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Mittwoch, 19. Februar 2025

Ein soziologisch-zeithistorischer Blick auf Migration

entlarvt die aktuelle Debatte über harte Maßnahmen gegen Migration als Populismus und obendrein kontraproduktiv:

Sonntag, 16. Januar 2022

Als es zwei Grad kälter wurde

Ein Radiofeature des BR:

  • https://www.br.de/mediathek/podcast/radiofeature/als-es-zwei-grad-kaelter-wurde-was-die-kleine-eiszeit-ueber-den-klimawandel-heute-verraet/1846526


mit guten Gegenwartsbezügen

Mittwoch, 26. Mai 2021

Möglicherweise ist der Kot sprichwörtlich Gold - Zur Rekonstruktion der Mund- und Darmflora aus archäologischen Funden

Die Lebenserwartung ist in den letzten 150 Jahren massiv gestiegen, jedenfalls in der westlichen Welt. Das hat aber nicht etwa damit zu tun, dass wir heute gesund leben, sondern vor allem mit einer besseren medizinischen Versorgung. Wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen es, Erreger zu identifizieren und Strategien der Vorsorge, der Impfung,  der Behandlung oder gar Heilung zu entwickeln. Damit sind einerseits einige üble Krankheiten überwunden, aber die rasante kulturelle Entwicklung führte auch zu neuen Gesundheitsrisiken, etwa durch mangelnde Bewegung oder unangemessene Ernährung. Moderne Untersuchungen zeigen, dass sich nicht nur die Umwelt verändert hat, sondern auch der Mensch, einmal genetisch durch besondere Adaptionen an seine Umwelt, aber auch im Zusammenspiel mit seinem Mikrobiom, also all den Bakterien und Pilzen, die ihrerseits den Menschen besiedeln und für Gesundheit und Krankheit oft ausschlaggebend sind. Wie sich nun zeigt, haben sich Mund- und Darmflora im Lauf der Zeit verändert - und lassen so Rückschlüsse auf die Ko-Evolution von Mensch und Bakterien zulassen.

Aktuell sind zwei bzw. drei Studien erschienen, die sich mit der Mund- und Darmflora des Menschen befassen und dazu auch Daten aus archäologischen  Fundstellen nutzen. 


Zahnstein gibt Einblicke in Mundflora

Eine der Studien (Fellows, Yates u.a. 2021) hat den Zahnstein von 124 Individuen (neben Menschen auch Schimpansen und Gorillas) ausgewertet, darunter auch fossile Proben aus archäologischen Ausgrabungen. Im Zahnstein fossiler Zähne hat sich die DNA von Bakterien erhalten, die in unserem Mund leben. Bekannt sind hier am ehesten diejenigen, die uns weh tun, weil sie Karies und Parodontitis auslösen. Die sogenannte Mundflora ist darüber hinaus aber wesentlich für die Biologie, Gesundheit und Krankheit des Menschen, dennoch wissen wir über die globale Vielfalt, Variation oder Entwicklung dieser mikrobiellen Gemeinschaft sehr wenig.
In die Serie sind Proben von 44 archäologischen Fundstellen überwiegend des Jungpaläolithikums und des Mesolithikums eingeflossen. Einige der Funde wurden schon vor Jahrzehnten gemacht und konnten in den Museumsarchiven beprobt werden.
 
Im Kern geht das Mikrobiom unseres Mundes fast 40 Mio Jahre zurück, denn es findet sich auch bei Brüllaffen. Analysen aus der Pešturina-Höhle in Serbien stellen derzeit das älteste nachgewiesene Mikrobiom dar. Es lässt sich dem Neandertaler zuweisen.
Spannend dürfte es sein, mit solchen Analysen auch historische Proben zu erfassen, um nachzuvollziehen, ob und wie etwa der "Great Exchange" nach der Entdeckung Amerikas uns alle ganz unmittelbar betroffen hat. Welche Auswirkungen haben veränderte Ernährungs- und Lebensweisen etwa im Zuge der Neolithisierung, der Romanisierung großer Teile Europas oder auch die veränderten Wirtschaftsstrukturen infolge der Krise des 14. Jahrhunderts?

 

Archäologische Kotproben enthalten die DNA der Darmflora

Das gilt in ähnlicher Weise für die Entwicklung der Darmflora, wobei die entscheidenden Proben hier aus Koprolithen stammen.  Sie ermöglichen die direkte Untersuchung alter Darmflora, doch ergeben sich hier Beschränkungen in den weiteren Auswertungsmöglichkeiten. Diese haben schwierigere Überlieferungsbedingungen als der Zahnschmelz an Zähnen. Hier benötigt es ungestörte Schichten in trockenem Milieu, die über Jahrtausende ungestört blieben. So sind es hier Proben von lediglich drei Fundstellen, die analysiert werden konnten (Wibowo u. a. 2021). Zwei liegen im amerikanischen Südwesten und datieren in das 1. bzw. 6. Jahrhundert n.Chr., eine weitere liegt in Nord-Mexiko und datiert ca. 660–1430. Die Grabungen, aus denen die Proben stammen liegen Jahrzehnte zurück. Im Falle der Arid West Cave handelt es sich um Altfunde, die seit mindestens 1931 im Robert S. Peabody Institute of Archaeology, Andover, Massachusetts aufbewahrt werden. Die Beschriftung erlaubt eine Zuweisung zur Höhle, doch gibt es keine weitere Dokumentation mehr. Wahrscheinlich stammen die Proben von einer Grabungsexpedition der 1920er Jahre. Die Grabungen in der Cueva de los Muertos Chiquitos bei Zape in Mexiko wurden bereits in den 1950er Jahren durchgeführt, doch dienten die damaligen Funde der Koprolithen aufgrund ihrer guten Erhaltung als Grundlage für methodische Grundlagenstudien zur Erforschung von Koprolithen.

Es gelang in den Kotproben mit einem Screening bakterielle DNA zu identifizieren, die der Darmflora zugewiesen werden kann. Fast 500 mikrobielle Genome konnten rekonstruiert werden. Von den 181 Genomen mit den stärksten Hinweisen darauf, dass sie tatsächlich alt sind und aus dem menschlichen Darm stammen, repräsentieren 39% zuvor unbeschriebene Arten.

Die Arbeit von Marsha Wibowo et al 2021 wurde von Olm/ Sonneburg aufgegriffen. Heutige indigene Bevölkerungsgruppen, die einen traditionellen Lebensstil haben, zeigen ähnliche Mikrobiomzusammensetzungen wie in den alten Proben. Rezente Proben aus industrialisierten Gesellschaften haben eine andere Zusammensetzung der Darmflora. 40% der in den alten Proben nachgewiesenen alten Darmflora findet sich in modernen Kotproben nicht. Auch hier stellt sich die Frage, welche Faktoren hier eine Rolle spielten, ob die Wirtschaftsweise und Ernährung einen besonderen Einfluß haben. Auch hier sollten historische Perioden stärker in den Blick genommen werden, da hier in der Regel eine genauere kulturelle und soziale Kontextualisierung möglich scheint, wenngleich nur ein recht kurzer, vielleicht aber auch entscheidender Ausschnitt der langfristigen Evolution erfasst werden kann.

 

Archäologische Perspektiven

Dass Zähne wertvolle Datenarchive sind, ist den meisten Archäolog*innen seit langem bekannt. Prinzipiell weiß man das auch in Bezug auf Koprolithen. Immer wieder gab es Studien, die deren Potenzial aufzeigen. In Mitteleuropa freilich sind die Erhaltungsbedingungen nur selten optimal, so dass entsprechende Studien hier etwas exotisch sind. Im Amerikanischen Südwesten, wo nun auch die meisten Proben für die Arbeit von Wibowo et al. 2021 stammen, sind sie schon lange eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion der Ernährung (z.B. Bryant 1974). Dennoch beklagte man noch vor wenigen Jahren, dass Koprolithen zu wenig Aufmerksamkeit fänden (Reinhard/Bryant 2008). In Deutschland sind entsprechende Untersuchungen noch etwas exotisch. Selbst im Bereich der Feuchtbodenarchäologie, deren beschönigend so genannten "Kulturschichten" zu nicht unerheblichem Teil aus tierischen und menschlichen Fäkalien bestehen, liegen keine umfassenden Studien vor (vgl. Le Bailly u.a. 2016). Das gilt entsprechend auch für mittelalterliche Latrinen, obwohl es hier schon einzelne aufsehenerregende Untersuchungen gab (z.B. Flammer u.a. 2018). Ein großer Koprolith von fast 20 cm Länge ist im Jorvik Viking Centre in York ausgestellt (Jones 1983). Koprolithen eröffnen ein breites Spektrum an Methoden und Fragestellungen, die nicht nur per Archäogenetik auf die Darmflora zielen, sondern mit klassischen mikroskopischen Analysen auch Parasiten und Ernährungsgewohnheiten rekonstruieren lassen (vgl. Blong/Shillito 2021).

 

Koprolith aus York, Pavement (Lloyd's Bank)
(Jorvik Viking Centre, Foto: Linda Spashett Storye book
[CC BY 2.5] via WikimediaCommons)

Aktuell sind einige Aufsätze publiziert worden, die Methoden und Potentiale der Koprolithenforschung zeigen (Shillito u. a. 2020; Blong/Shillito 2021).


Kommerzielle Perspektiven

In einem journalistischen Bericht (Curry 2021) zur Publikation von Wibowo et al. 2021 findet sich noch ein bemerkenswerter Hinweis. Die Studie sei wichtig, weil sie zeige, dass wir in jüngerer Zeit Teile unserer Darmflora verloren haben, möglicherweise aufgrund des Einsatzes von Antibiotika. Da könnte es in der Zukunft wichtig sein, die Zusammensetzung der Darm- (und Mund-)Flora zu kennen - und, so zitiert der Bericht den Genetiker Keolu Fox - "Erkenntnisse aus alten Fäkalien können eines Tages die Grundlage kommerzieller Bemühungen sein, das menschliche Mikrobiom anzupassen (Insights into the ancient gut could someday inform commercial efforts to reshape modern microbiomes)".  "Möglicherweise ist der Kot sprichwörtlich Gold (Maybe that poop is literally gold)".

Während in den USA im Umgang mit menschlichen Überresten ethisch und legal hohe Standards gelten, gilt dies natürlich nicht für die menschlichen Fäkalien. deshalb gab es bisher auch keine ethischen Bedenken im Umgang mit Koprolithen. Angehörige der regionalen Stämme sehen sie aber als Verbindung zu ihren Ahnen und waren verärgert, dass sie zuvor nicht konsultiert worden sind (Curry 2021). Die Publikation von Wibowo enthält daher ein Ethik-Statement (Wibowo u.a. 2021) - vor allem aber wird die Frage auf die Forschung zukommen, wer im Falle einer kommerziellen Verwertung der Ergebnisse daran verdient, ob und inwieweit die Daten nicht den indigenen Gruppen gehören.


Literaturhinweise

  • Blong/Shillito 2021
    J. C. Blong/L.-M. Shillito, Coprolite research. Archaeological and paleoenvironmental potentials. Arch. Anthropol. Sciences 13, 1, 2021, 5999.
  • Bryant 1974
    V. M. Bryant, Prehistoric Diet in Southwest Texas. The Coprolite Evidence. American Antiquity 39, 3, 1974, 407–420. - doi:10.2307/279430
  • Curry 2021
    A. Curry, Piles of ancient poop reveal ‘extinction event’ in human gut bacteria. Science 2021. - doi:10.1126/science.abj4390
  • Fellows Yates u. a. 2021
    J. A. Fellows Yates/I. M. Velsko/F. Aron u. a., The evolution and changing ecology of the African hominid oral microbiome. Proc Natl Acad Sci USA 118, 20, 2021. - doi:10.1073/pnas.2021655118
  • Flammer u. a. 2018
    P. G. Flammer/S. Dellicour/S. G. Preston u. a., Molecular archaeoparasitology identifies cultural changes in the Medieval Hanseatic trading centre of Lübeck. Proceedings of the Royal Society B 285, 1888, 2018. - doi:10.1098/rspb.2018.0991
  • Jones 1983
    A. Jones, A coprolite from 6 – 8 Pavement. In: A. R. Hall/H. K. Kenward/D. Williams u. a. (Hrsg.), Environmental evidence from roman deposits in Skeldergate. The past environment of York 4 (York 1983) 225–229.
  • Le Bailly u. a. 2016
    M. Le Bailly/U. Leuzinger/H. Schlichtherle, "Kulturschichten". In: H. Schlichtherle/ M. Heumüller/ F. Haack u. a. (Hrsg.), 4.000 Jahre Pfahlbauten (Ostfildern 2016) 146–149.
  • Olm/Sonnenburg 2021
    M. R. Olm /J. L. Sonnenburg, Ancient human faeces reveal gut microbes of the past. Nature 336, 2021, 1268. - doi:10.1038/d41586-021-01266-7
  • Pucu u. a. 2020
    E. Pucu/J. Russ/ K. Reinhard, Diet analysis reveals pre-historic meals among the Loma San Gabriel at La Cueva de Los Muertos Chiquitos, Rio Zape, Mexico (600–800 CE). Arch. Anthropol. Sciences 12, 1, 2020, 14. - doi:10.1007/s12520-019-00950-0
  • Reinhard/Bryant 2008
    K. J. Reinhard/ V. M. Bryant, Pathoecology and the Future of Coprolite Studies in Pathoecology and the Future of Coprolite Studies in Bioarchaeology. In: A.L.W. Stodder (Hrsg.), Papers in Natural Resources Tempe (2008) 205–224. 
  • Shillito u. a. 2020
    L.-M. Shillito/J. C. Blong/E. J. Green u. a., The what, how and why of archaeological coprolite analysis. Earth-Science Reviews 207, 5, 2020, 103196.
  • Wibowo u. a. 2021
    M. C. Wibowo/ Z. Yang/M. Borry u. a., Reconstruction of ancient microbial genomes from the human gut. Nature 2021. - doi: 10.1038/s41586-021-03532-0

Link


Donnerstag, 20. September 2018

Archäonik - hä, was ist denn das?

Zugegebenermaßen haben wir den Begriff selbst erfunden...
Ein neu erschienener Artikel erklärt das aber genauer:
Es geht um die konkrete Anwendung archäologischer Erkenntnisse für die Entwicklung von Zukunftsstrategien. Wer schon länger Archaeologik liest, erinnert sich vielleicht an eine Serie von Blogposts:
Schon zuvor hatte ich mit Markus Dotterweich am Beispiel der Terra Preta do Indios überlegt, wie solch ein Lernen aus der Vergangenheit praktisch aussehen könnte und wie man dies in eine Forschungsstrategie umsetzen könnte. Wir konnten das damals nicht angemessen publizieren, aber Tagungsbeiträge und nicht zuletzt die Blogposts hier haben Kollegen auf den Plan gerufen und uns eingeladen - unter anderem zu einem Beitrag für die Zeitschrift Quaternary International. Dort ist der Artikel jetzt nach einem peer review erschienen.
Leider ist die Zeitschrift nicht im OpenAccess und darüber hinaus auch noch beim Verlag Elsevier, der derzeit die Speerspitze der Verlagslobby gegen vernünftig zugängliche Wissenschaftspublikationen darstellt. Viele Bibliotheken, darunter auch die Universität Bamberg boykottieren den Verlag daher mit guten Gründen (HRK-Erklärung). 

