Montag, 25. April 2022

8 Tage alt: Die Moskva, das jüngste Archäologische Denkmal

Am 13. April 2022 wurde das 1982 in Dienst gestellte russische Kriegsschiff Moskva von ukrainischen Antischiffsraketen getroffen und versenkt. Am 21. April meldet das ukrainische Verteidigungsministerium über seine Social Media Kanäle, das Wrack der Moskva sei als Unterwasserdenkmal unter Schutz gestellt worden. - 8 Tage nach dem Ausscheiden aus der 'lebenden Kultur'.

 

 

Mehrere Medien haben dies aufgegriffen

 
 

Russische Propaganda


Kreuzer Moskva
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

 

Die Moskva war in verschiedener Hinsicht der Stolz der russischen Flotte  und mehrfach auch Schauplatz von Staatsbesuchen. Entsprechend schwer tut sich Russland, diese Niederlage einzugestehen. Nach russischer Darstellung. war die eigene Besatzung so blöd, Feuer zu legen, so dass das Schiff sodann bei einem Sturm - nach Wetterdaten ein eher laues Lüftchen - gesunken sei. Trotzdem wird die Ukraine dafür verantwortlich gemacht. Die russische Propaganda ist hier eher auf persistentes Lügen, Informationsunterdrückung  und permanente Wiederholung gegründet. Sie ist zwar wirksam, aber eher plump - und nicht widerspruchsfrei wie gerade das Beispiel der Moskva zeigt.


Unterwasserdenkmal Moskva

Inwiefern die Meldung von mezha überhaupt zutreffend ist, ist schwer zu sagen. In einem Video kommt Sergej Voronov zu Wort, der als Direktor des zentralen Marinemuseums der Ukraine vorgestellt wird. Er war früher am Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Einiges an der Meldung ist jedoch fragwürdig, so ist die Berufung auf die UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser falsch, da diese voraussetzt, dass das betreffende Objekt seit 100 Jahren unter Wasser liegt. Auch die Übertragung ans Marinemuseum und der damit implizierte Eigentumsanspruch der Ukraine auf das Wrack entspricht nicht dem Internationalen Seerecht.

Als propagandistisches Statement gegen Russland ist die Meldung jedoch deutlich subtiler und soll Russland wohl vor allem ärgern. Entsprechend hat die Ukraine einen Tag vor der Versenkung eine Briefmarke herausgegeben, die an die Antwort erinnert, die die Besatzung der Schlangeninsel der Moskva auf die Aufforderung zur Kapitulation gegeben haben soll: "Russisches Kriegsschiff, f** dich...!"

 

ukrainische Briefmarke 2022
(via WikimediaCommons)



Archäologie der Gegenwart

Gerade der propagandistische Kontext der Eintragung der Moskva als Kulturdenkmal der Ukraine zeigt, wie bei Objekten einer Archäologie der Moderne oder gar der Gegenwart nicht so sehr der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn, sondern eher der Denkmalcharakter bzw. genauer seine Mahn- und Erinnerungswert von Bedeutung sind. Angesichts der lügenhaften russischen Propaganda ist das Wracks freilich auch eine Quelle der Aufklärung und Faktensicherung.

Mit dem Schiff sei übrigens auch eine wertvolle christliche Keuzreliquie gesunken.

Grundsätzlich scheint die Einschätzung als ein historisch bedeutendes Kulturdenkmal jedenfalls gar nicht abwegig.

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