Dienstag, 31. Juli 2012

Plünderung in Palmyra - ein Video

Ein Video, das der französische Sender France 24 verbreitet, zeigt Uniformierte - wohl der syrischen Armee - beim Hantieren mit antiken Grabstatuen. Es wurde am 18. Februar angeblich in Palmyra mit einer Handy-Kamera aufgenommen. Von einem Deserteur der syrischen Armee, der zur Freien Syrischen Armee übergelaufen ist, gelangte es an einen Vertreter der Opposition und jetzt an France24.



Auf YouTube am 21.7.2012 von veröffentlicht


"Die wollen die hier?" fragt einer der Uniformierten. Eine Anfrage französischer Journalisten bei der syrischen Botschaft in Paris, ob das Militär eingesetzt war, um archäologische Objekte in Sicherheit zu bringen, blieb bislang unbeantwortet.
Das Video ist kein Beweis für Plünderungen - aber der Verdacht liegt nahe, dass wir hier Zeugen sind, wie antike, palmyrenische Statuen auf Bestellung gestohlen werden.

Quelle
Interner Link
Update (20.8.2012):
Ein weiteres Video in der facebook-Gruppe 'Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر' zeigt die Verladung von Statuen auf einen Pick-up.

Update (24.10.2012)

Der Fernsehbeitrag ttt titel thesen temperamente v. 21.10.2012: Syriens Weltkulturerbe in Gefahr zeigt das Angebot eines palmyrenischen Reliefs auf ebay. Anbieter ist ein amerikanischer Händler, das Stück stammt angeblich aus alter Sammlung.


    Looting at Palmyra? - A video proof?

    A video, distributed by French news platform France24 shows some men in uniforms when handling with ancient statues. The video was filmed with a cameraphone at the 18th of february at the UNESCO World heritage site of Palmyra in Syria.

    Samstag, 28. Juli 2012

    Neue Meldungen aus Syrien

    Doura Europos Euphrates 2
    Dura Europos am Euphrat
    (Foto: Marsyas [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons)
    Aus Syrien kommen immer neue Meldungen über Plünderungen und Zerstörungen archäologischer Fundstellen. Aktuelle Meldungen aus der internationalen Presse und vor allem auch Beobachtungen von vor Ort bietet die Facebook-Gruppe  Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر.
    Hier finden sich auch Kurzberichte z.B. über Plünderungen im Museum von Dura Europos. Demnach wurde das Museum am 7. oder 8. Juli geplündert. Das Museum, das auf antiken Grundlagen aufgebaut wurde, sei vollkommen zerstört, Türen, alle Fenster, Modelle, Tafeln, selbst Bausteine seien gestohlen, die Ausstellungsstücke geraubt oder zerstört.


    Ergänzend zu den früheren Posts zu Syrien einige neuere Pressemeldungen:


    Interne Links

    Donnerstag, 26. Juli 2012

    Römer und Barbaren - Siedlungsfunde aus Heuchlingen

    Bei der Aufnahme der Sammlung Kley fiel ein kleiner Fundbestand frühalamannischer Keramik aus Heuchlingen (Gde. Gerstetten, Lkr. Heidenheim) ins Auge. Anfang der 1970er Jahre konnte Kley in einer Pflugfurche die Reste einer völkerwanderungszeitlichen Grube dokumentieren. Neben einem möglicherweise erst ins 5. Jahrhundert zu datierenden schräg gerieften Gefäß (5) und einem ebenso späten stempelverzierten Stück liegen zahlreiche Scherben grober handgemachter Keramik vor, von der zahlreiche Scherben eine flächendeckende Fingertupfenverzierung aufweisen (1-2). Diese Verzierungsart ist in Südwestdeutschland eher ungewöhnlich und tritt etwa in der frühalamannischen Siedlung im ehemaligen Kastell Heidenheim nur in geringer Zahl auf. Sie weist auf „rhein-wesergermanische“ Beziehungen, wo entsprechende Keramik schon in kaiserzeitlichen Kontexten auftritt. Das Heuchlinger Fundspektrum umfasst allerdings auch typische "elbgermanische" feine graue handgemachte Ware (3-4) und etwas Grobkeramik.
    Zellenabstand und Zelleninnenabstand in Tabellen
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    Keramikfunde aus Heuchlingen
    (Slg. A. Kley, Fotos R. Schreg)

    Kley hat in seinen Skizzen die Lage der Grube festgehalten, wenn auch die damalige Einmessung nicht mehr exakt nachzuvollziehen ist. Außerdem geht aus seinen Aufzeichnungen hervor, dass im angrenzenden Gelände zahlreiche römische Keramik lag. Damit stellt sich die Frage, in welcher Lagebeziehung die spätantiken/ völkerwanderungszeitlichen Funde zu den römischen stehen.

