Donnerstag, 1. Januar 2026

Archaeologik 2025

Archaeologik ist inzwischen 15 Jahre alt (zum Gründungsdatum 2010/11 siehe Archaeologik 19.5.2020). Im Februar 2025 stand ich dem DFG-Projekt Infra Wiss Blogs als Interview-Partner zur Verfügung. Catharina Ochsner hat mich dabei darauf aufmerksam gemacht, dass Archaeologik mit seinen 15 Jahren inzwischen einer der am längsten laufenden deutschen Wissenschaftsblogs ist. 
 
Deutsche Blogs nach Startjahr und Status
(aus  C. Ochsner et al. , Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544, fig. 4).

 
 
2025 hat viele Wenden gesehen, leider selten zum besseren. Auf Archaeologik gab es keine Wende, wohl aber lassen sich verschiedene Trends feststellen. Zeit also für den üblichen Rückblick. 
 

  

Zahlen

Insgesamt ist die Zahl der Blogposts wegen zunehmender anderer Aufgaben  stark rückläufig. Erheblichen Anteil haben die wachsende Uni-Bürokratie und zahlreiche damit verbundene Begutachtungen. Dennoch ist 2025 für Archaeologik ein Rekordjahr. Mit rund 278.000 Seitenaufrufen im Jahr 2025 wurden die 155.000 Zugriffe des vergangenen Jahres bei Weitem übertroffen. 
2025: 278.100 Seitenaufrufe (Stand 29.12.2025)
2024: 155,195 Seitenaufrufe
2023: 125.211 Seitenaufrufe
2022: 121.723 Seitenaufrufe
2021: 139.726 Seitenaufrufe
2020: 134.220 Seitenaufrufe
2019: 102.204 Seitenaufrufe
2018: 129.260 Seitenaufrufe
2017: 193.417 Seitenaufrufe
2016: 221.789 Seitenaufrufe
  
In der Graphik von Google sieht das so aus:

 

Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger,
(Quelle: Blogger Statistik via GoogleAnalytics)

Betrachtet man die Blogger-Statistik der Zugriffe über die Zeit hinweg, so zeigt sich eine deutliche Zäsur am 13.2.2025. Nachdem seit 2022 die Zugriffszahlen monatlich bei knapp 10.000 lagen und einzelne Ausschläge nach oben mit einzelnen Crawlerzugriffen begründet scheinen, haben sich die Zahlen seither etwa verdoppelt. Ich kann nur Vermutungen anstellen, welcher Effekt dahinter steht.

Andere Blogs haben 2025 im Gegenteil einen plötzlichen Einbruch der Zugriffszahlen beobachtet, was mit der zunehmenden Bedeutung der KI in Webbrowsern und Suchmaschinen erklärt wird. KI-Antworten führen dazu, dass Nutzer*innen nicht mehr direkt auf die Webseiten zugreifen. 

Am 12.2.205 ging der Blogpost POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte online, in dem ich mich zur Geschichtspolitik von POTUS Don. Trump äußerte - über die (ausbleibenden) Reaktionen und mit ein paar wenigen Stichworten, warum Geschichte für Trump gefährlich ist. "Er braucht eine große nationale Geschichte, ohne die sein MAGA-Slogan „make America great again“ keinen Sinn ergibt. Bei einer historischen Betrachtung zeigt sich, das Trumps "restoring" nicht etwa historische Verhältnisse einer guten alten Zeit restauriert." Der ganze Post war keine lange Analyse, sondern ein kurzer Input in eine weitgehend ausgebliebene Diskussion, wie Trump mit Geistes- und Kulturwissenschaften umgeht. Ich habe diesen Link nicht mehr über TwiX, sondern über die neuen Kanäle OpenVibes - Mastodon und BlueSky geteilt, was dazu geführt hat, dass mir seitdem zahlreiche Trump-Skeptiker auf BlueSky folgen. Dieser Post blieb aber mit über 2500 Zugriffen der Spitzenreiter der Trump-Posts, alle anderen haben es nicht einmal in die Top 10 geschafft.

 
Archäologik hatte 2025 nur 62 Blogposts. 2024 waren es noch 85 - berücksichtigt man dabei den 2024er Adventskalender, blieb die Zahl der Posts jedoch etwa konstant. Im langen Trend jedoch hat sich die Zahl der Bloposts halbiert. Weggefallen sind vor allem die ganz kurzen Notizen, mit denen v.a. einzelne Inhalte kommentarlos verlinkt habe. Das wäre vermutlich nach wie vor sinnvoll und hat sich eher aus der Gewohnheit so ergeben..   

