/muzejno-xramovyij-kompleks-%C2%ABnovyij-xersones%C2%BB.html)..

Ein Post der russischen Botschaft in Südafrika auf TwiX zeigt einige Bilder der Anlage.



Eine russische Nachrichtensendung von HTC Sevastopol auf youtube vermittelt weitere Eindrücke:
Auf youtube stehen auch erste Touristen-Videos:
Im April 2024 kündigte Putin zudem die Eröffnung eines Jugendbildungszentrums in Chersonesos an. Es soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Der Bau wird von "Spezialisten des militärisch-industriellen Komplexes des russischen Verteidigungsministeriums errichtet” (http://фондмояистория.рф/novosti/kopiya-v-obrazovatelnom-czentre-mashuk-rasskazali-o-proektax-fonda.html).

Zur Umsetzung des Projektes wurde eine Stiftung "My History", mit Sitz in Moskau gegründet, die Wissenschaftler des Instituts für Archäologie und des Instituts für russische Geschichte der russischen Akademie der Wissenschaften sowie die Universität Moskau und andere akademische Institute einbindet.

Der neuen Stiftung my History wurden inzwischen viele weitere Geschichtsparks in Russland unterstellt in vier Regionen und insgesamt 24 Städten darunter auch Novgorod (http://фондмояистория.рф/proekty/rossiya-moya-istoriya/)

Aus Anlaß der Eröffnung des Parks im Probebetrieb am 30.7.2024 wurde der Park als Thema in den Medien aufgegriffen.
Die Bezeichnung des Putin'schen Geschichtsparks als Disneyland zieht sich durch fast alle Berichte. Disneyland ist zwar auch nicht Ideologie-frei, dient aber vorrangig der Unterhaltung und ist klar ein Ort der Phantasie. Neu-Cherson versucht jedoch, sein Publikum zu betrügen, indem es vorspiegelt, reales historisches Wissen zu vermitteln. Ein Blick auf die Fotos und Videos der Neubauten macht auf den ersten Blick klar, dass es hier nicht um archäologische Rekonstruktionen geht. Die gebauten Komplexe haben nichts mit den sehr viel kleineren ergrabenen Bauten der antiken Stadt und erst recht nicht mit der mittelalterlichen Stadt zu tun. So prunkvoll und edel war die Antike nicht - und sicher nicht zu Zeiten Vladimirs. Es geht hier nicht um Geschichtsvermittlung, sondern um Geschichtskonstruktion, die einen russischen Machtanspruch darstellen und legitimieren soll. Die Bauten erinnern mehr an neuzeitliche Herrschaftsarchitektur und Putins Prunkpalast als an byzantinische Bauten.

Die aktuellen Berichte suggerieren, dass das Gelände des Ruinengeländes der antiken Stadt durch den neuen Park überbaut und zerstört wurde. Das Zentrum des neuen Putinparks liegt jedoch südlich des antiken Stadtareals. Vor einigen Jahren befanden sich hier Militär-, Industrie- und Gewerbeflächen. In der Kartierung des UNESCO-Weltkulturerbes liegt das Areal außerhalb des eigentlichen Schutzgebietes, wohl aber in der Buffer-Zone, in die auch weit abseits gelegene Reste der antiken Flureinteilung der Halbinsel eingestuft worden sind.

 

Die antike Stadt Chersonesos westlich von Sevastopol
mit Eintrag der Flächen, die nach GoogleEarth seit 2014 umgestaltet wurden (Graphik R. Schreg)
 

 
Die Darstellung, eine “Überbauung in Chersones und dem archäologischen Park würde Präsident Putin richtige Geschichte durch Fake-Geschichte ersetzen.” (SRF) ist also nicht völlig zutreffend. Gleichwohl war das nun überbaute Gelände nicht frei von archäologischen Befunden. In der Antike lag hier vor der Befestigung die südliche Vorstadt. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier eine große Nekropole entdeckt sowie ein Handerwerkerviertel der hellenistischen Zeit mit Töpfereibetrieben. Im Vorfeld der Park-Neubauten wurden 2020/21 in kürzester Zeit Notgrabungen durchgeführt, bei denen unter anderem ein Anten-Tempel des 4. Jh. v.Chr. ausgegraben wurde, dessen Fundamente nun in dem neuen Gelände konserviert sind (Erläuterungstafel erkennbar in Touristen-Video). 
Das Umfeld der antiken Stadt ist durch Militäranlagen im 19. und 20. Jahrhundert schon lange tief gestört; wie viele Befunde in dem betreffenden Areal vor den Baumaßnahmen erhalten waren, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Allerdings sind die Ausgrabungen in Luftbildern bei Google Earth zu erkennen. Deutlich wird, dass sehr schnell und großflächig, aber in 4 x 4 m großen Grabungschnitten ausgegraben wurde, obwohl schon auf den Luftbildern zahlreiche Befunde der Vorstadtbebauung zu erkennen sind.
Angesichts der Zerstörung der Grabungsbefunde lässt sich hier durchaus von einer Ausradierung der realen Geschichte zugunsten einer Fake-Geschichte reden. Man kann gespannt sein, wie die Ausgrabungen publiziert werden. Angeblich liegen mehrere Millionen an Funden vor.  Eine seriöse Publikation wird ganz sicher und eindeutig belegen, dass Putins Rekonstruktionen völlige Fantasie sind. Ob die Publikation zensiert werden wird (oder sich die Kolleg*innen in Selbstzensur üben [müssen]), wird sich zeigen.

