Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Propaganda werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 13. Juni 2026

Trump darf Geschichte nicht umschreiben

Kurz vor dem 250. US-Geburtstag hat Bundesrichterin Angel Kelley in Boston die Regierung gestoppt: Sie untersagte die weitere Umsetzung von Trumps Executive Order 14253 „Restoring Truth and Sanity to American History“ – auf Deutsch: „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“ (siehe dazu Archaeologik 31.3.2025) – und der darauf basierenden Anordnung Nr. 3431 des Innenministeriums in den Nationalparks.

Kelley begründete, gerade zum Jubiläum am 4. Juli 2026 dürfe Geschichte nicht geschönt werden. Die Regierung habe mit dem Dekret Schilder zu Sklaverei, Klimawandel und Bürgerrechten abhängen lassen und damit „unbestreitbare Wahrheiten“ zu „Halbwahrheiten“ gemacht – deshalb müsse die gemeinsame Geschichte „ehrlich erzählt und bis zum 250. Jahrestag vollständig wiederhergestellt“ werden.

Geklagt hatten Verbände aus Geschichte, Naturschutz und Wissenschaft – darunter die National Parks Conservation Association, die American Association for State and Local History und die Union of  Concerned Scientists.

Alle seit dem 20. Mai 2025 entfernten oder veränderten Ausstellungstexte müssen binnen 21 Tagen wiederhergestellt werden – also bis zum 3. Juli, knapp vor dem 250. Geburtstag der USA am 4. Juli. 

Wenige Stunden nach der Urteilsverkündung steht eine Reaktion von Don Trump noch aus. Aber ein Sprecher des Innenministeriums hat gegenüber CNN und anderen Agenturen Richterin Angel Kelley als „liberal activist judge“ bezeichnet und angekündigt, die Entscheidung anzufechten...

 

Interne Links


 

Sonntag, 1. Dezember 2024

Ein russischer Steuereintreiber

Die WAZ berichtet über aktuelle Ausgrabungen in einem mittelalterlichen Gräberfeld bei Susdal, bei dem die Gräber von zwei schwer bewaffneten Steuereintreibern gefunden worden sein sollen:

Etwas ausführlicher ist hier der originale Bericht der Archäologischen Expedition auf der Homepage der Russischen Akademie der Wissenschaften (Makarov / Krasnikowa 2024).

2024 wurden demnach dreizehn Gräber untersucht, von denen drei im Nordosten des Gräberfeldes  ursprünglich in von Kreisgräben eingefassten, heute aber völlig platt gepflügten Grabhügeln beigesetzt waren. Das Gräberfeld wurde schon in den 1850er Jahre entdeckt und wegen seiner Funde skandinavischen Typs bekannt. Da die alten Gabungen nicht exakt verortet waren, wurde das Gräberfeld erst 2019 mit geophysikalischen Prospektionen wieder entdeckt. Es liegt rund 6 km südwestlich von Susdal inmitten einer Streuung größerer unbefestigter Siedlungen, aus denen nach systematischen Prospektionen ein umfangreiches Fundspektrum bekannt ist, das auch Waffen und Reitzubehör umfasst. Diese Funde zeigen skandinavische Einflüsse und wurden einer Elite zugewiesen. Die betreffenden Siedlungen zeigen bisher aber keinerlei Spuren von Befestigungen oder herrschaftlicher Architektur (Makarov 2013).

Die Grabungen sind Teil eines schon länger laufenden Feldforschungsprojektes - in Russland in der Regel als Expedition bezeichnet - in der Region Susdal, etwa 190 km nordöstlich von Moskau. Susdal ist eine Kleinstadt, die dieses Jahr aufgrund einer Erwähnung in der Nestor-Chronik ihr 1000jähriges Jubiläum begeht.  

Die Region Susdal liegt im Nordosten der Kiewer Rus. Bis zum 12. Jahrhundert galt sie als deren Peripherie, die unter der Herrschaft der jüngsten Söhne der Kiewer Fürsten stand. Das neue Machtzentrum, das während der Herrschaft des Fürsten Juri Wladimirowitsch Dolgoruki (Regierungszeit 1108–1155 n. Chr.) und seiner Anhänger in Susdal entstand, entwickelte sich bald zu einem dominanten politischen Mittelpunkt. Susdal selbst wurde erstmals in den Chroniken von 1024 n. Chr. erwähnt und wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts zur Residenz der Fürsten der nordöstlichen Rus (Makarov 2013). Als Residenzstadt reicht Susdal damit historisch weiter zuück als Moskau. Die Region Susdal ist schon lange ein wichtiges Forschungsareal der russischen Mittelalterarchäologie und hat sehr interessante Einblicke in die hístorische Entwicklung und die verschiedenen Kultureinflüsse erbracht. 

