POTUS Trump will in Washington einen monumentalen rund 76 Meter hohen „Triumphbogen“ errichten. Von einem "Triumph" ist die abstruse Außen- und Kriegspolitik des POTUS Don. Trump weit entfernt - aber statt eines Triumph Arch gibt es eben einen Trump Arch. Das Projekt des - jedenfalls laut Trump - größten und schönsten Bogens hat viel Spott und Kritik geerntet.
Der Monumentalbogen soll zum 250jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit westlich des Potomac River auf der Achse zwischen Lincoln Memorial und dem Arlington Friedhof errichtet werden.
Die Trump-Regierung versucht, den Bau massiv zu beschleunigen und setzt sich dabei über alle gesetzlichen Vorgaben und Zuständigkeiten hinweg. Die eigentlich erforderliche
Einbindung des US-Kongresses übergeht POTUS Trump und die von ihm mit Anhängern neu besetzte United States Commission of Fine
Arts hat das Projekt einstimmig gebilligt. Das Genehmigungsverfahren des National Park Service (NPS) wirft massive
Fragen auf. Trotz einer prognostizierten Bauzeit von zwei bis drei
Jahren versucht die Behörde aktuell, ein beschleunigtes Verfahren
durchzudrücken und die normalen Abläufe und Genehmigungen zu umgehen. Mit
einer sehr kurzer Frist von insgesamt 10 Tagen (nur noch bis 15. Juni
2026) gibt es ein öffentliches Anhörungsverfahren. Das Formular ist beim National Park Service zu erreichen. Eine eigentlich vorgeschriebene fundierte
Folgenabschätzung scheint zu unterbleiben, zumal unklar ist, wie das endgültige Konzept des Projektes aussehen wird. Wie der Koloss das historische
Landschaftsbild verändert, wurde nicht ausreichend simuliert, ebenso
wenig wurden die Auswirkungen einer nächtlichen Beleuchtung geprüft.
Vor allem fehlen die vorgeschriebenen Baugrunduntersuchungen, die sowohl die Statik wie auch die Archäologie betreffen.
Auf Staatsland des Bundes, das vom National Park Service (NPS) verwaltet
wird, gelten für ein solches Bauprojekt streng geregelte gesetzliche
Vorgaben. Selbst bei nachweislich gestörtem Untergrund entbindet das
Gesetz den Bauträger nicht von archäologischen Prüfungen. Da es sich um
Bundeseigentum handelt, greifen primär der National Historic
Preservation Act (NHPA) und der Archaeological Resources Protection Act
(ARPA). Ein gestörter Untergrund (wie die Aufschüttung durch das Army
Corps) ändert den Prozess nicht grundsätzlich, sondern beeinflusst
lediglich die Erwartungshaltung der Archäologen.
Der reguläre Prozess läuft in drei Phasen ab:
- Phase I (Identification / Erkundung):
Es muss eine historische Recherche und eine erste Bodenprüfung (oft
durch Testbohrungen oder Suchgräben) stattfinden. Selbst wenn die oberen
Schichten gestört sind, muss geprüft werden, ob darunter (im alten
Flussbett) originale Schichten existieren.
- Phase II (Evaluation / Bewertung): Werden Artefakte gefunden, wird geprüft, ob die Fundstelle für das National Register of Historic Places bedeutend genug ist.
- Phase III (Mitigation / Schadensbegrenzung): Kann die Fundstelle nicht umgangen werden, folgt eine vollständige, wissenschaftliche Notgrabung (Data Recovery), bevor gebaut werden darf.
- Die ARPA-Genehmigung: Für jede archäologische Grabung oder Bodenvorbereitung auf NPS-Land ist eine spezielle ARPA-Genehmigung erforderlich. Wer ohne diese gräbt oder archäologische Güter beschädigt, begeht eine Straftat.
Auch nach den
Guidelines for Archaeological Investigations in DC
lässt es eine im 20. Jahrhundert von Menschenhand aufgeschüttete
Deckschicht nicht zu, ohne eine Phase-I/IA-Untersuchung (Geoarchäologie
und GIS-Schnittanalysen) in die darunter liegende Paläolandschaft
einzugreifen.
Die Trump-Regierung versucht, direkt zu den geotechnischen Bohrungen überzugehen, ohne die Phase-I-Archäologie für Pre-contact-Ressourcen
ordnungsgemäß abgeschlossen oder die Stämme konsultiert zu haben.
Sollte AECOM bei den aktuellen Bohrungen im Juni 2026 auch nur ein
einziges indigenes Artefakt aus dem alten Flussschlamm an die Oberfläche
befördern, könnte dies das gesamte Projekt über Monate rechtlich
blockieren.
The Washington Post
berichtete, dass die Regierung ein halbes Dutzend etablierter
Denkmalschutzorganisationen – darunter den National Trust for Historic
Preservation und die Cultural Landscape Foundation (TCLF) – einfach aus
dem gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsprozess ausgeschlossen hat. Organisationen wie die TCLF haben bereits Klagen eingereicht. Sie
argumentieren, dass das Übergehen dieser Prüfungen illegal ist und ein
verheerendes Signal für den Schutz historischer Stätten im ganzen Land
sendet.
