Montag, 16. März 2026

Realsatire Weltkulturerbe in Baden-Württemberg

Die in Ravensburg ansässige 'Schwäbische' berichtet aktuell über das UNESCO-Welterbe Eiszeitkunst als einer Realsatire.


Der Unesco-Titel für die Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb war 2017 eine riesige Ehre, doch bereits fünf Jahre nach der Verleihung zeigten sich ernsthafte Schwächen im Konzept. Der einst zentrale Archäopark Vogelherd, getragen von der Gemeinde Niederstotzingen, wurde 2022 aus Geldnot geschlossen. Der Bau des Archäoparks Vogelherd war ein größeres Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Stadt Niederstotzingen die Bauherrin war. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf über 4 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt aus Zuschüssen vom Land Baden-Württemberg, Mitteln der Europäischen Union und einem Eigenanteil der Stadt Niederstotzingen von 900.000€.

Für Besucher, die sich vom Welterbe-Status angezogen fühlen, ist die Realität heute ernüchternd: An der Autobahn stehen große Hinweisschilder, vor Ort steht ein verrammeltes Museum, dessen einzige Perspektive es ist, dass es  als Kindergarten weiter genutzt werden kann. Anwohner beschreiben die Situation vor Ort mit Worten wie "Wüste" oder "Sauerei". Die eigentlichen Welterbe-Höhlen im Lonetal – darunter der Fundort des berühmten „Löwenmenschen“ – sind teils unzugänglich oder instabil. 

Zwar wurde inzwischen der Welterbefonds BW aufgelegt, mit dem das Land Baden-Württemberg Projekte an seinen Welterbestätten mit Millionenbeträgen fördert. Im Lonetal wurde spekuliert, ob Gelder stattdessen in die nun groß angelegte Kelten-Initiative des Landes geflossen seien, eine Vermutung, die das Land jedoch zurückwies. Eine dauerhafte Finanzierung lehnte die Landesregierung jedoch ab. Die Politik scheint zwar punktuelle Projekte zu finanzieren, doch für eine nachhaltige, laufende Unterstützung von Kulturstätten, die langfristig Strahlkraft entwickeln sollen, fehlt es oft am politischen Willen und an Haushaltsmitteln.

Leider ist der Status als Weltkulturerbe vielfach ein hohes Risiko, dass Authentizität und historisch-archäologischer Quellenwert eher verloren gehen oder gar zerstört werden. Am Ende läuft das möglicherweise dem gesellschaftlichen Auftrag der Archäologie - Bildungsarbeit und ein Bewusstsein für die Dimension der Zeit den Quellenwert historischer Überreste - sogar entgegen, weil es sozial zu wenig nachhaltig ist und am Ende den Eindruck von Geldverschwendung und Irrelevanz vermittelt.

Weißes (am Kreisel) und braunes Mammut als Wegweiser
(Foto: M. Decoster, 31.10.2020)


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