 

Risiko der politischen Instrumentalisierung

Die Region um Susdal ist ausgesprochen interessant, um die historische Entwicklung der Gesellschaft im frühgeschichtlichen Rußland zu verstehen. Die Forschungen standen die letzten Jahre unter der Leitung von Nikolaj Makarov, einem ausgewiesenen Kenner der Materie und der Region. Makarov hat in den vergangenen Jahren hier intensiv geforscht und auch auf internationalen Tagungen berichtet (z.B. Makarov 2013; Makarov 2021). Lange Jahre war Makarov auch Repräsentatnt für Rußland in Ruralia, ehe wir nach der russischen Invasion in die Ukraine die Verbindungen gekappt haben. Dabei war Makarov ein ruhiger und sympathischer Gesprächspartner und ein seriöser Wissenschaftler. Aufsehenerregende archäologische Funde von Reitern, gepaart mit einem Jubiläum, bieten eine Plattform, die aber auch hochgradig für Propaganda und Politisierung anfällig sein kann.

Nikolaj Makarov ist Mitglied des Präsidiums der Russischen Historischen Gesellschaft (RIO), die direkt einer politischen Leitung untersteht, Vizepräsident der Russischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Instituts für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften. In den letzten Jahren ist Makarov damit durch eine große Nähe zur politischen Elite des Putin'schen Russland aufgefallen, die Geschichte politisch instrumentalisiert und zur Legitimierung des Krieges gegen die Ukraine misbraucht.


Die drei Bogatyr
Gemälde von Victor Wasnezow, 1898
(via WikimediaCommons)



Steuereintreiber?

Die "Steuereintreiber" wurden nun bei Ausgrabungen auf dem Gräberfeld von Gnezdilova identifiziert.

Eines dieser Gräber (Grab 49) bestand aus einer 3,7 x 1,6 m großen Grabgrube mit einer hölzernen Grabkammer, Der Tote war nach anthropologischer Bestimmung etwa 25–30 Jahre alt und mit einem Gürtel, einem Messern, einer Streitaxt und einer Reitausrüstung – bestehend aus einer Trense, einem Paar Steigbügel und einem Sattelgurt. Diese lag zu Füßen des Toten, wo auch eine Feinwaage und ein Eisenschloss als Indiz für einen vergangenen Holzkasten gefunden wurden. Aus der Region sind nur wenige vergleichbare Bestattungen bekannt, die für den "altrussischen Bestattungsritus nicht typisch war". Bislang sind in der Region nur 15 Bestattungen mit Steigbügeln entdekt worden, zwei davon auf dem Gräberfeld von Gnezdilov.

Der Vorbericht von Makarov / Krasnikowa 2024 zeigt die Argumentation, weshalb von Steuereintreibern die Rede ist: 

"Die gemeinsamen Funde von Waffen, Waagen und Wiegegewichten in Männerbestattungen werden überzeugend als Hinweis darauf gedeutet, dass diese Bestattungen Personen gehörten, die Steuerfunktionen ausübten, wozu auch das Wiegen der als Steuern erhobenen Münzen gehörte."  (Übersetzung mittels TWP)

Wir kennen Gräber mit Waffen und Waagen auch aus Gräbern in Süddeutschalnd, wo sie jedoch noch in die Merowingerzeit datieren - beispielsweise aus den Gräberfeldern von Heitersheim und Klepsau (Steuer 2010). Hier ist die Deutung aber eine andere, nämlich die eines Handwerkers oder eines Händlers, der ja ebenso eine Waage benötigt. Auch Waffen und Reitzubehör sind nicht zwingend Hinweis auf eine quasi staatliche Aufgabe. Für die zahlreichen Waffenfunde in der Umgebung von Susdal zeigte sich im übrigen, dass in einigen Fällen auch eine Verwendung als Werkzeug oder Jagdwaffe denkbar ist (Shpolianski 2017).

In Susdal werden im 11. Jahrhundert beigabenführende Brandbestattungen durch beigabenlose Körperbestattungen abgelöst - als Folge der Christianisierung. In der Übergangsphase gibt es einige wenige beigabenführende Körperbestattungen. Die geringe Zahl vergleichbarer Gräber zu den nun aufgefundenen Reitergräbern mit Waffen und Waage mag also auch eine Folge kultureller Formationsprozesse sein. 


Unklare Grenzen zwischen assoziativ-empirischer Archäologie und Propaganda

In den russischen Medienberichten - die ich mit automatischer Übersetzung rezipieren muss -fällt die Betonung der Militärkultur und der staatlichen Organisation bei den Kiewer Rus, die durch die Idee des Steuereintreibers impliziert wird, auf. In der Regel greifen sie sehr eng den Bericht des Archäologischen Instituts auf. Die Interpretation der Gräber als staatliche Steuereintreiber bietet ein eingängiges Szenarium, das ein spezifisches Geschichtsbild alterr russischer Staatlichkeit bestärkt und auch glorifiziert.

Die Frage nach dem Grad staatlicher Organisation ist immer wieder Gegenstand und Streitpunkt in der Beurteilung früh- und hochmittelalterlicher Staatlichkeit. Das nationale Eigenbild in der Öffentlichkeit, oft aber auch in der Wissenschaft schätzt dabei die Staatlichkeit meist höher ein, als dies in der Außensicht der Fall ist. Das gilt übrigens nicht nur für die "Reiche" des slawischen Raums, sondern ebenso für das mittelalterliche Westeuropa.  Hier gibt es auch viele historische Prozesse, die wir uns als herrschaftlich gelenkt vorstellen, ohne genauer zu hinterfragen, welchen Anteil lokale Akteure - etwa Bauern und Handwerker - und deren Entscheidungen und Entscheidungsspielräume hatten,

Ohne eine Reflektion von Quellenkritik und theoretischen Ansätzen folgt eine assoziativ empririsch betriebene Forschung etablierten Narrativen und stützt ungewollt oder gewollt konservative oder besser gesagt etablierte, ggf. auch nationalistische  Positionen. Archäologische Funde lassen sich bei oberflächlicher Interpretation leicht vor den Karren nationaler Überhöhung spannen und können legitimierend für die Gegenwart wirken. 


Literatur

  • Makarov 2013: N. Makarov, Social elite at rural sites of the Suzdal region in North-Eastern Rus. In: J. Klápště (Hrsg.), Hierarchies in rural settlements. Ruralia 9 (Turnhout 2013) 371–386.
  • Makarov 2021: N. Makarov, "Vikings" and the formation of the new identities and new centres of power in the Upper Volga. In: H. L. Aannestad (Hrsg.), Vikings across boundaries. Viking-age transformations, volume II (London / New York 2021) 151–165.

Links 

 

Interne Links

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Die Musealisierung des Kriegs

Noch während der russische Eroberungskrieg fortgesetzt wird, beginnen russische Museen Objekte der "Spezialoperation" zu sammeln, musealisieren und auszustellen. Das Spektrum der Objekte ähnelt sehr dem Fundspektrum, das die Archäologie der Moderne an Plätzen der NS-Zeit findet und ebenso ausstellt. 

Erst eine genaue Kenntnis der Auffindungssituationen erlaubt eine Interpretation als Täter-  oder Opferfunde. Dann kommt es aber auch auf das Narrativ an, das kritisch zu hinterfragen ist. Für die Museen existieren laut dem russischen Exilmedium Mediazone Anweisungen, wie die Objekte zu inszenieren seien, um Ukrainer als Nazis und Drogensüchtige, die Russen als Opfer darzustellen.

Involviert ist die Stiftung My History, die auch für den Geschichtsfantasypark in Cherson verantwortlich ist.

 

interner Link



 

 

Sonntag, 4. August 2024

Russische Geschichtsfantasy in Chersonesos: UNESCO-Welterbetitel muss aberkannt werden

Dass die russische Besetzung der Krim nichts Gutes für die archäologischen Befunde in Chersonesos zu bedeuten hat, war abzusehen. Bereits kurz nach der Besetzung der Krim brachte Putin die Fundstelle unter direkte Kontrolle des Kulturministeriums in Moskau. Bei einem Besuch 2015 ergriff er die Initiative für "den größten Museumskomplex in Russland als ein spirituelles und pädagogisches Zentrum in der Nähe des antiken Chersones, das der Geschichte der russischen Orthodoxie und des Weltchristentums gewidmet ist.„ 2017 sprach Vladimir Putin von „der Notwendigkeit, Chersones zu einem gesamtrussischen historischen Zentrum zu entwickeln, das mit der Bildung der russischen Nation und eines einheitlichen russischen Staates verbunden ist“ (http://фондмояистория.рф/o-fonde/). “Eine breite öffentliche Darstellung von Chersones als nationalem, sakralem Zentrum Russlands wird es ermöglichen, im internationalen Informationsbereich ein klares und eindeutiges Verständnis für die grundlegende Bedeutung der Krim als historische Taufstätte und unveräußerlichem Teil des russischen Staates zu schaffen”.

   Vladimir-Kathedrale inmitten der antiken Fundstelle
von Chersonesos 
(Foto: R.Schreg/RGZM, 2007)
Im Juli 2024 vermeldet die Stiftung, dass der 2022 begonnene Bau der Anlagen in New Resos abgeschlossen werde. Auf 24 ha befinden sich nun Gebäude und Bauwerke mit einer Gesamtfläche von 40.000 m², die ein einzigartiges Garten- und Parkensemble bilden, so sei neben dem antiken Chersonesos eine echte byzantinische Stadt entstanden, die Besucher mit ihrer Größe und Schönheit beeindrucke. Zu der Anlage gehören drei Museen, nämlich das Museum des Christentums, das Museum für Antike und Byzanz sowie das Museum der Krim und Neurussland. Zum Komplex gehören weiterhin ein “Tempelpark”, ein modernes Amphitheater mit 1200 Plätzen für historische Aufführungen, Rekonstruktionen von Schlachten und Gladiatorenkämpfen sowie Aufführungen von Werken antiker und moderner Autoren. Geplant sind "Massenveranstaltungen mit theatralischen Prozessionen und Karneval”. Der Schwerpunkt der Darstellung soll hier auf den letzten Jahrhunderten liegen, weil sich herausgestellt habe, "dass die Geschichte der Halbinsel untrennbar mit unserem Land verbunden war." Im Mittelpunkt soll hier ein Markt stehen, dessen Beschreibung auf den Seiten von my history, stark nach einem historischen Trödelmarkt klingt (http://фондмояистория.рф/novosti/muzejno-xramovyij-kompleks-%C2%ABnovyij-xersones%C2%BB.html)..

Ein Post der russischen Botschaft in Südafrika auf TwiX zeigt einige Bilder der Anlage.



Eine russische Nachrichtensendung von HTC Sevastopol auf youtube vermittelt weitere Eindrücke:
Auf youtube stehen auch erste Touristen-Videos:
Im April 2024 kündigte Putin zudem die Eröffnung eines Jugendbildungszentrums in Chersonesos an. Es soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Der Bau wird von "Spezialisten des militärisch-industriellen Komplexes des russischen Verteidigungsministeriums errichtet” (http://фондмояистория.рф/novosti/kopiya-v-obrazovatelnom-czentre-mashuk-rasskazali-o-proektax-fonda.html).

Zur Umsetzung des Projektes wurde eine Stiftung "My History", mit Sitz in Moskau gegründet, die Wissenschaftler des Instituts für Archäologie und des Instituts für russische Geschichte der russischen Akademie der Wissenschaften sowie die Universität Moskau und andere akademische Institute einbindet.

Der neuen Stiftung my History wurden inzwischen viele weitere Geschichtsparks in Russland unterstellt in vier Regionen und insgesamt 24 Städten darunter auch Novgorod (http://фондмояистория.рф/proekty/rossiya-moya-istoriya/)

Aus Anlaß der Eröffnung des Parks im Probebetrieb am 30.7.2024 wurde der Park als Thema in den Medien aufgegriffen.
Die Bezeichnung des Putin'schen Geschichtsparks als Disneyland zieht sich durch fast alle Berichte. Disneyland ist zwar auch nicht Ideologie-frei, dient aber vorrangig der Unterhaltung und ist klar ein Ort der Phantasie. Neu-Cherson versucht jedoch, sein Publikum zu betrügen, indem es vorspiegelt, reales historisches Wissen zu vermitteln. Ein Blick auf die Fotos und Videos der Neubauten macht auf den ersten Blick klar, dass es hier nicht um archäologische Rekonstruktionen geht. Die gebauten Komplexe haben nichts mit den sehr viel kleineren ergrabenen Bauten der antiken Stadt und erst recht nicht mit der mittelalterlichen Stadt zu tun. So prunkvoll und edel war die Antike nicht - und sicher nicht zu Zeiten Vladimirs. Es geht hier nicht um Geschichtsvermittlung, sondern um Geschichtskonstruktion, die einen russischen Machtanspruch darstellen und legitimieren soll. Die Bauten erinnern mehr an neuzeitliche Herrschaftsarchitektur und Putins Prunkpalast als an byzantinische Bauten.

Die aktuellen Berichte suggerieren, dass das Gelände des Ruinengeländes der antiken Stadt durch den neuen Park überbaut und zerstört wurde. Das Zentrum des neuen Putinparks liegt jedoch südlich des antiken Stadtareals. Vor einigen Jahren befanden sich hier Militär-, Industrie- und Gewerbeflächen. In der Kartierung des UNESCO-Weltkulturerbes liegt das Areal außerhalb des eigentlichen Schutzgebietes, wohl aber in der Buffer-Zone, in die auch weit abseits gelegene Reste der antiken Flureinteilung der Halbinsel eingestuft worden sind.

 

Die antike Stadt Chersonesos westlich von Sevastopol
mit Eintrag der Flächen, die nach GoogleEarth seit 2014 umgestaltet wurden (Graphik R. Schreg)
 