Der Artikel ist angelegt als ein "review paper", das das Potential  (geo)archäologischer Daten zu vergangenen Humanökosystemen im Hinblick auf deren Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Land- und Bodennutzungsstrategien untersucht. Die Betrachtung von Landnutzungssystemen der Vergangenheit erweitert unser Verständnis der langfristigen Prozesse und Jahrtausendereignisse, die letztlich darüber entscheiden, ob Systeme nachhaltig und langfristig sind, oder schnell kollabieren - eine Frage auch der Resilienz.  Beispielhaft konzentriert sich der Artikel auf die anthropogenen Schwarzerdeböden (Anthropogenic Dark Earths, ADE). Diese außerordentlich fruchtbaren Böden kennt man aus verschiedenen Weltregionen, vor allem aber aus dem Amazonas-Gebiet. Sie entstanden unbewusst durch Abfallakumulation als Kulturschichten oder wurden bewusst geschaffen. 
Wir plädieren dafür, Landnutzungen der Vergangenheit in einem inter- bzw. transdisziplinären Forschungsdesign zu untersuchen und problemorientiert zu untersuchen, welche Möglichkeiten diese heute bieten. Der Ansatz der Archäonik basiert auf einer Ökosystem-Perspektive. Da die (geo)archäologischen Daten  zu vergangenen Landnutzungssystemen immer lückenhaft sind, spielen Analogien, Modellierungen und Experimente eine wichtige Rolle für die Beurteilung der Nachhaltigkeit. Für qualitätvolle Ergebnisse müssen wir möglichst nahe an die vergangene Realität kommen und diese verstehen, sie ist aber letztlich nicht Ziel der Forschungen. Diese liegen in Gegenwart und Zukunft.

Mittwoch, 1. August 2018

Zwei Extremsommer: 2018 n. Chr. und 5106/5105 v. Chr. - Was können wir aus den Erfahrungen vor 7000 Jahren lernen?

von Detlef Gronenborn und Hans-Christoph Strien

Nicht nur, dass sich täglich, ja stündlich die Nachrichten mit immer weiteren Meldungen über die teils bereits verheerenden Auswirkungen der diesjährigen extremen Temperaturen und die ebenfalls verheerenden Auswirkungen der lang andauernden Trockenheit überschlagen, wir spüren die Auswirkungen auch tagtäglich selbst in unserem Alltagsleben. Die Wohnungen sind aufgeheizt, die Büros stickig, in Werkhallen ohne ausreichende Kühlung ist es kaum auszuhalten. Gärten und Parks sind verdorrt, Bäche werden zu Rinnsalen und die Flüsse sinken soweit, dass die Lastkähne ihre Fracht reduzieren müssen, um nicht auf Grund zu laufen.

Temperaturabweichung vom Tagesmittelwert (Beobachtungsphase 1979-2000) vom 1. August 2018.
(Bild- und Datenquelle: Climate Reanalyzer, Climate Change Institute, University of Maine [https://climatereanalyzer.org])


Mittlerweile meldeten sich die Bauernverbände zu Wort, denn der mangelnde Niederschlag führt zu teils massiven Ernteeinbußen, die Bundesregierung muss helfen, die Beratungen laufen. Noch, so scheint es, ist aber die Lebensmittelversorgung gesichert, einstweilen.

Erkenntnisse aus der Vergangenheit

Der letzte Punkt regt an, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, denn Extremsommer sind in Mitteleuropa zwar selten, aber auch schon lange vor den globalen Auswirkungen der durch den Menschen verursachten Erwärmung, immer wieder vorgekommen.
Über die Extremsommer aus den schriftlich dokumentierten Perioden, also in Mitteleuropa im Wesentlichen die Zeit ab dem hohen Mittelalter, sind wir einigermaßen gut unterrichtet. Sie finden sich in zahlreichen Dokumenten wie Kirchenbüchern oder Chroniken (Pfister 1999; Glaser 2008).
Auswahl relevanter Klimaproxydaten für das südliche Mitteleuropa und die archäologische Chronologie (Gronenborn/Terberger 2014, dort auch die weitere Literatur).
Um 8500 v. Chr. stiegt die Temperatur über das Mittel des 20. Jhs. und sank nach 3500 v. Chr. wieder darunter. Diese Periode ist das holozäne Klimaoptimum mit weitgehend wärmeren Temperaturen als im 20. Jhd. und auch höhren Baumgrenzen in den Alpen. Das Klimaereignis 5.1 (5100 v. Chr.) wird genauer besprochen. JPL – Jungpaläolthikum, FML – Frühmesolithikum, SML – Spätmesolithikum, ANL – Altneolithikum, MNL, Mittelneolithikum, JNL, Jungneolithikum, SNL, Spätneolithikum, ENL, Endneolithikum, BZ – Bronzezeit, EZ – Eisenzeit, RKZ – Römische Kaiserzeit, MA – Mittelalter, NZ – Neuzeit, PBO- Präboreale Oszillation, EHE – Early Holocene Event.
Schwieriger wird es für die Jahrtausende davor, obwohl es gerade in diesen Zeiten durchaus häufiger Extreme gegeben haben dürfte, denn die erste Hälfte des Holozän, die Periode nach der letzten Eiszeit, war durch starke Schwankungen gekennzeichnet, weil der Rückzug der Gletscher immer wieder die Intensität des Golfstromes beeinflusste, die erst etwa nach 6000 v. Chr. abklangen (Teller u. a. 2004). Möglicherweise beeinflusst von Schwankungen in der Sonnenintensität aber auch der Erwärmung, kam es zu fast zyklischen und offensichtlich massiven Abtauereignissen des Eissschildes, die wiederum Süßwasser in den Nordatlantik brachten, was den Golfstrom erheblich beeinträchtige. Man nennt sie die ice-rafting-events (IRD-Ereignisse) (Bond u. a. 2001; Wassenburg u. a. 2016). Das gravierendste dieser Ereignisse ist das sogenannt 6.2-Ereignis (um 6200 v. Chr.), das für mehrere hundert Jahre eine deutliche Abkühlung mit sich brachte (Prasad u. a. 2009). Allerdings sind die Auswirkungen dieses Ereignisses auf die frühen Sammler-Jäger-Gemeinschaften und die ersten Bauern im Nahen Osten umstritten (Flohr u. a. 2016; Gronenborn 2017).

