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Samstag, 9. September 2023

Haushaltsgüter im ländlichen Raum: Publikation Ruralia XIV erschienen!


Catarina Tente / Claudia Theune (Hrsg.)


Household goods in the European Medieval and Early Modern Countryside

Ruralia XIV


(Leiden 2013)

Paperback ISBN: 9789464270600
und online: DOI: 10.59641/cd27f3b4


Pünktlich zur Ruralia XV-Konferenz in Fredrikstad in Norwegen ist die Publikation der vorausgehenden Tagung Ruralia XIV in Viseu, Portugal erschienen.

Die Tagung fand vom 13. 9. bis 19. 9. 2021 in Viseu statt. Aufgrund der Covid19-Pandemie wurde sie hybrid abgehalten. Die in Person anwesenden Teilnehmer*innen nutzen die Tagung für einige Feldexkursionen, die die ländliche Siedlungslandschaft in Nordportugal thematisierte. Besucht wurden unter anderem saisonale Siedlungsplätze in den Bergregionen östlich von Viseu.

Das Tagungsthema befasste sich mit Haushaltsgütern, um so eonen vertieftes Verständnis des Alltags im ländlichen Raum zu gewinnen. Ziel der  Tagung war es, die Bedeutung der Haushaltsarchäologie für die Erforschung des ländlichen Raumesim Mittelalter und in der Neuzeit unter einem interkulturellen Ansatz herauszuarbeiten.

 

Cabin in central Portugal
(Oliveira, .V.;Galhano, F; Pereira, B.; Constru
ções primitivas em Portugal.
Centro de Estudos de Etnologia, Lisbon, 1969).


Die Analyse von Hausstrukturen und -inventaren, aber auch von Alltagsgütern wie z.B. Keramik verrät vieles über den Alltag vergangener Gesellschaften. In der Regel gibt es für das Mittelalter und die frühe Neuzeit dazu eine Vielzahl von Quellen aus Texten und Bildern. Viele Aspekte sind aber nur über die materiellen, archäologischen Überreste zu erfassen. Das gilt in besonderem Maße für den ländlichen Raum, der einst, die Mehrzahl der Bevölkerung umfasste.

Der Tagungsband enthält über 20 Beiträge mit konkreten Fallstudien aus fast allen Teilen Europass, die eine wichtige Grundlage füt die Ansätze der sonst häufig sehr theoretischen household archaeology liefern. Beiträge, die die Objekte aus einzelnen Haushalten untersuchen, stehen neben solchen, die bestimmte Fundkategorien diskutieren. Mein eigener Beitrag beispielsweise beleuchtet die bislang leider kaum genutzten Potentiale der Forschung zur mittelalterlichen Keramik in Süddeutschland.


Inhaltsverzeichnis

Foreword and Introduction

Household goods in the European medieval and early modern countryside – an introduction
Catarina Tente, Claudia Theune

Archaeology and Household

Is that all there is? Reflections on the presence and survival of household goods in archaeological contexts
Bert Groenewoudt, Rowin van Lanen

Household goods illuminated by motivation and need theories in Hanfelden Castle in the early modern countryside of Styria, Austria
Iris Winkelbauer, Claudia Theune

Household and home life in the Russian Countryside during the sixteenth to first half of the eighteenth century, according to archaeological finds in Alexandrovskaya Sloboda
Irina Zaytseva

Tenth-century peasant houses and household goods. The potential and limitations of the archaeological record from Beira Alta (Portugal).
Tente, Gabriel de Souza, João LuísVeloso, Catarina Meira

Temporary households

Exploring the “extended” household? Historical landscapes, material culture and building materials at the Monte Fasce settlements, Liguria, Italy (17th-21st c.)
Giulia Bizzarri, Anna Stagno

Household in a settlement dealing with large animal husbandry from the 10-11th century in west Hungary
Ádám Pátkai

Living conditions and household

Making a house a home: odd deposits in ordinary households in later medieval Ireland 1200-1600 AD
Karen Dempsey

Checking-in at the multispecies hotel: Natureculture and the early medieval house
Rachel Brody

Households from early medieval rural settlements in Alto Alentejo (Central Portugal): material culture and social structures
Sara Prata, Fabián Cuesta-Gómez

Spatial structure and household

Refitting the past. The spatial distribution of finds as a key for understanding activities and the use of space in medieval farm buildings in the Northern Netherlands
Jan van Doesburg

Kecskemét-Törökfái-dűlő: structure and topographical elements of an Árpádian-age settlement in the Danube-Tisza Interfluve Region, Hungary
Nikoletta Lukács

Social and economic status and household

Household goods of late medieval peasants in Denmark
Mette Svart Kristiansen

Household goods from excavations at homestead in Kopaniec (Seifershau), Poland
Paweł Duma, Jerzy Piekalski

Contextual value of iron household goods in the late medieval countryside: testimony of the Czech Lands
Tomáš Klir, Martin Janovský, Lucie Hylmarová

Peasant household – noble household: objects and structures. Some remarks on household archaeology of late medieval Hungary
László Ferenczi, Edit Sárosi, Csilla Zatykó

Social inequality and household goods in central Iberia during the early middle ages
Carlos Tejerizo

Lord in the Village: Can houseware and personal equipment indicate the presence of a social class?
Andrej Janeš

Local societies and early medieval domestic economies in the light of the Basque Country archaeological record (8th-10th centuries)
Juan Antonio Quirós Castillo

Particular activities – particular household objects

Pottery in medieval rural households – perspectives of archaeological research in Southern Germany
Rainer Schreg

Household goods for winter travel and leisure in Norway – objects, games and processes of enculturation
Marie Ødegaard, Kjetil Loftsgarden

Household goods of Ottoman soldiers in the rural fortified settlements of the 16th–17th century in Hungary
Ágnes Kolláth, Bianka Kovávs, Gyönyi Kovács, Zsófia Nádai

A sign of wealth or everyday objects? The use of stoneware vessels in medieval and early modern Southern Finland
Tuuli Heinonen

Artefacts of osseous and keratinous materials from the Netherlands – the project
Jørn Zeiler, Marloes J. Rijkelijkhuizen, Marloes, Joyce van Dijk



 

interner Link

 


 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

CfP - Ruralia-Konferenz XIV, 2021 in Visieu - “Haushaltsgüter auf dem Lande im europäischen Mittelalter und in der frühen Neuzeit”

 Haushaltsgüter auf dem Lande im europäischen Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Obwohl das Thema Haushaltsgüter in der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit längst etabliert ist, bieten neuere Forschungen umfassendere Ansätze, mit denen einfache typologische und technologische Aspekte überwunden werden. Dies gilt insbesondere für neue archäometrische analytische Methoden und theoretische Perspektiven. 'Material culture studies' dienen als Grundlage für das Verständnis von Menschen, Gruppen und Gesellschaften.

 

Hütte in Zentral-Portugal
(Oliveira, .V.;Galhano, F; Pereira, B.; Constru
ções primitivas em Portugal.
Centro de Estudos de Etnologia, Lisbon, 1969).


Durch die Analyse von Hausstrukturen und -inventaren kann viel über Alltagsgüter (Keramik, Metall, Holz, Korbwaren ...), Produktions- und Konsumstrategien, andere wirtschaftliche Aktivitäten, aber auch Strukturen der sozialen Organisation und Beziehungen zwischen Haushaltsmitgliedern gelernt werden. Das Verständnis vergangener Gesellschaften und Kulturen hängt daher stark von der Untersuchung ihrer Haushaltsgegenstände ab. In diesem Zusammenhang ist es das Ziel der 14. Ruralia Konferenz, die Bedeutung der Haushaltsarchäologie für die Erforschung des ländlichen Raumesim Mittelalter und in der Neuzeit unter einem interkulturellen Ansatz herauszuarbeiten. Dabei sollen schriftliche und bildliche Quellen und Daten ebenso wie Daten aus interdisziplinären Analysen berücksichtigt werden.