Die Zahl der Gastbeiträge lag mit nur 2 erneut sehr niedrig  (2025: 3, 2024 und 2023 je 2, 2021: 5; 2020: 15, 2019: 5). Jutta Zerres hat zwei Ausstellungsrezensionen beigesteuert.
Ich nehme weiterhin gerne Gastbeiträge an - allerdings verstehe ich es nicht als Aufgabe von Archaeologik Werbung für einzelne Veranstaltungen zu machen - oder Jobangebote zu verteilen. Solches nehme ich nur auf, wenn es Bezüge zu eigenem Forschungsengagement hat oder sich darin aktuelle Entwicklungen in den archäologischen Wissenschaften spiegeln. Mit entsprechenden Formulierungen/ kommentierenden Bemerkungen  besteht also durchaus die Chance, dass ich solche Beiträge annehme - als namentlich gekennzeichnete Gastbeiträge.
 
Archaeologik wird nun begleitet durch flankierende Socia-Media: 
  • facebook-Gruppe Archaeologik. Diese Gruppe will (und kann) kein allgemeines Diskussionsforum zur Archäologie sein, sondern soll Archäologie als Wissenschaft vermitteln, indem sie vorwiegend die Beiträge aus Archaeologik kommuniziert. Die Gruppe hat derzeit 2268 Mitglieder (gegenüber 2242 im Jahr 2024 und 2181 im Jahr 2023). Aufgenommen wird, wer anhand der Fragen echtes Interesse an den Inhalte zeigt. Es kann immer etwas dauern, bis ich die Anfrage annehme, da ich nur noch selten auf facebook aktiv bin.
  • Mastodon (@RSchreg.mastodon.social)
  •  bluesky (https://bsky.app/starter-pack/leizafriends.bsky.social/3lay7nrs5mp2o)
Die beiden letzteren Account bediene ich über OpenVibes, was ebenso wie bei facebook derzeit manuell geschehen muss. Hin und wieder geht mir ein Blogpost durch, der dann nicht zuverlässig weiter geteilt wird.

Rund 1360 Zugriffen über facebook (2024:1400, 2023: 2600) stehen allerdings 6700 (2024: 7500, 2023: 15.300) Views in der facebook-Gruppe gegenüber, d.h. nur ein Bruchteil der facebook-Follower klickt sich auch auf den Blog weiter. Hier ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
 
Die wichtigsten einzelnen Websites, von denen immer wieder Zugriffe auf Archaeologik kommen sind unverändert Archivalia, die Seite der DGUF (bzw. deren immer lesenswerter Newsletter) und auch Archäologie-online. In  der Wikipedia ist Archaeologik mehrfach als Quelle genannt, so dass auch von dort Zugriffe zu verzeichnen sind.
 

Themen 2025

Die zehn meist gelesenen Beiträge 20254 (mit Zahlen v. 29.12.2025) waren: 
  1. POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte. - Archaeologik 12.2.2025  - 2540 Seitenaufrufe
  2. R. Karl, Facharchäologische Argumente gegen die Metallsuche durch Laien - Anspruch und Realität. - Archaeologik 12.2.2025  - 1266 Seitenaufrufe
  3. Ein Räuber im Zauberwald - die Vernichtung einer Quelle zur Völkerwanderungszeit. Archaeologik 21.2.2014. - 1137  Seitenaufrufe
  4. Zeichnerische Dokumentation von Keramikfunden. Archaeologik 26.2.2017. - 1008 Seitenaufrufe.  
  5. J. Zerres, „Das nennt sich Fieldwork, ihr Schnarchzapfen“ – Der Rülzheimer „Barbarenschatz“ und die öffentliche Wahrnehmung von Denkmalpflege und Archäologen. Archaeologik 27.2.2014 - 911 Seitenaufrufe
  6. What have the Romans ever done for us? Uns glücklich gemacht! . - Archaeologik 4.3.2025. - 894 Seitenaufrufe
  7. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen. Archaeologik 14.12.2011. - 732 Seitenaufrufe 
  8. Wieder lieferbar: Keramik aus Südwestdeutschland . Archaeologik 10,5,2012. - 562 Seitenaufrufe  
  9. M. Steinborn, "Von der Rolle" - Über Frauendarstellungen und Mannsbilder in der Archäologie. - Archaeologik 23.11.2017 - 425 Seitenaufrufe
  10. Faltblatt Raubgräber. Archaeologik 24.7.2011. - 410 Seitenaufrufe 