Besser sind wir aber über eine etwas spätere Schwankung und ihre Auswirkung unterrichtet. Sie fällt in eine archäologisch hervorragend aufgearbeitet Periode, in der wir auch mit besonders fein aufgelösten archäologischen Zeitreihen arbeiten können, die sich gut mit den Daten der Klimaforschung abgleichen lassen:
Um 5200 v. Chr. geht wiederum ein IRD-Ereignis zu Ende, was in Mitteleuropa von einer zunehmenden Trockenheit begleitet wird. Zu dieser Zeit haben sich im gesamten südlichen und gemäßigten Europa bäuerliche Kulturen aus dem Nahen Osten stammend (link zu Migration$), ausgebreitet. In Mitteleuropa ist es die nach ihrer Keramikverzierung sogenannte bandkeramische Kultur. Grundlage war eine auf Getreideanbau und Viehzucht beruhende Landwirtschaft. Man lebte in Weilern und Dörfern verstreut auf den besten, für die Landwirtschaft geeigneten Böden (Gronenborn/Sirocko 2009; Gronenborn/Strien 2014). Es waren Gesellschaften, die unter anderem in Verwandtschaftsverbände organisiert waren. Solche sozialen Informationen wurden durch Motive auf der Keramik symbolisiert (LBK-Topf), und zwar so genau, dass wir heute Unterschiede und Entwicklungen im Motivschatz nachvollziehen können (Strien 2000). So lässt sich bei einem Fallbeispiel aus Württemberg feststellen, dass auf eine eher homogene und wenig diverse Anfangsphase ein Anstieg der Diversität folgt, und gegen Ende der kulturellen Entwicklung wiederum eine deutliche Tendenz zur Homogenisierung der Verzierungen folgt. Diese Dynamik lässt sich, auch aufgrund ähnlicher Vorgänge in anderen, vergleichbaren Gesellschaften, als eine Veränderung der sozialen Diversität deuten: Waren die Gesellschaften Anfangs homogen organisiert, so kommt es im Verlaufe zu einem Aufblühen gesellschaftlicher Vielfalt, und schließlich wiederum zu einer Homogenisierung und stärkeren Kohäsion (Gronenborn u. a. 2014; Gronenborn u. a. 2017). Gesellschaften folgen also zunächst festen Ordnungsschemata und sozialen Regelwerken, diese brechen dann allerdings auf und führen zu einer Lockerung, was aber wiederum zu rigideren Regelwerken führt, die im ungünstigsten Fall für die Fortentwicklung hinderlich sind (sogenannte rigidity traps; van Dick u. a. 2008).
Keramikgefäss der späten Bandkeramischen Kultur aus Tiefenellern bei Bamberg.
Die bandartige Verzierung kodiert soziale Informationen
(Kopie aus der Sammlung der Römisch-Germanischen Zentralmuseums ,
Foto: Volker Iserhardt, RGZM).

Entwicklung der Moitivdiversität und der daraus abzulesenden sozialen Diversität in Württemberg. Gezeigt werden Klimadaten aus der Bunkerhöhle im Sauerland sowie vom steinzeitlichen Brunnen in Kückhoven im Rheinland
(verändert aus Gronenborn u. a. 2017, dort auch die weitere Literatur).

Beim Vergleich mit regionalen Klimadaten zeigt sich nun deutlich, dass die Homogenisierungstendenz durch eine bekannte deutliche Trockenperiode um 5106/5105 v. Chr. (Helle/Heinrich 2012) stark zunimmt. Offensichtlich hat dieser Extremsommer vor 7000 Jahren eine bereits bestehende gesellschaftliche Tendenz verstärkt. Die sicherlich für diese einfachen Bauern erheblichen Ernteeinbußen und vielleicht auch daraus resultierenden Hungersnöte führten zu einer zunehmenden Rigidität und auch zu einer Ausweitung bereits bestehender Konflikte (Gronenborn u. a. 2017). In Folge dessen lassen sich für die kommenden Jahrzehnte etliche Massengräber nachweisen, bei denen deutlich wird, dass sich die Dörfer und Weiler gegenseitig bekämpften und wohl auch ausrotteten (Meyer u. a. 2015).

Wenngleich sich die klimatischen Verhältnisse später wieder besserten, haben sich diese einfachen bäuerlichen Gesellschaften nie mehr erholt, um 4900 v. Chr. verschwand die Bandkeramische Kultur, ging teilweise in nachfolgenden Kulturen auf.

Was lässt sich von einfachen Bauern vor 7000 Jahren lernen?

Welche Schlüsse lassen sich nun aus diesen archäologischen Daten für uns heute ziehen? Es waren ja nur einfache Bauerngesellschaften mit einer simplen, steinzeitlichen Technologie. Und auch wenn wir deutliche Bevölkerungszuwachsraten feststellen können, waren die Gruppen immer noch klein, umfassten maximal wenige hundert Menschen.
Allerdings waren es Menschen wie wir, die sich in der genau der gleichen Weise verhielten. Die Extremsommer von 5106/5105 v. Chr. hatten eine gesellschaftliche Tendenz zu einer stärkeren Rigidität noch beschleunigt, wohl weil die Auswirkungen der damaligen Trockenheit erheblich waren. Für 2018 sind solche gravierenden Versorgungsprobleme bislang noch nicht zu erwarten, weil wir über unsere ausgebauten Verkehrswege mittlerweile global Ausgleich schaffen können, auch ist die Vorratshaltung um ein Vielfaches besser als vor 7000 Jahren. Einen Sommer sollten wir also, auch wenn die Auswirkungen noch nicht abgeschätzt werden können, verkraften können. Was aber, wenn 2019 ähnlich verläuft? Und 2020? Und wenn auch in anderen Ländern Ernten ausfallen?

Unschwer lässt sich erkennen, dass sich die bestehende globale Tendenz zu gesellschaftlicher Rigorosität (vergl. Archaeologik 9.11.2016 und Archaeologik 26.7.2018), zu mehr Gewalt und mehr Konflikten, auch für unsere heutige Zeit ein Problem darstellt, sie würde mithin deutlich verstärkt werden, nicht nur in armen und Schwellenländern, sondern auch bei uns. Das Verhaltensmuster der Bauern vor 7000 Jahren legt das bereits sehr nahe.

Traurige Erkenntnis…

Einen einzigen, allerdings sehr traurigen Unterschied gibt es: die Menschen vor 7000 Jahren hatten keinen Einfluss auf das Klimageschehen gehabt. Ihre Verhaltensmuster wurden von externen Faktoren beschleunigt. Heute ist das anders, der globale Klimawandel ist menschengemacht, so dass die klimatischen Einflüsse auf unsere zukünftige Entwicklung mittlerweile auch von uns selbst beeinflusst werden. Die gegenwärtigen und zukünftigen historischen Prozesse werden somit nicht mehr durch externe „natürliche“ Faktoren beschleunigt, sondern durch menschengemachte. Und so müssen wir uns vielleicht fragen: Ist das die wirkliche Errungenschaft der „Zivilisation“?

Literatur

  • Bond u. a. 2001
    G. Bond/B. Kromer/J. Beer u. a., Persistent solar influence on North Atlantic climate during the Holocene. Science 294, 2001, 2130–2136. - DOI: 10.1126/science.1065680
  • Flohr u. a. 2016
    P. Flohr/D. Fleitmann/R. Matthews u. a., Evidence of resilience to past climate change in Southwest Asia: Early farming communities and the 9.2 and 8.2 ka events. Special Issue: Mediterranean Holocene Climate, Environment and Human Societies 136, 2016, 23–39. - DOI: 10.1016/j.quascirev.2015.06.022
  • Glaser 2008
    R. Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen (Darmstadt 2008).
  • Gronenborn 2017
    D. Gronenborn, Migrations before the Neolithic? The Late Mesolithic blade-and-trapeze horizon in Central Europe and beyond. In: H. Meller/F. Daim/J. Krause u. a. (Hrsg.), Migration und Integration von der Urgeschichte bis zum Mittelalter. 9. Mitteldeutscher Archäologentag vom 20. bis 22. Oktober 2016 in Halle (Saale. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle Band 17 (Halle (Saale) 2017) 113–127.
  • Gronenborn u. a. 2017
    D. Gronenborn/H.-C. Strien/C. Lemmen, Population dynamics, social resilience strategies, and Adaptive Cycles in early farming societies of SW Central Europe. Quaternary International 446, 2017, 54–65. - DOI: 10.1016/j.qaint.2017.01.018
  • Gronenborn/Sirocko 2009
    D. Gronenborn/F. Sirocko, 5000 - 4400 BC. Linearbandkeramik, Hinkelstein und die Intensivierung der Waldweide. In: F. Sirocko (Hrsg.), Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert (Darmstadt 2009) 113–115.
  • Gronenborn/Strien 2014
    D. Gronenborn/H.-C. Strien, Linienbandkeramik und La Hoguette. In: D. Gronenborn/T. Terberger (Hrsg.), Vom Jäger und Sammler zum Bauern. Die Neolithische Revolution. Archäologie in Deutschland / Sonderheft 05 = Jg. 2014,1 (Darmstadt 2014) 30–38.
  • Gronenborn/Terberger 2014
    D. Gronenborn/T. Terberger (Hrsg.), Vom Jäger und Sammler zum Bauern. Die Neolithische Revolution. Archäologie in Deutschland / Sonderheft 05 = Jg. 2014,1 (Darmstadt 2014).
  • Helle/Heinrich 2012
    G. Helle/I. Heinrich, Baumjahresringe als chemisch-physikalischer Datenträger für Umwelt- und Klimainformationen der Vergangenheit. System Erde 2, 1, 2012. - DOI: 10.2312/GFZ.syserde.02.01.11
  • Kromer/Friedrich 2007
    B. Kromer/M. Friedrich, Jahrringchronologien und Radiokohlenstoff. Ein ideales Gespann in der Paläoklimaforschung. Geographische Rundschau 59, 4, 2007, 50–55.
  • Meyer u. a. 2015
    C. Meyer/C. Lohr/D. Gronenborn u. a., The massacre mass grave of Schöneck-Kilianstädten reveals new insights into collective violence in Early Neolithic Central Europe. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 112, 36, 2015, 11217–11222. - DOI:
  • Pfister 1999
    C. Pfister, Wetternachhersage. 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen (1496-1995) (Bern, Stuttgart, Wien 1999).
  • Prasad u. a. 2009
    S. Prasad/A. Witt/U. Kienel u. a., The 8.2 ka event: Evidence for seasonal differences and the rate of climate change in western Europe. Global and Planetary Change 67, 3-4, 2009, 218–226. - DOI: 10.1016/j.gloplacha.2009.03.011
  • Sirocko/Kromer/Wernli 2009
    F. Sirocko/B. Kromer/H. Wernli, Ursachen von Klimavariabilität in der Vergangenheit. In: F. Sirocko (Hrsg.), Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert (Darmstadt 2009) 53–59.
  • Strien 2000
    H.-C. Strien, Untersuchungen zur Bandkeramik in Württemberg. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 69 (Bonn 2000).
  • Teller/Leverington 2004
    J. T. Teller/D. W. Leverington, Glacial Lake Agassiz. GeoScienceWorld Bulletin 116, 5-6, 2004, 729–742. - DOI: 10.1130/B25316.1
  • Wassenburg u. a. 2016
    J. A. Wassenburg/S. Dietrich/J. Fietzke u. a., Reorganization of the North Atlantic Oscillation during Early Holocene deglaciation. Nature Geoscience 9, 8, 2016, 602–605. DOI: 10.1038/ngeo2767
  • van Dick u. a. 2008
    R. van Dick/D. van Knippenberg/S. Hägele u. a., Group diversity and group identification. The moderating role of diversity beliefs. Human Relations 61, 10, 2008, 1463–1492. - DOI: 10.1177/0018726708095711
  • Wernli/Pfahl 2009
    H. Wernli/S. Pfahl, Grundlagen des Klimas und extremer Wettersituationen. In: F. Sirocko (Hrsg.), Wetter, Klima, Menschheitsentwicklung. Von der Eiszeit bis ins 21. Jahrhundert (Darmstadt 2009) 44–52.

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Prof. Dr. Detlef Gronenborn
arbeitet am RGZM und lehrt an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seine Forschungsinteressen gelten den langfristigen Entwicklungen im europäischen Neolithikum sowie der historischen Archäologie in Afrika.

Dr. Hans-Christoph Strien
ist ausgewiesener Experte für die Linearbandkeramik, der insbesondere Keramikfunde für eine detaillierte Analyse der ersten bäuerlichen Gesellschaft nutzt. Derzeit forscht er an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Donnerstag, 26. Juli 2018

Steve Bannon, his aspirations for future politics, and the possible effects. - Insights into the dangers and benefits of cycle-based theories

Steve Bannon, 2017.
(By Gage Skidmore from Peoria, AZ, USA - Steve Bannon
[CC BY-SA 2.0,] via WikimediaCommons)
by Detlef Gronenborn
These days Steve Bannon, who does not need to be introduced here further, plans to set up a foundation with the aim to support – and tutor - right-wing, nationalistic conservative movements in Europe.

He plans and probably expects his “The Movement” to be influential, gaining confidence from the insight that "Right-wing populist nationalism is what will happen. That's what will govern."

So he was cited in al-Jazeera and other media. For this to understand it is necessary to look at Bannon’s intellectual background. His ideas and political maneuvering as editor, advisor and now messenger, are based on cycle-based historical theories, namely the Strauss-Howe generational or Fourth Turning theory. Focusing on North American (US) history in particular, the authors list a series of turnings or cycles, of which the current – or fourth in their listing – is a period of downturn and crisis which will inevitably lead to radical change and reordering. For Bannon – and others – this reordering came with Trump (comp. Archaeologik 9.11.2016) and apparently now also with the resurgence of the political right in Europe (comp. Archaeologik 8.7.2016). Bannon’s political standpoint and his application of cycle-based theories make those appear in an unfavorable light. Admittedly, most cycle-based theories, beginning with Greek antiquity, do see a downturn or collapse phase as an integral part of cycling. Also, components of these downturn, or collapse, or disintegrating phases of cycles are an increase in violence and an increase in nationalism or emphasis on dominant identities.