Eine detaillierte Analyse einzelner Kontexte, kleiner Teile von archäologischen Stätten, archäozoologische, archäobotanische und geoarchäologische Untersuchungen ermöglichen es uns, die Aktivitäten und Interaktionen der Menschen in ihren Häusern zu rekonstruieren. Funktionale Aspekte der Häuser können anhand spezifischer Einrichtungsgegenstände, aber auch anhand von Inventaren und der räumlichen Verteilung der Funde, analytischer Nachweise für bestimmte Aktivitäten erkannt werden. Hier ist an Kochen und Essen, Lagerung, Weben, Abfallentsorgung, Ruhen zu denken. Hinweise können sich aber auch aus Umfeldanalysen ergeben. Neben das Funktionale treten Informationen über den Rang und den Wohlstand der Bewohner*innen, ihr tägliches Leben, ihre Haushaltszusammensetzung, ihre Familienkonzepte und sogar ihren Geschlechterrollen. Strukturanalysen können Hinweise auf Interaktionsbereiche und strukturierte Verhaltensweisen innerhalb eines Hauses geben.

 

Tagungsbeiträge gesucht!

Die 14. Ruralia Konferenz soll - soweit es Corona zulassen wird - vom 13. bis 19. September 2021 in Visieu in Portugal stattfinden. Das Organisationsteam sucht jetzt nach Tagungsbeiträgen, die einige der oben beschriebenen archäologischen Fragen behandeln. Die Sitzungen können sich auf bestimmte Themen im Zusammenhang mit Haushaltgütern aufgreifen (abgesehen von rein typologischen Klassifikationen oder der Behandlung landwirtschaftlicher Geräte, die Thema einer früheren Ruralia-Tagung waren). Besonders willkommen sind Arbeiten, die interdisziplinäre Ansätze beinhalten, nämlich solche, die archäologische, ethno-archäologische, soziologische, historische, chemische, archäozoologische, archäobotanische und geoarchäologische Befunde oder die Auswertung bildlicher und schriftlicher Quellen einbeziehen.
Die Beiträge sollten einige der folgenden Fragen beantworten:

  • Wie war das Haus organisiert?  
  • Welche Aktivitäten fanden im Haus statt?  
  • Wie und welche Produkte wurden im Haus gekocht und konsumiert?  
  • Können wir die Familienorganisation und ihre Mitglieder anhand von Haushaltsgüten identifizieren?  
  • Welche wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen kommen in den Funden zum Ausdruck?
  • Welche Beziehung wurde zwischen dem Inneren des Hauses und dem Freien hergestellt?  
  • Welche Rolle spielte das Haus innerhalb der sozialen Organisation der Gemeinde?  
  • Was können Haushaltswaren über den sozialen Status und den Wohlstand ihrer Besitzer aussagen?  
  • Können wir die Interaktion zwischen Haushalten und Gemeinschaften identifizieren?  
  • Können wir lokalen, regionalen, überregionalen oder sogar globalen Austausch identifizieren?

 

RURALIA - the Jean-Marie Pesez Conferences on Medieval Rural Archaeology

RURALIA ist eine internationale Vereinigung für die Archäologie mittelalterlicher (und neuzeitlicher) Siedlungslandschaften und des ländlichen Lebens. Es bietet eine europaweite Plattform für den wissenschaftlichen Austausch über aktuelle Probleme der ländlichen Archäologie, um vergleichende und interdisziplinäre Studien zu stärken. Die Konferenz umfasst die Zeit vom frühen Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. Die Konferenzsprache ist Englisch.  
 
RURALIA XIV soll in Viseu stattfinden, einer Stadt im zentralen Norden Portugals. Zusätzlich zu den Vorträgen werden eineinhalb Tage Exkursion und eine optionale zweitägige Studienreise in die Regionen Beira Alta und Douro angeboten. Die Konferenz wird gemeinsam von Catarina Tente, Sara Prata, Piers Dixon, Mark Gardiner und Claudia Theune organisiert. Unterstützt wird die Tagung durch die Stadt Viseu, Direção Geral do Património Cultural, Direção Regional de Cultura do Centro, Direção Regional de Turismo do Centro und das Institut für Mittelalterstudien der NOVA Universität. 