Grabungsflächen in der südlichen Vorstadt von Chersonesos
von Juni 2021 bis Juni 2022 nach Google Earth. 
Der Ausschnitt zeigt nur einen kleinen Teil der Grabungen
nahe des alten Zugangs zum Ruinengelände.



Nach ukrainischer Einschätzung handelt es sich jedenfalls um die “weltweit zerstörerischsten Aktivitäten an einer Stätte der antiken Archäologie. In den Jahren 2021–2023 wurden 85.000 Quadratmeter der Kulturschicht zerstört, etwa 4 Millionen Objekte und mehr als 1.500 archäologische Komplexe entfernt (nach Angaben der Besatzungsverwaltung).”
  • vgl. https://ciss.org.ua/en/map.html mit Zoom auf Chersonesos - Die Seite des Crimean Institute for Strategic Studie präsentiert eine Liste der Kulturgutzerstörungen inklusive aller Grabungen, die auf der Krim nach 2014 ohne Genehmigung der ukrainischen Behörden durchgeführt wurden. Die Beschreibungen wurden offenbar von Archäologen vorgenommen, bieten aber leider keine Quellen zu den Aussagen über die russischen Grabungen. Im Falle einiger Aussagen über die Höhensiedlung Mangup wurden offenbar die Publikationen in der Zeitschrift MAYET ausgewertet.

Zweifellos ist der Putinpark eine nicht zu rechtfertigende Zerstörung archäologischer Quellen. Wissenschaftliche Seriosität gebietet es, dem dort ptäsentierten Geschichtsbild (da ist auch mit Führungen oder seriösen Ausstellungen vor Ort nichts mehr zu retetn) vehement zu widersprechen - aber auch, dass auch ukrainische Propaganda nicht unbesehen wiederholt und verbreitet wird. Die Medienberichte blieben hier allesamt sehr unkritisch und folgen den Darstellungen der Interviewpartner, die überwiegend nicht als Wissenschaftler, sondern als Kriegsbeobachter und -kommentatoren agieren.

Anzumerken ist deshalb auch, dass bei der berechtigten Empörung auf ukrainischer Seite fragwürdige Eingriffe in die archäologische Stätte bereits vor der russischen Okkupation eingesetzt haben. Ein Vergleich der historischen Luftbilder auf Google Earth zeigt, dass bereits 2008 im Umfeld der modernen Vladimir-Kathedrale einige Gebäude in das Ruinengelände gebaut worden sind. Auch die Anlage eines Gartens und der Ausbau des Theaters ist bereits auf einem Luftbild des Jahres 2012 zu erkennen. Die Installationen im Theater scheinen nun indes größer und schwerer geworden zu sein.

GoogleEarth zeigt kein beruhigendes Bild, aber ein anderes als es in aktuellen Medienberichten wiederholt wird. Neu-Chersonesos ist ein Propagandaprojekt, das abermals die Bedeutung der Geschichtspolitik in Putins Herrschaftsdenken belegt. 

Putin als Plünderer der Antike im August 2011
(Foto: Kreml, CC BY 4.0 via WikimediaCommons)


 

Fazit: UNESCO-Welterbetitel muß aberkannt werden

Der Status als UNESCO-Welterbe muss Chersonesos aberkannt werden! Angesichts der Tatsache, dass die UNESCO dies schon bei geringeren Eingriffen getan hat, ist es zwingend geboten, dass die UNESCO in Moskau protestiert und den Welterbetitel auch entzieht. Putins-Propaganda-Geschichte darf nicht durch ein Welterbelabel aufgewertet werden.