 

Thema Kulturgutraub

Diese TopTen lässt erkennen, dass die Sondengängerthematik noch immer sehr nachgefragt wird und hier einige sehr alte Blogposts plötzlich wieder gelesen und offenbar auch verkinkt werden. Neue Beiträge zum Thema blieben 2025 jedoch verhältnismäßg selten - hier setzt eher ein Langeweileeffekt als eine Wende zum besseren ein. Tatsächlich gab es 2025 einige Fälle, die ich aber nicht mehr aufgegriffen habe. Nur als Beispiele:

Jeder einzelne Fall ist einer zu viel. Die vermeintlichen Entdeckungen zerstören meist sehr viel mehr Erkenntnismöglichkeiten, als dass sie Forschungsfortschritt bringen. Vermeintliche Sensationsfunde bleiben meist deshalb mysteriös, weil keine dokimentierten oder wenigstens verlässlich bezeugten Kontextbeobachtungen vorliegen. So lange Objekte auf Internetplattformen auftauchen, braucht sich - leider - kein Sondengänger zu wundern, wenn ihm erstmals Misstrauen entgegen gebracht wird.  

Auch die internationale Hehlerei hatte wieder einige Nachrichten. Genannt sei nur:

Zu einigen Nachrichten hatte ich mir vorgenommen, etwas zu posten, hatte dann aber leider keine Zeit. Untergegangen sind die neu aufgetauchten Objekte aus dem 1998 entdeckten mittelalterlichen Schatz aus Erfurt

Eine weitere Rückgabe geklauter Funde ist in Schwerin zu verzeichnen. Hier wurden vorgeschichtiche Kriegsverluste nach rund 80 Jahren zurück gegeben:
Zwei Meldungen haben es aber doch auf Archaeologik geschafft:
Nicht zum Zuge kamen Pläne zur Gesetzesänderung in Mecklenburg-Vorpommern, die auch eine Änderung des Schatzregals vorsehen. Aus einer Ordnungswidrigkeit soll ein Straftatbestand werden.
Auch der Prozess zum Manchinger Museumsraub hätte Thema auf Archaeologik sein sollen. Nach dem Raub des keltischen Münschatzes von Manching aus dem dortigen Museum 2022 sind vier Männer zu Gefängnisstrafen zwischen vier und elf Jahren verurteilt worden. Der Großteil des Schatzes fehlt weiterhin.
2025 gab es weitere Museumsraube, die nicht zum Archaeologikthema wurden. Der aufsehenserregendste war wohl der im Louvre. Dass Museumsraub populär als die Meisterschaft des Raubs betrachtet wird, zeigt ein Spieleset von Playmobil. Es enthält keinen Metalldetektor, dreht sich aber um eine Vervolgungsjagd im Gelände...

Ob hier schon auf den Louvre-Raub reagiert wurde, scheint fraglich. Auch die SOKO Stuttgart-Jubiläumsfolge dreht sich um einen Museumsraub. Im Landesmuseum Württemberg werden hier die württembergischen Kronjuwelen gestohlen. Der Manchinger Raub hat hier sicherlich mit dem Stromausfall Pate gestanden - mit den Kronjuwelen hatte das Drehbuch durch den Louvre-Fall wohl unverhofte Aktualität erhalten.

2025 ist Helmut Thoma verstorben. Leider hat man nichts davon gehört, ob seine geraubten Grabreliefs aus Palmyra schon verscherbelt wurden. Die Erben sollten sich ihrer Verantwortung stellen und den Fund an Syrien zurück geben
Nur noch zwei Blogposts widmeten sich nach dem Ende des Bürgerkriegs dem Kulturerbe in Syrien.

Es gibt einige weitere Themen, denen ich gerne für einen oder auch mehrere Blogpost genauer nachgegangen wäre. So waren der Gaza-Krieg und dessen Ausläufer kein Thema. Die Situation ist hier so komplex - und angesichts der Tausenden Toten und des Elends zurecht sehr emotional -, dass man sich hier keine schnellen Urteile erlauben kann. Deutlich ist aber, wie schon seit Jahrzehnten die israelische Archäologie immer wieder auch für politische Zwecke herhalten muss. Positive Gegenbeispiele können das nicht mehr aufwiegen. Der Umgang mit Wissenschaftler*innen aus Israel hat 2025 die EAA in einen tiefen Konflikt gestürzt.