Weitere Informationen:

Internal Links

Ruralia at Archaeologik 

CfP - Ruralia XIV Conference 2021 - “Household goods in the European Medieval and Early Modern countryside”

Household goods in the European Medieval and Early Modern countryside

Although household goods are a well established topic in Medieval and Modern archaeology, more recent research is overcoming simple typological and technological aspects and pointing to broader, more encompassing approaches. This is particularly the case of newly-introduced analytical methodologies and theoretical perspectives. The material culture studies act as base to understand people, groups and societies.

 

Cabin in central Portugal
(Oliveira, .V.;Galhano, F; Pereira, B.; Constru
ções primitivas em Portugal.
Centro de Estudos de Etnologia, Lisbon, 1969).


By analyzing house structures and its contents, much can be learned about artefactual assemblages (ceramic, metal, wood, basketry...), goods’ production and consumption strategies, other economic activities, structures of social organization and relations among household members. Thus, the understanding of past societies and cultures relies heavily in the study of their household goods. In this context, the aim of the Ruralia XIV Conference is to emphasize the significance of household archaeology to the study of the European countryside in Medieval and Modern times under a cross-cultural approach, with attention also paid to written and pictorial sources and data obtained in interdisciplinary analyses.


Detailed analysis of single contexts, small parts of sites, faunal, botanical and soil studies enables us to reconstruct common peoples’ activities and interactions within their homes. House functions can be detected by means of specific installations but also by inventories and location of goods, evidence for particular activities inside - such as cooking and eating, storage, weaving, refuse disposal, resting, etc. - or by a comprehensive overview of outdoor surroundings. All this is evidence of functional purposes but it can also tell us about the rank and wealth of their owners, their daily lives, household compositions, family concepts and even gender statuses. Structural analysis can give evidence about spheres of interaction and patterned behaviours within a house. 

 

Conference Papers

The 14th Conference  of the Ruralia Association on medieval rural archaeology is planned to be helt at 13th – 19th September 2021 in Visieu in Portugal. The organization team is seeking papers that address some of the archaeological questions outlined above. Sessions may be focused on particular topics on household goods (not agricultural and not typological classifications). Papers which incorporate interdisciplinary approaches are particularly welcomed, namely those combining archaeological, ethno-archaeological, sociological, historical, chemical, faunal, botanic, geo-archaeological evidence or documentary analysis.
Papers should address some of the following questions:

  • How was the house organized?
  • What activities took place in the house?
  • How and what products were cooked and consumed in the house?
  • Can we identify family organization and its members using household goods?
  • What economic and social relations can be express by the household goods?
  • What relation was established between the interior of the house and the outdoors?
  • What role was played by the house within the community’s social organization?
  • What can household goods tell us about social statuses and wealth of their owners?
  • Can we identify interaction between households and communities?
  • Can we identify local, regional, trans-regional or even global exchange?

 

RURALIA - the Jean-Marie Pesez Conferences on Medieval Rural Archaeology

RURALIA is an international association for the archaeology of medieval settlement and rural life. It provides a European-wide platform for the scientific exchange on current problems in rural archaeology in order to strengthen comparative and interdisciplinary studies. The conference covers the period from the Early Medieval to the Early Modern periods. The conference language is English. RURALIA XIV will take place in Viseu, a city located in the central-north of Portugal. 

In addition to the papers, one day and half excursion and an optional two-day study trip to Beira Alta and Douro regions will be offered.

The conference is jointly organized by Catarina Tente, Sara Prata, Piers Dixon, Mark Gardiner and Claudia Theune, with the support of the Viseu Municipality, Direção Geral do Património Cultural, Direção Regional de Cultura do Centro, Direção Regional de Turismo do Centro, and Institute of Medieval Studies of the NOVA University. 


Further information:

Internal Links

G
M
T
Die Sound-Funktion ist auf 200 Zeichen begrenzt

Samstag, 23. Dezember 2017

MEMO - Eine neue OA-online-Zeitschrift zur materiellen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit


Am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit erscheint neu das Open Access Online Journal MEMO | Medieval and Early Modern Material Culture Online.
Es widmet sich dem breiten interdisziplinären Forschungsfeld der materiellen Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Es beinhaltet neben der Publikation klassischer Forschungsbeiträge auch Aufsätze zu neuen Methoden und neuen Projekten. Die Beiträge unterliegen einer Qualitätskontrolle mittels einer Begutachtung. MEMO erscheint zweimal im Jahr, hinzu kommen Einzelbeiträge und Sonderbände.
Die erste Ausgabe ist im November 2017 erschienen und widmet sich dem Thema "Holz in der Vormoderne. Werk-Stoff, Wirk-Stoff, Kunst-Stoff" - DOI: 10.25536/2523-2932012017

