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Montag, 13. März 2017

Die Wüstung Oberwürzbach - ein Symposium

Symposium 17. & 18. Juni 2017 in Bad Teinach-Zavelstein:

Die Wüstung Oberwürzbach
Wiederentdeckung und Erforschung eines vergessenen mittelalterlichen Dorfes im Nordschwarzwald


Geschützt und verborgen durch den Wald haben die Überreste der mittelalterlichen Siedlung Oberwürzbach mehr als 500 Jahre bis in heutige Zeit überdauert.
Seit 2003 wird die Siedlung von der Universität Tübingen aus erforscht und archäologisch untersucht. Die vergleichsweise sehr gute Erhaltung der Überreste des Siedlungs- und Wirtschaftsbereichs bietet zahlreiche Möglichkeiten, neue Einblicke in das Leben und Wirtschaften der damaligen Zeit zu gewinnen.
Wir freuen uns, Ihnen im Rahmen des Symposiums die Ergebnisse der Forschungen der letzten Jahre vorzustellen und Ihnen zusätzlich noch ein letztes Mal die Möglichkeit zu einem Besuch der Ausgrabungsstellen zu bieten, bevor diese aus konservatorischen und sicherheitstechnischen Gründen wieder verfüllt werden.


Programm

Würzbach: Grabungen 2015
(Foto: K. Thode)
Samstag, 17. Juni 2017
Konsul Niethammer (KoNi) Kulturzentrum, Schulstraße 67, 75385 Bad Teinach-Zavelstein

10:00 Begrüßung - Bürgermeister Markus Wendel, Stadt Bad Teinach-Zavelstein

10:15 Einführung - Katja Thode, Universität Tübingen

10:30 Der Nordschwarzwald als Kulturlandschaft. - Dr. Folke Damminger, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Geoarchäologische Sondage 2010
(Foto: R. Schreg)

11:10 Kaffeepause

11:30 „Wie alles anfing …“ – Die Wiederentdeckung der Wüstung Oberwürzbach - Robert Roller, Revierleiter Forstrevier Bad Teinach-Zavelstein

12:15 Mittagspause (Catering: Gasthaus Krone, Altbulach)

13:15 Mit Kelle, Säge und Gartenschere in die Vergangenheit - Die archäologische Erforschung der Wüstung Oberwürzbach 2003-2016 - Katja Thode, Universität Tübingen
Bodenproben
(Foto R. Schreg)

14:00 Von Bannwäldern, Weinstraßen und Alten Kernen - Eine historisch-geographische Rekonstruktion des Aufbaus und der Entwicklung der Siedlung Oberwürzbach - Christian Haag, Universität Tübingen

14:45 Die Wüstung Oberwürzbach und ihre Wasserversorgung – ein Rekonstruktionsversuch - Stefanie Mayer, Universität Tübingen

15:30 Kaffeepause
Georadar 2003
(Foto: R. Schreg)

16:00 Die Leute aus dem Wald: Die Wüstung Oberwürzbach und die Besiedlungsgeschichte des Mittelalters - PD Dr. Rainer Schreg, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz


Sonntag, 18. Juni 2017
Exkursion zu den Grabungsstellen mit Führungen vor Ort: „Brunnenwiese“, „Igelslocher Brunnen“, „Alter Kern“








 
Teilnahme
Anmeldeschluss: Freitag, 02. Juni 2017 über untenstehende Adresse


Vortragsreihe (Sa., 17. Juni 2017)
Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Pausenverpflegung, Mittagessen)
Exkursion (So., 18. Juni 2017)
Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Busshuttle, Mittagessen)

Veranstalter:
Stadt Bad Teinach-Zavelstein
Kontakt für Rückfragen:
Robert Roller
Tel.: 0175/2227581

Kontakt für die Anmeldung:
Teinachtal-Touristik
Rathausstraße 5
75385 Bad Teinach-Zavelstein
Tel.: 07053-9205040
Fax: 07053/9205044
E-Mail: info@teinachtal.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9-12 Uhr und 14-17 Uhr

Flyer




Die Forschungen in der Wüstung Würzbach wurden seit 2002 auf Anregung von Robert Roller von der Universität Tübingen und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg durchfegührt. Zuletzt hat Katja Thode im Rahmen einer am SFB 1070 angesiedelten Dissertation über die Wüstung gearbeitet. Das Symposium richtet sich vor allem an ein regionales Publikum, aber auch an alle, die an diesem Kapitel der Landesgeschichte interessiert sind.