 


weitere Links

interne Links

  • Beiträge auf Archaeologik zur Krim

 

Literaturhinweise

  • J.C. Carter (Hrsg.), Crimean Chersonesos: City, Chora, Museum, and Environs (Austin 2003)
 

Änderungsvermerk 17.8.2025: 
einige Typos korrigiert 

Mittwoch, 14. Februar 2024

Kulturzerstörung in der Ukraine - ein Update

Aktuell (Februar 2024) zählt die UNESCO mehr als 340 beschädigte Kulturerbestätten in der Ukraine.  Der Gesamtschaden kultureller und touristischer Strukturen beläuft sich nach Schätzungen der UNESCO seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 auf rund 3,5 Milliarden Dollar. Die Ukraine braucht nach Unesco-Angaben für den Wiederaufbau ihrer kulturellen Stätten und ihrer Tourismusindustrie in den nächsten zehn Jahren knapp neun Milliarden Dollar.

Japan zählt zu den wichtigsten Geldgebern, die der UNESCO entsprechende Maßnahmen in der Ukraine ermöglichen. Japan hat der UNESCO aktuell weitere 14,6 Mio  $ zur Verfügung gestellt, insgesamt hat japan 25 Mio $ bezahlt. Neben Projekten in den Bereichen Erziehung/ Bildung und Journalismus/ Medienentwicklung werden auch Projekte zum Kulturerbe finanziert. Dazu gehören Notmaßnahmen in mehreren Städten, unter anderen in Lviv/Lemberg und Charkiw,Zuglecih wird aus den Mitteln die Einrichtung einer Einheit zur Unterstützung des Wiederaufbaus durch das ukrainische Kulturministerium unterstützt. In Odessa, der Heimat einer Weltkulturerbestätte, die regelmäßig von Angriffen bedroht ist, wird die UNESCO die Entwicklung eines Plans zur Notfallvorsorge und Risikominderung unterstützen. 

Tschechien schickt zwei LKW mit Werkstätten zur Konservierung und Digiitalisierung von Museumsgut - insbesondere aber offenbar Schriftgut - in die Ukraine. Die ukrainische Botschaft in Prag hat berichtet, dass bereits 853 Kulturerbestätten in der Ukraine von russischen Truppen beschädigt wurden - Kirchen, Museen, Bibliotheken, Archive, Denkmäler und Theater. "Wir sehen, dass Russland gnadenlos und feige Kulturobjekte angreift - Objekte, die keine militärische Bedrohung für Russland darstellen."

Seit Kriegsbeginn gab es verschiedene Berichte über Kulturgutzerstörungen. Teil des Japanischen Hilfspakets ist auch eine Unterstützung der Überwachung und Bewertung von Schäden am Kulturerbe sowie die Schulung ukrainischer Behörden und Kulturschaffender in der Schadensdatenerfassung. Dies wird als ein wesentlicher Schritt zur Priorisierung der Wiederaufbauarbeiten begriffen.

Das Dokumentationsprojekt https://eyesonrussia.org listet einige Vorfälle in Museen und Archiven insbesondere in Kherson und Odesssa auf. 

Die Nichtregierungsorganisation Crimean Institute for Strategic Studies (CISS): konzentriert sich auf die Erforschung des Standes des Schutzes von Kulturerbestätten in den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine und die Identifizierung der wichtigsten Trends im Verlauf der Ereignisse in diesem Bereich aus internationaler Sicht Humanitäres Recht.

Hier finden sich zahlreiche Einträge zu einzelnen Zerstörungen und Schäden, nicht mehr nur auf der Krim, sondern im gesamten Kriegsgebiet.

An der Dokumentation der russischen Zerstörungen arbeitet auch:

 Bekannt wurden "Museumsräumungen" im russisch besetzten Gebiet.

Im November 2022 war die Räumung des Museums in Cherson durch russische Kräfte bekannt geworden (vgl. Archaeologik 18.11.2022). Videos vom 1.11.2022 zeigen, wie LKW vor dem Museum in Kherson vorgefahren sind. 

Besonders verwiesen wird auf die Schäden in Odessa, das selbst UNESCO-Weltkulturerbe ist. Im Juli 2023 wurde die Verklärungskathedrale bei russischen Raketenangriffen stark beschädigt. Bei dem Angriff wurde auch das Archäologische Museum getrffen (Wikipedia).