Viele weitere Krisen mit Auswirkungen auf das kulturelle Erbe waren kein Thema auf Archaeologik. 

 

Politik lässt sich aus der Wissenschaft nicht ausklammern. Jede Aussage, die für sich beansprucht, von Bedeutung zu sein, trifft auch eine Aussage über unsere Gesellschaft - und hier gibt es immer mehr Menschen, die lieber Fakten ignorieren, sich von Populisten lenken lassen und in ihrem Unverständnis erst mal vermeintlich "kritisch" andere Meinungen (im Namen einer misverstandenen Meinungsfreiheit) bekämpfen als selbstkritisch ihr Weltbild zu hinterfragen. Seien es nun Aussagen über Rollenverhältnisse in der Vergangenheit, Forschungen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit, Problemen der in sich problematischen Ethnizität, Feststellungen über eingebildete nationale Traditionen - das alles wird rasch (negativ vereinnahmt)  als"woke" abgestempelt. Vorreiter sind die USA.

Thema Trump 

Donald Trump und die
geschlachteten Hunde und Katzen:
KI-generiertes Symbolbild
(Craiyon)
Er ist wieder da und man kommt an ihm nicht vorbei. POTUS Trump war schon in seiner ersten Amtszeit vielfach Thema auf Archaeologik - mit erfundener Geschichte, mit seinem Ansinnen gezielt iranisches Kulturgut zu zerstören und seinen Kürzungen im Denkmalschutz. Er hat auf Archaeologik längst sein eigenes Label.
Mit seinen Angriffen auf die Wissenschaft hat seine zweite Amtszeit aber eine neue Qualität. Erkenntnisse, die seinen Deals im Wege stehen werden diskreditiert und Wissenschaftler*innen bedroht. 

Es geht hier um gezielte Attacken, die nicht nur Umwelt- und Klimawissenschaften und die Medizin, sondern auch die Kulzturwissenschaften treffen.

 
via WikimediaCommons

Im zweiten Halbjahr ist es deutlich stiller geworden - ein erschreckender Gewöhnungseffekt. 

Ein Trump-Thema ist noch in Arbeit. Dabei geht es um seine Geschäfte und den Denkmalschutz in Serbien. Das wird aber ein 2026-Blogpost.

Thema Putin

Die Instrumentalisierung der Geschichte verbindet POTUS Trump mit seinem Amtsfreund Putin. Im Sommer 2024 hatte ich auf Archaeologik einen Blogpost zu Putins Propagandageschichtspark in Chesonesos. 2025 kam nur ein Post zu illegalen Grabungen auf der Krim hinzu. 

Das hat jedoch den Anstoß gegeben, dass die EAA einen TEA-Beitrag zur Ukraine angefragt hat. 

 mit dem Label.   

Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon länger Thema in Archaeologik (Label Klimawandel). Europas abgebrannte Fläche hat 2025 ein Rekordhoch erreicht (https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend). Das betrifft natürlich auch Kulturlandschaften mit ihren archäologischen Hinterlassenschaften. Im August waren daher die Waldbrände in Soanien ein Thema, da hier eine römische Bergbaulandschaft massiv betroffen wurde.
Geringe Niederschläge im letzten Winter verursachten im Frühjahr einen extrem niedrigen Wasserstand am Bodensee, was auch für die dortigen Feuchtbodensiedlungen durch Austrocknen und veränderten Wellenschlag ein Risiko bedeutet.

Eine unterm Strich wohl gute Nachricht gab es aus Mittelamerika, wenn auch zu beobachten bleibt, ob hier nicht wieder die kommerziellen Interessen die Oberhand gewinnen.. 

Archäologie der Moderne

Die Archäologie der Moderne hat in den vergangenen Jahren enorm an Fahrt aufgenommen. Auf Archaeologik war die Archäologie der Moderne ebenfalls mehrfach Thema.

Mannheim, Parkhaus N2 und Stadthaus N1
(Foto R. Schreg CC BY SA 4.0)
Für die Bau- und Kunstdenkmalpflege ist der Umgang mit Nachkriegsdenkmälern schon lange ein Thema und auch eine Vermittlungsaufgabe.

Der angeführte Mannheimer Fall mit einer Landtagsanfrage an das Ministerium offenbart eine ungenügende Reflektion und politische Vermittlung des Sinns, solche modernen Denkmäler unter Schutz zu stellen. Die Archäologie der Moderne sollte diese Fehler nicht wiederholen.