Interne Links

 

Donnerstag, 23. Januar 2014

Ökologische Ansätze in der Archäologie ländlicher Siedlungen des Mittelalters

Soeben erschienen:
  • R. Schreg, Ecological Approaches in Medieval Rural Archaeology. European Journal of Archaeology 17(1), 2014, 83-119
    DOI 10.1179/1461957113Y.0000000045

    [Die EAA und Maneys bieten regulär leider kein Open Access].

In den vergangenen Jahren haben neue Methoden der Bio- und Geoarchäologie innerhalb der Altertumswissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen. Politische Veränderungen seit den 1990er Jahren haben die archäologische Wissenschafts-Community verändert. Zugleich sind Umwelt-Themen in der Gesellschaft immer wichtiger geworden, doch fehlt den entsprechenden Debatten meist die zeitliche Tiefe. Bezogen auf die Archäologie ländlicher Siedlungsräume des Mittelalters ist es an der Zeit, darüber zu reflektieren, welche Konsequenzen sich daraus für die archäologische Forschung ergeben
und wie ökologische Ansätze sich mit dem Selbstverständnis des Faches als historischer Disziplin vereinbaren lassen.

Der Artikel geht auf mein Keynote-Referat beim Medieval Europe Research Congress 2012 in Helsinki zurück. Meine Aufgabe war es, eine gewisse Bilanz und Perspektiven der Siedlungsarchäologie des Mittelalters zu skizzieren. Ich habe mich dafür entschieden, dies nicht durch ein Review der Grabungstätigkeiten der vergangenen Jahre zu machen, sondern eher theoretisch anzugehen und zu fragen, welche Perspektiven sich aus einer eher umwelthistorisch oder ökologischen Perspektive ergeben.
MERC 2012 wurde im Rahmen der Tagung der European Association of Archaeology abgehalten. Auf Wunsch der anonymen Reviewer wurden gegenüber der Vortragsfassung die Fallbeispiele jedoch etwas auführlicher gehalten.

Ziel des Artikels ist es, ausgehend von den Fallstudien, auf komplexere ökologische Fragestellungen in der Landschaftsarchäologie hinzuweisen. 

Fallstudie:
Stubersheimer Alb
(Foto: R. Schreg)
Fallstudie: Würzbach
im Norschwarzwald,
geoarchäologischer Schnitt
(Foto: R. Schreg)
Die Forschungen im Geislinger Talkessel und auf Stubersheimer Alb sowie die Arbeiten in der Wüstung Würzbach im Nordschwarzwald dienen dazu, die Zusammenhänge und Fragestellungen zu entwickeln. Auf dieser Basis wird das Konzept des Dorfökosystems skizziert. Die Beispiele zeigen die Interaktion verschiedener Faktoren, die kaum allein aus sich heraus, wohl aber als Teil eines spezifischen Humanökosystems verstanden werden können. Die Analyse solcher Humanökosysteme setzt die Beschäftigung mit eng umgrenzten Räumen, etwa einzelnen Siedlungen oder Siedlungskammern voraus, die mittels kombinierter archäologischer, geographischer und historischer Quellen und Methoden zu untersuchen sind. Eine zweite Voraussetzung liegt in der Betrachtung längerer Zeiträume. Zu vermeiden ist eine Meistererzählung von Aufstieg und Untergang oder die bloße Darstellung zeitlicher Koinzidenzien. Wir brauchen vielmehr klare Vorstellungen darüber, wie die höchst unterschiedlichen Faktoren und Akteure zusammengewirkt haben. Ein ökologischer Ansatz ist eine Möglichkeit dazu.


Freitag, 6. Dezember 2013

Würzbach - eine Bilanz

In der sehr gehaltvollen Festschrift für Sabine Felgenhauer-Schmiedt findet sich eine Bilanz der Arbeiten der vergangenen Jahre:
R. Schreg, Würzbach - ein Waldhufendorf im Nordschwarzwald. In: Stadt - Land - Burg. Festschrift für Sabine Felgenhauer-Schmiedt. Studia honoraria 34 (Rahden/Westf.: Leidorf 2013) 189-202