 
Die Darstellung, eine “Überbauung in Chersones und dem archäologischen Park würde Präsident Putin richtige Geschichte durch Fake-Geschichte ersetzen.” (SRF) ist also nicht völlig zutreffend. Gleichwohl war das nun überbaute Gelände nicht frei von archäologischen Befunden. In der Antike lag hier vor der Befestigung die südliche Vorstadt. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier eine große Nekropole entdeckt sowie ein Handerwerkerviertel der hellenistischen Zeit mit Töpfereibetrieben. Im Vorfeld der Park-Neubauten wurden 2020/21 in kürzester Zeit Notgrabungen durchgeführt, bei denen unter anderem ein Anten-Tempel des 4. Jh. v.Chr. ausgegraben wurde, dessen Fundamente nun in dem neuen Gelände konserviert sind (Erläuterungstafel erkennbar in Touristen-Video). 
Das Umfeld der antiken Stadt ist durch Militäranlagen im 19. und 20. Jahrhundert schon lange tief gestört; wie viele Befunde in dem betreffenden Areal vor den Baumaßnahmen erhalten waren, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Allerdings sind die Ausgrabungen in Luftbildern bei Google Earth zu erkennen. Deutlich wird, dass sehr schnell und großflächig, aber in 4 x 4 m großen Grabungschnitten ausgegraben wurde, obwohl schon auf den Luftbildern zahlreiche Befunde der Vorstadtbebauung zu erkennen sind.
Angesichts der Zerstörung der Grabungsbefunde lässt sich hier durchaus von einer Ausradierung der realen Geschichte zugunsten einer Fake-Geschichte reden. Man kann gespannt sein, wie die Ausgrabungen publiziert werden. Angeblich liegen mehrere Millionen an Funden vor.  Eine seriöse Publikation wird ganz sicher und eindeutig belegen, dass Putins Rekonstruktionen völlige Fantasie sind. Ob die Publikation zensiert werden wird (oder sich die Kolleg*innen in Selbstzensur üben [müssen]), wird sich zeigen.

Grabungsflächen in der südlichen Vorstadt von Chersonesos
von Juni 2021 bis Juni 2022 nach Google Earth. 
Der Ausschnitt zeigt nur einen kleinen Teil der Grabungen
nahe des alten Zugangs zum Ruinengelände.



Nach ukrainischer Einschätzung handelt es sich jedenfalls um die “weltweit zerstörerischsten Aktivitäten an einer Stätte der antiken Archäologie. In den Jahren 2021–2023 wurden 85.000 Quadratmeter der Kulturschicht zerstört, etwa 4 Millionen Objekte und mehr als 1.500 archäologische Komplexe entfernt (nach Angaben der Besatzungsverwaltung).”
  • vgl. https://ciss.org.ua/en/map.html mit Zoom auf Chersonesos - Die Seite des Crimean Institute for Strategic Studie präsentiert eine Liste der Kulturgutzerstörungen inklusive aller Grabungen, die auf der Krim nach 2014 ohne Genehmigung der ukrainischen Behörden durchgeführt wurden. Die Beschreibungen wurden offenbar von Archäologen vorgenommen, bieten aber leider keine Quellen zu den Aussagen über die russischen Grabungen. Im Falle einiger Aussagen über die Höhensiedlung Mangup wurden offenbar die Publikationen in der Zeitschrift MAYET ausgewertet.

Zweifellos ist der Putinpark eine nicht zu rechtfertigende Zerstörung archäologischer Quellen. Wissenschaftliche Seriosität gebietet es, dem dort ptäsentierten Geschichtsbild (da ist auch mit Führungen oder seriösen Ausstellungen vor Ort nichts mehr zu retetn) vehement zu widersprechen - aber auch, dass auch ukrainische Propaganda nicht unbesehen wiederholt und verbreitet wird. Die Medienberichte blieben hier allesamt sehr unkritisch und folgen den Darstellungen der Interviewpartner, die überwiegend nicht als Wissenschaftler, sondern als Kriegsbeobachter und -kommentatoren agieren.

Anzumerken ist deshalb auch, dass bei der berechtigten Empörung auf ukrainischer Seite fragwürdige Eingriffe in die archäologische Stätte bereits vor der russischen Okkupation eingesetzt haben. Ein Vergleich der historischen Luftbilder auf Google Earth zeigt, dass bereits 2008 im Umfeld der modernen Vladimir-Kathedrale einige Gebäude in das Ruinengelände gebaut worden sind. Auch die Anlage eines Gartens und der Ausbau des Theaters ist bereits auf einem Luftbild des Jahres 2012 zu erkennen. Die Installationen im Theater scheinen nun indes größer und schwerer geworden zu sein.

GoogleEarth zeigt kein beruhigendes Bild, aber ein anderes als es in aktuellen Medienberichten wiederholt wird. Neu-Chersonesos ist ein Propagandaprojekt, das abermals die Bedeutung der Geschichtspolitik in Putins Herrschaftsdenken belegt. 

Putin als Plünderer der Antike im August 2011
(Foto: Kreml, CC BY 4.0 via WikimediaCommons)


 

Fazit: UNESCO-Welterbetitel muß aberkannt werden

Der Status als UNESCO-Welterbe muss Chersonesos aberkannt werden! Angesichts der Tatsache, dass die UNESCO dies schon bei geringeren Eingriffen getan hat, ist es zwingend geboten, dass die UNESCO in Moskau protestiert und den Welterbetitel auch entzieht. Putins-Propaganda-Geschichte darf nicht durch ein Welterbelabel aufgewertet werden.