    Schon seit langem wird die Kontinuität der Siedlungsstrukturen über das Ende der Limeszeit hinaus diskutiert. Zumeist wird dabei daran gedacht, dass sich die landnehmenden Alamannen neben die alten Gutshöfe gesetzt hätten. Inzwischen gibt es aber auch Überlegungen, ob die alamannische Bevölkerung nicht gezielt von römischer Seite auf einzelne Gutshöfe eingewiesen worden sind. Die genannte Fundstelle in Heuchlingen dürfte für diese Frage nicht uninteressant sein, könnte die 'rhein-weser-germanische' Keramik doch teilweise noch ins 3. Jahrhundert datieren.


    Befliegungen rund um Heuchlingen
    Im Zusammenhang mit den Arbeiten auf der Stubersheimer Alb und - früher schon - zum Geislinger Talkessel ergab sich mehrfach die Gelegenheit zu luftbildarchäologischen Flügen. 2005 wurde somit auch Heuchlingen angesteuert, um etwas mehr Klarheit über die topographische Relation der 'barbarischen' und der römischen Fundstelle zu erhalten.

    Heuchlingen: römische Villa. Der rot markierte Bereich gibt
    den Bereich an, in dem nach den Unterlagen von Kley die
    Grube mit der völkerwanderungszeitlichen Keramik
    lokalisiert werden muss.
    (Luftbild R. Schreg 2005)
    Tatsächlich zeigte sich im Luftbild der deutliche Grundriss einer römischen Villa rustica samt ihrer Umfassungsmauer. Damit wurde deutlich, dass die Grube mit der spätantiken/ völkerwanderungszeitlichen Keramik knapp außerhalb des Villengeländes lag.

    Heuchlingen (Luftbild R. Schreg 2005)

    Interessanterweise wurde jedoch auch nur wenige hundert Meter von der genannten Fundstelle bei Heuchlingen entfernt eine zweite Villa im Luftbild erfasst, von der noch keine Funde aktenkundig waren. Als Resonanz auf eine erste Publikation der Luftbilder im Heidenheimer Jahrbuch ging jedoch der Hinweis ein, dass bereits früher dort römische Funde gemacht worden sind. Entsprechende Informationen gingen daraufhin auch an die Bodendenkmalpflege. 2011 war es für die Kollegen notwendig, Teile dieses Gutshofes in einer Rettungsgrabung zu untersuchen. Der Steinbauphase ging hier offenbar eine Holzphase voraus.

    Die Heuchlinger Befunde fügen sich ein in ein Bild der römischen Besiedlung auf der östlichen Schwäbischen Alb, das in den vergangenen Jahren schärfere Konturen angenommen hat. Mehrfach sind hier kleine römische Villen erfasst worden: In Flur Fürsamen bei Heidenheim wurde ein Gehöft ergraben, bei dem gerade mal der Keller gemauert war. Ähnliches zeigen die Grabungen entlang der Autobahn A8 und die geophysikalischen Prospektionen auf der Stubersheimer Alb. Dort war schon 1997 bei den angesprochenen Befliegungen bei Bräunisheim der Grundriß eines römischen Gebäudes erfasst und anschließend geomagnetisch prospektiert worden. Ich habe das Gebäude als Hinweis auf kleine römische Gutshöfe verstanden, doch hat sich nun bei großflächigem Bodenradareinsatz gezeigt, dass es sich lediglich um das Nebengebäude einer Villa rustica handelte (s. Archaeologik). Das Hauptgebäude lag nicht weit entfernt, wurde aber schon früher bei Baumaßnahmen weitgehend zerstört. Aus älteren Aufsammlungen vor der Flurbereinigung der 1970er Jahre liegen von Oberflächenfunde römischer Keramik vor; neue Begehungen erbrachten nur noch unbestimmbare kleinste Scherbchen.
    Weitere römische Anlagen wurden auf der Stubersheimer Alb im vorigen Jahr bei großflächigen Prospektionen dokumentiert (s. Archaeologik).

    Völkerwanderungszeitliche Siedlungen
    Heuchlingen.
    Grabung des
    Landesamts für Denkmalpflege 2011
    (Foto R. Schreg)
    Die östliche Schwäbische Alb ist seit langem eine bedeutende Fundlandschaft für die Völkerwanderungszeit. Grabfunde sind vergleichsweise selten, aber Siedlungsfunde liegen aus Sontheim an der Brenz, aus Nattheim, aus Heidenheim-Schnaitheim und aus dem Kastell Heidenheim vor. Weiter westlich liegen Fundstellen bei Essingen, und Urspring sowie in Geislingen an der Steige. Hinzu kommen einige Funde aus der Sammlung Kley aus Treffelhausen, Schalkstetten und Stubersheim (s. Archaeologik).

    Immer wieder ist hier eine Nachbarschaft zu römischen Ansiedlungen zu erkennen, am deutlichsten in Heidenheim, wo innerhalb der alten Kastellmauern eine völkerwanderungszeitliche Siedlung mit großen Pfostenbauten nachgewiesen werden konnte.



    Heidenheim, Barbaren im Kastell: völkerwanderungszeitliche Langhäuser
    (Graphik R. Schreg nach Planunterlagen von M. Scholz)
    Um inhaltlich voran zu kommen, müssen die offenen chronologischen Fragen - vor- und nach dem Limesfall - geklärt werden. Das wird allein mit Lesefunden nicht gelingen, sondern setzt exakte Befundbeobachtungen voraus. Und es wird wichtig sein, die "barbarischen" Bauaktivitäten zu identifizieren. Die Fundstelle in Heuchlingen bietet hier eventuell einen vielversprechenden Ansatz - eine geophysikalische Prospektion wäre ein erster strategischer Schritt dazu. Wildes Absammeln ohne genaue Einzelfundeinmessung sollte (auch im Pflughorizont) unterbleiben!


    Literaturhinweis
    • R. Schreg: Luftbildarchäologie zwischen Heidenheim, Urspring und Langenau. Römische Gutshöfe bei Heuchlingen und Bräunisheim. Heidenheimer Jahrbuch 12, 2007/08, 106-118
    • A. Neth, Eine villa rustica in Holz und Stein bei Heuchlingen. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2011, 164-167.
    • R. Schreg, Die Erschließung der Siedlungslandschaft. In: D. Ade/B. Rüth/A. Zekorn (Hrsg.), Alamannen zwischen Schwarzwald, Neckar und Donau. Begleitbuch zur Wanderausstellung (Stuttgart 2008) 56–61. 
    • S. Spors-Gröger, Die ersten Alamannen. In: A. Gut (Hrsg.), Die Alamannen auf der Ostalb. Frühe Siedler im Raum zwischen Lauchheim und Niederstotzingen. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 60 (Esslingen 2010) 40–55.
    • M. Scholz, Eine römische Villa rustica und völkerwanderungszeitliche Bauernhäuser bei Heidenheim-Schnaitheim. Vorbericht der Ausgrabungen 2002 und 2004 im Gewann "Fürsamen". Jahrb. Heimat- u. Altver. Heidenheim 11, 2005/2006, 64–94.
    • M. Scholz, Die spätantike Besiedlung der östlichen Schwäbischen Alb. In: J. Biel/J. Heiligmann/D. Krauße (Hrsg.), Landesarchäologie. Festschrift für Dieter Planck zum 65. Geburtstag. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 100 (Stuttgart 2009) 469–501.
    interner Link
      Dank
      an Dieter Schwell, den Piloten und Siegfried Kastler für den Hinweis auf frühere Funde in Heuchlingen

      Montag, 23. Juli 2012

      Mona Lisa vor dem Bagger gerettet

      Sant'orsola firenze
      Florenz, Kloster Santa'Orsola:
      der leerstehende Komplex 2007
      (Foto: I, Sailko [CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons)
      Derzeit gehen Meldungen durch die Presse, nach denen Archäologen als Ergebnis gezielter Suche die Gebeine der Mona Lisa gefunden hätten. Der Augsburger Allgemeinen Zeitung gilt der Fund als die Auflösung einer "der spannendsten Detektivgeschichten der vergangenen Jahre".

      Die (potentielle) Sensation ist jedoch das Resultat einer archäologischen Rettungsgrabung - auch wenn der wissenschaftliche Grabungsleiter Silvano Vincenti  schon seit Jahren auf den Spuren der Mona Lisa war. Tatsächlich stand der Komplex des ehemaligen Klosters Sant'Orsola in Florenz seit Jahren leer und wird zur Zeit saniert. Die flächigen Grabungen im Innern und offenbar auch Bauaufnahmen sind wesentlich umfassender als die publikumswirksame Suche nach Mona Lisa.

      Mona Lisa-restored
      Leonardo da Vinci ([Public domain],
      via Wikimedia Commons)
      Hinter der ominösen Frau auf Leonardo da Vincis Gemälde wird Lisa del Giocondo, die Gattin eines reichen florentinischen Seidenhändlers vermutet, die im Kloster bestattet wurde.

      Einen Beweis, dass es sich bei der Toten um die lächelnde Mona Lisa auf dem Gemälde handelt, wird man übrigens nicht erbringen können: Beweisen lässt sich allenfalls per DNA-Analysen, dass die Tote eine Vorfahrin von anderweitig bekannten Nachkommen der Lisa del Giocondo war. Eine Gesichtsrekonstruktion wird allenfalls Indizienwert haben.



      Links
      Nachtrag (14.9.2012):