Klar müssen Fragestellungen und Ziele benannt  werden.

Inzwischen sind die ersten monographischen Fundpublikationen zu dem neuen Forschungsfeld erschienen, nachdem bisher vor allem Tagungsbände das Feld dominierten.

Ich nenne exemplarisch:

  • Attila Dézsi, Archäologie der Republik Freies Wendland. Zu einer kritischen Archäologie der Zeitgeschichte (Leiden 2025). - ISBN: 9789464280845
  • Torsten Dressler, Die Berliner Mauer - DDR-Grenzanlagen und Fluchttunnel im Spiegel archäologischer Dokumentationen und ihr Denkmalwert. Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 62 (Weißenhorn 2025)  - ISBN 978-3-87437-637-2
  • P. I. Schneider/ C. Röhl, Von Zäunen und Pfosten : ein Beitrag zur Archäologie Peenemündes als Sperrgebiet. Bamberger Schriften zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 8 (Bamberg2024). - doi: https://doi.org/10.20378/irb-93496

Es ist zu zeigen, dass die Archäologie in gut erforschten und mit reichen textlichen Quellen gesegneten Periode Erkenntnispotentiale hat. Sie entfaltet hier ein kritisches Potential, da ihre Quellen gängige Interpretationen hinterfragen hilft. Vielfach hat die Materialität der archäologischen Hinterlassenschaften auch einen primär didaktischen Wert. Angesichts des Wegsterbens der Zeitzeugen der NS-Diktatur wird Archäologie der Moderne zu politischer Bildungsarbeit. Egal, woher die Instrumentalisierung kommt, hat sich die Archäologie als Wissenschaft zu wehren.

Rezensionen & Reviews

Die Zahl der Rezensionen war auch schon mal größer. Einige Bücher und halbfertige Rezensionen stapeln sich auch noch. 
Der Vorsatz für 2025, wieder mehr Rezensionen einzustellen war also erfolgreich. Hinzu sind nämlich auch einige Blogposts zu zählen, die keine Bücher, sondern aktuelle Forschungen einem Review oder wenigstens einer Kommentierung unterzogen haben. Die Artikel schließen an einen weiteren an, der bereits Ende 2024 Thema auf Archaeologik war. 
Sie alle zeigen mit ihren - freundlich ausgedrückt - wissenschaftlich schwachen Argumentationen: Wissenschaftliche Redlichkeit, Methodenbewusstsein und -sicherheit sollten nicht nur bei den Fachleuten Thema sein, sondern Teil der Wissenschaftskommunikation. Kenntnis über historisches und archäologisches Arbeiten täte der Gesellschaft nicht nur in Bezug auf die Akzeptanz der Wissenschaften gut, sondern kann auch dazu beitragen, Fake, Meinung und echte Erkenntnisse besser einzuordnen. Archäologische und historische Methoden sind Teil einer modernen Medienkompetenz. Schwierig daran ist, dass auch fachintern eher von Grabungsmethoden und High-Tech anstatt von den geisteswissenschaftlichen Methoden der Interpretation die Rede ist.

 

Archäologische Wissenschaftskommunikation 

Viele der Themen führen immer wieder darauf zurück, dass die Vorstellungen von der Archäologie und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu vage sind - im Selbstverständnis des Fachs wie auch in der Außenkommunikation.

Die politische Instrumentalisierung der Vergangenheit uur Legitimierung von Krieg und ultrakonservativer, exklusiver und elitärer Weltbilder , egal ob von Trump, Putin, Orban oder Ben-Gvir widerspricht seriösen wissenschaftlichen Sussagen. 

Das eingangs genannte DFG-Projekt Infra Wiss Blogs hat inzwischen eine Analyse der deutschen Wissenschaftsblogs publiziert.
  • C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544. - doi: https://doi.org/10.1108/JD-02-2025-0053
  • zugehörige Blogliste:  C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, German Scholarly Blogs and Their Attributes [Data Set], Zenodo 2025. - doi: https://doi.org/10.5281/zenodo.14905628

Die meisten Blogs stammen aus den Kulturwissenschaften, was jedoch mit der Blogging-Plattform hypotheses zu tun hat, die diese Blogs besonders gut erschließt und fördert. Die Studie fokussierte mehr auf die technischen und formalen Aspekte der Blogger, weniger auf deren Rolle im wissenschaftlichen Diskurs und in der Wissenschaftskommunikation.