 


weitere Links

interne Links

  • Beiträge auf Archaeologik zur Krim

 

Literaturhinweise

  • J.C. Carter (Hrsg.), Crimean Chersonesos: City, Chora, Museum, and Environs (Austin 2003)
 

Änderungsvermerk 17.8.2025: 
einige Typos korrigiert 

Montag, 6. Juni 2022

Ukrainisches Nationaldenkmal in Flammen - Kloster Sviatohirsk

Das Kloster Sviatohirsk im Gebiet Donesk ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung für die Ukraine 2005 wurde das Kloster auf einer 10-Hriwna-Gedenkmünze dargestellt. Damit gewinnt es jetzt im Kriegsgebiet symbolische Bedeutung,


Ukrainische 10 Hriwna-Münze von 2005 mit Darstellung des Klosters Sviatohirsk
(Public Domain viaWikimediaCommons)


Der Komplex des Klosters Sviatohirsk am Fluß Seversky Donets
(Foto: Megamegalex 2010  [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)



Der russische Angriff auf die Ukraine hat mehrfach auch das Kloster betroffen. Es diente Flüchtlingen aus der Donesk-Region als Unterkunft. Am 12. März 2022 griff das russische Militär die Stadt Swjatohirsk nördlich des Flusses aus der Luft an. Eines der Ziele war wohl die Brücke beim Kloster.  Eine der Fliegerbomben explodierte 50 Meter vom Kloster entfernt und zerstörte alle Scheiben sowie einige der Türen. Da in dem Kloster hunderte Menschen Zuflucht gesucht hatte, kam es zu Verletzen. Zudem gab es weitere Schäden an den kirchlichen Einrichtungen. An den folgenden Tagen wurde das Kloster und seine Umgebung erneut beshossen. Am 15. März wurde dabei die Fassade der Kathedrale beschädigt.

Der Komplex des Klosters Sviatohirsk. südlich der Brücke am Fluß und der angrenzenden Anhöhe. Die abgebrannte Kirche Allerheiligen liegt auf der Hochfläche weiter südlich
(Karte: OpenTopoMap - Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA))

Ende Mai geriet die Stadt Sviatohirsk unter russische Kontrolle. Am 4. Juni 2022 wurde die Holzkirche „Vsikhsviatskyi Skete“/ Allerheiligen durch russischen Beschuss in Brand gesetzt. Das Kloster scheint direkt an der aktuellen Front zu liegen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezieht sich noch am Abend auf telegram auf den Vorfall, berichtet die Kirche sei zerstört und beschuldigt Russland der Kulturgutzerstörung. Er gab sich überzeugt, dass jede vom russischen Militär niedergebrannte Kirche, jede gesprengte Schule und jedes zerstörte Denkmal beweise, dass Russland keinen Platz in der UNESCO hat und Russland auch hier sanktioniert werden müsse.

Selenskyj schreibt, die Besatzer wüssten genau, welches Objekt beschossen wird. Sie wissen, dass es auf dem Territorium der Svjatohirsk Lawra keine militärischen Ziele gibt. Es ist bekannt, dass etwa 300 Laien vor den Feindseligkeiten fliehen, darunter 60 Kinder. Aber immer noch beschießt die russische Armee den Lorbeer, wie den ganzen Donbass. Wie jedes andere Territorium und jedes andere Objekt der Ukraine, das erreicht werden kann. Es ist ihnen egal, was sie in Ruinen verwandeln."

Selenskyj fordert den Ausschluss Russlands aus der UNESCO:  

"Am 31. Mai appellierte das ukrainische Parlament an die UNESCO, Russland die Mitgliedschaft in der Organisation zu entziehen. Daran arbeitet die ukrainische Diplomatie konsequent. Kein anderes Land als Russland hat seit dem Zweiten Weltkrieg so viele Denkmäler, kulturelle und soziale Stätten in Europa zerstört. Jede von Russland in der Ukraine niedergebrannte Kirche, jede gesprengte Schule, jedes zerstörte Denkmal beweist, dass Russland keinen Platz in der UNESCO hat. Worüber können wir mit einem barbarischen Staat, mit einem terroristischen Staat sprechen? Über welche Artilleriegeschosse ist es besser, das historische Erbe zu zerstören?

Wir erwarten eine logische und faire Antwort von der UNO und der UNESCO. Es sind die Vereinten Nationen, und ihre Charta sieht keine Allianzen mit Terroristen vor. Die Isolation Russlands muss vollständig sein, es muss für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. "

An seinen Telegram-Post hängt Selenskyj einen Videoschnipsel der brennenden Kirche an. Die Berichterstattung suggeriert - wahrscheinlich nicht aufgrund einer tendenziösen Berichterstattung, sondern aus mangelnder Reflektion des Denkmal- bzw. Kulturerbe-Begriffs - , hier gehe es um altes historisches Kulturerbe. Tatsächlich ist die Kirche Allerheiligen 2006 fertig gestellt worden. Die ältere Anlage war nach dem Zweiten Weltkrieg zerfallen und erst als das Kloster nach 1991 neu begründet wurde, fanden umfangreiche Neubauten statt. Allerheiligen wurde dabei als Holzkirche errichtet.

