Montag, 24. Juli 2023

KI auf BaLISminK

BaLISminK ist das Bamberger Lehr- und Informationssystem zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik. Es ist im aktuellen Ausbaustand noch nicht öffentlich zugänglich, wurde aber im vergangenen Semester durch Inhalte aus meiner Bamberger Vorlesung "Archäologiche Keramikforschung"  weiter ergänzt. Ziel ist es einerseits Funktionen zu testen und Arbeitsroutinen zu eruieren.

BaLISminK ist im Kern ein Wiki, das auf Wikimedia-Software aufbaut. Es präsentiert Informationen zur Terminologie, Formenkunde, zu Gefäßformen, Warenarten, Werkstoffkunde und Handwerkstechnik. Ein Fundstellenregest führt wichtige Fundkomplexe auf, wobei Töpfereien als Subkategorie geführt sind. Es informiert über wissenschaftliche Methoden und Forschungsressourcen. Künftig sollen auch Lehrmaterialien in Form didaktischer Materialien (Videos, Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder auch Arbeitsbögen) hinzukommen. Letztlich kann BaLISminK nur als kooperatives Projekt funktionieren und freiwillige Mitarbeiter*innen, die aktiv mit erarbeiten und testen, sind bereits jetzt willkommen (Anfrage an Rainer.Schreg[at]uni-bamberg.de).

Perspektiven sind beispielsweise eine Einbindung von WebGIS-Funktionen für aktuelle Verbreitungskarten, sowie die Nutzung von Wikidata als Forschungsdateninfrastruktur im Hintergrund.

Aktuell habe ich testweise einen Artikel mit Hilfe von KI erstellt und zwar mit Microsoft-Bing-Chat. Die Aufgabenstellung war es, einen Eintrag für das Schalgwort Anflugglasur zu schreiben. Das soll nicht die Regel sein, aber es ist sicher nicht falsch rechtzeitig Erfahrungen zu sammeln, was KI inhaltlich liefern kann und wo sie ggf. ein brauchbares Hilfsmittel darstellt.  In mehreren Arbeitsschritten ist folgender Text entstanden (incl. Formatierung für das Wiki):

== Anflugglasur == Eine ‘’‘Anflugglasur’‘’ ist eine [[Glasur (Keramik)|Glasur]], die durch das Aufbringen eines Dampfes aus einem flüchtigen Glasbildner auf einen keramischen [[Scherben (Keramik)|Scherben]] erzeugt wird (Linguee 2023). Die Anflugglasur wird vor allem bei der Herstellung von [[Porzellan]] verwendet, um eine glatte und glänzende Oberfläche zu erzielen (Wortwurzel 2023).

== Rohmaterialien == Die Rohmaterialien für eine Anflugglasur sind abhängig von dem Glasbildner, der als Dampf auf den Scherben aufgebracht wird. Die häufigsten Glasbildner sind Bor, Blei und Salz. Diese Stoffe haben eine niedrige Schmelztemperatur und können leicht verdampfen. Sie reagieren mit dem Quarz des Scherbens und bilden ein Silikatglas, das die Oberfläche des Scherbens versiegelt und glasiert.

=== Bor === Bor ist ein Element, das in Form von Borax oder Borsäure als Glasbildner verwendet werden kann. Bor hat den Vorteil, dass es die Glasur transparent und farblos macht und die Temperaturbeständigkeit und Härte des Glases erhöht. Bor wird vor allem für Porzellanglasuren verwendet, da es die Schrumpfung des Scherbens beim Brennen ausgleicht und Risse vermeidet. Borhaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 900°C und 1200°C gebrannt (RDK Labor 2014).

=== Blei === Blei ist ein Metall, das in Form von Bleioxid oder Bleiglätte als Glasbildner verwendet werden kann. Blei hat den Vorteil, dass es die Glasur glänzend und weich macht und die Farbwirkung von Metalloxiden verstärkt. Blei wird vor allem für Majolika- oder Fayenceglasuren verwendet, da es die Glasur deckend und weiß macht. Bleihaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 800°C und 1000°C gebrannt (RDK Labor 2014). Blei ist jedoch giftig und kann bei Kontakt mit Lebensmitteln oder Haut gesundheitsschädlich sein.

=== Salz === Salz ist ein Mineral, das in Form von Kochsalz oder Natriumchlorid als Glasbildner verwendet werden kann. Salz hat den Vorteil, dass es die Glasur matt und rau macht und eine charakteristische Orangenhautstruktur erzeugt. Salz wird vor allem für Steinzeugglasuren verwendet, da es die Glasur wasserdicht und widerstandsfähig macht. Salzhaltige Glasuren werden bei Temperaturen zwischen 1200°C und 1300°C gebrannt (Keramiko 2021). Salzhaltige Glasuren sind ungiftig, geschmacksneutral und säurebeständig.