Schäden in der Verklärungskathedrale Odessa
(Foto: Ministry of Internal Affairs of Ukraine [CC BY 4.0] via WikimediaCommons)

Als Reaktion auf die Kulturgutzerstörungen hat Kanada  im Sommer 2023 Mikhail Piotrovsky, den Direktor der Eremitage mit Sanktionen belegt.

Krim

Ein Blick auf die bereits seit 2014 russisch besetzte Krim zeigt, dass es nicht nur um kollaterale Kriegszerstörungen geht, sondern, dass das Kulturerbe immer wieder auch politisch instrumentalisiert wird.
Seit dem Beginn des Krieges 2014 bis zum russischen Angriff 2021 auf das Kerngebiet der Ukraine, wurden in Kiew die Nachrichten und Publikationen von der Krim auf einer Website gesammelt:

Speziell der Khans-Palast in Bakchissarai stand im Mittelpunkt der Auseinandersetzung, da hier von ukrainischer Seite schon früh Vorwürfe der Zerstörung und Manipulation von Kulturerbe erhoben wurden..

Khanspalast Bakchissaraj
(Foto: R. Schreg/RGZM)

  • «Это халтурщики»: чем грозит Ханскому дворцу реставрация по-российски. krym 6.1.2018. - https://ru.krymr.com/a/28964481.html  
  •  Вывезенный Куинджи, Айвазовский и Дубовский. Россияне грабят музеи юга Украины (Gehen auf Knochen. Auf dem Gelände eines alten Friedhofs in Bachtschissarai wollen sie einen Platz aufbrechen). krymr (27.4.2022). - https://ru.krymr.com/a/krym-kladbishche-krymskikh-tatar-bakhchisaray/31822218.html Kommunalpolitische Auseinandersetzung um das Areal eines alten muslimischen Friedhofs, der als Stadtpark genutzt werden soll.

In der antiken Stadt Chersonesos bei Sevastopol wurden schon 2019 große Opernbühnen inmitten der Grabungsstätte errichtet. Zuvor hat Putin einen ihm genehmen Direktor des archäologischen Parks durchgesetzt.

Zu verweisen ist auch nochmals auf ein weiteres Gerichtsurteil zum Krim-Gold aus dem Herbst letzten Jahres:

interne Links

 

Samstag, 13. Juni 2020

Der neue Untergang der Titanic

Am 15. April 1912 ist die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach New York  in internationalen Gewässern vor Neufundland gesunken. 1985 wurde ihr Wrack rund 21 km von der historischen Untergangsposition in rund 3800 m Tiefe entdeckt und seit 1987 erste Bergungen vorgenommen. 2004 bis 2006 kam es zu einer gerichtlichen Klärung der Eigentums- und Bergungsrechte, die der Firma RMS Titanic zugesprochen wurden.
Rund 5500 Gegenstände wurden gehoben, ihr Wert wird auf rund 70 Millionen US Dollar geschätzt. Einiges sollte im Jahr 2000 auf Auktionen zu Geld gemacht werden, was jedoch  gerichtlich gestoppt wurde.

Die Route der Titanic, April 1912
(Graphik: MechBrowman [PD] via WikimediaCommons)


Seit dem 100. Jahrestag 2012 steht die Titanic unter dem Schutz der  UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser, die bislang jedoch weder von den USA noch von Großbritannien ratifiziert worden ist. In einem Abkommen mit Großbritannien ist das Wrack als Grabstätte der Todesopfer der Titanic-Katastrophe geschützt. Dennoch will RMS Titanic nun für Profit die Funkausstattung der Titanic bergen  Dazu muss man in das Innere des Wracks vordringen.
In der Tat hat die Bergung mit Forschung wenig zu tun. Eine Fragestellung ist nicht erkennbar. Argumentiert wird mit dem Zerfall des Wracks, der jedoch weniger auf die Umweltbedingungen in der Tiefe als auf frühere Bergungsexpeditionen zurück zu führen scheint,

In The Conversation äußern sich Kolleg*innen aus der Archäologie dazu:
Ihre Schlußfolgerung: Die geplante Bergung mag rechtlich gesehen legal sein, aber sie ist unethisch und unverantwortlich. Wenn schon bei einem so berühmten Wrack die Standards des Schutzes nicht durchgehalten werden, sieht es schlecht aus für die vielen älteren, weniger beachteten, aber wissenschatftlich vielleicht wertvolleren als die Titanic.


Der Untergang der Titanic
(Graphik: Willy Stöwer 1912 [PD] via WikimediaCommons)


War das dann die letzte Bergungsaktion? Oder wird da dann alle paar Jahre etwas anderes Schützenswertes hervorgeholt?


Links