 

Ausblick

Der Jahresrückblick ist für Archaeologik jeweils eine wichtige Kontrolle, um darüber nachzudenken, ob das Blog seine Rolle noch erfüllt - und wo ggf. Optimierungen möglich sind. Im Großen und Ganzen hat sich das Konzept, das sich aus sich heraus entwickelt hat, bewährt. Über eine lange Zeit relativ hohe, stabile, eher wachsende Leserzahlen scxheinen mir ein gutes Zeichen. Wäre manchmal ein Mehr an Diskussion wünschenswert, so ist doch auch deutlich, dass der Wert vieler Posts nicht im kurzfristigen Hype liegt, sondern darin längerfristig Ideen zu fixieren, aber auch weiter zu entwickeln. In diesem Sinne könnten prinzipiell noch mehr Beobachtungen und Gedanken im Blog niedergelegt werden. Im Lauf der Zeit ergeben sich daraus neue Impulse, Themen zu vertiefen oder wieder aufzugreifen. Sie sind später vielfach wertvolle Vorarbeiten für Projektinitiativen.
Blogposts leben aber von der schnellen Formulierung. Aus laufenden größeren Projekten heraus scheinen sie mir weniger angemessen, denn da kommt es wesentlich mehr auf die Präzision und Stichhaltigkeit an, die besser auch die regulären Publikationswege beschreitet. Oft ist hier  auch ein ganzes Team am Werk, was dann gleich ein zusätzliches Abstimmen und Erarbeiten bedeutet. Viele Projekte machen sich diese Mühe - Ziel ist aber auch eher PR als Wissenschaftskommunikation.
 
Meine Vorsätze fürs kommende Jahr sind also das Abarbeiten älterer Ideen inklusive noch ausstehender Rezensionen, aber auch mehr Forschungsberichte bzw. Notizen aus Projektüberlegungen und Lehrveranstaltungen. Die Themen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit laufen indes primär über das Gemeinschaftsblog des Lehrstuhls, den AMANZnotizblog.

Es mangelte 2025 nicht an Themen, sondern an deren Umsetzung

So scheinen einige Themen, die mich aktuell beschäftigen bisher auf Archaeologik und auch auf dem AMANZnotizblog nicht oder kaum auf.  

Dazu gehören die Forschungen zur fluvialen Anthroposphäre, ein DFG-Projekt das nun bereits bald in die zweite Phase geht und in dem wir uns v.a. mit der agrarischen Auenutzung im Tal der Wiesent - exemplarisch für Mittelgebirgstäler - auseinandersetzen.

Dazu gehören auch die Forschungen zur mittelalterlichen Keramik, die sich einerseits aus BaLISminK ergeben, andererseits aber Keramikforschungen im Raum Bamberg, das neben Auswertungen alter Fundkomplexe auch ein Citizen Science-Projekt umfasst, in dem gemeinsam mit Studierenden und Ehrenamtlichen des BLfD den Tonabbaugruben und Töpfereien im Raum zwischen Forchheim im Süden und der Landesgrenze im Norden nachgegangen wird. Archäologische Arbeitskreise aus Bamberg, Fürth und Kronach aber auch individuelle Bürger-Forscher*innen bringen sich hier ein. 2025 kam es mit Bezug zum Projekt zu ersten Grabungen bei Kronach, die einen wichtigen Keramikkomplex erschlossen haben. 

2026 wird davon auf AMANZnotizblog und auch Archaeologik noch zu berichten sein.

Thema wird sicher auch noch der Heilige Otto von Bamberg werden, der mich 2024/25 fasziniert und beschäftigt hat, da er spannende Forschungen zwischen Geschichtswissenschaft und Archäologie angestoßen hat. Publikationen dazu sind bereits im Druck.  Im AMANZnotizblog scheinen bereits einige studentische Beiträge aus diesem aus einer Pommern-Exkursion erwachsenen Projekt auf.

Und noch ein Thema hat mich 2025 beschäftigt, das sich sicher auch noch  auf Archaeologik niederschlagen wird - sind hier doch auch bereits einige Vorarbeiten zu finden: Nachhaltigkeit in mittelalterlichen Gesellschaften im Spiegel der Umweltarchäologie.

Mit diesen Themen war es 2025 wie mit dem Museum vor der Haustür, das man noch nie besucht hat: Da man das ja immer in greifbarer Nähe hat, muss es gegenüber anderen Dingen immer wieder zurück stehen...


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