== Vor- und Nachteile == Die Vor- und Nachteile einer Anflugglasur sind:

{| class=“wikitable” |- ! Vorteile !! Nachteile |- | * Geringer Energieverbrauch, da die Glasur bei niedrigeren Temperaturen als üblich aufgeschmolzen wird (Wortwurzel 2023)


* Hoher technischer Aufwand, da die Glasur in einer speziellen Kammer aufgebracht werden muss (Wortwurzel 2023)* Gute Haftung der Glasur auf dem Scherben, da die Glasur in die Poren des Scherbens eindringt (Wortwurzel 2023)
* Schwierige Kontrolle der Glasurdicke und -homogenität, da die Glasur nicht sichtbar ist (Wortwurzel 2023)
-
* Möglichkeit, verschiedene Farbeffekte zu erzielen, indem verschiedene Metalloxide dem Dampf zugesetzt werden (Wortwurzel 2023)
* Mögliche Beeinträchtigung der mechanischen Eigenschaften des Scherbens, da die Glasur Spannungen im Material erzeugt (Wortwurzel 2023)
}


== Literatur ==

  • Keramiko. 2021. “Salzglasur - Traditionelle Glasur mit Charakter”. https://keramiko.de/lexikon/salzglasur/
  • Linguee. 2023. “anflugglasur - Englisch-Übersetzung – Linguee Wörterbuch”. https://www.linguee.de/deutsch-englisch/uebersetzung/anflugglasur.html
  • RDK Labor. 2014. “Glasur”. https://www.rdklabor.de/wiki/Glasur
  • Wortwurzel. 2023. “ANFLUGGLASUR Was bedeutet ANFLUGGLASUR? Definition - einfach erklärt …”. https://www.wortwurzel.de/ANFLUGGLASUR

Als ich noch ein Bild einbinden lassen wollte, lieferte BingChat folgenden Vorschlag:

[[Datei:Anflugglasur.jpg|mini|Eine Schale aus Porzellan mit Anflugglasur (Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anflugglasur.jpg, Lizenz: CC BY-SA 4.0)]]

Das Bild exisitiert leider nicht. Nach den Vorerfahrungen (Archaeologik 9.3.2023; Archaeologik 23.7.2023) habe ich darauf verzichtet, den Chat nach wissenschaftlichen Quellen zu fragen. Das wird Aufgabe einer weiteren Verbesserung des BaLISminK-Eintrags sein.


Sonntag, 23. Juli 2023

Frage an BingChat: Wer war Hermann Stoll? - aber eigentlich geht es um Grundsätzliches!

Nach dem Fiasko mit ChatGPT (Archaeologik 9.3.2023), habe ich diese Frage auch im neuen KI-gestützten Chat-Modus von Microsoft Bing gestellt. Die erste Antwort lautet:

Hermann Stoll war ein deutscher Geologe und Prähistoriker, der von 1904 bis 1944 lebte. Er war vor allem für seine Forschungen zur Siedlungsgeschichte des Oberen Gäus und zur frühmittelalterlichen Archäologie bekannt. Er arbeitete an verschiedenen Instituten und Museen in Tübingen, Bonn und Freiburg und führte zahlreiche Grabungen durch. Er starb nach einer Kriegsverletzung in sowjetischer Gefangenschaft12.

1: Hermann Stoll – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Stoll 2: Hermann Stoll - Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Hermann_Stoll

Im Unterschied zu ChatGPT stimmen hier grundsätzliche Fakten. Als weitere mögliche Fragen gibt Bing vor: "Wie hat er zur Archäologie beigetragen?" und antwortet darauf:
Er hat zur Archäologie beigetragen, indem er neue Methoden und Fragestellungen für die Erforschung von Siedlungen und Gräberfeldern entwickelte. Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Siedlungsarchäologie, die sich für die Zusammenhänge zwischen Besiedlung und natürlichen Bedingungen interessiert. Er führte auch interdisziplinäre Ansätze und Diskussionen mit anderen Wissenschaften ein. Er war einer der wenigen Archäologen seiner Zeit, die sich nicht von nationalistischen Ideologien beeinflussen ließen12. Er publizierte zahlreiche Arbeiten zu verschiedenen Themen der Ur- und Frühgeschichte, vor allem in Süddeutschland3.

1: Hermann Stoll – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Stoll 2: Siedlungsarchäologie – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Siedlungsarch%C3%A4ologie 3: Liste bekannter Prähistoriker – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bekannter_Pr%C3%A4historiker

Die Links, die Bing gibt, führen jedoch nicht zur angegebenen Quelle, sondern wiederum auf die Bing-Suche. angezeigten Links sind indes soweit korrekt.

Folgen wir wiederum der vorgegebenen Frage "Was sind die wichtigsten Entdeckungen von Hermann Stoll?" erhalten wir die folgende Antwort, die nun merklich dünner wird:
Ich fragte nun "Nenne mir einige wissenschaftliche Aufsätze über Hermann Stoll." Hier beginnt nun auch bei der Bing-KI das Fiasko. Die Titel, die das Sprachmodell generiert, gibt es nicht: