Donnerstag, 14. Dezember 2023

Der Diskobol des Myron - Begierden zwischen Klassik und NS-Propaganda

Myron (ca. 480–440 v.Chr.) war neben Phidias und Polyklet einer der berühmten Künstler der griechischen klassischen Periode. Die Statue zeigt einen "Diskuswerfer, der sich in der Haltung des Abwurfs gebückt hat, seinen Kopf zu der Hand gewendet, die den Diskos hält, ein Knie leicht gebeugt, wobei er den Eindruck erweckt, dass er sich gleichzeitig mit dem Wurf wiederaufrichten wird" (Lukian, Philopseudes 18). Das Original war aus Bronze, doch wurden insbesondere in römischer Zeit Marmorkopien. Eine davon wurde 1781 auf dem Esquilin in Rom gefunden und gelangte in den Besitz der Adelsfamile Lancelotti, nach der das Exemplar heute benannt wird.
Diskobolos Lancelloti: Römische Marmorkopie (2. Jh. n.Chr.),
gefunden 1781 auf dem Esquilin in Rom, heute im Nationalmuseum Palazzo Massimo
(Foto: Rabax [CC BY SA 4.0 DEED] via WikimediaCommons)

 
 
Im 19. Jahrhundert wurde der Diskobol zu einem Symbol der Olympischen Spiele - und auch 1938 spielte er in dem  NS-Propagandafilm Olympia der Regisseurin Leni Riefenstahl eine besondere Rolle. Die Statue war in Rom auch Adolf Hitler aufgefallen, der sie unbedingt kaufen wollte, obwohl die Oberste Altertumsbehörde in Italien die damals noch im Besitz der Familie Lancelotti befindlichen Statue für unverkäuflich hielt. Im Mai 1938 wurde die Statue mit Genehmigung des italienischen Außenministers für  6 485 000.- Lire an die deutsche Reichsregierung verkauft, woraufhin sie als Leihgabe in die Glyptothek in München gelangte.
 
Im Novemberg 1948 wurde die Statue an Italien restituiert. Sie ist heute im Museo Nazionale Romano ausgestellt.
 
Und jetzt kam die Glyptothek daher und fordert die Statue zurück nach München. Die Restitution sei illegal gewesen, Adolf Hitler hätte die Statue rechtmäßig erworben. Eine offizielle Forderung der Bundesrepublik Deutschland ist das indes nicht.
 

Wenn die Darstellung der Berliner Morgenpost den Sachverhalt richtig wieder gibt, ist die Forderung der Rückgabe einer ehemals von Adolf Hitler angekauften Satatue ein reichlich unverständlicher Vorgang, der der Glaubwürdigkeit der Archäologie und allen Bemühungen im Umgang mit NS-Raubkunst schadet.

Anlaß für die Rückforderung war nach den Berichten zu urteilen jedoch eine eher kindische Retourkutsche für Forderungen aus Italien, nun auch den noch immer in München befndlichen Sockel zur Statue an Italien zurück zu geben. Warum München den neuzeitlichen Sockel zur Statue überhaupt behalten hat, ist mir nicht verständlich.


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