Mittwoch, 1. Februar 2017

Träumende Wächter - Lärmende Pilger

begleitende Materialien zur Vorlesung "Träumende Burgwächter – lärmende Pilger. Tonhörner als Quelle der Alltagsgeschichte: Objekte – Bilder – Texte ", Bamberg 1.2.2017


Abstract

Funde von keramischen Hörnern sind in Süddeutschland oft recht unscheinbare, aber doch nicht seltene Funde. Basierend v.a. auf Arbeiten Anfang der 1990er Jahre hat die Forschungen mehrere grundlegende Ergebnise erzielt:
  1. Datierung:
    überwiegend 12.-15. Jh.
  2. Typologie:
    verschiedene Hornformen, größte Gruppe sind die gebogenen Hörner
    facettierte und helle Hörner als dominierende Form und Farbe
  3. Fundstatistik:
    Dominanz von Funden von Burgen
  4. Klassifikation:
    Aach(en)horn
    • Zusammenhang mit der Aachenfahrt
    • nach Sebastian Virdung 1511
    • aber auch Hinweise auf verschiedene Produktionszenten und Verbreitungsschwerpunkte
  5. verchiedene Funktionen:
    z.B. Funktion als Wetterhörnerr (volkskundl. Quellen, Bildquellen)
  6. Vorbild:
    elfenbeinerne Olifanten 

Dieser Forschungsstand wirft weitergehende Fragen auf:
  • Lassen sich die Bedeutungszuschreibungen präzisieren?
  • Was bedeutet konkret das Vorbild der Olifanten?
  • Welche Aussagen lassen die Tonhörner über ihre Funktionalität hinaus über die Alltagswelt ihrer Nutzer zu?
Anhand eines Abgleichs mit literarischen Texten und Bildquellen lässt sich die wichtige Rolle des Rolandsliedes erkennen. Die Bedeutungszuschreibungen an den Olifanten Rolands betreffen dessen Wunderkräfte, die Herrschaftsbelehnung und generell ein höfisches/ ritterliches Leben. Es zeigt sich eine Interanktion von Objekt, Bild und sinnstiftendem Text, der uns erahnen lässt, warum die Tonhörner bevorzugt facettiert und hell gebrannt wurden - in Anlehnung an den Olifanten. Die Funde belegen die breite Kenntnis der Texte und ggf. auch der elfenbeinernen Olifanten, von denen viele in Kirchen zu sehen waren und von denen mehrere Roland zugeschrieben wurden. Zunächst unscheinbare archäologische Funde erzählen im interdisziplinären Kontext auch von Glaube, Mentalität und Herrschaft.


Archäologische Funde

Ausgewählte Beispiele

Köln
Köln, ca. 30 cm lang
(Foto: Bullenwächter [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons, freigestellt)

Geislingen, Burg Helfenstein
Geislingen, Helfenstein: Hornfragment aus den Grabungen der 1930er Jahre
(Heimatmuseum Geislingen, Foto: Kreisarchäologie Göppingen, m. freundl. Genehmigung)



Hohenwart
Markt Hohenwart
(Foto: Markt Hohenwart, m. freundl. Genehmigung B. & B. Rödig)



Mansfeld
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle: https://sketchfab.com/models/3a671319f1c94b4f8f60494a747c0565




Karten

  • Fundpunkte als shp zum Download
    Liste nach Literaturlage zusammengestellt von R. Schreg, Stand 27.1.2017. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Fehlende Angaben beruhen zumeist auf fehlenden Angaben in den Publikationen.
    Von Zeit zu Zeit werden Korrekturen und Ergänzungen eingepflegt werden - Hinweise sind willkommen. - Die Liste steht unter CC BY SA 4.0

Gesamtverbreitung der Tonhörner
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)

Chronologie der Tonhörner
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)

Farbe der Tonhörner
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)