Die historische und archäologische Topographie von Washington DC
Die historische Topographie von Washington, D.C. basiert auf einem strengen, rationalen Barockkonzept, das bewusst Sichtachsen, demokratische Machtverteilung und strikte Höhenbegrenzungen miteinander verknüpft. 1791 wurde der Stadtplan von dem französischen Ingenieur Pierre Charles L’Enfant als Planstadt am Potomac River entworfen. Der Trump Arch sprengt die städtebaulichen Maßstäbe Washingtons in Bezug auf Höhe, Symbolik und Geometrie. Das Gelände selbst wurde in den 1920er Jahren mit ausgebaggertem Flusssediment aufgeschüttet und wurde zum Brückenkopf für die damals gebaute Arlington Memorial Bridge. Das Gelände liegt also außerhalb der ursprünglichen Stadtplanung, die immer wieder verändert und spätestens mit der Anlage des Arlington Gräberfelds 1864 in die politische Symbolandschaft einbezogen wurde. Mit komplexen archäologischen Strukturen der historischen Archäologie ist an der - statisch wohl nicht unproblematischen - Baustelle eher nicht zu rechnen. Wohl aber haben sich die Uferbereiche des Potomac als wichtige Fundlandschaft der präkolumbischen Zeit erwiesen. Das Risiko, bei den Fundamentarbeiten auf unentdeckte Pre-contact-Ressourcen zu stoßen, ist daher nicht zu vernachlässigen.
Pre-contact-Funde spielen eine massive rechtliche und politische Rolle, da sie sofort weitere Bundesgesetze aktivieren, die extrem streng ausgelegt werden. Sollten bei den Tiefbohrungen oder Erdarbeiten für das Fundament des Bogens menschliche Überreste, Grabbeigaben oder sakrale Gegenstände der amerikanischen Ureinwohner entdeckt werden, greift sofort der Native American Graves Protection and Repatriation Act (NAGPRA) mit einem sofortigen Baustopp. Das Gesetz schreibt vor, dass bei Funden die historisch dort ansässigen, staatlich anerkannten indigenen Stämme (wie die Piscataway Conoy Tribe oder die Pamunkey Indian Tribe) zwingend als gleichberechtigte Partner in den Section 106-Prozess eingebunden werden müssen.
Denkmalschützer sind ein wesentlicher Teil der Opposition gegen den Trump Arch. Erst im März haben Denkmalpfleger Trumps Monumentlballsaal am Weißen
Haus vorerst gestoppt (
Archaeologik 1.4.2026).
Sie rufen nun aktiv dazu auf, die Bedenken in der kurzfristigen Anhörung einzubringen. Sie möchten erreichen, dass zunächst das endgültige Projektdesign feststeht, damit die Prüfungen auch durchgeführt werden können. Die vollständige Dokumentation – inklusive der archäologischen Phase-Ia-Studie und aller Entscheidungsgrundlagen – müsse zumindest beratenden Organisationen und indigenen Stämmen transparent zugänglich sein. Zehn Tage Frist für die Anhörung seien für die Bewertung derart massiver Auswirkungen auf Dutzende historische Objekte unzureichend. Die Kommentierungsfrist müsse verlängert werden. Die Öffentlichkeit möge sich in diesem Sinne an der Anhörung beteiligen.
Links
Kunst-Kommission macht Weg für Trumps Triumphbogen frei. Spiegel (22.5.2026). - https://www.spiegel.de/ausland/usa-kommission-macht-weg-fuer-donald-trumps-triumphbogen-in-washington-d-c-frei-a-b1f0bdb0-ea7f-4b0d-a2d1-3a49f2ad1deaGrößer als das Pariser Vorbild – Trump will in Washington einen Triumphbogen bauen lassen. Welt 11.4.2026. - https://www.welt.de/vermischtes/article69d9f3470695c741e3c297aa/praesidiales-bauvorhaben-groesser-als-das-pariser-vorbild-trump-will-in-washington-einen-triumphbogen-bauen-lassen.html Trump’s arch gets overwhelmingly negative public feedback but appears poised to move forward. CNN 17.4.2026. - https://edition.cnn.com/2026/04/16/politics/trump-arch-feedback-commission Trump officials lay out aggressive timeline to build triumphal arch. The Washington Post 10.6.2026. - https://www.washingtonpost.com/politics/2026/06/10/trump-officials-lay-out-aggressive-timeline-build-triumphal-arch/ Zur Archäologie in Washington bietet der NPS eine Artikelserie online: https://www.nps.gov/articles/series.htm?id=D66CB41B-D9B4-3504-A62D536B320F70C8 Historic Landmarks: https://opendata.dc.gov/datasets/992ca2e2d4e04f08b46d03ee0dbe791a_24/explore?location=38.930723%2C-77.012026%2C12
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