Dienstag, 12. Januar 2021

Die Wächterin der ältesten Stadt Amerikas wird bedroht

Prof. Ruth Shady Solis, eine berühmte peruanische Archäologin erhält Morddrohungen, weil sie sich gegen die Besetzung des Weltkulturerbes von Caral rund 200 km südlich von Peru durch lokale Bauern wehrt.

Die exakten Hintergründe dieser Auseinandersetzung lassen sich den vorliegenden Berichten nicht entnehmen. Teile der als UNESCO-Weltkulturerbe ausgewiesenen archäologischen Zone wurden 2020 von drei Familien besetzt, die sie in Ackerland umbrachen.  "Überleben sei wichtiger als Kultur und Geschichte." zitiert sie ein Zeitungsartikel.  Allzu oft wurden archäologische Fundstellen den vorherigen Eignern entzogen.  BBC merkt an, dass das Land bei einer Agrarreform in den 1970er Jahren von Großgrundbesitzern an zugewanderte Tagelöhner verteilt wurde, die sich mit den archäologischen Fundstellen der Gegend nicht identifizieren konnten. Zwar sind die ersten Fundstellen schon Anfang des 20. Jahrhunderts von dem deutschen Archäologen Max Uhle entdeckt worden, aber der heutige Kenntnisstand ist den Entdeckungen  durch Ruth Shady Solis in den 1990er Jahren zu verdanken.

Die Auseinandersetzung ist jedenfalls soweit eskaliert, dass Prof. Ruth Shady Solis Todesdrohungen erhält, ebenso ihr Anwalt. Ihr Hund wurde bereits vergiftet. Die Situation ist so ernst, dass ihre Kollegen der Universidad Nacional Mayor de San Marcos im Dezember 2020  eine Petition gestartet haben, um Unterstützung und Aufmerksamkeit zu gewinnen:



Pyramide in Caral
(Foto:  AlisonRuthHughes [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)

Entlang des Tals des Rio Supe, das einer tektonischen Verwerfung folgt, konnten Ruth Shady Solis und ihr Team 18 Siedlungen feststellen. Die größte ist Caral, eine komplexe, sorgfältig geplante Stadtanlage mit pyramidenförmigen Bauten, großen Plätzen und Wohnquartieren mit insgesamt 65 Hektar und geschätzt ehedem 1000 Einwohnern. Das Wirtschaftsland verfügte über ein Bewässerungssystem und Terrassenanlagen an den Talhängen. Die Siedlungen waren eng mit der etwa 25 km entfernten Küste verbunden. Die Siedlungen von Caral gehören einer präkeramischen Kultur an, die um 2600 v.Chr. datiert wird. Caral gilt älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und wurde 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

  


Literatur

  • Kurella 2008
    D. Kurella, Kulturen und Bauwerke des alten Peru. Geschichte im Rucksack 505 (Stuttgart 2008).
  • Ruth Shady Solis u. a. 2001
    Ruth Shady Solis/Jonathan Haas/Winifred Creamer, Dating Caral, a Preceramic Site in the Supe Valley on the Central Coast of Peru. Science 292, 5517, 2001, 723–726.

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