Form (Querschnitt) der Tonhörner
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)


Fundkontext der Tonhörner
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)


Töpfereien mit Produktionsnachweisen von Tonhörnern und ihre bekannten Exporte
(Karte: R. Schreg, Kartengrundlage auf Basis SRTM-Daten)


Literarische Texte


La Chanson de Roland
(11./12. Jh.)
1761 Mit Mühe und Qual, unter großem Schmerz,
Bläst Graf Roland seinen Olifant.
1765 Der Schall des Horns, das er hält, trägt sehr weit:
Karl, der über die Pässe zieht, hört ihn.
2287 Er hält den Olifant, den er nie aus der Hand geben wollte,
Und schlägt ihm auf den Helm, der mit Gold und Edelsteinen verziert war ….
„Nun ist dadurch mein Olifant an der Öffnung gespalten,
Kristall und Gold sind abgefallen.
3683 Mit großer Heeresmacht ziehen sie durch Narbonne.
Er kam nach Bordeaux, in die mächtige Stadt.
Auf den Altar des edlen heiligen Severin
Legt er Olifant, der mit Gold und Goldmünzen aufgefüllt ist.
Die Pilger, die sich dorthin begeben, können ihn sehen.
(Übersetzung W. Steinsiek)



Pfaffe Konrad: Rolandslied

um 1170


v. 305ff.
Der Held Roland nahm
sein Horn zur Hand.
Er blies es mit voller Kraft,
dass dem Gott Apollo
und seinem Gefährten Mahomet
der Mut schwand.
Die Stimme versagte ihnen,
Furcht breitete sich aus.
Die Steinhäuser zitterten,
die Heiden verzagten.
Die Erde bebte.
Die Fische wurden unruhig.
Die Vögel erhoben ihre Stimmen.
Die Berge hallten alle wider.
Viele lagen vor Schreck wie tot.
Ein großes Wehklagen erhob sich.
(Übertragung D. Kartschoke)

Der Stricker, Karl der Große

1. H. 13. Jh.

364ff.

du solt diz swert und diz horn
dîme neven Ruolande geben.
der sol daz êwige leben
verdienen an der hervart.
daz swert heizet Durndart:
ich sage dir wærlîche,
ez sante dir got der rîche,
der hât ez selbe alsô genant.
daz horn heizet Olivant:

die namen gaber in beiden,
ich sage dir swelh heiden
375 mit dem swerte wirt wunt,
dem wirt niemer mê gesunt.
als Ruolant blæset daz horn,
sô wirt den heiden sô zorn,
daz si verliesent ir sin.

 

Bildquellen


Aachener Heiligtumsfahrt in der frühen Neuzeit

Zeigung der Aachener Heiligtümer auf der Heiligtumsfahrt 1622, unbekannter Künstler.
Am Dom im Hintergrund wird das weiße Kleid Mariens gezeigt,
rechts unterhalb der Bildmitte sind mehrere Pilger
mit gebogenen und gewundenen Hörnern zu erkennen.
via Wikimedia Commons (PD)

Zur Bedeutung des Olifanten

Minaturen aus einer St. Galler Handschrift des Stricker um 1300.


St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 302, f. II_3v – Rudolf von Ems, Weltchronik. Der Stricker, Karl der Grosse.
Karl der Grosse erhält Schwert und Horn von einem Engel überreicht und verleiht beide dann an Roland.
http://www.e-codices.unifr.ch/de/sendPage/vad-0302_214_003v/II_3v
CC BY NC 4.0

St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 302, f. II_50v – Rudolf von Ems, Weltchronik. Der Stricker, Karl der Grosse.
Roland mit dem Olifanten in der Schlacht von Roncesvalles
http://www.e-codices.unifr.ch/de/sendPage/vad-0302_214_050v/II_50v
CC BY NC 4.0