In seinem Post spricht Selenskyj diese jüngere Geschichte übrigens offen an, und zwar gleich zu Beginn: "Zerstörtes Allerheiligenkloster. 1912 wurde sie eingeweiht. Es wurde zuerst während der Sowjetzeit zerstört. Später wurde es wieder aufgebaut. Und so wurde er von der russischen Armee verbrannt."  Worauf sich das Datum 1912 beziehen soll, ist mir allerdings nach kurzer online-Recherche nicht klar geworden. Eventuell hat sich der Präsident vertippt und er wollte auf die letzte Wiederbegründung des Klosters 1992 verweisen.


Kulturgutpolitik in der Russischen Kriegsführung

Immer wieder lassen sich in ukrainischen Meldungen über Kulturgutzerstörungen kleine Ungenauigkeiten beobachten (vgl. Archaeologik 16.3.2022; Archaeologik 26.4.2022). Diese ändern nichts daran, dass sich das russische Militär ganz offenbar verbrecherisch wie die letzten "Barbaren" (ein sorry an alle oft zu unrecht so gebrandmarkten Barbaren) - oder wie Ukrainer das aktuell bezeichnen: Orks - aufführen. Es zeigt aber, wie dem Umgang mit Kulturgut eine moralische Dimension zukommt. Die Achtung des Kulturguts ist ein Zeichen der Überlegenheit und der moralisch richtigen Position. Das hat Russland mit der Inszenierung von Palmyra im Kampf gegen den IS selbst auch so praktiziert.

Mit diesem Hintergrund ist es schwer zu beurteilen, inwiefern neben zumindest billigend in Kauf genommene Kollateralschäden an Kulturgütern auch eine bewusste Zerstörung ukrainischer Kultur praktiziert wird. Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, Putin würde auf eine Vernichtung traditionsstiftender ukrainischer Traditionen abzielen.
Eine gezielte Zerstörung der historischen Gebäude von Sviatohirsk würde im Hinblick auf eine solche imperialistische Kulturtraditionspolitik wenig Sinn machen, da die Geschichte des Klosters eng mit der russischen Expansion ist. Im 16./17. Jahrhundert nutzten die Moskauer Zaren die strategische Lage des Klosters für die militärische Überwachung der Region, die darauf abzielte, sich gegen Tatareneinfälle zu schützen. Die Mönchen von Sviatohirsk hielten enge Beziehungen zum Moskauer Staat und erhielten materielle und militärische Unterstützung (Yaisiuk 2018). Wie so viele historische Hinterlassenschaften sind sie nicht eindeutig modernen Nationen zuzuweisen, sondern stehen für die Komplexität der Geschichte, der ein nationalistisches Weltbild fast immer mit völligem Unverständnis entgegen tritt. Putin hat sein völlig verständnisfreies Geschichtsbild durchblicken lassen und zur Rechtfertigung seines Krieges benutzt (vgl. Archaeologik 25.2.2022; Archaeologik 22.1.2022).
 
 

Literaturverweis

  • Yaisiuk 2018: Микола Яцюк, Святогірський монастир між московською владою та українськими козацькими впливами (ХVІ−ХVІІ ст.). Історія релігій в Україні: Науковий щорічник 28, 2018, 396-413. - http://www.religio.org.ua/index.php/religio/article/download/206/204 (pdf)

Links

 


imterner Link

Blogposts auf Archaeologik zu Putins Krieg gegen die Ukraine

Montag, 25. April 2022

8 Tage alt: Die Moskva, das jüngste Archäologische Denkmal

Am 13. April 2022 wurde das 1982 in Dienst gestellte russische Kriegsschiff Moskva von ukrainischen Antischiffsraketen getroffen und versenkt. Am 21. April meldet das ukrainische Verteidigungsministerium über seine Social Media Kanäle, das Wrack der Moskva sei als Unterwasserdenkmal unter Schutz gestellt worden. - 8 Tage nach dem Ausscheiden aus der 'lebenden Kultur'.

 

  .
[Video auf facebook wurde inzwischen gelöscht  - Nachtr. 26.8.2022)

Mehrere Medien haben dies aufgegriffen

 
 

Russische Propaganda


Kreuzer Moskva
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

 

Die Moskva war in verschiedener Hinsicht der Stolz der russischen Flotte  und mehrfach auch Schauplatz von Staatsbesuchen. Entsprechend schwer tut sich Russland, diese Niederlage einzugestehen. Nach russischer Darstellung. war die eigene Besatzung so blöd, Feuer zu legen, so dass das Schiff sodann bei einem Sturm - nach Wetterdaten ein eher laues Lüftchen - gesunken sei. Trotzdem wird die Ukraine dafür verantwortlich gemacht. Die russische Propaganda ist hier eher auf persistentes Lügen, Informationsunterdrückung  und permanente Wiederholung gegründet. Sie ist zwar wirksam, aber eher plump - und nicht widerspruchsfrei wie gerade das Beispiel der Moskva zeigt.