General template of a cycle
(modified from Turchin/Nefedov 2009; Gronenborn 2016; Gronenborn et al. 2017).

This has been shown for past state-level societies (e.g. Turchin/Nefedov 2009), and can be followed back to early farming societies (Gronenborn 2016; Gronenborn et al. 2017). These social processes may even be understood as more or less actively chosen resilience strategies. In fact, it can convincingly be argued that an increase in cohesion and within-group self-identification will have positive effects on group performance (Tajfel/Turner 1986; van Dick et al. 2008), albeit maybe of only short-term duration. Thus, as promising as identity emphasis appears for those who see their salvation in increasing rigidity and nationalistic identities, there are two facts, easily overlooked in this debate, which are equally part and parcel of cycle-based theories:
The turn form the 1920ies to the early 1930ies saw a continuously increasing rigidity in the German society, which ultimately led to the atrocities of the holocaust and WWII.: March of the “National Opposition” in Bad Harzburg, Germany, October 1931.
(Bundesarchiv, Bild 102-12407 [CC-BY-SA 3.0,] via WikimediaCommons)

The first is that the extent and the effects or these processes may be ameliorated by courageous and educated humanistic and democratic political maneuvering, given that the dynamics are well analyzed and understood. It needs to be clear that the amplitudes of cycles are by no means given, but on the contrary are actively formed and shaped by human agency. Historical cyclical processes are certainly not as deterministic as it is often claimed by the many academic adversaries. 

The second insight is, that tendencies to extreme nationalism and rigidity will most certainly result in what has been called a “rigidity trap”, with societies becoming internally as well as externally  aggressive and encapsulated, to the extent that a complete collapse is inevitable. Often, these rigidity processes undergo a land-slide effect which, as from a certain stage onwards, cannot be controlled any more (Scheffer 2009; 2016). Germany between 1933 and 1945 is a frightening, yet instructive example, but certainly not the only one. Thus, while Bannon’s and his companion’s “movement” may appear promising for some, if not soon many, the grave dangers may easily be learned, equally from a brief glimpse onto past cycles: The more radical the approach will be, the easier it will get out of control and the more drastic will be its effects, the classic boom-and-bust mechanism. This is apparent from long-term archaeological and historical data, beginning with early farming societies 7000 years ago (Meyer et al. 2015; Gronenborn et al. 2017), and reaching to the personal experience of the WWII generation (Albright 2018). 


Already the first cycle of the Central European simple farming societies ended with a decrease in
social diversity, accompanied by massacres like the one documented in the mass grave of
Kilianstädten, Hessia, Germany (Meyer et al. 2015; Gronenborn et al. 2017).
(by Detlef Gronenborn, 2006).

Thus are extreme nationalism, rigidity, and encapsulation never a solution to prevailing problems, but a short-term and certainly short-sighted pathway towards grave conditions and most certainly a prelude to the final stages of cycles. Given the current political tendencies in Europe, North America, and other parts of the globe, it is high time to consider the past human experience with the foreseeable effects of identity overemphasis, and to actively and swiftly search for countermeasures, before everything – once again – goes out of hand.

Long-term approach archaeology and other historic sciences provide the data and the analytical methods to understand these, albeit sometimes extremely unpleasant and dangerous, social mechanisms.

References

  • Albright 2018
    M. Albright, Fascism. A warning (London 2018).
  • van Dick et al. 2008
    R. van Dick/D. van Knippenberg/S. Hägele et al., Group diversity and group identification. The moderating role of diversity beliefs. Human Relations 61/10, 2008, 1463–1492.
  • Gronenborn 2016
    D. Gronenborn, Some thoughts on political differentiation in early to Young Neolithic societies in western central Europe. In: H. Meller/H.-P. Hahn/R. Jung u. a. (eds.), Arm und Reich - Zur Ressourcenverteilung in prähistorischen Gesellschaften. 8. Mitteldeutscher Archäologentag vom 22. bis 24. Oktober 2015 in Halle. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (2016) 61–76.
  • Gronenborn et al. 2017
    D. Gronenborn/H.-C. Strien/C. Lemmen, Population dynamics, social resilience strategies, and Adaptive Cycles in early farming societies of SW Central Europe. Quaternary International 446, 2017, 54–65.
  • Meyer et al. 2015
    C. Meyer/C. Lohr/D. Gronenborn u. a., The massacre mass grave of Schöneck-Kilianstädten reveals new insights into collective violence in Early Neolithic Central Europe. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 112, 36, 2015, 11217–11222.
  • Scheffer 2009
    M. Scheffer, Critical transitions in nature and society. Princeton studies in complexity (Princeton, NJ 2009).
  • Scheffer 2016
    M. Scheffer, Anticipating societal collapse. Hints from the Stone Age. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 113, 39, 2016, 10733–10735.
  • Strauss/Howe 1998
    W. Strauss/N. Howe, The fourth turning. An American prophecy (New York 1998).
  • Tajfel/Turner 1986
    H. Tajfel/J. C. Turner, The social identity theory of intergroup behavior. In: S. Worchel/W. G. Austin (eds.), Psychology of intergroup relations (Chicago 1986) 7–24.
  • Turchin/Nefedov 2009
    P. Turchin/S. A. Nefedov, Secular Cycles (Princeton 2009). 

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