St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vadianische Sammlung, VadSlg Ms. 302, f. II_52v – Rudolf von Ems, Weltchronik. Der Stricker, Karl der Grosse.
Der Tod des Roland
http://www.e-codices.unifr.ch/de/sendPage/vad-0302_214_052v/II_52v
CC BY NC 4.0




grundlegende Literatur

  • L. Dieu, Olifants, cors et trompes dans les fouilles médiévales et la sculpture romane, Pages d'archéologie médiévale en Rhône-Alpes 5/6, 2003, 133–142.
  • P. Fojtík, Keramický cášský roh ze zaniklé středověké vsi na k. ú. Kralice na Hané, okr. Prostějov, střední Morava. (Ceramic Aachenhorn from a deserted medieval village in the cadastre of Kralice na Hane, Prostejov district, central Moravia), Arch. rozhl. 67, 2015, 287–298.
  • A. Haasis-Berner, Hörner aus Keramik - Wallfahrtsdevotionalien oder Signalhörner? Zeitschr. Arch. Mittelalter 22, 1994, 15–38.- Liste, Darstellung der volkskundlichen Belege
  • C. Homo-Lechner, Cors et trompettes en céramique: objets domestiques, instruments de pelerin, ex-votos, ERAUL 61, 1994, 207–217.
  • C. Homo-Lechner, Sons et instruments de musique au Moyen Age. Archéologie musicale dans l'Europe du VIIe au XIVe siècle, Collection des Hespérides (Paris 1996).
  • L. Jansen, Aachenpilger in Oberfranken. Zu einem bemerkenswerten Keramikfund des späten Mittelalters aus Bamberg, Arch. Korrbl. 25, 1995, 421–434.
  • L. Jansen, Pilgerhörner aus Bergheim: Zeugnis der Aachener Heiltumsfahrt, Geschichte in Bergheim 22, 2013, 40–70.
  • E. Kühnel, Die Sarazenischen Olifanthörner, Jahrb. Berliner Mus. 1, 1959, 33–50.
  • H. E. J. Le Patourel, Ceramic Horns, in: D. R. M. Gaimster – M. Redknap (Hrsg.), Everyday and Exotic Pottery from Europe. Studies in honour of John G. Hurst (Oxford 1992) 157–166.
  • G. Mangelsdorf, Das Aachhorn von Greifswald - ein Beitrag zur mittelalterlichen Devotionalienkunde, Jahrb. Bodendenkmalpfl. Mecklenburg-Vorpommern 39, 1991, 219–225.
  • J. I. Padilla Lapuente – M. K. Álvaro Rueda, El sonido de la guerra: las trompas de la fortaleza medieval de Ausa (Zaldibia, Gipuzkoa), Acta historica et archaeologica mediaevalia 30, 2010, 453–485.
  • H. Schiffers, Aachener Heiligtumsfahrt. Reliquien-Geschichte-Brauchtum (1937)
  • A. Shalem, The oliphant. Islamic objects in historical context, Islamic history and civilization. Studies and texts v. 54 (Leiden, Boston 2004)
  • A. Shalem – M. Glaser – A. Goldschmidt, Die Elfenbeinskulpturen (Berlin 2014)
  • D. Zoller, Der Fund von drei 'Aachenhörnern' bei Dringenburg, Gemeinde Wiefelstede, Ldkr. Ammerland, Arch. Mitt. Nordwestdeutschland 4, 1981, 73–74.