Unterwasserdenkmal Moskva

Inwiefern die Meldung von mezha überhaupt zutreffend ist, ist schwer zu sagen. In einem Video kommt Sergej Voronov zu Wort, der als Direktor des zentralen Marinemuseums der Ukraine vorgestellt wird. Er war früher am Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Einiges an der Meldung ist jedoch fragwürdig, so ist die Berufung auf die UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser falsch, da diese voraussetzt, dass das betreffende Objekt seit 100 Jahren unter Wasser liegt. Auch die Übertragung ans Marinemuseum und der damit implizierte Eigentumsanspruch der Ukraine auf das Wrack entspricht nicht dem Internationalen Seerecht.

Als propagandistisches Statement gegen Russland ist die Meldung jedoch deutlich subtiler und soll Russland wohl vor allem ärgern. Entsprechend hat die Ukraine einen Tag vor der Versenkung eine Briefmarke herausgegeben, die an die Antwort erinnert, die die Besatzung der Schlangeninsel der Moskva auf die Aufforderung zur Kapitulation gegeben haben soll: "Russisches Kriegsschiff, f** dich...!"

 

ukrainische Briefmarke 2022
(via WikimediaCommons)



Archäologie der Gegenwart

Gerade der propagandistische Kontext der Eintragung der Moskva als Kulturdenkmal der Ukraine zeigt, wie bei Objekten einer Archäologie der Moderne oder gar der Gegenwart nicht so sehr der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn, sondern eher der Denkmalcharakter bzw. genauer seine Mahn- und Erinnerungswert von Bedeutung sind. Angesichts der lügenhaften russischen Propaganda ist das Wracks freilich auch eine Quelle der Aufklärung und Faktensicherung.

Mit dem Schiff sei übrigens auch eine wertvolle christliche Keuzreliquie gesunken.

Grundsätzlich scheint die Einschätzung als ein historisch bedeutendes Kulturdenkmal jedenfalls gar nicht abwegig.

imterner Link

Montag, 7. März 2022

Propagandakrieg im Kleinen: Die Zerstörung eines Archivs in Chernihiv in den Social Media

In Chernihiv, ca 120 km nordnordöstlich von Kyiv ging am 25.2.2022 nach einem russischen Angriff das ehemalige Gerichtsgebäude und zwischenzeitlicher Regierungssitz der Sowjetrepublik der Ukraine in Flammen auf. 

 

Das ehemalige Bezirksgericht und SBU-Archiv in Chernihiv 2018
(Foto: Stern61 [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

 

Auf Russia-Ukraine Monitor Map ist der Angriff verzeichnet und auf ein Video auf Twitter verlinkt, das den Brand des Gebäudes zeigt.



Das Gebäude wurde nach Angaben in den Social Madia zuletzt auch für das SBU-Archiv  (Галузевий державний архів Служби безпеки України) genutzt. Hier sollen Unterlagen des KGB aufbewahrt worden sein, die unter anderem auch eine wichtige Quelle für die NS-Verbrechen in der Region, aber auch die sowjetischen Repressalien darstellen. Archivalien sollen demnach allenfalls für einzelne Forschungsprojekte digitalisiert worden, größtenteils aber nicht gescannt gewesen sein.

Ein Foto bei Instagram zeigt das völlig ausgebrannte Gebäude. Ein Video bei facebook zeigt den Brand in einem frühen Stadium.

 

Eine Website zum Archiv in Chernihiv konnte ich nicht ausfindig machen, sondern nur Angaben zum Archiv in Kyiv. Unter der Adresse verzeichnet Google Maps nur allgemein die Abteilung des Sicherheitsdienstes der Ukraine im Oblast Chernihiv.

In den Social Media findet sich viele Spekulationen darüber, ob das Archiv nicht gezielt angegriffen worden sei. Es wird über einen Angriff aus einem Auto heraus spekuliert und teilweise auch geleugnet, dass - was durchaus naheliegend und plausibel ist - der Brand Folge eines russischen Angriffs gewesen sei. Es zeigt sich hier im Kleinen ein Propagandakrieg, der deutlich macht, wie sehr gerade eine Putin-treue Rechte versucht, nicht nur Präsident Selenskyj, sondern auch den westlichen Demokratien Nazi-Traditionen und Verbindungen unterzuschieben. Dreist wird etwa behauptet, nur "das nazistische Kiewer Regime" könne Interesse daran haben, Naziverbrechen zu vertuschen.


 

Die Informationen, die sich auch den Social-Media gewinnen lassen, bestätigen ein Feuer in dem Gebäude, lassen aber mit dem Anspruch beweiskräftiger Aussagen aktuell keine eindeutige Bewertung zu, da sich insbesondere die Zerstörung von Archivgut bzw. überhaupt die Existenz eines Archivs für mich nicht anhand anderer Quellen verifizieren lässt.


Link