Die Wüstung Oberwürzbach im Nordschwarzwald nahe Calw (Baden-Württemberg) ist in der Zeit um 1400 abgegangen. Es handelt sich um ein Waldhufendorf, dessen Feldflur unter Wald erhalten geblieben ist. Die Altflur knüpft an die bestehende Flur des Ortes Würzbach an, so dass es sich streng genommen um eine Teilwüstung handelt. Inzwischen gibt es aus geoarchäologischen und pollenanalytischen Untersuchungen im Umfeld Hinweise auf frühmittelalterliche Anfänge der Besiedlung bereits vor dem 11./12. Jh., dem traditionellerweise die Gründung der Waldhufendörfer zugewiesen wird. Möglicherweise stehen kleinteiligere Altfluren südlich des Wüstungsareals mit dieser frühen Siedlungsphase in Verbindung. Die Genese des Waldhufendorfes Würzbach erweist sich als ein langfristiger Prozess der Siedlungskonzentration und -reorganisation.
Baggersondagen abseits der Fundstellen ('off-site') erbrachten 2010 den Nachweis von starker Bodenerosion, die der herkömmlichen Datierung des Waldhufendorfes vorausging. Nach den 14C-Daten ist bereits im 9. und 10. Jahrhundert von einer geöffneten und beackerten Landschaft auszugehen. Die Bodenerosion dürfte aber auf Flächen außerhalb der späteren Hufenflur stattgefunden haben und verweist so auf eine anders geartete ältere Siedlungsstruktur.
(Foto: R. Schreg)

Vorstellungen einer planmäßigen Neugründung in zuvor unbesiedelter Landschaft werden damit ebenso in Frage gestellt wie die Vorstellung, dass Waldhufendörfer eine von Anfang an so geplante Siedlungsform darstellen. 

Samstag, 2. Juli 2011

Sondagen und Scans in der Wüstung Würzbach

Eine Art Zwischenbilanz: der eben erschienene Beitrag in den Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2010 über die jüngsten Untersuchungen in der Wüstung Oberwürzbach im Nordschwarzwald.
Profilschnitt in einem Tälchen beim Igelslocher Brunnen südlich unterhalb des Wirtschaftslandes der Wüstung Oberwürzbach (Zeichnung: J. Pittori/ R. Schreg)


Der Artikel berichtet über Sondagen in den vergangenen Jahren an verschiedenen Altflurrelikten, vor allem aber über einen geoarchäologischen Schnitt in einem Tälchen unterhalb der Wirtschaftsflächen der Siedlung. Dazu liegen allerdings noch keine 14C-Daten vor, so dass eine abschließende Bewertung der erfassten Sedimente noch schwierig ist.

Insgesamt präzisiert sich das Bild der mittelalterlichen Siedlung, die sich zunehmend als geeignete Fallstudie erweist, exemplarisch das Wirtschaftsland eines mittelalterlichen Dorfes zu rekonstruieren. Als problematisch erweist sich jedoch nach wie vor die Planaufnahme der sich auf rund 5km² ausdehnenden Wüstung. Airborne Laserscan-Daten lieferten leider nicht die erhofften Ergebnisse, da wesentliche Teile der Wüstung heute mit dichtem Nadelwald bestanden sind.
Schon im Sommersemester 2007 wurden an der FH in Mainz im Rahmen der Diplomarbeit von Sven Emig und Dennis Rasel grundlegende Vermessungsarbeiten in der Wüstung Würzbach durchgeführt.
Ein Kurzbericht findet sich online.

Exemplarisch wurde der hofnahe Bereich einer Hufe der spätmittelalterlichen Siedlung vermessen - zudem ein Teil der Blockwallfluren am Igelslocher Brunnen mit terrestrischem Laserscan erfasst. Bislang ist das aber nur ein kleiner Teil der mehr als 20 Höfe samt ihrem Wirtschaftsland umfassenden Wüstung.

Literaturhinweis
  • Rainer Schreg, Jasmin Pittori, Markus Dotterweich, Kirsten Eppler: Geoarchäologische Untersuchungen im Umfeld der Wüstung Oberwürzbach im Schwarzwald – ein Beitrag zur Landnutzungsgeschichte. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2010, 228-230.

siehe auch Geoarchäologie bei Würzbach

Freitag, 29. Oktober 2010

Geoarchäologie bei Würzbach

kleine Impression der geoarchäologischen Sondage Anfang September bei der Wüstung Würzbach. Noch ist das Kolluvium nicht datiert, das wir gefunden haben, aber Holzkohle ist genug da. Mal sehen, ob es in die Wüstungszeit fällt oder ob es eher mit den neuzeitlichen Wegetrassen zu tun hat, oder...

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