  • Weitere Literaturnachweise

    • G. Baccabére, Trompe d'appel, in: D. Baudis (Hrsg.), Archéologie et vie quotidienne aux XIIIe et XIVe siècles en Midi-Pyrénées. Musée des Augustins, 7 mars - 31 mai 1990 (Toulouse 1990) 251
      Bayer. Vorgeschbl. Beih. 16, 2004
    • G. Benker, Klanggeräte aus Ton, Bildführer d. Bayer. Nationalmus. 17 (München 1989)
    • Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 3 (Trierer Zeitschr., Beih. 14), 1993.
    • C. Bizer, Oberflächenfunde von Burgen der Schwäbischen Alb ein Beitrag zur Keramik- und Burgenforschung, Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 26 (Stuttgart 2006)
    • V. Boidard, Loisy. Une motte castrale de l'An mil : fouilles de Georges Berthoud et Georges Hurou, Bourgogne archéologique 19 ([Mâcon] 2002)
    • G. Démians d'Archimbaud, Rougiers : village médiéval de Provence; approches archéologiques d'une société rurale méditerranéenne (Lille 1980)
    • P. Dervieu, La poterie au moyen âge, Bulletin monumental 1909, 40–79
    • C Fabry, Die Ausgrabungen in der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin in Jöhlingen, Gem. Walzbachtal, Kr. Karlsruhe (Magisterarbeit Bonn 1990).
    • Fundber. Bad. Württ. 22, 1998
    • U. Gross, Mittelalterliche Keramik zwischen Neckarmündung und Schwäbischer Alb. Bemerkungen zur räumlichen Entwicklung und zeitlichen Gliederung, Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 12 (Stuttgart 1991)
    • U. Gross, Die Keramikfunde aus der Burg Wersau. Kraichgau. Beitrõge zur Landschafts- und Heimatforschung 15, 1997, 142 Taf. 3,32-33.
    • R. Guadagnin, Fosses, Vallee de l'Ysieux. Mille ans de production céramique en Îe-de-France: Volume 2: Catalogue typochronologique des productions, Publications du Centre de Recherches Archéologiques et Historiques (Turnhout 2007)
    • J. O. Guilhot – A. Richard (Hrsg.), Ex pots. Céramiques médiévales et modernes en Franche- Comté (Montbéliard 1995)
    • H. Hagn, Altbayerische Töpfer. Keramikfunde vom 15. bis 19. Jahrhundert. Ausstellung der Prähistorischen Staatssammlung München in ihren Zweigmuseen ; Erstpräsentation im Burgmuseum Grünwald, 28. März bis 30. November 1990, Ausstellungskat. Prähist. Staatssamml. 18 (München 1990)
    • J. G. Hurst – D. S. Neal – H. van Beuningen (Hrsg.), Pottery produced and traded in north-west Europe 1350-1650. Rotterdam Papers 6 (Rotterdam 1986)
    • R. J. Ivens, Medieval Pottery from the 1978 excavations at Temple Farm, Brill, Records of Buckinghamshire 24, 1982, 144–172
    • C. Jigan, Les instruments à vent en terre cuite du XVIII siècle trouvés au Mont Saint-Michel (Manche), Revue archéologique de l'Ouest 7, 1990, 131–136
    • J. J. Jully, Deux trompettes en terre cuite du Mont Ventoux, Ogam 15, 1961, 427–430
    • A. Kottmann – R. Schreg, Archäologie und Geschichte der Burg Spitzenberg (Gemeinde Kuchen, Kreis Göppingen). Resumée einer Altgrabung von 1913, Hohenstaufen/Helfenstein. Historisches Jahrbuch für den Kreis Göppingen 8, 1998, 9–54
    • C. Krauskopf – U. Knefelkamp (Hrsg.), … davon nur noch wenige rutera zu sehen seyn sollen. Archäologische Ausgrabungen in der Burgruine Schnellerts. Zugl.: Bamberg, Univ., Magisterarbeit, 1994, Kultur- und Lebensformen in Mittelalter und Neuzeit 1 (Bamberg 1995)
    • Lassure/Villeval 1990
    • D. Mouton (Hrsg.), La Moutte d'Allemagne-en-Provence. Un castrum précoce du moyen âge provençal, Bibliothèque d'archéologie méditerranéenne et africaine 19 (Arles 2015)
    • Neujahrsgruß 2007
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    Danksagung

    Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Esslingen: U. Gross  Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, München: R. Obst Université de Tours: Ph. Husi Stadtmuseum Ingolstadt: G. Riedel RGZM, Mainz / Mayen: A. Frey, M. Steinborn, L. Grunwald, St. Wenzel Kreisarchäologie Göppingen: R. Rademacher, M. Weidenbacher Universidad del Pais Vasco: J.A. Quirós Castillo, J. M. Tejado Sebastián Eberhard-Karls-Universität Tübingen: S. Hirbodian Universität Wien: S. Eichert K. Kühtreiber (Wien) B. & B. Rödig (Hohenwart) den Mitgliedern der facebook-Gruppen ‚Mittelalter selbstgemacht“ und ‚Mittelalter‘ 
     
    Korrekturvermerk
    18.6.2021: Download-Link korrigiert, Version Abb. Fundart ausgetauscht (wg. falscher Farbdarstellung)